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Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft

„Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ Matthäus 20, 28.

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0 srantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, 9 it den Anterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. 11 Rücksendung ungewünschter Manusfkripte wird nicht garantiert.

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0 Eine große Bedeutung für das Leben unserer Lan—

seskirche haben die alljährlichen Vereinstage der Inne⸗ n Mission in Dresden. Das hängt hauptsächlich mit er engen Verbindung zusammen, welche erfreulicher geise bei uns in Sachsen zwischen der Innern Mission nd der evangelisch-lutherischen Landeskirche besteht, Zanillerner aber auch mit der bedeutsamen Stellung, welche 150 50 er Landesverein für Innere Mission in unserer Lan⸗ eskirche schon seit längerer Zeit gewonnen hat. Den sesjährigen Vereinstagen für Innere Mission, welche om 1.—4. Mai in Dresden stattfanden, kam insofern och besondere Bedeutung zu, als mit ihr die Feier des eig jährigen Bestehens des Landesvereins verbunden Sul 1 Das Gedenken an dieses Jubiläum kam am men bend des dritten Tages, Dienstag, den 3. Mai, in e. Mule er öffentlichen Versammlung im großen Vereinshaus⸗ e Klug dale zum Ausdruck. In dem interessanten Rückblick, uc ebnen der 1. Vereinsgeistliche des Landesvereins, Pfarrer mf f Cendelin⸗Dresden, über die 60 Arbeitsjahre bot, ob er als die beiden Kennzeichen für die Innere Mis— on in Sachsen die enge Gemeinschaft der einzelnen Ar⸗ 10 ff eitsgebiete, aber auch eine gewisse Großzügigkeit her⸗ lb. 6 lor. Durch die allerneueste Zeit⸗ insbesondere durch ie Organisierung des kirchlichen Wohlfahrtsdienstes A die Innere Mission in außerordentlicher Weise in lie Oeffentlichkeit herausgestellt worden. Die beiden von dem Vortragenden genannten sennzeichen der Inneren Mission in Sachsen traten hann auch in der Tat während der großen Tagung mmer wieder hervor. Die mit der Tagung verbun⸗ enen zahlreichen Sonderversammlungen der verschie⸗ enen Arbeitszweige der Inneren Mission, die kirch⸗ der ah chen Tahresfeier mit der Festpredigt des hannoverschen on, net landesbischofs gaben einen deutlichen Begriff nicht nur ef on der Mannigfaltigkeit der Arbeitsgebiete, sondern dergalsee uch von dem einheitlichen Geist, der sie alle durchwehte. Hosen Zwei erfreuliche Ereignisse waren noch mit dieser agung verbunden: Am Sonntag, den 1. Mai, konnte er Landesverein für Innere Mission das von ihm er⸗ aute neue Heim für herzkranke Kinder bei Radeberg inweihen und am darauffolgenden Tage wurde der om Direktorium erwählte neue dritte Vereinsgeist⸗ sche, Pfarrer Coch aus Freiberg, in sein neues Amt ingewiesen werden. Ihm sind die beiden wichtigen Arbeitsgebiete des evangelischen Landespreßverbandes, ilso die Leitung der Pressestelle der Landeskirche, sowie Het! zie Volksmission anvertraut. Gott gebe, daß in Pfar⸗ eine d ier Coch der rechte Mann für diesen wichtigen Posten gebe gefunden sei! 0* Ansere Leipziger theologische Fakultät hat in kur⸗ e er Zeit bereits den zweiten schweren und unersetzlichen

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f Leite wenn er nicht Werke hat, ist er tot an sich selber. tet h.

o 90 Wir kommen von Himmelfahrt her. Da haben wir uns

ganz in den Himmelsgedanken hineingewiegt. Dieser Gedanke den Himmel gehört mit zu den größten Tröstungen des christentums. Aber hat dieser Gedanke an den Himmel nicht uch viel Unheil unter den Christen verursacht? Hat nicht der Aimmelsglaube, so wie er von manchen gepflegt wird, die Ur⸗ ache dafür abgegeben, das Christentum unsozial zu schelten? kannt ist das Wort, daß die Kirche viel an sozialen Taten räumt hat. Das wollen wir ruhig zugeben. Wenn wir aber um Christentum reden, dann müssen wir das ganze neue Testa⸗ gent berücksichtigen. Dazu gehört auch der Jakobusbrief. Wer katchristen sucht, dort kann er es finden.

Luther, der ja ganz auf den Paulusbriefen stand, hat ja un Jakobusbrief nicht sehr geschätzt. Trotzdem können wir uns us Christentum nicht vollständig denken ohne diesen mit larem Wirklichkeitssinn geschriebenen Brief. In ihm finden Ur die praktisch tätige Nächstenliebe, in ihm erkennen wir An⸗ ebe zur sozialen Wirksamkeit des Christen.

Als Motto des ganzen Briefes kann das oben hingestellte hort gelten:„Der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er Ill an sich selbst.“ Ein Glaube ist nur lebendig, wenn er Taten Ir Nächstenliebe im Menschen weckt. Glaube und Nächsten⸗ (be, diese beiden zusammen, machen den Christen aus, Keines inn allein schon genügen, sie müssen beieinander sein. Da der aube das erste ist, so muß aus ihm die Nächstenliebe hervor⸗ hen. N Ein ebenso bedeutendes Wort steht in Vers 27 des ersten

berlust eines hervorragenden Mannes zu beklagen: am

wah guptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen).] Erscheint Sonnabends.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. e die 30mm breite Kleinzeile auswärls 24 Pfg. am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Wiederholungen

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Druck und Verlag Albin Klein, Gießen, Südanlage 21 Jernsprecher Nr. 1145 und 1362 Gießen

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Sachsen.

2. April d. J. verstarb plötzlich und unerwartet der Kirchenhistoriker Professor D. Heinrich Böhmer, in Bad Nauheim, wo er Erholung für sein Herzleiden suchte. In ihm verlor auch zugleich das ganze evan— gelische Deutschland viel. Nämlich den bedeutendsten Lutherforscher der Gegenwart, einen der besten Ken⸗ ner des Mittelalters und namentlich auch der katholi— schen Kirche. Unsere Landeskirche verlor in ihm einen freudigen Mitarbeiter, der noch vor kurzem in der Landessynode, in welche er zum ersten Male gewählt worden war, mehrmals in bedeutsamer Weise hervor⸗ getreten ist. Auch sein Amt als Mitglied einer Leip⸗ ziger Kirchengemeindevertretung war ihm Herzenssache. D. Böhmer ist vorläufig nicht zu ersetzen. Seine rie⸗ sige, vielleicht einzigartige Kenntnis der historischen Duellen seines Faches harrte der Auswertung. Die bisher erschienen Schriften und Bücher dieses bedeuten— den Mannes, in denen er diese Duellenkenntnis ver⸗ wertete, haben bereits großes Aufsehen erregt. Wie vieles Großes und Größtes hätte die theologische Wis⸗ senschaft von diesem Manne, dem auch die Gabe fesseln— der Darstellung gegeben war, noch empfangen können, wenn er am Leben geblieben wäre!

Die Konkordatsfrage wirbelt auch in unserem Lande immer mehr Staub auf. Die Vnterschriften— sammlung gegen das Konkordat wird zwar von dem Evangelischen Bund lebhaft betrieben, findet aber nicht überall freudige Aufnahme. Vielen Evangelischen im Lande ist die Stellungnahme des Evangelischen Bun⸗ des in dieser Frage zu einseitig negativ und verkennen die wirkliche Sachlage auf diesem Gebiet. In aller jüngster Zeit ist auch bereits ein lebhafter Streit aus⸗ gebrochen zwischen den führenden Männern des Evan⸗ gelischen Bundes in Sachsen und der Leitung des Lan⸗ desvereins der Christlichen Eltern-Vereine Sachsens. Die führenden Männer der Christlichen Elternvereine Sachsens hatten es abgelehnt, sich an der Unterschriften— sammlung gegen das Konkordat zu beteiligen, weil sie in einer vertraglichen Regelung des Rechtsverhältnisses zwischen der Kirche und dem Staat eine Notwendigkeit sehen. In der betreffenden Beschließung der Haupt⸗ führer der Christlichen Elternvereine vom 10. Mai heißt es:„Die Ehristlichen Elternvereine kämpfen seit sieben Jahre um die christliche Bekenntnisschule und lehnen die weltliche wie die Gemeinschaftsschule in je⸗ der Form, auch die auf sogenannter christlicher Grund⸗ lage und mit angehängten Religionsunterricht, entschie— den ab. Sie wollen, daß ihre Kinder auch in der Staatsschule unter christlichen Schulaufsichtsbeamten, von christlichen Lehrern in christlichem Glauben erzogen werden. In diesem berechtigten Verlangen fühlen sich die evangelischen mit den katholischen Eltern einig, und

dem Vater, ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich von der Welt unbefleckt behalten.“ Auch da erkennt man das Tatchristentum betont. Die Nächstenliebe darf nicht vergessen werden. Was bedeutet alles Beten und Predigthören, wenn man kein liebendes Herz hat für die Not⸗ leidenden. Ueberzeugend wirkt das Beispiel von den Waisen und Witwen.

Wohltuend ist die Offenheit, mit der Jakobus rücksichtslos die Wahrheit sagt. Er hält nicht für recht, daß der Reiche mit schönem Kleide dem Armen mit unsauberem Kleide vorge— zogen wird. Peinlich ist die Gewissensfrage, die er stellt:„Ist's recht, daß ihr solchen Unterschied bei euch selbst macht, und rich— tet nach argen Gedanken?.... Ihr habt dem Armen Un⸗ ehre getan.“

Dem Christentum wird vorgeworfen, daß es die Hungern— den auf den Himmel vertröstet, sie aber auf Erden verhungern läßt. Leute, die das dem Ehristentum vorwerfen, kennen nicht den Jakobusbrief. In den dem an die Spitze gestellten Versen vorangehenden redet gerade der Apostel über diese Frage. Ich will die Verse ausdrücklich hier hinschreiben.„So aber ein Bruder oder Schwester bloß wäre, und Mangel hätte der täg⸗ lichen Nahrung, und jemand unter euch spräche zu ihnen: Gott berate euch, wärmet euch und sättigt euch; gäbet ihnen aber nicht, was des Leibes Notdurft ist, was hülfe ihnen das?“ Auch an diesem Wort sehen wir das Tatchristentum, das nicht ertragen kann, wenn es dem Mitchristen schlecht geht. Wie kann einem Christenmenschen der Bissen im Munde schmecken, wenn er weiß daß Brüder und Schwestern nichts zu essen haben? Es ist kein zartes Wort für Arbeitgeber, wenn er schreibt:„Siehe, der Ar⸗ beiter Lohn, die euer Land eingeerntet haben, der von euch abgebrochene Lohn, der schreiet, und das Rufen der Ernter ist gekommen vor die Ohren des Herrn Zebaoth. Ihr habt wohl⸗ gelebt auf Erden und eure Wollust gehabt und eure Herzen ge—

apitels:„Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott,

weidet, indem ihr Schlachttag machtet.“ Dieser Jakobus hätte

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Verbindlichkeit. Bei Vergünstigung.

Platzvorschriften ohne

erwarten beiderseitig als Glieder ihrer Kirche eine durch die Trennung der Kirche vom Staat unabweisbar notwendige, vertragliche Regelung der Rechtsverhält⸗ nisse von Staat und Kirche auch in Bezug auf die Ge⸗ währleistung einer religibs⸗sittlichen, von jeder Par⸗ teipolitik unbeeinflußten Erziehung in jeder Schul⸗ form.“

Diese Stellungnahme der Christlichen Elternver⸗ eine exregten den lebhaften Zorn der evangelischen Bundeskreise, besonders, nachdem von katholischer Seite auf diese Haltung der Christlichen Elternvereine wie— derholt hingewiesen worden war. So viel ist gewiß, daß die Haltung der Christlichen Elternvereine in die⸗ ser Frage herausgeboren ist, aus ernster Sorge um unsere Landeskirche und daß sie geteilt wird von führen⸗ den Männern auch im Reich. Ein Konkordat einseitig zwischen dem Reich und dem pästlichen Stuhl wäre ein Verhängnis für Deutschland. Aber eine bloße nega⸗ tive Protestaktion gegen das Konkordat würde bei der augenblicklichen Lage nicht nur ein Schlag ins Wasser sein, sondern eine Schädigung der wahren Interessen unserer evangelischen Kirche. Immerhin wäre es er⸗ freulich, wenn es gelänge, zu einem gegenseitigen Ver⸗ ständnis und zu einem gütigen Ausgleich in diesem Streit zu kommen. Pfr. Kircher, Coswig b. Dresden.

Trfiehung zum religiösen Frieden?

Unter dieser Ueberschrift bringt das„Mainzer Journal“ in seiner Nr. 91 vom 20. April eine Be⸗ sprechung meiner Schrift„Die christliche Kirche, ihr Werden und Leben, Kämpfen und Arbeiten.“ Es kann mir nicht in den Sinn kommen, mich mit dem Schreiber dieses Aufsatzs, A. G., irgendwie in eine wissenschaft⸗ liche Auseinandersetzung einlassen zu wollen, denn eine solche setzt eine wissenschaftliche Bekämpfung vor⸗ aus. Der Schreiber weiß aber nichts zu tun, als von „Ausfällen gegen die katholische Kirche“, offensicht⸗ lichen Unwahrheiten“,„Umkehrung der Wahrheit“, „übler Verleumdung der Kirche“,„tendenziöser Ge⸗ schmacklosigkeit“,„Verdrehung geschichtlicher Tatsachen“ durch„diesen Jugendbildner“ zu reden, macht aber ent⸗ fernt nicht den Versuch, irgend eine von meinen An⸗ wahrheiten oder Verdrehungen zu widerlegen, sondern weiß nur seine Lehrer gruseln zu machen vor meinem „Haß“ und meiner„Geringschätzung der Katholiken“, die„allen Einfluß der Katholiken im öffentlichen Le⸗ ben beseitigen“ will. Das sind die vielgebrauchten und beliebten Mittel des Kampfes auf ultramontaner Seite, in deren Arena herabzusteigen ein evangelischer Christ zu vornehm ist. Ich begnüge mich daher mit der Er⸗ klärung, daß die Schimpfereien des Herrn A. G. mich auch kein Wort von dem zurückzunehmen veranlaßt, was ich geschrieben habe, und daß es dem Evangelischen

mit solcher schneidenden Sprache nicht auf eine Patronatspfarre irgendwo östlich der Elbe gepaßt.

Was er aber schreibt, ist es nicht reines klares Christentum, wie Jesus es gemeint hat? Keiner unter den Jüngern hat wie Jakobus den Meister in der Praktischen Form des Christen⸗ tums verstanden. Wenn wir uns die Bergrede vor Augen stel⸗ len, dann predigt Jesus mit unerbittlicher Folgerichtigkeit das Tatchristentum. Allerdings dabei hat er die traurige Nut⸗ deckung gemacht, wie schwer es ist, aus einem Reichen ein Tat⸗ christ zu werden. Auch Jakobus muß mit den Reichen ähnliche Erfahrungen wie Jesus gemacht haben. Er würde sonst nicht schreiben:„Wohlan nun, ihr Reichen, weinet und heulet über euer Elend, das über euch kommen wird! Euer Reichtum ist. verfaulet, eure Kleider sind mottenfräßig geworden, euer Gold und Silber ist verrostet, und sein Rost wird euch zum Zeugnis sein und wird euer Fleisch fressen, wie ein Feuer.“

In einer Predigt habe ich einmal in einer kirchlichen Ge⸗ meinde, die stark unter Kirchenschlaf litt, über das Häßliche die⸗ ser Angewohnheit geredet. Darauf machte man mir klar, daß solche Reden recht unbequem seien. Ja, es gibt auch recht un⸗ bequeme Seiten in unserem teuren Evangelium. Jesus selbst hat viel Unbequemes von den Christen zu fordern. Wer es sich gemütlich machen will, der verschweigt gerne diese unbequeme Sollen wir es uns aber gemütlich machen? Hat ein sich gemütlich gemacht? Hat ein Luther ein be— Wie es die Leute aufnehmen, das muß Wir haben das ganze Evangelium zu lehren, auch seine herbe Seite. Keine Verweichlichung dürfen wir unserer schon genug verweichlichten Zeit bieten. Stellen wir unser Christentum als das hin, was es ist, als eine zur Tat zwingende Pflicht und Aufgabe, die im Glauben wurzelt und in der Nächstenliebe ihren Wert und ihre Krönung findet. Wären wir mehr Tatchristen, wie bald könnten wir„ein Volk Amen. Hr.

Seiten. Paulus es quemes Leben gehabt? uns gleichgültig sein.

von Brüdern“ sein!

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