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Sonnabend, den 15. Januar 1927.

Evangelische Warte

ernausstand unter Jakob Greimbl blutig unterdrückt worden war.

Rom und Haus Habsburg triumphierten. Die Leuchte des Evangeliums in den oesterreichischen Landen war verlöscht, das Deutschtum in der Ostmark auf's schwerste geschädigt und der Bauer beinahe rechtlos geworden. Die Verfolgungen um des Glaubens willen dauerten ununterbrochen fort, bis ihnen viele Jahre später Josef II. ein Ende machte. Karl Gerlach.

Durch ein Versehen wurde der Name des Verfassers in der Notiz der Schriftleitung der vorletzten Nummer falsch angege⸗ ben. Schreiber des geschichtlichen Aufsatzes ist Pfarrer i. R. K. Gerlach in Bad Münster(nicht Berlach). Der Verlag.

Für Vüter und Mütter.

Fürsorge für jugendliche Wanderer.

Durch die wirtschaftliche Entwicklung und Katastrophen der letzten Jahre wird unsere Jugend mehr und mehr dem Schoße der Heimat entrissen und auf den Markt des Lebens geworfen. In⸗ folge der dauernden Arbeitslosigkeit strömen arbeitsuchende, ju⸗ gendliche Personen beiderlei Geschlechts nach den Arbeitsmärkten der Großstädte und erkennen zu spät, daß diese schon mit den einheimischen Arbeitskräften überfüllt sind. Auf Schusters Rap⸗ pen, auf Lastautos als Gelegenheitsfahrer und mit der Eisen⸗ bahn ziehen sie dann weiter von Stadt zu Stadt. Man schätzt die Zahl der jugendlichen Wanderer allein in Preußen auf über 400 000. Abgerissen, ausgehungert und voller Verzweiflung klopfen sie dann bei den Vereinigungen der freien Wohlfahrts⸗ pflege und Jugendämtern an und bitten um Hilfe.

Von der Erkenntnis dieser Not getrieben hat die Gesellschaft zur Fürsorge für die zuziehende männliche Jugend, Sitz Berlin C. 54, Sophienstraße 19, unter Leitung von Oberkonsistorialrat Stoltenhoff eine Fürsorge für jugendliche Wanderer einge richtet. Die Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gesetzt, in der Tages- und Fachpresse vor dem unbesonnenen Zuzug nach der Großstadt zu warnen. Sie hat ferner in den letzten zwei Jahren in über 150 Städten einen Evangelischen Bahnhofsdienst einge⸗ richtet, der die ankommenden jungen Männer schon auf den Bahnhöfen empfängt, sie in geeignete Unterbringungsstätten weift und nötigenfalls für die Rückbeförderung in die Heimat sorgt.

In der Reichshauptstadt, wohin der Zuzug aus allen Teilen des Reiches am stärksten ist, hat die Gesellschaft im vergangenen Jahre eineHerberge für Jugendliche in Berlin, Brunnenstraße 186, mit 60 Betten eingerichtet. Die Unterbringungsmöglichkeit war gerade in Berlin besonders schlecht. Die vielen Hotels und Gasthöfe kommen für die jugendlichen Wanderer wegen ihrer Mittellosigkeit nicht in Frage. Die vorhandenen Heime waren durch Dauermieter besetzt. Die eine Herberge zur Heimat, die nur in Berlin besteht, war schon in den Nachmittagsstunden über⸗ füllt. Ansammlungen auf den Bahnhöfen können aus begreif⸗ lichen Gründen dort nicht geduldet werden. So blieb keine an⸗ dere Möglichkeit, als wenigstens für die Jugendlichen einen vorübergehenden Aufenthalt in Form einer Herberge zu schaffen.

Die Jugendlichen sollen nur kurze Zeit in der Herberge Aufent⸗

halt nehmen, bis ihre Verhältnisse geklärt, sie in Arbeit gebracht oder dem Erziehungsberechtigten wieder zugeführt werden kön⸗ nen. Im ersten Jahre ihres Bestehens konnten 3523 Jugendliche aufgenommen werden. Davon kamen 2600 aus preußischen Pro⸗ vinzen 756 aus deutschen Ländern, 115 waren vertriebene und ge⸗ flüchtete Auslandsdeutsche. Dem Alter nach waren 667 unter 18 Jahren und 2234 im Alter von 18 bis 21 Jahren. Nur 621 hat⸗ ten bereits das 21. Lebensjahr überschritten.

Die Herberge ist durch ihren fürsorgerischen Charakter in ihrer Art die einzigste in Preußen. Die Einrichtung hat sich in jeder Weise bewährt und ist geeignet unserer Kirche und dem Vaterlande nennenswerte Dienste zu leisten.

Leider fehlen die Mittel, um das Werk weiter auszubauen. Denn die Einrichtung genügt dem großen Bedürfnis der Reichs⸗ hauptstadt bei weitem nicht. Zwar haben sich in ihrem sozialen Gewissen erwachte Männer und Frauen in dankenswerter Weise an der Förderung des Wexkes beteiligt. Es müßte aber nach dieser Richtung noch viel durchgreifender geholfen werden. Un⸗ sere Jugend ist das kostbarste Gut unseres Vaterlandes. Es ist nicht zu verkennen, daß es viel verschuldete Not gibt. Bei un⸗ serer Jugend aber, die in diese Notzeit hineingeboren ist, ist der größte Teil der Schuld, die Schuld der Gesamtheit, für die der Einzelne nicht verantwortlich gemacht werden kann. Wer be⸗ denkt, was für ein Schaden angerichtet wird, wenn ein fremder junger Mann in der Großstadt gleich in der ersten Nacht der weiblichen oder männlichen Prostitution in die Arme läuft oder durch die Not getrieben in Verbrecherkreise gerät, wer an die eigenen Söhne draußen in der Fremde denkt, wird gewiß bereit sein, hier mit Hand anzulegen. Unsere Jugend hat einen An⸗ spruch auf die Hilfe der Christen in Stadt und Land. Den evan⸗ gelischen Gemeinden erwächst beim Verzuge ihrer jugendlichen Gemeindeglieder eine große und ganz klare Aufgabe.

Die Gesellschaft hat in fast allen größeren Städten ihre Ver⸗ treter und ist darum in der Lage, besorgten Eltern über ihre Söhne in der Fremde Auskunft zu erteilen und ihnen behilflich zu sein, sie auf den rechten Weg zu erhalten bezw. zu bringen. Man wende sich an die Gesellschaft zur Fürsorge für die zu⸗ ziehende männliche Jugend, Berlin C. 54, Sophienstraße 19, Po, scheckkonto Berlin Nr. 15 715. ch.

Vosinnlithes und Beschaulithes. Der schlimmste Feind.

In tiefsinnigen Betrachtungen über die 10 Gebote hat der Gießener Universitätsprofessor Cor dier den Kampf um die sittliche Reinheit als Ringen um dieletzte Schanze bezeichnet Man spürt seine Erregung, wenn er in tiefem Ernst das Gebot: Du sollst nicht ehebrechen behandelt. Das muß man selber lesen, das ist gewaltig. Die Broschüre führt den TitelDer Kampf um die letzte Schanze(Preis 1,80 Mark). Cordier zeigt mancherlei Wege auf, dem bösen Feinde zu begegnen. Er weist hin auf Lite⸗ ratur, Theater, Kunst, geselliges Leben. Aber an einem entschei⸗ denden Faktor geht er vorüber, an der Frage der Frauenklei⸗ dung. Schon vor dem Kriege bot ich einer angesehenen christ⸗ lichen Zeitschrift darüber einen Artikel an. Der Redakteur ant⸗ wortete mir:Man kann sich nicht für alles einsetzen!! Aber

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Nr. für die verfolgten Polen, Elsässer und Dänen setzte er sich ein! Fast wars zum Lachen. Ich schrieb an die Schriftleitung einer vornehmen Frauenzeitung. Ich erhielt keine Antwort. Als 9b christliche und moralische Grundsätze vor den Tempel der Göttin Mode unter allen Amständen halt machen müßten! Ja, so ist's in der Tat. Soll das nun ewig so weitergehen? Wollen wir uns nicht wiedet darauf besinnen, daß einst ein Römer, Taci⸗ tus geheißen, die Keuschheit unsererheidnischen Vorfahren, vor allem der deutschen Frau rühmte?! Soll daschristliche Deutsch⸗ land zehnmal unsauberer sein als dasheidnische? O, ihr deut schen Frauen und Jungfrauen, wann wird euch das Schamgefühl wieder kommen? Ihr Frauen und Töchter von Geistlichen und Erziehern, habt ihr denn gar kein Verantwortungsgefühl, daß ihr gedankenlos oder frech die schamlosesten Moden mitmacht? Wie kann ein gesunder Mannesstamm im deutschen Volke heran⸗ wachsen, wenn das weibliche Geschlecht ihm Schritt auf Schritt zum Versucher wird? Ihr machtvollen Frauenverbände christ⸗ licher, charitativer und nationaler Art, wollt ihr nicht endlich einen befreienden Aufruf erlassen und selber mit gutem Beisplel vorangehen? Der Schüler auf der Straße, der Student in der Hochschule, der Idealist im Theater und Konzertsaal, der Andäch⸗ tige im Gotteshaus, sie werden unablässig durch das schamlose Weib beunruhigt. Wie können da ideale Beziehungen aufkom⸗ men, wo das Fleisch sich so schnöde breit macht? Es ist elfte Stunde! Was helfen alle Sittlichkeitsvereine, solange die Frau nicht wieder zur sittigen Kleidung zurückkehrt? Geht uns die letzte Schanze unserer sittlichen Reinheit verloren, verdienen wir keinen Aufstieg mehr und gehen mit Recht mit dem morschen Europa zugrunde! Veller⸗Br.

Kleine Geschichlen.

Als eine braunschweigische Prinzessin an den König von Spanien, der nachmals unter dem Namen Karl VI. Kaiser ward, vermählt wurde und ihre Schwester einen russischen Großfürsten heiratete, hielt der braunschweigische Generalsuperintendant Ge⸗ org Nitsch, ein orthodoxer Protestant, dies für ein Unrecht und gab seinen Unwillen mit folgenden Worten auf der Kanzel zu er⸗ kennen:Meine Lieben, die eine von unseren Prinzessinnen hat man dem Papsttum, die andere dem Heidentum ilbergeben, und ich glaube, wenn der Teufel morgen die dritte verlangte, man würde sie ihm gewiß nicht abschlagen

Büitheretle.

Allsater. Das Hohelied des Lebens ein germanisches Glaubensbekenntnis so nennt Adolf Kroll sein bereits 1018 als Bruchstück erschlenenes Werk, das bei genügender Bestellung in völlig neuer Fassung als vollendete Schöpfung herauskommen soll.(Edelgarten⸗Verlag Horst Posern, Freiberg i. Sachsen). Es stellt sich dar als die Lebensarbeit eines begnadeten Dichters, der es wagt, die verloren und nichtig geglaubten großartigen Bilder und Gleichnisse der Edda zu einem neuen, fest gefügten Denkmal deutschen Lichtdranges zu erheben. Bedeutende Fach⸗ blätter haben sich äußerst günstig darüber ausgesprochen. Es dient zur Vertiefung in der Literatur deutscher Geistesheimat und kann warm empfohlen werden. W. W.

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