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Gießen, Donnerstag, den 1. Oktober
1896.
che Landeszeitung,
Ausgabe
Gießen.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile.
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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
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* 5** 2 Lokales und Provinzielles. * Gießen, 30. Sept.(Stadttheater.) Wir wollen nicht unterlassen, auf die Eröff- nungsvorstellung im hiesigen Theater unter der neuen Direktion Kruse⸗Helm aufmerksam zu machen. Zur Aufführung gelangt:„Der Hüttenbesitzer“, Vorauf geht eine Fest⸗ buverture des Theater⸗Orchesters, welches die hiesige Infanterie⸗Kapelle stellt. Gießen, 30. September. Eine für die Zigarren⸗Industrie bedeutsame Erfindung hat ein Herr in Bingen gemacht. Es wurde der Firma Wiener und Schmidt ein Reichspatent auf eine Zigarren wickelmaschine erteilt. * Gießen, 30. Sept. Der Rechner an der Zellenstrafanstalt Butzbach und am Landeszucht⸗ haus Marienschloß Karl Bauer ist unter Be⸗ lassung desselben in seiner Eigenschaft als Rechner der Zellenstrafanstalt seines Dienstes am Landeszuchthaus mit Wirkung vom 1. Okt. 1896 ab enthoben.— Der Gemeindehebamme Anna Marie Balser zu Rödgen ist die Silberne Medaille des Ludwigsordens verliehen worden. a * Grünberg, 29. Sept. Gestern fand hier die Versteigerung des städtischen Obstes statt. Die Preise waren durchweg hoch; der Korb Aepfel kommt durchschnittlich auf 2. 50„ zu stehen. Trotzdem heuer die Obsternte nicht sehr reichlich ausfiel, dürfte die Stadt doch eine recht 800 Einnahme erzielt haben. Der entner Auflesobst kostetete bei der Versteigerung A 40. * Bad Nauheim, 29. Sept. Bei der am 8. September stattgehabten Beigeordneten⸗ Wahl erhielten von 427 Abstimmenden Orts⸗ krankenkassenrechner Heinrich Langsdorf IV. 166, Kaufmann Theodor Andreas 148 Stimmen. Da keiner der Kandidaten die abso⸗ lute Mehrheit erhalten, so fand heute eine a Wahl zwischen beiden statt. Es er⸗ hielten nun von 446 Abstimmenden Th. An⸗ dreas 252, Hch. Langsdorf IV 193 Stimmen, ersterer ist somit gewählt. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 575; ein Zettel war ungültig.— Herr Andreas ist schon lange Jahre Mitglied des Gemeinderats und seit einem halben Jahre Mitglied des.
* Darmstadt, 29. September. Der gest⸗ rige Begrüßungsabend der 9. Generalversamm⸗ lung des Evangelischen Bundes war stark be⸗ sucht. Landgerichtsrat Küchler begrüßte Namens des Hauptvereins des Evangelischen Bundes für das Großherzogtum Hessen die aus allen Gauen des Reiches gekommenen Gäste und besprach sodann in längeren Ausführungen die bekannten Ziele des Bundes. Pfarrer Peter⸗ sen⸗Darmstadt sprach Worte der Begrüßung
Namens der hiesigen Kirchengemeinden, dabei betonend, daß die Bundesglieder in Darmstadt ein frohes und freudiges Verständnis für alle die evaugelische Kirche berührenden Fragen vor⸗ finden. Pfarrer Eger begrüßte die Gäste Namens des evangelischen Arbeitervereins. Im Namen des Zentralvorstandes antwortete Kon⸗ sistorialrat Dr. Göbel⸗Halle a. S. Ab⸗ wechselnd mit Chören des Bessunger Kirchenge⸗ sangvereins folgten weitere Ansprachen, zunächst die des Professors Thoma⸗Karlsruhe, der das Wirken und die Verdienste Philipp Melanchthons als Reformator auf allen Gebieten preisend zur 400jährigen Feier(14. Febr. 1897) des Geburts⸗ tages Melanchthons nach dessen Vaterstadt Bretten einlud. Prediger Scholz- Berlin rief die Frauen auf zur Mitarbeit an den Zielen des Bundes, Pfarrer Schmidt aus Altshausen schilderte die Zustände in der schwäbischen Diaspora zwischen Donau und Bodensee, Ar- nold⸗Gischkau die Gefahr der gemeinsamen Propaganda des Polonismus und der, römischen Kirche im Osten des Reiches; er schilderte, wie die katholische Bevölkerung zu Ungunsten der evangelischen stetig zunimmt und in gleichem Maße die deutsche Sprache durch die polnische verdrängt wird. Die Ursachen findet er in der zielbewußten national-polnischen Propagands und der geschickten Verquickung von Polonismus und Romanismus. Zum Schluß widmete Dr. Bärwinkel⸗Erfurt der Erinnerung an die Begründung des evangelischen Bundes durch die Erfurter Vorkonferenz am 5. Oktober 1886 entsprechende Worte.
* Offenbach, 29. Sept. In einer gestern Abend stattgefundenen Wählerversammlung der vereinigten Bürgerparteien(natio⸗ nalliberale, freisinnige und Mittelstandpartei) wurde einstimmig die für den bisherigen Ver⸗ treter der Stadt Offenbach im Landtag, Herrn Justizrat Dr. Weber, aufgestellte Wahlmänner⸗ liste genehmigt. Der Vorsitzende der Versamm⸗ lung, Herr Kommerzienrat Böhm, teilte mit, daß auf eine an die katholische Volkspartei ge⸗ richtete Frage, ob sie geneigt sei, mit den ver⸗ einigten Bürgerparteien zu gehen, um den Sieg des sozialistischen Kandidaten Ulrich zu ver⸗ hindern, eine ausweichende Antwort gegeben worden sei. Die gestern aufgestellte Liste enthält jedoch eine Anzahl der Zentrumspartei ange⸗ höriger Wahlmänner. g
* Mainz, 29. Sept. Der zwischen der nationalliberalen, deutschfreisinnigen und demo⸗ kratischen Partei für die am nächsten Montag stattfindende Wahl zur 2. Kammer des hessischen Landtages geplant gewesene Kompromiß ist infolge der Weigerung des Herrn Dr. Otto Gastell, eine Kandidatur anzunehmen, gescheitert. Als Kandidaten der vereinigten demokratischen und deutschfreisinnigen Partei sind jetzt die
Stadtverordneten Fritz Schäfer und Rechts⸗ anwalt Ferdinaud Börckel aufgestellt. Die Nationalliberalen wollen mit eigenen Kandidaten vorgehen; wer diese sind, ist noch nicht bekannt.
Schwurgericht. W. Gießen, 30. September. (Schluß der gestrigen Sitzung.) Der Angeklagte ist im Großen und Ganzen der ihm zur Last gelegten Delicte geständig, er will sich allerdings der Tragweite seines Handelns nicht bewußt gewesen sein. Der Angeklagte giebt noch an, 6 Kinder zu haben und für deren Bekleidung ꝛc. bei Baer 100 4 schuldig zu sein, die mit in die Masse gingen. Die Frucht, die er bei Seite geschafft, habe er zu Mehl machen lassen, welches er zur Ernährung für sich und seine Familie verwenden wollte. Das Faß; Petroleum, welches er verheimlicht, kann etwa 3 Zentner schwer gewesen sein, er hat dasselbe, ehe der Massenverwalter kam, an einen Nachbar zur Auf⸗ bewahrung gegeben, um es dem Kaufmann, dem er es noch schuldig, zurückzugeben. Nachher wurde das Petroleum wieder in des Angeklagten Stall geschafft. In ähnlicher Weise ist vom Hofmann auch mit einem Quantum Kar⸗ toffel verfahren. Der Vorsitzende stellt fest, daß der An⸗ geklagte 14000& Schulden hat, denen nicht ganz 600 Mark als Wert des Inveutars gegenüber steht. Der Au⸗ geklagte gesteht zu, daß es bei seinen Manipulationen darauf abgesehen war, besonders den Feist Sommer zu benachteiligen. In die Beweisaufnahme eintretend wird der augenblicklich in Haft befindliche Feist Sommer J von Crainfeld als Zeuge vorerst unvereidet vernommen. Er erklärt, die zur Masse angemeldete Forderung inklusive seiner Hypothekenforderung auch wirklich zu haben. Som⸗ mer versichert auf das Bestimmteste, er habe den Ange⸗ klagten reel behandelt. Für die Hypothek seien 1700 4 baar Geld gegeben, während der Rest eine Schuld aus Viehverkäufen bildet. Der Angeklagte hat behauptet, er habe an Feist Sommer 3 Stück Vieh nur zum Schein verkauft, um diese dadurch vor dem Gerichtsvollzieher zu sichern. Die Tiere blieben in Hofmanns Besitz. Sommer schildert unter einem Wust von Reden die Händel wegen der 3 Stück Vieh; er behauptet, diese für 350& recht⸗ lich gekauft zu haben. Der Kaufpreis sollte abgerechnet werden. Nachher will der Zeuge das Vieh an den Hofmann zurück verkauft haben, wobei er sich das Eigentumsrecht vorbehalten und dabei nur 5 Proz. Zinsen des Anlage⸗ kapitals als Nutzen verlangt und erhalten. Den Kauf⸗ preis blieb Hofmann schuldig. Dann hat Sommer von dem Vieh später 2 Stück durch Kauf erworben und will teilweise den Kaufpreis von 150/ in baar bezahlt, teil⸗ weise durch Abrechnung auf seine Forderungen beglichen haben. Darüber, ob Sommer auf Eintragung der Hypo⸗ thek mit Drohungen auf Hofmann eingewirkt, kann sich Sommer nicht besinnen, ebenso, ob er Vieh zum Füttern längere Zeit bei Hofmann stehen gehabt. Der Zeuge Sommer wird hierauf vereidigt. Eine ganze Reihe von Zeugen bekunden übereinstimmend, daß Hofmann ihnen kurz um die Jahreswende Gegenstände, Inventar, verkauft habe. Der Verkäufer habe ihnen gesagt, er wolle seinen Viehstand verkleinern und das Pachtland abgeben. Er würde von seinen Gläubigern gedrängt und wolle, um sich Luft zu machen, mit dem Erlös für die Sachen Schulden bezahlen. Hofmann bezog sich dabei auf den Rat des Gerichtsvollziehers. Teilweise sind bei den
Zahlungen für die verkauften Gegenstände Gegenforderungen aufgerechnet, wobei allerdings überall Hofmann noch etwas heraus bekam. Teilweise sind die Gegenstände na chträg⸗ lich zur Masse gelangt. Mehreren dieser Zeugen gegen⸗ über hat Hofmann unverholen in Bezug auf Feist Som⸗ mer gesagt: Der Jud mag sehen, wie er was kriegt, der hat mich genug betrogen und hat eine Hypothek.— In mehreren Fällen sind diese Verkäufe vom Angeklagten Hofmann einige Tage nach der Konkurseröffnung vorge⸗ nommen. Mehrfach wird von diesen Zeugen erklärt, der Angeklagte trinke zwar stark Schnaps, aber man glaubt doch, daß der Feist Sommer am Unglück des Hofmann schuld ist, denn dieser sei fleißig gewesen in der Arbeit. Joh. Dietz IV, Heister, bekundet, daß ihm bekannt sei, daß Feist Sommer seinen Verwandten Hofmann ein Rind für 60 „ abgehandelt, welches er an Peter Seibel für 145 am selben Tage weiter verkauft hat. Außer dem Zeugen Feist Sommer werden die bis hier vernommenen Zeugen unvereidet gelassen, weil sie der Beihülfe der in Frage kommenden That verdächtig seien.
Um 3½ Uhr wird in der Sache Hofmann fortgefahren. Der Zeuge Peter Klein hat am 2. Januar vom Ange⸗ klagten seine Rechnung im Betrage von 6„ erhalten. Er habe von den mißlichen Vermögensverhältnissen des Hofmann nichts gewußt. Einige Tage später habe er auf Verlangen des Angeklagten, demselben Quittung er⸗ teilt und diese vom Tage der Zahlung datiert. Joh. Knab⸗Altenau hatte an Hofmann eine Forderung und ließ sich von diesem einen Wechsel im Betrage von 384 acceptieren, den er in Fulda diskondierte. Aus dem Er⸗ lös erhielt der Angeklagte eine gewisse Summe in baar. Zeuge hat den Wechsel zurück decken müssen, so daß Hof⸗ mann ihm 220 4 aus diesem Wechsel schuldig wurde. Der Zeuge hat den Wechsel auch nicht gleich baar decken können und wurde schließlch wegen 200„ Restgeld ver⸗ klagt. Gegen die 220„ gab nun der Angeklagte, um die Forderung zu decken 1 Kuh, 1 Wagen und Heu. Die Kuh ist aber von Feist Sommer als Eigentum in An⸗ spruch genommen, das Tier ist dem Zeugen abgenommen, doch schwebt gegen Sommer noch der Prozeß. Der An⸗ geklagte hat dann, nachdem der Zeuge die Kuh los war, noch 50, bezahlt, so daß er jetzt noch 100& schuldet. Zeuge will von der schlechten Vermögenslage des Hofmann keine Ahnung gehabt haben. Der Zeuge erklärt, daß er im Auftrage des Kaufmanns, der das Faß Petroleum geliefert, dieses sobald es leer und nicht gepfändet sei, abzuholen. Dieses habe er gethan. Ob in dem Faß noch Inhalt war, weiß Zeuge nicht, stände dasselbe noch in seiner Scheuer zur Abholung für den Kaufmann bereit. Das Faß habe ihm nicht der Angeklagte, sondern dessen Frau als leer und nicht gepfändet ausgehändigt.
Dem Zeugen wird vorgehalten, daß er vor dem Untersuchungsrichter ganz anders ausgesagt habe, worauf der Zeuge erklärt, so wie er hier deponiere, sei es ganz richtig. Er hat nämlich früher behauptet, Hofmann sei ihm die ganzen 384/ bei Ausstellung des Wechsels schuldig gewesen. In langer Reihe bezeugt nun ein Zeuge nach dem andern, wie Ende Dezember oder im Januar der Angeklagte ihnen 1 Fuhre Heu, 1 Pflug, 1 Wagen usw. verhandelt hat. Einem der Zeugen hat der Ange⸗ klagte 4 Beesen, 4 Rechen und 4 Malter Kartoffel zum Aufheben gegeben. Der Zeuge will darin nichts Böses gefunden haben, hat aber, als er hörte, man dürfe so etwas nicht, den Angeklagten veranlaßt, die Sachen wieder abzuholen. Auch von den gekauften Sachen haben
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Marja, das Heldenmädchen von Transvaal.
Zeitroman von Pieter Vryburg
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Als sie den Gasthof betrat, war sie mit sich einig, und es gehörte in der That eine heroische Natur dazu, um ihren verwegenen Plan auszuführen.
In dem mit Schreiern und Trinkern angefüllten Schankraum, wo ihre Erscheinung um diese Stunde einiges Aufsehen erregte, wandte sie sich an einen Mann, den sie heute hatte hier einreiten sehen und dessen Pferd ihrem Kennerblicke aber ganz besonders geeignet für ihre Zwecke erschienen war. Der Mann hieß Burton.
„Auf ein Wort, wenn's beliebt, mein Herr!“ sagte sie in dreistem Ton, dem Anderen einen kamerapschaftlichen Schlag auf die Schulter ver⸗ setzend.
Der schaute verwundert auf, erhob sich dann aber und folgte Marja nach einem stillen Winkel, wo diese sich an einem unbesetzten Tisch niederließ, eine Flasche Wein und zwei Gläser bestellte, die auch sofort gebracht und von ihr bezahlt wurden. „Was wünschen Sie, mein Herr?“ fragte der Andere nicht eben freundlich.„Und was sollen diese Vorbereitungen?“
„Die?“ erwiderte Marja lachend.„Sie sind
die notwendigen Präliminarien für ein gutes Ein⸗
vernehmen, und ein solches mit einem Mann von
Euren ausgezeichneten Eigenschaften und glänzenden
Aussichten herbeizuführen, das ist mein Wunsch.
Marja sprach mit vorzüglich verstellter Stimme. „Das find' ich eigen!“ trotzte der Fremde. „Manierlich“, verbesserte Marja.“ Nehmen Sie Platz! Was ich Ihnen zu sagen habe, wird ie interessieren.“
„Vielleicht auch nicht. Uebrigens habe ich weder besonders gute Eigenschaften noch besonders glänzende Aussichten.“
„Das nenne ich eigen!“ lachte Marja„Gebt Euch, welche Mühe Ihr wollt, Ihr werdet mich nicht lange täuschen können. Euer Name ist Will Burton.“
„Allerdings— Und der Eure?“
„George Higgins, Unterlieutenant in der Truppe der Chartered⸗Company.“
„Ah— so!“ machte Burton und setzte sich. Die Ehre einer solchen Bekanntschaft durfte nicht verschmäht werden, wo es galt, mit den regulären Truppen zusammen eine Armee gegen Transvaal aufzustellen.
„Prosit!“ stieß Marja mit dem noch immer Verblüfften an.„Auf den ersten gemeinsamen Sieg gegen das Boerenvolk!“
Auf einen solchen Toast mußte getrunken werden. Es nicht zu thun, wäre unpatriotisch gewesen.
„Ihr wundert Euch über meine Uniformlosig⸗ keit“, fuhr Marja munter fort.„Kam eben heute erst aus Transval zurück, wo ich im Auftrage des Doktors einen längeren Recognoscirungsritt vor— genommen.“
„Man traut Euch wohl einen besonderen Grad von Verwegenheit zu“, fragte Burton lächelnd. „Ihr seid noch sehr jung.“
„Aber in manchen Dingen älter als ich aus⸗ sehe. Gleichviel, meine Leistung fand Anerkennung; Cecil Rhodes, dem ich außerdem bekannt bin, weil er mit meiner Familie in Capstadt intim verkehrt, hat mich ganz besonders ausgezeichnet und zwar mit einer Mission, gegen welche die soeben erledigte ein wahres Kinderspiel ist. Ich soll dieselbe zu⸗ sammen mit einem anderen Herrn ausführen, dem
suchsweise hier weilt und im Administrationshause Quartier bezogen hat. Natürlich wurde mir größte Geheimhaltung empfohlen, und so muß ich Euch in diesem Punkte etwas verschweigen.
Obwohl ich nun meinem gut gesalzenen Pferde die höchsten Anstrengungen zutrauen darf, das weiß man da oben, so ist doch das Pferd des Fremden ein elender Klepper, d. h. schön gebaut, aber un⸗ tüchtig. Ich sagte, daß ich aus dem ganzen Pferde⸗ bestand nicht ein Tier wählen könne, welches so leistungsfähig wäre, wie ich es brauche, und davon hängt jetzt alles ab.“
„Ei, da weiß ich Rat!“ rief sogleich Lord Cecil. „Der Zufall fügt es so, daß ich heute einen Mann Namens Will Burton hier einreiten sah. Ich kenne den Herrn aus früherer Zeit her, und ich weiß, daß er, was die Beurteilung eines Pferdes anbetrifft, unübertroffen ist. Suchen Sie ihn auf! Gerade das Tier, welches er heute unter sich hatte, ist es, das wir brauchen. Suchen Sie ihn auf, Unterlieutenant, und äußern Sie ihm meinen Wunsch. Für jeden Schaden komm ich auf, und seine Freundlichkeit soll nicht unbelohnt bleiben. Es soll mir auf zweihundert Pfund für sein präch— tiges Tier nicht ankommen.
Der Zufall war mir günstig. Ich konnte Seiner Exzellenz alsbald melden, daß jenes Pferd hier eingestellt worden und daß Sie hier logieren.
So komme ich denn nun im Auftrage Seiner Exzellenz, um Sie zu fragen, ob Sie uns zu einem Distanzritt Ihr Pferd zur Verfügung stellen wollen. Ich erwähne noch, daß es sich um eine Mission von allergrößter Wichtigkeit handelt, an deren Aus— führung vielleicht der ganze Verlauf dieses Feld— zuges hängt.“
Mit solchen und anderen Prahl- und Schmeichel⸗ reden bethörte Marja ihren in militärischen und
Gesandten der Cap⸗Regierung, welcher zur Zeit be⸗
gesellschaftlichen Dingen unerfahrenen Hörer derart,
wird.
und eile dann zu Cecil Rhodes. dort!“
daß es sein sehnlichstes Bestreben war, dem Staate und Seiner Lordschaft einen„kleinen Dienst“, wie er es nannte, erweisen zu können.
„Keinen kleinen Dienst, Mister Burton“ ver⸗ sicherte Marja, weder für uns, noch für Sie. Die Freigebigteit und Macht Seiner Herrlichkeit des Königs von Rhodesia sind zu weltbekannt, um Ihnen hier darüber erst Andeutungen machen zu müssen. Er kennt Sie, Glücklicher! Was meinen Sie wohl, was eine solche Bekanntschaft unter Umständen wert ist? Millionen, ein ganzes Goldfeld, wenn man sie klug zu nutzen weiß. Das liegt in der Folge an Euch. Vorläufig darf ich Se. Lordschaft die er⸗ freuliche Kunde überbringen, daß Ihr Euch mit Eurem Pferde in den Dienst der guten Sache stellt, und darf Euch, den ich fortan Freund zu nennen hoffe, im Voraus seinen Dank aussprechen. Und hört, Burton, kein Wort hier zu den Andern; die Sache soll ganz geheim gehalten werden. Man munkelt, es seien Spione Krügers in der Stadt. Ich babe nicht mehr Zeit, mein Pferd zu satteln, denn Se. Lordschaft verharrt wachend, bis ich komme. Ich werde nur dem Knecht einen Auftrag geben, die beiden Pferde nach Verlauf einer Viertelstunde hier vor's Haus zu führen. Ihr entfernt Euch dann unauffällig, steigt auf und führt das Handpferd mit hinauf zum Administrationsgebäude. Dort wartet Ihr, bis wir heraustreten. Natürlich dürft Ihr auch kein Wort darüber mit dem Pferdeknecht mehr wechseln.„Geheim und treu“ sei Eure Losung, die Euch schon morgen mit Gold aufgewogen werden Ich spreche nun noch mit dem Hausknecht Auf Wiedersehen
(Fortsetzung folgt.)
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