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Sonnabend, den 9. Juli 1927.
tigung des Evangelischen Bundes unzweideutig Stel⸗ lung genommen war, brachte der„Sächsische Volks⸗ bote“ in Nr. 24 folgende Erklärung:„Die Konkordats⸗ frage“. In Nr. 20 hatte sich unter der gleichen Ueber⸗ schrift die aus sonst zuverlässiger Quelle übernommene Bemerkung gefunden,„der Evangelische Bund suche an dieser Frage neuen Auftrieb“. In diesen Worten konnte unter Umständen ein Vorwurf gegen den Evan⸗ gelischen Bund gefunden werden. Der Schriftleitung hat es aber vollkommen ferngelegen, einen solchen Vor— wurf, zu dem kein Anlaß vorliegt, zu erheben“.
Genau der gleiche Artikel ist, wörtlich gleichlau— tend, auch anderswo erschienen, so im„Täglichen Dienst für nationale Zeitungen“ Nr. 2, der in dauernder Ver⸗ bindung mit der deutschnationalen Parxteileitung her⸗ ausgegeben wird, und im amtlichen Blatt derselben Partei,„Unsere Partei“ Nr. 10. Der letztere Umstand hat der Reichsgeschäftsstelle des Evangelischen Bundes u. a. folgenden Brief aus einer rheinischen Großstadt eingetragen:„Der Vorstand unseres Zweigvereins hat sich eingehend mit dem in dem anliegenden Blatt rot angestrichenen Artikel befaßt. Die meisten unserer Vorstandsmitglieder sind Mitglieder der deutschnatio⸗ nalen Partei, einige sogar in führender Stellung. Wir fühlen uns durch die dem Evangelischen Bunde erteilte Ohrfeige tief verletzt und fragen daher an: Was ge⸗ denkt die Bundesleitung angesichts einer solchen fla— granten Herausforderung seitens der deutschnationalen Partei zu tun, bezw. rät uns der Bund zu tun?“— Der erste Teil der Frage kann zur Zeit noch nicht öffent⸗ lich beantwortet werden. Was den zweiten Teil an⸗ langt, so möchten wir raten, der Partei und ihren Füh⸗ rern recht deutlich in deren eigenstem Interesse zu Ge⸗ müte zu führen, daß Ohrfeigen für die wertvollsten und bewährtesten Parteimitglieder weder für den Vorstand einer Partei noch für die Wiederwahl ihrer Abgeord— neten fehr förderlich zu sein pflegen.
Die Bundesfreunde wird es interessieren, daß durch rheinische Zeitungen schon Artikel laufen: Die gefähr⸗ dete Stellung der Deutschnationalen im Rheinland, daß nicht nur hervorragende Einzelpersönlichkeiten, sondern ganze Parteiorganisationen den Gedanken des Aus⸗ tritts erwägen, und daß im Rheinland, in Bayern, in Brandenburg, Schlesien und anderswo das Mißtrauen gegen die deutschnationale Volkspartei infolge der Konkordatsangelegenheit und der Parteihaltung dazu in den Parteikreisen selbst ein derartiges ist, daß die Partei möglicherweise ihr blaues Wunder erleben wird.
Soll die bäuerliche Produktion vernichtet werden?
Es ist gewiß kein Zufall, daß sich in den letzten Jahren die krisenhaften Erscheinungen gerade auf dem bäuerlichen Absatzmarkt in geradezu beängstigender Weise wiederholen und vermehren. Im Jahre 1922 war die Schweinezucht infolge hoher Futtermittelpreise und niedriger Schweinepreise vollkommen unrentabel. Bald darauf gingen die Rindviehpreise unter den Vor⸗ kriegsstand, und hielten sich, wenn man die Inflations⸗ zeit wegen der fehlenden Vergleichsmöglichkeit aus⸗ schaltet, bis in die jüngste Zeit unter den Preisen von 1913. Nach Abschluß der Handelsverträge, besonders mit Spanien, erfolgte der fast vollkommene Zusammen⸗ bruch des Deutschen Weinbaues, der in seinen Auswir⸗ kungen karastrophal war und die bis zur Siedehitze ge⸗ steigerte Erbitterung der Weinbauern zur Explosion brachte. Den Weinbauern folgten im Vorjahre die in— tensivsten bäuerlichen Betriebe: die Gärtner und Ge— müsebauern. Der wirtschaftliche Niedergang dieser Gruppe war ebenfalls in erster Linie auf handelspoli— tische Maßnahmen(vor allem auf den Handelsvertrag mit Italien) zurückzuführen und erfolgte ebensoschnell wie gründlich. Kleinbäuerliche Landwirte, die mit Ve— triebsgrößen von 12 Morgen und ähnlich eine oftmals starke Familie ernährten, gerieten nicht nur in un— überwindliche Zahlungsschwierigkeiten, sondern hatten
„Evangelische Warte“
auch, infolge ihrer nicht abzusetzenden leicht verderb⸗ lichen Erzeugnisse, mit Ernährungssorgen sehr ernster Art zu kämpfen. 5
Durch diesen Vorgang wurden wiederum besonders die bäuerlichen Saatgutzüchter fühlbar in Mitleiden⸗ schaft gezogen, so daß die gesamte intensiv betriebene bäuerliche Landwirtschaft den schwersten Gefahren ent⸗ gegensah und mehr als volkswirtschaftlich nützlich zur extensiven Wirtschaftsweise übergehen mußte. Der Grad der wirtschaftlichen Schädigung dieser besten bäuerlichen Ackerwirtschaften wird durch das fast völlige Verschwinden der Kaufkraft angezeigt und von In⸗ dustrie, Handel und Gewerbe auch zahlenmäßig nachzuweisen sein. Der wirtschaftlichen Abwärtsbe— wegung, dieser gewiß zahlenmäßig nicht besonders her⸗ vortretenden Betriebe, ist nun aber seit Monaten in einem rasenden Tempo die Schweinezucht gefolgt. Nicht nur die rein viehzüchtenden Gebiete stehen vor dem Ruin, sondern auch solche Bauernwirtschaften, die nur im Nebenbetrieb Vieh-, besonders Schweinezucht betrie⸗ ben. Die vollkommene Unxentabilität der Schweine— zucht, die Unmöglichkeit einer Umstellung des Betriebes, führt der weitaus größten Mehrzahl aller bäuerlichen Betriebe, den Ausfall der letzten bis vor kurzem lohnen— den Einnahmequelle in der grausamsten Deutlichkeit vor Augen. Es ist keine Phrase, wenn in diesem Zu⸗ sammenhange von einer Gefährdung des Bauernstandes ernstester Art gesprochen und auf die unabsehbaxren Fol⸗ gen verwiesen wird. Die bäuerliche Landwirtschaft war trotz allem auf dem besten Wege, sich den wissenschaft⸗ lichen und technischen Errungenschaften anzupassen und auf einen scharfen Konkurrenzkampf vorzubereiten. Die Erziehungsarbeit der Behörden und Verbände begann Früchte zu zeitigen. Damit ist es, wahrscheinlich auf lange Zeit, vorbei. Ist schon an sich eine Erziehung ohne Unterstützung unmöglich, so trifft das in viel grö— ßerem Umfange bei dem völligen Fehlen auch nur in etwas gesicherter fester Einnahme zu. Es sind nicht etwa die niedrigen Preise, die in erster Linie katastro⸗ phale Wirkungen zur Folge haben, sondern die unge— heueren und unübersehbaren Schwankungen der Pro— duktionspreise, oft bis zu 50 Prozent des Wertes, rich⸗ ten das größte Unheil an. Ist schon ein Kaufmann un⸗ ter ähnlichen Verhältnissen nicht lebensfähig, so trifft das bei dem Landwirt, der nur einmal im Jahr ver⸗ kauft, in viel stärkerem Maße zu.
Die bäuerliche Landwirtschaft hat deswegen aus Gründen der Selbsterhaltung das Recht, alle möglichen Maßnahmen zur Stabilisierung der Produktionspreise zu verlangen. Experimente handelspolitischer Art dür⸗ fen auf dem Rücken der Bauernschaft nicht unternom⸗ men werden. Die volkswirtschaftliche und bevölkerungs— politische Bedeutung des Bauernstandes darf nicht nur theoretisch anerkannt werden, sondern muß auch prak— tisch Berücksichtigung finden. Staat und Regierung müssen, und zwar schleunigst, entschiedene, die Situa— tion klärende Schritte bezüglich der politischen Handels— vertragsverhandlungen unternehmen, um damit den Angstverkäufen und dem damit verbundenen Massen⸗ auftrieb von Schweinen ein Ende zu bereiten. Die polnischen Vertragsverhandlungen dürfen nur unter dem Gesichtspunkte erfolgen, daß infolge der starken Hebung der deutschen Schweinezucht für die Fleischver— sorgung Deutschlands zu angemessenen Preisen gesorgt wird und eine polnische Schweineeinfuhr eine Vernich— tung der deutschen Viehzucht zur Folge haben würde.
Der Reichsregierung ist die gefährliche Lage der bäuerlichen Landwirtschaft zur Genüge bekannt, so daß eigentlich jedes weitere Wort überflüssig ist. Auch den politischen Parteien sind diese Dinge nicht so fremd ge— blieben, daß etwa mit mangelndem Verständnis ge— rechnet werden müßte. Es handelt sich hier um den Schutz der deutschen Edelproduktion, für die, nach den Agrarprogrammen der Parteien zu schließen, eine breite parlamentarische Front vorhanden ist. Da als Fach— minister ein Landbündler wie Herr Schiele in der Re— gierung sitzt, dürften alle günstigen Voraussetzungen
Ein stiller Musikant.
3. Fortsetzung.
„Sie hatten gut reden: ein harmloses Kind, das im Be— wundern seine Freude fand, die alte musikalische Seele, die mir studieren half, dann noch Aennchens Wachtelhund, der kleine schwarzgefleckte Polly, der, wie ich jetzt bemerkte, mäuschenstill auf der Türschwelle gesessen hatte— das war ein Publikum, wie ich es brauchen konnte.— Aber später, vor all den frem— den Menschen—1
„Freilich, eine Beruhigung hatte ich: der berühmte Orgel— spieler, den man zur Prüfung der neuen Kirchenorgel herbe— rufen hatte, sollte erst am Tage nach dem Konzert eintreffen; ja, ich will es nur gestehen, ich selber hatte eine kleine List ge— braucht, um die Dinge so zu schieben.
„Etwas beklommener als sonst betrat ich am andern Abend unsern Konzertsaal; er war so gedrängt voll, daß selbst einzelne Damen nicht zum Sitzen gelangen konnten. Aber die Gesänge, mit denen wir nun den Anfang machten, gingen be— scheidenen Ansprüchen nach vortrefflich; denn war auch unser Tenor geschwächt, so besaßen wir immerhin noch Kräfte, um die mancher große Verein uns hätte beneiden können; schon der Nachtwächter und unser dicker Schulrektor waren ein paar Fülle— bässe, die in allen Ritzen quollen, welche die dünneren Stim men offengelassen hatten. Es wurde lebhaft applaudiert; das singende und das hörende Städtchen waren im besten Einver ständnis.
„So rückte denn das Programm allmählich bis zur Phan tasie-Sonate vor. Der Beifall nach Ludwig Bergers schönem Liede ‚Als der Sandwirt von Passeyer' verhallte eben, als ich mich ans Klavier setzte; und eine erwartungsvolle Stille war
eingetreten. Mit ein paar tiefen Atemzügen schlug ich
die Noten auf; dann warf ich darüberhin einen flüchtigen Blick
in den Saal; aber die vielen Gesichter, die mich alle anstarr—
ten, übten eine Art von Schrecken auf mich aus. Da zum Glück
entdeckte ich auch Aennchens braune Augen, die groß und freu— dig zu mir hinblickten; und im selben Augenblicke hatte das vielköpfige Ungeheuer sich in ein mir hold geneigtes Wesen umgewandelt. Mutig schlug ich ein paar Akkordfolgen an, um den Beginn meines Spieles anzukündigen; und dann: O heili⸗ ger Meister, ich will sie ihnen schon ans Herz legen, deine gol— denen Töne! Alle, alle sollen durch dich selig werden!! So flog es durch mich hin; und ich begann meinen Mozart, das Adagio zuerst.—— Ich glaube wirklich, ich habe damals gut gespielt; denn mich erfüllte nichts als die Schönheit des Wer— kes und der begeisterte Drang, die Freude des Verständnisses auch anderen mitzuteilen; meine alte Meisterin hätte mich ge— lobt, so denke ich noch jetzt; aber sie besuchte niemals eine öf— fentliche Aufführung.
Schon war ich auf der letzten Seite des Andantino, als hie und da ein Flüstern aus dem Saale mir zwischen meine Töne drang. Ich erschrak: sie hörten nicht! Das lag an mir; am Mozart konnte es nicht liegen!—— Mit einem Gefühl von Unbehagen begann ich das Allegro der Sonate; um so mehr, da ich eine Stelle im zweiten Teile besonders hatte üben müssen. Aber ich beruhigte mich; es gab ja Menschen, denen nur Trompetenmusik verständlich war; was gingen sie mich an! Nur eins störte mich; der dicke Schulrektor war während mei— nes Spieles mir immer näher auf den Leib gerückt. Er konnte allerlei böse Absichten hegen: er wollte vielleicht die Lichter putzen, wobei die große messingene Lichtschere auf die Tasten fallen konnte, oder gar mir die Notenblätter umwen—
Nr. 28.
für eine erfolgreiche Arbeit zugunsten des Bauern⸗ standes gegeben sein..
Die in ihrer Existenz außerordentlich gefährdete bäuerliche Landwirtschaft wird die Entwicklung der Dinge mit sehr kritischen Augen verfolgen; sie wird zu jeder Mitarbeit bereit sein; sie wird aber auch ihr Miß⸗ fallen bei etwaiger Interesselosigkeit der maßgebenden und beteiligten Organe in unzweideutiger Weise zum Ausdruck bringen.
Auf der Warte.
Der Außenminister Stresemann weilte in Oslo, um dort einen durch die Verleihung des Friedensnobel⸗ preises an ihn bedingten Vortrag zu halten. In treff⸗ lichster Weise hat er den Friedenswillen des deutschen Volkes in seinen Worten dokumentiert. An die rüsten⸗ den Völker richtete er eine Warnung.— Der Roya⸗ listenführer Daudet, der aus dem Pariser Gefängnis durch einen Trick entfliehen konnte, ist nun nach mehr als 10 Tagen immer noch nicht durch die Polizei ge— funden worden. Er schreibt in seine Zeitung weiter Leitartikel und macht sich dabei über die hilflose Pari⸗ ser Polizei lustig.— Das Handelsprovisorium zwischen Deutschland und Frankreich lief am 1. Juli ab, ohne daß es den Unterhändlern gelungen wäre, eine Ver— längerung zu erzielen, sodaß z. Z. ein vertragsloser Zu⸗ stand herrscht. Für unsere Wirtschaft ein bedenklicher Zustand, da die Nachbarstaaten auf Warenaustausch an⸗ gewiesen sind.— Der amerikanische Flieger Byrd, der mit einem Drei-Motoxenflugzeug und drei Begleitern über den Ozean flog, ist in der Nähe der französischen Küste ins Meer gestürzt, nachdem er wahrscheinlich vor⸗ her schon einige Stunden über Frankreich gekreuzt hatte und ganz in der Nähe von Paris gewesen sein soll. Die Besatzung ist gerettet, doch dürfte das Meer dem Flug⸗ zeug böse mitgespielt haben.— Nachdem nun die Auf⸗ forderung an die beteiligten Mächte ergangen ist, Ver⸗ treter zur Kontrolle der Schleifungen der deutschen Ost⸗ festungen zu entsenden, stellt es sich heraus, daß nur Frankreich(Poincaré!) und Belgien daran Interesse haben. Wir sehen wieder einmal, wo die Triebfedern der Schwierigkeiten, die Deutschland bereitet werden, sitzen.— Der deutsche Reichstag schaffte schwere Arbeit: er verlängerte das Mieterschutzgesetz, lehnte die Ver⸗ längerung des Fürstenabfindungsgesetzes ab, genau wie es der Reichsrat mit der geplanten Zollerhöhung tat. Die Regierung kommt daher aus einer Zwickmühle in die andere.— Derweilen prügelt man sich kreuzver⸗ gnügt im preußischen Landtag, um die Würde des „Hohen Hauses“ und den geistigen Hochstand der Volks⸗ vertreter zu beweisen.— Die Landtagswahlen in Meck⸗ lenburg⸗Strelitz weisen einen Ruck nach links auf.— In Koblenz wurde eine Rheinausstellung eröffnet.— In Hessen feierte die Stadt Alzey in Anwesenheit des hessischen Staatspräsidenten, vieler Behörden und einer großen Zahl von Teilnehmern das Fest ihres 650jähri⸗ gen Stadtjubiläums.
Von der Heimvolkshochschule.
Die Heimvolkshochschule Hohensolms, Kr. Wetzlar, beginnt Anfang Oktober 1927 wieder mit einem Kur⸗ sus für junge Menschen, welcher bis Weihnachten läuft, Gesamtthema: Zeit- und Lebensfragen der Gegenwart.
Die Heimvolkshochschule ruft junge Menschen, die wachen Blicks im Leben stehen, für einige Monate aus der Arbeit an einen Ort der Stille, da sie fern von der Hast des Alltags Zeit und die Möglichkeit haben sollen, zu eigener Besinnung auf die letzten tragenden Kräfte, die dem so sinnlos anmutenden Leben der Gegenwart neuen Sinn zu geben vermöchten. Sie will helfen zur Klärung der eigenen Lebensrichtung und stärken zu neuem Kampf auf dem Platz in dem alles fordernden Wirtschaftsleben der Gegenwart. Nachdem für den Menschen unserer Tage alles zusammengebrochen ist,
den, was ich durchaus von keinem anderen leiden konnte! Ich eilte mich, die zweite Blattseite herunterzuspielen, damit nut seine dicke Hand mir nicht zu früh in meine Noten griffe. Das half: der Rektor blieb wie gebannt auf seinem Platze stehen; schon hatte ich umgeschlagen und spielte ganz mutig auf die heikle Stelle los;— da hörte ich unten die Tür des Saales knarren und ich konnte nicht umhin, zu sehen, wie überall sich die Köpfe nach rückwärts wandten. Wieder wurde geflüstert, und mehr noch als zuvor:— ich wußte nicht weshalb, aber det Atem stand mir still. Da hörte ich neben mir ganz deutlich eine Stimme sagen: Aber ich dachte, er käme erst morgen; wis hübsch, daß er heut' schon da ist!!— Er war also dennoch anz gekommen!— Es war ein betäubender Schlag, der mich ge— troffen hatte.— Was konnte ich dem Manne, dem großen Künstler, mit meinem Spiel noch bringen!— Wo dort unten im Saale mochte er jetzt stehen oder sitzen?— Aus all den Hunderten von Gesichtern starrten mich seine Augen an; und nun— ich fühlte es— neigte er das Ohr, um jeden meiner Töne aufzufangen. Eine wahre Jagd von Angstgedanken raste durch meinen Kopf; noch ein paar Takte versuchten es meine plötzlich wie gelähmten Finger; dann überfiel mich eine rak— lose Gleichgültigkeit, zugleich eine seltsame Entrüstung in längst vergangene Zustände. Mir war auf einmal, als stehe das Klavier auf seinem alten Platz im elterlichen Wohnzimmer; auch mein Vater stand plötzlich neben mir; und statt in die Tasten griff ich nach seiner Schattenhand.
„Was weiter geschah, weiß ich kaum. Als ich mich wieder auf mich selbst besann, saß ich auf einem Stuhl in dem hintet dem Podium des Saales befindlichen Zimmer, in dem wit unsere Ueberkleider abzulegen pflegten. Ich sei krank gewor⸗
den— so war mir, als hätte ich drinnen noch gesagt.
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