n Baroni iere. 201 indig.
diensten 10 d, so wird Kleinodien beschuldigt,
Jahre alt, f Klein zu alten stlinit. ih verbracht. geb. Zeh, irth 0
35. Die „den 7. ds. om Sterbe⸗
——
„ Belt, Je. ttmann, beide n
aun eng ui J 19 0
ernannt wird.
0 0 Städten
Gießen, Freitag, den 8. Mai
1896.
Ausgabe
Gießen.
ische Landeszeitung.
5 8. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. N Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. E 2 8 Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. 20 Kreuzplatz Nr. 4.
Neue Polizeiverwaltung in Hessen.
h. Der Gesetzentwurf, die Polizeiverwaltung im Groß⸗ herzogtum Hessen betreffend, hat dem Gesetzgebungs-Aus⸗ schuß der Zweiten Kammer zur Beratung vorgelegen und wird dem Vernehmen nach der gedruckte Ausschußbericht in den nüchsten Tagen erscheinen. Das Gesetz beabsichtigt bekanntlich die gleichzeitige Regelung der Polizeiverwaltung in den 5 größeren hessischen Städten. Während in Mainz, Offenbach und Worms nämlich bis jetzt die Polizei aus⸗ geübt wird durch die städtische Behörde resp. den Ober⸗ bürgermeister, haben Darmstadt und Gießen je ein selbst⸗ stündiges Polizeiamt, dessen Leiter von der Regierung Nach dem zur Beratung vorliegenden
Gesetzentwurf soll die örtliche Polizei direkt dem Kreisrat über⸗ tragen und von demselben ausgeübt werden— mit Aus⸗ nahme einzelner im Gesetz bezeichneter Zweige der Wohl⸗ fahrtspolizei. Diese kann— nach dem Regieruugsent⸗ wurf— in den Städten auf Antrag der Stadtverordneten⸗ Versammlung dem Bürgermelster übertragen werden. Wie man hört, verlangt der Gesetzgebungs-⸗Ausschuß, daß die Wohlfahrtspolizei auf Antrag zu übertragen sei, während eine Minderheit des Ausschusses der Meinung sein soll, daß diese Uebertragung Kraft Gesetzes überhaupt zu geschehen hätte.
Die Regierung wollte nach dem Gesetzentwurf an die Städte übertragen: Bau⸗, Meß⸗, Markt-, Hafen⸗, Schlacht⸗ haus⸗, Viehhof⸗, Armen⸗ und Feldpolizei, wozu nach der Ansich“ des Ausschusses noch die Feuer- und Friedhofpolizei und das Feuerlöschwesen kommen müßte, während wieder einzelne Mitglieder des Ausschusses, wie man hört, noch weiter gehen wollen und auch die Straßen⸗ und Wegepolizei übertragen wollen. Die Bürgermeister der Städte sollen in den ihnen übertragenen Zweigen der Polizeiverwaltung selbständig sein, sie würden direkt dem Minister unter⸗
en und hätten das Recht, mit Genehmung des Mini⸗
riums unter Zustimmung der Stadtverordneten-Ver⸗ sammlung in denen ihnen überwiesenen Zweigen für die Städte Polizeiverordnungen zu erlassen, in außerordent⸗ lichen Fällen, wenn Gefahr im Verzuge ist, polizeiliche Anordnungen zu treffen und zur Beseitigung gefahr⸗ bringender und ordnungswidriger Zustände Polizeibefehle zu erlassen.
Die Verteilung der Kosten des Polizeiwesens soll gleichzeitig durch dieses Gesetz neu geregelt werden. Wäh⸗ rend bisher in den 5 Städten durchschnittlich 94 Prozent der gesamten Kosten für die Unterhaltung der Polizei von den Städten geleistet wurde— den Rest von etwa 6 Prozent dieser Unterhaltungskosten trug der Staat— schlͤͤgt der Gesetzentwurf vor, daß die Städte per Kopf der Bevölkerung 2 Mark für die Kosten der Polizei zu zahlen hätten. Es würde dies zur Zeit etwa 80 Prozent der gesamten Kosten unseres Polizeiwesens ausmachen.
und Darmstadt würden bei diesem Vertellungs⸗ modus je 30 000 Mk., Worms und Offenbach je 8000 Mark im Jahre sparen. Die Stadt Gießen würde aber 3000 Mk. pro Jahr mehr auszugeben haben und diese Last würde mit dem Wachsen der Bevölkerung in den naturgemäß pro Kopf derselben sich mit 2 Mark steigern. Dazu kommt noch, daß die Städte
Zeit für Zwecke der Polizei dem Staate überlassen sollen was z. B. für Mainz mehrere 10,000 Mark betragen würde. Nach der Be— gründung des Entwurfs wäre die Art der Verteilung der Kosten übereinstimmend oder im Anschluß an die Be— stimmungen des preußischen Gesetzes über die Polizeikosten in den Städten mit kgl. Polizeiverwaltung erfolgte. Das ist aber nicht ganz richtig und läßt sich das preußische System auf hessische Verhältnisse auch nicht gut anwenden. Nach dem preuß. Gesetz bezahlt allerdings Berlin mit seiner Riesenbevölkerungsziffer pro Kopf der Civilbevölke⸗ rung Mk, 2,50 pro Jahr dem Staat für die Unter- haltung der Polizei aber alle anderen Städte in Preußen, welche mehr als 75000 Einwohner zählen, leisten nur Mk. 1,40 pro Jahr und Kopf, während Städte zwischen 40— 75000 Seelen gar nur Mk. 1,10 für Polizeiunter⸗ haltungskosten vergüten. Von den Städten unter 40 000 Einwohner wird aber nach dem im hess. Gesetz⸗ entwurf angezogenen Polizeikostengesetz in Preußen über⸗ haupt nur eine Abgabe von 70 Pf. pro Kopf der Be— völkernng verlangt. Auf Hessen angewendet würde nach preußischem Maßstab Darmstadt und Mainz nur 1,10 Worms, Offenbach und Gießen aber nur 70 Pf. pro Kopf der Bevölkerung zu bezahlen haben, wenn die Polizei⸗ behörde verstaatlicht würde. In Abgeordnetenkreisen sollen die Ansichten über die Regelung der Kostenfrage sehr aus— einandergehen. Ein Teil vertritt den prinzipiell wohl allein richtigen und konsequenten Standpunkt, daß der Staat für diejenigen Zweige der Polizei die Kosten zu übernehmen habe, die er nach dem Gesetz faktisch ver⸗ walten wird, während dieses betreffs der den Städten zu übertragenden Zweige der Wohlfahrtspolizei selbstver⸗ ständlich von diesen zu geschehen habe. Ein anderer Teil der Abgeordneten ist der Ansicht, daß nach der Entwick⸗ lung der Verhältnisse in den hess. Städten diese um das Staatsbudget nicht zu sehr zu belasten, einen erheblichen Beitrag der in Frage kommenden Kosten zu tragen haben. Hierbei sind die Vertreter der Städte der Meinung, daß dieser Beitrag wesentlich geringer bemessen werden müsse, als in der Regierungsvorlage vorgesehen, während in den Kreisen der ländlichen Vertreter die Vorlage mit Rücksicht auf die auch nach dem Regierungsentwurf das Land treffenden Mehrkosten dem Gesetz nicht viel Sympathie entgegengebracht wird und dürfte schon ein Scheitern des Gesetzentwurfs wegen des Kostenpunktes wahrscheinlich sein. Ueber die Regelung der Polizei auf dem Lande, bestimmt der Regierungsentwurf im Wesentlichen nichts Neues. Nur soll der Regierung das Recht eingeräumt werden unter gewissen Verhältnissen, für mehrere Landge⸗ meinden zusammen an Stelle der Bürgermeister einen staatlichen Beamten als Polizeiꝙ⸗Kommissar bestellen zu können. Die eventuellen Kosten dieser Einrichtung sollen von den betreffenden Landgemeinden zur Hälfte, zur andern Hälfte vom Staate getragen werden. Schon jetzt hat nach dem bestehenden Recht für die Regierung das Recht eine einzelne Landgemeinde unter gewissen Verhältnissen, einen staatlichen Beamten die Handhabung der Polizei zu übertragen— ohne unseres Wissens von diesem Recht jemals Gebrauch gemacht zu haben. Es heißt nun, daß die Mehrheit des Gesetzgebungsausschusses aus dem Re⸗ gierungsentwurf nicht nur den Passus, daß die Regierung
bestimmt ist, kostenlos
nach dem Entwurf sämtliches Eigentum, welches zur
die Polizeigewalt auf dem Lande für mehrere Gemeinden
den Bürgermeistern entziehen und einem Polizei-Kommissar übertragen kann, gestrichen habe, man soll sogar weiter gegangen sein und damit die Meinung vertreten, daß auch selbst für die einzelnen Landgemeinden unter keinen Um- ständen dem Bürgermeister die polizeilichen Befugnisse ent⸗ zogen werden dürfen.
Darauf wird sich zweifellos die Regierung nicht ein⸗ lassen und sollte der Landtag hierin nicht nachgeben, so würde der ganze Entwurf am Widerspruch der Regierung scheitern.
Lokales und Provinzielles. * Gießen, 7. Mai. Bei den Oberhessi⸗ schen Eisenbahnen(Hauptbahnen) hat sich im Monat März l. J. gegen den Parallelmonat des Vorjahres im Personenverkehr, jeden⸗ falls infolge der günstigen Witterung, ein Ein⸗ nahmezuwachs ergeben. Ebenso sind im Güterverkehr Mehreinnahmen 91 15 Prozent) zu verzeichnen, welche auf die Mehr⸗ beförderung von fast sämtlichen Massenartikeln zurückzuführen sind. So sind z. B. 2634 Tonnen Eisensteine mehr befördert worden; nur der Artikel Braunkohlenbriquettes weist einen nennens⸗ werten Ausfall mit etwa 2200 Tonnen auf, der wahrscheinlich durch die warme Witterung ver— anlaßt worden ist.— Bei den Nebenbahnen Nidda— Schotten und Stockheim—Gedern haben sich ebenfalls entsprechende Steigerungen des Güterverkehrs ergeben, welche hauptsächlich Trans⸗ porte von Holz und Baumaterialien in sich be⸗ greifen, dagegen hat bei der Nebenbahn Hungen— Laubach wieder ein Rückgang der Einnahmen stattgefunden.
* Gießen, 7. Mai.(Besitz wechsel.) Das dem Postsekretär Weber in P. aus Bingen ge⸗ hörende Besitztum Bleichstraße 4 ging gestern in den Besitz der Firma Wallenfels und Sauer für den Preis von Mk. 4000 über.
* Gießen, 7. Mai. Der Assistent Grieb vom forstwissenschaftlichen Institut kaufte vor einigen Tagen das Kaufmann Windecker'sche Haus, Bergstraße No. 11 belegen, für den Preis von Mk. 28 500.
Gießen, 7. Mai. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Das Programm für das auf Sonntag, den 10. d. Mts. geplante Friedens- und Jugendfest ist nunmehr wie folgt endgültig festgestellt; nachmittags halb zwei Uhr: Aufstellung des Festzuges auf Oswaldsgarten. Nachmittags 2 Uhr pünktlich: Abmarsch desselben über Neustadt, Marktstraße, Marktplatz, Schulstraße, Neuenbäue, Gartenstraße und Grünbergerstraße nach dem Trieb. dreiviertel drei Uhr: Feier auf dem Trieb, danach Jugend⸗ spiele im Philosophenwald, auf der Liebigshöhe und beim Schützenhaus. halb 7—7 Uhr: Rückmarsch vom Trieb nach der Stadt. Am Festzug werden sich(in dieser Reihenfolge) beteiligen: der Stadt⸗ und Schulvorstand, die Stadtmädchenschule, die Stadtknabenschule, die höhere
und erweiterte Mädchenschule, die Realschule und das Realgymnasium, das Gymnasium(zusammen ca. 2500 Schüler und Schülerinnen.) Die Feier auf dem Trieb wird eingeleitet durch die vereinigten Männergesangvereine mit Beethoven's„Ehre Gottes aus der Natur“, es folgt eine Ansprache des Herrn Professors Stamm, danach, von allen Teilnehmern gemeinsam gesungen, der 1. Vers von „Deutschland, Deutschland über Alles“ und zum Schluß „Das treue, deutsche Herz“ von Otto, vorgetragen von den vereinigten Männergesangvereinen. Alle Knabenschulen spielen im Philosophenwald, die Stadtmädchenschule auf der Liebigshöhe, die höhere und erweiterte Mädchenschule beim Schützeuhaus. Zur Begleitung des Festzuges sowie zum Konzert auf den vorgenannten Spielplätzen sind die Kapelle des 27. Fußartillerie-Regiments in Mainz und die beiden hiesigen Zivilkapellen gewonnen. Mitglieder des Turn⸗ vereins haben ihre Mitwirkung bei Bildung des Fest⸗ zuges und Abhaltung der Spiele, die beiden freiwilligen Feuerwehren, die ihrige bei Sicherung des Platzes auf dem Trieb für die an der dortigen Feier teilnehmenden Schulen gütigst zugesagt. Wenn bei alledem der Auf⸗ forderung zu einer allgemeinen Beflaggung der Stadt und zu einer regen Bethätigung der ganzen Einwohnerschaft an den geplanten Veranstaltungen— wie zu erwarten— allseitig entsprochen wird— und der Himmel ein freund⸗ liches Gesicht macht, dann steht zu hoffen, daß das Ganze würdig der besonderen Bedeutung des 25. Jahrestages des Frankfurter Friedensschlusses verläuft, als ein patrio⸗ tisches Fest gefeiert in dankbarer Würdigung der Seg⸗ nungen des Friedens, von den Alten mit der Jugend.“ * Gießen, 7. Mai. Zur Bewältigung des Personenverkehrs anläßlich der am Sonntag, den 10. Mai cr. stuttfindenden Enthüllung des Kaiser— denkmals in Frankfurt a. M. werden an diesem Tage u. A. nachfolgende Sonderzüge gefahren: Strecke Frankfurt a. M.⸗Gießen. 1. Friedberg ab 7 Vorm.
Frankfurt Hptbhf. an 82”„
2. Gießen ab ie Frankfurt Hptbhf. an 9%„
3. Frankfurt Hptbhf. ab 10% Nachm. Gießen an 12 Nachts
4. Frankfurt Hptbhf. ab 117 Nachm. Friedberg an 123“ Nachts
Die speziellen Fahrpläne für Sonderzüge sind an den Stationsschaltern ausgehängt.
t. Nieder⸗Weisel, 6. Mai. Bei schönstem Wetter ist die Einweihung der alten Kom⸗ thurkirche programmmäßig verlaufen. Unser Dorf, Butzbach, Ober-Hörgern, Eberstadt und Lich, alles Orte am Wege, den der Herrenmeister des Johanniter⸗Ordens, von Laubach per Wagen kommend, passieren mußte, sie waren prächtig geschmückt mit Flaggen, Guirlanden, Wappen und Tannengrün. Gegen 4 Uhr bildeten die Schuljugend, unsere Gesangvereine, die freiwillige Feuerwehr und der Kriegerverein Spalier. Vor der Freitreppe des Hospitals versammelten sich die Mitglieder der Hessischen Genossenschaft von
—
——ↄ—œ5j—3———— Ebenso.
Onkel Von Edgar Reinhold. (Schluß.)
„Treibe auch der Zufall noch seinen Hohn mit mir“, brummte der Getäuschte; dann aber blitzte ein Hoffnungsstrahl in ihm auf:
„Laubfrosch bleibt Laubfrosch, ob lebend oder von Wachs, darüber ist nichts ausgemacht. Und vielleicht—“ bei diesem Gedanken verzog sich Otto's Gesicht zu einem vergnügten Grinsen— „vielleicht läßt sich meir weißes Nichtchen mit diesem wächsernen Scheusal ganz hübsch anführen, und ich habe dann Revanche für alles erlittene Ungemach.“
Schmunzelnd betrat„Onkel Ebenso“ den Laden und erstand den Laubfrosch. Derselbe war zwar eigentlich nicht verkäuflich, sondern nur Schaufenster—
mit dreißig Mark bezahlen, denn der Laubfrosch war ein Kunstwerk, durchaus naturgetreu und vom feinsten Wachs.
Arm und verließ den Laden. Uhr: sie zeigte auf halb fünf.
der Wohnung von Else's Eltern.
einmal bei uns sehen läßt“, sagte diese,„mein
ann muß gleich nach Hause kommen, und ich habe nur einen kleinen Weg zu gehen und bin auch bald zurück. Geh nur hinauf, Du findest oben Else. Sie ist sehr stolz, denn sie hat oben einen Heiratsantrag erhalten und dankend angenommen.“
dekoration, aber aus besonderer Gefälligkeit verkaufte ihn der Ladeninhaber und ließ sich diese Gefälligkeit
Otto ließ dieses kostbare Kleinod sorgfältig in Päpier einwickeln, nahm es unter den Er sah nach der Jetzt war Else sicherlich daheim, vielleicht war gar noch Besuch da, dann konnte er die kleine Komödie, die er mit Else vor hatte, gar von einem sicherlich dankbaren Publikum spielen. Mit beflügelten Schritten eilte er nach
n der Hausthür traf Otto auf Else's Mama, seine Schwester Kamilla; dieselbe war übrigens nicht seine rechte, sondern nur seine Stiefschwester.
„Das ist schön, Otto, daß Du Dich wieder
— ͤ ̃—
Otto stand wie vom Donner gerührt, und ehe er etwas sagen konnte, war seine Schwester, ihm freundlich zunickend, verschwunden.
Else verlobt! Der Gedanke war ihm noch nie gekommen, das schien ihm unfaßbar. Wohl hatte er immer bemerkt, daß Else, wo sie erschien, von Herren umschwärmt wurde, aber er hatte nie ge— sehen, daß sie irgend einen besonders bevorzugte. Auch drängelten sich ihre Verehrer stets so um sie herum, daß gar keiner Gelegenheit gefunden hatte zu spezieller Erklärung. Wer sollte nun Else be— sitzen? Der Gedanke schnürte Otto fast die Kehle zu, und ein nie gekanntes Gefühl lagerte sich mit Zentnerschwere auf seine Brust. Er hätte rasen mögen, wie Ajax, und doch hielt ein unbeschreibliches Weh ihn gefesselt. War das noch derselbe Otto, dem die absolute Wurschtigkeit über alles ging?
Zaudernd stand er auf der Treppe. Er wollte umkehren, er wollte fliehen, er wußte nicht vor wem, aber er that es nicht, er stieg weiter die Treppe hinauf und zog die Klingel. Seinen Laub— frosch, den er krampfhaft unter dem Arm gepreßt hielt, und die Komödie, die er mit demselben zu inszenieren gedacht batte, hatte er total vergessen.
Da wurde die Thür geöffnet, und vor ihm stand Else, heiter lächelnd, sonnig wie immer.
„Wie reizend, Onkel Ebenso, daß Du ge— kommen bist!“
Drinnen im Zimmer stellte sie sich vor Otto auf und betrachtete ihn musternd.
„Aber was machst Du denn für eine Leichen— bittermiene?“
Otto raffte sich zusammen, er wollte nicht merken lassen, was in ihm vorging.
„Ich?“ fragte er mit erkünstelter Ruhe.
„Ja, Du! Ist Dir etwas passiert, etwas Un angenehmes, oder—“ Else trat hierbei einen Schritt zurück und musterte den Oukel noch ein⸗ gehender von unten bis oben—„hast Du vielleicht
ein böses Gewissen? Hast Du irgend etwas ge— bannt? Bist Du vielleicht wieder in Deine alten Fehler verfallen—“
Heißer Zorn stieg jäh in Otto auf. Sie hatte sich einem anderen angelobt und wollte ihn weiter hofmeistern, wie bisher, was er sich nur in einem unbegreiflichen Wahn, wie er jetzt erkannte, hatte gefallen lassen? Das war zuviel.
„Ich bitte Dich, Else, diese Kindereien müssen doch endlich ein Ende nehmen“, rief er hastig,„und überhaupt jetzt—“
Er vollendete nicht, aber setzte, vielleicht um seinem Zorn irgendwie Luft zu machen, das Laub⸗ froschglas so heftig auf den vor ihm stehenden Tisch, daß die papierne Hülle fiel. Was nun unter dem Glase sichtbar wurde, war nicht das lebens wahre Ebenbild eines Laubfrosches, sondern eine breit auseinander gelaufene, grünliche, breiige Masse. Das Wachs hatte der Hitze nicht stand gehalten Nur die hölzerne Leiter stand noch unverrückt.
Else war bei dem unerwarteten Zornesausbruch des Onkels bestürzt zurückgewichen. Sie war bleich bis in die Lippen und sah mit angstvoll erschrockenen Augen in das grimmige Gesicht Otto's. Dann fiel ihr Blick auf die kläglichen Reste des Wachsfrosches, sie sah auch, wie in des Onkels Antlitz der Zorn einem urkomischen Ausdruck von Verblüfftheit wich. Im Augenblick hatte sie die Laubfroschkomödie durchschaut.
„Du hast mich anführen wollen“, sagte sie lächelnd, aber es war nicht das alte neckische Koboldlächeln. Das sonst sonnigheitere Gesichtchen hatte einen beinahe wehmütigen Ausdruck.
„Ja“, sagte Otto,„wie Du mich, nur daß es mir nicht so gut gelungen ist wie Dir.“
Fragend blickte Else auf.
„Mit wem bist Du verlobt?“ Die Frage kam
rauh und hastig aus Otto's Munde.
Grenzenloses Erstaunen war in Else's Antlitz zu lesen. Otto bemerkte es.
„Deine Mama“, sagte er unsicher und stockend, „teilte mir eben mit—“
Jetzt brach Else in ein fröhliches Lachen aus. Nun wußte sie, weshalb ihr Onkel Ebenso vorhin so sonderbar gewesen, weshalb die„Kindereien“ aufhören sollten, und ihr wurde dabei so leicht um's Herz, eine solche Glückseligteit erfaßte sie, daß sie nicht auders konnte: sie fiel dem Onkel um den Hals und sah unter Thränen lachend ihm in die Augen:
„Ach Du guter dummer Onkel Ebenso, sie hat ja nur Scherz mit Dir getrieben.“
„Else!“
Ihr Name nur, aber welch eine Fülle von Liebe lag in dem Ruf.
„Ich wußte ja nicht, daß ich Dich so über alle Maßen liebe“, kam es fast gleichzeitig von beider Lippen——
Als Else's Eltern bald darauf nach Hause kamen, waren sie nicht sehr überrascht, ein Braut⸗ paar zu finden. Sie behaupteten, das Ereignis längst voraus gesehen zu haben, denn das Sprich wort:„Was sich neckt, das liebt sich“ sei unter allen Umständen richtig. Ja, die Mama erklärte sogar, sie habe bewußtermaßen durch ihre Aeußerung über Else's Heiratsantrag den Eintritt der Kata— strophe herbeigeführt, denn die Geschichte habe ihr schließlich zu lange gedauert. Else und Otto wollen dies zwar nicht recht glauben— denn wie können andere von ihnen wissen, was sie selbst noch nicht wußten?— aber sie streiten nicht. In ihrem äußeren Verhältnis hat sich nicht viel geändert. Else kommandiert nach wie vor und Otto gehorcht, d. h. wenn er sieht, daß Else recht hat. Die Familie aber freut sich dieser Verlobung, denn sie bekommt dadurch zu ihrem„Onkel Ebenso“ eine
passende„Tante Ebenso.“


