Ausgabe 
3.11.1896
 
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rüben, Möhren, Stoppelrüben, Kraut und Wir⸗ sing auf den Altären niedergelegt.

* Friedberg, 1. November. Am Freitag Abend kurz nach 9 Uhr brach hier in der Brauerei Windecker Großfeuer aus, das in drei Stunden zwei Scheuern und ein Lagerhaus einäscherte. Dem entschlossenen Eingreifen der Feuerwehr durch fünf Schlauchlinien ist es zu danken, daß das Feuer auf seinen Herd beschränkt und weiterer Schaden verhütet würde. Die Bewohner der Nachbarhäuser hatten große Hitze auszustehen, da in dem Viertel die Häuser recht eng aneinander 7 sind. Der Schaden ist durch Versicherung

edeckt.

5* Nieder⸗Olm, 29. Oktober. In letzter Zeit treibt sich in unsrer Gegend ein angeblicher Bilder⸗Reisender umher, der bei Wirten und Geschäftsleuten Zehnmarkstücke wechseln läßt. Bei näherem Zusehen findet man, daß die Gold⸗ stücke österreichische Zehnkronenstücke sind, die in Größe der deutschen Krone ähnlich sind, aber beim Auswechseln nur mit 8 Mark bezahlt werden. Da die Manipulationen vielfach ver⸗ sucht und ausgeführt worden sein sollen, so hat man es hier offenbar mit einem Schwindler zu thun, der sich auf bezeichnetem Wege Geld machen will. Es ist deshalb Vorsicht am Platze.

* Biblis, 1. November. Die feuchte Witte⸗ rung des Sommers hat die Entwickelung des Krautes sehr gefördert und sind die Kraut⸗ köpfe so schön, wie wir seit Jahren keine erzielten. Der Preis für Weißkraut stellt sich auf 35 bis 40 für den Zentner.

* Gau Odernheim, 29. Oktober. Die Verhandlungen über Errichtung einer Ge⸗ nossenschafts-Zuckerfabrik am hiesigen Platze sind so weit gediehen, daß der Bau mit Beginn der nächsten Bausaison in Angriff ge⸗ nommen werden soll.

* Aus Rheinhessen, 29. Oktober. Im Rheingau, an der Mosel und anderen Weinbau treibenden Gegenden befinden sich Winzer⸗ vereine, die den Zweck haben, die Interessen der Weinbau treibenden Bevölkerung nach jeder Richtung hin zu vertreten und es besonders mög⸗ lich zu machen, eine bessere Verwertung der Trauben, des Traubenmostes, des Weines zu

zu Schleuderpreisen ihre Wir sind in der Lage, daß ein bereits vor Jahren aufgetauchtes Projekt, auch für die Provinz Rheinhessen oder für einen Teil derselben einen Winzerverein zu bilden, wieder aufgegriffen werden soll. Der Vorsitzende der hessischen Ge⸗ nossenschaften, Herr Kreisrat Haas in Offen⸗ bach, hat bereits mit hervorragenden Landwirten, bezw. Winzern Rücksprache genommen und ist bereit, das im Interesse des kleinen Winzerstandes zu begrüßende Unternehmen nach jeder Weise hin zu fördern und zu unterstützen.

* Mainz, 1. Nov. In einer ganzen Reihe von Ortschaften unseres Wahlkreises wurden, wie dieFrankf. Ztg. meldet, von den Wirten den Sozialdemokraten sämtliche größeren Lokale zur Abhaltung von Versammlungen versagt. Das wird manchen Mann veran⸗ lassen, sozialistisch zu wählen, der es unter anderen Umständen wohl nicht gethan hätte.

häufig genötigt sind, Produkte abzusetzen. mitteilen zu können,

Auszug aus den Kirchenbüchern der evangelischen Gemeinde. Matthäusgemeinde.

Taufen.

Am 25. Oktober. Dem Glaser Wilhelm Sickert eine Tochter, Friederike Wilhelmine Henriette, geb. am 18. September.

Trauungen.

Am 24. Oktober. Johannes Peter Krauskopf, Witwer, Bürstenmacher zu Gießen, mit Marie Peter, Tochter von dem verstorbenen Leinweber Konrad Peter zu Sellnrod. 29. Rudolf Heinrich Wilhelm Kühne, Seminar⸗Ober⸗ lehrer zu Uetersen in Schleswig⸗Holstein, mit Clotilde Bierau, Tochter von dem Oberförster i. P. Theodor Heinrich Jakob Bierau zu Gießen. 30. Wilhelm Hoffmann, Schneider zu Gießen, mit Elisabethe Prophet, Tochter von dem Taglöhner Balthaser Prophet zu Gießen.

Beerdigte.

Am 27. Oktober. Marie Margarethe Meckel, Tochter von dem Schneidermeister Friedrich Meckel, 16 Jahre alt, starb am 25. Oktober. 28. Ernst Schomburg, cand. phil., Sohn des zu Blankenburg verstorbenen Arztes Dr. med. Andreas Schomburg, 38 Jahre alt, gestorben am 26. Oktober.

Markusgemeinde. Taufen.

Am 25. Oktober. Dem Schlosser Ludwig Haas eine Tochter, Wilhelmine Marie Elise, geb. am 11. September.

Dem Fuhrmann

Hermann Martin, geb. am 8. August. Konrad Maus ein Sohn, Friedrich Wilhelm, geb. am 19. September.

Trauungen.

Am 24. Oktober. Karl August Heil, Former zu Gießen, mit Johannette Elisabeth Marie Katharine Schmall, Tochter von dem verstorbenen Weichensteller i. P. Wilhelm Schmall zu Gießen.

Lukasgemeinde. Trauungen.

Am 24. Oktober. Heinrich Wendel, Gefängnisaufseher zu Mainz, mit Katharine Carlé, Tochter des Johannes Carlé II zu Gießen.

Beerdigte.

Am 28. Oktober. Marie Elisabeth Rühl, geborene Melior, Witwe des Oktroierhebers Johann Jakob Rühl, 56 Jahre alt, starb am 26. Oktober.

Johannesgemeinde.

Trauungen. Am 25. Oktober. Wilhelm Heinrich Nicolai, Tag⸗ löhner zu Gießen, mit Christine Johannette Anna Brückel, geborene Nassauer, Witwe des Fabrikarbeiters Balthasar Brückel. Karl Feldhaus, Arbeiter zu Gießen, mit Karo⸗ line Kreiling, Tochter des Taglöhners Johannes Kreiling X

zu Gießen.

Neueste Telegramme.

Hd. Weinsberg, 2. November. Ueber das schwere Eisenbahnunglück, welches sich vor⸗ gestern Abend 8 Uhr zwischen Weinsberg und Willsbach ereignete, wird noch gemeldet: Der um diese Zeit von hier in der Richtung nach Hall abgehende Personenzug stieß auf der ge⸗ nannten Strecke mit 8 Wägen zusammen, die sich in Eschenau von einem in gleicher Richtung, also auf demselben Geleise fahrenden Güterzuge losgelöst hatten und auf der abschüssigen Strecke über Willsbach zurückgerollt waren. Der Zu⸗ sammenstoß erfolgte mit furchtbarer Gewalt, da der Personenzug zwei Maschinen hatte und die Güterwagen mit großer Geschwindigkeit dem Zuge entgegenrollten; der auf letzteren befindliche Bremser, der vergeblich seine Wagen zu bremsen versuchte, wurde auf die erste Maschine des Per⸗ sonenzuges geschleudert und war sofort tot. Ebenfalls getötet wurde der Heizer dieser Maschine und schwer verletzt der Lokomotiv⸗ führer; dieser wurde gestern Nacht noch nach Heilbronn verbracht; er soll bereits gestorben sein. Das Personal der 2. Maschine wurde nur unbedeutend verletzt, von den Reisenden niemand.

den furchtbaren Stoß zu parieren. Die erste ärztliche Hilfe leistete Herr Oberamtsarzt Dr. Höring von hier. Mit einem später von Heil⸗ bronn ankommenden Hilfszug trafen auch 5 Aerzte ein. Der Heizer wurde vergebens gesucht. Erst heute morgen entdeckte man ihn, als der Tender der ersten Maschine von letzterer wegge⸗ bracht wurde. Er war zwischen beiden in die Kohlen eingepreßt worden. Der Materkal⸗ schaden ist bedeutend. Die erste Maschine wurde auf die Seite geschleudert und ist fa ganz zertrümmert, ebenso die 8 n ihrer Ladung. Die 2. Maschine wurde ebenfalls aus dem Geleise gehoben, aber nicht besonders stark beschädigt. Das eine Geleis wird bis heute morgen wieder frei sein. Zu bemerken ist noch, daß nach der Ablösung der Wagen des Güter⸗ zuges in Eschenau das Alarmsignal gegeben wurde. Darauf will der Wärter bei Sulzbach den heranbrausenden Wagen das Haltsignal ge⸗ geben haben, natürlich vergebens. Dem Per⸗ sonenzug, der hinter einer Kurve verdeckt war, konnte kein Zeichen gegeben werden. Bei Er⸗ tönen des Alarmsignals soll er den Posten Erl⸗ hofen bereits passiert haben.

Privattelegramme

derHessischen Landesztg.

* Berlin, 2. Nov. 2 Uhr 30 Min. Lihung⸗Tschang hat nach seiner Rüch⸗ kehr nach China mit der Elbinger Firms ian einen Kontrakt auf Lieserung von vier Torpebs jägern abgeschlossen.

Marktpreise. Grünberg, 2. November. Auf dem am Sonn⸗

abend abgehaltenen Wochenmarkte wurden für Getrelde folgende Durchschnittspreise(pro Zentner) erzielt; Weizen 7,87 Mark, Roggen 6,79 Mark, Gerste 6,21 Mark, Hafer 6,40 Mark.

Sterbefãlle.

1. November. Katharine Roth, geb. Heimann, 76 Jahre alt, Witwe von Taglöhner Johann Roth dahier, Schillerstraße Nr. 19. Die Beerdigung findet Dienstag, den 3. d. M., vor⸗ mittags 11 Uhr, vom Sterbehause aus statt.

Am

Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. ie⸗

Letzteres ist dem Umstand zuzuschreiben, daß der datteur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, belde in

erzielen. In der Hauptsache handelt es sich hier um die kleinen Weinproduzenten, die

Dem Buchbinder Paul Richter ein Sohn, Reinhold Heinrich

Personenzug 2 Maschinen führte, diese vermochten] Gießen.

Bekanntmachung.

(Betr. die Einrichtung eines Arbeitsnachweises für die Vrovinzialhauptstadt Gießen).

Der auf Grund der Bestimmungen des Ortsstatüts d. d. 5. September a. e einge⸗ richtete Arbeitsnachweis tritt mit dem 1. November a. e. in Wirksamkeit Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern . jeglicher Art, Dienstboten und Lehrlingen und zwar überall be derlei

eschlechts) Arbeit unentgeltlich zu vermitteln.

Der Arbeitsnachweis befindet sich im Bürgermeistereigebäude Zimmer Nr. 14 und ist an den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 3 bis 6 Uhr geöffnet

Die Führung der Geschäfte des Arbeitsnachweises ist dem Bürgermeistereigehülfen Nau übertragen.

Die Arbeitsvermittelung geschieht mittels Listen, welche nach Bedarf binsichtlich der Berufsarten gesondert und für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Dienstboten und Lebrlinge je getrennt geführt werden. Die Eintragung der Gesuche erfolgt auf Grund von schriftlichen und mündlichen, auch telepbonischen Anzeigen; erstere sind auf entsprechenden For⸗ mularien, welche auf Großh. Bürgermeisterei Zimmer Nr. 14 und an auderen demnächst noch bekannt zu gebenden Stellen in der Stadt unentgeltlich verabfogt werden, einzureichen.

Besonders zu beachten ist, daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer, welche den Arbeitsnachweis in Anspruch nehmen, verpflichtet sind, sofort demselben unter Bezugnahme auf den Tag der Aufrage Kenutnis zu geben, sobald sie, sei es durch den Arbeitsnachweis, sei es ohne deuselben die erforderten Arbeits⸗ kräfte oder die gesuchte Arbeit erlangen. Auf den Karten, mittels derer vom Nach- weis den Arbeitgebern Arbeiter zugewiesen werden, ist ein Vordruck enthalten, welcher ent sprechend auszufüllen und dem Arbeitsnachweis alsbald zuzustellen ist.

Gesuche, welche nicht binnen 14 Tagen erledigt, zurückgezogen oder er⸗ neuert sind, gelten als erloschen.

Der Beamte des Arbeitsnachweises ist verpflichtet, über Fragen der Gewerbeordnung der Kranken, Unfall-, Invaliditäts- und Altersversicherung, sowie anderer sozialpolitischen Gesetze auf Anfrage unentgeltlich Auskunft zu erteilen oder nötigenfalls die Nachfragenden an die zuständigen Beamten Großh. Blürgermeisterei Gießen zu Überweisen.

Beschwerden über die Geschäftsführung oder über den Beamten können in das in der Geschäftsstube aufliegende Beschwerdebuch eingetragen oder bei dem unterzeichneten Vorsitzend en der Deputation für den Arbeitsnachweis vorgebracht werden.

Die neugeschaffene Einrichtung nann nur dann den gewünschten Erfolg haben, wenn möglichst alle Arbeitsgesuche und alle freien Arbeitsstellen dem Arbeitsnachweis angemeldet werden, welcher nach der Reihenfolge der Anmeldungen die letzteren zu erledigen suchen wird.

Das Publikum wird demgemäß ersucht, bei Bedarf von Arbeitskräften aller Art die Dienste des Arbeitsnachweisetz in Anspruch zu nehmen.

Gießen, den 31. Oktober 1896.

Die Deputation für den städtischen Arbeits nachweis. Wolff, Beigeordneter.

Bekanntmachung.

Wir, die unterzeichneten hiesigen Rindsmetzger, geben zur allge meinen Kenntnisnahme bekannt, daß wir nur Fleisch und Fleischwaren in unserem Geschäfte feilhalten, welches von den im hiesigen Schlacht- hause hierzu beauftragten Beamten auf seine Genießbarkeit unter⸗

sucht worden ist. Jeder Verstoß gegen diese unter uns vereinbarte Bedingung wird

aufs Empfindlichste bestraft. Gießen, den 31. Oktober 1896.

Louis Vogt, Neuenweg 19, Fritz Schreiner, Seltersweg 15, August Hofmann, Wallthorstraße 13. Julius Nosenbaum, Schloßgasse, Carl Schneider, Wallthorstr. 39, Ludwig Schneider, Neustadt 18, Philipp Malkomesius, Mäusburg 19. 12

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