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Sonnabend, den 7. Mai 1927.

Evangelische Warte

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kann also in diesem Falle nicht als Feind oder Enthaltsamkeits⸗ fanatiker verdächtigt werden, der das Kind mit dem Bade aus schüttet und überhaupt nicht mitzureden hätte aber ich sage, was gerade in dieser Hinsicht Bier und Tabak in man⸗ chen vaterländischen Verbänden geleistet wird, überschreitet wirklich oft das Maß des Anständigen. Ich habe manche Ver⸗ sammlung und Veranstaltung mitgemacht, daß einem vor Qualm die Augen übergingen. Ich sage: alles mit Maß und alles an seinem Platze! Man schaffe wenigstens das Zuviel von Tabak und Alkohol ab, dann springt schon ein ganz Er hebliches zur Geistespflege heraus! Gustav Hildebrant.

Nur einen Tropfen Oel.

Die Nähmaschine geht nicht mehr so leicht und spielend wie im Anfang. Woran mag es liegen? Nur eine Kleinigkeit Oel und die Räder eilen wieder in geräuschloser Eile dahin. Ein Tropfen Oel mag Wunder wirken, aber er tut es nicht allein im Rädergetriebe der Maschine. Oel ist das Geheimnis auch des glücklichen Familienlebens, des Zusammenlebens im Alltag. Oel der Liebe sänftigt die Geister, Oel der Freund lichkeit beflügelt die Schritte, Oel der Vergebung heilt die Seelenwunden, Oel der milden Beurteilung stärkt das Ver trauen, Oel guter, milder Worte läßt die Reibungen des Ver kehrs verschwinden. Glückselig das Haus, in dem jedes ein solches Oelfläschchen hat und den notwendigen Tropfen zu rech ter Zeit zugießt. Ein Wort der Anerkennung ist für die Seele der müden Hausmütter ein Balsam, ein Wort des Dankes aus der Kinder Mund läßt die Eltern alle Sorge und Mühe vergessen, und ein Wort der Güte hilft den Kindern über den Berg hinüber. Dieses alles wird bewirkt durch das Wunderöl der echten Liebe. In manchem Hause fehlt der Wunderbalsam gegen Brand-, Schnitt und andere Wunden nicht, aber der Seelenbalsam, das Oel der Liebe, mangelt, und darum knirschen die Räder und pfeift der Umgang. Wenn unsere Oelgefäße leer geworden sind, so dürfen wir sie durch die Kraft des Hei ligen Geistes wieder füllen lassen. Manchmal merken wir das selber gar nicht so. Da ist es gut, wenn man sich gegenseitig sagt: Dein Oelfläschchen ist leer geworden. und wenn man dann in der Stille seinen Heiland um neues Oel gebeten hat, darf man es wieder anwenden und den rettenden Tropfen zu gießen. Es darf nicht zu viel und nicht zu wenig sein, aber im rechten Maße angewandt, wirkt es köstliche Wunder im gan

zen Hause. 2 Und du selbst?

Von dem weisen Scheik Omar ben Nahib wird etwas er zählt, worin ein jeder eine Lehre für sich finden kann. Eines Tages kam sein Neffe Hassan zu ihm und klagte:Meine Fa⸗ milienverhältnisse sind sehr wenig zufriedenstellend. Die Jun⸗ gen wollen nicht gehorchen, und alles geht, wie es unter sol chen Umständen möglich ist.Das habe ich schon lange ge sehen, antwortete der Alte ernsthaft.Aber nun soll es anders werden.Ja, das ist auch die höchste Zeit! Aber was willst du machen, damit das geschieht?Gerade des⸗ halb komme ich zu dir, um dir es mitzuteilen. Meinen Erst⸗ geborenen will ich zu deinem Sohn in die große Stadt am Strand senden, damit er dort Gehorsam lernen kann. Die bei⸗ den Jüngeren sollen meine eigene harte Hand zu fühlen be⸗ kommen, wie sie es brauchen. And was meine Mädchen an betrifft, so hoffe ich, daß du, erfahrener Scheik, ihnen ein Ver⸗ ständnis für das beibringen wirst was ihre Pflicht ist... Lange blickte der weise Onkel mit seinen klaren, klugen Augen auf Hassan und sagte zu ihm mit liebevollem, aber ernstem Ausdruck in seiner Stimme:And du selbst, Hassan? Der Neffe beugte sein Haupt und ging still fort; aber in seiner Familie wurde es schnell andern, ohne daß er es nötig gehabt hätte, alle die strengen Maßregeln gegen die anderen zu er greifen.

Ist die Geschichte Hassans nicht ein Beispiel für viele, viele Familien?... Manchmal klagen Eltern darüber, daß ihre Kinder so ungehorsam und ungezogen sind. Sind die Kinder allein daran schuld? Oder sitzt der Schaden tiefer? Klagst du vielleicht über deine Familienzustände, dann frage dich zuerst, wie es mit dir selbst steht. Bedenke: Christus ist für uns alle gestorben, damit wir, die wir leben, hinfort nicht uns selbst leben, sondern dem, der für uns gestorben und auferstanden ist. Das muß uns einmal so durchs Herz gehen, daß wir es nicht mehr los werden können.

Ueberhaupt ist das

die große Hauptsache: Stimmt es in irgend einer Sache nicht,

dann suche die Schuld nicht bei andern, was man so gern tut, prüfe zuerst dich selbst, ob du nicht die größte Schuld hat.

Herlinge.

Einmal kommt ein kleines Mädchen vom Kindergottesdienst nach Hause.Nun, liebe Hanna, was hast du heute gehört? fragte der Vater.Eine Geschichte von zwei Männern. Der eine war ein Zöllner.Gut, und wer war der andere? Das Kind besann sich und erklärte dann:Das war ein Fri⸗ seur! Die Geschichte vom Pharisäer und Zöllner war durchge nommen worden. Das Wort Pharisäer war dem kleinen Mäd chen unbekannt, es hatte sich daraus einen Friseur zurecht ge macht!

Ein anderes Kind wurde gefragt:Was sagte der Herr Jesu zu den Taubstummen? Es erwiderte:He, Vater! Das FremdwortHephata hatte das Kind nicht begriffen.

Da erzählt ein Kind von Jairi Töchterlein und meint: Der Herr Jesus hat den ganzen Eisenbahnzug entlang laufen müssen. Wie war das Kind auf diesen Gedanken gekommen? Es hatte gehört:Mein Kind liegt in den letzten Zügen, da bei hatte es sich einen Eisenbahnzug mit vielen Wagen vorge stellt.

Noch andere Beispiele könnte ich anführen, wo Worte der Schrift falsch und irrig verstanden wurden. Seien wir auf der Hut, daß wir es nicht auch so machen! Immer fragen, wenn uns etwas nicht klar und deutlich wird.

In unserem Abschnitt ist auch ein Wort vorhanden, das die allermeisten nicht kennen werden, es ist das WortHerlinge. Daß mir dabei nur keiner an Heringe denkt, die gewiß schon manchem gemundet haben. Nein, Herlinge sind schlechte, un genießbare Früchte. Es gibt gute, dicke, fleischige Kirschen und es gibt auch faule Kirschen. Es gibt saftige Birnen und es gibt Holzbirnen. So gibt es auch edle Weintrauben und Her⸗ linge von wilden, entarteten Reben. Wem gleichen wir?

Es gibt ungenießbare Kinder, die jedem Menschen auf die Nerven fallen, die besonders für die Eltern eine Plage sind, und es gibt Kinder, die so freundlich und lieb sind, daß man sich nicht satt an ihnen sehen kann. Es gibt Kinder, die wirk lich gottesfürchtig sind und Gott von Herzen liebhaben, und es gibt Kinder, die heucheln! Zu welchen gehören wir?

Gott tut alles, was er tun kann, damit wir guten Früch⸗ len gleichen. Er schenkt uns Leben, er veredelt uns, indem er uns einpflanzt in Christus; er gibt uns Gärtner, die für uns sorgen: Eltern, Lehrer, liebe Menschen. Er sendet uns Freud und Leid, Regen und Sonnenschein: aber nun kann er auch erwarten, daß wir Frucht bringen! Wenn wir keine Frucht bringen, verwirft er uns, speit er uns aus seinem Munde. Wir gehen dann verloren; Gott bewahre uns davor!

Diese Predigt möchte uns das WortHerlinge halten.

Adolf Schmidt. *

Das Jahrhundert der Kirche. Wer die Zeichen der Zeit aufmerksam beobachtet und tiefer in die Seele unseres Volkes hineinschaut, der wird die erfreuliche Feststellung machen kön⸗ nen, daß trotz der noch in weiten Kreisen herrschenden kirchlichen Gleichgültigkeit oder Kirchenfeindschaft der Wille zur Kirche

und die Liebe zur Kirche im Wachsen begriffen sind. Die k tische Lage, in der sich die Kirche noch vor wenigen Jahren z fand, ist im wesentlichen überwunden. Es regt sich heute wi der gerade bei den Besten unseres Volkes die Sehnsucht g wahrer innerer Führerschaft und nach einer Autorität, die nich durch Menschlich⸗Allzumenschliches erschüttert werden kan Man ist überdrüssig geworden jenes Subjektivismus', der de menschlichen Intellekt und seine bis ins Gigantische gestiegeng Leistungen auf den Thron erhob; man verlangt heute wiede nach den objektiven Mächten, die, unberührt vom Wandel de Zeit, in der Kirche uns entgegentreten. Diese Welt des Gan Anderen, welche die Kirche in ihrer Verkündigung anbei 1 und die nichts zu tun hat mit den Bedingungen, Beschränkung 7 und Gebundenheiten unseres menschlichen Daseins, wird geiah fete auch von der Jugend mit brennender Seele gesucht. Das die seelisch-weltanschauliche Lage, welche die Kirche in del Augenblick vorfindet, wo sie durch die Trennung vom Stag

Wahrheit innerlich frei geworden ist. Damit ist die Kirche u serer Tage vor gewaltige Wirkungsmöglichkeiten gestellt. S 5 hat vor dem modernen Staat ihre mahnende und warnen 5 Stimme zu erheben. Sie muß im Weltanschauungskampf dz Geister, der in kommenden Jahren heftiger denn je entbrenne wird, Führer werden. Sie muß der Jugend zu dem neuen bensinhalt helfen, nach dem sie sucht und um den sie ring Unbeeinflußt vom Staat und ohne Verquickung mit den Sekte Ein gewinnt die Kirche so die Größe ihrer Stellung zurück, Trägessetel. rin des öffentlichen Gewissens zu sein. Je reiner und je selbisselen! loser sie sich dieser Aufgabe unterzieht, um so mehr Menschessil es wird sie um ihre Fahnen sammeln. Durch den inneren Leidenelselden weg der letzten Jahre sind die Menschen von heute reif gewulfsesten den für das Jahrhundert der Kirche. Sie harren der Stun sächf da die Kirche als Macht der Versöhnung die Brücke zwischt I den verschiedenen Volksschichten und Völkern schlägt und ena Lebens- und Arbeitsgemeinschaft schmiedet, die für das deusschsester Volk eine neue Zukunft, für die Beziehungen der Natiopasseudem untereinander eine Zeitwende bedeutet. 0

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Sundar Singh in seiner wahren Gestalt. Von Bräunlich(Verlag Ungelenk, Dresden 24, Preis 3,50). De in ganz Deutschland bekannte Generalsekretär des evangelisch Bundes, lic. Bräunlich, hat unter obiger Ueberschrift eine g⸗ naue Untersuchung über Sundar Singh kürzlich veröffentlich Was Bräunlich dazu in besonderem Maße befähigt, sind sein Erfahrungen bei Antersuchung des Taxilschwindels. Er hu Recht, wenn er uns in seinem Buche nachweist, wie vorsichti man bei Beurteilung derartigerHeiliger sein muß. Seh Endurteil ist: Sundar Singh ist erledigt und muß erledig bleiben. F. 9.

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Jakob Lauth, Pfarrer: Herrn Eberhards Fahndung. G. schichtliches Schauspiel in drei Aufzügen, 52 Seiten, Berl 1927. Verlag des Evangelischen Bundes. 1. f. Eber han der Graf von Erbach, durchglüht von Eifer für die römische lung, Kirche, zieht aus mit seinen Mannen, auf Luther, den Kesen el 80 zu fahnden, wird aber selbst ein Gefangener des deutschen Goh, Mahi! tesmannes. Wie Lauth diese psychologische Entwicklung mi Klasen ihren inneren Feinheiten dargestellt hat, das ist meisterhaff f en Die Mittel, einfach, schlicht und doch zu Herzen gehend, üben zeugend. Daher wird das Schauspiel von den Brettern gu seine Wirkung nicht verfehlen. Zur Aufführung auf Verein bühnen sollten, obwohl die Schwierigkeiten nicht allzu groß sind nur ausgesuchte gute Laienspieler herangezogen werden. D 00 f Dichtung verdient die beste Interpretierung. Wir können sie allen Vereinen, die auf wertvolle Bühnenliteratur Gewich 0 legen, warm empfehlen, nicht zuletzt auch der Berufsbühne,

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