Ausgabe 
4.10.1896
 
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athergesellschaft mit der Aufführung des Moserschen Hypochonder. Das Zusammen⸗ spiel klappte schon besser als Tags zuvor. Ge⸗ radezu kostbar war Herr Alfred Hehn als Rentier Birkenstock. Auch Herr Fritzschler gab den Pantoffelhelden Sauerbrei recht gut wieder. Im großen Ganzen kann mau die gestrige Aufführung überhaupt als eine wohl⸗ gelungene bezeichnen. Einen besseren Besuch wünschen wir der rührigen Direktion von Herzen.

Gießen, 3. Oktober. Auf die mächsten Dienstag, 6. Oktober, stattfindende Ab⸗ sperrung des Wassers in mehreren Straßen des Seltersberges machen wir unter Hin⸗ weis auf die heutige Bekanntmachung des Gas⸗ und Wasserwerks noch besonders aufmerksam.

* Nidda, 2. Oktober. Die unlängst kurz nach einander kinderlos verstorbenen Heinrich Kemm Eheleute von hier hatten unsre Stadtgemeinde zur Universalerbin ihres an⸗ sehnlichen Vermögens eingesetzt, mit der Ver⸗ pflichtung, den nach Abzug der für die Ver⸗ wandten der Testatoren ausgesetzten Legate verbleibenden Nachlaß zum Besten der Armen zu verwerten. 5 1

Darmstadt, 2. Oktober. Die Agitation für die Landtagswahl für Darmstadt ist nunmehr in Fluß gekommen, auf, der einen Seite stehen die Nationalliberalen, auf der andern Seite die Mitglieder aller anderen Parteien. Wenn man die Stimmeuverhältuisse nach Maß⸗ gabe früherer Wahlen prüft, so werden die Stimmen der Parteilosen den Ausschlag geben, und diese neigen nicht zu den Nationalliberalen, sondern 1 der anderen Seite.

* Mainz, 2. Okt.(Ein Preiskegeln vor Gericht.) Am gestrigen Schöffengericht wurde gegen einen hiesigen Weinwirt und gegen einen Metzger wegen Betrugsversuchs beim Preis⸗ kegeln verhandelt. Die Sache war folgende: Am 20. Mai fand imGallhof ein Preis⸗ kegeln statt; als Preis figuierte ein Fahrrad im Werte von 320% Für den Weinwirt, welcher zum Preiskegeln in die betreffende Bierwirtschaft kam, warf nun ein Freund mehrere Kugeln und ein anderer Freund, der mitangeklagte Metzger, befand sich in diesem Augenblicke unten bei den Kegeln. Kaum kam die Kugel unten an, als auch schon sämtliche neun Kegeln wie hingemäht zusammenlagen. Durch die Zeugenaussage und den Kegelbub wurde nun erwiesen, daß der Metzger eine Schnur um die Kegel warf und diese dann im gegebenen Augenblicke zusammen riß. Das Gericht verurteilte den Metzger wegen Betrugsversuchs zu 6 Wochen Gefängnis, der Weinwirt wurde wegen Beweismaugel freige sprochen. Das Fahrrad wurde an den aus spielenden Wirt zurückgegeben.

* Worms, 2. Okt. Professor Dr. Rudol Marx ist gestorben. Erst kürzlich vom Donnersberg zurückgekehrt, fühlte der Eutschlafene sich durch seine Ferien recht erfrischt und gekräftigt und ist nun doch einem schnellen Tode zur Beute ge⸗ fallen. Unser Schulwesen hat durch das Hinscheiden des Professors Marx einen großen Verlust erlitten, wirkte er doch seit dem Jahre 1862 am Großh. Gymnasium mit aller Hingabe und deshalb auch mit großem Erfolg. Auch sonst stellte Professor Marx seine Kraft bereitwillig in den Dienst der öffentlichen Sache; so hat er seit Jahren als Stadtverordneter sich um unser Gemeinwesen ver dient gemacht.

Vermischtes.

Die Haberfeldtreiber. Wie schon erwähnt,

hat die in München geführte Untersuchung im Haberer⸗ prozeß zu massenhaften Verhaftungen geführt und die Verhafteten werden mit geringen Ausnahmen schon seit langer Zeit in Haft gehalten. Die Zeugenvernehmungen und die Aussagen der Verhafteten haben das Aktenmaterial riesig anschwellen lassen. Bis jetzt ist jedoch noch Niemand der Rädelsführerschaft bezichtet worden. Auch gegen den Bürgermeister von Sauerlach richtet sich die Bezichtigung nur auf Anstiftung. Er soll es angeregt haben, daß einer bestimmten Person Haberfeld getrieben wurde. So lange keine Anklage auf Rädelsführerschaft erhoben wird, kommt der Prozeß nicht vor die Geschworenen, sondern vor das Landgericht was für die Beschuldigten einen großen Unterschied bedeutet. Uebrigens scheint dem Un⸗ fuge des Haberfeldtreibens durch das bisherige Vorgehen noch kein Ende gemacht zu sein. Wie dieMünchener Neuesten Nachrichten aus Rosenheim melden, soll kürz⸗ lich Morgens zwischen ¼3 bis kurz vor 4 Uhr in der Nähe von Jaresöd bei Thann zwischen Ellmosen und Karolineufeld ein Haberfeldtreiben stattgefunden haben; in Zwischenräumen von je 3 Minuten hörte man in Rosen⸗ heim ganz deutlich ein heftiges Rottenfeuer; wem es ge⸗ golten, ist noch unbekannt. L das Ende einer unglücklichen Ehe. Von seiner Frau erschossen wurde kürzlich in Oranienburg der Grundbesitzer Franz Tomcyk, ein sehr vermögender Mann, in Berlin als früherer Polizei⸗Nachtwachtmeister und Feldwebel beim Kaiser⸗Alexander⸗Regiment bekannt. Das Ehepaar lebte in stetem Unfrieden. Tomcyt hatte es seit einiger Zeit sehr übel vermerkt, daß seine Frau häufig nach Berlin fuhr. Sie war zuletzt mit ihrem aus der Ehe mit Tomcyt hervorgegangenen, jetzt zweijährigen Töchterchen dort gewesen und benutzte vom Bahnhof nach ihrer eine halbe Stunde entfernten Wohnung eine Droschke des Fuhrherrn Gießel. Schon unterwegs äußerte sie zu Herrn Gießel, er möge sie, wenn nötig, vor ihrem Manne schützen. Als die Droschke hielt, stand Tomeyk mit einem Stock in der Hand an der Thür. Er schlug die Frau nicht, nahm ihr aber das Kind schnell aus den Armen. Ob Frau T. dies nun als eine Bedrohung aufgefaßt haben mag, genug, sie zog sofort einen in Berlin gekauften Revolver hervor und gab auf ihren Mann Feuer. Sechs Schüsse knallten und der Unglückliche lag in seinem Blute. Er hatte einen tödlichen Schuß in den Unterleib und zwei Streifschusse in den Arm erhalten. Drei Schüsse waren fehlgegangen. Die Frau that, als ihr Ehemann zusam⸗ menbrach, nach glaubwürdiger Bekundung, eine recht herz⸗ lose Aeußerung. Dann ging sie festen Schrittes in ihre Wohnung, wo sie später verhaftet wurde. Tomeyt ist noch am selbigen Abend gestorben.

Das sechste und siebente Buch Mosis. Aus Berlin, 24. Sept., schreibt man:Das sechste und siebente Buch Mosis und derwahrhaftige feurige Drache bot gestern für lange Zeit die Lektüre der Schöffen am Amtsgerichte II. Diese beiden Dru werke, ziemlich dick⸗ leibige Bände mußten auszugsweise zur Verlesung gebracht werden und zwar in einem Strafverfahren, das sich gegen den Buchdruckereibesitzer Alwin Bartel aus Neuweißensee richtete und auf Verbreitung unzüchtiger Schriften lautete. Unter der ländlichen Bevölkerung ist vielfach der Glaube verbreitet, daß, war das sechste und siebente Buch Mosis besitzt, hexen und zaubern, schatzgraben, sich unsichtbar machen und viele andere Kunststücke lernen kann. Wer aber von den Zuhörern glauben mochte, von der Vor⸗ lesung etwas zu profitieren, der irrte sich, denn der Ge⸗ richtshof schloß, wegen Gefährdung der guten Sitten die Oeffentlichkeit auszuschließen. Aus dem öffentlich ver⸗ kündeten Urteile ging hervor, daß der Angeklagte mit den bei ihm beschlagnahmten Büchern einen schwunghaften Handel getrieben hat. Nach Ansicht des Gerichtshofes enthalten die Bücher zwar meistens nurCuriosa oder Dummheiten, zum Teile auchRezepte, die auf Dummheit und Aberglauben zu spekulieren scheineu, an einzelnen Stellen aber seien sie geeignet, die Sittlichkeit zu untergraben. Das Urteil lautete daher auf 30/ Geld⸗ strafe und Beschlagnahme aller erreichbaren Exemplare der beiden Schriften.

Am grünen Holze! Aus Dürnkrut meldet man demN. Wiener Tgbl.: Der 17jährige Ernst Soika, Sohn eines hiesigen Gastwirtes, besuchte in Wien ein Gymnasium und brachte stets die besten Zeugnisse nach Hause. Samstag kam er zum Besuche seiner Eltern hier an und begab sich kurz nach seiner Ankunft auf den Hausboden, wo er sich eine Kugel in die Schläfe jagte und tot blieb. Ein zurückgelassenes Schreiben an seine Eltern klärte das Motiv des Selbstmordes auf. Soika hatte seit Jahren das Gymnasium nicht besucht und in Wien ein Liebesverhältnis unterhalten; die Zeugnisse, die er nach Hause brachte, waren alle gefälscht und von einem Kollegen ausgestellt. Da sich dieser nun weigerte, dem Soika weitere Zeugnisse auszustellen, machte Letzterer seinem Leben ein Ende.

Die reichste Erbin der Welt. Das ist, wie man demB. B.⸗C. aus London schreibt, Luciana Premelic⸗Hirsch, die Enkelin des vor kurzem ver⸗ storbenen Baron Hirsch. Wenn sie großjährig wird, wird sie wahrscheinlich in den Besitz einer Erbschaft gelangen, die nicht weniger als fünfhundertfünfundzwanzig Millionen Mark betragen dürfte. Noch vor wenigen Monaten besaß sie nicht einen Heller und keinen anderen Familiennamen als den ihrer Mutter, denn sie ist ein uneheliches Kind; heute übersteigt ihr Vermögen das der reichsten Prinzessin und sie besitzt Paläste in fast allen Hauptstädten und Schlösser in fast allen Ländern Europas. Bis zu ihrer Großjährigkeit wird Luciana Hirsch, die gegenwärtig erst 14 Jahre alt ist, in Brüssel erzogen, mit einem fast königlichen Luxus, aber mit großer Strenge, unter der Madame Montefiore Levy, einer Schwester der Baronin Hirsch, die trotz ihres ungeheueren Reichtums in ihrer Lebensführung von einer spartanischen Einfachheit ist. Madame Montefiore Levy gehört der alten Familie der Bischoffsheim an, die sich als Bankiers einen Namen gemacht haben. Sie ist eine strenggläubige Jüdin, aber ihr Schützling Luciana wird trotzdem im katholischen Glauben erzogen, und die junge Dame hat in ihrem Palaste eine Kapelle und einen Hauskaplan. Wie es kommt, daß diese Tochter, Enkelin und Mündel streng⸗ gläubiger Juden seit ihrer Geburt Katholikin ist, soll im Nachstehenden kurz erzählt werden. Vor sechzehn Jahren lebte Baron Hirsch in Paris. Um seiner Gemahlin die Repräsentationspflichten zu erleichtern, engagierte der Baron eine junge, vornehme, hochgebildete Dame, Fräulein von Premelic, die aus einer alten, aber verarmten Adels⸗ familie stammte. Sie war vierundzwanzig Jahre alt, von auffallender Schönheit, hatte mehrere Jahre mit Eifer sich klassischen und künstlerischen Studien aller Art gewidmet und in allen Fächern Ehrenpreise erhalten. Im Hause des Millionärs wurde sie außerordentlich geschätzt und geachtet, wie ihre Talente, ihr mit würdiger Resig⸗ nation getragenes Unglück und nicht zuletzt ihre Schönheit es verdienten. Ganz besonders gfieel sie Herrn Lucian von Hirsch, dem einzigen Sohne des Barons, der damals etwa in demselben Alter stand wie Fräulein von Premelic. Der junge Mann galt als Philantrop, war Mitglied zahlreicher Klubs, Besitzer eines Rennstalls ersten Ranges und führte im Uebrigen das verschwenderische Leben der reichen Pariser Elegants. Lucian verliebte sich sterblich in die Gouvernante, das Mädchen erwiderte seine Liebe, und wie es scheint, vermählten sich die beiden Liebenden heimlich, aber nur kirchlich, um die religiösen Bedenken des Fräulein von Premelic zu besch wichtigen. Vor dem Gesetz war diese Eheschließung nicht giltig. LuciansGattin vor Gott verließ das Haus des Barons und mietete eine bescheidene Wohnung in einem anderen Viertel von Paris. Kurz darauf, im Jahre 1882, gebar sie ein Mädchen, welches den Vornamen Luciana und den Namen der Mutter erhielt. Fünf Jahre später starb Lucian und empfahl auf dem Sterbebett seine Gattin und sein Kind dem Schutze seines Vaters. Der Baron be⸗ schloß, die letzte Bitte seines über Alles geliebten Sohnes zu erfüllen. Aber da er annahm, daß Fräulein v. Pre⸗ melic sich seinem Sohne weniger aus Liebe als aus kühler Berechnung hingegeben habe, verlangte er ent⸗ schieden, daß das Kind der Gewalt und dem Einfluß seiner Mutter entzogen werde. Lange widersetzte sich Fräulein von Premelic diesem Verlangen, aber schließlich opferte sie sich, da sie einsah, daß sie mit ihrem Wider⸗ stande die Zukunft Lucianas schädigte. Sie lapitulierte aber nicht, ohne zu fordern, daß das Kind im katholischen Glauben erzogen werde. Der Baron, der in Glaubens⸗ sachen sehr tolerant war, gab ohne große Schwierigkeiten nach und bestimmte in seinem Testamente, daß der Wunsch des Fräulein von Premelic respektiert werden solle. Wir haben oben gesagt, daß Luciana bei ihrer Großjährigkeit wahrscheinlich in den Besitz eines Vermögens von 525 Millionen Mark gelangen werde. Dieseswahrscheinlich bedarf einer Erklärung. In seinemTestamente hat der Baron Hirsch seine ihn überlebende Gattin beauftragt, Luciana genau zu studieren und zu prüfen und ihr das Vermögen nur dann zu übergeben, wenn sie bei erreichter Großjährigkeit ein edles, braves Wesen geworden sei, entgegengesetzten Falles erhält Luciana die 525 Millionen Mart erst nach dem Tode ihrer Großmutter, der Baronin Hirsch. Luciana Premelic⸗Hirsch, wie sie sich jetzt nennt, gilt schon jetzt als seyr vernünftig und ernst; sie ist etwas schüchternen und verschlossenen Charakters, besitzt aber außer dem Zauber ihrer Millionen viele persönliche Eigen⸗ schaften, die sie liebenswert machen würden, selbst wenn sie arm wäre.

Dampfrettungsboote. Aus Pillau wird der Königsberger Allg. Zeitung geschrieben: Während

bisher die Rettungen Schiffbrüchiger von Ruderrettungs⸗

booten ausgeführt wurden, wobei das öftere Nichtgelingen des Werkes gar nicht selten der zu wenig anhaltenden menschlichen Kraft zugeschrieben werden mußte, so trägt man sich mit dem Gedanken, Dampfrettungsboote in Dienst zu stellen. Die Anregung zu dieser Neuerung, welche auch die Gefährdung der Rettungsmannschaft ganz bedeutend verringern würde, geht von England aus. Die Royal National Life⸗boat Institution in England besitzt gegenwärtig bereits zwei solcher Dampfrettungsboote, während sich ein drittes in Bestellung befindet. Der Inspektor unserer Rettungsgesellschaft, Herr Kapitän Georg Pfeifer, war zur Prüfung der Leistungsfähigkeit der Boote nach England im April d. J. abgesandt worden und hat darüber Bericht erstattet. Die Maschinen der Dampfrettungsboote sind auch für Seitwärtsbewegung eingerichtet. Es ist das ein bedeutender Vorteil, da eine der großen Gefahren des Rettungsbootdienstes in dem Zerschlagen der Boote an der Schiffsseite besteht. Durch diese Möglichkeit rascher seitlicher Bewegung wird das Freihalten des Dampfrettungsbootes von dem Schiffs⸗ rumpfe erheblich erleichtert. Der Dampfdruck für die Maschine kann ohne Nachteil für den Kessel in einer halben Stunde erzeugt werden. Das Rettungsboot ist außerdem mit einem zum Niederlegen eingerichteten Mast versehen, an dem ein Raasegel und ein Fock geführt werden. Der zwischen dem Maschinenraum und dem hinteren Endluftkasten befindliche unbedeckte Raum des Rettungsbootes ist mit Doppelbooten und Selbstentleerungs⸗ vorrichtung versehen. Er dient zur Aufnahme der Schiff⸗ brüchigen und bei schwerem Wetter auch zum Aufenthalt der Mannschaft, welche dann auf dem Verdeck nicht laufen kann. Der Raum ist groß genug zur Aufnabme von 30 Personen. Die Besatzung eines solchen Rettungs⸗ bootes besteht aus dem Kapitän, zwei Maschinisten, zwei Heizern und sechs Matrosen. Unter vollem Dampf läuft das Boot sieben Knoten und verbraucht 120 Kilo Kohlen in der Stunde. Auch ohne den Gehrauch der Maschine, nur unter Segel, ist das Boot manövrierfähig. Der Preis des Bootes beträgt etwa 90 000 4. Das neueste dieser Boote, welches erst im November dieses Jahres fertig gestellt sein wird, ist für Mineralöl⸗Heizung ein⸗ gerichtet. Dadurch wird eine bedeutende Ersparnis ein⸗ treten.

Aus Wladiwostock meldet die Russ. Telegr. Agentur: Die zur Erforschung Kamtschatkas ausgesandte Expedition unter Bogdanowitsch und Lemiakin hat das Gebiet zwischen Ap⸗Tschumukan und Ayan untersucht und ein weites, sehr goldhaltiges Terrain erschlossen. Man fand am Ufer des Flusses Aikaschra bis Ayan an vier⸗ zehn Stellen in vulkanischen Schichten Barren sehr reinen Goldes.

Gehörsstärkung durch Telephonieren. Bei der weiten Verbreitung des telephonischen Verkehrs und der großen Anzahl Derer, die sich des Fernsprechers täglich bedienen, dürfte folgende Meldung von Interesse sein, die wir unter der UeberschriftGehörsstärkung durch Telephonieren im BerlinerKl. Journal lesen: Etwa 30 000 Berliner hören auf dem linken Ohre bedeutend schärfer, als auf dem rechten. Diese interessante That⸗ sache ist seit etwa 15 Jahren in jährlich steigendem Maße beobachtet worden. Als bei der zunehmenden Zahl der beobachteten Fälle nach der Grundursache geforscht wurde, ergab sich die übereinstimmende Feststellung, daß die halbseitig Scharfhörenden Besitzer eines vielbenutzten Fern⸗ sprechapparates waren, bezw. an solchen viel beschäftigt waren. Der Hörer des Fernsprechers wird meist mit der linken Hand vom Haken abgenommen und an das linke Ohr gelegt, während die rechte Hand häufig zum Schreiben benutzt wird, wodurch das rechte Ohr seltener zumHören benutzt wird. Die Untersuchten, welche mit dem linken Ohre das leiseste Gespräch im Telephon gut hörten, ver⸗ standen schlecht oder gar nicht, wenn sie an Stelle des linken mit dem rechten Ohre zu hören veranlaßt wurden. Das Telephon hat also einen nachweislich schärfenden Einfluß auf unsere Gehörnerven. Es empfiehlt sich aus diesem Grunde vielleicht, beim Telephonieren, wenn an⸗ gängig, zu wechseln, das heißt abwechselnd auch das rechte Ohr zu benützen.

Rund 750 000 Stück Fahrräder sind in der ersten Hälfte dieses Jahres allein in den verschiedenen Fabriken der Vereinigten Staaten von Amerika hergestellt worden, gewiß ein Beweis, daß das Rad nicht nur bei uns, sondern auch in Amerika nicht mehr blos dem Sport, sondern auch praktischen Zwecken dient und sich immer mehr als bequemes Transportmittel einbürgert. Welchen riesigen Umfang die Fahrradfabrikation aber auch auf dem Kontinent gewonnen hat, läßt sich nach Mitteilungen des Patent⸗ und technischen Bureaus von Richard Lüders in Görlitz daraus erkennen, daß die von Dunlop, dem Er⸗ finder des Pneumatikreifen, im Jahre 1888 mit 950 000 Mark gegründete Fabrik bei ihrer jetzigen Liquidation die nette Summe von 76 000 000 Mark zur Teilung bringen konnte.

Eine Ruinenstadt in der Wüste Gobi. Der schwedische Forschungsreisende Swen Hedin hat nach läugerer Pause wieder einen größeren Bericht nach Stockholm gesandt, dem dieVoss. Ztg. interessante Mitteilungen über die Ruinen einer uralten Stadt ent⸗ nimmt, die er während seiner diesjährigen Reise durch die Wüste Gobi fand. Er begann diese Wüstenfahrt mit einer starten Karawane von Khotan ab, nach einiger Zeit stieß man auf die Reste eines abgestorbenen Waldes, in deren Nähe die Ruinen lagen. Im Gegensatz zu den vielen anderen Steinruinen in Ostturkestan waren hier alle Ueberbleibsel von Holz, nicht eine Spur von einem Stein⸗ oder Lehmhaus war zu entdecken. Die Ruinen bestanden in zwei bis drei Meter hohen Pfeilern, die oben spitz zuliefen, im übrigen aber sehr verwittert waren. Solche Hausruinen fand Hedin zu Hunderten, aber der ganze weite Bezirk, 3 bis 4 Kilometer im Durchmesser, liegt im tiefem Sand begraben, so daß nur solche Häuser, die auf dem erhöhten Untergrunde oder in den Sand⸗ thälern stehen, hervorsehen. Im trockenen Sande Aus⸗ grabungen vorzunehmen, ist eine vergebliche Arbeit, da der Sand sofort nachrutscht; aber immerhin gelang es Hedin, soviele Funde zu machen, daß er das Alter der Stadt bestimmen konnte. Bei einem der Häuser standen die Wände zwischen den Pfeilern etwa einen Meter hoch. Sie bestanden aus Schilf, mit Lehm zu einem festen Baumaterial vereint und außen und innen mit weißem Putz betleidet. Auf diesen waren mit Meisterhand ver⸗ schiedene Malereien angebracht, in denen knieende Frauen, die Hände zum Gebet gefaltet, dargestellt waren. Weiter fand man Abbildungen von einigen Männern, einem Hunde, einem Pferd, einigen Fahrzeugen, sowie Orna⸗ mente, namentlich aber Blumen in großer Menge. Da der Putz wie Staub abfiel, kopierte Hedin die Malereien und maß deren Größe. Beim Graben in einem anderen Hause wurde eine Menge 1 bis 2 Decimeter hoher, Gips⸗ figuren in Hochrelief gefunden, die zum Schmuck einer

Wand gedient hatten und sitzende Buddabilder und stehende Frauen darstellten. Letztere hielten die eine Hand auf⸗

wärts gestreckt, die andere über die Brust, den H grund ihres Kopfes bildete eine Glorie ganz wie b katholischen Marienbildern. Zwischen mehreren Sandha sah man noch die Spuren von Baumbestand, so v hohen Pappel, in Alleen stehend, wie man 10 Stümpfen schließen konnte. Hier hatte der Boden Nahrung für Aprikosen⸗ und Pflaumenbäume gegebe Ehemals lag diese jetzt in ein Sodom verwandelt an einem nun an dieser Stelle ausgetrockneten Flu Kerija⸗Darja, und an ihren Häusern und Tempeln das Wasser in zahlreichen Kanälen vorbeigeströmt. der Nähe der Stadt und an den Ufern des Flu wuchsen prächtige Wälder, wie jetzt am Kerija⸗Darfa, in den heißen Sommertagen genossen die Einwohner unter den dichten Aprikosenbäumen einen erfrischenden Schatten. Hinsichtlich der Frage, wann diese Stadt bewohnt war, giebt auch einen Anhalt eine Berechnung über die Zelt, die der Sand gebraucht hat, um von der Stadt gege Südwesten bis zu den Gebieten zu gelangen, wo jetzt d äußersten Sandhaufen am Fuße des Küen⸗Lün liegen. In diesen Gebieten herrschen nordöstliche und östliche Winde vor, besonders im April und Mai ist der Wind heftig, dann trifft der sogenannteKara⸗Buran, d. h, schwarze Sturm, ein, ein Wind, der so viel Sand und Staub mitführt, daß der Tag zur Nacht wird. In März und Juni kommen dazu mehrereSarib⸗Buran odergelbe Stürme, die schwächer und von kürzerer Dauer als die schwarzen sind. Hedin fand im Januar, daß ein Sandkamm von einem ziemlich heftigen Südwest in 45 Minuten 11,9 Zentimeter gegen Nordost wanderte. In der Nacht wandte sich der Wind, und der Sandhaufen machte in 9 Stunden 91 Zentimeter gegen Südwest. Nimmt man an, daß jedes Jahr an 24 Tagen starker Wind gegen Südwest weht, so daß der Haufe 2 Meter wandert, so geht er im Jahre ungefähr 50 Meter und braucht 1000 Jahre, um den Punkt zu erreichen, bis zu dem der Sand nun gegen Süden gekommen ist. 2 Die Hausa⸗Sprache. Aus London schref man: Auf der englischen Naturforscher⸗Versammlung, die gegenwärtig, wie dieFrankfurter Zeitung bereits ge⸗ meldet, in Liverpool tagt, hielt der Pastor C. Robinson einen Vortrag über die Hausa⸗Sprache. Dle⸗ selbe ist Iwahrscheinlich die weitverbreitetste Sprache des afrikanischen Festlandes. Nach der Hausa⸗Sprache kommen erst Suaheli und Arabisch. Die letzteren werden von ü ebenso viel Afrikanern vielleicht verstanden, aber nicht ge⸗ sprochen. In nicht unferner Zukunft werden vier Sprachen den ganzen asrikanischen Kontinent beherrschen: Englisch, Arabisch, Suaheli und Hausa. Das Englische wird dle Sprache des Südens sein, Arabisch die des Nordens und Suaheli und Hausa die des tropischen Afrikas. Schriftsprache ist das Hausa seit etwa einem Jahrhundert geworden, wahrscheinlich aber viel länger. Kano ist se 950 Jahren eine Hausa⸗Stadt gewesen. Es besteht eine Ueberlieferung, daß die Hausa ursprünglich vom welten Osten jenseits von Mekka kommen. Die Sprache ist wahr⸗ scheinlich mit dem Koptischen und Berberischen verwandt. 7 DieCambridge University Press wird in Bälde einen Band Haufa⸗Handschriften im Faksimile nebst Ueber⸗ 1 setzung und Anmerkungen herausgeben. Die englische Hausa⸗Gesellschaft will in Kipolis eine Schule zum Studium 1 0 f

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Starke Metamorphose. Kritiker: Ich würde Dir raten, lieber Freund, Deine Tragödie um⸗ zuarbeiten, die fünf Akte in einen zusammenzuziehen, aus diesem die Pointe knapp in Frage und Antwort zu kleiden und als Witz einem humoristischen Blatt zu über senden!

Standesamtliche Nachrichten. Geburten. 1 Am 24. September. Dem Geometer 1. Klasse Wll⸗ helm Lindenstruth eine Tochter. Dem Bürgermeisterel⸗ Gehülfen Karl Brod ein Sohn, Georg Ludwig. 7 Dem Schuhmacher Johann Appel eine Tochter. 27. Dem Zimmermann Christian Staffel eine Tochter, Katha⸗

rina Elisabeth. Aufgebote.

Am 26. September. Friedrich Oskar Beyer, Bu halter dahier, mit Elisabeth Adelaide Agnes Marie Ney von Leipzig. 28. Heinrich Weber, Bierbrauer dahler, mit Elise Graf hierselbst. Gustav Adolf Gerndt, Schreie meister dahier, mit Anna Katharine Johanna Etzelmüller unten auf Beschluß d vou Betzdorf. Hermann Fischedick, Holzarbeiter zu Boktroß che auf Widerruf g mit Anna Marie Hoeck zu Gießen. 29. Wilhelm Heinrich Nicolat, Taglöhner dahier, mit Christine Johannette A Brückel, geb. Nassauer, Witwe von Fabrikarbeiter B 9 Brückel dahier. 30. Johann Heinrich Martin W 1 Schlosser dahier, mit Dorothea Keller zu Wieseck. 1. Oktober. Rudolph Heinrich Wilhelm Kühne, Semi Oberlehrer zu Uetersen, Schleswig⸗Holstein, mit Bierau hierselbst.

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1 e Dqputation ez Eheschließungen. A achuation für den Am 26. Selene 57 2 Bauer, Glaser n pid Sof dahier, mit Elisabeth Neuber hierselbst. Martin Heinrich 15 n anerkann Müller, Bergmann dahier, mit Christine Roth, geborene Falz mail f Schnecker, Witwe von Waldarbeiter 5 e 1 1 gelt be Adolf Georg Julius Wilhelm Bourgeois, Buchbindermesster Di gesch dahier, mit Elise Größer hierselbst. 30. Friebrich(bote Karl Thiele, Bürstenmacher dahier, mit Bertha Edelmann 1 sreung der Aal hierselbst. I 0

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Sterbefälle. 115

Am 26. September. Wilhelm Manck, 11 Jahre alt, Sohn von Schlosser Philipp Manck dahter. 2. Irene Elisabeth Kockerbeck, 17 Tage alt, Tochter von Architett Heinrich Kockerbeck dahier. 28. Alida Fritz, geb. Preuschen, 37 Jahre alt, Ehefrau von Forstwart Sebastian Fritz Kirtorf. 29. Elisabeth Arnold, Jahre alt, Tochter von Gastwirt Johannes Arnold dahier.

Auszug aus den Kirchenbuchern

der evangelischen Gemeinde.

Matthäusgemeinde.*

Taufen.

Am 27. September. Dem Schneider Heinrich Loos

eine Tochter, Bertha Helene, geb. am 18. Juli. Dem

Gastwirt und Kufer Julius Wellhöfer eine Tochter, l

helmine Karoline, geb. am 5. Sept. Wi

MNarkusgemeinde. 3

Trauungen. n

Am 27. September. Martin Heinrich Müller, Witwer,

Bergmann zu Gießen, mit Christine Roth, geb. Schneller, Witwe des Waldarbeiters Valentin Roth. Johann He

Baum, Glaser zu Gieten, mit Elisabeth Neuber, Tochter

des verstorbenen Leinwebers Heinrich Neuber zu Quech.

Adolf Heinrich Julius Wilhelm Bourgeois, Buchbinder

meister zu Gießen, mit Elise Größer, Tochter den 5

verstorbenen Schreiner Georg Größer zu Gieten. Lukasgemeinde.

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Am 27. September.