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die Zeugen vieles zur Masse zurück gegeben. Alle diese Bekundungen werden unvereidet abgegeben.
Gerichtsvollzieher Wagner⸗Herbstein schildert seinen dienstlichen Verkehr mit dem Angeklagten, der ein sehr reger gewesen sei. Eine im November gepfändete Kuh war, als sie versteigert werden sollte, im Januar nicht mehr zur Stelle und hat der Zeuge darauf Strafantrag wegen Pfandveräußerung gegen Hofmann erstattet. Am 31. Dezember v. J. habe er wegen einer Forderung der Firma Rosenberg fruchtlos bei Hofmann gepfändet, da dieser die vorhandenen Vorräthe an Heu, Frucht, Stroh, Dickwurz und Kartoffeln zum Betriebe seiner Landwirt⸗ schaft angeblich benötigte. Diese Vorräte hat er ihm aus⸗ drücklich zu verkaufen verboten. Nach der Eröffnung des Konkurses waren die Vorräte nicht zur Stelle. Es sei möglich, daß er ihm früher den Rat gegeben, seine Wirt⸗ schaft d. h. das Gut zu verkaufen.
Der Rechner der Spar⸗ und Vorschußkasse, Weitz von Herbstein, ist Massenverwalter. Er schildert, wie er zu dem Angeklagten gekommen, um die Inventaraufnahme zu machen. Dieser Zeuge erklärt, er habe Hofmann da⸗ mals ermahnt, nichts zu hinterziehen. Er habe ihn auf das Strafbare der Sache hingewiesen.
Gerichtsschreiber⸗Aspirant Ste ller-Herbstein bestätigt den Versuch des Angeklagten, im Dezember beim Amts⸗ gericht den Konkurs anzumelden und daß hierbei von dem⸗ selben ein Vorschuß von 100. verlangt worden sei.— Die weiteren Zeugenbekundungen bieten kein weiteres In⸗ teresse, außer, daß der Müller Oestreich bekundet, daß ihm der Angeklagte 4 Säcke gemischtes Korn um die Jahreswende zur Mühle geschickt mit der Bestellung, ihm das Mehl so zu schicken, wie es fertig werde, es brauchte nicht auf einmal geliefert zu werden. Das Mehl aus dem Korn ist auf mehrere Mal im Januar an Hofmann hingesendet. Früher hat der Angeklagte die Absicht kund⸗ gegeben, in der Mühle des Zeugen Kartoffeln hinzustellen, doch wurde ihm dieses verweigert.
Es wird noch einmal Feist Sommer in den Saal geführt und ihm die Frage vorgelegt, wie teuer er die beiden Rinder von Hofmann im Sommer gekauft hat. Derselbe erklärt, dafür 100 und 145„ berechnet zu haben. Das Rind soll Sommer an Seibert für 145, verkauft haben und zwar dasjenige, welches 100& bei Hofmann gekostet hat. Der Angeklagte erklärt, er habe
nur 60/ dafür erhalten, doch habe ihm Sommer ge⸗ sagt, er solle sagen, er habe 100, erhalten. Sommer bleibt bei seiner Aussage. Es seien von ihm 50/ bar bezahlt und 50/ seien auf die Schuld des Hofmann abgerechnet.
Damit ist die Beweisaufnahme geschlossen. Fortsetzung derselben morgen Vormittag 9 Uhr.
Gießen, 30. September.
Heute Vormittag 9 Uhr wird in der Sache gegen August Hofmann fortgefahren. Der Vorsitzende Land⸗ gerichtsrat Dr. Möbius verliest die Fragen, die den Ge⸗ schworenen vorzulegen sind. Dieselben sind gestellt aus § 209, 211 der Konkursordnung und lauten: Frage 1: Ob der Angeklagte schuldig ist, in der Absicht einen Teil seiner Gläubiger zu benachteiligen, Vermögensstücke ver⸗ heimlicht oder bei Seite geschafft hat. Sind mildernde Umstände vorhanden? Frage 2: Ob der Angeklagte einen Teil seiner Gläubiger in der Absicht, diese vor den übrigen Gläubigern zu begünstigen, eine Sicherung oder Befrie⸗ digung gewährt hat, welche dieselben nicht, oder in der Art und zu der Zeit nicht zu beanspruchen hatten. Frage 3: Im Falle der Bejahung der Fragen 1 und 2 liegt in der That des Angeklagten eine einheitliche Hand⸗ lung vor.
Der Vertreter der Staatsbehörde Staatsanwalt Koch begründet die Anklage und plaidiert für Bejahung der beiden Schuldfragen, bittet aber die Geschworenen, durch Bejahung auch der dritten Frage die That des Ange⸗ klagten als eine einheitliche Handlung anzusehen. Auch für Zubilligung mildernder Umstände seitens der Ge⸗ schworenen plaidiert der Vertreter der Staatsbe hörde. Der Angeklagte habe gefrevelt, aber der Mensch, den er hauptsächlich benachteiligen wollte, der Feist Sommer, habe ihn erst ausgesogen. Er war von diesem geradezu abgeschlachtet, dieser Sommer, der noch mehr solcher armer Opfer auf dem Gewissen hat, dessen Familie im ganzen Vogelsberg berühmt und berüchtigt ist.
Der Verteidiger Rechtsanwalt Justizrat Reatz schil⸗ dert in markigen Zügen, wie der Angeklagte durch Unglück in Not geraten, wie der Sommer ihm beigesprungen und wie dadurch sein Klient erst recht vom Regen in die Traufe gekommen sei. Er bittet die Geschworenen, die zuerst an sie gerichtete Frage überhaupt zu verneiuen,
denn dem Angeklagten hat die Absicht ganz und gar fern gelegen, Vermögensstücke bei Seite zu schaffen. Wenn die Geschworenen dann die zweite Frage bejahen würden, dann bitte auch er um Zubilligung mildernder Umstände für den Angeklagten.
Der Staatsanwalt präzisiert noch einmal Standpunkt und bittet um Bejahung aller Fragen.
Noch einmal tritt der Verteidiger warm dafür ein, daß die erste Frage zu verneinen sei, worauf den Ge⸗ schworenen vom Vorsitzenden die Rechtsbelehrung erteilt wird.
Nach ½ stündiger Beratung verkündet der Obmann, Fabrikant Busch⸗Gießen den Wahrspruch der Geschwo⸗ renen dahin, daß die erste Hauptfrage verneint, die zweite Frage aber bejaht sei.
Staatsanwalt Koch beantragt hierauf, den Ange⸗ klagten in eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten zu ver⸗ urteilen und ihm die nach seiner Verbaftung erlittene Untersuchungshaft in Anrechnung zu bringen.
Der Verteidiger stellt die Höhe der Strafe in das Ermessen des Gerichts. Das Urteil lautet dem Antrage des Staatsanwalts gemäß unter Anrechnung von einem Monat, den der Angeklagte in Haft gewesen.
Briefkasten.
k. in W. Die von außerhalb an unser Rechts⸗ schutzbureau gerichteten Anfragen bitten wir, um Ver⸗ zögerungen zu vermeiden, an die Ausgabe Marburg direkt zu schicken. Die aus dem Leserkreise der Stadt Gießen gerichteten Anfragen können auf dem Bureau der hiesigen Geschäftsstelle, Kreuzplatz 4, abgegeben werden.
Neueste Telegramme.
Hd. Königsberg, 30. Sept. Die„Kö⸗ nigsberger Allg. Ztg.“ teilt heute mit, daß der in der Börsengarten⸗ Affaire wegen Herausforderung des Amtsgerichtsrats Alex⸗ ander zum Duell zu drei Tagen Stubenarrest verurteilte Regierungs⸗Assessor Umpfenbach ursprünglich zu drei Tagen Festung verur⸗ teilt war, welche Strafe im Gnadenwege in Stubenarrest umgewandelt wurde. Die ehren⸗ gerichtliche Untersuchung ist abgelehnt wor⸗
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seinen
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den, weil an militärischer Stelle sein Ber⸗ halten als correkt befunden wurde.
Hd. Cassel, 30. Sept. In Ehrsten wurde der Gutsbesitzer Range von einem italieni⸗ schen Arbeiter überfallen und ermordet. Es handelt sich wahrscheinlich um eine Per⸗ sonen⸗Verwechselung.
Hd. Marseille, 30. Sept. Außer den be⸗ reits bekannten Nachrichten aus Madagaskar bringt der Dampfer Peiho noch folgende Mel⸗ dungen über die kritische Lage in Tamatave. Die Hauptstadt ist von 100000 Rebellen um⸗ zingelt, von denen ein großer Teil mit englischen Gewehren versehen ist. Beim Abgang des Dampfers hieß es, daß die Fahasallos einen neuen Angriff gegen die Vorstädte gemacht haben. In Tananaribo werden jeden Tag zahlreiche Rebellen hingerichtet. Vor Majunga und Tama⸗ 1 0 sengen und morden die Rebellen alles nieder.
Hd. Lille, 30. Sept. Die Brände an der französischen Nordgrenze erneuern sich mit jedem Tage. In der vorigen Nacht sind wieder sieben Pachthöfe durch Feuer eingeäschert worden.
Privattelegramme
der„Hessischen Landesztg.“ r. Hamburg, 30. September. 3 Uhr 20 Min. Der Hafenarbeiterstreik ist heute beendet; alle Forderungen sind bewilligt.
Sterbefälle.
Am 29. September. Elisabethe Arnold, 6½ Jahre alt, Tochter von Gastwirt Jean Arnold dahier, Bahnhofstraße 7.
Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗ dakteur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmalen, beide in
Gießen.
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am Sonntag,
Rei
Herr Professor
sein Programm entwickeln und sodann Herr Rechtsanwalt De. Gutfleisch über die
chstag sy
Aligemeine Wähler versammlung
den A. Oktober, nachmittags 1 Uhr, in Steins Garten zu Gießen, in welcher zunächst der Kandidat
der freisinnigen Partei,
II.
tengel⸗Greifswald,
Wir laden hierzu alle Wähler aus Stadt und Land ergebenst ein. Gießen, 30. September 1896.
Der Vorstand des freisinnigen Vereins
politische Lage referieren wird.
1110
für den ersten Hessischen Wahlkreis.
Hierdurch bechre ich mich, meiner geschätzten Kundschaft sowie einem geehrten hiesigen wie auswürtigen
Publikum ergebenst mitzuteilen, dass sich mein Geschäft wegen Errichtung eines Neubaues bis auf Weiteres
Seltersweg 2, neben Herrn Kaufmann Adolf Geisse
befindet.
Bekanntmachung.
Am 5. Oktober 1896, vormittags von 9 bis 1 Uhr und nachmittags von 2 bis 6 Uhr wird die Wahl von 45 Wahlmännern für die Stadt Gießen zum Behuf der Wahl eines Landtags⸗Abgeord⸗ neten für die Stadt Gießen im Bürger⸗ meistereigebäude(Sitzungssaal) vorgenommen
Carl Brück, Gold. und Silberarbéiter.
Giessener Stadttheater.
Wallthorstrasse 38.
Donnerstag. den l. Oktober 1896.
Fest- Ouverture. Hierauf:
unser liebes
Todes-Anzeige. Verwandten und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, dass
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werden. Alle stimmberechtigten Staatsbürger werden daher eingeladen, an dem gedachten Termin sich persönlich einzufinden und ihre Stimmen abzugeben.
Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß diejenigen, welche mit der Entrichtung ihrer schuldigen direkten Staatssteuer, oder falls sie zu einer solchen nicht herangezogen sind, ihrer Kommunalsteuer länger als zwei Monate sich im Rückstande befinden, zur Ab⸗ stimmung nicht zugelassen werden und daß daher
ber Hütten besitzer.
Schauspiel in 4 Akten von G. Ohnet.
(CTagesverkauf nur im Theaterbureau: Café Leib). 1109 2 Photographie. Meiner verehrl. Kundschaft zur gefl. Nachricht, dass ich mein photo-
Kraphisches Gesenäft seit I. April d. J. nieht melir in meinem(rüheren Atelier, Dietzstrasse 1 ausũbe, sondern in dem neuerbauten Atelier N Grünbergerstrasse No, 10.
Aufnahmen finden zu jeder Tageszeit von Morgens 9 Uhr bis Nachm. 5 Uhr statt
nach kurzem aber hartnäckigen Kranksein gestern Morgen 10 Uhr
sanft entschlafen ist.
Giessen, den 30. September 1896.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen. Jean Arnold nebst Frau
und Kinder. Die Beerdigung findet von der alten Klinik aus statt.
alle Diejenigen, welche bis heute mit der Ent⸗ richtung der betreffenden Steuer iber zwei Monate im Rückstande waren, nur dann zur
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Hochachtungsvollst A. Mook, Photograph.
Abstimmung zugelassen werden können, wenn sie diesen Rückstand noch bis zur Wahl ab⸗ führen und daß solches geschehen, der Wahl⸗ kommisston durch Vorzeigung ihrer Steuer⸗
Vergebung
von Bauarbeiten. Die zu verschiedenen Herstellungen an der
wei ordentliche Arbeiter erhalten reine Schlafstelle. 1072 A. Weber, Liebigstraße 65.
Klim. Kurort Schömberg bei Neuenbürg im Württem— bergischen Schwarzwald.
at in Rechts fachen, sichese Aus⸗ kuuftserteilung über alle an Berufsgenossenschaften zu bildende Ausprüche aus Unfällen vp. Fertigung von Gesuchen jeder Art,
quittung nachweisen. Gießen, am 30 September 1896.
Die Wahllo mmisston: Der Oberbürgermeister: Gnauth.
Die Urkundspersonen: Keller. Vogt.
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