Ausgabe 
3.12.1896
 
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Daurchschnitt für Starkenburg 1), für Ober⸗

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Ausgabe

Gießen, Donnerstag, den 3. Dezember

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Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der

Preis der Anzeigen: 10 Pfg.

Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die Sspaltige Petitzeile.

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

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1 7* 2 kokales und Provinzielles. Gießen, 2. Dez. Di um die Mitte ds. Nis, bei der Großh. oberen landwirtschaftlichen behörde zusammengestellten Nachrichten über den Sagtenstand im Großherzogtum Hessen lezeichnen den diesjährigen Ertrag an Wein als ehr groß; die Qualität entspreche einem Mittel- bein, der etwas über dem 1894er stehe. Außer⸗ em ist in dem Bericht hervorgehoben, daß die fühen Saaten im Allgemeinen gut stehen:

b Augaben, wonach der Ertrag zwischen 40 und

geringsten war der Ertrag im laudwirtschaft⸗ chen Vereinsbezirk Wöllstein in Rheinhessen mit

Uhr,

für Wiederholung von SudermannsMori⸗

l der gleich trefflichen Darstellung des jungen

l b den Kopf.

sessen 2,5, für Rheinhesseu 2,2 und für das bart Großherzogtum 2,2.

Ueber die diesjährige artoffelernte macht der Bericht statistische

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80, in 100 Kilo per Hektar, schwankte. Am

und am höchsten im Kreise Dieburg in Starkenburg und Friedberg in Oberhessen git je 180. Ebenso schwaukte der Ertrag an klee, zwischen 18 und 80, und der Wiesen, wischen 15 und 80.

Gießen, 2. Dezember.(Gesellschaft für Erd⸗ und Völkerkunde.) Zum Vor⸗ sbage am 4. Dezember haben auch Nichtmit⸗ lieder gegen Zahlung von 1,50, Studie⸗ lende und Schüler gegen Zahlung von 50 ö Die Sitzung beginnt pünktlich um nach der Sitzung findet gesellige Jereinigung im kleinen Saale des Gast⸗ sofs zum Einhorn statt. Die Zahl der Ritglieder ist auf 181 gestiegen.

Gießen, 2. Dezember.(Stadttheater.)

ri findet am Donnerstag, den 3. ds. M., att. Für diese Vorstellung gelten der unge⸗ bt hohen Kosten wegen ebenfalls etwas

öhte Eintrittspreise. Am Freitag, den 4. 6. Mts., gastiert hier zum ersten Male die resdener Hofschauspielerin Käthe Haste alsKleiner Lord in Burnetts gleichnamigem Stücke. Wir lassen einen Bericht gesDresdner Anzeiger folgen:Interesse er beckte das Stück immerhin, namentlich in den Szenen, in denen ein gesunder Ton, Humor und Aitsprechende Kinderweisheit vorherrschen. Was ber zumeist am Dienstag zu geradezu stürmischem Feifall hinriß, das war die Darstellung des leinen Lord durch Käthe Baste, ein Gegenstück

Schloßherrn in v. Schönthan-Koppel⸗Ellfeldts fenaissance durch Frau Charlotte Baste. Käthe Haste, die sich in dieser Knabenrolle als den ge⸗ Anden, kräftigen, bausbäckigen Jungen giebt, lützückte durch den kindlichen, einschmeichelnden, daturfrischen Herzenston, der sowohl in den Szenen mit der Mutter als auch in denen mit sem Großpapa überaus sympathisch wirkt und ch als die Aeußerung eines warmen Gefühls⸗ bens und einer gewissen Gutheit giebt. Für das kindlich ungestüme Element, das naive Wesen, has heitere, immer zu lustigen Streichen aufge⸗ ligte Temperament des kleinen Lord, aber auch fr das gutmütige, seelenvolle Wesen des Kindes and die Künstlerin den richtigen Ausdruck; Ton and Mimik vereinigten sich zur Wiedergabe eines laren wirkungsvollen Bildes dieses Knaben, der der Sonnenschein im Hause der Mutter wie im ee. des Grafen Dorincourt ist. Die leistung wurde vom Publikum auch voll aner⸗ Knnt, und an zahlreichen Hervorrufen und Blu⸗ nen fehlte es nach keinem Aktschlusse. a

* Gießen, 2. Dezember.(Strafkammer.) Ein gwerbsmäßiger Betrüger stand heute in der Person des sgon sehr oft vorbestraften Dienstknechts Georg Stark bn Hedwighausen vor Gericht. Der Angeklagte hatte h im September von einem Wirt in Obererlenbach 1 lasche Bier verabreichen lassen, wozu er demselben fälsch⸗ lch Auftrag erteilte. Ferner versuchte der Angeklagte in kin Fällen, sich durch allerlei Vorspiegelungen Nahrungs⸗ hittel, sowie Kleidungsstücke anzueignen. Der Angeklagte hollte sich heute nicht mehr auf seine Thaten erinnern knnen. Der Staatsanwalt beantragte eine Zuchthaus⸗ safe von ein Jahr und drei Monaten, die mit einer hon früher wegen Betrugs erhaltenen und noch nicht Arbüßten Zuchthausstrafe, in eine Gesamtstrafe von drei zuhren aufzurechnen sei. Das Gericht erkannte aud eiae besamtstrafe von 2 Jahren 3 Monaten. Der. Dienst⸗ bhecht Christian Knoll von Stammheim geriet am . September mit dem Schlosser Anton Junghaus in emen Wortwechsel, der schließlich in Thätlichkeiten aus⸗ bitete. Knoll versetzte seinem Gegner mehrere Messerstiche Ein Verwandter des Messerhelden, Konrad Ruhe zu stiften, eben⸗

läger, erhielt bei dem Bemühen, ö 11. 5 Stich in den Arm. Das Gericht erkannte uf eine Gefängnisstrafe von acht Monaten. Wegen

in Bad Nauheim, der den Angeklagten damals beschüf tigte, einen Geldbetrag von 275 Mark, sowie einen Schlüsselbund entwendet. Der Angeklagte, der sich an⸗ fangs aufs Leugnen verlegte, schlteßlich jedoch die That zugestand, erhielt 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis. Dem Dachdecker Friedrich Schwarzhaupt von Ober⸗Ram⸗ stadt wurde von dem Bauunternehmer Gerhardt von Konradsdorf, der für den Gutsbesitzer König auf dem Hammerhof Bauarbeiten ausführte, eine gewisse Arbeit zur Ausführung übertragen. Nach Fertigstellung der fragl. Arbeit überbrachte Sch. dem Verwalter des Gutsbesitzers eine Rechnung über 18, worauf er 14/ gegen Quittung ausgehändigt erhielt. Später stellte er auch dem Bauunternehmer Gerhardt eine Rechnung aus, in welcher er die schon empfangenen 14/ nochmals bean⸗ spruchte. Aus diesem Grunde wurde Anzeige wegen Betrug gegen den schon mehrmals wegen ähnlicher Delikte vorbestraften Schwarzhaupt erhoben. Schwarz⸗ haupt wurde auch von der Strafkammer verurteilt, legte aber gegen das Urteil bei dem Reichsgericht Berufung ein, mit der Begründung, die von ihm gewünschten Zeugen seien nicht vernommen worden. Das Reichsgericht ver⸗ wies die Sache an die Strafkammer zur nochmaligen Verhandlung. Der Angeklagte beantragt heute Vertagung der Verhandlung, da die von ihm gewünschten Zeugen wieder nicht geladen seien. Die Verhandlung wird auf nächsten Freitag, Nachmittags 4 Uhr zwecks weiterer Be⸗ weiserhebung vertagt.

Watzenborn, 1. Dezember. Heute feierte hier die Hebamme Frau Christina Weiß ihr 25 jähriges Jubiläum im 92 5 ihrer Kinder und Angehörigen. Es wurde ihr ein Diplom mit der Inschriftfür unermüdliche treue Dienste von Seiten der Kinder überreicht. Durch Tüchtigkeit in ihrem Berufe hat ste nicht weniger als 754 glückliche Geburten ausgeführt. Wir wünschen der Jubilarin, daß sie noch viele Jahre ihre Praxis fortbetreiben möge.

* Grünberg, 1. Dezember. Eine Anzahl Bewohner unserer Stadt beabsichtigen die Grün⸗ dung eines Vereins zur Hebung des Fremdenverkehrs. Der Verein will sich zur Aufgabe machen, die von dem bis vor etwa 12 Jahren hier bestehenden Verschönerungsverein geschaffenen Anlagen u. s. w. wiederherzustellen und unsere an Naturschönheiten reiche Gegend auch für die Fremden zum Sommeraufenthalt besonders besuchenswert zu machen. Eine für nächsten Donnerstag einberufene Versammlung von Interessenten wird über die einleitenden Schritte zur endgültigen Gründung beraten.

* Bad Nauheim, 1. Dezember. Gestern hat Herr Geh. Medizinalrat Dr. Friedrich Bode, der älteste Einwohner der Stadt, in er⸗ wünschtem körperlichen Wohlsein und in unge⸗ schwächter geistiger Frische sein 86. Lebens⸗ jahr angetreten. Zahlxeiche Glückwünsche und Geschenke von nah und fern liefen ein; den Tag über wurde das Haus von persönlichen Gratu⸗ lanten nicht leer. Ein beklagenswerter Un⸗ fall, dem ein Menschenleben zum? Opfer fiel, ist aus dem benachbarten Wisselsheim zu berichten. Ein hier arbeitender Taglöhner, Kaspar Riemenschneider, begab sich am Samstag Abend gegen 10 Uhr nach Hause. In der Dunkelheit verfehlte er den Weg und geriet zwischen Wisselsheim und Rödgen in den hier recht tiefen Wetterbach. Einen Landsmann, der auf dem am anderen Bachufer vorüberziehenden Vizinalwege nach Hause zurückkehrte, sprach der Gestürzte um Hilfe an, doch konnte dieser wegen der Breite und Tiefe des Bachbettes nicht an die Unfallstätte herankommen. Bis die aus dem nahen Wisselsheim herbeigeholte Hilfe auf, dem anderen westlichen Bachufer an Ort und Stelle gelangte, war der Unglückliche noch tiefer in das eiskalte Wasser geraten und sein Hilferuf ver⸗ stummt. Erst um 5 Uhr des folgenden Tages wurde die erstarrte Leiche Riemenschneiders auf⸗ gefunden. Er war verheiratet und Vater dreier erwachsener Kinder.(D. Z.)

* Darmstadt, 1. Dezember. Der grund⸗ besitzende Adel Hessens hat gestern die Herren Ludwig Riedesel Freiherr zu Csisenbach und Adolf von Harnier zu Ab⸗ geordneten der Ersten Kammer gewählt. Wie dieDarmst. Ztg. erfährt, bewerben sich um die demnächst frei werdende Stelle eines Direk⸗ tors der städtischen Sparkasse auch zwei hiesige Rechtsanwälte.

* Mainz, 1. Dezember. Nach Mitteilung hiesiger Bläkter ist den Spezialdirektoren der Hessischen Ludwigsbahn Maschmann und Heyl die Berufung in das Direktorium der neu zu errichtenden Eisenbah n⸗Direktion Mainz zugegangen. Der stellvertretende Hauptkasseu⸗ rechnungsrevisor Mathy wurde zum Haupt⸗ kassenrendanten ernannt, während der seitherige Hauptkassenrevisor Kraus auf fünfjähriges

Hiebstahl im Rückfall hat sich der 25 Jahre alte Dienst⸗ 100 G 3 von Bad Nauheim zu verant⸗ horten. Angeklagter hatte in der Nacht vom 22. auf 23. irptember d. J. bei dem Flaschenbierhändler Jakob Geist

Wartegeld mit vollem Gehalt() gesetzt wird. Für

nisse bisher noch völlig im Unklaren ist, soll bis

spätestens am 20. Dezember die Entscheidung fallen.

* Mainz, 30. Nov. Aus dem Offizier⸗ stand ent lassen wurde der Lieutenant Bur meister vom 118. Infanterie-Regiment. Vor mehreren Monaten berichteten die hiesigen Blätter über Ausschreitungen, die der genannte Lieutenant in einer Wirtschaft der Münsterstraße begangen hatte. Das hatte damals zur Folge, daß militärischerseits eine Untersuchung gegen B. eingeleitet wurde. Die Folge davon war, daß B. aus dem Offizierstande entlassen wurde. Mainz, 0. November. Die Vorarbeiten für den bevorstehenden Karneval schreiten rüstig vorwärts. Unter 11 närrischen Eröffnungs⸗ szenen, die eingelaufen waren, wurde die Arbeit des Herrn Jean Dremmel junior preisgekrönt. Außer den Herren- und Damensitzungen unebst närrischen Konzerten sind für die kommende Saison noch folgende Veraustaltungen in Aus⸗ sicht genommen: Ein Maskenball im Januar, eine närrische Reunion, das Lennebergsfest, ein österreichischer Feldwebelsball im Jahre 1863, ein karnevalistisches Varietétheater, eine Kaffee⸗ visite aus dem Jahre 1836 und ein Karneval in Kamerun. Ferner wird ein Kostümball statt⸗ finden, dem die Idee einerKirmeß in Schlier⸗ see zu Grunde liegt.

* Mainz, 30. Nov. Die Hafen ver wal⸗ tung ordnet an, daß alle im hiesigen Hafen an⸗ kommenden, für den Transitverkehr bestimmten Güter von der Zahlung von Werft⸗ und Krahngebühren befreit sind, wenn sie ohne Verschulden des hierzu Verpflichteten wegen Mangel der zur Aufnahme bestimmten Eisen⸗ bahnwaggons auf das Ufer überschlagen werden müssen. Die preußischen Bahnverwal⸗ tungen haben seit einiger Zeit gestattet, daß die ihnen gehörigen Eisenbahnwaggons im Falle des Bedürfnisses zur Annahme von Gütern im hiesigen Hafen verwendet werden dürfen; damit ist eine wesentliche Verkehrserleichterung geschaffen. Das achtjährige Söhnchen des Wirtes Georg Knußmann wurde gestern Abeud an dem Güter⸗ bahnhof überfahren und getötet. Der schuldige Fuhrmann wurde verhaftet.

* Bingen, 1. Dez. Gestern kam hier das erste Petroleumschiff zur Entladung. Das Petroleum wurde direkt in das neue Bassin ge⸗ pumpt. Gegenwärtig werden neue Anschluß⸗ geleise über das neue Hafengelände zur Tank⸗ anlage gelegt. Der Vertrieb des Petroleums wird sich vorzugsweise auf das Nahe⸗ und Saargebiet erstrecken, wofür Ausnahmetarife er⸗ hofft werden.

* Schierstein, 30. Nov. Der Brief⸗ träger Diehl hat eingestanden, daß er auf dem Wege nach Frauenstein sel bst Hand an sich gelegt hatte. Der Raubanfall war also von ihm fingiert.

Vermischtes.

Eine Lösung der Dienstbotenfrage auf eigene Art versuchte eine in Berlin lebende ältere Dame. Ste wollte, erzählt man derTägl. Rundschau, den Beweis liefern, daß man durch eine gewisse freundliche Bemutterung eine gute erziehliche Wirkung auf unsere Widerspenstigen ausüben könnte. Aus dem Gesindebureau holte sie sich ein siebzehnjähriges, dralliges Ding, das erst seit einem Jahr in Berlin diente, und dessen Zeugnisse wenigstens auf einigen guten Willen schließen ließen. Es ging auch alles ganz gut. Die Frau Rätin trank mit dem Mädchen zusammen Kaffee auf dem Balkon, mit ihm gemeinschaftlich zu Mittag, nahm es mit zu den täglichen Spazlergängen, kurzum, behandelte es, wie man etwa eineStütze zu behandeln pflegt. Leider trat das Geschick dazwischen. Als die Rätin eines Tages von einem Besuch nach Hause kam, teilte ihr das Mädchen mit, daß ihre Tante bei ihr gewesen sei und ihr die be⸗ trübende Nachricht gebracht habe, daß ihre Eltern sie notwendig in der Heimat gebrauchten, da ihre Schwester erkrankt sei. Die Frau Rätin löste gutherzig den Ver⸗ trag, mietete eine Andere, das Mädchen packte seinen Koffer und zog ab. Mit Nummer zwei wurde nun der⸗ selbe Weg eingeschlagen. Sie war weniger anstellig, auch von Natur etwas verschlossener, die Geduld und die Güte der Rätin schienen indessen auch bei ihr zu siegen. Aber merkwürdigerweise trat auch hier wieder das Geschick da⸗ zwischen. Auch Nummer zwei erklärte nach vierzehn Tagen, daß sie zur Pflege ihrer Mutter heimwärts streben müsse, und auch sie wurde in Freundschaft aus dem Dienste entlassen. Nummer drei trat am Abend an. Sie war schon ein Mädchen von etlichen zwanzig Jahren, sehr selbständig und offenbar mit allen Arbeiten vertraut. Als sie am folgenden Morgen von der Rätin zum Kaffee auf

den Balkon geladen wurde sie hatte zuvor Milch und Gebäck eingeholt und dabei die ersten Bekanntschaften im Hause angeknüpft trat sie mit verschränkten Armen in

die Balkonthür und sagte:Nee, Frau Rätin, det is

das gesamte Personal der Hessischen Ludwigs⸗ bahn, das über seine zukünftigen Dienstverhält⸗

keine Art, det woll'n wir nich erst anfangen. Den janzen

jeschlagenen Dag uns uff de Pelle liegen, da kommt nischt bei raus. De Herrschaft vor sich und det Mädchen vor sich, wie es iu jebildeten Familien Mode is. Sehen Se mal, zwee Mädchen sind Ihnen nu schon vier Wochen darum aus⸗ jerückt, ick bleibe nich drei Tage, wenn det so weiter jehen soll. Am Ende wollen Se gar noch mit mir uf'n Sonn⸗ tag nach'n Danzboden kommen? Die Frau Rätin stand eine Weile wie versteinert da. Dann faßte sie sich und sagte:Mein Kind, ich mache Sie zunächst darauf auf⸗ merksam, daß die beiden früheren Mädchen lediglich Fa⸗ milienverhältnisse halber und aus keinem andern Grunde fortgezogen sindAch wat, unterbrach sie das Mädchen,det haben sie Ihnen vorjeredet, aber det janze Haus weeß et, dat se blos wejen die verrückte Wirtschaft wegjejangen sind. Die Frau Rätin hat sich nur schwer von ihrer Verblüffung erholt, aber bekehrt soll sie jetzt doch sein, denn Nr. 3 hat bis jetzt noch keine Sehn⸗ sucht nach ihrer Familie gezeigt.

Das Latein im Recht, so betitelt Dr. von Klaeden eine Stillehre für Juristen, die im Verlage von H. Andres und Cie., Frankfurt a. O., soeben erschienen ist. Das Latein findet der Verfasser nicht in den Worten, sondern in dem Satzbau des Juristendeutsch, das alles Andere, nur nicht deutsch ist.Man erblickt eine Satz⸗ pyramide; oben ist sie spitz und klein, nach unten wird sie immer breiter, und am Schlusse verläuft sie im Sande! Man denke an folgenden Fall: Ein Reisender tritt in einen Berliner Stiefelladen. Mit dem Hute in der Hand bittet er um eine kleine Unterstützung, indem er kollegial bemerkt, er sei ebenfalls Schuster. Dadurch rührt er den Meister, der in die Tasche greift, um dem Betkler ein Zweipfennigstück zu spenden. Da erscheint ein Schutz⸗ mann. Dieser stellt fest, daß der Wanderer kein Schuster, sondern ein Schlosser ist, und nimmt ihn in seine Obhut. Dieser kleine Gegenstand wirft, von der Sonne der Jurisprudenz beschienen, gigantische Schatten. Die An⸗ klage lautet nämlich:

Der Schlosser August Julius Karl Fröhlich, ohne festen Wohnsitz, zur Zeit in Berlin in Untersuchungshaft, geboren am 20. Mai 1873 zu Gohlis bei Leipzig, evan⸗ gelisch, Sohn des Arthur Fröhlich und der Adelheid, geb. Traurig, nicht Soldat gewesen, ledig, nicht kostenzahlungs⸗ fähig, nicht vorbestraft, wird angeklagt, zu Berlin am 14. September 1896 durch ein und dieselbe Handlaug erstens gebettelt, zweitens den Entschluß in der Absicht, sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil, nämlich ein Almosen, zu verschaffen, das Vermögen eines Anderen, des Schuhmachermeisters Siegfried, dadurch zu beschä⸗ digen, daß er durch Vorspiegelung der falschen Thatsache, Schuhmacher zu sein, einen Irrtum erregte, durch Hand⸗ lungen bethätigt zu haben, welche einen Anfang der Aus⸗ führung dieses beabsichtigten, aber nicht zur Vollendung gekommenen Vergehens enthalten, beziehungsweise Vergehen gegen die 88 361 Nr. 4, 263, 43, 73, 77 Strafgesetz⸗ buchs, worüber Beweis: Geständnis.

DiesesSätzchen zu verstehen, giebt es nur ein Mittel. Man nehme verschiedene Buntstifte und unter⸗ streiche die zusammenhörigen Satzteile mit gleichen Farben. Man erhält dann ein Bild, das aussieht, wie eine Land⸗ karte des alten heiligen römischen Reiches. Kann die Strafprozeßordnung je gewollt haben, daß solche Sätze gebaut werden? Und nun kehrt der Wust wenigstens zweimal bei Voruntersuchungen sogar viermal weider.

Neueste Telegramme.

Hd. Berlin, 2. Dezember. DemVor⸗ wärts wird aus Fürstenwalde tele⸗ graphiert, Graf Fink von Fin ken⸗ stein, ein intimer Freund des Kaisers, ist vorgestern Abend im Walde seiner Be⸗ sitzung Malitz bei Briesen angeblich von Wilddieben tödlich verletzt worden.

Hd. Berlin, 2. Dezember. Im Berliner Theater gelangte gestern Abend in Anwesenheit des Kaiserpaares, Kaiser Heinrich, der zweite Teil von Wildenbruchs Bühnendichtung Hein- rich und Heinrichs Geschlecht, zur ersten Aufführung. Dieselbe erzielte lange nicht den Erfolg wie vor Jahren König Heinrich, der erste Teil der Dichtung, fand jedoch beifällige Auf⸗ nahme.

Hd. Rom, 2. Dezember. Aufsehen erregt hier eine vorgestern Abend verübte Blutthat. Die von ihrem Mann, einem Offizier, getrennt lebende Schwiegertochter des früheren Ministers Mancini, unter dem Namen Gräfin Lara als Schriftstellerin bekannt, ist durch den Maler Pierantoni wahrscheinlich aus Eifersucht tödlich verwundet worden.

Hd. London, 2. Dezember. Die Frei⸗ lassung Jamesons ist nunmehr offtziell be kannt gemacht worden.

Privattelegramme derHessischen Landesztg. Hamburg, 2. Dezember, 3 Uhr 20 Min. Eine große Versammlung aller Streik⸗ klassen nahm heute Vormittag den Vor⸗ schlag, ein Schiedsgericht einzusetzen, einstimmig an. Das Schiedsgericht tritt schon heute Nachmittag zusammen.

Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redat⸗ teur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in Gießen.