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Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft
t in Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen).
dul Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, be für den Anterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz.
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8 3. dahrgang.
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Druck und Verlag Albin Klein, Gießen, Südanlage 21 Fernspr.: Nr. 1145 u. 1362 Postscheckk.: Nr. 44 332 Frkft./ M.
Sonnabend, den 16. Juli 1927.
Anzeigenpreise: die 30 mm breite Kleingeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen
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Nummer 20
g in.— Di— ——— E 2———— F—— 1—— 1— 2 vangelische Volksgemeinschait E—— ö—— ist der— 0 2— 0 E 2 2 2— 1 De 232— 2 Olitische Zusammenschluß bin— —— der Evangelischen Deutschlands zur Wahrung der evangelischen Interessen im—— — deutschen Reichstag und in den Parlamenten der Länder und der Kommunen.—— 2——— 11—— 0 0 r 1 ö— r 7—— ang,—— 9 0— ab.—— 2 2 2 2— % 2 Evangelische jeden Standes! In den Reihen der E. ist Euer Platz: Dr n 2 22 22 2 E 90 e Tretet der Eu. bei. Werbt überall für die EV. 5 D 22— 66 2 SS Lest u. fördert die„Evang. Warte“, das Organ der Ev. che——— 29—— 11 Näheres durch die Reichsgeschäftsstelle der Evangelischen Nan ene in Ober-Lais(Oberhessen) enn Die Arbeiterfrage in der evangelischen Volksgemeinschaft. fan Eine der schwerwiegendsten Fragen für die Gender soziale Oberbau des Evangeliums rechtzeitig gekom⸗ ternehmer, war der Vorteil des Marxismus. Er ver⸗ het“ samtheit unseres Volkes ist die Arbeiterfrage, die schon] men, so wie er heute immer mehr in die Erscheinung[drängte den Glauben an das Evangelium und gab da— ku in verschiedener Beziehung die deutsche Geschichte be⸗ tritt, niemals hätte sich die Lehre von Karl Marx in für den Glauben an ein besseres Diesseits. un einflußte, und ihre Unterschätzung auf evangelischer[Deutschland so ausbreiten können. Ist das nicht eine Das ist das Grundproblem der Arbeiterfrage, ihre
Seite im vorigen Jahrhundert trug mit bei, daß der — Marxismus zur beherrschenden Macht in der Arbeiter— ine, schaft wurde. Wohl versuchte Hofprediger Dr. Adolf Ver Stoecker mit seiner„Christlich⸗sozialen Partei“ der ein roten Flut einen Damm entgegenzustellen: aber eines⸗ teils fanden seine ehrlichen? Bemühungen nicht den not— wendigen Widerhall in der evangelischen Geistlichkeit, —andernteils beschäftigte er sich selbst mit politischen Fragen, die nicht zur Arbeiterfrage gehörten, und drit— tens war durch das Sozialistengesetz der Marxismus „u einem Märtyrer geworden, der in dieser Eigenschaft noch mehr Macht gewann, als je zuvor. Auch alle an— N deren Versuche, den Marxismus zurückzudrängen, ver— sagten, weil sie nicht auf den Kern der Sache gingen.
„während der Jahre nach der Revolution hat klar ge— zeigt, daß der Marxismus nicht mit politischen Mitteln aus der Welt zu schaffen ist. Bei diesem Problem ist viel tiefer zu graben, als es die politischen Marxisten⸗ — gegner tun, die nur das Wirtschaftssystem bekämpfen, ö dagegen den Marxismus als Weltanschauung außer Acht lassen. Diese marxistische Weltanschauung aber ist die Macht in der Arbeiterschaft; sie bildet gewisser⸗ maßen ihre Religion, für die sie kämpfen und leiden. Daß die Gefahr des Marxismus in religiöser Beziehung im vorigen Jahrhundert auf evangelischer Seite nicht
Lichter in der Welt.
Lies: Matth. 5,1416.
Wenige Sonnentage hat uns bis jetzt der Sommer beschert.
die Welt ohne Sonne ist düster und traurig. Alles Lebendige hungert nach Sonne; sie ist die Mutter alles Lebendigen. Am guälendsten ist es, wenn die Sonne in der Morgenfrühe ihren Schein verliert, ohne daß Wolken ihr Sonnenstrahlenangesicht bverhüllen, wie es jüngst geschah. Der fahle Schein beklemmt und bedrückt ärger als die lichtlose Finsternis der Nacht. 5 Sonnenfinsternis über der Welt. In der Welt ist's dunkel. dunkel über unserem Volke, dem man das Licht der Freiheit und Selbständigkeit mißgönnt. Dunkel über den Einzelnen: wirtschaftliche Nöte, maßlos verschärft durch Ungerechtigkeit und Unbarmherzigkeit, Lieblosigkeit, Selbstsucht. Mehr noch, heraus⸗ Die aus der inneren Not geborenen iußeren Nöte erzeugen neue innere Not: Bitterkeit, Verbissen⸗ beit, Müdigkeit, Verzagtheit, Verdrossenheit. Wenn auch einmal alle äußeren Nöte überwunden wären, die Finsternis wäre nicht gewichen— die innere Finsternis— es wäre immer noch Son⸗ nenfinsternis———
Ihr seid das Licht der Welt! so bestimmt Jesus den Beruf einer Jünger. Ein erstaunlicher Auftrag für eine Handvoll Nenschen gegenüber einer ganzen Welt. Wie sollen die paar
4 4 geboren aus der Sünde.
Fessus sagt gar nicht, daß sie es sollen. Er stellt fest, daß sie es tun. ö Licht sein! Der Welt vom Licht zu sagen, hat keinen Sinn.
Ales Reden um Christus und das Christentum hat wenig Zweck; mit daß man sich mit Widerstrebenden und Gegnern über Je⸗ us„auseinandersetzt“, wird niemand für ihn gewonnen. Re⸗ hmiöse Diskussionsabende sind etwas sehr„Interessantes“— aber sie überzeugen keinen Gegner.
Die Erfahrung in der Vergangenheit uno besonders
Erügend erkannt wurde, hat 5 wer gerächt. Wire
tausend
Nenschen in die unerhörte innere Finsternis Licht bringen?—
Ein Licht weist sich nicht
furchtbare Tragik in der deutschen Geschichte, daß das ehemals stärkste Land der Reformation später das stärkste Land des Marxismus wurde und 1918 die Re— formationsgegner und die Marxisten zusammenhalfen, uns wehrlos und rechtlos zu machen? Würden wir nicht der lebendigen Hoffnung sein, daß es noch einen Aufstieg für das deutsche Volk gibt, daß noch die Zeit kommen wird, wo wir wieder ein freies Volk sind, dann müßten wir wahrlich verzagen. Aber nein, nicht ver— zagen, nicht mutlos werden, mit eiserner Energie für die Rettung unseres Volkes aus seiner inneren und äußeren Not arbeiten, das ist die Parole der Evangeli— schen Volksgemeinschaft!
So sehen wir in der Arbeiterfrage in erster Linie eine religiöse Frage. Der Industrialismus mit seiner Mechanisierung der Arbeit wirkte verheerend auf das Seelenleben der Arbeiter. Zeit zum Besuch der kirch— lichen Veranstaltungen war damals, als noch die Sonn— tagsarbeit geduldet wurde, wenig vorhanden. Wo sie vorhanden war, fehlte es an der Lust bei den Arbeitern, in die Kirche zu gehen; denn der müde und abgearbei— tete Leib wollte Ruhe haben. Da hätten die Pfarrer zu den Arbeitern gehen müssen, sich ihrer inneren und äußeren Nöte annehmend und sie dadurch zu erhalten für die Einwirkung des Evangeliums. Die Außeracht— lassung dieser Seelsorge unter den Arbeitern, verbun— den mit ihrer schrankenlosen Ausbeutung durch die Un—
durch die Behauptung aus, daß es ein Licht sei— sondern nur dadurch, daß es leuchtet. Wer das Licht sieht, kann es nicht mehr leugnen. Das Leben der Jünger, ihr Tun, ihr Handeln muß als Licht leuchten. Eine einzige Tat christlicher Charakterstärke, eine einzige Tat christlicher Lebe tut mehr für die Vertreibung der Finsternis aus der Welt als eine ganze Bibliothek der hervorra— gendsten christlichen Bücher, als eine ganze Reihe der schönsten und gehaltvollsten Predigten. Wenn jemand behauptet, das Licht zu kennen und zu haben, und steckt selbst in der inneren Finster⸗ nis, der bringt der Welt die Meinung bei, das Christentum sei in der Tat eine elende und dumme Heuchelei. Wo die Taten nicht den christlichen Worten entsprechen, kann kein Licht aus— strahlen; da wird die Sache des Lichtes Jesu schwer gehemmt. Lebendige Christenmenschen aber leuchten. Sie können nicht an— ders. Die Freude an der Güte und Liebe des himmlischen Vaters läßt sie freudig dem Willen des Vaters folgen. Ihr Licht leuchtet echt und stark.
Licht kann man nicht verbergen. Seine Strahlen dringen durch alle Ritzen hindurch. So wenig wie sich die Stadt auf dem Berge verbergen kann. Christen können sich nicht verbergen. Die Welt tut ja so, als ob sie die Christen nicht beachte; sie tut so, als ob sie geflissentlich über sie hinwegsähe. In Wirk— lichkeit schaut sie mit tausend Augen auf sie und beobachtet sie unendlich scharf. Ja, viele schauen mit brennenden Augen auf die Christen, ob bei ihnen wirklich Licht zu finden sei. Welche Verantwortung tragen deshalb alle, die den Christennamen tra— gen, vor allem die, die einer ausgesprochen christlich-evangelischen Vereinigung angehören! Diese Verantwortung können wir gar nicht ernst genug nehmen!
Licht will sich nicht verbergen. Licht wird hochgestellt, damit es leuchte bis in den dunkelsten Winkel hinein. Christen müssen überall in der Welt sein. Kein Gebiet darf es geben, dem sie
sich entziehen. Auch Politik und Wirtschaft, im Großen und im
seelische Seite, von der aus sie angepackt werden muß. Nicht Programme können die Arbeiter für uns gewin⸗ nen und wenn sie noch so schön lauten, sondern Taten müssen wir üben, Taten wahrhafter Liebe. Ich meine damit weniger eine charitative Tätigkeit, als vielmehr die Liebe, die von Herz zu Herz geht, im evangelischen Arbeiter den Glaubensbruder sieht, ihn demgemäß achtet und behandelt. Lassen wir doch dem Arbeiter seine Seele wieder finden; geben wir ihm das, was ihm gebührt und dann wird auch das Evangelium wieder bei ihm zur Herrschaft kommen. Die evangelischen Pfarrer und sonstigen Intelektuellen, die evangelischen Unternehmer und Mittelständler haben da eine große Pflicht vor sich. Stets schaut der kleine Mann nach den anderen Ständen, was die ihm vorleben, und darnach handelt er. Der Materialismus kam von den oberen Ständen herab in den Arbeiterstand. So muß jetzt in der Evangelischen Volksgemeinschaft von diesen Stän⸗ den aus die Arbeiterschaft heraufgezogen werden in die Höhen eines glücklichen Menschentums.
Scheinbar steht der Marxismus als Glaube uner— schütterlich da. Wer aber tiefer schaut, merkt, wie durch große Teile der Arbeiterschaft ein großes Sehnen nach dem Göttlichen geht. Als Beweis dient das Anwachsen des„Bundes religiöser Sozialisten.“ Auf die Dauer läßt sich das Ewige nicht vom Zeitlichen niederhalten, und der N weiß, 5 mit dem Tode noch nicht
Neiße, müssen von 1 Christen durchstrahlt werden denn sie sind mit schwerster Finsternis belastet und können nur von innen heraus erleuchtet werden. Aber nur wahre, lebendige Christen können leuchten mit ihrer Gerechtigkeit und Liebe. Tun sie es, so werden die Menschen aufmerksam, sehen ihr reines, gutes Leben, gewinnen Sehnsucht nach gleichem Le— ben, werden so hingeführt zu dem Quell, dem das lichte Chri— stenleben entspringt: zu dem lebendigen Heiland.
Licht verzehrt sich, indem es leuchtet. Leuchtend stirbt es, sterbend leuchtet es. Jesus nennt sich das Licht der Welt. Er opfert sich hin. Licht sein, heißt: sich aufopfern. Wer sich selbst sucht, sich auf alle Weise zu schonen trachtet, der kann nicht Licht, sein. Der ist Finsternis und schafft Finsternis. Wer soll denn Opfersinn haben, wenn nicht die, die den Namen Christi tragen?!
Mehr Licht! Unser Licht brennt trübe, schwelt. Ist es gar ganz ausgebrannt? An ausgebranntem Licht kann sich kein an— deres entzünden, es kann nicht leuchten. Unser Licht ist schwach, es flackert; das falsche Licht der Welt mengt sich allzusehr dar— ein. Wie kann unser inneres Licht stark und gell, rein und freu⸗ dig werden? Alles Erdenlicht kommt letzten Endes von der Sonne. Alles innere Licht kann nur kommen von der einen himmlischen Sonne, von Jesus Christus. Was nicht Licht von ihm hat, kann nicht von innen heraus leuchten.
Was sollen wir denn tun? Da tanzt im sinkenden Abend⸗ scheine eine Schar Mücken. Häßliche kleine Mücken. Aber jetzt leuchten sie wundersam auf im Strahlenglanze der untergehenden Sonne, wie glühende Goldfunken tanzen sie im letzten Sonnen— strahl— sie folgen ihm, um noch das letzte Sonnenlicht zu trin— ken, das ihnen erreichbar ist! So müssen wir unsre Seele immer wieder insLicht Jesu halten, von ihm Licht in uns hineintrinken — dann könnten, nein, dann würden wir strahlen als Licht in die bodenlose Finsternis.
Du Licht der Welt, mach uns zu Lichtern in der Welt! P.
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