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Sonnabend, den 8. Januar 1927.
26. Oktober 1921, wurde am 11. Dezember 1926 evan⸗ gelisch getauft. Ihr zweites Kind, Walter, geboren am
krank, im Hause der Eltern ebenfalls vom evangelischen Pfarrer getauft. 29. Mai 1926, wurde, wie die Mutter aussagt, wider
soziale Frage doch heute eine Kardinalfrage ist und andererseits uns Herr Kümper in Anbetracht der bevorstehenden Eingemein⸗ dung Sossenheim über lokale Angelegenheiten Wichtiges zu sagen
ihrer evangelischen Freunde, die mit ihnen auch politisch die⸗
13. März 1923, wurde am 24. Januar 1926, weil Ihr drittes Kind, Erika, geboren am
ihren Willen in der katholischen Katharinenkirche zu Halberstadt getauft und zwar am 14. Juli 1926 durch den römisch⸗katholischen Pfarrer Ileke. An diesem Tage taufte dieser Herr auch die andern zwei schon ge⸗ tauften Kinder und bescheinigte im Familienstamm⸗ buch, in dem die christliche Taufe evangelischerseits amt⸗ lich schon bescheinigt war, unter dieser Bescheinigung, wie folgt: Bedingungsweise katholisch getauft am 14. Juli 1926 in St. Katharinen, Halberstadt. Iseke, Pfar⸗ tet. L. S.“— Der römisch⸗katholische Priester bezwei⸗ felt also, daß der langjährige evangelische Oberpfarrer von Halberstadt korrekt tauft. Echt römisch⸗katholische Anmaßung und Friedensstörung.
Aus unserer Bewegung.
Sossenheim. Anfang Januar soll im Cafe„Kuhlemann“ wieder eine Versammlung stattfinden, auf die unsere Mitglieder und Freunde heute schon aufmerksam gemacht werden. Als Red⸗ net haben wir Herrn Stadtverordneten Küm pe r⸗Ffm.⸗Rödel⸗ heim gewonnen, der über soziale und lokale Fragen sprechen wird. Der Besuch dieser Versammlung kann unseren Mitgliedern und Freunden nur wärmstens empfohlen werden, da einerseits die
hat. Auch mit auswärtigem Besuch ist zu rechnen. Wir hoffen, daß es sich unsere Mtglieder angelegen sein lassen, den Kreis
selben Anschauungen vertreten, zu erweitern. Mit den benach⸗ barten Ortsgruppen könnte so eine engere Fühlungnahme ge⸗ schaffen werden, die wünschenswerte Anregung bringt und mit dazu beiträgt unsere Bewegung lebendig zu erhalten und zu sördern. Genauer Termin wird auch in der„Evangelischen Warte“ noch bekannt gegeben. Der Vorstand.
Mittesung der
Neichsgeschüftsstele.
Einladung.
Wir laden unsere Mitglieder und Freunde zum
zweiten Rednerkursus der Evangelisthen Volksgemeinsthaft in Gensingen
vom 22.—24. Januar 1927 hiermit freundlichst ein. Die Tagung hat vornehmlich den Zweck, unsere Freunde
mit dem notwendigen Werbematerial für die kommen de Zeit auszurüsten.
Unsere Bewegung muß immer
mehr an Boden gewinnen. Das kann nur erreicht wer den, wenn wir jetzt in Stadt und Land die regste Ver⸗
sammlungstätigkeit entfalten.
Im Herbst 1927 ist Landtagswahl!— Die auswärtigen Teilnehmer sind
Gäste unserer Freunde in Gensingen. Wir bitten um Anmeldung bis spätestens Mittwoch, den 19. Januar, an den Vorsitzenden der Ortsgruppe Gensingen, Herrn Lehrer Schmahl.
Tagungsplan:
Samstag, den 22. Januar, 2—3 Uhr:„Was lehrt die Volksabstimmung am 5. Dezember?“(Reichsgeschäfts⸗
führer Weidner);
3—4 Uhr: Schulfragen(Studienrat Pröscher⸗ Mainz).
Sonntag, den 23. Januar, 11—12 Uhr: Die Richtlinien der Evangelischen Volksgemeinschaft(Dr. jur. Moe⸗ genburg⸗ Frankfurt a. M.); 12—1 Uhr: Soziale Aufgaben in Stadt und Land(Stadtverord⸗
neter Kümper-⸗ Frankfurt a. M.).
Montag, den 24. Januar, 2—3 Uhr: Die Bedeutung der Evangelischen Volksgemeinschaft im Gemeinde⸗ leben(Lehrer Greb-⸗Weisenau); 3—4 Uhr: Die„Evangelische Warte“— das öffentliche Gewissen
(Schriftleiter Hamburger ⸗Staden); 4—5 Uhr:
Mainz⸗Bretzenheim).
Religion und Politit(Pfarrer Veller⸗
An die Vorträge schließt sich eine Aussprache an.— Samstag Abend, Sonntag Nachmittag und Abend finden in Rheinhessen Versammlungen statt. Wir sind jedem dankbar, der sich als Redner für diese Versamm⸗
lungen zur Verfügung stellt. sofort an die unterzeichnete Stelle.
Es braucht niemand allein zu reden.
Anmeldungen als Redner erbitten wir
Mit evangelischem Gruß! Reichsgeschäftsstelle der Evangelischen Volksgemeinschaft.
Weidner.
Ne
Gustav Adolf und unsere Zeit.
Zeitgemäße Betrachtungen zu Friedrich Bartels' Gustav Adolf⸗ ö Drama. ö
Es war in diesen Blättern bereits die Rede von der Zeit des großen Schwedenkönigs, den geschichtlichen Vorbedingungen in Deutschland, aus denen sein Werk erwuchs. Es erübrigt noch, einige Worte über das Dichtwerk selbst zu sagen, das den be⸗ deutsamen Titel trägt:„Gustav Adolfs deutsche Sendung“, wo⸗ mit von vornherein gesagt ist, daß dieses Werk sich wesentlich ab⸗ hebt von allen herkömmlichen Gustav Adolf-⸗Dichtungen. Was dieses Werk uns zu sagen hat, ist nicht nur wertvoll als histori⸗ sches Zeitgemälde, sondern von allergrößter Bedeutung für das heutige Deutschland, denn wir können wohl sagen, daß wir gegen⸗ wärtig wieder in einer Gegenreformation leben, die vielleicht noch schlimmer ist als die zur Zeit unseres Helden— wenn sie auch heute mit versteckteren Mitteln arbeitet und ihre Erober⸗ ungen zunächst noch auf„friedlichem“ Wege zu machen sucht.
Was hat die Gegenreformation ermoglicht? Dis deutsche Uneinigkeit! And was ermöglicht auch heute wieder das Vor⸗ dringen Roms? Nichts andres als die deutsche Uneinigkeit, die Lauheit und Zersplitterung weiter evangelischer Kreise, die heute noch größer sein dürften als zur Zeit der ersten Gegenrefor⸗ mation. Und so braust Bartels“ Drama dahin wie ein heiliger Gewitterzorn über die unselige Lauheit, Feigheit, Charakter⸗ losigkeit und Zersplitterung des heutigen Deuschlands. Denn das Werk ist ganz und gar aus unsrer heutigen Zeit geboren, der Dichter benutzt nur die historische Vorlage, um unsern Zeitge⸗ nossen einen Spiegel vor die Seele zu halten, in dem sie sich selbst erkennen können: Seht, so war es damals, aber so ist es auch heut! Ihr Deutschen seid in nichts besser geworden, aber in man⸗ chem wohl noch schlimmer!
So hat Bartels ein Stück Volks⸗ und Völkerleben des 17. Jahrhunderts zum Symbol lebendigster Gegenwart erhoben, das berufen ist, die deutschen Seelen wachzurütteln. Einige Stellen aus der Dichtung werden dies hinreichend dartun. Mit Bezug auf die enttronten Fürsten läßt er seinen Helden sagen:
Ich brachte mich nicht in Gefahr,
nur weil ich verunglückte Nobilitäten,
die nichts gelernt als sich selbst anbeten, nun meinerseits anbeten möcht:
O seid so gut, ihr Göttersöhnchen,
und setzt euch wieder auf eure Thrönchen!— Führer zu sein, wurden Fürsten geschaffen, Führer des Volks, nicht seine Schlaraffen, Führer im irdischen Gefechte,
und Schweiß und Opferblut sind ihre Rechte.
Es ist erschütternd, wie dieser„blonde Löwe von Mitter⸗ nacht“ mit den deutschen Fürsten seiner Zeit ins Gericht geht. Am schlechtesten fahren dabei weg der Kurfürst Georg von Bran⸗ denburg und Johann Georg von Sachsen, der sogenannte Bier⸗
könig“, von denen es einer dem andern gleichzutun sucht in Lastern und Erbärmlichkeiten. Es sind abschreckende Bilder von Fürsten, die hier mit unerbittlichem Wahrheitsmut enthüllt wer⸗ den— von Fürsten, die der Einigung Deutschlands und der deutschevangelischen Sache unberechenbaren Schaden zugefügt und Gustav Adolfs Werk vereitelt haben. Denn was Gustav Adolf
1 geschaffen hätte, wenn sich die deutschevangelischen Fürsten seiner
Zeit geschlossen auf seine Seite gestellt und ihm nicht dauernd Hemmungen bereitet hätten, das läßt sich kaum absehen, wir
Im Familienkreis
Zu Georg Wilhelm, von dem er zur Buße verlangt, das
Kartaunenrohr zu küssen, läßt der Dichter seinen Helden sagen: Du kamst, unsers Herrgotts wehrhaftem Eisen die Ehre, die ihm gebührt, zu erweisen; denn weil du's nicht in Dienst genommen, drum bist du so herunter gekommen, drum wardst du zum Feind wie zum Freund zu lahm, deinem Feind ein Spott, deinem Freund eine Scham.
Aber derselbe Mann, der so hart ins Gericht geht mit den Fürsten, er hält auch ein unerbittliches Strafgericht über das Volk, das imstande ist, selbst den besten seiner Fürsten die Treue zu brechen:
„Ein Volk, das dem Fürsten die Treue nicht hält, ist faules Laub, vom Winde gefällt.
Und wer nun meineidig und liederlich
seinen Fürsten auch fürder läßt im Stich, widerstrebt mir als nichtswürdiger Bube,
und ich kehr ihn mit schonungslosem Besen hinab zum Verwesen,
hinab in die Grube!“
Die größte Schmach des deutschen Volkes ist, daß es seinem Größten, dem Fürsten Bismarck die Treue nicht gehalten hat, sodaß seine Entlassung überhaupt möglich wurde, ganz abgesehen davon, wie grimmig viele Deutsche Bismarck gehaßt und ihm sein Werk erschwert haben. Von dieser ungeheuerlichsten Treu⸗ losigkeit, die nicht allein auf Wilhelm II. zurückfällt, sondern auch das deutsche Volk belastet(die schon ihr Vorbild findet in der Treulosigkeit und dem Verrat der alten Germanen an Ar⸗ min, dem ersten Befreier und Reichsschmied) datiert unser gan⸗ zes Unglück. Jetzt stehen wir mitten drin in der grauenvollen Verwirrung aller Begriffe, mitten drin in der Tragödie des deutschen Volkes, die nicht erst mit dem Weltkrieg;— das war nur die Gesamtauswirkung, das letzte Glied der großen Kette tragischer Verwicklung— sondern bereits und genau mit Bis⸗ marcks Entlassung beginnt.
Und heute sind wir wieder in einem Stadium angelangt, daß uns ein neuer„Held aus Mitternacht“ nottäte, der dem deutschen Volke seine Sünden und unheilvollen Schwächen vorhält und in die Seele brennt, daß es vor Scham versinken oder sich end⸗ gültig aufraffen müßte aus seiner ewigen Schmach und Schande.
Die folgenden Worte mögen sich alle sogenannten Pazifisten sowie all jene, die da glauben, sich mit unsrer heutigen Lage ab⸗ finden zu müssen, hinter die Ohren schreiben. Gustav Adolf spricht sie zum Kanzler des Kurfürsten auf dessen Vorhaltung: König, du rasest!!:
Die Wahrheit rast,
wo Lüge die Herrschaft sich angemaßt!
Denn gottvertrauende Lust an der Tat,
durch die allein ein Reich mag erstarken,
wo fand man sie in euren Marken?
Lügen hat einer den andern gelehrt,
bis alles Volk seines Fürsten war wert.
Oder wähnte nicht jeder, Herr wie Knecht,
durch frömmelndes Reden von Frieden und Recht
mücht's ohne Armada und Mühn euch beglücken,
an den Nöten der Zeit euch vorbeizudrücken? Kanzler Götze:
Des klagte ich selbst mein Volk schon an,
doch frag ich auch, wie es sich bessern kann! Gustav Adolf:
0 würen um Jahrhunderte weiter und hätten das deutschevange⸗ liche Kaiserreich schon 200 Jahre vor Bismarck erleben können.
Wie kann es sich bessern, wenn ihr nicht wißt,
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daß Gott vor allem der Mächtige ist?
Dient ihr, die ihr aller Macht entsagt
und weibisch dann über Unrecht klagt,
dem Vater, dem mächtigen Schöpfer so schlecht, wie wollt ihr erlangen den Sohn und sein Rechte Ihr bleibt, da hilft kein Plappermaul,
ganz wie ihr seid, nicht Saul noch Paul!
Hinein in der Völker irdisch Gefecht, Schweißbluten, Blutschwitzen sind all dein Recht! Bist du zu faul, zu feig dazu,
geh um denn, deutsches Volk, auch du,
zu suchen dein Recht ohne Heimat und Ruh,
in des ewigen Juden Wanderschuh
und bleib, wie du Recht ohne Macht erkennst, der schaffenden Menschheit verfluchtes Gespenst, bis Gnade du erlangt statt Recht,
du fahnenflüchtig Verrätergeschlecht!
Das sind bittere Worte, die unser heutiges Geschlecht noch weit vernichtender treffen als die deutschen Zeitgenossen des gro⸗ zen Schweden, der ein so warmes Herz für Deutschland besaß, daß er sein Leben dafür in die Schanze schlug:
„Ja, Mann, mein Herz blickt unverwandt hinüber insschwedische Heimatland;
doch sage, du deutscher Erde Entsproß' ner,
ja sage, wer dient ihr unverdroß'ner
von der Windel bis zum Totenhemde,
als ich, ihr Kind aus der schwedischen Fremde!
O Deutschland, Deutschland, vor deinem Namen wir voller Ehrfurcht herüber kamen,
doch war dein Name nicht eitel Wind,
so war er das Erbe edler Väter,
das die Söhne vergeuden, denn diese sind herzlose Schleicher, dumme Verräter!
Vernichtender hat nie ein Dichter über die Deutschen Gericht gehalten als Friedrich Bartels in seinem Gustav Adolf⸗Drama, aber kein ehrlicher Deutscher wird ihre Wahrheit bestreiten wol⸗ len, und uns können heute nur noch die bittersten Wahrheiten helfen.— Sehr beherzigenswert für alle sogenannten Aufge⸗ klärten und„Freidenker“, die sich klüger dünken als andere Men⸗ schen, sind auch die Worte:
Niemand steht über den Parteien
der Glaubensarten als Gott allein Und so auch hat mich der Herr aller Welt, ohne mich zu fragen, hineingestellt
in meine und keine andre Partei,
auf daß sie meine Werkstatt sei,
und ich halte den letzten Tropfen Blut,
ihr die Treue zu halten, nicht für zu gut.
Fürwitz, daß du vertrauen könntest und dem Herrn aller Welt die Herrschaft gönntest!. Doch immer wähnt er, Gott gleich zu sein, erhaben über den Parteien; doch nicht darüber, darunter steht er, in Herrsch- und Habsucht ein ew'ger Verräter. Er trennt, was sonst verträgt sich gut, er mischt, was Gott geschieden; Krieg führt er ohne Opfermut, Unfriede im Herzen, schließt er Frieden. Ganz erschütternd aber ist, was der greise Schütte, Gustas
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