Gießen, Sonnabend, den 3. Oktober
1896.
Ausgabe
ische Landeszeikung.
Gießen.
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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
1 Redaktion: 8 1 Kreuzplatz Nr. 4.— 5 bel 5 155, Hin... 0„
—— 981* j Lokales und Provinzielles. K Gießen, 1. Okt.(Sitzung der Stadt⸗ a berordneten.) Um 3¼ Uhr Nachmittags er⸗ 5 108 öffnet der Oberbürgermeister Gnauth die Sitzung. r Das Rechnungsergebnis pro 1895/96 wird vor⸗ 8 400. Ig elegt. Demnach e sich der Betriebsüber⸗ 10 ˖ Q 10 auf 40 525 1 97„, welche zu den Be⸗ * triebseinnahmen der Stadtkasse herangezogen ö aw.. werden sollen. Die Ausstände betragen fürs un behe h Gaswerk 972% 38 3, für das Wasserwerk
53„ 93„. Für die bestehenden Kreditüber⸗ — chreitungen wird zu Lasten der nachgewiesenen
Mittel Kredit erteilt.— Am 31. März 1896 betrug der Geldbestand des Gaswerks 465 861 4. 99 J und für das Wasserwerk 1205620 l — Zur Erweiterung der Gas⸗ und Wasserlei⸗ tung lud der Oberhessischen Eisenbahnen(am Riegelpfa 9 2020 KA werden zu Lasten des Budgets für 1897/98 bewilligt, ebenso 1194 zum gleichen 85 für den Brandplatz.— Ferner werden 240 zur Herstellung zweier Absperrschieber im Wasserrohrnetz in der Frankfurterstraße ge⸗ .— Zur Ausführung resp. Fertigstellung der Gas- und Wasserleitung in der Stephan⸗ straße werden 810 resp. 460. bewilligt.— Das Gesuch der Brauerei Asprion und Friedel um pachtweise Ueberlassung von Wiesen hinter den Eichen, wird nach Antrag der landwirtschaft⸗ lichen Kommisston abgelehnt.— Dem Gesuch
des Gerbermeisters Plank um Angabe der Ban⸗ fluchtlinie für den Tiefenweg wird nach Antrag der Baudeputation entsprohen. Dem Gesuch des Kaufmännischen Vereins um Erlaß des Straßenkostenbeitrags für dessen Grundstück an der Nordanlage wird nicht entsprochen, vielmehr nach Antrag der Finanzdeputation beschlossen, zur Pabian des Beitrages eine fünfjährige Frist 9 f ewilligen, nach Ablauf dieser Zeit sollen J bzahlungen von 100 4 pro Jahr stattfinden. Ein vom Stadtverordneten Heichelheim ge⸗ stellter Antrag, den Straßenkostenbeitrag ebenso 17 behandeln, wie es mit dem 8000* betragen⸗ den Kaufpreis für den Bauplatz gehalten wurde, findet keine Annahme. Der Antrag hatte eine llaebhafte Debatte gezeitigt. Es fand eine ge⸗ heime Sitzung statt, in der u. A. die Deputa⸗
zen, 5
ren wird,
150
tion für den städtischen Arbeits-Nach⸗
weis gewählt wurde.
* Gießen, 2. Oktober. Es steht für unsere Stadt die Bildung eines Detail listen⸗
Vereins bevor, zu dem sich bereits ca. 50
Mitglieder gemeldet haben.
g* Gießen, 2. Oktober. Die Sache des Viehhändlers Feist Sommer von Crainfeld wegen Meineid, Betrug und Untreue kommt in
der nächsten Woche vor den Geschworenen noch
zur Aburteilung. * Gießen, 2. Oktober. Ein Ständchen brachte der Bauersche Gesangverein seinem Präsidenten Herrn Louis Friedrich, anläßlich dessen 25jährigen Dienstjubeläums als
Beamter des städtischen Gas⸗ und Wasserwerkes.
Es bot für die Bewohner des Neuenwegs ge⸗ wissermaßen eine Ueberraschung, als in später Abendstunde der genannte Verein seinem Jubilar mehrere der schönsten Lieder widmete. Wir er⸗
wähnen noch, daß Herr Friedrich von allen Seiten zahlreiche Glückwünsche entgegengebracht wurden als Beweis der Liebe und Achtung, die er, sowohl bei seinen Amtskollegen und Vorge⸗ 80 5 15 e unserer Stadt „Hoffen wir, daß Herr Friedrich au das 50 ährige Jubiläum feier 2 e
„Bad Nauheim, 1. Oktober. In der vorgestrigen Sitzung des hiesigen Gemeinde⸗ rats stand auch das Gesuch des Herrn Alt⸗ schüler aus Frankfurt a. M. um Konzession einer Straßenbahn Bad Nauheim⸗ Parkstraße⸗Johannisberg auf der Tages⸗ ordnung. Das Konsortium Kapitalisten, das die Straßenbahn auszuführen beabsicht, verlangt von der Stadt einen Zuschuß zu den Baukosten oder eine Zinsgarantie, wogegen die Stadt jeg⸗ liche finanzielle Unterstützung ablehnt und von dem Unternehmer bei einer eventuellen elektrischen Beleuchtung der Stadt noch Begünstigungen be⸗ ansprucht. Da Herr Altschüler erklärte, hierauf nicht eingehen zu können, so brach die Stadt die Verhandlungen ab.
Vom Vogelsberg, 1. Oktober. Welcher Beliebtheit die sich in den zahlreichen Teichen des Vogelsberges gefangenen Fische, besonders Karpfen, erfreuen, beweist die Thatsache, daß der ganze gestrige Faug aus dem bei Greben⸗ hain gelegenen Rothenbacher Teich von der Wallauschen Fischhandlung in Mainz erworben wurde.— In dem an der Straße Grebenhain⸗ Gedern bei Har mannshain liegenden Weidhecken⸗ teich wurde gestern gegen Abend die Leiche des 86 Jahre alten Auszüglers Langlitz 1 von Hart⸗ 1 5 gefunden. Man vermutet Selbst⸗ mord.
* Darmstadt, 1. Oktober. Ein von Stutt⸗ gart und Gießen aus verfolgter Betrüger Heinrich Burchatz aus Niederzissen bei Koblenz wurde von der hiesigen Polizei festgenommen. Er hatte Abonennten für eine sogenanute Wetter⸗ tafel aufgesucht, die angeblich in der Ernst⸗ Ludwigstraße angebracht werden sollte und that⸗ sächlich einige Abonnenten erhalten, die je 20 Anzahlung leisteten. Es besteht kaum ein Zweifel, daß Burchatz auch an anderen Orten derartige Manipulationen ausführte.
* Darmstadt, 1. Oktober. Wie man ein Haus, ohne Geld zu besitzen, kaufen und bezahlen kann, dies Kunststück hat ein Geschäftsmann zu Stande gebracht. Derselbe, ein thätiger, energischer Mann, hatte nur geringe Mittel, doch wünschte er ein großes Anwesen zu kaufen. Er erwarb dasselbe vorige Woche um 100000 4 mit der Bedingung einer Anzahlung von 40000 M., für den Rest mußte der Ver⸗ käufer sich mit Hypothek an zweiter Stelle zu⸗ frieden geben. Hierauf ging der Käufer zu einem Hypotheken⸗Institut, das ihm gern 45000 Mark auf die erste Hypothek lieh. Davon wurden die 40000. Angeld und die Kosten bezahlt und 3500. blieben dem findigen Käufer noch zum Betriebe übrig.
Offenbach, 1. Oktober. Gestern Vor⸗ mittag fand unter Teilnahme von Vertretern der Regierung, der Kreisverwaltung, der Stadt⸗
meinden die Eröffnungsfahrt auf der neuen Bahnlinie Offenbach-Dieburg⸗ Reinheim statt. In Eppertshausen war Fest⸗ mahl. In den verschiedenen Gemeinden herrschte freudige Erregung über den nun zur Wirklichkeit gewordenen Bahnanschluß. An mehreren Halte⸗ stellen hatten sich Vereine mit Fahnen und Musik eingefunden, an anderen Schulkinder in festlichen Kleidern aufgestellt. Heute Morgen wurde die neue Strecke in Betrieb genommen und schon recht fleißig benutzt. In Offenbach fahren die Züge vorläufig nur bis zur Einsteighalle an der Bieberer Chaussee.
* Mainz, 1. Oktober. Zwischen den Ver⸗ waltungen der preußischen Staatseisenbahnen und der Hessischen Ludwigsbahn ist vereinbart worden, daß von jetzt ab alle Wagen des preußischen Eisenbahnverbandes ohne Rücksicht auf ihren Eingang von den Statione der Hessischen Ludwigsbahn nach jeder preußisch⸗ hessischen Uebergangsstation hinaus verladen werden können. Hierdurch wird hoffentlich dem Wagenmangel, der sich besonders beim Herbst⸗ bersand sehr häufig geltend macht, e * Mainz, 1. Oktober. Im nationalliberalen Verein berichtete Justizrat Dr. Reinach, daß und warum der angestrebte Kompromiß zu der bevorstehenden Landtagswahl sich zer⸗ schlagen hat. Die nationalliberale Partei war, um die Verständigung zu ermöglichen, zu Opfern bereit und sie acceptierte darum auch die Herren Dr. Gastell und Schäfer. Nach der Ablehnung des ersteren hätte sie aber die Zu⸗ mutung, ohne jede Konzession zwei aner⸗ kannte Führer der anderen liberalen Parteien zu wählen, ablehnen müssen. Das Verhalten des Ausschusses wurde gebilligt, ebenso der Vor⸗ schlag, die Stadtverordneten Medizinalrat Dr. Heß und Bauunternehmer F. J. Usinger als Landtagskandidaten der nationalliberalen Partei aufzustellen.
Schwurgericht. W. Gießen, 2. Oktober.
In die Beweisaufnahme eintretend wird der Bürgermeister Mühlschwein⸗Vilbel vernommen. Derselbe bekundet, daß der Angeklagte das größte Vertrauen besessen. Am 16. Sept. 1895 ist der Zeuge ins Amt getreten. Am 1. Oktober ist der erste Kassensturz vorgenommen. Rausch hatte die Aufstellung gemacht, wie viel Geld da sein mußte, und der vorhandene Baarvorrath stimmte mit dem überein. Als dann durch das Kreisamt auf Veranlassung der Oberrechnungskammer der Fehlbetrag von 7847 Mark festgestellt war, hat der Zeuge sich darüber gewundert, daß das Manco vom Rechner sofort ausgeglichen wurde und einige Tage darauf eine Revision der Kasse vorgenommen, da fehlten in der Kasse ca. 9000„ Der Zeuge berief so⸗ fort den Gemeinderat und man beschloß, den Einnehmer zur Anzeige zu bringen, wenn dessen Verwandten nicht Deckung geben würden. Auf Vorhalt seitens des Bür⸗ germeisters hat der Angeklagte zugestanden, daß er die Summe, die er zur Deckung des erst aufgefundenen Defi⸗ zits eingeschossen, wieder aus der Kasse herausgenommen habe. Der Zeuge erklärt, daß die Gemeinde in der Hauptsache durch die Kaution ꝛc. befriedigt werden wird. Der Gemeinderat beschloß, daß der Rechner die Zahltage noch abhalten sollte, aber Gelder nur in Anwesenheit eines Gemeinderatsmitgliedes ein- und ausgeben sollte,
verwaltung Offenbach und der anliegenden Ge⸗
während das Kreisamt verlangte, man solle Rausch so⸗
fort absetzen und anzeigen. Anhaltspunkte, daß der An⸗ geklagte verschwenderisch gelebt, oder an der Börse speku⸗ liert, oder mit lüderlichen Weibern in Frankfurt verkehrt habe, hat der Zeuge nicht.
Der Burgermeister ist der Meinung, daß der Obliga⸗ tionsumtausch vom Angeklagten in seiner Eigenschaft als Gemeinderechner geschehen sei und er die empfangenen 30 000 Mark hätte als Einnahme buchen müssen, eben so die Ausgaben, die er davon bestritten. Richtig sei, daß der Angeklagte von dem Bankhause für die Arbeit des Umtausches ꝛc. 40 l vergütet bekommen sollte. Es wird beschlossen den Bankier Jakob Grünewald als Zeugen darüber zu hören, ob Rausch als Beamter oder als Privat⸗ mann das Umtauschgeschäft besorgt hat, und denselben zu Morgen Vormittag 9 Uhr zu laden.
Der Zeuge Heinrich Kräuter Kreiskassenrechner von 5 Friedberg, bekundet, daß er es für ganz ausgeschlossen 1 hält, daß von den Fehlbeträgen nut ein Pfennig zu 13 Lasten der Amtsführung des Vaters des Angeklagten zu setzen sei, derselbe sei ein ordentlicher und zuverlässiger Mann, der besonders in den Rechnungen sehr peinlich ge⸗ 1 wesen. Die Einsendung periodischer Abschlüsse an das 1 Kreisamt der Stadtkasse Vilbel sei seit dem Jahre 1888 ö eingeschlafen. Der Zeuge deponiert weiter, daß der Rech⸗ ner bei der Revision durch einen Beamten der Oberrech⸗ nungskammer verschwiegen hat, daß er in Besitz von 30 000 Mark sei, die ihm zum Umtausch der Obligationen ausgehän⸗ digt seien. Dieses sei nicht zu billigen, denn nach seiner Ansicht war ihm dieses Geld als Rechner der Gemeinde eingehändigt worden. Der Vater des Angeklagten hat dem Zeugen mitgeteilt, daß der Sohn ihm aus der von ihm verwalteten Sparkasse 8000 Mark entwendet habe, um den erst entdeckten Fehlbetrag zu decken.
Der Angeklagte bestreitet den Diebstahl, dieser sei aus der Sparkasse unmöglich, denn an die Kasse könne man überhaupt nur heran, wenn Rechner und Kontrolleur bei⸗ sammen seien, denn die Lade, worin das Geld liege, kann nur mit zwei verschiedenen Schlüsseln geöffnet werden.
Der Staatsanwalt stellt den Antrag 2 Bankbeamte von Sörgel und Parisius Genossenschaftsbank Frankfurt a. M. als Zeugen zu Morgen zu laden, dem der Ge⸗ richtshof entspricht.
Nach der Mittagspause um 3½ Uhr wird in der Verhandlung gegen Rausch fortgefahren. Joh. Fritzel ⸗ 0 Vilbel hat die Bücher die der Angeklagte geführt, revi⸗ 1 diert; sie waren sehr in Unordnung und wurde ein Defeftk von 12000/ zu Ungunsten der Stadt ermittelt. Von dem Obligationsumtausch müsse nach seiner Feststellung ein Baarbetrag von 6879 Mark vorhanden gewesen sein. Ueber das Manco des anderen Fonds, die Angeklagter angegriffen, kann der Zeuge nichts deponieren. Es wird hierauf der Vertrag der Stadt Vilbel mit dem Bankhause Jakob Grünewald Gießen über die Aufnahme eines Dar⸗ lehns in Höhe von 110 000 Mk. zu 3½¼ Proz. zur Ein⸗ lösung einer älteren 4⸗prozentigen Schuld und Hergabe eines Darlehns in Baar, in Höhe von 16 000& ver⸗ lesen. Aus dem Vertrage geht klar hervor. daß die Ein⸗ lösung der alten 4⸗prozentigen Schuldscheine der Stadt Vilbel resp. der Umtausch gegen neue 31/ ⸗prozentige Obligationen das Bankhaus Jakob Grünewald Gießen in Gemeinschaft mit der Genossenschaftsbank Sörgel, Parisius u. Co. Frankfurt a. M. zu besorgen, uͤbernommen, für welche Arbeit die Stadt Vilbel keine Vergütung zu leisten hatte. Der Nachfolger des Angeklagten im Amt, Rechner Dreßler, deponiert, daß in all den Fällen, wo er Restanten aus der Amtszeit des Angeklagten zu Zahlungen aufgefordert, diese Quittung vorgelegt hatten, woraus sich ergebe, daß Rausch die Gelder eingenom nen, aber als Einnehmer nicht in die Bücher eingetragen habe. Die fraglichen Quittungen sind bei den Akten und werden die Unterschriften vom Angeklagten als von ihm herrührend
anerkannt. In einem Fall behauptet Angeklagter, der
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Marja, das Heldenmädchen 5 von Transvaal. Zeitroman von Pieter Vryburg (Schluß.)
Bald kam Burton mit den Pferden heran. Als
er in Sichtweite des Portikus war, zündete Marja ein Wachs hölzchen an, das sie bei seinem Heran⸗ nahen wieder erlöschen ließ. So gewann es ganz den Anschein, als wenn sie eben aus dem erleuch⸗ teten Hause getreten wären. Marja und Kurt traten aus dem Portikus hervor. „Pft!“ machte die Erstere, als Burton, der sich vom Pferde geschwungen, sprechen wollte.„Meine Lordschaft haben sich soeben zur Ruhe begeben und lassen für Morgen Vormittag um 11 Uhr um Ihren Besuch zur Regelung der kleinen Angelegen⸗ heit bitten. Vergessen Sie nicht, Burton,— um 11 uhr! Habt Dank— adieu!“ 5
Wie der Blitz waren Marja und Kurt im
Sattel. Burton trat respektvoll zurück. Noch ein leiser Gruß, ein flüchtiges Hinüber⸗ winken, und fort ging es, hinaus in die Nacht und der Freiheit entgegen. 5 eee, Durch Kampf zum Sieg. i
Es war am 4. Januar 1896, an dem ewig denkwürdigen Tage der Schlacht von Krügers volk. Es war zwar Kurt und Marja gelungen, unbe helligt nach der Witborg⸗Farm zu kommen, wo Ersterer sofort den alten Witborg von allem benachrichtigte, die Sicherheit des Landes anbetraf, und alle
Drei waren dann ohne Säumen nach Pretoria und
Johannesburg geeilt, überall unterwegs zum Kampf aufrufend und ganze Schaaren von Schützen mit sich fortreißend; aber drüben in Betschuanaland war man nach der entdeckten Flucht Kurts und Marja's nicht minder schnell gewesen. Dort spielte sofort nach allen Richtungen der Telegraph und in Eilmärschen langten die um Mafeking zusammenge⸗ zogen gewesenen Truppen nach Johannesburg.
Es war keine geordnete Armee, es war nur ein wüster Haufe mit einer Kerutruppe, die Jameson selbst befehligte.
Er hatte auf größeren Zulauf und einen ge— bietenden Gesamteinmarsch, sowie auf eine allge⸗ meine Erhebung der Engländer in Transvaal ge— rechnet. Nichts vou diesem traf ein.
Die Flucht Kurts hatte ihn gezwungen, sofort aufzubrechen, um noch vor jenem vor Johannesburg zu erscheinen. Aus Ruhmsucht und um seinen eigenen Zwecken zu dienen, hatte er Feindschaft zwischen den Brüdern Rhodes gesäet, und da das Einverständnis zwischen beiden fehlte, unterließ es Oberst Rhodes, das einflußreichste Mitglied des Randklubs, der Sache der Verschwörer seine Unter⸗ stützung zu leihen. Er war der Meinung, sein er⸗ lauchter Bruder fühle sich schon als König, und wolle ohne ihn zum Ziele dringen. Nun sollte er sehen, daß Ober st Rhodes auch eine Macht war, mit der man rechnen mußte. Er that nichts, kümmerte sich garnicht um den ihm seit Tagen be⸗ kannten Einfall Jamesons von Mafeking aus und
veranlaßte darauf seine Anhänger, sich stille zu ver⸗ halten und den Dingen ihren Lauf zu lassen.
Der Verlauf und Ausgang der ruhmvollen Schlacht vor Krügersdorp ist aus der Tagesgeschichte bekannt, von derselben ist des Umstandes nicht ge— dacht worden, daß ein junger Boer— was hier Niemand wußte, ein Mädchen in Männerkleidern es war, welche in wütendem Austurm ganz allein mitten in die feindlichen Haufen hineinsprengte. Zwei Männer ff
folgten dem wagehalsigen Reiter fast unmittelbar— Kurt und der alte Witborg. Was lag an ihrem Leben, wenn jenes teuere ver— loren war!
Dieses Beispiel todesmutiger Verwegenheit wirkte ansteckend, und so kam es zu einem allge⸗ meinen unwiderstehlichen Ansturm gegen die feind— liche Aufstellung, welche aufgelöst wurde und nun vollends in Unordnung geriet.
Der Ausgang des Gefechts konnte nicht länger zweifelhaft sein.
Was sich widersetzte, wurde vernichtet, was nicht flüchtete, wurde gefangen genommen. Der Tag war entschieden und er gehörte Transvaal und den Boeren.
Still und bescheiden zogen die drei mutigsten Kämpfer wieder nach der Witborg-Farm zurück, nicht zu Pferde mehr sondern im Wagen, denn es galt den Transport eines Schwerverwundeten. Dies war Vater Witborg, um welchen Marja und Kurt sich eifrig bemühten. Nur Kurt hatte er es zu ver⸗
danken, daß er überhaupt mit dem Leben davonge⸗
kommen war. Denn der schneidige Reiteroffizier hatte ihn aus einem ganzen Knäuel von Feinden nur mit der Kraft seines stählernen Armes herausgehauen.
In einer Stunde, wo Witborg sich besonders matt fühlte, machte er Kurt, der in seiner Familien⸗ sache noch immer ohne Anhalt war, obwohl er sich dem Alten anvertraut hatte, die überraschende Mit⸗ teilung, daß er selbst der von jenem gesuchte Strehlen war, und was noch besser, er brachte die schriftlichen Beweise dafür bei.
Aus Wut über die seiner Frau von ihrem Vater widerfahrene Behandlung hatte er sie jenem so weit entführt, daß damit jede Verbindung zwischen Beiden naturgemäß aufhören mußte. Das war daun auch geschehen und manche heimliche Thräue hatte Marse, die Tochter des Grafen, diese Scheidung für immer noch gekostet. Aber sie hatte Trost und Ersatz gefunden in der Liebe ihres Gatten und ihres einzigen Kindes, das sie Marja nannten. Diese sollte nie von ihrer hohen Herkunft Kenntnis erlangen, so war es Witborgs Wille. Er glaubte mit dem Tode seiner innigst geliebten Frau mit deren Vergangenveit für immer abgeschlossen haben.
Von der Vorsehung war es anders beschlossen. Es giebt eine Sühne schon auf Erden, und diese erhob sich jetzt verklärend und engelgleich über dem Grabe der Toten, in dem zwischen Kurt und Marja geschlossenen Liebesbunde, der das Heldenmädchen von Transvaal doch noch und zwar mit ihres Vaters Willen zur Gräfin und Millionenherrin, was aber mehr wert zur glücklichen Gattin machte.


