Ausgabe 
3.9.1896
 
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Nr. 207

Gießen, Donnerstag, den 3. September

1896.

ische Landeszeitung.

Ausgabe

Gießen.

Redaktion:

Kreuzplatz Nr. 4. 8

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile.

S 2

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 2. September. Das Großherzogl. Staatsministerium hat angeordnet, daß die Wählerlisten zur Wahlmännerwahl Montag den 21. und Mittwoch den 23. Sep⸗ tember offen zu legen sind. Die Wahlmän⸗ nerwahlen sollen überall Montag den 5. Oktober stattfinden. * Gießen, 1. Sept. Nicht uninteressant dürfte es sein, daran zu erinnern, daß es am 20. September d. J. 32 Jahre her ist, daß unser alter Marktplatz das erste Mal durch den Lindenplatz eine Konkurrenz erfuhr, wogegen die der Marktlauben das reine Kinder⸗ spiel-ist. Unter dem 13. September 1864 ord⸗ nete der damalige Polizeivorsteher der Provinzial⸗ hauptstadt, Regierungsrat Nover, an, daß, da der Marktplatz der Stadt Gießen schon seit mehreren Jahren für die Abhaltung der Wochenmärkte nicht mehr ausreiche und nachdem durch die neuerdings erfolgte Pflasterung des Lindenplatzes und durch g der auf demselben ge⸗ standenen Pumpe ein zum Feilhalten von Lebens⸗ mitteln geeigneter Platz gewonnen sei, vom nächsten Samstag an der Wochenmarkt geteilt werden soll. Butter, Eier, Käse, Wildpret und Feder⸗ bieh bleiben auf dem Marktplatz(vor dem Rat⸗ hause), die Butterwage bleibt ferner im Rat⸗ hause. Haben Verkäufer von Butter und Eiern gleichzeitig auch Obst⸗ und Hülseufrüchte, so bürfen sie solche gleichzeitig am Markt zum Ver⸗

kauf ausstellen. Gemüse jeder Art, auch Kar⸗

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toffeln und Blumen, müssen auf dem Lindenplatz ausgestellt werden. Verkäufer von Holz und Kohlen, heißt es weiter in der damals erlassenen neuen Wochenmarktordnung, die im Ganzen 9 Paragraphen umfaßt, haben sich wie seither am Kirchenplatz und am Kreuzplatz aufzustellen. Den Geschirrhändlern verbleibt ihr alter Ver⸗ kaufsplatz an der Mäusburg offen. Die Polizei⸗ verwaltung von damals schließt ihre Verordnung, indem sie ihrer Meinung, wie folgt, Ausdruck giebt: Die hier angeordnete Trennung des Marktes kann dem einkaufenden Publikum in keiner Weise nachteilig sein, weil beide Plätze nur wenige Schritte von einander entfernt sind. Die Verkäufer aber können ihre Waren auf

den erweiterten Räumen bequemer auslegen. Es

liegt also im allseitigen Interesse, den getroffenen Anordnungen willig nachzukommen. Eine Straf⸗ androhung wegen Zuwiderhandeln gegen diese rordnung hielt das Polizeiamt von damals r nicht nötig, wenigstens ist eine solche in der Verordnung nicht 9 16 0 Gießen, 2. Sept. Wie dasM. J. berichtet, hat in den letzten Jahren die Zahl der katholischen Schulamtsaspiranten be⸗ n abgenommen. Auch in diesem ahre war die Zahl derselben eine äußerst geringe,

sodaß bereits am 1. August sämtliche katholische Schulamtskandidaten dienstlich bei 1 5 Die Regierung mußte deshalb neuerdings mehrere junge Leute aus anderen deutschen Staaten im hessischen Schuldienste verwenden.

Gießen, 2. September. In der gestrigen Strafkammersitzung wurde Peter Vetter von Nieder-Dorfelden für schuldig befunden und zu vier Wochen Gefängnis verurteilt. 5 dieses Urteil wird die Revision verfolgt werden.

* Gießen, 2. September. Aus Anlaß des Sedantages läuteten gestern Abend die Glocken der Stadt, während heute Morgen ein Bläsercorps vom Turm der Stadtkirche herunter einen Choral blies. Häuser in der Stadt sind nur ganz vereinzelt beflaggt.

L. Gießen, 2. September. Die Verkäuferinnen in den großstädtischen Bazaren und sonstigen Laden⸗ geschäften wurden bisher von den gestrengen Herren Chefs recht stiefväterlich behandelt. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend mußten sie unermüdlich auf dem Posten sein und durften, wenn sie nicht harte Verweise oder gar plötzliche Entlassung gewärtigen wollten, keine Müdigkeit vorschützen. Erst seit einigen Monaten hat ihr vielfach wenig beneidenswertes Loos eine Wendung zum Bessern genommen. Die Anregung dazu ging nicht, wie man dies eigentlich hätte wünschen mögen, von den Arbeit⸗ gebern, sondern vom Publikum aus, insbesondere vom kaufenden Damenpublikum, dem solche warmherzige Teil⸗ nahme an dem Schicksal der leidenden Mitschwestern alle Ehre macht. In größeren Städten bildeten sich Frauen⸗ vereine, welche die Geschäftsinhaber kategorisch aufforderten, ihren Verkäuferinnen vor allem das Sitzen während der Pausen im Kundenverkehr zu gestatten, und welche feier⸗ lich gelobten, nie wieder Waren von Kaufleuten zu ent⸗ nehmen, die den geplagten Mädchen die Wohlthat des zeitweiligen Ausruhens versagen würden. Diese Auf⸗ forderung, die ziemlich schroff und befehlshaberisch geäußert wurde, wie das im ersten Feuereifer der Begeisterung für eine gute Sache ja vorzukommen pflegt, reizte zunächst zum hartnäckigen Widerspruch; Versammlungen tagten, in denen die Gegensätze scharf aufeinanderplatzten, Flugblätter und Zeitungsartikel beleuchteten die Streitfrage nach allen Richtungen hin aber schließlich beruhigten sich die er⸗ regten Gemüter, und jetzt, wo die Wogen der gegenseitigen Erbitterung sich merklich geglättet haben, ist den Ver⸗ käuferinnen der Sieg auf der ganzen Linie nahezu ge⸗ sichert. Es wäre auch wunderbar, ja beschämend für unsre Zustände, wenn ein Kampf, dessen Hauptmotiv ein berechtigtes soziales Mitglied ist, anders geendet hätte. Die armen jungen Dinger, die häufig kaum dem Backfischalter entwachsen sind und unter dem Druck mißlicher Familien⸗ verhältnisse sich schon genötigt sehen, in körperlich an⸗ strengender Thätigkeit ihr kärgliches Brot zu erwerben,

verdienen es vollauf, daß günstiger gestellte einflußreiche

Gönnerinnen sich werkthätig ihrer Lage annehmen. Das ununterbrochene stundenlange Herumstehen in den Ge⸗ schäften, selbst wenn der Laden von Kunden leer ist und

die Verkäuferin auch sonst nichts Ersprießliches zu thun

hat, wirkt nach dem Ausspruch berufener Aerzte ungemein schädlich auf die gesunde physische Entwickelung ein, stimmt

geistig herab und macht unzufrieden und träge. Eine

Verkäuferin, die von Zeit zu Zeit ausruhen kann, wird die Kunden lebhafter und freundlicher bedienen, als ihre Kollegin, die in müßigen Minuten zwecklos hinter dem Ladentisch steht und den ermüdeten Beinen keine Er⸗ holung gönnen darf. Man sollte den jungen Mädchen sogar in der freien Zeit erlauben, sich sitzend mit Hand⸗ arbeiten zu beschäftigen. Ohne Frage werden vernünftige Geschäftsinhaber ihren Verkäuferinnen gern diese be⸗ scheidene Freiheit einräumen; liegt es doch lediglich in ihrem eigenen Interesse, sich ein Geschäftspersonal heran⸗ zubilden, das mit Liebe und Eifer den Vorteil des Chefs wahrnimmt und ihm in Zuneigung und Dankbarkeit er⸗ geben ist. Auch vergesse der Mann nie, daß er es nicht mit seinesgleichen, sondern mit demschwachen, für seine Leistungen minder bezahlten Geschlechte zu thun hat, und daß etwas Nachsicht und Galanterie der hilflosen Unter⸗ gebenen gegenüber gerade dem selbstbewußten, gebietenden Herrn wohl austeht!

* Offenbach, 1. September. Auf Ersuchen des Großh. Ministeriums des Innern wurde zu der Frage der durch Beschluß des Bundesrates ausnahmsweise zu erteilenden Erlaubnis des Detailreisens von der Handelskammer Be⸗ richt erstattet und die ausnahmsweise Zulassung des Aufsuchens von Bestellungen auf Waren bei Privaten befürwortet: für den Weinhandel, den Nähmaschineghandel, den Fahrradhandel, die Be⸗ kleidungsindustrie, den Baumschul- und Garten⸗ anlagebetrieb, den Handel mit Baumaterialien, die Möbelbranche. 8

Aus Rheinhessen, 1. September. Der im Frühjahr 1891 von Herrn Kreisschulinspektor Brilmayer gegründete VereinKinderfreund Gur Unterstützung armer Kinder in den Land⸗ gemeinden des Kreises Mainz) übermittelte dieser Tage seinen Mitgliedern den 4. Rechenschafts⸗ bericht. Die Kosten für die Uebernahme von Pfleglingen im vorigen Vereinsjahre beliefen sich auf 260 Mark. Für Anschaffung von Kleidungs⸗ stücken, Beschaffung von Arznei, warmem Früh⸗ stück wurden 1080 Mark aufgewendet und damit 521 Kinder unterstützt. Die Jahresbei⸗ träge der Mitglieder belaufen sich auf 1951,65

Mark. Die Geschenke, die von milder Haud dem Vereine zuflossen, betragen 388,15 Mark. Die Gesamtausgaben belaufen sich auf 1859,42 Mk. Der edle Zweck des Vereins vermehrt die Mit⸗ glieder desselben alljährlich um eine erkleckliche Anzahl.

Mainz, 1. September. Vor etwa 3500 Personen easlattete gestern Abend der Abgeord⸗ nete Ulrich als Vertreter der Stadt Mainz im hessischen Landtag Bericht über die Thätig⸗ keit der sozialdemokratischen Abgeordneten in der Zweiten Kammer, während der Reichstagsabge⸗ ordnete Molkenbuhr⸗Hamburg über die Thätig keit der Sozialisten im Reichstag referierte. Der Kandidat für die bevorstehende Reichstags⸗ wahl, Redakteur Dr. David, hielt seine Kandi⸗ datenrede, die mit vielem Beifall aufgenommen wurde. Daß Redakteur Dr. David und

Schriftsetzer Haas als Kandidaten für die be⸗ vorstehende Wahl zum Hessischen Landtag pro- klamiert wurden, haben wir gestern schon ge⸗ meldet.

* Mainz, 1. September. Das Kreisamt hat denVereinigten Bauhandwerkern von Hessen⸗Nassau die Erlaubnis erteilt, bei Ge⸗ legenheit ihres Bezirksfestes einen Umzug mit Mu sik durch die Straßen der Stadt zuhalten. DemWahlverein in Kastel war dies von der⸗ selben Behörde am Sonntag verboten worden.

* Mainz, 1. September. Heute Mittag stieß ein mit Steinen beladenes Mainschiff unterhalb der Straßenbrücke gegen das mit über 4000 Zentner Steinkohlen beladene Schiff des Schiffers Laufer von Wört; das letztere Schiff wurde leck und sank in 10 Minuten. Die Mannschaft des Schiffes und auch noch ein großer Teil des Mobiliars konnte gerettet werden.

Vermischtes.

Doppelselbstmord eines Liebespaares. In einem Hotel zu Freiwaldau in Schlesien erschossen sich der 20 jährige Gymnasiast Eduard Rößner und seine Cousine, die 17 jährige, in Olmütz wohnhaft gewesene Modistin Anna Hoffmann. Vor der Ausführung des Selbstmordes schrieb Rößner an seine in Floridsdorf wohnhaften Eltern eine Korrespondenzkarte folgenden In⸗ halts:Verzeiht Eurem Sohn und betet für ihn! Edi. Die Verwandten können sich das Motiv der That um so weniger erklären, als einer seinerzeitigen Vereinigung der Liebenden nichts im Wege gestanden wäre.

Ein Mensch ohne Magen. Ein Mensch ohne Magen ist der Steueraufseher Tiede in Stettin. Sein Magen ist ihm, so schreibt man dem Hann. Kur. aus Stettin, vor Jahren vom Direktor des hiesigen Krankenhauses Dr. Schuchard aus seinem Leibe herausgeschnitten worden. Der Magen war durch und durch mit Krebsgeschwüren behaftet. Derselbe wird im Krankenhaus bei Pomme rensdorf in Spiritus auf⸗ bewahrt, Photographien dieses verkrebsten Magens sind im Besitz des Operateurs, verschiedener Aerzte und auch des früheren Trägers dieses Magens, des Steueraufsehers Tiede. An Stelle des Magens ist die Haut des in den Magen führenden Darmes beutelartig erweitert worden. Herr Tiede mußte nach überstandener Operation und Ge⸗ nesung mit Essen anfangs vorsichtig sein. Er durfte zur Zeit nur wenig, konnte aber dafür öfter essen; jetzt nach Jahren fühlt er sich gerade so gesund, wie jeder andere Mensch, der in dem Besitz eines Magens ist, er braucht sich gar nicht besonders an strenge Diät zu halten. Mit der ausgeführten Operation ist jedenfalls der Beweis geliefert, daß der Mensch auch ohne Magen bestehen kann, denn Herr Tiede ist aktiver Beamter bei der hiesigen Steuerbehörde und muß täglich acht⸗ bis zehnstündigen Dienst verrichten. Uebrigens soll die ausgeführte Operation der einzige Fall sein, der bis jetzt geglückt ist. Es sind zwar dergleichen Operationen gelungen, aber nach drei bis vier Tagen sind die Patienten doch gestorben. Der Fall Tiede soll s. Zt. in medizinischen Zeitschriften mit⸗ geteilt sein, im großen Publikum ist er indessen völlig unbekannt, namentlich der Umstand, daß der Operierte sich nach Jahren völlig wohl fühlt, denn seine

von Transvaal. Zeitroman von Pieter Vryburg Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Ein Spion! Ein Verräter! Ein Boer! er⸗ scholl es wie aus einem Munde. Halt! Wer da! klang es haarscharf durch

die stille Nacht.

Der Deutsche, der sich entdeckt sah, wartete das

Weitere nicht ab.

Mit einem Sprunge war er an der Ecke und

nun wie der Blitz um das Haus herum.

0 Vor ihm lag die offene Scheuer, in welcher die Pferde der Verschwörer standen.

Er eilte dorthin. 85 Geschrei wurde hinter ihm laut und Schüsse

knallten, um ihn zu schrecken.

Sogleich war das Rebellenkorps alarmiert.

Die Thür des Hauses wurde aufgerissen.

Männer stürzten heraus. Ein Spion! Ein Boer! den Hof. Die Verschworenen erbleichten. Ihr Leben war verwirkt, wenn dieser Mann entkam.. Der Deutsche erkannte die Unmöglichkeit, jetzt noch ein Pferd aus dem Stalle zu ziehen. Ebenso wenig durfte er hoffen, den Verfolgern, die im chsten Augenblick beritten sein würden, zu Fuß zu entkommen. 5 Ringsum lag die baum⸗ und strauchlose Wüste em Mondenschein. Und sie waren ihrer ein rtelhundert gegen Einen. f se knallten, Kugeln umsausten ihn. f sprang hinter die Scheune, um wenigstens Augenblick Deckung zu finden. im Himmel begann er

schallte es über

zu beten.

Marja, das Seldenmädchen

blickend den Kopf nach ihm umwandte.

geführt.

Stehen gebracht zu werden. dampf erschrecken sie nicht. Das kam dem Flüchtling zu gute.

der rührte sich nicht vom Fleck.

und davon jagte.

Die Kugeln Reiter vorbei. N 8

Es gab nur einen Weg aus dieser festungs⸗ artigen Umwallung, mit Hecke und Graben, und dort hin liefen jetzt einige Männer, während die anderen aus schwärmten und die totbringenden Rohre

ußbereit hielten. 2 27 Verfolgte machte aber erst Schwenkung nach rechts oder links.

Mit verhängten Zügeln stürmte er gerade aus auf die Hecke zu, hinter welcher ihm der breite Umwallungsgraben mit Sturz und Verderben drohte.

Die Verschwörer sahen es,

gar keine

und als das Pferd

Da sah er im Schatten der großen Remise ein gesatteltes und gezäumtes Pferd stehen, welches auf⸗

Es mochte nur ungenügend befestigt gewesen gewesen sein oder sich losgemacht haben, um hier zu grasen; dem armen Verfolgten aber, der bereits jede Lebenshoffnung aufgegeben hatte, erschien es wie ein Geisterpferd von Engelshand dorthin

Die Transvaaler Pferde, das heißt diege⸗ salzenen, wie man die im Wüstenritt erprobten nennt, sind es gewohnt, im Fluge bestiegen und andererseits im vollsten Jagen mit einem Ruck zum Schüsse und Pulver⸗

Er stürzte auf den schlanken Renner zu, und

Daß der Deutsche ein gewandter Reiter war, bewies die Art, wie er sich in den Sattel schwang

Schon waren die Verfolger um die Scheune herumgekommen, schon krachten neue Schüsse, da machte das Pferd einen gewaltigen Satz nach vorn. pfiffen dicht hinter Roß und

jetzt mit mächtigem Satze zum Sprunge ausholte, frohlockten sie über den gelungenen Fang.

Wie erstarrt blieben sie aber stehen, als der verwegene Reiter über seinem Kopfe den Hut schwang und mit lautemHurrah über Hecke und Graben setzte.

Der Riesensprung war gelungen, und nun flogen Roß und Reiter schattengleich über die mondhelle Fläche davon.

Fluchend sandten die Geprellten dem Flüchtling noch ein paar Schüsse nach. Dann liefen sie zurück nach den Ställen, um sich selbst auf's Pferd zu schwingen und die Verfolgung aufzunehmen.

Dort im Schatten der Scheune stand Jameson, bleich und unbeweglich. Sein Auge haftete starr an der Stelle, wo eben noch Roß und Reiter gegen den Himmel sich abgezeichnet hatten, um dann zu versinken.

Er war's! knirschte er mit verhaltener Wut. Hat denn der Teufel diesen Menschen uberall?

He hollah! rief er den Heranstürmenden zu. Es ist mein Pferd, welches er reitet. Wer mir den Mann da lebend einbringt, dem schenke ich tausend Pfund. Entkommt er, so ist alles ver⸗ raten, und Ihr mögt Eure Flucht über die Grenze sofort antreten. Den Mann! Bringt mir den Mann! Und wenn die Zeit kommt, wo ich in Pretoria der erste sein werde, will ich es Euch entgelten.

Tausend Pfund eine Riesensumme!

Jameson schickte sie voraus, und damit durch Neid nicht neue Zwiste entstehen sollten, die Ver⸗ heißung auf die Zukunft hintennach.

Beute ist der beste Sporn für gemeine Seelen und schlechte Soldaten. Auf dieser Erfahrung fußend, erreichte er voll und ganz seinen Zweck. Mit einem Hurrah für den Gouverneur stürzten

der Erste sein, der vom Hofe kam. Und so rasten sie fort, einer nach dem andern, um den flüchtigen Goldvogel zu erjagen. a

Jameson hielt indessen strenge Musterung unter seinen lässigen Soldaten, die von ihm einem strengen Verhör unterworfen wurden.

Keiner hatte irgend etwas Verdächtiges bemerkt, gis der Mann da an der mondhellen Wand auf⸗ tauchte und auf den Anruf die Flucht ergriff.

Jameson knirschte vor Wut.

So war er schon vor uns da! rief er. Gleichviel, bei größerer Wachsamkeit hättet ihr ihn sogleich entdecken müssen. Ein Posten hätte am Hause und einer bei den Ställen aufgestellt werden müssen. Dann wäre er nicht entkommen.

Wir fangen ihn wieder ein! beteuerten die Soldaten.

Es wäre die einzige Möglichkeit, um Euer reglementswidriges Verhalten wieder gut zu machen. Aufgesessen! Fort!

Jameson selbst bestieg ein Reservepferd, das er sich für diesen heimlichen Ritt in's Boerenland hatte nachführen lassen. Auf seinen Befehl schlossen sich die Soldaten den Verfolgern an, während er in etwas gemäßigterem Tempo ihnen folgte.

Sie werden ihn nicht fangen, murmelte er vor sich hin.Es ist alles aus. Und das von einem Deutschen! Es schien demnach, als wenn er den Verfolger kannte.

Dieser hatte inzwischen einen weiten Vorsprung gewonnen. Er war in der That ein famoser Reiter und erkannte schnell, daß er eines der besten Pferde unter sich hatte.

Nach einem kurzen Umblick über den bestirnten Himmel, der ihm den Kompaß ersetzen mußte, schlug er eine westliche Richtung ein.

sich die Goldgräber auf ihre Pferde. Jeder wollte

(Fortsetzung folgt.)