Ausgabe 
2.12.1896
 
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1896.

Pofiztg. Nr. 3239 Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen, Mittwoch, den 2. Dezember

andeszeitung.

Gießen.

Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

für die Sspaltige Petitzeile.

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

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Durch Störungen in der Funktion des Zählapparates an der Doppel⸗ presse ist es gestern vorge⸗

Marburg 200 Exemplare

rer Stadtabonnenten auf die

ten. Wir bitten diesen unlieb⸗ samen Vorfall gütigst zu ent⸗ schuldigen.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 1. Dezember. Dem Pfarrer Johannes Medert zu Hopfgarten ist die ebangelische Pfarrstelle zu Sellurod, Dekanat Schotten, übertragen worden. Am 20. Nov. wurde dem Pfarrer Konrad Velte zu Fried⸗ berg die evangelische Pfarrstelle an der Fried⸗ kichsgemeinde zu- Worms, Dekanat Worms,

Gießen, 1. Dezember. Da in dem Be⸗ s auf Grund des Kirchengesetzes vom 26. November 1883, die Disziplinarver⸗ hältnisse der Geistlichen der evangelischen Kirche des Großherzogtums betreffend, gebildeten kirchlichen Disziplinarhofs mehrere Aen⸗ derungen eingetreten sind, wird neuerdings be⸗ n angehören: I. Vom 1) Landgerichtspräsi⸗ Darmstadt, Mitglied Oberlandesgerichtsrat Maurer ellvertretendes Mitglied; 2) Ober⸗ hde zu Darmstadt, Mit⸗ glied und stellvertretender Präsident, Landgerichts⸗ kat Küchler zu Darmstadt, stellvertretendes Mitglied; 3) Landgerichtsrat Schneider zu itglied, Oberamtsrichter Muhl zu stellvertretendes Mitglied; 4) Dekan Mitglied, Pfarrer ertretendes Mitglied;

Großherzog ernannt:

und Präsident, zu Darmstadt, st landesgerichtsrat Ro

Groß⸗Gerau,

Guyot zu Darmstadt, stellv 1 farrer Dr. Hager zu Offenbach a. M.,

itglied, Pfarrer Dr. Bergmann zu Bingen, stelldertretendes Mitglied; 6) Dekan Kalbheun zu Burg⸗Gräfenrode, Mitglied, Pfarrer Hilde⸗ brand zu Echzell, stellber t II. Von der Landessynode gewählt: eber zu Offenbach a. M., Bonhard zu Oppenheim,

tglied farrer em lied; 8) Rechtsanwalt Dr.

stellbertretendes Mitg

Lucius zu Mainz, 9 d i stellvertretendes Mitglied; . rektor D. eiffenb ri ö Muglied ffenbach zu Friedberg, stellvertretendes Mikglied.

des Verbandes für Kaufmännisches Unterrichts⸗ wesen hielt am Sonntag eine Versammlung im National⸗Hotel zu Frankfurt a. M. ab. waren dabei vertreten die Handelskammern zu

Bei der lebhaften ausgedehnten Debatte wurden über die Einrichtungen der verschiedenen Schulen Mitteilungen gemacht, wobei auch die Vertreter der Gießener Fachschule die Organisation ge⸗

tretendes Mitglied. s

Mitglied, Bürgermeister

Pfarrer Aulber zu Eppelsheim,

* Gießen, 1. Dezember. Der Ausschuß

Es

nannter Anstalt bekannt gaben. Man war sich einig, daß die Fachschule in Gießen, Dank der Beihülfe der Stadt, der Sparkasse und der Großh. Handelskammer, sowie der Prinzipalität, trotz ihres kurzen Bestehens mit an der Spitze der hessischen und hessen⸗nassauischen Schulen marschiere. Nach beendeter Debatte wurde ein⸗ stimmig die Gründung eines Unterverbandes für Hessen und Hessen⸗Nassau beschlossen. In den Vorstand wurde u. a. Herr Orbig, Vor⸗ standsmitglied des hiesigen Kaufmännischen Vereins, gewählt.

* Gießen, 1. Dez. Nach der neuen Markt⸗ ordnung fällt nunmehr auch in diesem Jahr das erste Mal der Weihnachtsmarkt auf dem Markt⸗ platz fort. Die Händler haben sich zwar mit der Bitte an die Bürgermeisterei gewandt, ihnen doch noch ein Mal den Aufbau ihrer Buden am Markt zu gestatten. Wir höxen, daß wenig Ge⸗ neigtheit vorhanden ist, dem Gesuch zu willfahren, und zwar weil die Buden den Verkehr hindern. * Gießen, 1. Dezember. Die Gesell⸗ schaft für Erd- und Völkerkunde hat die Ehre, gleich in ihrem ersten Redner, dem Wirkl. Geh. Admiralitätsrat Herrn Professor Dr. G. Neumayer, einen der hervorragendsten der jetzt lebenden Gelehrten begrüßen zu können. Nahe der rheinhessischen Grenze iu Kirchheimbolanden im Jahre 1826 geboren, widmete sich Neumayer physikalischen und technischen Studien zu München, trat aber mit 24 Jahren in den Dienst der Handelsmarine und bereiste zunächst als Matrose, dann als Schiffsführer vor allem die südlichen Meere und Südkontinente, besonders Südamerika und Australien. Namentlich letzteres Land zog ihn immer von neuem an und wurde für seine weitere Entwicklung entscheidend. Denn im Jahre 1856 schickte ihn König Max II. von Bayern nach Australien, um physikalische Unter⸗ suchungen auszuführen. Hier waren es nun be⸗ onders die magnetischen Kräfte, die seine Auf⸗ merksamkeit fesselten un sich die Erkenntnis der nauen Untersuchung des

Notwendigkeit der ge⸗ Südpolargebiets, das

Neumayer in Australien, meist in Melbourne, acht weitere Jahre Dann beginnt ein neuer Abschnitt seines Lebens mit seiner Berufung in das hydrographische Amt der Admiralität in Berlin 1872 und seiner Er⸗ nennung zum Leiter der deutschen Seewarte zu Hamburg 1875, in welcher Ste befindet, und eine ungemein vielseitige, tiefgehende und dabei doch zugleich anregende Thätigkeit entfaltet hat. Ausgehend von seiner Lieblings⸗

und durch seine gesucht.

d gleichzeitig entwickelte ft

in der Pfalz 1864 72.

llung er sich noch

nimmer rastende Agitation namentlich die Südpolerforschung zu beleben So wird er denn, als der Berufenste, auch hier in Gießen die Südpolarfrage behandeln und uns reiche Belehrung spenden; möge ihm dafür auch wirkliches Verständnis und Sym⸗ pathie entgegengebracht werden, und möge es ihm beschieden sein, baldige Ausführung seiner Pläne durch eine deutsche Südpolarexpedition zu erleben.

* Gießen, 1. Dezember. Gestern Abend fand im Hotel Einhorn die erste und zwar sehr gut besuchte außerordentliche Generalversammlung des hiesigen Detail listen⸗Verins statt. Aus der Berichterstattung über die bisherige Thätig⸗ keit des Vorstandes ist die Beantwortung dreier Fragen über den Hausierhandel hervorzuheben, welche auf Veranlasfung des Vereins für Sozial⸗ politik von der 8 vorgelegt waren. Es handelt sich darum: 1. Ob und wie weit der Hausierbetrieb mit dem stehen⸗ den Handels- und Gewerbebetrieb in den von Hausierern besuchten, Oertlichkeiten konkurriert. J. Warum eventuell der stehende Betrieb den Wettbewerb des Hausterbetriebes nicht aushalten zu können glaubt. 3. Ob eventuell das Gesetz über die Sonntagsruhe die Ausübung des Hau⸗ sierhandels begünstigt. Der ergangene Bescheid lautet dahin: 1. Der Hausierhandel konkurriert insofern mit den örtlichen Geschäften, als er Waren vertreibt, die an den von den Hausterern besuchten Plätzen auch zu haben sind. 2. Der stehende Gewerbe⸗ und Handelsbetrieb ist aus folgenden Gründen häufig nicht konkurrenzfähig: Die Hausierer führen in der Regel eine minder⸗ wertige sogenannte Haustererware, deren Absatz auf die Unkenntnis und Leichtgläubigkeit des Publikums berechnet ist, dazu kommt die große Beredtsamkeit und Beharrlichkeit der Händler, welche in vielen Fällen in Aufdriuglichkeit aus⸗ artet, wogegen der ansassge Geschäftsmann darauf warten muß, bis ie Kunden zu ihm kommen und Ware fordern. Schließlich spielt die Bequemlichkeit des Publikums noch eine große Rolle, man geht auf einen Kauf ein, nur um ich die Mühe zu ersparen, in ein stehendes Ge⸗ schäft zu gehen. 3. Wir glauben, daß die Ein⸗ führung der Sonntagsruhe wohl bei einzel nen

Australien so nahe liegt. Acht Jahre verweilte

Geschäften den Hausierhandel begünstigt hat, daß

aber die Aufhebung derselben den nicht wesentlich beschränken Erläuterung der Frage wird, bemerkt, daß es na Antwortgeber drei Sorten von Hau und zwar s systematisch zum indem sie das erfste⸗ nommene Ware bezahlen, und nach eine größere Schuld anwachsen lassen,

Großh. Handelskammer Gießen] H U

Hausierhandel wird. Zur näheren beantwortung 1 und 2 ch den Erfahrungen der sierern giebt, olche, die darauf ausgehen, Geschäfte Kreditgeben zu veranlassen, und zweitemal die ent⸗ nachher borgen, nach

9 fehlten. Da aus technischen Dffenlach Mainz, Worms, Kassel, Hanau und beschäftigung mit dem Erdmagnetismus, dessen bis der Hausterer eines Tages ganz verschwindet. 0 Gründen ein Nachdrucken 1 Fachschulen die Kaufmännschen Vereine Lehre ohne die Erforschung der Pole der Erde Diese Leute verkaufen, wenn sie Geld nötig 5 diefer Zahl möglich Maß 01 hulen zu Frankfurt, Worms und nur Stückwerk bleiben kann, hat Neumayer sichs haben, zu jedem Preise und sind daher doppelt 1 0 5 ögli a war, 3 5 Kaufmännsche Fachschule zu seit Jahrzehnten in Wort und Schrift mit schädlich. Als zweite Sorte wurden die An⸗ muß te ein kleiner Teil unse⸗ und 15 n hatte als Vertreter die Herren Orbig jugendlicher Begeisterung und in ernster wissen⸗gestellten größerer Geschäfte bezeichnet, die hingus⸗ Knauß zu dieser Versammlung entsandt. schaftlicher Arbeit der Polarerforschung gewidmet gesandt werden und in großen Massen Ware

auf dem Lande absetzen. Man konnte im letzten Sommer hier am Platze beobachten, daß Rhein⸗ länder per Droschke auf das Land fuhren und Anzugsstoffe fuderweise mitführten, die in der Regel am Nachmittag bereits umgesetzt waren. Schließlich kommt als letzte Sorte derjenige reeller Hausierer, der seinen Lebensunterhalt ehrlich zu erwerben sucht, seine feste Kundschaft durch Verkauf guter Ware bei mäßigem Verdienst erhält und auch nicht darauf ausgeht, seine Lieferanten zu betrügen. Dieser Beruf ist sehr beschwerlich und unserer Ansicht nach dem seß⸗ haften Geschäfte kaum schädlich. Der Vorsitzende Ernst Balser teilte mit, daß für das kommende Jahr bereits von hiesigen Juristen Zusage ge⸗ 19 5 sei, Vorträge über den Handelsstand esonders interessierende Fragen zu halten. Ferner wurde mitgeteilt, daß die Bewohner von ohen⸗Solms und Erda sich an die Bieberthal⸗ chaft wegen Anschluß an die in Aus⸗ sicht genommene Verbindung nach Gießen ge⸗ wandt hätten. Der Vorstand habe Schritte unternommen, um diese Petition zu unterstützen. Dem Treiben der Warenhäuser und großen Ver⸗ sandgeschäfte, um sich allerdings auf gesetzlich zulässige Weise ein Absatzgebiet zu verschaffen, wurde teilweise mit Erfolg entgegengetreten. Hierauf beschäftigte sich die Versammlung mit der Handelskammerwahl. Allgemein wurde der Meinung Ausdruck gegeben, daß es schoun im Interesse der Handelskammer selbst liege, wenn unter deren Mitgliedern Jemand sich befäude, welcher mit der Gruppe der Detaillisten engere Fühlung habe, und so deren Wünsche und An⸗ sichten in dieser Körperschaft zum Ausdruck bringe. Man war einstimmig der Meinung, daß der Verein vorerst sich damit begnügen solle, wenn aus seiner Mitte nur ein Mitglied zur Handelskammerwahl präsentiert würde. Die große Mehrheit der Versammlung war der An⸗ sicht, daß die geeignete Person hierzu der Vor⸗ sitzende des Vereins, Kaufmann Ernst Balser, sein würde, und wählte in geheimer Abstimmung denselben zum Kandidaten für die Wahl zur Handelskammer, welche morgen, Mittwoch, den 2. Dezember, von 2 bis 6 Uhr nachmittags, im Hause des Kommerzienrats Gail, Neustadt Nr. 32, stattfindet. Gießen, 1. Am

bahn⸗Gesells

Dezember. Sonntag

Mächte der Finsternis. Roman von Helmuth Wolfhardt. Nachdruck verboten.) Erstes Kapitel.

Mit gleichmäßigem Schnauben, Aechzen und Klappern fuhr der lange Eisenbahnzug durch die eintönige Flachlandschaft dahin. Da es einer von den sogenannten gemischten Zügen war, gab es selbst an den kleinsten Stationen langen Aufenthalt, und die Reisenden hatten jedesmal Muße genug, sich die rohen Backsteinmauern der immer gleichen, kunst⸗ losen Bahnhofsgebäude recht gründlich zu betrachten. Daß unablässig ein feiner, kalter Landregen vom Himmel herniederrieselte, trug sicherlich nicht dazu bei, die Annehmlichkeiten der Fahrt zu erhöhen, um so weniger, als dieser trostlose, melancholische Regen schon lange vor Einbruch der Dunkelheit über die spärlichen Reize der Gegend seine häßlichen grauen Nebelschleier breitete. Es war den Bedauernswerten, welche dazu verurteilt waren diese enlsetz beschreiblich langweilige Fahrt 1 nicht zu verargen, wenn ihnen allg zum Plaudern verging und wenn f recht verdrießlichen Gesichte ihnen nicht gelungen war, lichkeit ihrer gegenwärtigen Reich der Träume zu flüch

Auch in der Abteilung mehrere Arbeiter polnischer noch eine ziemlich lebhaft hatlen, wurde es jetzt, nachde

nitzumachen, gewiß

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lich langsame und un⸗

emach die Lust ie einander mit ru anstarrten, soweit es sich aus der öden Wirk⸗ Umgebung in das schönere

dritter Klasse, in welcher Nationalität bis dahin e Unterhaltung geführt m dieselben an einer

nen waren noch in dem kleinen en, und eine von diesen Dreien, eine ältere Frau von ärmlichem Aussehen und hartem Gesichtsausdruck, hatte ihr Haupt zu ruhigem Schlummer an die unbequeme Holzwand des Wagens zurückgelehnt. Man sah es ihren derben, wie vom Griffel der Arbeit und der Sorge gezeichneten Zügen sehr wohl an, daß sie auch sonst nicht gewöhnt sei, auf Daunen zu schlafen, und so war es denn nicht sehr verwunderlich, daß selbst die härtesten Püffe, welche ihr durch das Schwanken und Stoßen des alten, schlecht gebauten Wagens von Zeit zu Zeit versetzt wurden, sie nicht zu wecken vermochten.

An ihrer Seite, scheu in sich zusammengekauert und die zarten Glieder so eng als möglich in die Wagenecke schmiegend, saß ein Mädchen von etwa dreizehn Jahren. Es hatte in der Abgangsstation zugleich mit der Frau den Zug bestiegen, und diese hatte in einer wortkargen, etwas barschen Weise wiederholt zu dem Kinde gesprochen. Sie gehörten also unverkennbar zu einander; aber es war so wenig Aehnlichkeit zwischen ihnen, daß sie unmöglich für Mutter und Tochter gelten konnten.

Das Mädchen hatte ein schmales, feines Gesicht,

Nur drei Perso Raume zurückgeblieb

in welchem namentlich Schönheit waren, wenng beinahe schwermütigen eigentümlichen feuchten Glanze kaum wie eines Kindes erschienen.

Die Kleidung des Mädchens war fast noch ärmlicher als die ihrer älteren Begleiterin, und als nun mit dem Hereinbrechen der Dunkelheit eine schueidende Kälte durch a

leich sie mit ihrem ernsten, Ausdruck und mit ihrem

der vielen kleinen Stationen aus geraume Weile ganz till.

gestiegen, für eine

Wagens drang,

die Augen von auffallender

die Augen

lle Fugen und Ritzen des schauerte die schmächtige Kleine in

abgetragenen Röckchen mehr als einmal vor Frost zusammen. Aber sie klagte nicht, und ihr blasses Gesicht wurde nicht trauriger, als es vorher gewesen war. Still und mit in dem Schooß gefalteten Händen schaute sie entweder zu dem flackernden Oelflämmchen empor, welches unter der Decke des Wagens brannte, oder durch das klirrende, regennasse Fenster hinaus in die nachtdunkle Land- schaft, von welcher sie freilich jetzt nichts Auderes mehr wahrnehmen konnte, als die gespensterhaft vor⸗ überhuschenden Telegraphenstangen und hier und da ein spärlich erleuchtetes Bauernhäuschen. Für den dritten Insassen des Koupees, einen schlanken hoch aufgeschossenen Knaben von sechzehn oder siebzehn Jahren, schien sie durchaus keine Aufmerksamkeit zu haben, obwohl sein hübsches, offenes Gesicht ihr fast beständig voll zugewendet war. Ja, sie vermied es sogar mit unverkennbarer Absichtlichkeit, seinen teil⸗ nehmend auf sie gerichteten Blicken zu begegnen, und so war es nicht gerade ein Wunder, daß der halb erwachsene Jüngling bisher nicht den Mut gefunden hatte, ein Wort an sein stummes Gegen über zu richten.

Als aber des Mädchens zierlicher Körper nun immer häufiger vom Frostgefühl wie von Fieber⸗ schauern geschüttelt wurde, trug das Mitleid des Knaben über seine Schüchternheit doch endlich den Sieg davon. Er nahm den Plaid, den er bis dahin über seine eigenen Kniee gebreitet hatte, auf und sagte, während ein dunkles Rot der Verlegen heit seine Wangen färbte:

ihrem dünnen,

frierst? Die g wundert zu ihm auf,

länzenden Augen der Kleinen sahen ver⸗ um sich sogleich wieder scheu zu Boden zu senken. Sie gab ihm keine bejahende Antwort; aber sie wehrte ihm auch nicht, als er, durch ibren Blick ermutigt, die wärmende Hülle selbst über sie legte. 1

Ich danke! hauchte sie kaum vernehmlich, und nun huschte auch über ihr blasses Gesicht eine feine Röte.Es war wirklich sehr kalt.

So leise sie auch sprach, so weich und melodisch klang doch dem jungen Ritter ihre Stimme an das Ohr. Die Freude darüber, daß er sie endlich zum Sprechen gebracht hatte, war ganz deutlich auf sein Antlitz geschrieben.

Ja, sagte er, eine etwas altklug und über⸗ legene Haltung annehmend,dieser Regen und der Nordwestwind sind in unserer Gegend schlimmer als ein trockener Frost; das dringt durch alle Kleider. Ich bin am Ende von meiner Kindheit her ziemlich daran gewöhnt; Du aber bist wohl nicht hier zu Hause?

Das Mädchen sah wieder zum Fenster hinaus und schüttelte den Kopf.

Nein, gab es zurück. Schwarzwalde.

O, das ist eine weite Reise! Und wirst Du bis zur Endstation fahren?

Wir müssen noch darüber hinaus bis nach Polen hinein. Morgen Mittag erst werden wir an dem Wohnorte meiner Tante ankommen.

Ich komme aus dem

Mir ist sehr warm, denn ich trage ja noch

einen dicken Ueberrock.Möchtest Du Dich nicht

(Fortsetzung folgt.)