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den Horizont auf den Vollmond gerichtet würde, so könne man in der Regel einen fast ununterbrochenen Strom von Vögeln vor der Mondscheibe vorüberziehen sehen. Chapman hat z. B. in der Nacht des 3. September 1887 in dem Observatorlum zu Tenafly(New⸗Jersey) mit einem 6½ zölligen Fernrohr in der Zeit von 8 bis 11 Uhr abends nicht weniger als 262 Vögel vor dem Monde wahrgenommen. Einige Jahre später hatte derselbe Ge⸗ lehrte ähnliche Ergebnisse an dem Observatorium der Columbia⸗Universität in New⸗Vork, wo er zur Beobachtung nur den Sucher des großen Teleskops benutzte. Fernere Beobachtungen wurden im Oktober 1880 und im April 1881 in Princeton(New⸗Jersey) angestellt. Im ersteren Falle wurden an einem Abende durchschnittlich 4½ Vögel auf die Minute gezählt, in letzteren in/ Stunde 23. Die Frühlingswanderung der Vögel beginnt in mittleren Breiten im Februar, erreicht aber ihren Höhepunkt erst im Mai und schließt Mitte Juni. Die Rückwanderung beginnt schon mit dem 1. Juli, ist am stärksten im Sep⸗ tember und schließt nicht vor dem Dezember. Daher giebt es fast keine Jahreszeit, in der ein Beobachter des Mondes nicht gewärtig sein müßte, hier und da einen Vogel in das Gesichtsfeld seines Fernrohrs zu bekommen. Chapman weist mit Recht auf die wertvollen Aufschlüsse hin, die durch eine vermehrte Beobachtung dieser„ge⸗ fiederten Meteore“ für die Vogelkunde gewonnen werden könnten. Es wird jetzt meist angenommen, daß die Vögel während ihrer nächtlichen Reisen sich durch die Topo⸗ graphie des Landes leiten lassen, und daß deshalb Thäler, Flußläufe, Küstenlinien ihnen die Flugstraßen vorzeich nen. Wenn nun in der Hauptzugzeit, also im September, mehrere Beobachter ihre Aufmerksamkeit auf die Zahl der nächtlichen Zugvögel richteten, so könnte man die Flug⸗ straßen wohl genauer erkennen, um die Richtigkeit jener Annahme zu prüfen. Auch die Höhe des Fluges der Zugvögel ist noch wenig bekannt. Wenn man ungefähr die untere und obere Grenze der Entfernung bestimmt, in der sich ein Vogel von dem Fernrohr befinden muß, um durch dasselbe wahrgenommen zu werden, so muß man annehmen, daß dle Vögel in einer Höhe von etwa 1 bis 5 Kilometer ziehen. Am 30. September 1894 beobachtete Bray in England den Flug von Vögeln durch ein auf die Sonne gerichtetes Teleskop und stellte fest, daß die wahrgenommenen Vögel, die für das bloße Auge unsichtbar waren, mindestens 3 bis 5 Kilometer hoch sich befunden haben müßten. Wichtig ist auch die Bestimmung der Zeit, die ein Vogel braucht, um über die Scheibe des Mondes oder der Sonne hinwegzukreuzen. Diese ist sehr verschieden. Einige Vögel erscheinen nur wie flüchtige Schatten, während andere sich mit großer Schärfe auf dem hellen Hintergrunde abzeichnen und mehrere Sekunden im Gesichtsfelde bleiben. Wenn man die Geschwindigkeit des Fluges bei kleinen Vögeln zu etwa 65 Kilometer die Stunde annimmt, und ferner annimmt, daß der Flug senkrecht zur Sehlinie erfolgt, so läßt sich die Höhe der Vögel über der Erde leicht aus dem Höhenwinkel des Mondes bezw. der Sonne berechnen.
— Stierfechter und Schullehrer. Aus Madrid wird den„M. N. N.“ geschrieben: Man hat keinen besseren Maßstab, um den allgemeinen Rückgang des spanischen Volkes zu beurteilen, als indem man die sozlale Stellung des Stierfechters mit der des Schul⸗ meisters vergleicht. Beide sind freilich denselben Volks⸗ schichten entsprossen und stehen, was allgemeine Bildung betrifft, ziemlich auf gleicher Stufe; der Stierfechter kann meistens weder lesen, noch schreiben, und auch der ge⸗ wöhnliche Schulmeister beherrscht die beiden genannten Künste nur sehr mangelhaft. Während aber der Stier⸗
fechter überall die höchsten Ehren genießt und bei weitem populärer und angesehener ist, als der König und die
Städt. Arbeitsnachw
Gartenstraße 2. Vom 2. bis 4. November Nachfrage der
2 Dienstmädchen auf sofort
Angebot der Arbeitnehmer. 1 Werkführer ev. auch als Lagerist oder
Königin⸗Regentin, kommt der arme Schulmeister in Hunger und Elend um und muß bettelnd von Dorf zu Dorf ziehen. Zur Illustration des Gesagten mögen folgende Vorkommnisse der jüngsten Vergangenheit dienen. Der Stierfechter Algabeno kämpfte in der Arena von Sevilla; der Bürgermeister seines Helmatsortes Algaba setzte sich durch das Telephon mit dem Stierfechtplatz in Sevilla in Verbindung und ließ vom Balkon des Rathauses aus durch einen Polizeikommissar den Verlauf des Stiergefechts der andächtig lauschenden Menge mitteilen. Das tele⸗ phonische Gespräch soll dem Stadtsäckel ein anständisches Geld gekostet haben. Zur selben Zeit ereignete sich in Madrid etwas anderes. Ein anständig gekleideter Mann wollte sich von dem Viadukt Segovin in die bodenlose Tiefe hinabstürzen, wurde aber von der Polizei daran verhindert. Auf der Polizeiwache erklärte er, daß er Volksschullehrer sei und seit langer Zelt kein Gehalt mehr bezogen habe. Seit drei Tagen habe er keinen Bissen mehr zu sich genommen, und da ihm das Geld fehle, um sich eine Waffe zu kaufen, habe er seinem Leben durch einen Sturz in die Tiefe ein Ende machen wollen!
— ueber Kopfschmerzen hatte ein Dienst⸗ mädchen zu Mainz häufig geklagt; die Ursache wurde klar, als man entdeckte, daß das Mädchen eine Menge Flaschen guten Weines dem Keller des Herrn entwendet hatte.
— Amerikanische Eisenbahnräuber. Ueber ein amerikanisches Räuberstückchen, das nicht des Humors ermangelt, wird Folgendes berichtet:„In der kleinen, im Westen der Grenze von Missouri belegenen Station Weyler, an der„Paclfic⸗Eisenbahn“, bestiegen vor einigen Tagen zwei elegant gekleidete Herren den Nachmittagszug und nahmen in dem vollbesetzten Salonwagen die beiden letzten verfügbaren Plätze ein. Nachdem der„Kondukteur“ die Fahrkarten der Neuangekommenen geprüft und den Wagen wieder verlassen hatte, spielte sich die folgende niedliche Episode ab. Zwischen den beiden Gentlemen entspann sich ein lebhafter Wortwechsel, der nach wenigen Minuten in einen lauten Zank ausartete. Plötzlich im heißesten Wortwechsel, erhob sich einer der Streitenden, trat in die Mitte des Wagens und rief die geflügelten Worte: Ladies and Gentlemen! Ich ersuche Sie, zwischen uns das Richteramt zu übernehmen und einen streitigen Punkt zu entscheiden. Mein Freund hier glaubt, daß sich in diesem Wagen mindestens zehn Silberleute be⸗ finden, während ich der Ansicht bin, daß sämmtliche An⸗ wesende geschworene Goldleute sind. Wollen Alle von Ihnen, die an das Gold glauben, gefälligst den rechten Arm in die Höhe heben!?“ Jeder im Wagen befindliche rechte Arm schoß sofort in die Höhe, und das war voraus⸗ zusehen, denn die Insassen des Wagens gehörten zu einem Klub nach San Francisco reisender New⸗Yorker Plutokraten, die natürlich alle republikanisch gesinnt waren.„Ich danke Ihnen“, sagte der Bittsteller lächelnd, halten Sie die Arme gefälligst einen Augenblick oben. Wollen nun Alle, welche glauben, daß Me. Kinley der zukünftige Präsident sein wird, auch den linken Aren in die Höhe strecken!? Sofort fuhren auch alle linken Arme empor.„Ich danke Ihnen nochmals“, sagte der in der Mitte des Wagens Stehende und fuhr daun, während er zwei große Revolver aus seinen Hosentaschen zog, mit gänzlich veränderter Stimme fort:„Wer sich jetzt rührt, läuft Gefahr, von mir erschossen zu werden. Mein poli⸗ tischer Freund hier wird durch den Wagen gehen und alle Wertsachen, die Sie bei sich haben, einkassieren. Ich werde ihn mit meinen beiden Schießeisen decken. Vor⸗ wärts, Jim, rühre Dich, ehe der Beamte zurückkehrt!“ In zwei Minuten hatten die beiden Räuber an Geld, Banknoten und Schmucksachen etwa 5000 Dollars einge⸗ heimst und zogen sich mit ihrem Raube vorsichtig auf die
hintere Plattform des Wagens zurück, von wo sie zu Boden sprangen. Als die überrumpelten Reisenden sich von ihrem Schrecken erholt hatten und den Zug zum Halten brachten, waren die beiden Räuber längst in der Wildnis verschwunden.“
Neuefte Telegramme.
Hd. Berlin, 5. Nov. Ueber die Verhand⸗ lungen des Bundesrats betreffend den Entwurf der Militär⸗Strafprozeß⸗Ordnung verlautet, daß bis jetzt nicht alle Bundesregierungen mit der Einsetzung des obersten Militärgerichtshofes einverstanden sind, der in dem Entwurf vorge⸗ sehen ist. Auch sonst sind dem Vernehmen nach die wesentlichen Prinzipien der bürgerlichen Strafprozeßordnung in dem Entwurf durchge⸗ führt. Die Oeffentlichkeit des Verfahrens ist für alle Fälle in Aussicht e in denen es sich nicht um die Disziplin handelt, um Verstöße gegen dieselben oder Ausschreitungen bei ihrer Handhabung. Es scheint indes nicht, daß die Verhandlungen im Bundesrat über den Entwurf schon beim Wiederbeginn der Sitzungen des Reichstages beendet sein werden.
Hd. Wien, 5. Nov. Hier fanden gestern die Wahlen zum niederösterreichischen Provin⸗ zial⸗Landtage statt. Die Anti⸗Liberalen behaupteten alle Mandate und gewannen den Bezirk Alsersgrund, wo Bürgermeister Strohbach statt des früheren liberalen Abgeordneten gewählt wurde. Im Bezirk Leopoldstadt steht Dr. Lueger in Stichwahl. Nach den gestrigen Wahlen sind von 21 Wiener Landtags⸗Abgeordneten 13 anti⸗ liberal und christlich⸗sozial.
Hd. Graz, 5. November. Bei Werndorf flog gestern Abend eine Pulverstampe in die Luft. Das Hauptgebäude wurde gänzlich zerstört; jedoch sind
Menschenleben nicht zu beklagen.
Hd. Budapest, 5. November. In Csornok tötete ein Bauer seinen Vater, well dieser nicht für den Kan⸗ didaten der Volkspartei gestimmt hatte.
Hd. Paris, 5. Nov. Petit Journal meldet aus Nimes, daß in mehreren umliegenden Dörfern die Kirchen von der Hochflut so be⸗ droht sind, daß die Leute nur in Kähnen zum Gottesdieust kommen können.
Hd. Paris, 5. November. In militärischen Kreisen verlautet, daß die Regierung die Ein⸗ führung eines neuen Feldgeschützes bereits definitiv beschlossen habe. Die diesbezüglich e Forderung soll bereits in den 1898 er Etat ein⸗ gestellt werden.— Der Marine-Minister ist erkrankt und seit mehreren Tagen bettlägerig. — Die Verhandlung in dem Prozeß Arton wurde gestern Abend nach der Vernehmung mehrerer Zeugen auf heute vertagt. Ad. Paris, 5. November.„Libre Parole“ schreibt: Wenn der Sultan das Ergebnis der Juterpellationen betreffend Armenien kennen würde, so könnte er nichts weniger thun, als seinen Soldaten den Befehl zu geben, die Arme⸗ nier, welche den letzten Massenmorden entkommen sind, niederzumachen. Von Frankreich und Ruß⸗ land habe er nichts zu fürchten.
Hd. Brüssel, 5. November. Der Direktor bez Gymnasiums zu Maubeuge, Gaborit, wurde ermo rde aufgefunden. Nahe Verwandte sind der That dringend verdächtig.
Hd. London, und Handelskreisen ist man der Ansicht, daß die Wahl Mac Kinleys zur Rear n. des Han
5. November. In politischen
wesentlich beitragen wird. an versichert, daf Lord Salisbury am 9. Nopemher eine Rede halten wird, worin er die Erklärung abgiebt, daß Eugland bereit ist, mit den europässchen panpein. über die ägyptische Frage zu ver⸗ andeln.
Hd. Sosia, 5. Nov. Hier zirkuliert neuer⸗ dings das Gerücht, Stoilow habe seine Demission eingereicht, um dadurch die schwebende Frage betreff. die Demission des Kriegsministers zur Entscheidung zu bringen.
eee Zur Seachtung!
Wir haben Vorsorge getrosfen, daß uns von sämtlichen Hauptorten des Wahlkreises
* Resultat E der Reichstagswahl
sofort nach Verkündigung in
Privattelegrammen
gemeldet wird. Die einlaufenden Nachrichten werden wir unverzüglich in
Extrablättern
zur Ausgabe bringen.
Die Blätter sind auf unserem Bureau Kreuzplatz 4, das zu diesem Zweck bis mindestens
elf Uhr Abends geöffnet
bleibt, zum Preise von 5 Pfg. per Stück erhältlich. Der von uns eingerichtete umfangreiche
telegraphische Spezialdienst giebt uns die Hoffnung, daß wir die um⸗ fangreichsten Meldungen in kürzester Frist bringen werden. Redaktion der
„Hessisehen Landeszeitung“ Ausgabe Gießen Kreuzplatz Nr. 4.
Gottesdienst in der Synagoge. Samstag, den 7. November 1896.
Vorabend: 4.30 Uhr.
Morgens: 9 Uhr.
Nachmittags: 3 Uhr.
Sabbathausgang: 5.40.
Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗
dakteur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in Gießen.
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eis, Gießen.
Arbeitgeber.
Bureaugehülfe 8 Taglöhner 1 Kellner
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1 guter Pferdekuecht auf sofort nach aus⸗ wärts
1 Diensimädchen für landwirthschaftliche Arbeiten z. 27. Dez nach auswärts
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Die Befestigung der Fahrbahn der Laud⸗ mauustraße mittelst Chaussterung aus Basalt, rund 530 qm, einschließlich Lieferung der Materialien, soll
Dienstag, den 10. November d. J., vormittags 11 Uhr,
öffentlich verdungen werden. Die Bedingungen
liegen während der Dienststunden bei uns zur
Einsicht offen. Formulare, nach welchen die
Angebote einzureichen, sind auf Zimmer Nr. 7
erhältlich.— Zuschlagsfrist 14 Tage.
Gießen, den 3. November 1896.
Das Stadtbauamt. Schmandt.
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Abhaltung der Vieh⸗ märkte in Gießen.
Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß die Abhaltung der Viehmärkte zu Gießen am 17. und 18. November J. J. unter folgenden Bedingungen gestattet ist:
1. Für den Auf- und Abtrieb ist den An⸗ ordnungen des Kreisveterinäramtes gemäß eine bestimmte Stelle zu schaffen.
2. Auf den Markt dürfen nur Tiere aus unverseuchten Orten des Großherzog tums Hessen, Tiere von Händlern aber nur dann, wenn sie mindestens sieben Tage in unverseuchten hessischen Orten in seuchenfreiem Zustande zugebracht haben, aufgetrieben werden.
3. Außer der Kontrole der Ursprungs⸗ zeugnisse hat selbstverständlich auch die tierärztliche Besichtigung der Tiere vor
dem Auftriebe zu erfolgen
Gießen, den 31. Oktober 1896.
Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth.
Städt. Schlachthaus .
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verbunden mit Herren- und Hnabengarderobe,
letztere mit eigener Werkstätte, eröffnet habe.
5 Indem ich versichere, daß ich bemüht sein werde, durch streng reelle Bedienung die Gunst des geehrten Publikums mir zu erwerben, Zuspruch.
bitte ich um
Hochachtungsvoll
A. Giehl.
PU.— ä—A——˙—...
Ciessenef Stadttheate
Freitag, den 6. November 1896.
Zweites u. letztes Gastspiel des
Herrn Oskar Bohnse
vom Kölner Stadttheater.
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Natl. (Dieinert).
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Ib. Juni
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Deut 0 895 1
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