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den 7. Mai 1927.
Cdangelsche Leilsähe z.Konkordasprage.
1. Im Interesse des konfessionellen Friedens wehren wir uns gegen den Abschluß eines Konkordats von staatlichem und evangelischem Standpunkt aus.
2. Wir verzichten grundsätzlich auf jede Unter⸗ tützung kirchenfeindlicher oder religiös⸗gleichgültiger Kreise ebenso, wie internationaler polttischer Parteien.
3. Der Staat hat im konfessionell gespaltenen Deutschland die sittliche Pflicht, um der Volksgemein⸗ schaft willen, darüber zu wachen, daß der Unterricht in der Schule(auch in ihrem Religionsunterricht) nicht zu einer Verschärfung konfessioneller Leidenschaften führe. Darum ist die Schule eine Sache des Staates.
4. Der Staat hat in Württemberg und Sachsen gezeigt, daß es ihm ohne Schwierigkeiten möglich ist, über die Regelung kirchlicher Verhältnisse sich mit den Bischöfen der katholischen Kirche zu einigen ohne Kon⸗ kordat.
5. Der Vatikan wünscht Konkordate zu dem Zweck, die Bedeutung seiner römischen irdischen Macht⸗ stellung zu steigern und möglichst anschaulich zu machen. Dazu mitzuhelfen, haben evangelische Kirche und Volk keinen Anlaß.
Auch hat der Staat keinen Grund, die zentralisti⸗ schen Bestrebungen des Vatikans zu bestärken gegenüber den Rechten der Bischöfe.
6. Wollte sich das Deutsche Reich oder der preußi⸗ sche
Sonnabend
Staat in Konkordatsverhandlungen einlassen, so soll vorher verlangt werden, daß der Vatikan auf dem Gebiet des Mischehenrechts die Zustände wiederherstelle, die durch die Bulle Provida 1905 durch Pius X. beson⸗ ders für das Gebiet des Deutschen Neiches als Recht ver⸗ kündet wurde: Selbst die nicht nach dem Tridentinum geschlossenen gemischten Ehen sollen gültig sein. Weil diese Auffassung jahrhundertelang mit dem katholischen Glauben vereinbar galt, verstößt niemand gegen den katholischen Glauben, wenn er diese Torderung erhebt. Sie liegt im Lebensinteresse des Staates, der den Frieden unter den Konfessionen nicht zu erschweren, sondern zu erleichtern hat.
7. Das bayerische Konkordat hat die Rechte des Staates derart preisgegeben, wie keines der seit 1918 mit anderen Staaten abgeschlossenen Konkordate. Sei⸗ nem Beispiel zu folgen, wäre für das Reich und Preu⸗ ßen ein Verhängnis.
8. Der dankenswerte Versuch der deutschnationa⸗ len bayerischen Koalitionspartei, die bedenklichen Fol⸗ gen dieses Konkordats durch gesetzuche Erklärungen außerhalb des Konkordats abzuschwächen, war nur von halbem Erfolg begleitet.
9. Konfessioneller Friede, nationale Würde und Achtung der Staatsmacht verlangen gleichermaßen die Ablehnung eines Konkordates.
D. Traub, in München.
Interessantes von den Wahlen in Oesterreith.
Am 24. April fanden in Oesterreich die Wahlen zum Nationalrat statt. Die ersten Nachrichten melden, daß eine bürgerliche Mehrheit zustandegekommen sei. Besonders wichtig ist für uns, einmal einen Blick zu werfen auf die Arbeit der ultramontanen Kreise. Die christlich⸗soziale Partei sammelt in Oesterreich die Ver⸗ treter Roms. Wie wir in Nr. 39 unserer„Evangeli— schen Warte“ vom 25. September 1926 aus der Feder von Karl Gerlach berichteten, war in dem Universi⸗ tätsprofessor Dr. Johann Ude in Graz ein Gegner entstanden. Diesem populären Manne wurde jedoch die Tätigkeit gegen die Christlichsozialen vom bischöf⸗ lichen Kanzler der Diözöse Seckau verboten.
Was nun vor der diesmaligen Wahl erfolgte, das verrät ein an die„Tägliche Rundschau“ gerichtetes Schreiben aus Wien, welches in Nr. 180/181 aubge⸗ druckt wurde. Da heißt es:
Dornenwege.
Roman von Clara Meller. 23. Fortsetzung.
Dore aber eilte besorgt hin und her, für sie war heute ein freier Tag, keine Schülerin kam zum Unterricht, selbst die Evan⸗ gelischen trieb die Neugier, das Gepränge, die feierliche Ein⸗ holung des Kirchenfürsten, zu sehen; da hieß ihr nie rastender Fleiß sie ordnen im Haushalt und der zum Tod erschlafften Schwester alles sorglich und bequem herrichten.
Trotzdem stand das Mittagsmahl fast unberührt; in trübem Nachsinnen blickte Urle zu dem Wandspruch empor: Im Sorgen und im Lieben soll'n fest zusammen stehn, die ein und aus
selbander durch eine Pforte gehn! „Du hast ja des Kaisers Bild schmückt, er hat doch noch nicht Geburtstag,“ fragte sie.
Dore schüttelte energisch den Kopf:„Das soll gewissermaßen Ja, Schwesterherz, wüßte nur unser Kaiser, welchen Platz er leider in den Herzen ihm, doppel⸗ züngig alles anders vorreden, fortgesetzt aber daran arbeiten, die kirchliche Macht seiner Herrschaft zu überstellen; er wird in
ein ausgleichender Verehrungsbeweis sein. dieser gläubigen Katholiken einnimmt, wie sie dieser Hinsicht schlecht beraten, man täuscht ihn mit Luftspieg lungen.
freien Aussprache.
Ich war zur Frau Schmitz gegangen, um sie für heute und morgen, unsere Waschtage, zu bestellen, und fand noch zwei Frauen anwesend, die so eifrig erzählten, daß sie mein Pochen erst nach dreimaliger Wiederholung bemerkten.— Du hättest hören müssen, Urle, wie empört sie mir sagte, daß sie an so hohen Festtagen, wenn der Bischof käme, nicht waschen ginge. Ich entschuldigte meine Unkenntnis natürlich und sagte, dann Alle drei
feiern sie den Tag wohl wie Kaisers Geburtstag?
a lachten höhnisch auf:
so sinnig mit Grün ge⸗
Den wahren Sachverhalt, was den Leuten in das Herz gepflanzt wird, findet man nur, bringt man das Volk selbst zur
„Obwohl uns nur noch eine kurze Frist von der großen Wahlschlacht trennt— am Sonntag, 24. April, werden die Wähler Oesterreichs zur Wahlurne schrei⸗ ten— herrscht noch absolut kein Wahlfieber, ein deut⸗ liches Zeichen der Politik- und Parteimüdigkeit eines großen Teils der Bevölkerung.
Was die politische Interesselosigkeit der breiten Wählermassen verstärkt, ist das Bewußtsein, daß gegen die Uebermacht der großen Parteimaschinen weder neue Persönlichteiten, noch neue Programme irgendwelche Ehancen haben. Trotzdem ist das Auftreten der soge⸗ nannten Wirtschaftspartei des Grazer Theologieprofes⸗ sors Dr. Ude in der Wahlarena in mehr als einer Be⸗ ziehung ein Ereignis, von dem Notiz zu nehmen ist. Professor Ude ist das„enfant terrible“ im katholischen Klerus Oesterreichs und war infolge seiner, gegen die christlich⸗sozialen Machthaber gerichteten Frondeur⸗ politik schon einmal von seinem kirchlichen Vorgesetzten, dem Fürstbischof von Gurk, mit einem Redeverbot belegt worden. Dieses Redeverbot war später wieder aufgehoben worden. Nun ist Ude offen als Banner⸗ träger einer neuen Partei, der sogenannten Wirtschafts⸗ partei, in den Wahlkampf eingetreten und hatte seine Kandidatur in allen Bundesländern gleichzeitig aufge⸗ stellt. Er hat den Eintritt in die Seipelsche Einheits⸗ front schroff zurückgewiesen und persönlich eine Wahl⸗ agitation entwickelt, die hinter der Aktivität seiner geistlichen Amtsgenossen Seipel kaum zurückbleibt. Dr. Üde, gewiß ein ehrlicher und aufrechter Mann, aber ein bißchen Fanatiker und schon seiner äußeren Erscheinung nach beinahe ein Savonarola⸗Typus, der alle Bedräng⸗ ten und Bedrückten, von den Kleinrentnern bis zu den Arbeitslosen, um seine Fahne zu scharen sucht, braucht aber, als katholischer Kleriker zur Aufstellung seiner Kandidatur die Erlaubnis der geistlichen Oberen, und da er in allen österreichischen Bundesländern als Spitzenkandidat seiner neuen Partei auftreten wollte, hätte er die Erlaubnis aller österreichischen Bischöfe vom Wiener Kardinal-Erzbischof abwärts benötigt.
Aber: Si duo faciunt idem, non est idem. Wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Und während Dr. Seipel die Pfifflsche Erlaubnis selbstver⸗ ständlich auf dem silbernen Präsentierteller ins Haus gebracht erhalten hat, hat sich Professor Ude überzeugen müssen, daß für ihne keine Aussicht vorhanden ist, die Einwilligung des österreichischen Episkopats zu erhal⸗ ten. So ist Professor Ude, gehorsam dem kanonischen Recht, von seiner Kandidatur zurückgetreten. Als Spitzenkandidat der Ude-Partei kandidiert jetzt ein Professor Dr. Liszt, ein Neffe des verstorbenen gro⸗ ßen deutschen Strafrechtslehrers“.
Diese Nachricht lehrt immer wieder, wie durch Nom gegen alle, die seiner Politik zu widersprechen wagen, mit Gewalt und Unterdrückung vorgegangen wird. Was die Altramontanen nie lernen werden, auch gar nicht lernen wollen, ist Duldsamkeit und Ach⸗ tung anderer Meinungen. Bei ihnen gibt es keine Freiheit der Ansichten, da gibt es nur Gehorsam und Unterordnung. Nehmen wir uns daraus die notwen⸗ digen Lehren für Deutschland
Verschiedenes. Die Sünde der Gesellschaft.
Der Bund religiöser Sozialisten in Thüringen veröffentlicht folgenden Aufruf:„Morgens um 412 Uhr verlassen ungezählte Kaliarbeiter der Rhön ihre Heimstätte, abends 9, 9½, 9½ Uhr kommen sie nach Hause. Eine reine Arbeitszeit von 10 Stunden(d. h. 12 Stunden im Betrieb) und eine gänzlich unzuläng⸗ liche Verbindung von Wohn- und Arbeitsstätte bewir⸗ len das. Wochenlang sehen Kinder den Vater nicht, der morgens weggeht, wenn sie noch schlafen, abends wiederkehrt, schlafen. Krankheitsfälle
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Kaisers Geburtstag? was geht uns der Kaiser an? Unser Oberster ist der Papst, die Erzbischöfe und
Bischöfe, der in Berlin geht uns nichts an.— Frieher unser
Lehrer hat uns schon Kaisers Geburtstag nicht freigegeben un keenen Blam gemacht, wir hatten keene Schulfeier um den, er sagte, wir haben genug mit uns zu tun, um evangelische Leute brauchen wir uns nicht kümmern.——
Da bin ich still hergegangen und habe das Bild meines Kai— sers geschmückt, doppelte Liebe für den Verschmähten zog in mein Herz.“
Leise, wie von zaghafter Hand, hörten sie die Schelle klin— gen. Urle ging hinaus, eine Nonne stand lächelnd vor der Tür
und trat beim Oeffnen direkt herein:„Ich möchte die Liebes-
gaben für die armen Kranken sammeln!“
„Ich bin evangelisch, wir müssen für unsere armen Kranken sorgen, ich gebe nichts.“
„Wenn Sie auch evangelisch sind, das tut nichts, ich hole von vielen Evangelischen pünktlich meine Liebesgaben.“
„Ich gebe nichts,“ wiederholte Urle.
„Warum nicht?“ Wir sollen ja das Geld nicht lieben und
brauchen Sie nicht zu hassen, also ist es egal, woher es kommt“ lam es leichtfertig von ihren Lippen. geben wollen, vielleicht haben Sie etwas Eier liegen?“
„Erst sagen Sie mir Schwester, im Namen Ihrer gebenedeiten Mutter Gottes, geben Sie auch den Evangelischen von ihrem
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gesammelten Ueberfluß?
„Ja, wenn sie übergetreten sind!“
„Also ich gebe meinen Glaubensgenossen! zählt, daß einem alten Sterbenden die Hostie wurde, um seine Seele zu retten!“
„Warum nicht, unser Glaube ist der allein selig machende,“
und ohne Gruß ging sie hinaus.
duftlose, flammende Blüten hingen die Blätter der graziösen Nanken des wilden Weins über das Gemäuer und die Pap-
lauschte vorsichtig um die Grotte:„Onkel Münster, sieht Du
Wenn Sie kei 5 9 50 5 „Wenn Sie kein Geld hielt sie ihre Weintraube. er doch jeden Tag von neuem, Urle würde einmal, ein einziges
Mir wurde er⸗ aufgezwungen
Schließen der Korridortür hörte Urle, wie der Lauf— bursche, der auf einem Handwagen die empfangenen Gaben fuhr
Auf der Warte.
Amerika wird im Augenblick beherrscht vom Ent⸗ setzen über die furchtbare Hochwasserkatastrophe des Mississippi. Zahllose Dämme wurden gesprengt, sodaß sich das Wasser über breite Gebiete verteilen konnte, u g andere Gegenden und besonders die nahe am Flusse ge⸗ legenen Städte zu retten. Ergreifende Szenen spielten sich bei der Räumung der Gebiete ab. Sein Heim, müh⸗ sam aufgebaut, kampflos dem Untergang durch di Fluten preisgeben zu müssen, ist für die Farmer ein schwerer Schlag. Ganze Distrikte mit Städten und Ortschaften stehen unter Wasser. Die Schätzung der Obdachlosen schwankt zwischen 300 000 und 500 000, Der Staatssekretär Hoover wurde zum Diktator d Ueberschwemmungsgebietes mit außerordentlichen Voll machten ernannt. Im Augenblick ist das Elend noch gar nicht abzuschätzen.— Im französischen Teil dez Riffgebietes beginnen sich nun auch Unruhen bemerkbat zu machen, veranlaßt durch die Erfolge der Riffbewoh⸗ ner gegen die Spanier. Frankreich hat zur Vorsorge de die Vorposten verstärkt.— Italien führt Jugoslawien 5 gegenüber weiter seine hochtrabende Sprache. England, 5 1 das zunächst sich als neutraler Vermittler einmischte, 10 hat sich als Sekundant Italiens entpuppt. Anscheinend ect bestehen zwischen den beiden Staaten geheime Verträge, I u über die niemand etwas weiß.— Der Völkerbund haf alen die absurde Absicht, sich eine Luftflotte zu schaffen Je Mit anderen Worten: der Völkerbund rüstet. Wal u i auch nicht, könnte man sagen, sie rüsten ja alle. Da⸗ ge für ist aber gewiß der Völkerbund nicht da. Hat er an eine Luftflotte, so kann er auch noch ein Heer verlangen dhe So wird allmählich der Gedanke des Völkerbundes mi a seinen Zielen vollkommen auf den Kopf gestellt.—
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Nun soll in der Schweiz die Weltwirtschaftskonferen 1 zusammentreten. Hierzu wird selbst einmal das seither lied abseits stehende Rußland erscheinen. Schon diese Teil⸗ N nahme hat vor Beginn der Verhandlungen eine Sen⸗ sation hervorgerufen. Man darf auf die Arbeit der Konferenz gespannt sein.— Zwischen Stresemann und 10 Briand fand anläßlich des 25jährigen parlamentari⸗ 11 schen Jubiläums Briands ein Telegrammwechsel statt, n wegen dessen Inhalt der französische Außenminister sahte scharfe Angriffe in der französischen Presse erleben ni mußte. Man ist in Frankreich absolut nicht auf Völ⸗ kerversöhnung eingestellt.— Belgien will ähnlich wie Frankreich an seiner Ostgrenze einen schweren Festungs 70 gürtel anlegen. Dabei hat das Land nun auch ein 4 kleine Differenz mit Holland. Noch etwas verschnupft wegen der Ablehnung des Scheldevertrages in der zweiten Holländischen Kammer, haben sich belgische Reserveoffiziere dazu hinreißen lassen, in dem schmalen holländischen Zipfel von Holländisch-Limburg, der sich zwischen Deutschland und Belgien einschiebt, Flugzettel anzukleben mit der Aufforderung, das Gebiet möge sich von Holland trennen und Belgien anschließen. Sogar einflugblattabwerfendes Flugzeug wurde in den Dienst dieses Separatismuses gestellt.— Im Saargebiet ziehen langsam französische Truppen ab.— Aehnlich wie ißt Nordamerika, nur in viel geringerem Umfange, kann man im Elbe⸗Havelgebiet von einer Hochwasserkata⸗ strophe sprechen. Die Regierung hat die notwendigen Hilfsmaßnahmen sofort eingeleitet.— Bremerhaven feierte das 100jährige Bestehen, wobei Stresemang eine bedeutsame Rede hielt. Der anwesende amerika⸗ nische Botschafter unterstrich durch seine Rede die er⸗ neuten freundschaftlichen Beziehungen zwischen Amerilg und Deutschland.— Die Post will zu einer 50prozen⸗ tigen Erhöhung
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ihrer Gebühren schreiten, was lebhafte Beunruhigung hervorgerufen hat. 0
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Rund sie an der p 1 gleich gewußt, hier jiebts nischt, hier wohnen Kalvinesge Blau⸗ Ul köppe.“—— e f
Fahne 15
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Wie wohltuend übte der Herbst in diesem Jahre seine“ Macht, die Temperatur war weich und lind, die Farbenpracht jedoch schien den üppigen Sommer überbieten zu wollen, wie
peln streuten ihre Blätter wie blendende Goldtäfelchen über die sonndurchwärmte Erde. Es war ein Herbst, wo der Dichter das Märchen und Poesie lustwandeln sieht, ein Herbst, der dem Menschen Augen, Herz und Seele öffnet.
Jubelnd lief Naemi mit den Blättern um die Wette, die der warme Südwind in losem Spiel über Weg und Steg trieb Großmutter und Dore hatten Mühe, nachzukommen. Wie ge⸗ sponnenes Gold wehten ihre langen Haare, die Vorübergehen⸗ den blieben stehen und sahen dem elfenhaften Geschöpfchen nach das einer wandelnden Blume gleich, alle entzückte.
Oben an der großen Kastanien-Allee blieb sie stehen und
Emi,“ rief sie, dann stürmte sie voran, Dr. Münster fing sit auf, und sie schlang beide Aermchen um seinen Hals, dann er
Täglich traf Frau Benningsen, Dore und Naemi hier mi den Bekannten aus der Heimat zusammen, es waren ihnen liebe von Dr. Münster stets mit Angeduld erwartete Stunden, hoffte
Mal nur mitkommen, aber stets dieselbe Enttäuschung, den, gleichen Gruß nur und dann trippelte das kleine Wesen, ih: Kind an seiner Hand dahin. Durch geschickte Redewendungen und Fragen kannte er längst ihr Schicksal, wußte, daß er ih ganzes Glück an der Hand führte. ö
Nun war sein langer Erholungsurlaub bald zu Ende und es war gut so, daß ihn bald wieder das fordernde Leben auf 1 nahm, Pflichten ihm ein männlichfestes Ziel steckten. 3


