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einander schrieen und sprachen.
Gießen, Dienstag, den 1. September
1896.
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Ausgabe
Gießen.
audegzeitung
Redaktion:
60 Kreuzplatz Nr. 4. 2
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die öspaltige Petitzeile.
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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 31. August. Das gestern statt⸗ 805 vom besten Wetter begünstigte Herbst⸗ ezirksfest des Nordbezirks, Gau g, des deutschen Radfahrerbundes ist vor⸗ züglich verlaufen Unsere Stadt stand gestern unter dem Zeichen des Radelns. Schon in aller Frühe waren Mitglieder fremder Vereine hier an 5 und belebten zu Fuß und per Rad 95 traßen. Das Frühconcert, welches um 11 Uhr Vormittags seinen Anfang nahm, war in Folge davon sehr stark besucht und verlief in der animirtesten Stimmung. Zwischen 3 und 4 Uhr durchzog der vorgesehene Preiscorso die Stadt, woran sich etwa 120—140 Radler, da⸗ runter mehrere Damen, beteiligten. Es waren in diesem Zuge außer den beiden Gießener Ver⸗ einen vertreten die Vereine: Marburger R.⸗V.,
mit der Standarte, Biedenkopf, Herborn, Dillen—
burg, Weilburg, Butzbach, Lauterbach und außer⸗ dem Lollar und Wieseck, die zwar nicht zum deutschen Radfahrerbund gehören, aber der an sie gerichteten Einladung Folge gegeben hatten. Gleich nach 4 Uhr begann im Gießener Festsaal das en Der Eröffnungsreigen gefahren von 6 Herren des Gießener Radfahrer⸗ vereins wurde sehr schneidig durchgeführt und verdiente den von den Zuschauern gespendeten Applaus in vollem Maße. Dem schloß sich eine Quadrille des Radfahrervereins Herborn an, die ohne Kommando ruhig, sicher und gelassen, selbst bei den schwierigsten Touren gefahren wurde, nur eine bessere Verteilung im Raum wäre zu wünschen gewesen. Gegen Herborn konkurrirte der Radfahrer⸗Club Butzbach(ö Fahrer), welcher den Fehler seines Gegners vermied. Die Vorführung entsprach allen Anforderungen eines Musterreigens, obzwar in zwei Fällen kleine
ö Fehler unterliefen. Ein Zöglingsreigen(6 Fahrer)
vom Gießener Radfahrer⸗Verein bildete den Schluß. Sie haben den Vogel gestern abge⸗ schossen, soweit das Reigenfahren in Betracht kommt. Die Figuren klappten brillant, die Ecken des Saales wurden korrekt ausgefahren und die schwierigsten Volten wurden graziös ausgeführt. Zwischen je 991 1915 zeigten sich die jungen Kunstfahrer Gebr. Lippert von Worms in ihren ganz erstaunlichen Leistungen. Die beiden 13⸗ und 14 fährigen Knaben sind Amateure, besuchen in Worms das Gymnasium ust nur zu ihrem Vergnügen, durchaus nicht etwa des Broderwerbs wegen.
Aber man merkt ihnen an, daß ihnen die Sache
Spaß macht. Mit Leichtigkeit wurden von ihnen die schwersten Trics ausgeführt, dabei frappirt ihre Sicherheit und die bei den einzelnen Stel⸗ lungswechseln zur Schau getragene Straffheit. Rauschender Jubel begleitete die Knaben nach ihrem jedesmaligen Auftreten. Am Abend pre die Preisverteilung statt. Der 1. reis(Diplom) für Corsofahren fiel mit 10,5 Punkten nach Butzbach, während Dillen⸗
burg mit 8,5 Punkten den 2. Preis(Ehrende
Anerkennung) erhielt. Für Reigenfahren erhielt Butzbach mit 14 Punkten den l. Preis(1 pracht⸗ volle Bowle), Herborn mit 12 Punkten den 2. Preis(eine Kneipuhr). Der Vorsitzende des Radfahrer⸗Vereins Gießen überreichte den Ge⸗ brüdern Lippert unter Anerkennung ihrer vor⸗ züglichen Leistungen und unter dem Ausdruck des Dankes, daß sie sich bereit haben finden lassen, das Gießener Fest zu verschönern, je eine silberne Medaille. Damit war der sportliche Teil des Festes beendet Lebende Bilder aus dem Rad⸗ fahrerleben, Pyramiden, und ein Festball hielt die Gaugenossen noch lange in frohester Laune beisammen.
* Gießen, 31. August. Aehnlich wie in anderen Bundesstaaten ist auch im Großherzog⸗ tum Hessen an Bürgermeistereien die Anfrage gerichtet worden, wie sie sich zu der geplanten Verordnung des Bundesrats stellen, wonach ge⸗ wisse Stellen im Gemeindedienst in Zu⸗ kunft nur durch Militäran wärter besetzt werden sollen. Die Bürgermeisterei Mainz hat sich in ihrer Antwort entschieden gegen einen derartigen Eingriff in die Selbständigkeit der Gemeindeverwaltung ausgesprochen. Sollte auch an unsere Bürgermeisterei eine Anfrage ge— kommen sein, so ist hoffentlich die Antwort nicht weniger entschieden ablehnend ausgefallen als die von Mainz.
* Gießen, 31. August. Die Großher⸗ zogliche Handelskammer teilt Interessenten mit, daß Uruguay den Handelsvertrag mit Deutschland gekündigt und dieser am 1. August 1897 außer Kraft tritt.— Interessenten können auf dem Bureau einen Bericht über die Export⸗ verhältnisse der Schweiz einsehen.— Die Pro⸗ gramme der seit 1897 geplanten Ausstellungen in Brüssel und Guatemala liegen aus.— In Nördlingen ist eine Reichsbankstelle errichtet.
* Gießen, 31. August. Eine ehrende An⸗ erkennung ist zwei Gießener Industriellen auf der Ausstellung für Hotel- und Wirtschaftswesen und verwandte Gewerbe zu Wiesbaden zu Teil geworden. Der Inhaber der Lahnkalk- und Marmor⸗Industrie, August Gabriel jr., hat für hervorragende Leistungen die höchste Aus⸗ zeichnung, die goldene Medaille erhalten, Archi⸗ tekt L. Seuling, der Fabrikant und Lizens⸗In⸗ haber der Holzwolle-Baumaterials, dessen praktische Verwendbarkeit er in Wiesbaden durch Erbauung eines Loseverkauf-Pavillons vorge⸗ führt, erhielt die Broncene-Medaille.
* Gießen, 31. Aug. Auf dem Heimwege von der Kirchweih zu Klein-Linden, auf der Straße nach Gießen, wurden gestern Abend zwei Arbeiter angeblich überfallen und mit Messer oder sonstigen scharfen Instrumenten geschlagen. Beide trugen blutige Köpfe da⸗ von. Gegen die bekanuten Thäter wurde Straf⸗ antrag wegen Körperletzung gestellt.
„Lollar, 31. August. Die Kirmes hat am gestrigen und ersten Tage einen recht schönen Verlauf genommen. Eine angenehme Abwechs⸗ lung in den üblichen Verlauf der Kirmesfeier⸗
lichkeit, die für gewöhnlich nur die Tanzmusik auf ihrem Programm haben, hat gestern ein Teil unserer Burschen und Mädchen zustande gebracht. Die jüngeren Stammgäste des Herrn Gastwirt Weinrich veranstalteten nämlich kurz vor Beginn des Tanzes einen Festzug, der lebhaft an ein kleines Erntefest erinnert. Der zwar kleine aber schöne Zug mit einem pracht⸗ voll geschmückten ben auf dem sich sechs Mädchen und ebensoviel Burschen, sämtlich in Schnitterkostüm, gruppiert hatten, erregte so— wohl die Aufmerksamkeit unser Dorfbewohner, als auch der zahlreich erschienenen Kirmesgäste. Mit sämtlichen Feldfrüchten geschmackvoll ausge⸗ schmückt, die„Schnitter“ und„Schnitterinnen“, mit Sensen und Sicheln ausgerüstet, wurde der Wagen unter den Klängen der Musik durch das Dorf, bis zum vorher erwähnten Kirmeshause geführt. Eine solche Veranstaltung, mit der unser Dorf den übrigen wieder voraus ist, verdient gewiß nachgeahmt zu werden, um den„Kirmesen“ wieder dasjenige Gepräge zu verleihen, das die⸗ selben zwar früher zur Schau trugen, das in der Neuzeit aber leider wieder verloren gegangen ist, nämlich dasjenige eines„Erntefestes“. Auch in den übrigen Kirmeswirtschaften entwickelte sich ein lebhaftes Treiben, das seinen besten Verlauf nahm.
* Bad Nauheim, 30. August. In der Woche vom 21. bis 27. August 1896 sind 528 Kurfremde(1895: 592) angemeldet worden, so daß sich die Gesamtfrequenz auf 14015 stellt. Noch anwesend sind 2733 Personen. Der Vor⸗ sprung gegen das Vorjahr ist 1132. Voriges Jahr sind bis Ende September noch 1100 Per⸗ sonen angekommen, so daß wir heuer auf eine Frequenz von mindestens 15 100 Personen rechnen dürfen. Die schon herbstlich kühle und meist nasse Witterung der Berichtswoche hat, wie oben ersichtlich, auf die Frequenz ungünstig ein⸗ gewirkt. Bäder wurden in der gleichen Zeit⸗ periode in 1896: 9355 abgegeben, für 1 Tag also im Durchschnitt 1336, gegen 1495 für 1 Tag in der Woche vorher. Bäder bis 27. August 1896 einschließlich stellt sich auf 170573, bis zu demselben Datum 1895 13612 Bäder mehr. Bis Ende Oktober 1895 wurden 186 884 Bäder verabfolgt, so daß in diesem Jahre voraussichtlich die Zahl von 200900 Bädern erreicht, unter Umsländen auch über⸗ schritten wird.
* Darmstadt, 30. August. Von dem in München verstorbenen Professor Rüdinger wird der„Frf. Ztg.“ noch gemeldet, daß R. in Erbes⸗Büdesheim bei Alzei geboren wurde. Seine Eltern waren geringe Bauersleute. Er be⸗ suchte die Volksschule und erlernte das Barbier⸗ handwerk, das er als Gehilfe in Heidelberg aus⸗ übte. In dieser Universitätsstadt faßte er den Entschluß Medizin zu studieren, 19 ihm Stu⸗ denten durch Unterricht und Bücherleihen behilf⸗ lich waren. Später begab er sich nach Gießen und studierte u. A. bei Pr. Bischoff, der ihn veranlaßte, mit nach München zu gehen.
Die Gesamtzahl der g
* Worms, 30. August. In der Sitzung des städtischen Arbeitsamts wurde be⸗ schlossen, die städtische Arbeits nachweis⸗ stelle am kommenden Montag zu eröffnen. Ferner wurde die Geschäftsordnung für den Be⸗ trieb des Arbeitsnachweises beraten und unter We der Genehmigung der Stadtverord⸗ neten⸗Versammlung angenommen. Die Ge⸗ schäftsordnung bestimmt u. a. folgendes: Der Betrieb der Arbeitsnachweisstelle ist derart ein⸗ zurichten, daß alle Gesuche der Arbeitgeber und
rbeitnehmer möglichst rasch und zufrieden⸗ stellend erledigt werden. Um diesen Zweck immer
besser zu erreichen, soll durch entgegenkommenden
Verkehr mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern, durch rege Verbindung mit verwandten Anstalten und durch ausgedehnten Gebrauch der heutigen Verkehrsmittel die Benützung der Arbeitsnach⸗ weisstelle für jedermann erleichtert und die Aus⸗ dehnung des Geschäftsbetriebes fortwährend an⸗ gestrebt werden. Der Arbeitsnachweis erfolgt unentgeltlich. Die Arbeitsnachweisstelle ist an Werktagen von 8—1 Uhr und von 3—6 Uhr und an Sonntagen von 11—12 Uhr geöffnet. Alle bei der Arbeitsnachweisstelle einkommenden Gesuche haben eine Gültigkeit von 10 Tagen, können jedoch erneuert werden. Für die Be⸗ setzung der offenen Stellen ist folgendes Ver⸗ fahren vorgesehen. Jeder Arbeitsuchende, der mit einem Arbeitgeber in Verbindung krstt, er⸗ hält eine sog. Auweisung, auf welcher der Ar⸗ beitgeber in kürzester Form einträgt, ob er den Arbeiter eingestellt hat oder nicht. Die An⸗ weisung wird alsdann von den Arbeitsuchenden an die Nachweisstelle zurückgebracht, die alsdann im Falle der Erledigung ihre Bucheinträge löscht, andernfalls fortfähri, den gewünschten Arbeiter oder die gewünschte Stelle zu suchen. Damit nun die Anstalt nicht vergeblich arbeite, ist es unerläßlich, daß jede Erledigung eines Gesuches, z. B. anderweite Besetzung, sei es durch Rück⸗ gabe der Anweisung, sei es durch besondere Mit⸗ enen zur Kenntnis der Arbeitnachweisstelle elangt.
*Wörrstadt, 30. August. Einen neuen, lohnen den Gelderwerb suchte sich vor einigen Tagen ein junger Mann aus der Rhein⸗ pfalz zu verschaffen. In verschiedenen Dörfern sprach er bei Landwirten vor und bat um Stellung als Knecht. Eine solche zu erlangen, fällt zur Zeit der Ernte nicht schwer, und ge⸗ lang es dem Bürschchen innerhalb drei Tagen, von 15 Landwirten das übliche Handgeld von je 3 Mark zu erhalten, ohne in Arbeit zu treten. Beim sechszehnten Versuche erwischte ihn die Polizei. teilte ihn wegen Schwindeleien zu 3 Monaten und 2 Wochen Gefängnis.
Vermischtes.
— Teure Hotelrechnungen. Die gekrönten Häupter, die sich im Pariser Grand Hotel ein⸗ quartieren, müssen dort, so schreibt der Pariser„Figaro“ in einer Plauderei, zumeist mit einer ganz regelmäßigen
Marja, das Heldenmädchen
von Transvaal. Zeitroman von Pieter Vry burg (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Die Goldgräber waren aufgesprungen. Es ent⸗ stand ein wilder Tumult, in welchem Alle durch⸗ Nur soviel war verständlich, daß alle Anwesenden der Meinung
waren, nur ein Aufstand könne eine Aenderung zum Bessern herbeiführen, und wenn dabei die Boeren⸗ herrschaft für immer gestürzt werde, um so besser. Was Tom dachte, verschwieg er. 5
„Der Aufstand ist beschlossen,“ erklärte Jameson kurzweg,„nun dann zu einem Kriegsplan!“ i
Es fand hierauf wieder eine kurze, allgemeine
Besprechung statt, dann ergriff der Gouverneur abermals das Wort. 5 a
„Wie es mir scheint, liegen die Sachen in Transvaal so, daß die mit der Gewaltherrschaft der Boeren bestehende Unzufriedenheit bei den Uit⸗ länders ihren Höhepunkt erreicht hat. Es fehlt nur an einem äußern Anstoß, um den Aufstand allge⸗ mein im ganzen Lande aufflammen zu lassen.“
„Ja, ja, so ist es!“ stimmten die Goldgräber
bei, und Williams meinte:„Uns fehlt nichts, als eine feste Organisation und der Führer, zu welchem alle gleich vertrauend aufblicken können, von dem sie wissen, daß er ein entschiedener Mann der That ist, der sein Ziel fest in's Auge faßt und vor keinem Dindernis zurückweicht. Ein solcher Mann sind ie, Gouverneur Jameson, und— will's ne
Unftiger Präsident des englischen Transvaal
Stellen Sie sich an unsere Spitze, und keiner wird zurückbleiben, alle werden kommen. Aber schnell muß der Schlag geführt werden, so lange diese Erregung der Massen noch andauert; und dann weg mit Oom Paul, weg mit dem Voltsraad, weg mit der ganzen Boerenherrschaft! Herunter von ihren Sitzen oder herunter mit ihren Köpfen!“
Die Goldgräber, froh, einen der Ihren so wacker reden zu hören, brachen in einen förmlichen Jubel darüber aus, und:„Ein Hurrah für Williams!“ erschallte es aus Aller Munde. Williams war ein Witvatersrand⸗Mann. Nun wollte auch der Vertreter von Leydsdorp gehört werden, ein frech blickender Mann mit Stiernacken und eisernen Muskeln.
„Hört mich, Freunde! schrie er, den Lärm über⸗ tönend.„Der Aufstand allein thut es nicht. Das haben wir bei früheren Gelegenheiten gesehen, und selbst ein Massenaufgebot regulärer Truppen hat gegen Boeren-Schützen nichs vermocht. Wollen wir den Kopf treffen. Das Ungeheuer hat deren drei:„Oom Paul, General Joubert und Dr. Leyds. Der Letztere, den ich für den Gefährlichsten erachte, hat man, wohl in Vorsicht kommender Ereignisse — nach Berlin entsandt, um das: Bündnis, von dem vorhin Gouverneur Jameson gesprochen, anzu⸗ bahnen, oder, wenn es heimlich schon besteht, zu befestigen. Leyds ist der intelligenteste der Drei und seine zeitweilige Entfernung ließ auch uns Männer von Leydsdorp, des nach ihm benannten Goldfeldes, die Chancen für einen Aufstand unge⸗ mein günstig erscheinen. Bleiben nur noch zwei Köpfe. Mit dem General Joubert wird unser
Heerführer, Gouverneur Jameson, sich befassen müssen, denn sie haben keinen auderen Komman⸗ dierenden und keinen besseren. Sie mögen ihre Kräfte in offener Schlacht messen. Oom Paul aber wird sich kluger Weise im Hintertreffen halten. Jym ist nicht beizukommen, und mit diesem Manne erst steht und fällt die südafrikanische Republik. Nur ein gelungenes Attentat kann Oom Paul be⸗ seitigen, um dieses Stückchen Arbeit, und das so leicht keiner anbeißen dürfte, möchte ich mir vorbe⸗ halten. Treffe ich ihn, dann treffe ich ihn gut! Und der Schlag heißt mehr als eine gewonnene Schlacht. Er wird unsere Gegner in heillose Ver⸗ wirrung stürzen, und dem Gouverneur das ganze Land offen legen. Möge er es dann rein fegen für uns. Und so rufe ich:„Eugland für immer!“
Noch lauter, noch brausender schallten die Hoch— und Hurrahrufe, um so lauter, als die Schreier sich sagen durften, daß sie es nicht waren, die sich zu diesem verwegenen Attentat verpflichteten. Jak ob Hambrock war der Mann, der es auszuführen ver— sprochen hatte, und da gebührte es sich wohl, daß man ihn ganz besonders feierte.
Der Mann mit dem frechen Blick und dem Stiernacken schmunzelte vergnügt. Leydsdorp hatte einen Sieg über Johannesburg davongetragen. Oom Paul zu tödten war in der That mehr, als eine Feldschlacht zu gewinnen.
„Meine Herren“, mischte sich endlich Jameson in den Lärm,„das ist Alles ganz schön und ganz gut, aber noch lange kein Kriegsplan und ohne den
würde selbst ein gelungenes Attentat auf den Prä⸗
sidenten Paul Krüger ohne Folgen bleiben. Mein Plan ist folgender:
Ich ziehe heimlich die mir unterstellten Truppen der Chartered Compaguy an der Westgrenze und zwar in der Gegend von Mafetting zusammen. Von dort marschieren wir, einige Tausend Mann stark,
am Witvatersrand entlaug gegen Johannesburg,
den Hauptsitz der Aufständischen. Meine Truppen sind in gutem Stande, kriegstüchtig und kriegslustig. Ich denke in Eilmärschen ohne Schwertstreich bis vor Johannesburg zu gelangen, und haben wir erst das in unserm Besitz, daun beherrschen wir den ganzen Witvatersrand. Wir haben eine Po— sition, erklären Johannesburg zur Hauptstadt und setzen dort eine Gegenregierung ein. Gleich bei meinem Ueberschreiten der Grenze erheben sich Barberton, Leydsdorp, Pietersburg, Leydenburg, Heidelberg und Potschefstroom in offenem Aufftande. Die Goldgräber um Zeerast werden sich mir gleich anschließen, Heidelberg wird folgen. Bei Krügers⸗ dorp beziehen wir ein uneinnehmbares, verschanztes Lager. Diese natürliche Bergfeste wird jedem An⸗ griffe standhalten. Die gleichzeitige Erhebung im ganzem Lande wird die Boeren zwingen, ihre Streit⸗ kräfte zu teilen, während wir unsere gesamte Macht auf einen einzigen Punkt zu konzentrieren haben werden— auf Pretoria, das den Aufständischen von Barberton an dem Krokodilflusse mit der Delagoa-Eisenbahn leicht erreichbar ist und wohin sie streben werden, um Bergendal und Middelboerg in unseren Besitz zu bringen. (Fortsetzung folgt.)
Das Schöffengericht in Alzey verur⸗
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