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Sonnabend, den 8. Januar 1927.

Evangelische Warte

Nr. 2.

muß das sein, was ihr Name besagt:Zeugin des Evan⸗ eliums. Es ist unser Programm, es weist uns darauf in, daß evangelischer Geist, daß evangelische Weltan⸗ schauung, daß die Gesinnung Christi Auswirkung u. Aus⸗ gestaltung finden soll im Erwerbsleben. Es fordert, daß dessen Ordnung und Aufbau im Geiste seiner Grundsätze geschehe. (Schluß folgt.)

Aufwertung.

Der Badische Landesverein für Innere Mission hat die ihm darlehensweise überlassenen Gelder voll aufgewertet. Er tat es vor allem aus Dankbarkeit für die ihm in schweren Zeiten gewährte Hilfe. Die Dar⸗ lehen aus der Vorkriegszeit wurden in Goldmarkwäh⸗ rung umgeschrieben, die späteren zum vollen Dollar⸗ wert des Tages, an dem sie zur Verfügung gestellt wur⸗ den, umgerechnet. Natürlich mußte darauf gesehen werden, daß diese also aufgewerteten Darlehen in den ersten Jahren möglichst nicht gekündigt werden. Bei getilgten hypothekarischen Darlehen hielt sich der Lan⸗ desverein an die gesetzlichen Aufwertungsbestimmungen. Diese entgegenkommende Regelung war nicht ohne Ein⸗ fluß auf das finanzielle Vertrauen zum Landesverein. So manche erklärten dankbar, daß ihre Darlehen an den Landesverein das einzige seien, das ihnen von ihrem Vermögen erhalten geblieben sei.

Der Evangelisch⸗lutherische Kirchengemeindever⸗ band in Leipzig hat die Darlehen, die den ihm ange⸗ hörigen 31 Kirchengemeinden durch Tausende ihrer Mitglieder in der Inflationszeit für Besoldungen u. a., zur Verfügung gestellt worden sind, nach dem Dollar⸗ kurs von dem Ausfertigungstage des Darlehensscheins aufgewertet und mit einem 50prozentigen Zuschlag zu rückgezahlt.

Jeder, der dies liest, wird sich darüber freuen, daß gerade die evangelisch⸗kirchlichen Instanzen in der Auf⸗ wertung mit gutem Beispiel vorangehen.

Konfesslonelle zerreißun 425 1 des deuljchen Volles.

Auf Zentrumsseite wird so gerne darauf hingewie⸗ sen, welch großes Feld gemeinsamer Arbeit Katholiken und Evangelische auf vaterländisch⸗kulturellem Arbeits⸗ gebiet hätten, und es wird dem Zusammenarbeiten auf solchen Gebieten in schönen Redensarten eifrig das Wort geredet. Das geschieht besonders, wenn man Evangelische für den Eintritt in die katholische Kirche gewinnen und dazu anlocken will, wie es z. B. der Je⸗ suit Pribilla in seiner Schrift über die Wiederver⸗ einigung im Glauben so geschickt tut. Leider lassen sich manche naive Evangelische durch solche Sirenenklänge betören.

In Wirklichkeit aber, wenn man sich katholischer⸗ seits unter sich fühlt, ist die Praxis ganz anders; da führt sie zu absichtlich betriebener Zerreißung des deut⸗ schen Volkes in zwei konfessionell getrennte Lager, auch bei solchen Aufgaben, in deren Lösung Evangelische und Katholische gemeinsam vorgehen könnten. Dafür aus jüngster Zeit nur zwei Beispiele. In derKölnischen Volkszeitung Nr. 856 ist von der Fürsorge und Pflege für das Auslandsdeutschtum die Rede. Da heißt es ganz scharf:Keine flache Interkonfessionalität! And in die Jugend schon soll da nach Zentrumsanschauung auch auf diesem rein vaterländischen Gebiet die konfes⸗ sionelle Abneigung hineingetragen werden, wenn ge⸗ sagt wird:Es ist nicht nötig, daß der interkonfessio⸗ nelle Verein für das Deutschtum im Ausland die Jun⸗ gen und Mädchen interkonfessionell zu Unterhaltungs⸗ abenden vertraulicher Art zusammenführt.

Aehnlich schreibt dieKölnische Volkszeitung Nr.

Dornenwege.

Roman von Clara Meller. 6. Fortsetzung.

Nur in einem Augenpaar hatte sich seit dem plötzlichen Tode des Herrn eine grimme Verbissenheit festgesetzt, das war in dem des Gärtners Joseph Dammrat. Er verwand es nicht so schnell, was man seinem Herrn getan, schon seit dessen Ver⸗ heiratung stand er bei ihm in Diensten, sie beide verstanden sich.

Pater Markus aber, der stets verzeihende Gottesmann, war Frau Petronellas Stütze und Rat geworden in allen Dingen. Mehrere tausend Mark hatte er bereits für Seelen⸗ messen usw. hinausgetragen, denn Xaver Wendtland war ja, ohne die heiligen Sterbesakramente empfangen zu haben, ge⸗ storben, das kostete schwere Opfer, aber die junge Witwe brachte sie mit gotterfülltem Herzen, dann tat sie Genüge.

Ohne daß es jemand empfand, war die Wirtschaft lang⸗ sam zurückgegangen, die Wohlhabenheit mehrte sich nicht mehr von Tag zu Tag, aber das drückte durchaus keinen Sorgen⸗ stempel auf das gleichmütige Gesicht der stattlichen Frau. Es vermochte sie nicht einmal zu erregen, daß Gerhard und Rudi auf keiner Schule mitkamen, überall später den Laufpaß er⸗ hielten; sie glaubte nur mit Beten, ohne tatkräftiges Ein⸗ greifen, die Welt zwingen zu können. Pater Markus durfte mit seinem Mündel zufrieden sein, aber weiter gingen seine rachsüchtigen Pläne. Als Jüngling war er in dem Bann dieser Gletscherjungfrau gewesen, jetzt zwang er sie in seinen, und wenn ein Heiligensteiner seine Hand nach etwas ausstreckte, das faßte er mit Eisenfäusten, das wurde nie mehr frei.

Joseph Dammrat kam vom Friedhof und warf seufzend sein Handwerkszeug in den Garten, dann trug er die künstlichen Kränze, die im Winter seines Herrn Grab gedeckt hatten, in die sogenannteSamenkammer, und schickte sich an, das Rosen⸗ beet zwischen den Taxuswänden der Frühjahrsauffrischung zu unterziehen. Der herrliche, große Magnolienbaum trug schon seine gradaufblickenden Knospen, über Nacht war das kahle Ge⸗ äst wie durch Zauberhand mit Grün und Blüten beworfen, der

871 im Sinne konfessioneller Trennung der Jugend auf einem anderen Gebiet, einer an sich religiös neutralen vaterländischen Jugendarbeit. Es ist da die Rede von einer Zusammenkunft der dem Bühnenvolksbund nahe⸗ stehenden rheinischen Jugendspielscharen zu einer Aus⸗ sprache. Und es heißt da,man sprach über die Vor⸗ teile grundsätzlicher konfessioneller Gliederung der ein⸗ zelnen Gruppen usw. Also auch auf diesem Gebiet vaterländischer Kulturarbeit soll nach dem Willen der Zentrumsführer die konfessionelle Zerreißung des deut⸗ schen Volkes schon bei der Jugend betrieben werden, die doch in vaterländisch-kulturellem Idealismus mög⸗ lichst einheitlich zusammengehalten werden soll.

Dient das nun wirklich der Pflege des konfessionel⸗ len Friedens, die man auf Zentrumsseite so gerne im Munde führt, wenn man die deutsche Jugend auf sol⸗ chen Gebieten in getrennte Lager fordert, in denen ein einheitliches vaterländisches Streben gerade die Jugend aller Bekenntnisse einigen sollte? Und auf welcher Seite sind dann die Störer des konfessionellen Frie⸗ dens?

Was seder Evangellsche wissen muß.

Vom römisch⸗katholischen Priester zum Vorsitzenden des Lutherbundes.

Ein Ereignis, von dem die römisch⸗katholische Presse kaum viel Aufhebens machen wird, meldet die Wartburg Nr. 12, 1926. Danach hat der Lutherbund des ungarischen Montandistriktes den Fürsten Egon Hohenlohe zum seinem Vorsitzenden gewählt. Fürst Hohenlohe war früher römisch⸗katholischer Priester und trat vor zwei Jahren zur evangelischen Kirche über. Am 31. Oktober des Jahres hielt er in der Kirche am Deéakplatz in Budapest die Reformationspredigt.

Die Jesuiten, der stärkfte römisch⸗katholische Männerorden.

Unter den Männerorden der römisch⸗katholischen Kirche ist nach Aeußerungen aus dem Orden selbst, die dieMärkische Volkszeitung vom 10. Dezember 1926 wiedergibt, der Jesuitenorden gegenwärtig an Zahl der stärkste. Er wird in dieser Beziehung nur vom Fran⸗ ziskanerorden überflügelt, wenn man dessen verschie⸗ dene selbständige Zweige zusammenfaßt. Im laufenden Jahre 1926 hat der Orden die Zahl von fast 20 000 Mitgliedern erreicht. Mehr als 4000 Jesuiten sind gegenwärtig in den Missionen des Ordens tätig. Seit der Ordensgründung 1540 sind etwa 750 000 Mitglie⸗ der im Orden verstorben. Daß der Jesuitenorden aber auch an Einfluß sämtliche Orden in der römisch⸗katho⸗ lischen Kirche weit überflügelt, daß sein Geist der in der Kirche herrschende ist, ist eine seit langem bekannte Tatsache.

* Das Land der Heiligen.

Von den imHeiligen Jahre vom Papste heilig, selig und ehrwürdig erklärten Dienern und Dienerin⸗ nen Gottes sind 49 unter 54 Franzosen gewesen. In Rom hat man anscheinend andere Erfahrungen mit Frankreich gemacht als das deutsche Volk auf Grund seiner traurigen Erlebnisse. Die Franzosenfreundlich⸗ keit des päpstlichen Stuhls ist oft behauptet und noch öfter abgeleugnet worden. Vorhanden aber scheint sie doch zu sein. 5

Nömisch⸗katholische Mißachtung der evangelischen Taufe.

Am 11. September 1920 schlossen der Schlosser Ro⸗ bert Januszewski, römisch⸗katholisch, und Selma Mül⸗ ler, evangelisch, vor dem Halberstädter Standesamt die Ehe und wurden in der Martinikirche vom Oberpfarrer Horn getraut. Ihr erstes Kind, Gertrud, geboren am erste Schmetterling wiegte sich lebensfroh im warmen Sonnen⸗ schein; da hieß es schaffen ohne Ende.

Joseph, bist Du hier? fragte Hans.

Ja woll, antwortete er ohne aufzusehen.

Hans lugte vorsichtig um die Taxuswand nach dem Hause hin, ob niemand seiner Spur folgte, dann huschte er zu Joseph: Ich bin dem Heidemann ausgerissen, er kann seine Vokabeln allein lernen, ihm ist ja doch gekündigt.

So? Joseph stieß den Spaten fest in den Erdboden, All wieder en nües Gesicht, das is ja der reinste Duweschlag jetzt!

Nee, ich soll Pater werden, wie der Heiligensteiner, den wir beide nicht leiden können; von Ostern ab werde ich in einem Kloster erzogen!Weeste, Hans, häng' Dich lieber uff!

Hans lachte so recht sorglos aus voller Brust:Nee, so dumm bin ich nicht, aber ich gebe Dir mein Wort, länger wie vier Monate halten sie mich nirgends, dann setzen se mich jett

Alff der Warte.

Mit neuen Hoffnungen treten wir in das Jahr 1927 ein. 1926 hat für unsere Außenpolitik manche Erfolge gebracht, erwarten wir daher dasselbe vom neuen Jahre. Wie weit wir allerdings vom großen Weltfrieden noch entfernt sind, zeigen recht deutlich die Zwischenfälle in aller Welt. Um die Weihnachtstage mußte es gerade wieder einmal dasFriedens-Amerikg sein, das verhüllt die Kriegstrommel schlug. Mittel⸗ amerika und ganz besonders Nikaragua sind ihm be⸗ gehrliche Bissen. Es suchte nach einem Vorwand, seine Macht fühlen zu lassen und landete bei den inneren Wirren des mittelamerikanischen Staates Truppen, an⸗ geblich zum Schutze der amerikanischen dort wohnhaften Staatsbürger. In Wirklichkeit war es ihm vielmehr um die Anterstützung eines Amerika wohlgesinnten Generals zu tun, der aber eine Schlappe nach der ande⸗ ren erlitt. Als zudem die mittelamerikanischen, ja selbst südamerikanischen Staaten sich energisch gegen dieses Vordringen Nord-Amerikas aussprachen, mußte es notgedrungen fast seine gesamten, übereilt gelande⸗ ten Truppen zurückziehen. Eine diplomatische Schlappe Amerikas bleibt zweifellos dieser Vorfall. Aus China kommt die Meldung von christenfeindlichen Un⸗ ruhen. Man hat in Hankau eine lutherische Mission überfallen, Bibeln und Gesangbücher verbrannt. ie wird durch solche Bewegungen mühevolle, jahrelange Arbeit unserer treuen Missionare oft in kürzester Zeit vernichtet. Und unermüdlich fangen sie wieder von vorn an, Leben und dauernde Gefahr nicht achtend. Unser Gruß gelte ihnen bei Beginn des neuen Jahres. Deutschland schloß zwischen den Jahren mit Italien einen Schiedsvertrag ab. Aehnliche Verträge hat es schon mit weiteren 8 Staaten abgeschlossen. Trotzdem ist man in Frankreich schon wieder argwönisch und be⸗ fürchtet Geheimklauseln. Jede Annäherung Deutsch⸗ lands an einen anderen Staat legt sich dieFranzösi⸗ sche Republik als eine Gefahr für sich aus. Dauern⸗ des Mißtrauen schließt aber eine Verständigung zwi⸗ schen zwei Staaten aus. Will denn Frankreich unseren ehrlichen Friedenswillen nicht einsehen? Mit dem WortVerständigung spielt man jenseits der Grenze Fangball. Man braucht nur an die erfolgte Begna⸗ digung der im Rouzier-Prozeß verurteilten Deutschen zu denken. Rouzier, der Mörder, geht trotzdem straf⸗ frei aus. Sonderbarerweise war die deutsche Regierung mit der Begnadigung sofort zufrieden, ohne weitere Schritte zu dem doch nur halb revidierten Arteil zu unternehmen. Sie konnte wahrlich noch mehr tun! Gewiß ist die Blamage für die französische Militär⸗ justiz groß, aber das Pariser Ministerium hätte, wenn es wirklich auf Verständigung so großen Wert legt, nicht halbe, sondern ganze Sache müssen. Es war in der Lage, Rouzier disziplinarisch zu bestrafen, aber der Geist Poincarés beherrscht die Lage. In der Zwi⸗ schenzeit schlägt ein französischer Offizier einem seine Pflicht tuenden Mainzer Straßenbahnschaffner ins Ge⸗ sicht und will ihn zur Urkundenfälschung verleiten. Da kann nur immer wieder die eine Forderung aufgestellt werden: Abzug der Besatzung, so bald als möglich!

Innenpolitisch reiben sich die verschiedenen politischen

Jeitungen um die Ministersessel. Wir werden Mitte Januar wieder in Berlin die herrlichsten Schauspiele erleben können. Wer wird dieses Mal das meiste pro⸗ fitieren? Ganz ohne Kuhhandel wird es wohl doch nicht gehen! Wir von der Evangelischen Volksgemein⸗ schaft werden ganz besonderes Augenmerk auf die Ku⸗ lissenverhandlungen richten müssen.

Werbt für dieEvangelische Warte Dr eee.

storben, ein Opfer desSeelenfischer von Heiligenstein, wie er im Volksmunde hieß.

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Abend war es, dicht verhängter, schwarzumspannter Abend die großen Petroleumlaternen schaukelten, vom Zug⸗ wind bewegt, kreischend in ihren Ketten über dem Fahrdamm und erleuchteten spärlich die Straßen von Staffelhausen, alle Ecken und Winkel in geheimnistiefes Dunkel lassend. Die Wol⸗ ken stürmten wie wilde Meereswellen übereinander gedrängt dahin; den Mond verhüllend; dann ihm wieder freien Ausblick lassend, ein Kämpfen und Ringen um die Herr⸗ schaft am Himmelsgewölbe. Das war der Abend vor dem Osterfest, das man so gern voll Sonnengold und Himmelsklar⸗ heit begrüßt! Die Glocken waren schon lange verklungen, die das Fest eingeläutet hatten und doch glaubte man die letzten Schwingungen zitterten noch nach und summten den letzten Ton in nicht endenwollendem Laut in Ohr und Herzen. Am

an de Frühlingsluft, mit den Brüdern werde ich schon fertig!

Hans, Hans, Du kennst det Unjeziefer nich, det is ne Heu⸗ schreckenplage!

Und ich werde nicht Pater! Zu Brigitte's Hochzeit mit Rittmeister Döring bin ich wieder hier!

Aber es gab nie Gitta Wendtlands Hochzeit!

Wie wenn die Dämmerung dumpf und schwer in das Ge⸗ mach schleift, so kam das Unglück, unfaßbar, wesenlos, über zwei hoffende, junge Menschenkinder, Gitta und ihren Verlobten acht Wochen vor der festgesetzten Hochzeit.

Wie damals, warer eingekehrt und den ganzen Fana⸗ tismus seiner falschen Sinne goß er über die erschauernde, junge Seele, und als sie sich in ihrer Seelenangst an eine Freundin wendete und diese zu ihr kam, da zog sich auch das Netz über sie und das Unerhörte geschah, beide gingen in ein Kloster, für immer schloß sich die Pforte hinter diese armen Verblendeten, und die Hauptsache des listigen Werben, das große Vermögen, floß in den Molochsrachen des Klosters. Rittmeister Döring setzte alle Hebel in Bewegung, seine schöne Braut zu sehen, kein ehrliches Wettern und Toben, kein Bitten, keine Bestechung half, er sah seine Gitta nie mehr, sie war für die Welt ge⸗

Vorabend! Die Bürger überboten sich fast in emsigem Fleiß, ganze Wasserbäche flossen von den hohen Steintritten herab und die großen Messingschlösser der Haustüren blitzten, als ent⸗ lehnten sie ihren Glanz der Sonne. Punkt 5 Uhr hatten die Polizeidiener ihre Runde angetreten, ob nicht irgend ein träger Hausbesitzer vergaß, die Straße zu fegen, oder die Rinnsteine noch Schmutzwasser aufwiesen, das kostete einen Taler Ord⸗ nungsstrafe, und aus den Bäcker- und Fleischerläden scholl noch das hastige Hantieren, um die letzte dringende Arbeit zu vollen⸗ den. Nur die frohe Jugend war auf die vier Höhen hinaus⸗ gezogen, die Osterfeuer anzubrennen, ihr altes Recht zu wahren, auch ein Nachklang alter Heidenbräuche.

Dore und Arle Benningsen hatten Großvaters alte mes⸗ singene Handlaterne angezündet, seineMitternachtssonne, wie er sie scherzend einst benannte, und waren nach dem Giebels⸗ stübchen gegangen, um von dem hohen Ausblick die lohenden Feuer mit anzusehen. Wie Leuchtkäfer tanzten die Papier⸗ laternen um die Osterflamme, und die Nachzügler zeichneten mit ihren Lampions den Weg bis zur Stadt, einem Kreuz gleich, dessen Herz das kleine, friedliche Staffelhausen bildete.

(Fortsetzung folgt.)

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