Ausgabe 
4.10.1896
 
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Gießen, Sonntag, den 4. Oktober 1896.

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sche kitung.

Ausgabe Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. 8 Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

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. Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. Expedition:

Kreuzplatz Nr. 4.

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liche Abnahme durch Masern un Maße diejenigen durch Bräunekrankheiten, aber

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N* ee und waren nunmehr auch 2 Sterbefälle

Gesundheitszustand und Todesfälle in Hessen.

II. Quartal 1896.

ach den Mitteilungen der Zentralstelle für Landes⸗

0 statistit.) 5

Mit 5034 Todesfällen weist das zweite

Quartal des Jahres 1896 im Großherzogtum

ceenne nicht unerhebliche Abnahme derselben gegen⸗ über dem ersten Jahresquartale mit deren 5446

Nachdem 0 N

auf; die auf 10 000 Einwohner berechnete Sterb⸗ lichkeitsziffer war von 52 auf 48 herunterge⸗ 9 7 Von den Monaten des Quartals hatte der April 1700 Sterbefälle zu verzeichnen, der Mai 1755 und der Juni nur 1579, und es

der Berechnung auf eine gleiche Tageszahl die

Sterblichkeitsziffern von 16,8, 16,8 und

15,6%; Beträge, welche recht erheblich unter

den aus einer längeren Jahresreihe gewonnenen

Durchschnitten dieser Monate zurückbleiben.

1 In der Provinz Starkenburg waren ver⸗ storben 2178 Personen(im ersten Quartal 2336),

in Oberhessen 1251(1387) und in Rhein⸗

hessen 1605(1723) oder von 10000 Einwoh⸗

nern rund 49(52), 46(51) und 49(53),

d. h. mit einer Abnahme von 3 bis 5%%; wie

im Großherzogtum im ganzen, so zeichnete sich

auch in den Provinzen der Monat Juni durch eine sehr niedere Sterblichkeit aus; in der

Provinz Oberhessen war die Sterbeziffer des- selben sogar auf 14,5%% heruntergegangen; in Rheinhessen war, im Gegensatz zu der in den beiden anderen Provinzen hervortretenden, stetig

sinkenden Tendenz der Mortalität, im Mai

vorübergehend eine Steigerung der Sterbefälle zu bemerken.

0 An akuten Infektionskrankheiten waren im Berichtsquartale nur 298 Personen gegen 423 m 1. Jahresquartale verstorben(ausschließlich der wenigen noch vorgekommenen Sterbefälle an Influenza), das ist auf 10000 Einwohner

net 93(im 1. Quartal 151), an Schar⸗ lach 1 501 an Rachenbräune 74(116) alsbräune 22(41) au beiden

genannten Krankheiten zusammen 96(157), an Keuchhusten 36(44), an Abdominal⸗ typhus 8(10), an Rose 21(13), an Genick⸗ starre 5(0), an. 2(0) und an Wochenbettfieber 16(22). Eine beträcht⸗ ahren hatten die Sterbefälle in noch weit erheblicherem

20 gegen 4. Sterbefälle an Masern waren g fag

U auch Scharlach, Keuchhusten und Wochenbettfieber

waren weniger häufig Todesursache, dagegen satten die Todesfälle durch Rose zugenommen an Milzbrand und 5 durch Genickkrampf zu ver⸗

f zeichnen. Von den Sterbefällen durch die ge⸗

Schwester Adele.

Novelette von A. Schöbel.

Nachdruck verboten.) Schwester Adele! Schnell! Schnell! Stehen Sie auf! Man braucht Sie! Mein Gott, welch sesten Schlaf Sie haben! 8 Die junge Schwester fing an sich zu dehnen und zu strecken in ihrem schmalen Bettchen, blinzelte ein paar Mal und schlug dann die Augen auf. Der sorglose, weltferne Blick derjenigen, die aus traumlosem Schlaf erwachen, stand darin.Ach, Schwester Gertrude, ist's schon wieder Zeit? Die ältere Gefährtin reichte ihr hastig die Unterkleider.Noch nicht ganz. Aber irgend ein Unglück ißt geschehen, ein Einsturz, glaub' ich. Sie

werden im Operationssaal gebraucht. Scchwester Adele seufzte.Schon wieder Blut. Und sie wurde völlig wach an dem Gedanken. Wach und ernst. Schweigsam strich sie mit dem Schwamm uͤber Gesicht und Arme hin, während ihre Schwester N das Haar auflöste. In duftigen, schimmernden Wellen bauschte es um die Schläfen.Wie Sie 11 den Diakonissenscheitel zwängen, begreif' ich

Die junge Schwester lächelte und nahm eine Pomadenstange aus ihrer Schublade.Einfach so. Und die lichten Wellen über der Stirn glätteten sich und wurden um ein paar Töne dunkler.Nun die Haube. 5 Schwester Gertrude schüttelte den Kopf.Wie ein Kind sehen Sie aus, das sich zum Spaß die

Tollenhaube der Großmutter aufsetzt. Sie sind reizend, Schwester Adele! Und viel zu früh hier hergekommen. Hatten Sie denn gar nichts erlebt,

de Sie den schweren Beruf erwählten? Hatten Sie

tei 3. 5 Ein N

Wunsch?. wester Adele schlug voll die Augen auf

Hellige Flamme stand darin.Einen Wunsch?

.

nannten akuten Infektionskrankheiten treffen auf Starkenburg 117(196), auf Oberhessen 119 G 51 505 1 1 62(115) und auf te Monat des Quartals nach ihrer Ff 116 106 und 76.

Wie oben bemerkt, wären hier noch einzu⸗ rechnen die Sterbefälle an Influenza, die sich auf 24(im 1. Quartal 119) beliefen und von welchen auf Starkenburg 11(50), auf Ober- hessen 6(34) und auf Rheinhessen 7(35) und auf die Monate April 12, Mai 5 und Juni 7 kommen.

Von den Sterbefällen an Masern trifft eine Mehrzahl auf die Provinzen Ober⸗ hessen mit 46 und Starkenburg mit 39, wäh⸗ rend Rheinhessen nur deren 8 verzeichnete. In der erstgenannten Provinz hatten dieselben im Kreise Gießen und namentlich in der Stadt Gießen eine beträchtliche Verbreitung gewonnen; auf diesen Kreis treffen 39 Sterbefaͤlle, wovon in der Stadt 29, die übrigen in den Gemeinden Klein⸗Linden, Annerod, Heuchelheim und Stein⸗ bach, in welchen übrigens ebenso wie in den Orten Lollar, Garbenteich, Hausen und Wieseck Masern verbreitet waren. Ferner kamen in Oberhessen noch Masern vor in Gemeinden der Kreise Büdingen, Lauterbach und Schotten in der Nachbarschaft des schon seit längerer Zeit im erstgenannten Kreise bestehenden Masernherdes. In der Provinz Starkenburg blieben Masern auf Orte des seither schon befallenen Kreises Dieburg beschränkt, woselbst sie jetzt in Groß Zimmern, Hergershausen, Niedernhausen, Rein⸗ heim und Ueberau mehr oder weniger verbreitet herrschten und kamen noch im April in der Stadt Darmstadt epidemisch vor. Die Provinz Rheinhessen hatte nur in den Kreisen Oppenheim und Alzey Masernsterbfälle aufzuweisen; erheblich verbreitet waren Masern dort in den Gemeinden Partenheim und Vendersheim und dauerten noch fort in Flonheim und in Mainz, hier indessen in sehr mäßiger Frequenz.

Von den in Summa 21 Sterbefällen an Scharlach treffen 10 auf Oberhessen, 8 auf Rheinhessen und 3 auf Starkenburg, nur in Mombach, Mainz, Zotzenheim, Wenings, Friedberg und Ober⸗Wöllstadt handelte es sich um mehrere Erkrankungen, letztere blieben im Uebrigen in der Regel auf einzelne Familien beschränkt.

Der Rückgang der Erkrankungen und Sterbe⸗ fälle an Rachen⸗ und Halsbräune machte sich in dem zweiten Jahresquale nach einer ge⸗ ringen Zunahme derselben in den Wintermonaten sehr deutlich bemerkbar. Ein vorübergehend häufigeres Auftreten der Diphtherie wurde beobachtet in Starkenburg in Ober-Mossau, Kürnbach, Bürgel und Klein-Auheim, in Ober⸗ hessen in Gießen, Herbstein, Lauterbach, Queck, Himbach und Gedern und in Rheinhessen

1 seither schon in Oppenheim und in Köngern eim.

Die 5 Sterbefälle, aber auch die 53 bekannt gewordenen Erkrankungen an epidemischem Genickkrampf trafen sämtlich auf den Kreis Darmstadt, und zwar auf die Gemeinden Arheilgen, Wixhausen, Braunshardt, Nieder⸗ Ramstadt und Darmstadt; über dieselben ist anderwärts von dem einschlägigen Medizinal⸗ beamten ausführlicher berichtet.)

Milzbrand, und zwar in der Form des Karbunkels, war je einmal in Lampertheim und Seligenstadt Todesursache geworden.

Von sonstigen Krankheiten und Todes ursachen hatten Tuberkulose der Lunge 756(im vorigen Quartale 723) Todesfälle ver⸗ anlaßt(im April 263, im Mai 264 und im Juni 229), Tuberkulose anderer Organe 236 (159), an entzündlichen Affektionen der Atmungsorgane erlegen waren, einschließlich der Sterbefälle an Influenza, 668(1072) Per⸗ sonen(im April 258, im Mai 281, ein für diesen Monat ungewöhnlich hoher Betrag, im Juni dagegen nur 129) verstorben; an Gehirn- schlagfluß verstarben 161(180), an Er⸗ krankungen des Herzens 216(224), an Darmkatarrh und Brechdurchfall 203 (99)(davon im April 42, im Mai 48, im Juni dagegen 113), an Atrophie 89(79), an an⸗ geborener Lebensschwäche 139(146), an Krebs und anderen bösartigen Neubildungen 278(221) und an Alterskrankheiten 438 (520). Allen sonstigen bekannten Krankheiten zusammen waren erlegen 937(950) Personen, nicht ermittelt blieb die tödlich gewordene Krankheit bei 413(513) Verstorbenen oder bei 8% der Gesamtzahl.

Todesfälle gewaltsamer Art wurden ver⸗ zeichnet 175(im 1. Quartal 112), durch Ver⸗ unglückung 90(64), durch Selbstmord 77(45) und durch Verbrechen Anderer 8(3).

Die günstigen Mortalitätsverhältnisse des Berichtsquartals sind vorzugsweise Folge einer sehr mäßigen Verbreitung der akuten Infektions⸗ krankheiten, namentlich der Masern, des Keuch⸗ hustens und der Bräunekrankheiten; außerdem waren die Sterbefälle durch Lungenschwindsucht unter dem Mittel geblieben und wenn auch akute Affektionen der Atmungsorgane ausnahmsweise im Monat Mai eine höhere Zahl von Todes⸗ fällen veranlaßt hatten, so fanden diese doch in einer erheblich geringeren Zahl derselben im Monat Juni einen Ausgleich. Eine verhältnis⸗ mäßig hohe Sterblichkeit trifft auf die Kreise

) Bemerkungen zu dem Auftreten der epidemischen Cerebrospinalmeningitis im Kreise Darmstadt(März bis Juni 1896) von Dr. E. Schaeffer in Nr. 9 und 10 des Korrespondenzblattes der ärzlichen Vereine des Großherzog⸗

tums Hessen.

Dieburg, Bensheim, Darmstadt, Heppenheim, Gießen, Lauterbach, Worms und Mainz, die⸗ selbe war am geringsten in den Kreisen Alsfeld, Offenbach und Friedberg.

Schwurgericht. W. Gießen, 2. Oktober.

Nachmittags um Uhr wird in der Verhandlung N 0 Rausch fortgefahren. Der Vorsitzende verliest die en Geschworenen vorzulegende Schuldfrage, die formulirt ist aus den 88 350 und 351 d. R.⸗Str.⸗G.

Rechtsanwalt Koch begründet hierauf in ausführlicher Weise die Anklage. Daß der Angeklagte für all die Kassen als Beamter angesehen sei, unterliege keinem Zwei⸗ fel. Der Angeklagte habe eine niedrige und gemeine Natur an den Tag gelegt. Es müsse auch berücksichtigt werden, für welche Genüsse der Angeklagte sein Geld ver⸗ jubelt habe. Das Verhältniß mit Frau Atzert besage genug. Der Staatsanwalt bittet, den Angeklagten in vollem Umfang der Klage schuldig zu sprechen.

Der Verteidiger, Justizrat Rosenberg, bestreitet teilweise die Beamteneigenschaft seines Klienten. Die Be⸗ schuldigungen seien durchaus nicht alle bewiesen worden. Es sei nachgewiesen, daß der Angeklagte einfach gelebt, auch sei nicht zu beweisen, daß er an der Börse spekulierte. Der Fall Atzert beweise eigentlich gar nichts. Der Ver⸗ teidiger kommt zu dem Resultat: Das Geld fehlt, wo es geblieben, sei nicht nachgewiesen. Daß es sein Klient hinter sich hat, ist unwahrscheinlich. Der Verteidiger bittet, die Frage, ob sein Klient unterschlagen als Beamter, gewissenhaft zu prüfen.

Nachdem noch die Staatsbehörde und die Verteidigung kurz ihren Standpunkt vertreten hatten, erfolgte die Rechtsbelehrung der Geschworenen, die sich alsdann zurück⸗ ziehen.

Nach, stündiger Beratung verkündet der Obmann, Domänenrat Brummhardt⸗Gedern, den Wahrspruch der Geschworenen, der dahin lautet: Daß die Schuldfrage bejaht sei. Staatsanwalt Koch bemerkt, daß er keinen Umstand finden könne, der zu Gunsten des Angeklagten spreche. Er beantrage gegen denselben 5 Jahre Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf ent⸗ sprechende Zeit. Die Vertheidigung führt als strafmil⸗ dernd vor, daß der Angeklagte, bis er strauchelte, ein in⸗ takter Mann war. Den Vertrauensmißbrauch könne man demselben nicht als erschwerend anrechnen bei der Straf⸗ zumessung, denn der liege eben in der Art des Verbrechens, das sein Klient begangen. Er überlasse es dem Gericht wegen der Höhe der Strafe einen Entscheid zu treffen. Das Urteil lautet auf 4 Jahr 6 Monat Zuchthaus und 5 Jahr Ehrverlust. Die Untersuchungshaft wird mit 6 Monat in Anrechnung gebracht. Der Angeklagte erkannte die Rechtskraft des Urteils sofort an, ebenso der Vertreter der Staatsbehörde.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 3. Oktober. Dem Lehrer Dr. Hans Heim an der Viktoriaschule zu Darmstadt ist der Titel Professor verliehen worden.

* Gießen, 3. Oktober. Einen großen Heiter⸗ keitserfolg errang gestern Abend unsere The⸗

Den um sanfte Hände und ein liebevolles Herz. Mein Gott, Schwester Gertrude, wenn Sie gesehen hätten, wie fremde Menschen mit meinem totkranken Mütterchen umgingen! Ich war ein Kind damals, aber all meine Gedanken drehten sich um die Idee, einmal Diakonissin zu werden. Und als ich dann ganz allein stand, ihre Stimme umflorte sich, brachte mich der Vormund zu den Herrnhutern. Von da kam ich nach Kaiserswert als Probe schwester, dann als Diakonissin hier ans Marien⸗ krankenhaus. Erst zu den Kindern, dann au die chirurgische Frauenstation. Jetzt pflege ich Männer. Doch Sie kennen ja den Gang dieser Dinge, Schwester Gertrude. So jung, wie ich aussehe, bin ich übrigens längst nicht mehr! Es ist nur das geregelte Leben, das einen so konserviert. Sie schlüpfte in das nonnenhafte Kleid der Diakonissinnen.

Vielleicht haben Sie das Beste, das Sicherste erwählt, Sa wester Adele. Ich habe nach einem langen friedlosen Erdenweg hier den Frieden gesucht.

Und haben Sie ihn gefunden?

Die Antwort kam zögernd.Nein, Schwester Adele.

Die junge Pflegerin blickte zu Boden.Wenn man ihn aber besitzt, kann man ihn nicht verlieren, entgegnete sie überzeugt und fest. Sie ordnete rasch ihr Bett und schickte sich an, das Zimmer zu ver⸗ lassen. Auf der Schwelle blieb sie stehen.Schwester Gertrude, ich habe gar keine Sehnsucht, die Welt draußen kennen zu lernen, aus der Ihr alle so müde und gebrochen hierher kommt, und die uns die Menschen zusendet mit tausend Gebrechen und Qualen behaftet. Die schlanke Gestalt reckte sich. Wozu erst der Kampf, wenn ich den Sieg schon gewiß habe?

Aus Schwester Gertrudes erloschenen Augen zuckte ein müder Blitz. Die graue Blässe, die wie Spiungewebe über den harten verschlossenen Zügen

lag, entwich. blühende junge Geschöpf heran.Weil der Kampf das Glück bedeutet, Schwester Adele. Haben Sit niemals Romane gelesen?

Nein. Romane sind thörichte Märchen für Erwachsene, unnütz und schädlich, sagte man mir in Herrnhut Sie nickte leicht und schritt in den Korridor hinaus, in den langen Korridor, von dem aus sich die Thüren öffneten zu so vielen Stätten der Verzweiflung, der hoffnungslosen Qual. An der Treppe, die zu den untern Stockwerken führte, stand eine Gruppe Schwestern und Oberschwestern, wartend. Auf den sonst so peinlich sauber gehal tenen Läufern der Stufen zeigten sich versprengte Blutstrepfen und die Spuren lehm- und kalkbe schmutzter Füße.

Schwester Adele trat zu den flüsternden Ge fährtinnen, mit den Augen fragend.

Eine Mauer ist eingestürzt beim Abbruch der Zesuskirche. Wieviel Menschen verschüttet sind, ist noch nicht festgestellt. Vor einer Viertelstunde hat man die ersten gebracht: den Baumeister und zwei Arbeiter. Einer von ihnen starb während des Transports. Beeilen Sie sich, Schwester Adele, der Professor erwartet Sie im Operationssaal!

Die junge Pflegerin raffte den Saum ihres schwarzen Kleides auf und stieg die Stufen hinab. Auf dem untersten Treppenabsatz war, von den Trägern vermutlich, eine der großen Scheiben ein gestoßen. Herb und süß drang die Frühlingsluft ein, mitten hinein in dasHospitalparfüm, den Geruch von Jodoform und Aether, der das ge waltige Haus bis in den letzten Winkel erfüllte. Und von dem Blütenbaum draußen dräugte sich ein Zweig durch die Oeffnung, der jungen Schwester einen festlichen Strauß weißer Blüten entgegen⸗ haltend. Sie zögerte einen Augenblick. Ihr in

dem eintönigen Leben der Diakonissin entschlummertes

Die dürre Gestalt trat an das Herz begann zu klopfen. Sie mußte an den Blick,

an das Wort der Schwester Gertrude denken

Und dann eilte sie hastiger vorwärts.

Als sie vor der Thür des Operationssaales stand, war ihr Herzschlag wieder stet, ihre Hand nicht mehr beunruhigt durch lebhafteren Gang des Pulses.

Lautlos trat sie ein und schritt hinüber zu dem großen Tisch, den mehrere Aerzte in weißen Kitteln umstanden. Hell fiel das Tageslicht ein und ließ das Eis in seinen großen Kübeln glitzern. Auf der Platte des Operatioustisches lag die Gestalt eines Mannes ausgestreckt. Langsam feuchtete und rötete das aus den Wunden emporsteigende Blut die schneeweiße Wäsche.

Das Gesicht des Professors, eines berühmten Operateurs, war ernst und undurchdringlich gleich⸗ gültig wie immer. Fast mechanisch hantierte er mit den Instrumenten, die eine Oberschwester ihm zu⸗ reichte. Sein Blick streifte Schwester Adele. Ein befriedigtes Nicken, kein Gruß. Die Diakonissinnen begeben sich jedes Vorrechts der Damen. Die junge Pflegerin hatte die leichteste Hand in der ganzen Anstalt und der Professorarbeitete am liebsten mit ihr.

Rasch, Schwester Adele, die Maske! Wir müssen die Kuochensplitter entfernen. Aber größte Vorsicht bei der Narkose! Der Blutverlust war enorm.

Die Schwester ließ ruhig den Aether aus der Flasche tröpfeln und hielt, ohne einen Blick der Prüfung auf das kreidigweiße Gesicht des Verletzten zu werfen, die Maske darüber. Dann hob sie seine herabhängende unverletzte Rechte auf, um den Puls⸗ schlag überwachen zu können. Das war nicht die Hand eines Arbeiters, eine edle vornehme Männer⸗ hand war's. Doch Schwester Adele durfte nicht denken, sie war eine Maschine.

(Fortsetzung folgt.)