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6.11.1896
 
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Gießen, Freitag, den 6. November

1896.

Pofiztg. Nr. 3239 Telephon⸗Nr. 112.

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Ausgabe

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Gießen.

Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Preis der Anzeigen 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile.

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Lokales und Provinzielles. Gießen, 5. Nov.(Personalverände rungen im Bezirk der Ober⸗Postdirek⸗ tion Darmstadt.) Versetzt sind der e. Postkassterer Mittelstädt von Gießen nach Berlin, der Postassistent Fasig von Berlin na ainz. Zu Postagenten angenommen sind der Schneldermeister Sahm III in Jüges⸗ heim und der Gemeinde⸗Einnehmer Frieß in Mommenheim. Aus dem Postdienste freiwillig ausgeschieden ist der Postagent Bopp im Mom⸗ menheim; gestorben ist der Postagent Grie ß⸗ mann in Urberach. Gießen, 5. Nov. Unsere Stadt steht heute unter dem Zeichen der Wahl. Die Agitatoren der verschiedenen Parteien haben gestern Abend noch im ganzen Wahlkreise eine fieberhafte Thätig⸗ leit entfaltet, kehrten teilweise erst heute Morgen von harter Abeit zurück. Der Himmel, der 2 der ganzen Agitationsperiode zu dem bunten Treiben der Parteien ein trübes Gesicht machte, hat sich am heutigen Wahltage aufge⸗ klärt und heiterer Sonnenschein lacht auf die Straßen herab, in denen sich ein lebhaftere Treiben als gewöhnlich bemerkbar macht. Hier und da 10 man kleine Gruppen beisammen stehen, die ich über die Wahl unterhalten, wie diese über⸗ haupt den Gesprächsstoff des Tages bildet. Die Wahllokale waren schon in den ersten Stunden stark frequentiert. Es hatte den Anschein, als rde bedeutend zahlreicher gewählt als bei der letzten Wahl. Auf das Ergebnis der Wahl kann man nun mit Recht gespaunnt sein, denn mau war noch niemals weniger in der Lage, auf den Ausgang der Wahl im hiesigen Wahlkreise ein Prognostikon zu stellen, als gerade während der gegenwärtigen Wahlperiode. Gießen, 5. November.(Stadttheater.) Auf das heute, Donnerstag, und morgen, Freitag, Mer stattfindende Gastspiel des Herrn Oskar a vom Kölner Stadttheater sei Merdurch nochmals hingewiesen. * Gießen, 5. November. Der angekündigte Vortrag des Geheimen Sekretärs a. D. des Aus⸗ üärtigen Amtes, Brü necke⸗Wiesbaden, über onstantinopel hatte gestern Abend ein überaus. Publikum in das Cafe Leib 8 5 er schon nach der ersten Viertelstunde begann sich der Saal zu leeren, denn der Vor⸗ tragende verstand es nicht seine Zuhörer zu fesseln, auch sein Organ war ganz dazu ange⸗ than, zu langweilen und einzuschläfern. Bei

12 die Zuhörer zu/ entfernt. Die Vor⸗ stände des Kaufmännischen und Ortsgewerbe⸗ Vereins trifft allerdings für den gestrigen Miß⸗ erfolg kein Vorwurf, denn Herr Brünecke war ihnen als interessanter Redner bestens empfohlen worden.

Gießen, 5. November. Gestern passierten einige Hundert Schneegänse, von Norden kommend, unsere Stadt. Ein Zeichen, daß wir bald den Winter zu erwarten haben.

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Gießen, 5. November. Am Samsta Nachmittag ½ 4 Uhr findet, wenn das Wetter es zuläßt, auf dem Trieb ein Fußball⸗ Matsch zwischen den 2 Maunschaften unseres Gymnasiums und des Real-Gymnastums statt.

Grünberg, 4. November. In der hie⸗ sigen vom Ortsgewerbeverein eingerichteten Handwerkerschule wurde seither nur Zeich⸗ nenuntericht erteilt. Wie in der letzten General⸗ versammlung des Vereins beschlossen wurde, sollen nunmehr auch andere Fächer, wie bürger⸗ liches und geometrisches Rechnen, Aufsatz usw. in den Lehrplan der Schule aufgenommen werden. Infolgedessen dürfte sich die Zahl der Schüler bedeutend vermehren.

Vom Vogelsberg, 4. November. Die Dreschmaschinengesellschaffen und Einzelbesttzer führen Klagen über die Unrentabilität der Dreschmaschinen. Fast in jeder Gemeinde befindet sich eine Dampf-Dreschmaschine, sehr häufig sogar zwei; in einem nicht großen Orte befanden sich jüngst sogar drei Dampf⸗Dresch⸗ maschinen in Thätigkeit. Daß bei solch starker Konkurrenz nicht mehr viel zu verdienen bleibt, ist einleuchtend. Dazu nehmen noch viele Land⸗ wirte die Dampf ⸗Dreschmaschine trotz ihres billigen Dreschlohnes nicht, sondern üben den Handdrusch aus. Die mäßigen Getreide⸗Er⸗ gebnisse der drei letzten Jahrgänge sprechen hierbei auch mit.

Nidda, 4. November. Am Montag Nach⸗ mittag ereignete sich in der Nähe von Salz⸗ hausen beim Steinbrechen an dem Neubau der Bahn ein schwerer Unglücksfall, indem einem Arbeiter durch herabfallende schwere Steinmassen der Hüftknochen so schwer beschädigt wurde, daß der praktische Arzt, Herr Dr. Koch von hier, der die erste Hilfe geleistet hatte, den Verwundeten mit der Bahn nach der Klinik in Gießen verbringen mußte.

* Darmstadt, 4. November. Bis vor nicht langer Zeit besaß Darmstadt gleichwie Frankfurt einOrpheum. Die Produktionen der da selbst auftretenden Künstler erfreuten sich des Besuchs der Bevölkerung aller Kreise. Nun geschah es, daß der Konzesstonsinhaber in Diffe⸗ renzen mit dem Eigentümer des Etablissements geriet; er suchte für ein neuerbautes Lokal um die Konzession nach, während der artistische Leiter desOrpheums seinerseits für dieses die Er⸗ teilung der Konzesston beantragte. Der Kreis⸗ ausschuß erteilte sie dem Letztgenannten und versagte sie dem Ersteren. Der Provinzialaus⸗ schuß als Rekursinstanz hat beiden die Kon⸗ zession verweigert, anscheinend, indem er ein Bedürfnis für ein solches Etablisse⸗ ment als nicht vorhanden erachtet. Das letzte Wort in der Angelegenheit spricht das Ministerium. Man neigt hier zu der Annahme, daß diese Instanz die Entscheidung des Provin⸗ zialausschusses nicht abändern werde. Daher werden die Frequentanten desOrpheum wohl oder übel wieder nach Frankfurt wandern müssen,

weun sie die gewohnten Genüsse nicht entbehren wollen. Ein Ausweg dürfte sich indes noch finden lassen: Wie es heißt, war der Inhaber der Konzession für dasOrpheum, als er um die neue Konzesston nachsuchte, so vorstchtig, die erworbene Konzession nicht niederzulegen. Gelingt es deshalb, ihn zur Wiederausübung der Kon⸗ zesston zu veranlassen, so behalten die guten Darmstädter trotz gegenteiltgen Entscheids des Provinzialausschusses ihrOrpheum!

* Offenbach, 3. Nobember. Ein Soldat des in Darmstadt garnisonierenden Artillerie⸗ regiments, der seit drei Wochen als Rekrut ein⸗ gestellt ist, hatte sich einen Tag Urlaub erwirkt, um an dem Leichenbegängnis seiner hier ver⸗ storbenen Schwester teilzunehmen. Er über schritt den Urlaub und sollte deshalb heute von einem Unteroffizier seines Regiments abge⸗ holt werden. Als er hiervon Kenntnis erhielt, schloß er sich in die Wohnung seiner Geliebten ein, die in der Ludwigstraße wohnt, und machte den Versuch, sich erst durch Stiche in die Brust und dann durch Erhängen um das Leben zu bringen. Der Unteroffizier drang mit mehreren Schutzleuten in die Wohnung ein. Den sofort angestellten Wiederbelebung berfuhen eines Arztes gelang es, den Soldaten wieder ins Leben zu rufen. Er wurde nach An⸗ legung eines Notverbandes in das Militärlazarett verbracht.

»Seligenstadt, 3. November. Heute Nach⸗ mittag gegen 3 Uhr verfinsterten schwarze Wolken fast plötzlich den Horizont. In der Stadt rauschte ein gewaltiger Regen hernieder, während im Freien starke Hagelschläge die Gegend in eine Winterlandschaft verwandelten. Der Hagel lag mehrere Zentimeter hoch und hatte die Größe von kräftigen Erbsenkörnern. Schaden konnte er natürlich nicht verursachen. Das winterliche Landschaftsbild war bald wieder verschwunden.

* Klein⸗Krotzenburg, 3. November. Die dem Landwirt und Bahnarbeiter Ferdinand Fuchs aus Kahl in letzter Sonntag nacht ent- wendete Kuh wurde in Kesselstadt wieder gefunden. Ein dortiger Bewohner hatte das Stück Vieh, das einen Wert von 250. hat, für 60 von dem bis jetzt noch unbekannten Diebe, unter noch nicht bekannten näheren Um⸗ ständen erworben. Im Trockenraum einer hiesigen Zigarrenfabrik wurde heute beim Tagesgrauen ein Schadenfeuer entdeckt. Formen und Zigarrenvorräte waren bereits an⸗ gebrannt. Zum Glück konnte der Brand rasch gelöscht und dadurch großes Unglück abgewendet werden.

* Hofheim, 3. November. Im Juli d. J. wollte der hiesige Einwohner Schader auf seiner Heimkehr vom Wirtshause zwei streitende Personen, die zu Thätlichkeiten übergehen wollten, trennen, erhielt aber von einem der Streitenden, dem Fabrikarbeiter Geiß von hier, eine ziemlich tiefe Stichwunde in die linke Schläfe. Geiß wurde nunmehr wegen Körperverletzung zu einer Gefängnißstrafe von 3 Monaten verurteilt.

* Mainz, 3. November. Die Gewerk⸗ schaftskartelle von Hessen und Hessen⸗ Nassau treten hier Sonntag den 8. November, Vormittags 10 Uhr im Rebstöckchen zu einer Berathung zusammen. Auf der Tagesordnung steht die Thätigkeit der Gewerkschaftskartelle un ihre Beschäftigung mit Soztal politik, Referent Herr Dr. Quarck-Frankfurt, die Zwangsinnungs⸗ vorlage, Referent Herr Hoch-Hanau, die Agita⸗ tion zur Organisation der Schiffer und der Ar⸗ beiterinnen, Referent Herr Harasin-Mainz, die Regelung der Boykottfrage und die Thätigkeit der Kartelle bei örtlichen Strikes, Referent Herr Liebmann⸗Mainz. Der geschäftsführende Ausschuß der freien Vereinigung der Krankenkassen im Großherzogtum Hessen hat an den Reichstag eine Eingabe ge⸗ 11 75 die gegen die in dem Entwurf einer No⸗ velle zum Invaliden- und rte eee gesetz enthaltenen Bestimmungen der§§ 12, 18, 109, 112 und 112bp gerichtet ist mit der Be⸗ hauptung, daß diese Bestimmungen die Kranken⸗ kassen schädigen.

* Wetzlar, 3. Nov. Auf die Eingabe betr. die Abhaltung zweier bedingter Viehmärkte am 11. und 25. November ist gestern dem hie⸗ sigen Bürgermeister-Amt ein ablehnender Bescheid des Reglerungsprästdenten in Coblenz zugegangen. Mit Rücksicht auf die Ausdehnung der Maul⸗ und Klauenseuche im Kreise Wetzlar kann sich die Regierung nicht entschließen, die Genehmigung des Provinzialrats um Zulassung der gewünschten Märkte nachzusuchen.

Wetzlar, 3. Nov. Morgen, Freitag, den 6. Nob., werden hier die Ergänzungs- wahlen zur Stadtverordneten⸗Ver⸗ sammlung stattfinden. Die Wahlen sind für folgende, mit dem 31. Dezember ausscheidende Herren vorzunehmen: 1. Klasse Kaufmann Buß, 2. Klasse Gerber J. Mickel, Rentier H. Zisseler, 3. Klasse Brauereibesitzer Allmen⸗ röder, Schreinermeister E. Drullmann. Außerdem sind zwei Ersahwahlen notwendig für Herrn Fabrikant A. Pakart(1. Klasse), welcher vor einigen Monaten sein Mandat niederlegte, und für den verstorbenen Bäcker⸗ meister W. Mignon(3. Klasse).

Vermischtes.

Vögel als Meteore. Der amerikanische Astronom William Brooks beobachtete vor kurzem das Vorübergleiten eines dunklen Körpers vor der Sonnen⸗ scheibe, den er für ein Meteor ansah. Die Zuschrift eines Gelehrten am amerikanischen Museum für Naturgeschichte in New⸗York an die ZeitschriftScience legt jedoch eine andere Erklärung sehr nahe. Herr Chapman macht es nämlich wahrscheinlich, daß jenes vermeintliche Meteor ein Vogel gewesen sei. Wenige Astronomen, so sagt er, machen sich eine richtige Vorstellung von der Zahl der nächtlichen Zugvögel, die unter geeigneten Bedingungen und besonders zu gewissen Jahreszeiten in der Atmosphäre beobachtet werden können. Wenn während der September⸗ Wanderung der Vögel nach dem Süden ein verhältnis⸗ mäßig schwaches Fernglas in einem gewissen Winkel gegen

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Iwischen Liebe und Pflicht.

dem australischen Buschleben von G. Löffel. (Fortsetzung.) Sie wollten Gärtnerdienste thun, um uns und

Roman aus

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Haus um so besser bewachen zu können. Sie

N fc ich habe Ihnen das noch leichter gemacht, denn ich zog Sie in unser Haus. Ich bin nicht naiv genug, Sie zu befragen, was Sie mit dieser Komödie bezwecken, denn ich weiß, daß Sie mir doch nicht die Wahrheit sagen würden.

fl ö 0 25 0 10 Ich weiß nur, daß Sie gestern Abend nach der

was, das hätte ich erfahren können,

Polizeistation zurückgeritten sind, um zu berichten, wenn ich wollte, aber ich habe es verschmäht. Ich bin uch gar nicht neugierig. Nur eines möchte ich

*

4 Ihnen in's Gedächtnis rufen, meine Mutter weiß

hiervon nichts und ich will nicht, daß sie Ihren

wahren Charakter erfährt.

Sie ist, was Sie allerdings noch nicht bemerkt blaben können, gemütskrank und die Aerzte haben mir aufgegeben, sie vor jeder Aufregung und see⸗

lischen Erschütterung zu bewahren. Eine solche könnte genügen, um sie in unheilbaren Wahnsinn zu Jagen. unsere Anwesenheit hier, darum mein, vieles stzieren, denn Musik ist Balsam für den kranken selst und ein viel bewährtes Mittel in der Seelen⸗ Heilkunde. Meinen Sie, es e lie sergeh userem offenbaren Reichtum mich hier einzusar 5 leblosen Busch Die Milton⸗Park- vergoldeter Käfig für mich, wie für e, dle weltgewandte Pariserin, noch

mehr wie für mich. Es nagt allerdings noch etwas an meinem Herzen, was mich zur Schwermut stimmt, aber das gehört nicht hierher, da es nur mich angeht, und ich spreche für meine arme Mutter.

Ich liebe sie, wie ich Denjenigen hassen würde, der es wagt, das über ihrem Haupt hängende Damollesschwert zu Falle zu bringen, sie mir zu entreißen. Das war es, was ich Ihnen sagen wollte. Lassen wir die Sache da ruhen. Spielen wir beiderseits unsere Rollen so weiter, die mir das Schicksal und Ihnen nirgend ein blinder Zufall zuerteilt hat.

Sie wissen nun, wie weit unsere Wege zu⸗ sammengehen, und wo sie sich kreuzen. Bleiben Sie auf Ihrem Wege, und kreuzen Sie nicht den meinen. Sie wissen nicht, was Kindesliebe vermag. Ich bin furchtlos und gehe geraden Wegs auf mein Ziel los. Das beweisen Ihnen meine Werte. So, nun wissen Sie Alles. Eine Antwort erlasse ich Ihnen.

Sie handeln unter einem fremden Willen und folgen nur einem erhaltenen Befehl, gleichviel, ob Ihr ehrliches, deutsches Gemüt sich dagegen auf⸗ lehnt oder nicht. Sie müssen und ich will. Das ist es, was uns trennt. Das ist offenes Land. Vorwärts! 5

Schwer sauste ihre Reitgerte auf die Flanken des mutigen Pferdes nieder und so stürmte sie fort i endem Laufe.

1 855 machte len für den Augenblick die Ant⸗ wort unmöglich. Aber ich blieb an ihrer Seite.

Sie sollte mich hören.

Sie sollte es wissen, auf welcher Seite ich in diesem Kampf stand.

Zerstoben war mein Traum vom Glück, sie selbst hatte ihn mit rauher Hand zerstört, vernichtet meinen blöden Wahn von einer heimlichen Zu⸗ neigung, die sie zu mir hegen könnte, die stolze, reiche Squatters-Tochter zu dem armen Polizisten. Wieder hatte der Sergeant Recht erhalten.

Sie sind ein junger Mann mit einem leicht entzündlichem Gemüt.

Er hatte noch mehr gesagt.

Sie wird Ihnen eine erlogene Geschichte er zählen, um Sie weich zu machen. 1

Sollte er auch darin Recht haben? Nein, un- möglich! Diese Erzählung von dem seelischen Märtyrium der Unglücklichen war nicht erlogen. Dem widersprach Alles:

Den Ernst, den ich schon bei unseren früheren flüchtigen Begegnungen an ihr beobachtet hatte, ihr ganzes Wesen, welches so wenig im Ein klang mit ihrer Zugend und ihrer Schönheit stand, ihr zurückgezogenes Leben, wo ihr offenbarer Reich tum den Damen gestattet hätte, eine Rolle in der großen Welt zu spielen, das Benehmen der Mutter heute auf der Veranda draußen, Alles, Alles wider legte die Annahme eines gespielten Betruges.

Und doch kam mir mit der Erinnerung an den Sergeanten auch dessen Warnung wieder in den Sinn.

Die Saat der Verläumdung ist wie das Un kraut. Man kann es nicht vernichten, und es wächst immer wieder.

Ich kämpfte gegen den in mir erweckten Ver dacht an und stand doch unter dem Einfluß desselben.

Ich erwog schon, während wir dahiustürmten

über die endlose Fläche, ob es auch klug sei, ihr Alles zu sagen und sie- selbst zum Richter über meine That einzusetzen. Mein Herz drängte mich dazu, aber mein Verstand riet mir davon ab, und der allein sollte doch hier zu Worte kommen.

Mein Vorgesetzter hatte mich eindringlich davor gewarnt, meine Gefühle mitsprechen zu lassen.

Was sollte ich thun?

Den Schimpf ruhig hinnehmen, im Bewußtsein ihrer herzlichen Verachtung weiter an ihrer Seite leben? Auch das konnte ich nicht.

Und doch durfte ich nicht den geraden, offenen Weg zum Ziel gehen.

Sie hatte Recht, ich stand vor einem fremden Willen und handelte, wie ich mußte.

Als sie endlich die Gangart ihres Pferdes mäßigte, sammelte ich mich zu einer mehr be sonnenen als treffenden Entgegnung.

Miß Milton, sagte ich,Sie haben eben sehr harte Worte zu mir gesprochen.

Die Wahrheit, mein Herr, nur die Wahrheit! entgegnete sie herbe.

Sie können das nur gethan haben, fuhr ich mit erzwungener Ruhe fort,weil Sie den sehr ehrenvollen Beruf eines Polizisten erkennen, denn auf ihm basiert die Ruhe und in einem militär losen Land wie dem unsrigen, die Sicherheit des Staates, und weil Sie meine geheime Sendung nicht kennen. Sie hierüber aufzuklären, liegt Beides nicht in meiner Macht, das wäre eine Verletzung des Amtsgeheimnisses, die ich mir nicht zu Schulden kommen lassen will und darf.

(Fortsetzung folgt.)