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schon erfüllt.

Sonnabend, den 27. August 1927.

„Evangelische Warte“

Nr. 35.

ren wurden die aufständischen Streitkräfte in wenigen Minuten durch Bombenabwürfe völlig vernichtet. Ueber 300 Tote von Sandinos Truppen sind auf dem Felde liegen geblieben, nur ein ganz geringer Teil soll ent kommen sein. Von den Truppen der Gegenseite ist nur ein Mann getötet und einer verwundet worden.

Der Rahmen dieses Kampfes ist für uns, die wir den letzten großen Krieg erlebt haben, natürlich klein, aber sein Verlauf bestätigt doch die Mutmaßungen, die wir uns über den Zukunftskrieg bereits machen Ver— gangen waren schon lange die Zeiten, in denen der

Feldherr als Vorbild der Tapferkeit seinen Leuten vor⸗ an im ersten Gliede kämpfte. Schon im letzten großen Weltkriege wurde die Leitung weit hinter der Front durch genaue Berechnungen und abwägender Vertei— lung der Kampfesmittel geführt. Der Zukunftskrieg wird noch anders sein. Immer mehr nimmt der Krieg rohe unpersönlichere Formen an. In ältesten Zeiten

war für ein Volk ein verlorener Krieg gleichbedeutend

mit dem Untergang. mordet, die Frauen und Kinder als Beute in die Skla— verei geführt. Dann wurde der Krieg veredelt. Nur

Die Männer wurden niederge⸗

ausgedachten toten Kriegsmaschinen.

gegen die Soldaten wurde gefochten. Ein neuer Krieg ist wieder die Vernichtung der Völker mit raffiniert Die Völker ver⸗ nichten sich, wie man bis jetzt nur das Ungeziefer aus⸗ zurotten bestrebt war. Wie lächerlich kommt einem da die Angst der Engländer und Franzosen vor marschie⸗ renden Sportlern und reitenden Reitervereinen vor. Wir wollen alle Bestrebungen, unsere Jugend körper⸗ lich und moralisch auszubilden, wegen der unserem Staatsleben so nötigen Disziplin nicht gering achten, aber im kommenden Kriege wird der Erfinder am Zei⸗ chentisch mehr leisten als der tapferste Soldat.

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eee Im Familienkreis

Der entscheidende Grund.

In einem Blatt las ich neulich, daß jemand vom Gericht die Aufforderung erhielt, als Geschworener zu fungieren. Als die Gerichtsverhandlung beginnen sollte, erschien statt seiner ein an— derer und erklärte, es seien, für das Nichtkommen seines Freundes einundzwanzig Gründe vorhanden.„So, so“, erwiderte der Rich— ter,„nennen Sie mir den ersten, der ist vielleicht der beste“.„Er ist tot“, erklärte der Freund.„Es ist gut“, sagte der verständige Richter,„die anderen Gründe brauchen wir nun nicht mehr zu hören“.

Ob diese Geschichte sich nun wirklich zugetragen hat, oder ob sie erfunden ist, kann ich nicht nachprüfen. Aber sie ist so töricht nicht, wie sie im ersten Augenblick scheint, wenigstens machen es viele Menschen ähnlich. Sie haben eine ganze Reihe von Grün— den für ein bestimmtes Verhalten, aber der eine, den sie als ersten nennen könnten, macht die andern überflüssig. Den einen sollten sie ehrlich nennen, aber das tun sie gewöhnlich nicht, und das ist der Unterschied von jenem Mann, der für seinen Freund vor Ge— richt erschien. Welches mag denn nun dieser eine Grund sein? Er lautet:„Ich will nicht.“ Frage einen Lüstling, weshalb er nicht von seinem Laster läßt? Er wird dir vielleicht sagen, daß er es für eine erlaubte Freude halte. Ueberführe ihn, daß diese Freude nur wie ein Rausch ist, und daß das Gewissen sich auf die Dauer doch nicht betäuben läßt. Er wird sogleich einen an— deren Grund hervorholen, er sei zu vollblütig und müsse sich Er— leichterung schaffen. Zeige ihm, wie töricht das ist, da er durch ein mäßiges Leben gesunden und frischen Mutes sein kann, aber er wrd nicht verlegen sein, dir zu sagen, daß andere es ebenso machen wie er. Du kannst ihm schließlich diesen und vielleicht noch manchen anderen Grund entkräften, bis du ihn wirklich in die Enge getrieben hast; was wird er dir dann am Ende sagen: „Ich will aber nicht!“ Nicht wahr, das hätte er gleich am An— fang sagen sollen, denn so töricht ist keiner, daß er die genann— ten Ausflüchte vor seinem eigenen Gewissen für Ernst nimmt. Es ist, als ob noch ein Rest von Scham in ihm ist, daß er sich scheut, mit dem wahren Grunde gleich herauszukommen. Aber dies„Nichtwollen“ hat noch eine andere ernste Seite, es ist der tiefste Grund für den Unglauben so vieler Leute. Man gehe einmal beharrlich den vielen Gründen nach, weshalb die Men— schen nicht glauben. Ein Grund nach dem andern wird sich wider— legen lassen, bis man ans Ende kommt, und da sitzt es wie ein Pflock vor:„Ich will aber nicht“. Gewöhnlich wollen sie von einer bestimmten Sünde nicht lassen oder wollen einen Schritt der Versöhnung oder Abbitte nicht tun, wollen die Ehre vor den Menschen nicht verlieren oder auf irgend einen unrechten Gewinn nicht verzichten, kurz: sie wollen nicht. Die Hindernisse des Glaubens liegen nicht so in den Schwierigkeiten, die unser Verstand damit hat, als in unserem sittlichen Verhalten. Sün⸗ digten wir nicht so viel und hielten wir nicht so eigensinnig daran fest, dann wäre eine Hauptbedingung für den Glauben Und nun will ich nichts weiter sagen, sondern je— dem Zeit lassen, nachzudenken, woran es bei ihm liegt. Aber mit Nachdenken allein ist es nicht gemacht,

der Wille muß kom-

men; aber wo der Wille ist, da findet sich bald der Weg, auch zum Glauben.

Da Jesus ihn sah liegen und vernahm, daß er so lange krank gelegen hatte, sprach er zu ihm: Willst du gesund werden? Joh. 5, 6.

Wie lernt mein Kind mit Geld umzugehen?

„Mutti, was ich gefunden habe!“ mit diesem Rufe stürzte sich Marianne atemlos in die Küche:„Sieh, ein Portemonnaie und lauter neue Scheine drin, unter den großen Fliederbüschen fand ich es, als ich mit den andern Kindern Verstecken spielte. Darf ich es behalten?“ Erschrocken wehrte Frau Schneider ab, setzte ihrem Töchterchen auseinander, daß man gefundene Ge— genstände abzuliefern habe, und sah dabei das Geldtäschchen ge— nau durch. Sie fand eine Besuchskarte, Helene Grabow, Schillerstraße 11, stand darauf. Schnell ging Frau Schneider mit ihrem Kinde vor das in einer entfernten Stadtgegend lie— gende Haus. Sie schickte Marianne mit dem Fund hinauf, wäh— rend sie unten wartete. Die Dame, der das Portemonnaie ge— hörte, hatte ihren Verlust noch gar nicht bemerkt. Sie war vor einer Stunde mit ihren Kindern heimgekehrt und mußte das Geld wohl verloren haben, als sie im Gebüsch nach dem fort— gerollten Ball ihres Kleinsten gesucht hatte. Bestürzt und be— glückt zugleich schenkte sie Marianne 10 Mark und ging, als diese sie nicht nehmen wollte, und von ihrer unten wartenden Mutter erzählte, mit hinunter. Sie erreichte es endlich durch inständiges Bitten, daß Marianne, deren Vater im Kriege ge— fallen war, das Geld annehmen und wöchentlich zweimal zu ihr kommen durfte, um ihre noch recht kleinen Kinder zu beaufsich— tigen.„Mutter“, sagte Marianne auf dem Heimwege,„jetzt bin ich reich; o, was ich dir und mir nun aber alles kaufe! Für 10 Mark kriegt man doch furchtbar viel!“ Die Mutter aber entgegnete ruhig:„Nein, mein Kind, deine Freude hätte gleich ein Ende, wenn du alles gleich ausgeben würdest. Ich will dir etwas viel Schöneres sagen: Du hast mich schon oft gebeten, ich solle dir jeden Sonntag Taschengeld geben, wie die meisten deiner Mitschülerinnen es erhalten. Den Wunsch kann ich dir bei meinen knappen Einkünften nicht erfüllen. Jetzt aber steht dir auf einmal ein kleines Vermögen zur Verfügung, mit dem du erst umgehen lernen mußt. Zu Hause werde ich dir ein Notizzbuch geben, in das du jede Einnahme und Ausgabe sorg—⸗ fältig eintragen und dir täglich genaue Rechenschaft darüber geben wirst, wie du dein Geld verwendet hast.“ Wie leuchteten da Mariannes Augen, die es kaum erwarten konnte, ihr Ausgabe— buch anzulegen. Mit Hilfe ihrer Mutter machte sie noch an dem— selben Tage ihre erste Eintragung und meinte nun ganz nach— denklich:„Ach, ich gebe doch lieber gar nichts aus; es sieht schön aus, wenn die 10 Mark da immer stehen bleiben.“ Frau Schneider, die schon wußte, wie schnell kleine Mädchen ihre Ent⸗ schlüsse ändern, sagte vorläufig gar nichts. Als aber Marianne am nächsten Tage um einen Groschen für ein neues Schreibheft bat und gleichzeitig fragte, ob sie nachher baden gehen dürfte, meinte sie:„Du bist ja jetzt eine kleine Kapitalistin, da kannst

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du dir solch bescheidenen Wünsche selbst erfüllen.“ Nun kam sich Marianne ordentlich wichtig vor, nahm von dem Geld, was sie brauchte, vergaß auch nicht, den Posten zu buchen. Von jetzt ab überlegte sie jedesmal mit der Mutter, wenn irgend eine kleine Ausgabe vorlag, ob sie diese ihrer Kasse wohl zumuten dürfte. Welche Freude empfand ihr kleines Herz, wenn sie sich am Sonntag ihren Missionsgroschen für den Kindergottesdienst herausnehmen, wenn sie der Mutter zum Geburtstag eine hübsche Tasse oder sich selbst einmal etwas Obst kaufen konnte. Doch auch die Einnahmeseite blieb nicht leer. Jedesmal, wenn sie Frau Grabows Kinder betreut hatte, bekam sie eine Barzahlung dafür, und stets war die Freude groß, wenn sich ihr kleines Ver mögen wieder vermehrte. Wie schön, daß sie eine Mutter hatte, die sie dazu anhielt, weder verschwenderisch zu werden, noch gei— zig zusammenzuscharren. Naschereien und andere unnütze Dinge durfte sie nicht kaufen; und wollte sich in solchem Falle ihr Ge— sichtchen einmal schmollend verziehen, so genügte es, wenn die Mutter ihr sagte:„Ich glaube, du würdest dich schämen, wenn jemand in deinem Ausgabenbuch lesen würde, für welch törichte Sachen du Geld weggeworfen hast, während deine Mutter mit dem Pfennig rechnen muß“. Besann sich Marianne aber einmal etwas lange, ob sie wohl für den guten Zweck auch eine Kleinig⸗ keit beisteuern sollte, so hieß es:„Wir wollen doch einmal se— hen, von wieviel Freuden dein Büchlein redet, die du dir bereiten konntest,“ und schon fand die Kleine es selbstver⸗— ständlich, auch zu andrer Menschen Freude beizutragen. Das Schönste aber kam am Ende jeden Monats. Da wurde Kassen⸗ abschluß gemacht, und sobald sich ein Bestand von einigen Mark ergab, wurde beraten, wieviel man wohl für die Sparkasse zu— rücklegen könnte. Das Erübrigte sammelte die Mutter auf, bis fünf Mark zusammenwaren, und dann durfte es Marianne selbst auf die Kasse tragen. Sie besaß ein eigenes Sparkassenbuch und hatte sich das Ziel gesetzt, für ihre Einsegnung zu sparen. Es ist allemal eine festliche Begebenheit für unsere kleine Freundin, wenn sie ihr Erspartes einzahlt; aber sie hängt doch ihr Herz nicht an das Geld; denn sie hat von ihrer treuen Mutter ge—

lernt, sich nur als Haushalter über dasselbe anzusehen. Wenn sie solche Gesinnung behält, dann werden einmal in ihrem

Haushalt Sparsamkeit und Barmherzigkeit, Mäßigkeit und Be⸗ haglichkeit einander die Hand reichen.

Auch dein Kind, liebe Mutter, verdient sich vielleicht durch kleine Dienstleistungen schon während der Schulzeit etwas, Nicht wahr, du nimmst ihm nicht alles ab, auch wenn du selbst⸗ sehr rechnen mußt, sondern läßt ihm etwas, wenn es auch noch so wenig ist, an dem es lernen kann, ein Eigentum zu verwalten, Das wird dir und ihm für später Zinsen tragen. Nimm dir aber auch die Zeit, es zu einer rechten Verwendung desselben anzu⸗ leiten. Dein Kind wird es dir dereinst danken.

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