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Sonnabend, den 19. März 1927.
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tanen Mitglieder die Hände gebunden sind. Von dieser Partei ist eine Vertretung evangelischer Belange nicht mehr zu erwarten.
Die Krise im Jungdeulschen Orden.
Die Pressestelle der Ballei Oberhessen des Jung⸗ deutschen Ordens bittet uns um folgende Richtigstellung: . Es ist nicht richtig, daß im Jungdeutschen Orden starke ultramontane Einflüsse wirksam sind, wofür wir
„Evangelische Warte“
als Beweis einen Bericht aus Marburg anführten, daß!
dort am 23. Februar der Jesuitenpater Joseph Kauf⸗ mann auf Einladung des Jungdeutschen Ordens einen Vortrag gehalten haben soll.
Richtig ist vielmehr, daß der ehemalige Kaplan Kaufmann seit 1924 auf Grund eines päpstlichen Dis⸗ penses als römisch⸗katholischer Laie lebt und Ordens⸗ bruder ist und daß er seine jungdeutsche Ueberzeugung nicht einem sicheren Broterwerb zuliebe geopfert hat.
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N Nr. 12
Wir geben sehr gern unseren Lesern von obiger Be⸗ richtigung Mitteilung und weisen darauf hin, daß wir einen Irrtum in der uns gewordenen Meldung aus Marburg offen gelassen haben. Inzwischen haben wir uns über den Werdegang des Schriftstellers Joseph Kaufmann unterrichtet und gefunden. daß derselbe nie Mitglied des Jesuitenordens war. Wir glauben, daß nun die Krise im Jungdeutschen Orden genügend besprochen worden ist und schließen damit die Aussprache.
Die Schriftleitung.
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Fit ein Leben nach dem Tode denkbar?
Eine volkstümliche Betrachtung von F. Haupt⸗Gießen.
5 Arnold Böcklin hat ein Bild gemalt, dem er die Ueberschrift gab:„Die Toteninsel“. Steil und trotzig ragen da Felsen aus dem Meere empor— ein Bild des harten, unerbittlichen Schicksals. Dazwischen stehen dunkle Zypressen, geheimnisvoll, als redeten sie von den Rätseln des Todes. Darüber liegt ein
dunkler Wetterhimmel und erfüllt die Menschenseele mit Angst
und Grausen. Im Vordergrunde plätschert das Meer wie eine
stille, unaufhörliche Klage. Auf dem Meer, da fährt ein Kahn.
und auf dem Kahn, da steht ein Sarg, und über den Sarg ge— beugt eine Frauengestalt. Kahn und Sarg und Meer wie eine % Mahnung: Menschenkind, denke daran, daß du sterben mußt, auch eln, deines Lebens Schifflein wird einmal ankommen vor der harten, hey, unerbittlichen Pforte des Todes. Aber das Bild malt nicht nur das ub SGrausen. Wenn man den Wolkenhimmel näher betrachtet, ent⸗ Jatio deckt man einen hellen Lichtstreifen. Was soll das sein? Ein
ul Schimmer der Hoffnung? Glaube an eine Ueberwindung des g, Todes? Von diesem Glauben, dieser Hoffnung wollen diese du Zeilen reden.
I Sie sollen auch zur Insel des Todes führen, die einsam und lichen 1 grausig im Meere des Lebens liegt. Allerdings möchte ich einen ona, anderen Weg dahin einschlagen als den, den man gewöhnlich als 5 b. 9 teligiöser Mensch geht. Ich möchte auch den gerne mitnehmen, gte der den religiösen Weg zu gehen scheut, weil ihm zuviel Steine fe auf dem Wege liegen. Ich möchte den Weg des reinen Denkens e gehen, den Weg der Wissenschaft. Deshalb habe ich ja auch die sätte Frage formuliert: Ist ein Leben nach dem Tode denkbar?
t da 1 Freilich, auch dieser Weg ist nicht so eben und sicher, wie muß, viele namentlich in unseren Tagen glauben. In vielen Kreisen gc hält man die Wissenschaft für allmächtig, für das gewaltige Licht, un das alle Dunkelheit erleuchtet. So ist es nicht. Wissenschaft hat tig ißre Grenzen, und sobald man an diese kommt, versagt das Licht sh. der Wissenschaft und wird zum trüben Fackelschein. Ein klein 10 A wenig erleuchtet es mir den Weg; aber in den Tiefen bleibt es 5 f dunkel. Das haben alle Großen im Reiche des Geistes immer
wieder erkannt, darum sagte der alte Philosoph:„Wir wissen, daß wir nichts wissen.“ Darum sagt Paulus:„Unser Wissen ist Stückwerk und unser Weissagen ist Stückwerk.“ Goethe beschäf⸗ tigte sich mit derselben Frage in seinem Faust. Darin beginnt er mit den Worten:
Habe nun, ach, Philosophie,
Juristerei und Medizin
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Thor!
Und bin so klug als wie zuvor. Faust steht vor seinem Instrumentenschrank. Mt diesen In⸗ strumenten wollte er das Tor aufschließen, das den Weg zur Wahrheit verschließt. Er muß bekennen: Ihr Instrumente freilich spottet mein, Mit Rad und Kämmen, Walz und Bügel. Ich stand am Tor, ihr solltet Schlüssel sein; Zwar euer Bart ist kraus, doch hebt ihr nicht die Riegel. Geheimnisvoll, am lichten Tag Läßt sich Natur des Schleiers nicht berauben,
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„Da waren wir ja richtig in Teufels Küche geraten, Herz⸗ chen“, scherzte Dore.„Kommt nur schnell in den Wald hinein, daß wir den Seelenfrieden wiederfinden.“
d Frau Benningsen schob ihren Arm in den Arles:„Ich will doch nicht hoffen, daß euer Seelenfrieden auf so schwankem Sockel
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%% steht, daß diese Anke ihn umwerfen kann.“
15%„So nervenschwach sind wir nicht, Mütterchen. Aus den le Augen, aus dem Sinn!“ antwortete Urle. Trotzdem verdunkelte ab sich ihr Blick, als er die Wipfel der Baumkronen suchte, und Bonk verstärkt beschlich sie das Gefühl der Anruhe wie daheim.
. Es war ein grasüberwachsener, breiter Waldweg, der sich ub durch den sommerlichen Tann zog, nur zuweilen drang vollere⸗ 0 Licht herein, wenn vollsaftiges Grasgelände oder junger Bestand 1 mit dem Hochwald wechselte. Vereinzelte Spaziergänger oder
kleine Gruppen gingen in kurzen Pausen an ihnen vorüber, und ib das übermütige Lachen, die Jauchzer und Jodler zeugten von der 5 Frohlaune, die der Wald schuf. Plötzlich endete der Wald, als
10 0 0 schlage ein grüner Vorhang zurück, und vor den staunenden 1 Blicken lag das imposante Kloster Heiligenstein in ruhiger fit U Schöne. 5 e
l 1 Sie gingen in das blühende Tal hinab und die steinerne, bie Ingefäge, sogenannte Hexentreppe wieder hinauf, welche direkt 0 vor dem Klosterpförtchen endete. Ganz der Neuzeit entsprechend
70 hing ein Schaukasten mit Postkarten an Bruder Pförtners Tor⸗ ö 9 warte und er schien gut einzuheimsen, den eine ganze Anzahl Radfahrer feilschten und handelten mit dem freundlichen Alten herum.
5„Siehe nur die Mönchlein,“ wunderte Dore in ihrer drolli— gen Weise,„sie scheinen nicht nur zu beten, sondern auch ihren Vorteil gut im Auge zu haben. Gelt, wir setzen sie auch in Nahrung. Ich werde jetzt mit einem wirklichen Mönch ver⸗ handeln und eine ganze Postkarte erstehen.“ Leichtfüßig sprang
Im Familienfreis
Und was sie deinem Geist nicht offbaren mag, Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben.
Darum der Verzweiflungskampf des Dichters in seinem Faust:„Daß wir nichts wissen können, das will mir schier das Herz verbrennen!“ Dieselbe Klage, die der alte Philosoph schon erhob und die immer wieder wird erhoben werden. Es ist nicht so, wie die Naiven meinen, daß mit dem Fortschreiten der Wissenschaft die Menge des Unerforschten immer kleiner werde. Wissenschaft hat Grenzen, und diese lassen sich nicht verschieben. Es ist so, wie ein Philosoph der Neuzeit sagte:„Wir wissen nichts und wir werden nichts wissen.“ Nur ein Beispiel. Ein Stein fällt, ein scheinbar ganz einfacher Naturvorgang. Aber nur scheinbar, in Wirklichkeit ein großes Rätsel. Warum fällt denn der Stein? Weil ihn die Schwerkraft anzieht. Was ist aber Schwerkraft, was ist überhaupt Kraft? Ein Wort, kein Begriff. Wie fängt die Schwerkraft es an, den Stein zu Boden zu ziehen? Antwort: Wir wissen es nicht. Selbst die Naturwissenschaft steht vor lauter Rätseln. Sie kann wohl verwickelte Erscheinun⸗ gen auf scheinbar einfachere zurückführen; aber diese einfacheren sind gar nicht einfach, sondern in Wirklichkeit große Rätsel.
Warum ist das so, warum hat Wissenschaft Grenzen? Eine Ant⸗ wort möchte ich auf diese Frage geben. Wissenschaft arbeitet mit unseren fünf Sinnen. Sie sind ihre Werkzeuge. Aber leider sind diese Werkzeuge nicht so tadellos, wie man gewöhnlich meint, sie sind nur stumpfe Werkzeuge. Betrachten wir einmal den Sehvorgang. Draußen im Garten steht eine Rose; ich sehe, daß die Rose rot ist und weiß doch in Wirklichkeit nicht, was da draußen im Garten eigentlich steht. Mein Auge zaubert nur das Bild der Rose hervor. Von dem Irgendetwas da draußen gehen Aetherwellen aus, Wellen verschiedener Art. Sie dringen durch Linse und Glaskörper ins Innere des Auges, hier treffen sie auf die Netzhaut. Dort endigt der Augennerv. Er ist der große Zauberer, er macht aus den Aetherwellen Licht und Farbe. Licht und Farbe entstehen also erst in unserem Gehirn, außer⸗ halb desselben ist es Aetherwelle. Deshalb kann ich ja auch Licht und Farbe sehen, wenn das Auge geschlossen ist. Wenn ich auf das geschlossene Auge drücke, habe ich Licht- und Farben⸗ erscheinungen. Der Druck reizt den Augennerven und jede Er⸗ regung desselben gebiert solche Erscheinungen. Licht und Farbe werden also in unserem Gehirn fabriziert. Arbeitet der Netz⸗ hautnerv anders als ein normaler, so entstehen auch andere Er⸗ scheinungen. Deshalb mag der Farbenblinde sich anstrengen soviel er will, er sieht nicht die Farben, die der normale Mensch sieht.
Es ist mit dem Hören genau dieselbe Sache. Mein Töchter⸗ chen sitzt am Klavier und spielt, es drückt auf Tasten, an den Tasten hängen Hämmerchen, sie schlagen auf Saiten und die Saiten fangen an zu schwingen. Es entstehen kurze und lange Schwingungen, die auch die umgebende Luft in Schwingungen versetzen. Als sogenannte Schallwellen durcheilen diese Luft⸗ schwingungen den Raum und treffen dabei auch auf unser Trommel⸗ fell. Hier schlagen sie an wie die Meereswellen ans Gestade. Das Trommelfell wird infolgedessen ebenfalls in Schwingungen versetzt. Da an ihm die Gehörknöchelchen hängen, so schwingen auch diese mit. Die Bewegung wird bis ins Gehörwasser über⸗ tragen; hier endet der Ohrnerv. Er wandelt die Bewegung dann um in eine Tonempfindung. Auch die Töne entstehen also im Gehirn. Außerhalb desselben gibt es nur Schallwellen, d. h.
Bruder Zisosimus?“ fragte ein spottlustiges Herrchen.
„Eine Mark mehr“, war die prompte Antwort.
„Dann bitte!“
Er verschwand mit dem Rosenkranz, kam aber sofort zurück.
„Ach, Bruder, das ging aber schnell“, lachte der Besteller und zog seine Börse.
„Ja, ja,“ antwortete er gemütlich,„es geht schneller wie eine Mahlzeit halten.“
„Jetzt bekommen Sie Damenbesuch'“, nickte er bedeutungsvoll und trat höflich zurück.
„Kann ich eine Postkarte bekommen?“ fragte Dore, und eilfertig legte er ihr die verschiedenen Aufnahmen vor. Auch Photographien pries er ihr lebhaft an, wovon Frau Benningsen eine erstand, worauf der weißbärtige Bruder Pförtner sich an die Klosterpforte lehnte. Urle war auf halber Höhe der Treppe zurückgeblieben und hatte sich auf eine Stufe niedergesetzt. Der Weg ermüdete doch. Früher war sie viermal soweit gegangen und sang die Wege entlang in heiterer Sorglosigket.
Wiehern von heranstürmenden Pferden ließ sie über das Tal zum Tann blicken. Da kam das Zigeuner⸗Brautpaar heran⸗ gesprengt in ihrer ungezähmten Wildheit. Raya zeigte hinüber, sprang herunter, Bango koppelte beide Pferde zusammen an einen Baum, und beide kamen in der ihnen eigenen schnellen Gangart herüber.
Urle rückte auf den steinigen Abhang hin, so daß die Hexen— treppe freiblieb, und sah interessiert dem jungen Paar ent⸗ gegen.——
Wie einer Freundin streckte sie ihre Hand Urle zum Gruß hin:„Bango soll Sie sehen; er sieht gern schöne Frauen. Ihr seid doch meine Schicksalsschwester, und ich mußte heute eine
fie die Treppe hinan.
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Schmuckmünze verschenken, weil ich morgen Hochzeit habe, dann
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Daß das wirklich richtig ist, kann man an Fol⸗ gendem sehen. Wenn jemand eine Mittelohrentzündung hat, so hört er fortwährend Töne. Es ist, als ob ein Flieger in der Luft wäre, als ob ein Zeppelin übers Dörfchen kreiste. Die Ge⸗ sunden hören nichts; denn es ist wirklich stille. Warum hört der Kranke? Weil durch die Mittelohrentzündung der Ohrnerd gereizt ist und jede Reizung des Ohrnervs löst einen Ton aus. Deshalb kann ich ja auch jeden Augenblick in meinem Hirn einen Ton hervorrufen. Wenn ich Nase und Mund verschließe und ziehe die Luft im Nasenrachenraum in die Lunge zurück, höre ich einen knackenden Ton. Das Zurücksaugen der Luft hat das Trommelfell eingebuchtet, d. h. bewegt. Diese Bewegung wandelt der Ohrnerv um in einen Ton.
Licht und Farbe macht der Augennerv, Töne der Ohrnerv! Wir selbst erzeugen also die Welt um uns her. Gewiß ist da draußen etwas, von dem diese Aether- und Schallwellen ausgehen. Aber es ist nicht so, wie wir es wahrnehmen. Ansere Wahrnehmungen zeigen uns also eine Welt, die gar nicht so existiert, wie wir sie wahrnehmen, eine Scheinwelt.
Der große Königsberger Gelehrte Kant hat uns vor allem auf diese merkwürdige Tatsache aufmerksam gemacht. Er hat uns gezeigt, daß die von uns wahrgenommene Welt nur eine Welt des Scheins ist, daß wir das„Ding an fich“, d. h. das, was hinter dem Schein steckt, gar nicht wahrzunehmen vermögen. Die Welt sieht aus wie sie aussieht, weil wir nun einmal so konstruiert sind. Wären unsere Sinne anders konstruiert, die Welt um uns her würde ganz anders aussehen. Es gibt auch sicher Dinge, die für uns gar nicht, auch nicht dem Scheine nach, wahrnehmbar sind. Es gibt noch viele Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen sich unsere Schulweisheit nichts träumen läßt, sagt der Volksmund mit Recht.
Wenn dem aber so ist, wenn unsere Sinne nur stumpfe Werk⸗ zeuge sind, dann kann ich auch von der Wissenschaft, die auf die fünf Sinne angewiesen ist, nicht verlangen, daß sie mir die Rätsel dieser Welt löst. Sie ist nicht Sonnenschein, sie gibt nur Fackelschein. Aber ergreifen wir einmal die Fackel der Wissenschaft und betreten wir den dunkelen Weg, der zu den Rätseln des Todes führt. Auf jeden Fall wird es interessant sein, was Wissenschaft zu zeigen vermag.
Zunächst möchte ich aber ein Mißverständnis aus dem Wege räumen, das in vielen Köpfen lebt, die das kirchliche Leben nur von ferne kennen. Es ist ja leider so, daß viele über Kirche und Religion urteilen, die sich am kirchlichen Leben gar nicht beteiligen. Es sind Leute darunter, die sich sonst hüten, über Dinge zu urteilen, von denen sie nichts verstehen. Solche Ent⸗ gleisungen sind ja zu verstehen. Die religiösen Dinge sind eben die wichtigsten. Sie nötigen einen jeden, sich damit auseinander⸗ zusetzen. Aber leider fehlte in einer Zeit, in der die tech⸗ nischen und wissenschaftlichen Errungenschaften die Hirne förm⸗ lich überschütteten und nur zu sehr für sich in Anspruch nahmen, die nötige Sachkenntnis. Solche Mißverständnisse liegen namentlich auf unserem Wege. Lächelnd sieht man auf eine Kirche herab, die von der Auferstehung des Leibes redet. Aber die Kirche meint damit nicht die Auferstehung dieses irdischen Leibes. Sie weiß, daß dieser Leib im Grab verwest. Deshalb sagt der Pfarrer bei jeder Beerdigung: Erde zur Erde, Asche zur Asche, Staub zum Staub. Er will damit doch sagen zu den
bewegte Luft.
„Was kostet der Rosenkranz, wenn er noch benedixiert wird,
Leuten, die am Grabe stehen: Macht euch keine falschen Vor⸗
kann, und geben Sie mir dafür Blumen, habe ich immer Freude!“ Urle mußte lächeln über das naive Naturkind. Sie nahm die Münze in Empfang und erhob sich. Bango trat heran und verneigte sich ritterlich:„Raya ist ein tolles Lieb; aber sie hat nicht gelogen. Die junge Deutsche ist auch schön wie Raya.“
Droben bemerkte man die Fremdlinge. Das glückliche Zi— geunerkind sprang die Stufen hinan und sah vergnügt den Bru⸗ der Pförtner an:„Raya kann die Zukunft prophezeien, gebt Eure Hand her!“ Sie griff nach seiner Linken.
Entsetzt wehrte er:„Das ist sündhaft. Unsere Zukunft weiß Gott allein.“
„Raya auch“, lachte sie und wollte nach seiner verweigerten Hand fassen; aber Bruder Zisosimus war auf seiner Hut.
Die Umstehenden lachten herzlich. Das Zigeunermädel ließ sich nicht beirren:„Dann schenkt mir eine Postkarte“, bat sie, und hastig griff der Mönch danach und legte sie in ihre aus gestreckte Hand. 1
Jetzt wendete sie sich an die Radfahrer. Sie prophezeihte ihnen das tollste Zeug, und die frohe Jugend ging darauf ein. Sie erreichte ihr Ziel; denn alle zogen ihre Börsen.
Unterdessen zeigte Urle ihre Münze und Dorle fragte den Bruder Pförtner, ob sie wohl einige Rosen kaufen könnten. Nein, er verkaufte den prachtvollen Strauß nicht, den er ihr brachte. Aber ein alter Herr, der herantrat, informierte sie, daß dafür gewöhnlich eine Gabe in die Sammelbüchse gesteckt werde.
Arle befesttigte eine halberschlossene Rose in Dores Gürtel und einen in ihren Gürtel, dann trat sie zu Raya, die hell auf⸗ jubelte über diesen großen Rosenstrauß; sie küßte Urle die Hand: „In zehn Jahren sind wir wieder drunten in der Stadt, dann sehen wir uns wieder“, sagte sie Abschied nehmend, und kurz darauf jagten sie den Waldweg zurück, entschwanden wie ein
phantastisches Traumgebild. Fortsetzung folgt.


