Organ der
vangelische
Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen).
Ebangelischen Volksge
arte
meinschaft
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. Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, 9 1 für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. 1 Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. ls. 8
1— ba, 3. Jahrgang. Aren, 3
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Sonnabend, den 10. Sepfember 1027.
Nummer 37
Wir laden hiermit ein zur
Jür den engeren Vorstand der Evangelischen
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ollsgem
22.— 24. Oklober
Mit evangelischem Gruß!
Pfarrer Mosel⸗Rohrberg.
An unsere Mitglieder und Freunde!
se T 1 0 0 5 8 5 4b 5 12 O.. 8 8 4 N ese Tagung muß eine gewaltige Kundgebung und starkes Bekenntnis zu unserer Bewegung werden. Es ist darum Ehrenpflicht für alle Freiquartiere stehen in Mainz und Vororten zur Verfügung.
Näheres später.
Volksgemeinschaft:
Reichsgeschäftsführer Weidner⸗Ober⸗Lais.
ing der stz des lichen“ Di selndet 5 5 lilnlen unsere Mitglieder und Freunde, an der Tagung teilzunehmen. or ge. 5 1 beliebte fermüd⸗ edith e e Pfarg Dr. jur. Mvegenburg⸗Frankfurt a. M. gezolll. gtup„ 1 8. Der Fesuitenor benutzen 5 Wb N e dude(Vergl. Nr. 25 der„Evang. Warte“ vom 18. Juni 1927.) 5 f Dadurch, daß der Jesuitenorden lange in Deutsch⸗ land verboten war, hat man in den Kreisen der deut⸗ Hofes“ schen Politiker ganz seine Eigenart und Wirksamkeit erlamet! vergessen. Heute meinen sehr viele führende Männer, ner üb der Jesuitenorden sei ein religiöser Orden wie andere. fall in] Man buchte es führenden protestantischen Bewegungen[bens ab hen!) als Unduldsamkeit, weil sie gegen die Zulassung des z endith) Ordens in Deutschland waren. Auch nichtkatholische n Eda Politiker meinten, man könne ruhig den Jesuitenorden je Grüß in Deutschland hereinlassen, da ja von seiten des Staa— tes es mit der Gleichberechtigung der einzelnen Religio— er nen ernstgenommen werden soll. Wäre tatsächlich der 971 Jesuitenorden nur eine religiöse Größe, dann würden del!) wir uns hier in unserer„Evangelischen Warte“ nicht Reihen mit ihm beschäftigen. Wir wollen keine Kirche, keine
Religion, keinen Katholizismus bekämpfen. Womit wir uns beschäftigen, ist ja allein das politische Leben unseres Vaterlandes vom Standpunkt des treuen evan⸗ gelischen Volksgenossen. Wir beschäftigen uns deshalb nur aus politischen Bedenken mit dem Jesuitenorden,
Auf ultramontaner Seite wird man natürlich die politische Gefährlichkeit des Ordens bestreiten. Nicht jeder Katholik ist aber ultramontan. Daß in den Rei⸗ hen der nichtultramontanen Glieder der römischen Kirche tatsächlich der Jesuitenorden ebenfalls als politische Ge— fahr angesehen wird, möge die noch unerfahrenen Teile unseres Volkes aus ihrer Harmlosigkeit befreien. Wir kramen einmal nach in alten Papieren. Dort finden wir allerlei, was uns die Beweisführung fördert. Da haben wir ein Gutachten über die Jesuiten, das ein⸗ mal der Staatsmann Metternich von dem katholischen Generalvikar von Wessenberg eingefordert hatte. Da— tin steht u. a. sehr Interessantem folgendes:„Die I
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Acht und Sal.
Kolosser 4,5 und 6. Wandelt weise gegen die, die draußen sind und kaufet die Zeit aus. Eure Rede sei allezeit lieblich und mit Salz gewürzet, daß ihr wisset, wie ihr einem jeglichen Antworten sollt.
Diese Worte des Apostel Paulus sind auf den Glaubens ampf eingestellt. Er schreibt sie im Hinblick auf die,„die raußen sind“, Es wird uns sowohl berichtet, als auch kön⸗ en wir es uns sehr gut denken, daß die Andersgläubigen mit wachsamen Augen die Christen beobachteten. Wo irgend etwas Besseres auftritt, dann wird das scharf unter die Lupe genom— en, ob man nicht etwas Tadelhaftes erkennen kann. Man möchte doch gerne sagen:„Die Vertreter dieser Richtung sind uch nicht besser als wir“. So sind die Christen beobachtet wor⸗ en, in alter Zeit, so schauen die Ungläubigen heutiger Tage guf alle, die sich zur Kirche halten. Die verloren gehen, suchen erne andere, die sie auf ihrem Wege in die Tiefe begleiten sol⸗ len. Die Schlechtigkeit trachtet immer nach Gesellschaft. Wie oft wird von denen, die im 14. Psalm Tore“ genannt perden, irgend ein undeutliches Wort ausgenützt. Darum müs⸗ en sich unsere treuen Christen gerade im Beisein von Atheisten besonders vor oberflächlichen Ausdrücken hüten. Der Assstel mahnt ganz richtig, weise zu sein. Er sagt auch nicht nur: sprecht weise“, sondern„wandelt weise“. Das ganze Leben soll weise geführt werden. Ich denke immer daran und vergesse es nie, wie zur Zeit der Rationierung ein Kir⸗ henfeind mit mir sprach. Er nannte mir ein bestimmtes Haus ind fügte bei:„Sehen Sie, die gehen alle Sonntage zur Kirche ind verschieben ihre Eier und Butter doch!“ Wandelt weise, igt Paulus. Wer wirklich treuer Christ sein will, bei dem muß zlles zusammenstimmen. Er darf nicht zwischen Kirchgang, Vorten und Werlen Widersprüche ausweisen. Dazu hat jeder nur eine bestimmte Zeit, seinen Glauben
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erweisen. Diese uns von Gott geschenkte Zeit muß ausge⸗
in der Politik.
sachen, warum der Orden der Jesuiten, sowie er sich ausgebildet, mit der Wohlfahrt der christlichen Kirche sowohl, als der Staaten und mit der Eintracht zwischen beiden durchaus unvereinbar ist, sind so viele und schwerwiegende, dasz.—„Seine Grundsätze sind so beschaffen, daß sie unvermeidlich die christliche Glau— und Sittenlehre verderben und das Verhältnis zwischen Staat und Kirche zerrütten müssen.“—„Mit den jesuitisch-ultramontanen Lehren vom Kirchenrecht kann keine wahre obrigkeitliche Gewalt, keine Selbstän— digkeit der Staatsregierung bestehen. Denn dieser Or⸗ den trachtet, wie dies die Erfahrungen von Jahrhun⸗ derten beweisen, nach einem Universaldespotismus über alle Organe des kirchlichen und staatlichen Lebens, so daß dieser Orden die mächtigste und gefährlichste ge— heime Gesellschaft ist.“ So urteilte damals ein katho— lischer Geistlicher über den Jesuitenorden. Uns be— schäftigen nur seine Ansichten über die politischen Ziele des Ordens. Diese sind aber in Vorstehendem recht deutlich hervorgehoben.
Nun könnte man sagen, das ist einmal eine Stimme. Auch unter den Geistlichen und Gliedern der römischen Kirche gibt es eben verschiedene Ansichten. Gerade der Gegensatz zwischen Geistlichen und Ordens— leuten ist durchaus nichts seltenes. Daß jedoch auch in politisch hochstehenden und führenden Laienkreisen die gleiche Ansicht vorherrschte, kann uns ein bayerischer König zeigen. Jeder weiß, wie streng das bayerische Königshaus zu der römischen Kirche hielt. Die Wittels⸗ bacher waren zu allen Zeiten treue Anhänger der Kirche. König Ludwig J. aber schreibt über den Jesui⸗ tenorden:„Seine politischen Umtriebe habe ich diesem Orden vorzuwerfen. Deutsche Gesinnung soll in die Jugend gelegt werden, aber dieser waren die Jesuiten
kauft werden. Der Apostel will sagen, sie muß gründlich an⸗ gewendet und ausgenützt werden. Jesus drückt es einmal aus in dem Wort:„Ich muß wirken die Werke des, der mich gesandt hat, so lange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wir— ken kann.“ Jede Minute ist teuer. Deshalb darf sie nicht miß⸗ braucht werden.
Weil nun die Christen so scharf unter Beobachtung sich fühlen müssen, haben sie eine große Aufgabe. Jeder soll dazu beitragen, daß die Christenfeinde Achtung vor dem Christen— glauben bekommen. Die Urchristen haben dies ja erreicht. Es wird uns aus alter Zeit berichtet, wie selbst feindselig gesinnte Heiden ihnen nichts Böses konnten nachsagen. Besonders wun— derten sie sich, daß die Christen einander so lieb hatten. Im heutigen Missionsland sind oft die Missionare dadurch behin— dert, daß die Heiden auf das rohe, zügellose Treiben anderer Weisen im Lande hinweisen. Bei uns, wo viele ungläubige Menschen den Tauf⸗, Konfirmations- und Trauschein aufweisen können, ist es schwer zu sagen, wer eigentlich Christ ist. Be⸗ sonders werden natürlich diejenigen, die sich zur Kirche Christi halten, besonders als Vertreter wahren Christentums angesehen. Die vielen Namenchristen und Nichtchristen sehen auf deren Worte und auf deren Leben. Ihr seid scharf beobachtet. Deshalb soll eure Rede lieblich sein und mit Salz gewürzet. Ein treuer Christ soll keine Gemeinheiten sprechen. Wenn er mit Feinden des Glaubens redet, soll Salz in seiner Rede sein.
Wir haben hier wohl an die Worte Jesu in der Bergrede zu denken. Damals hat er seine Hörer auch auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß sie eine große Aufgabe haben.„Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt. Also laßt euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ In der Dunkelheit der Nacht fällt jedes Licht auf. Brennt es helle, so ist es uns willkommen, dann kann es uns den Weg erleuchten. Ist es ein trübes Licht, dann ist es gleich, ob es uns leuchtet, oder wir ganz in der Dunkelheit gehen. Wir sollen Leuchten sein,
immer fremd; wo immer sie waren und sind, ihres Or⸗
dens Zweck verfolgen sie. Nur ihn, Nebensache das Vaterland.“ Auch diese Worte eines katholischen Kö⸗ nigs beweisen unsere Behauptung bestens. Der Jesui⸗ tenorden kennt nur seine Ziele. Seine politischen Um— triebe hemmen die deutsche Politik.
Nach der Wiederherstellung des Jesuitenordens im Jahre 1814 hat man in Deutschland sein Treiben zu spüren bekommen. Höchst wertvoll ist es nun, was der katholische Pfarrer Pflanz in Moosheim(gest. 1844) in einer katholischen Zeitschrift für Erfahrungen nieder⸗ schreibt. Wir wollen auch dabei alles weglassen, Was nur für die römische Kirche von Bedeutung ist. Da lesen wir:„Wenn die Gründe, die die Aufhebung des Ordens im Jahre 1773 notwendig machten, vollwichtig waren, so sind es die Gründe, die die Wiederaufhebung verlangen, wohl noch mehr, indem der Orden durch seine bloße Existenz den Frieden stört, auf der einen Seite zu gesetzwidrigen Unternehmungen ermuntert, auf der anderen große Besorgnisse erregt, und jeder gründlichen Aussöhnung der Parteien, Ansichten und Bestrebungen in den Völkern auf ruhige und geordnete Weise hindernd und störend in den Weg tritt.“ Nach⸗ dem demnach die Jesuiten ungefähr 30 Jahre in Deutschland wieder ihr Wesen trieben, sahen sich römi— sche Geistliche veranlaßt, die Wiederaufhebung des Or⸗ dens zu verlangen. Gegenwärtig dürfte von kirchlicher Seite her der Jesuitenorden in Deutschland noch geschützt werden. Wie wird es wohl in kommen⸗ den Jahren werden? Die Arbeit des Ordens ist sehr schlau und heimlich. Sie dürfte in der Gegen— wart nicht anders sein als damals. Erst dann wird man ihn auch auf kirchlicher Seite nicht mehr haben wollen, wenn er unverhohlen nach der Macht greift. Von der Macht des Jesuitenordens in damali⸗ ger Zeit schreibt Pfarrer Pflanz:„... so war die feind⸗ seligste Berührung mit den Jesuiten gleichsam von
die man gebrauchen kann. Die Feinde sollen gezwungen sein, zu sagen:„Allerdings bilden diese Christen eine Erhellung in des Daseins Dunkel“. Wie macht man uns auf Seiten der Freidenker die Innere Mission nach. Mit dieser konnten wir Leistungen aufweisen, womit christliche Nächstenliebe unter der leidenden Menschheit herrliche Taten hervorgebracht hat. Heute schaut man in sozialem und wirtschaftlichem Leben wieder nach dem Lichte des Evangeliums aus. Wir von der Evangelischen Volksgemeinschaft kennen unsere Aufgabe und unsere Verant- wortung auf diesen Gebieten wohl. Wir wissen, daß wir leuch⸗ ten müssen in das Dunkel der gegenwärtigen sozialen und wirt- schaftlichen Nöte. Wir wollen es tun, selbst dann, wenn noch so großer Unverstand uns manchmal im Wege ist.
Dazu muß das Salz kommen. Die Worte sollen gewürzt sein. Das Gewürz der Speisen schmeckt scharf auf der Zunge. Auch Christen sollen im Gespräche mit den Glaubensgegnern Würze haben, das dem Gewissen scharf ist. Dann wird es schwach, dann weckt es im Menschen Glaube und Liebe. Manche wissen oft gar nicht, was sie Gegnern zu sagen haben! Ein junger Mann klagte mir, daß er einen Weg mit einem Kir⸗ chenfeind gegangen sei. Der habe so viel gewußt und so viel sagen können. Aber er hätte nichts gewußt. Nun sollte ich ihn in einer halben Stunde lehren, was er sagen solle. Das lernt man nicht in einer halben Stunde! Da muß man rechtzeitig für das nötige Salz gesorgt haben, daß man weiß, was man einem jeglichen antworten soll. Sonst gleicht man den törichten Jungfrauen, die leuchten wollen, aber das Oel vergessen haben. Sorgen wir demnach dafür, daß uns die Welt sehen und hö⸗ ren lann, so viel und so oft sie will.
Richtig wandeln, weise handeln wollst du künftig mir verleih'n; gib die Triebe reiner Liebe voller in mein Herz hinein, welch ein Segen ist zugegen,
wenn es heißt: du mein, ich dein! Amen. Hr.
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