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Evangelische Warte

Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft

bauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). gerantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, ür den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz.

jür Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert.

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am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg.,

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, Jahrgang.

Der Reichswirtschaftsminister, Herr Dr. Cur⸗ ius, hat auf dem nordwestdeutschen Handwerkstage in Lüneburg sich ausführlich mit dem deutschen Hand— werk in der Gegenwart befaßt. Die Rede kündigte ver—⸗ shiedene Maßnahmen an, die von der Reichsregierung ur Anterstützung des Handwerks geplant sind und in gächster Zeit schon durchgeführt werden sollen.

Bemerkenswert war an den Ausführungen des Reichswirtschaftsministers vor allem das Bekenntnis von der Notwendigkeit des Handwerks. Schon seit Jah— zen gibt es in der deutschen nationalökonomischen Wis— senschaft eine Richtung, die die Existenzberechtigung des Handwerks verneint und der Ansicht ist, das Hand⸗ verk. müsse der fortscheitenden Technik und Normalisie— zung erliegen. Während der Inflationszeit hatte es uch oft den Anschein, als ob die kleinen Handwerks— eister nicht mehr mit der Entwicklung Schritt halten öönnten und als ob die Scheidestunde des Handwerks us der deutschen Wirtschaft gekommen sei. Wer aber efer in die Zusammenhänge blickte, mußte nch sagen, gaß ein so starker und in gewisser Beziehung unersetz⸗ arer Stand bei der Rückkehr normaler Zeiten unmög⸗ ich von der Bildfläche verschwinden und von der Mecha— lik der Industrie nicht aufgesogen werden könnte. Der bekannte Leipziger Volkswirtschaftler, Professor Bücher, at es denn auch immer mit Ueberzeugung ausgespro— hen,„daß das Handwerk als Betriebsform nie völlig untergehen kann“. Es besteht heute kein Zweifel dar— ber, daß das Handwerk auch in seiner durch Jahrhun⸗ gerte überlieferten Betriebsform in einer Zeit ausge— grägtester Mechanisierung Daseinsberechtigung und Zu⸗ unft hat. Wo die Leistung durch ein individuelles Be— ürfnis bedingt ist, hören, wie Dr. Curtius in Lüneburg hr richtig sagte, die Grenzen der fabrikmäßigen Güter⸗ sitzeugung auf. Hier muß das Handwerk eingreifen, und es wird in dieser Beziehung auch nie zu entbehren in. Außerdem wird man für Reparaturen immer handwerksmäßig geschulte Kräfte brauchen. Ebenso lr gewisse Arbeiten, die nun einmal nicht fabrikmäßig eschaffen werden können. Es ist sehr erfreulich, daß ch die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Existenz

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es Handwerks wieder mehr und mehr durchsetzt und aß, je mehr die Mechanisierung und Typisierung in ler Industrie fortschreitet, das Bedürfnis nach dem sgandwerker wieder größer wird.

Sonnabend, den 20. Auguft 1927.

Das deutsche Handwerk.

Zur Lüneburger Rede des Reichswirtschaftsministers.

Aber das Handwerk hat heute mit besonders schwe— ren Sorgen zu kämpfen. Zum Teil leidet es noch unter den Nachwehen der Inflation, zum Teil aber bedrücken es Sorgen, die in der Gestaltung unseres Wirtschafts— lebens begründet sind. Vor allem ist es die Kredit⸗ frage, die es gar manchem Handwerksmeister nicht ge— stattet, das zu leisten, was er eigentlich leisten könnte. Hat schon die mittlere und kleine Industrie damit zu kämpfen, die nötigen Betriebskredite aufzubringen. so erst recht das Handwerk. Der Reichswirtschaftsminister hat nun versprochen, mit den Ländern in Fühlung zu treten, um zu bewirken, daß die Sparkassen in vermehr— tem Umfange zu der Anlage ihrer Spargelder in kleine— ren Hypothekenkrediten übernehmen. Hoffentlich wird es auf diese Weise möglich, auch dem Handwerk das nö— tige Geld zufließen zu lassen, damit mancher Meister seinen Betrieb verbessern kann. Es ist nur bedauerlich, daß die Reichsregierung gerade für das Handwerk keinerlei Kredite mehr zur Verfügung stellen will, ob— wohl es bisher immer Stiefkind in dieser Beziehung ge— wesen ist. Des weiteren ist gerade das Handwerk durch die außerordentlich hohen Steuerlasten stark bedrückt. Hoffentlich schafft das neue Reichsrahmengesetz für die Realsteuern die dringend notwendige Erleichterung, in— dem die Grund- und Gewerbesteuern gesenkt werden.

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Wir von der Evangelischen Volksgemeinschaft be— grüßen die Worte des Reichswirtschaftsministers auf⸗ richtig. Wir halten das schwer um sein Dasein ringende Handwerk für ein wichtiges Glied unseres Wirtschafts⸗ lebens. Deshalb haben wir es auch mit Genugtuung begrüßt, daß der Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius persönlich an dem Lüneburger Handwerkstag teilnahm. Hoffentlich bleiben seine Ausführungen nicht nur schöne Worte, sondern werden bald in die Tat umgesetzt.

Im Schatten des Konkordats.

Unter dieser Ueberschrift ist in Nr. 32 der„Deutsch— Evangelischen Korrespondenz“ zu lesen:

„In einer Kreisstadt der südl. Rheinprovinz wurde im Anfang dieses Jahres der Versuch gemacht, eine evangelische Frau vor ein„geistliches Gericht“ zu laden, um ihr dort über ihre Ehe verfängliche Fragen vorzu—

Nummer 34

legen, damit der von ihr geschiedene und katholisch ge— wordene Ehemann sich wieder verheiraten und katholisch getraut werden kann. Der Tatbestand ist folgender:

Die Ehe C. wurde am 9. Mai 1924 durch das Land⸗ gericht K. geschieden. Als schuldiger Teil wurde der Ehemann E. erklärt. Kurz vor der Scheidung am 12. Februar 1924 schrieb C. an den Vertreter der Ehe— frau, daß er die Absicht habe, katholisch zu werden und ein katholisches Mädchen zu heiraten. Zum Schluß schreibt er wörtlich:

„Also: Ich habe die Absicht, katholisch zu werden und ein katholisches Mädchen zu heiraten. Nach einer Rücksprache mit einem katholischen Geistlichen emp— fahl mir dieser Herr, folgende Erklärung von meiner früheren Frau einzuholen:

Ich erkläre, bei Eingang der Ehe mit Herrn K. C. die Absicht gehabt zu haben, daß ich mich nicht nur alleine mit diesem abgeben wollte..... Unter⸗ schrift.

Darunter kann man ja vieles sagen wollen oder verstehen. Habe ich diese Bescheinigung, die ich nur dem Geistlichen und sonst niemand vorzulegen brauche, so steht einer katholischen Trauung nichts im Wege. Ich persönlich erkläre meiner früheren Frau auf Ehrenwort und nehme es auf meinen Eid, daß ich diese Erklärung in keiner Weise sonstwie gegen sie verwende.“

Er bittet zum Schluß nochmals dringend, die Ehe— frau zur Unterzeichnung dieses Schriftstückes zu über⸗ reden. Darauf bekam er eine absagende Antwort. Nach einigen Monaten, nachdem die Scheidung inzwischen ausgesprochen war, erhielt Frau C. einen Brief von ihm, worin er ihr mitteilte, daß ein Stadtverordneter aus X. mit einem Schriftstück zu ihr käme, das sie unter— schreiben möchte. Es solle ihr Schaden nicht sein. Das Schriftstück hatte den gleichen Inhalt, wie die vorer— wähnte Erklärung. Frau C. weigerte sich jedoch wieder⸗ um, dieses zu unterschreiben. Einige Monate später, etwa im August 1924, kam ein Herr N. zu dem Vertreter der Ehefrau und wollte mit Frau C. in seiner Gegen— wart verhandeln. Auch hier sollte Frau C. eine münd⸗ liche Erklärung abgeben, die dem Inhalt der Nieder- schriften in dem Brief vom 12. Februar 1924 entsprach. Dies tat sie ebenfalls nicht u. ist der Abgesandte wieder unverrichteter Dinge abgereist. Am 3. Oktober 1925 er⸗ hielt der Vertreter der Ehefrau C. wiederum ein Schrei— ben des C., auszugsweise folgenden Inhalts:

„Noch einmal wende ich mich mit einer Bitte an Sie, die ich, um Mißverständnisse vorzubeugen, glaube tun zu müssen. Lediglich der Form halber wird, so

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— 2 f 2 N Vom Sammeln.

2. Korinther 9,6 und 7. Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeglicher nach seiner Willkür, nicht mit Unwillen oder aus Zwang;

denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.

Die Zeit der Ernte ist jetzt in vollem Gange. Wie stehen de Felder in diesem Jahre wieder so reich an Garbenhaufen. Ar die Arbeit des Frühjahrs und des Sommers wird der Bau⸗

esmann belohnt durch reichen Ertrag. In dieser Zeit pflegt nan bei uns auf dem Lande gerne daran zu erinnern, daß viele Lände nun offen sind, um auch etwas aus diesem Erntesegen zu seupfangen. Von alters her waren ja die Landleute opferwillig. Aber es ändern sich ja in manchen Orten die Sitten. Warum il sich in der Opferwilligkeit nichts ändern? In Orten, wo de Gebefreudigkeit verloren ist, da hat der Sammler einen sucht unerfreulichen Stand. Sagt der Pfarrer eine Kirchenkol⸗ lite an, dann brummelt es:„Schon wieder einmal gebettelt.“ erden Sammler in die Häuser gesandt, dann kommen sie wie⸗ dir und erzählen die unfreundlichen Worte, die sie hatten an⸗ Wie schamlos benehmen sich manche Männer u diesem Falle. Wer für arme Menschen oder für seine Glau— Uhsbrüder nichts übrig hat, der soll sich still schämend sagen: Ih gebe nichts“. Aber die häßlichen Bemerkungen sollte jeder Celzhals sparen. Die Listensammlungen sind besonders solche, wobei man viel schevangelischer Geist feststellen muß. Ist da ein wohlhabender Menn ein Geizhals, dann kann er die ganze Sammlung ver⸗ daben. Denn wenn diese gur 50 Pfennig gibt, der 5 K geben kihnte, dann braucht doch un anderer nur 5 Pfg. zu geben. Es fh da vieles schlecht in. anchen Gemeinden.

Der römische Christ gibt aus einem anderen Grund als der gaungelische. Er gibt, um sich damit die Seligkeit zu verdienen.

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Der evangelische Christ kann sich die Seligkeit nicht verdienen.

Für ihn ist der Himmel eine freie Gnade Gottes. Der Glaube allein macht uns gerecht bei Gott. Es ist aber der Glaube, von dem Paulus in Gal. 5,6 schreibt, daß er durch die Liebe tätig sein muß. Jakobus schreibt:„Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er tot an sich selber.“ Aus dem Glauben müssen dem— nach Liebestaten hervorgehen. Wie klein muß der Glaube sein, in den Gemeinden mit geringer Opferwilligkeit!

Paulus hat auch das schwere Amt des Sammelns über— nommen. In seinen griechischen Gemeinden sammelt er für die verarmte Christengemeinde in Jerusalem. Für ihn war es eine Art Gottesdienst. Das ist ja auch. Wenn wir für Notleidende opfern, dann tuen wir unserem Heiland den schönsten Dienst. Er sagte ja:„Was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir getan.“ Wir können ja unseren Herrn nur in seinen geringsten Brüdern am schönsten lieben. Der Apostel vergleicht nun das Geben mit dem Säen. Wer für Arme gibt, der sät Liebe. Wer wenig Liebe sät, der hat nicht viel Liebe zu ernten. Wer sät im Segen, der wird im Segen ernten.

Der römische Christ muß opfern. Der evangelische Christ darf opfern. Für den einen ist es ein Zwang, für den anderen ist es freier Wille. Auch Paulus will es nicht anders in seinen Gemeinden haben. Es ist eine Bestärkung, daß wir Evangelische auf dem rechten Wege sind, wenn wir bei Paulus lesen:„Ein jeglicher nach seiner Willkür, nicht mit Unwillen oder aus Zwang.“ Es ist leichter, sich unter einen Zwang beugen, als in Freiheit das Richtige zu tun. Das erzieherisch Höhere ist auf alle Fälle die Freiheit. Allerdings merkt man in dem Gebrauch

der Freiheit auch sogleich die menschliche Unvollkommenheit. Das wollen wir Christen ja merken, damit wir demütig werden vor Gott, dem Inbegriff alles Vollkommenen.

Schließlich fordert der Apostel auch ein fröhliches Geben.

Solches ist aber nur in der Freiheit möglich. Ein gezwungener

22.24. Oloher in Manz Sal.

Mensch ist nie froh. Auch muß er etwas gerne tun, wenn er

daran Freude haben muß. Der reiche Jüngling sollte sich tren— nen von seinen Gütern. Das hätte er gezwungen nur mit schwe— rem Herzen getan. Jesus zwang ihn nicht. Er brachte diese Trennung nicht über das Herz. Das Irdische war ihm zu lieb. Da ließ ihn Jesus traurig seiner Wege gehen. Zwar hatte er ihn lieb gewonnen. Wer aber noch so am Irdischen hängt, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Merken wir uns das! Wie viele glauben mit geschlossenen Händen in den Himmel kommen zu können. Das geht nicht. Das ist unmöglich. Wer seinen Erdenbesitz mehr liebt, als daß er ihn für das Kommen in das Himmelreich opfern kann, der steht in der Todesstunde arm da. Bei Schwenker, Geänderte Texte S. 200 lesen wir:„Ein vornehmer Mann in England hatte einen Narren, dem er einen Stab gab, den er solange tragen sollte, bis er einen größeren Narren fände. Der Herr wird totkrank, der Narr tritt ans Bett:„Wo gehst du hin?“—„In eine andere Welt!“— „Wann kommst du wieder, in einem Monat?“—„Nein.“— „Uebers Jahr?“—„Ach nein.“—„Nimmer?“—„Nimmer.“ —„Was für Zurüstung hast du getroffen der du eine so lange Reise vorhast?“—„Keine.“—„Du willst auf ewig fort und hast an keine Vorbereitung gedacht? Nimm meinen Stab, denn ein so großer Narr war ich nie.“ Laßt uns Toren Klugheit ler⸗ nen, die Zeit wie der Landmann auskaufen, so lange Saatzeit ist, bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden. Paulus sagt:„Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten.“

Gott schüttet seine Gaben so reich aus über die ganze Mensch— heit. Frage dich, lieber Leser, was du von den vielen Gottes— gaben verdient hat? Bist du so ein reiner Engel, daß dir Gott etwas schuldig ist? Nein, das ist keiner. Gottes Gnade macht uns reich. Sie verpflichtet deshalb. Du bist nur Haushalter der mancherlei Gnade Gottes. An dir liegt es, ein guter und treuer Haushalter zu sein, der den Dankeszins nicht schuldig bleibt. Amen. Hr.