nämlich zur Freiheit und Gerechtigkeit.
diese Sache klare Stellung zu nehmen,
Sonnabend, den 23. Juli 1927.
„Evangelische Warte“
Nr. 30.
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politik der mächtigsten aller Parteien Deutschlands, der Zen⸗ trumspartei, beweist. Auch wir im Hessenlande haben sehr unter diesen Verhältnissen zu leiden, da ja auch bei uns, wie im Reiche, die katholische Volksgemeinschaft, die Zentrums— partei, das Zünglein an der Waage ist und angesichts dieser Tatsache nützt natürlin, diese Partei ihre Macht aus. Herr Pfarrer Veller forderte deshalb zum politischen Zusammenschluß aller Evangelischen auf, einerlei welchen Standes oder Berufes, da die Interessen aller Evangelischen in der Evangelischen Volksgemeinschaft, die eine Partei der Mitte ist, die alle Klüfte zu überbrücken sucht. Wir von der Evangelischen Volksgemein⸗ schaft sind der Ueberzeugung, daß unser deutsches Vaterland auf Grund deutsch-evangelischer Weltanschauungen nur wieder gefunden kann, wenn wir alle einsehen, daß wir für einander und nicht gegeneinander da sind und daß wir allen guten Wil⸗ lens sind, die bestehenden Gegensätze zu überbrücken. Wir von der Evangelischen Volksgemeinschaft wollen es uns zur Aufgabe machen, solchen Geist in unser deutsches Vaterland hineinzu— tragen, damit wir einst sprechen können mit Emanuel Geibel: an deutschem Wesen soll alles genesen. Als zweiter Redner sprach der Reichsgeschäftsführer Herr Pfarrer Weidner über das Thema:„Warum gebrauchen wir eine epangelische Partei im hessischen Landtag?“ Auch er legte in klaren Worten dar, daß es unter keinen Umständen mehr so weiter gehen könne, daß endlich einmal eine wahre christliche Partei auf den Plan trete, die dem arbeitenden Volke zu dem verhelfe, was ihm gebührt, Auch die Konkordats⸗ frage wurde von Herrn Pfarrer Weidner gestreift und gab er von der traurigen Tatsache Mitteilung, daß der jüngst in Kö— nigsberg getagte Reichskirchenausschuß aus politischen Gründen nicht einmal Stellung genommen hat zu der Schicksalsfrage des deutschen ev. Volkes. Von der Konkordatsfrage hatte man von der Evangelischen Volksgemeinschaft in aller erster Linie erwartet, daß man hier klar bekennt, daß wir Evangelische ein jedes Kon⸗ kordat ablehnen. Wir brauchen kein Konkordat, wir lehnen eine jede Vergewaltigung unseres geistigen Lebens ab und da es bis jetzt keine der bestehenden Parteien von der rechten so— wohl als auch von der linken es über sich gebracht hat— viel— leicht aus Koalitionsgründen oder sonstigen Gründen— gegen so ist diese neue Be— wegung zu begrüßen, damit man auch einmal weiß, daß man auch für evangelische Bürger etwas übrig hat. Herr Pfarrer Weidner legte an Hand von Beweisen dar, zu welcher Macht— entfaltung es die Zentrumspartei im Hessenlande gebracht hat, wozu ihr alle Parteien, mit Ausnahme der Kommunistischen, sehr gute Vorspanndienste geleistet hatten. Anser Vertrauen zu allen Parteien ist dahin und deshalb kann nur noch die Parole eines bewußten Evangelischen lauten:„Mein Platz ist in der Evangelischen Volksgemeinschaft“ und alle unsere Erfolge land— auf und landab 2 1 5 8 wir 5 der richtigen Fahrt sind,
daß man uns will. Angesichts dieser Erfolge sind wir auch da⸗ von überzeugt, daß wir in der kommenden Landtagswahl einen klaren Sieg erringen werden. Wartburggeist ist unsere Losung, Wartburggeist wollen wir pflegen, evangelisch wollen wir sein, frei wollen wir sein, deutsch wollen wir sein, darum kämpfen mir gegen den Ultramonianismus, das nach der Weltherrsch eat strebende Papsttum. Wir wollen absolut nicht die Zentrums⸗ zartei vernichten, wir wollen nur ihren Einfluß verringern. Darum forderte der Redner alle Anwesende auf, mit uns zu kämpfen, einzutreten in unsere Reihen und unserer heiligen Sache mit zum Siege zu verhelfen. Der dem Redner gespendete Beifall beweist, daß er allen aus dem Herzen gesprochen hat Zur Diskussion meldeten sich drei Redner und zwar Herr Re— densbach(Dissident), Herr Kammerer, sowie auch der National- sozialist Herr Sezner. Dieselben erklärten sich mit dem Ziele der Partei einverstanden, sodaß eine Auseinandersetzung vermieden wurde. Als nach diesen Rednern noch einmal Herr Pfarrer Veller sowohl, als auch Herr Pfarrer Weidner das Wort ergrif⸗ fen hatten, schloß gegen Mitternacht der Vorsitzende der Orts— gruppe Worms, Herr Götz, die glänzend verlaufene Ver— sammlung. Auch ein Studienrat aus Norddeutschland, der auf der Durchreise von Worms begriffen war, nahm an der Ver— sammlung teil. Er bat Herrn Pfarrer Weidner, auch einmal in seine Heimat zu kommen, wo wir mit offenen Armen emp⸗ fangen würden, wo man auf eine solche Partei wartet.
Sossenheim(Kr. Höchst a. M.) In einer gut besuchten Mit⸗ gliederversammlung der Evangelischen Volksgemeinschaft am 14. ds. Mts. hielt Herr Dr. Moegenburg-Frankfurt a. M. einen au⸗ ßerordentlich fesselnden Vortrag über„politische Augenblicks⸗ fragen“. Der Redner verstand es meisterhaft, die Tagesprobleme darzulegen und sie von der grundsätzlichen Seite unserer Bewe⸗ gung aus zu beleuchten. Die Anwesenden folgten seinem mehr⸗ stündigen Vortrag mit ungeteilter Aufmerksamkeit und zollten ihm für seine auch in rethorischer Beziehung hervorragende Lei— stung vollste Anerkennung. Interessantes berichtete auch der Vorsitzende der Ortsgruppe. Mit Befriedigung stellte er fest, daß der Mitgliederbestand trotz großer örtlicher Schwierigkeiten der letzten Zeit gewahrt blieb und der Kreis unserer Freunde heute gefestigter denn je dasteht. Eingehende Erörterung fand der Frankfurter Vortrag des Herrn Dr. Ströhle-Stuttgart über „Evangelische Volksorganisation, aber keine politische Partei“. Verständlicherweise konnte sich niemand für die Gedankengänge des Letztgenannten erwärmen. Man schied erst in sehr vorgerück⸗ ter Stunde, und zwar— das gilt wohl für jeden Einzelnen— hochbefriedigt über den schönen Verlauf des Abends. E. M.
Freiensteinau. Am 3. Juli fand hier eine Versammlung der Evangelischen Volksgemeinschaft statt, die trotz Sängerfest in Schlüchtern recht gut besucht war. Die Leitung der Versammlung übernahm Herr Apotheker Veesenmeyer-Gedern an Stelle des er— krankten 2 Föller aus Glashütten. Während e in der
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Einleitung über die Verbreitung der E. V. in Hessen und im Reiche sprach, beschäftigte sich der Hauptredner, Herr Reichsge⸗ schäftsführer Weidner, mit der innerpolitischen Lage Hessens, insbesondere mit dem Konkordat. Die Redner hatten durch die gespannte Aufmerksamkeit der Zuhörer und nachher bei der all⸗ gemeinen Aussprache die Ueberzeugung gewonnen, daß die Ver— sammlung den gewünschten Erfolg hatte. Den Vertrieb der „Evangelischen Warte“ wird vorerst Ortsdiener Fehl überneh⸗ men. Eine Organisation des Zeitungsbezugs erlaubte leider nicht mehr die Zeit, da am Abend desselben Tags in der Wet⸗ terau eine zweite Versammlung einberufen war.
Mainz. Am 8. Juli, abends 8,30 Uhr, fand im ev. Vereins- haus die Mitgliederversammlung der E. V. statt. Es waren weit über 100 Personen anwesend. Herr Studienrat Pröscher begrüßte die Anwesenden, dankte besonders den verehrten Damen für das zahlreiche Erscheinen und erteilte dann dem Hauptredner Herrn Pfarrer Weidner das Wort. In einer 278 stündigen schwungvollen Rede schilderte derselbe die Nöte der evangeiischen che und forderte die Anwesenden auf, für die groß Seche der Volksgemeinschaft fleißig und energisch zu werben, damit wir bei der im Herbst stattfindenden Landtagswahl gut abschnitten und hierdurch unserem Ziel näher kämen. Alle Zuhörer folgten mit größter Aufmerksamkeit den Ausführungen des beliebten Redners und zögerten nicht mit stürmischen Beifallsbezeugungen. Der Redner betonte besonders, daß die Lauheit der Evangelischen viel an dem Elend die Schuld trage. Wir müßten uns einigen und mit allem Ernst gegen die trostlose Lage kämpfen, damit wir wieder im öffentlichen Leben mitsprechen und unserem Wort das nötige Gewicht verschaffen. Auf keinem Fall dürfe es so weiter gehen, so würden wir vollständig an die Wand gedrückt. Freudig betonte der Redner, daß es sich im evangelischen Lager Deutschlands jetzt überall rege und in allen Gauen auf unser kleines Hessen schauen— ob wir die Feuerprobe bestehen und bei der Landtagswahl durchringen werden. Dies müsse für uns ein Ansporn sein, alles daran zu setzen und für die große, ernste Sache zu werben und zu kämpfen, damit unsere Wünsche wieder respektiert und unsere Kirche wieder gleichwertig behan— delt wird. Der Herr Redner sprach dann noch über Mischehe, Konkordat, Reichsschulgesetz und eine von Zentrumsleuten vor⸗ geschlagene evangelische Volksgemeinschaft. Letztere wurde von Herrn Pfarrer Weidner gebührend beleuchtet und für uns als unannehmbär verworfen. Das neue Wahlgesetz in dem demo— kratischen Staat Hessen wurde unter die kritische Lupe genommen und mißbilligt. Für die vorzüglichen Ausführungen wurde dem Herrn Redner stürmischer Applaus gezollt. Zu einer Diskussion meldete sich niemand. Dann folgte noch eine Verlesung eines Werberufes um für die E. V. emsig zu werben. Nach dem Ge⸗ sang des ersten Verses des Lutherliedes„Ein feste Burg“ fand die glänzende Versammlung ihr Ende. Mehrere Anwesende mel— deten sich als Mitglieder.
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