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S 5 San Sonnabend, den 10. September 18

Diese Zahlen beweisen, welche schwere Belastung die Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit einerseits, die in letzter Zeit erfreulicherweise sehr zurückgegangenen Ar⸗

beitskämpfe andererseits, für die gesamte Volkswirt⸗ schaft sowohl für den Unternehmer, als auch besonders für den Arbeiter bedeuten.

Verschiedenes. Die Landflucht.

Die schon früher beobachtete Landflucht ist auch durch den Krieg nicht rückläufig geworden. Vielfach ist die Abwanderung aus den ländlichen Gebieten so stark, daß hier und da bereits ein empfindlicher Mangel an Arbeitskräften besteht. Nach Angaben der preußi⸗ schen statistischen Landesamtes über die Binnenwan⸗ derung wiesen alle Provinzen Preußens ohne Aus⸗ nahme einen Wanderverlust der ländlichen Bevölke⸗ rung auf, Ostpreußen 226 000, Niederschlesien 149 000. Pommern 137 000, Sachsen 136 000 und Hannover 107 000. Hingegen zeigen die Großstadtgebiete erheb⸗ liche Wanderungsgewinne. An der Spitze steht Groß⸗ Berlin mit 648 000(nahezu die Hälfte des Wander⸗ gewinnes!) Die Rheinprovinz folgt mit 276000, West⸗ falen mit 132 000. Die Presse erörtert die Frage nach dem Anteil der sozialen Verhältnisse der Landarbeiter⸗ schaft an dieser Erscheinung. Nach denDresdener

Nachrichten(Nr. 341)

Evangelische Warte

sollen im sächsischen Kata⸗ strophengebiet die landwirtschaftlichen Arbeiter in großen Mengen ihre Arbeitsstellen verlassen haben, um sich von Bauunternehmern für die Wiederaufbau⸗ arbeiten engagieren zu lassen.

200 Jahre Brüdergemeine.

Am 13. August waren 200 Jahre seit der Gründung der Brüdergemeine verflossen. Der Ursprung dieser, innerhalb der evangelischen Kirche selbständigen Reli⸗ gionsgemeinschaft liegt in derUnität der bößmischen Brüder und beim Grafen Zinsendorf. Die Reste dieser böhmischen Brüder hatten sich im Jahre 1722 auf der Besitzung des Grafen in der Oberlausitz niedergelassen. Herrnhut war der Name dieser Siedlung, ein Name, der nachher auf die Siedler selbst überging. Im Mai 1727 schlossen sie sich zu einer Gemeine auf Grund brü⸗ derlicher Rebe und gegenseitiger Unterordnung. Am 13. August desselben Jahres wurde ihnen, beim Abend⸗ mahl, das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit als Gemeine ganz besonders lebendig. Und so begehen sie diesen Tag als den Gründungstag der Brüdergemeine. Sie stehen heute in enger Verbindung mit der evange⸗ lischen Kirche.

Friedrich Wilhelm J. siedelte im Herbst 1732 die ersten aus ihrer Heimat vertriebenen Böhmen in Ber⸗

lin an. 1737 erhielten sie ihre eigene Kirche in Berlin (Mauerstraße). Der größere Teil von ihnen aber wurde vor den Toren Berlins, in Rixdorf(heute Neukölln) angesiedelt. So entstand 1737 das Dorf Böhmisch⸗ Rixdorf(im Gegensatz zu Deutsch-Rixdorf). Noch heute ist ein Rest dieses alten Böhmisch⸗Rixdorf inmitten des modernen Neuköllns erhalten, eine friedliche, stille Oase im Hasten und Jagen der Großstadt. Dem Dank der Böhmen für ihre Aufnahme durch Friedrich Wilhelm. gibt ein schlichtes Bronze-Denkmal des Königs inner⸗ halb desböhmischen Dorfes Ausdruck, das sie im Jahre 1912 errichten ließen.

Aus unserer Bewegung.

Ortsgruppe Mainz der Evangelischen Volksgemeinschaft.

Unsere nächste Monatsversammlung findet am Freitag, den 16. September 1927, abends 8 Uhr, im großen Saale des Evan⸗ gelischen Vereinshauses, Schießgartenstraße, statt. An diesem Abend wird unser Reichsgeschäftsführer, Herr Pfarrer Weidner, anwesend sein und sprechen über:Die politische Lage in Hes⸗ sen vor den Wahlen.

Wir bitten daher um vollzähliges Erscheinen. herzlich willkommen.

Gäste sind

Schotten, 6. September. Pfarrer Weidner sprach am letzten Sonntag Ulrichstein, Köddingen und Helpershain, Ausführlichere Berichte folgen.

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Was bringt mich vorwärts.

Liebe Luise! schrieb Lavater an seine Tochter: Was nicht aus dem Innersten des Herzens kommt, nicht lebendiger, geistiger, edler macht, das ist nicht für uns. Werde immer fro her deines Glaubens, deiner Hoffnung, deiner Liebe, froher dei⸗ nes Gottes und deiner Ansterblichkeit durch stilles, frohes Auf⸗ sehen auf den, der da war, ist und sein wird! Vor vergeblichen, zwecklosen Gesprächen hüte dich! Beantworte dir die Farge: was beunruhigt mich? und was beruhigt mich? Was ver⸗ dunkelt und was erheitert mein Gemüt? Was kann in mir mei⸗ nem himmlischen Freund gefallen oder nicht gefallen? Laß kei⸗ nen Tag ohne gute Taten hingehen und zeichne ausgezeichnete Tage durch irgend etwas aus, das dir das Andenken an dieselben lieblich machen kann! Hasse an dem Freund das Böse und ver⸗ teidige die Unschuld gegen die Verleumder! Suche die Ge⸗ meinschaft mit Weiseren, mit Wohldenkenden und Edelsten! Freue dich immer mehr, eine Mitgenossin dessen zu sein, der da tot war und Er lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit!

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Arbeit oder Vergnügen was ist vergnüglicher?

Glauben Sie mir, das Leben und die Arbeit hier im Fa⸗ briksaal ist tausendmal kurzweiliger als der öde Betrieb auf den Fünf⸗Uhr⸗Tees und den Tanzabenden. Diesen Bescheid gab eine einfache Arbeiterin Neuyorker Zeitungsspähern zur Antwort, als diese sie aufsuchten. Die Arbeiterin ist((aut einer Meldung desTags) die 18jährige Ellinor Dorrance, die bru⸗ derlose einzige Tochter eines Konservenfabrikanten, den man Suppenkönig heißt. Sie meldete sich als einfache Arbeiterin in der Fabrik ihres Vaters an, ohne dies ihren Eltern zu sagen, und erklärte dann, nachdem sie durch die besagten Zeitungsspäher endlich entdeckt war, das vorhin Gesagte, und fügte hinzu::

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Im Familien

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habe keine Brüder, die meines Vaters Werk fortsetzen könnten; also muß ich einspringen. Ich will mich gründlich in den Betrieb einleben, damit mir später niemand etwas vormachen kann. Dieser Bericht sieht nach etwas Besonderem aus; aber ist nicht in der Tat ein arbeitsloses Leben voll Vergnügen die Hölle?

Christenleben daheim.

Sir Rowland Hill, ein frommer und berühmter Prediger, hat gesagt:Ich gebe keinen Pfennig für die Frömmigkeit eines Mannes, wenn es nicht sein Hund oder seine Katze bei ihm besser haben von dem Tage an, wo er bekehrt hat. Das ist ge⸗ wiß ein treffendes Wort; was aber doch noch weit wichtiger ist, das ist dies, daß die Menschen in der Umgebung eines Menschen

nach dessen Bekehrung es besser haben als zuvor. Aber hier hapert es oft. Wer sich getroffen fühlt, der bessere sich! Es wird ihm selbst und den Seinen wohl tun!

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Leue Bücher.

Die Mischehenfrage. Ein Lehrgang in Verbindung mit Dr. Hermann Müller, Theodor Hermann, Fritz von der Heydt her ausgegeben vom Württembergischen Hauptverein des Evange⸗ lischen Bundes durch dessen Vorsitzenden und Freund unserer E. V. Dr. Hermann Mosapp, Oberschulrat. 68 S. brosch. 1. l. Quell⸗Verlag der Evang. Gesellschaft, Stuttgart. Diese Vor⸗ träge wurden bei einem Mischehenlehrgang im Mai ds. Is. ge⸗ halten und auf Wunsch des Evang. Bundes herausgegeben um sie auch weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Bei der Bedeu⸗ tung, welche der Mischehenfrage in gegenwärtiger Zeit zukommt, ist die allgemeine Verbreitung der Vorträge nur zu wünschen.

Der christliche Erzähler. Ein literarisches Unterhaltungs- blatt für die christliche Familie. Unter Mitwirkung namhafter

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lich Porto. In Nr. 32 unsererEvang. Warte wiesen wit unsere Leser auf das evangelische UnterhaltungsblattDer christ⸗ liche Erzähler hin, dessen erste Nummer damals erschienen war, Inzwischen sind die beiden nächsten Nummern erschienen. Was Nr. 1 versprach, das halten Nr. 2 und 3. Es gibt ja heute eine Unmenge von Unterhaltungsblättern. Sie bieten sich uns alle an. Wir wollen jedoch Wert legen auf evangelische Literatur Haben wir eine Zeitschrift, die uns die Gewähr bietet, nut evangelische Schriftsteller zu bringen, dann wissen wir, daß uns eine gute, unserem Denken entsprechende Geisteskost geboten wird, und wir haben die Pflicht, ein solches unternehmen zu unterstützen. Darum empfehlen wir, einen Versuch durch Be stellung der ersten bis jetzt erschienenen Hefte zu machen. Aus dem Versuch wird sicher eine dauernde Freundschaft werden. Hr.

Gegenreformation einst und heute(Heft 1) im deutschen Volks- und Staatsleben. Von Dr. Gerhard Ohlemüller, 36.45. Tausend. 90 Seiten. 1... Heft 3: Aeußere Ge⸗ schäftigleit und innerer Fortschriftt im heutigen Katholizismus, Von G. O. Sleidan. 7.12. Tausend. 48 Seiten. 050. Deutschland und der Vatikan. Von einem Deutschen. 91 Seiten,

Aus einer Serie von Büchlein, die der Säemann-Verlag, Berlin W. 10, herausgibt, liegen die obigen drei vor mir. Man weiß nicht, welchem man den Vorzug geben soll. Diese Büchlein gehören in jede evangelische Bibliothek. Ganz besonders aber muß sich der politisch interessierte Evangelische damit beschäfti⸗ gen. In scharfsinnigen Betrachtungen gelangen die Verfasser an die Quellen, haben mit enormem Fleiß zahlreiches Mate⸗ rial gesammelt. Bezeichnend für den Wert der Büchlein ist, daß, aus der weiteren Serienfolge mehrere Hefte vergriffen sind. Wir empfehlen warm die Anschaffung der oben angeführten Hefte. G.

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