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Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele. Matthäus 20, 28.

herantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, ir den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz.

für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert.

J Fahrgang.

Ein Aufschrei eines Daß es faul um Rom bestellt sein dürfte unge achtet aller Scheinsiege und Konkordats-Erfolge, das t dem Tieferschauenden längst klar geworden. Mag oms Vordringen unserem deutschen Volke auch noch chwer zu schaffen machen, so darf man doch, von höherer Parte betrachtet, sagen, Roms Macht ist dem Unter- gang geweiht; sie schleicht dem trüben Licht einer aus gebrannten Lampe, die vor dem Erlöschen noch einmal zufflammt. Dieses Aufflammen erblicke ich in den kampfhaften Bemühungen, durch Konkordate die alte norsch gewordene Macht neu zu beleben und zu festigen. m tieferen Sinne wird dadurch nur bewirkt, und gas ist gut so daß die evangelische Welt aus ihrer bauheit und Zersplitterung aufgepeitscht wird. Gott heiß, warum er diese Macht noch einmal aufleben läßt: zie soll, wenn auch das Böse wollend,(nach Goethes zeufelswort)das Gute schaffen. Bekannt ist derFall Wittich, der so viel Staub zufgewirbelt hat. Wohl mit die treffendste Würdi⸗ zung hat dieser Fall imTürmer(29. Jahrgang, Heft gefunden, der tief blicken läßt. Es heißt da in dem Attikel von Albert Sexauer:Der Konflikt mit Wit⸗ ig wird schwerlich so einfach und wohl auch nicht allzu uasch enden... Das ist ja ihr Verhängnis(nämlich zer Kurie), daß sie dem drängenden Leben der Zeit nicht nigegenkemmen kann, ohne ihren allzu laut betonten Auspruch auf Ewigkeitswert zu gefährden. Das ist der zluch, den ihre eigene Hybris auf sie herabbeschworen at. Das macht ihren Kampf mit jedem Jahrzehnt zu nem bloßen Kampf ums Dasein. And dessen Ende it nicht zweifelhaft: wer sein Leben erhalten will, der ird es verlieren. Die Freiheit, die wahre Freiheit er Kinder Gottes, wird die Menschen über sie hinaus pachsen lassen 5 Ich will mich hier darauf beschränken, ein Dokument eden zu lassen, das vielleicht noch tiefer blicken läßt, als es der Fall Wittich tut. Es ist der Brief eines atholischen Geistlichen; und dieser Brief das wolle an besonders beachten kommt aus demschwarzen zayern, das bekanntlich das schlimmste Konkordat über sch ergehen ließ. Ich gebe diese Zuschrift hier wörtlich bieder und kann mich des Kommentars enthalten, denn e spricht eine ebenso erschütternde wie beredte Sprache. der Brief lautet: 1Sehr geehrter Herr Gustaf Hildebrant! Ich habe mit größtem Interesse den Artikel aus Ihrer FederKatholizismus und religiöse Erneue⸗ tung' gelesen und kann Ihnen versichern, daß ich so ziemlich in den meisten Punkten Ihrer Anschauung bin. Und seien Sie versichert, könnten die katholischen Geistlichen, die doch auf einer hohen Bildungsstufe stehen, ihrer Ansicht frei und unbehindert Ausdruck

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Leben.

Galater 2, 20. Ich lebe; doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dargegeben. Zwei junge fünfzehnjährige Mädchen, von einfachen Leu⸗

en stammend, hörte ich einmal über schöne Kleider und Tanz⸗ urgnügen sprechen. Die Augen leuchteten, während sie piachen. Sie waren ganz bei der Sache. Schließlich bekräftigte ih eine von ihnen ihre Freude an dem allen durch die Worte: Man hat ja sonst nichts im Leben! Das Leben dieser bei⸗ Mädchen macht demnach schöne Kleider und Tanzvergnügen us. Wann hört also deren Leben wohl auf? Wenn es ihnen ürmal schlecht geht, daß sie sich keine schönen Kleider mehr kaufen können, oder wenn sie alt geworden sind, daß sie nicht nchr tanzen können. Auch eine Krankheit kann sie ja lähmen. denn ist deren Leben also um. Das kann dann ein sehr kurzes Uben sein! 5 Jesus erzählt einmal von einem sehr reichen Manne. Gott te ihm in einem Jahre besonders die Ernte gesegnet. Nun pollte er alles für sich behalten, es in neuen Scheunen aufheben ind viele Jahre hindurch alle Tage von diesem Vorrat gut essen ind trinken. An anderes dachte er gar nicht. Das war dieses hannes Leben. Aber es endete plötzlich. Da merkte er, daß n ein Narr war. Denn er konnte seinen Vorrat nun gar n. leben. 5 Was ist eigentlich unser Leben? Viele Menschen sind sich rüber gar nicht klar. Wird es ihnen genommen, dann erst ken sie, daß dies ihr Leben war. Dafür lebten sie, darin⸗

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Druck und Verlag Albin Klein, Gießen, Südanlage 21 Fernsprecher Nr. 1145 und 1362 Gießen

Sonnabend, den 11. Juni 1927.

katholischen Priesters.

geben, unsere Herren Bischöfe würden Wunder er leben. So aber leben wir seit Beginn des Theologie studiums in einer systematischen Zwangsjacke, die es uns fast unmöglich macht, den einmal betretenen Weg nach Rom zu verlassen. Ein katholischer Geist⸗ licher, der nach seiner freieren Ueberzeugung handeln wollte, käme wirtschaftlich und gesellschaftlich in die größte Verlegenheit. Niemand spürt den Druck der römischen Knechtschaft so sehr, als der kerndeutsch fühlende katholische Priester.

Möge der Morgen erblühen, wo es heißt, der deut sche Geist hat Roms Joch abgeschüttelt und hat sich erhoben, um sich selbst zu regieren im deutschen Sinne! Gerne wollte ich alles tun, um diesem Ziele zum Siege zu verhelfen. Aus diesem Grunde wäre es mir lieb, mit Ihnen in Fühlungnahme zu treten und vor allem jene Literatur kennen zu lernen, die darauf eingestellt ist, ein einiges deutsches Christentum' zu schaffen. Ich meinte fast, man sollte eine eigene Zeitschrift gründen, welche auf dieses Ziel eingestellt ist. Ich glaube, wenn sie gut geleitet ist, fern von Liebe und Haß, nur die Tatsachen wir⸗ ken läßt, wird sie in allen gebildeten Kreisen Deutsch lands ein gewaltiges Echo finden und alle Gleich gesinnten zu einem großen Bund zusammenschließen. Eine gewaltige Bewegung müßte unser ganzes Volk ergreifen, an der die Regierungen nicht achtlos vor⸗ übergehen könnten, sondern mithelfen müßten, das römische Joch abzuschütteln.

Los von Rom!

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wie der Herr Abg. Dr. Kähler ganz richtig gesagt hat, ist es sehr bedauerlich, daß über die Frage, ob ein Konkordat abgeschlossen werden soll oder nicht, eine so große Unruhe im Lande entstanden ist.(Sehr richtig! bei der Wirtschaftl. Vgg.) Ich muß sagen, daß ich diese Unruhe eigentlich nicht verstehe; denn die Frage ist doch sehr einfach und selbstverständlich zu entscheiden. Ich glaube, daß die Unruhe im Lande zum großen Teil daher kommt, daß die we⸗ nigsten Menschen sich überhaupt darüber klar sind, was ein Kon⸗ kordat bedeutet.(Sehr richtig! bei der Wirtschaftl. Vgg.) Für die Angehörigen der evangelischen Kirchen ist ja ein Konkor⸗ dat bislang etwas Fremdes; denn diese Kirchen waren bei uns durchweg Staatskirchen, und für diese Staatskirchen kam natür⸗ lich ein Konkordat nicht in Frage. Wenn damals die Staats⸗ regierung und die Kirchenregierung ja eigentlich identisch waren, war natürlich für einen Vertrag zwischen diesen beiden kein Raum. Nachdem wir aber nun die Trennung zwischen

uptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen).] Erscheint Sonnabends. Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne

Verbindlichkeit. Bei

Vergünstigung.

Wiederholungen

Aummer 24

Eines täte dem deutschen kath. Volk zu allererst not, nämlich ein Schutzgesetz der jungen katholischen Männerwelt, daß sie sich nicht ködern lasse für jenen Beruf, durch den sie vom 23. Lebensjahr zeitlebens gezwungen werden sollen, ehelos und liebelos zu bleiben. Der Außenstehende begreift kaum die Tragweite dieser katholischen Einrichtung; er meint, der katholische Priester tue es gern und willig, und wenn nicht, so könne er ja leicht anders handeln. Dem ist nun ganz und gar nicht so. Es wäre eine Großtat der deutschen Nation, wenn sie es einmal unternähme, dieses römische Sklaven- und Entrech⸗ tungsgesetz zu zermalmen, um damit Tausende und Abertausende kräftiger, kerngesunder Männer der Familie und dem Volke wieder zurückzugeben.

Man sage nicht, die katholischen Geistlichen sollen sich selbst rühren. Es ist dies fast ein Ding der An⸗ möglichkeit; denn sofort würde der Einzelne beim Volke diskreditiert. Zuerst muß der Hebel von an⸗ derswoher eingesetzt werden, dann können auch wir offen unsere Ansicht kundtun.... Ich will schließen mit dem Wunsche, daß Ihre Arbeit reiche Früchte trage, und daß es gelingen möge, den deutschen Geist auf Grund eines gehobenen, deutschen Chri stentums zu sammeln und zu adeln.

In aller Hochachtung!(Unterschrift.)

P. S. Ich bitte meinen Namen und Stand unbe dingt noch geheim zu halten.

Soweit der Brief unseres katholischen Geistlichen aus Bayern. Ich hoffe, daß er für Tausende gespro⸗ chen hat, die bisher den Mut zu solchem Bekenntnis nicht fanden, und gebe ihn hiermit weiter, daß er seine Kreise ziehe und sein Teil beitragen möge zur Befrei⸗ ung der Geister. Gustaf Hildebrant, Kottbus.

Rede des Deutsch⸗hannov. Abg. Freiherrn v. Wangenheim im Preußischen Landtage am 19. Mai 1927.

Staat und Kirche durchgeführt haben, scheint es mir doch selbst⸗ verständlich zu sein, daß nun zwischen dem Staat und diesen von ihm getrennten Kirchen Verträge abgeschlossen werden.

Es gibt eine ganze Anzahl von Fragen, die zwischen dem Staat und der Kirche zu regeln sind. Man kann sich auf den Standpunkt stellen, daß schon ich will einmal sagen: aus ethischen Gründen der Staat eine vertragliche Regelung dieser Angelegenheiten mit den Kirchen suchen muß. Man kann sich auch ich glaube, daß das der Preußischen Staatsregierung ihrem ganzen Wesen nach wohl näher liegt auf den reinen Machtstandpunkt stellen. Ich glaube aber auch, von diesem reinen Machtsstandpunkt aus sollte sich der Staat nicht gegen ein Konkordat wehren(Sehr richtig! bei den Deutsch-Hann.). denn der preußische Staat hat seinerzeit im Kulturkampf er⸗ lebt, daß ihm in der katholischen Kirche eine Macht entgegen⸗ trat, gegen die er den kürzeren gezogen hat. Ich glaube und ich will ruhig sagen: wünsche es, daß auch die evangelischen

nen waren ihre Gedanken bei Tag und bei Nacht. Wenn es ihnen genommen ist, dann glauben sie, nun sei der Inhalt igres Lebens verschwunden. Sie meinen, ihr Leben sei gar kein Le⸗ ben mehr.

Es ist nicht immer Tand, was unser Leben ausmacht. Wenn Eltern ganz für ihre Kinder leben, dann ist das ganz natürlich. Wenn ein Beamter ganz für sein Amt lebt, dann ist er für die Allgemeinheit ein recht brauchbarer Mann. Wenn derast⸗ ler ganz in seiner Kunst aufgeht, dann wird er berühmte Werke vollenden. Aber das alles hat den Fehler, daß es uns ge⸗ nommen werden kann. Eltern kann das Kind wegsterven, ein Beamter muß mit dem Ruhestand oder der Arbeitsunse, rechnen, der Künstler kann durch Unglück oder Krankheit an der Ausübung seiner Kunst gehindert werden. Dann haben diese Leute alle kein Leben mehr.

Ein Saulus lebte als Schriftgelehrter ganz für das mosa⸗ ische Gesetz. Er war der Schüler eines der berühmtesten Leh⸗ rer. Sein Eifer konnte, ohne mit der Wimper zu zucken, den grausamen Hinrichtungstod des Gesetzesgegners sehen. Doch aus dem Saulus wurde ein Paulus. Wofür er gelebt hatte, das wurde ihm genommen. Er mußte dem Gesetze sterben. Gleichzeitig fand er jedoch ein neues Leben. Dieses neue Le⸗ ben war in Jesus gegründet. Nun lebte er wieder. Er will es noch schöner ausdrücken: Jesus lebt in ihm. Auch das Gesetz war ja durchaus kein Tand, sondern etwas sehr Gutes. Den⸗ noch durfte er nicht sein Leben darin finden. Das war schwerer, als wenn jemand irgend einen Tand aufgibt. Aber er bereute nie in seinem Leben, daß er dem Gesetze gestorben war. Hatte er doch ein viel besseres Leben gefunden.

Wofür wir leben, dafür können wir ein williges Opfer bringen. Leben Eltern für ihre Kinder, dann können sie so⸗

gar ihr eigenes Leben für sie geben. Viele lebten für ihr Vaterland, sie konnten ihr Leben dafür geben. Paulus lebte für seinen Herrn Jesus Christus, deshalb hat er ihm auch sein Leben geopfert. Wofür wir demnach leben, dafür können wir auch Opfer bringen. Lebt Christus in uns, dann müssen wir auch für ihn opfern können. Es hat zu einem meiner Pfarr⸗ kinder vor einigen Jahren der katholische Priester gesagt: Luther hat den Opfergedanken verdorben. Die Katholiken opfern des⸗ halb mehr wie die Protestanten. Das hat in einem gewissen Grade wohl seine Richtigkeit. In der römischen Kirche wird sehr viel geopfert, oft so viel, daß ein katholischer Ort neben einem

evangelischen arm ist. Der Unterschied besteht nur darin, daß

man dort für die Kirche opfert, hier bei uns verlangt man das freie Opfer für die geringsten Brüder unseres Herrn. Dort er⸗ wirbt man sich das Seelenheil mit Opferwerken, hier bei uns tut man seine christliche Nächstenpflicht.

Schließlich wird zu den Opfern auch noch Verzichte ge⸗ hören auf allerlei weltliche Dinge. Was unser Leben abbringt von der Richtung auf Jesus, das müssen wir opfern. Da wird mancher Kampf mit uns und unseren Lüsten zu führen sein. Leben wir wie Paulus, in dem Glauben des Sohnes Gottes, so wird Jesus uns in diesem Kampfe führen von Sieg zu Sieg.

Nun leb ich, doch nun nicht mehr ich;

Er lebt in meiner Leele,

Nun hab ich ihn, nun hat er mich

Und alle meine Fehle.

Nun will ich auch mit ihm zugleich

Gern leben, leiden, sterben,

Gern leben, leiden, sterben,

Und dann mit ihm das Himmelreich,

Das er ererbt, ererben. Amen. Hr.

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Evangelische Warte

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