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Evangelische

Warte

Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft

Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele. Matthäus

Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). Erscheint Sonnabends. Bezugspreis 50 Pfennig monatlich.

Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger,

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für den Anterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz.

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der Gerechtigkeit entgegensetzen.

Die Frage der Nolwendigkeit

Ueber die Frage nach der Notwendigkeit

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evangelischen Partei machte vor längerer Zeit Pastor

Wine wollen.

Die Evangelische Volksgemeinschaft will, auf dem Boden der evangelischen Weltanschauung stehend, aller ungerechten Gesetzgebung in allen deutschen Parlamenten den Grundsatz der Liebe und

einer thrisklich⸗jozialen epangellschen Parlei.

Bodenstein in Rheda i. W. imAufwärts u. a. fol⸗

gende beachtenswerte Ausführungen:Die Wahlzeit bringt Gewissensnot für solche, die ernsthafte Christen sein wollen. Uns, die wir in überwiegend katholischem Gebiet wohnen, wird die Entscheidung für die Wahl immerhin etwas erleichtert. Dazu brauchen wir nur

einen Blick zu tun in die äußerst geschickt-raffiniert

das muß man sagen geleitete Zentrums-Lokalpresse, die leider auch bei vielen sogenannten Evangelischen weite Verbreitung genießt; sicher nicht zur Förderung charaktervollen evangelischen Wesens. Jene Presse kennt ganz auffälligerweise nur einen einzigen Feind; der aber ist ihr hassenswerter als die leibhaftige Pest. Nicht ist es etwa der Kommunismus, noch weniger die Sozial⸗ oder eine andere Demokratie. Die werden kaum je erwähnt, eher noch in Schutz genommen. Da für aber kommt um so häufiger die deutsch-nationale Volkspartei dran. Mit einem geradezu fanatischen Eifer der flüchtigste Blick auf die erste Seite bestätigt

das sind jene Blätter bestrebt, an der eben genann⸗

ten Partei schlechterdings keinen guten Faden zu las⸗ sen. Ueber die hauptsächlichen Beweggründe dazu wer⸗ den protestantischen Christen nicht im Anklaren sein. Das ultramontane Zentrum wittert in jener Partei vor allem nicht mit Unrecht die Kräfte, die seinen religiös⸗ politischen Zielen am meisten zuwiderlaufen und hin⸗ derlich sind. Damit ist für mein protestantisch-christ⸗ liches Bewußtsein die Frage auch für dieses Mal klar und deutlich entschieden, wen ich zu wählen habe, nach⸗ dem die christlich⸗soziale Gesinnungsgemeinschaft von einer eigenen Kandidatenaufstellung leider wiederum bei der Kürze der Zeit hat absehen müssen. Son st könnte ich mich um des Gewissens willen nur für sie entscheiden. Warum?

Zunächst vermisse ich in der deutsch⸗nationalen Presse die deutliche, charaktervolle evangelische Sprache, die gegenüber dem eben erwähnten Gebahren der Zen⸗ trumspresse erforderlich ist. Keineswegs soll sie Glei ches mit Gleichem vergelten und etwa jener Presse es im Geschimpfe nachtun. Doch kann man sich des Ein⸗ drucks nicht erwehren, daß selbst die heftigsten Angriffe

Herrliche Dinge.

Pfsalm 87,3. Herrliche Dinge werden in dir gepredigt, du Stadt Gottes

Wie waren doch die Juden so begeistert von ihren Gottes⸗

diensten in der Stadt Zion. Glaube und Vaterlandsliebe ließ sie schwärmen für diese Stadt. Genau genommen heißt ja die Stadt Jerusalem. Zion war die Burg mit dem Nationalheilig tum, dem Tempel. Herrliche, großartige Dinge wurden dort gepredigt. Man verkündete die Wunder Gottes. Man erzählte von der Errettung des Volkes aus der Aegyptischen Knecht⸗ schaft. Wie oft hatten sie Grund für die Befreiung aus Krie⸗ gesnot zu danken. In begeisterten Psalmgesängen priesen sie den über allen anderen Göttern erhabenen Jahwe. Wie be⸗ geistert waren diese Juden von der Herrlichkeit ihrer Gottes dienste.

Worin bestand eigentlich das Anziehende dieser Gottes verehrung? Wie wir hören, haben die Priester im Tempel zu Jerusalem noch nach heidnischer Art blutige Opfer darge bracht. Das Blut der Tiere wurde über die in den äußeren Vorhöfen versammelten Gläubigen gesprengt. Dabei haben die

Priester für die Menge Gebete gesprochen. Auch hat man über die vorhandenen Schriften des alten Testaments gepredigt. Die⸗ sen Gottesdienst liebten die Juden. Vielleicht wundern sich darüber viele heutige Zeitgenossen. Man ist in weiten Kreisen wieder mehr mystisch gestimmt. Da wünscht man eine düstere Kirche, brennende Kerzen, leises Flüstern von Gebeten, Wechsel gesänge zwischen Geistlichen und Gemeinde. Der Jude hatte von alle dem nichts. Er war begeistert, daß herrliche Dinge in seiner Stadt gepredigt wurden.

Es gibt Stimmungsmenschen, welche eine von der sie kein Wort verstehen, wegen ihrer men. Für diese ist Religion eine geheimnisvo

römische Messe, Stimmung rüh⸗ lle Stimmung;

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Druck und Verlag Albin Klein, Gießen, Südanlage 21 Fernsprecher Nr. 1145 und 1362 Gießen

in 7. Mal 1027.

und Verdrehungen der Zentrumsblätter mit geflissent lichem Stillschweigen übergangen werden. Die deutsch nationale Presse aber ist doch ohne Zweifel ein Spiegel- bild des Charakters der deutsch-nationalen Partei über⸗ haupt! Sie kann sich eben nicht entschließen, auf die paar Zentrumsmitläufer in ihren Reihen Verzicht zu leisten. Lieber erweicht man den evangelisch-protestan⸗ tischen Standpunkt und drückt ein Auge zu auf Kosten des evangelischen Christenvolks. Man sieht, es ist und bleibt ein Unding, eine bewußt christliche Partei sein und doch zwei in ihrer Konfession grundverschiedenen Herren dienen zu wollen. Dann kommt folgerichtig ein christlicher Standpunkt heraus, der keiner ist; nicht Fisch und nicht Fleisch, und daschristlich im Firmenschilde solcher Partei läuft notwendig Gefahr, des charakter vollen Inhalts zu entbehren.

Doch entscheidender noch für die Frage des Bedürf⸗ nisses einer christlich-sozialen(evangelischen) Partei er⸗ scheint ein anderes. Merkwürdig wie die Zentrums⸗ presse ihren Erzfeind in der deutsch-nationalen Partei erblickt, so die deutsch-nationale Presse und Partei den⸗ selben in der Sozialdemokratie. Vergleicht man einmal den Ton, den die Zeitungen der beiden letztgenannten Parteien gegeneinander anzuschlagen belieben, so muß man ehrlicherweise sagen: Sie bleiben sich gegenseitig nichts schuldig und der eine(Ton) ist genau so unwür⸗ dig wie der andere. Ueber den erfrischend starken na⸗ tionalen Ton in der Rechtspresse kann man sich nur herzlich freuen; je nationaler, desto besser! Wer hätte nicht endlich alles undeutsche Wesen bis zum Ekel satt?! (Also dann deutsch-völkisch?! Ja, das war unsere Hoffnung; war's so lange, bis die schaudervolle Lehre vom deutschen Gott und deutschen Christus aufkam.) Ich meine, eine Partei, die sich christlich nennt, wie die deutsch⸗nationale, sollte das auch in ihrem Presseton nicht vergessen. Man kann dennoch, ja gerade darum charaktervoll sein, kann national sein, ohne herzlos und erst gehässig sein zu müssen.

Auch ich muß vom christlichen Standpunkt aus die internationale und materialistische Harteidoktrin der Sozialdemokratie bekämpfen. Dasel der Bekämp⸗ fung das Ideal der Volksgemeinschaft wird un⸗ zweifelhaft am ehesten erreicht, wenn man ehrlich ver⸗

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Stimmungen aber vergehen, wie sie kommen. Wohl bedürfen wir im Gottesdienst einer der Feier entsprechenden Stimmung. Aber diese darf doch nicht die Hauptsache sein. Sie soll nur Dienerin sein für das Wichtigere. Religion im Sinne unseres Herrn Jesu ist Glaube und Vertrauen zum Vatergott. Zur Religion gehört ein Leben in opferwilliger Nachstenliebe. Re⸗ ligion ist Glauben und Leben nach dem unvergleichlichen Vor bilde unseres Heilandes. Dieses Vorbild können wir uns in der Versammlung der Gemeinde nur durch die Predigt ge meinsam vor die Augen stellen. Herrliche Dinge dürfen wir da ebenfalls hören. Ja, sie sind noch herrlicher, als man zu Jerusalem vernehmen konnte.

Herrliche Dinge werden heute noch überall dort gepredigt, wo unser Gott verkündigt wird. Aber viele hören in unseren Gotteshäusern gar nicht mehr das Großartige und Wunderbare

In einer Kirche predigte ich einmal vertretungsweise. Da sah ich in der gutbesetzten Kirche nach Verlesung des Textes ge wohnheitsmäßig viele Männer die Köpfe zum Kirchenschlaf senken. Eine wunderschöne Schlummerstunde habe ich diesen Schläfern damals stören müssen. Diese scheinen keine herrlichen Dinge in ihrer Kirche erwartet zu haben. Gewohnheit wird ja, leider bei den Menschen alles. Auch das Sitzen im Gotteshause kann zur Gewohnheit werden. Wie waren die Juden so be

unseres Gottes. Sie sind dem allen gegenüber so gleichgültig. ö

20, 28.

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Nummer 10

sucht, statt den Gegner in Bausch und Bogen zu verdam men, ihn zu verstehen und dem berechtigten Kern seiner irrigen Anschauungen in wahrhaft christlich-sozialem Verständnis gerecht zu werden. Ich glaube auf Grund meiner Erfahrungen behaupten zu können: Wenn die gewaltige Masse der sozialdemokratischen Arbeiter das unbedingte Vertrauen haben könnte, daß eine nicht so⸗ zialdemokratische Partei den Lebensnotwendigkeiten der Arbeiter das wahrhaftige soziale Verständnis ent⸗ gegenbringt, wie echter, christlicher Geist es erfordert, würde ein nicht geringer Teil von ihnen gern die längst als utopistisch erkannten Marxistischen Ideen träume fahren lassen und keine Bedenken tragen, sich einer wirklich und wahrhaftig christlich-sozialen und auch nationalen Partei anzuschließen. Ich sprach dieser Tage einen gelernten Arbeiter, Vater mehrerer Kinder, der seit langen Wochen nur 4, hernach 5 Arbeitstage haben konnte und jede Woche jetzt 15 Mark Lohn mit nach Hause bringt. Auf die Dauer, meine ich, kann der Mann mit seiner Familie davon wahrhaftig nicht exi⸗ stieren. Ich kann es, obwohl ich Matth. 16, 26 genau kenne, wenigstens verstehen, wenn jener Arbeiter mir verbittert erklärte:Das Hemd sitzt mir und meinen Kindern näher als der Rock. Ich muß bei der Wahl ohne Rücksicht auf andere ideale Dinge zuerst für meine und der Meinen leibliche Existenzmöglichkeit sorgen. Hunger tut weh.

Wahrlich: Ist dauernde materielle Sorge und Not nicht ein schlechter Nährboden für höhere, göttliche Dinge?!

Die Frage ist nun, ob solch vorher genanntes christ⸗ lich⸗soziales Verständnis, ob solche wahrhaftige soziale Gerechtigkeit durch die deutschnationale oder eine der anderen Parteien in genügendem Maße verbürgt ist. Ich weiß, man wird mir sogleich stolz und selbstbewußt entgegnen: Ja, und wird z. B. zum Erweise dessen wie der auf die Namen der 6 oder 7(oder noch paar mehr, meinethalten!) alten christlich-sozialen Kämpen inner⸗ halb der deutsch-nationalen Partei hinweisen. Ich zweifle nicht im geringsten an dem ehrlichen sozialen Willen jener eben genannten, mir besonders sympati⸗ schen Männer und bringe ihnen größtes Vertrauen ent⸗ gegen. Aber... haben diese wenigen die Möglichkeit, sich in entscheidenden sozialen Fragen gegen die über große Mehrheit durchzusetzen? Wer könnte darauf mit ehrlichem Ja antworten? Wenn ich dafür die Garantie hätte, würde ich jede Zersplitterung in unserer Zeit für unverantwortlichste Sünde und Schande erachten. Wäre die deutsch-nationale Partei, wie ihr Programm vorgibt, wirklich konsequent und hinreichend christlich sozial, ich glaube nicht, daß der Gedanke zur Bildung von christlich-sozialen Gesinnungsgemeinschaften überhaupt hätte aufkommen können. Erst der Mangel und die bittere Not hat ihn wachgerufen.

so geht es mit den herrlichen Dingen, welche an jedem Sonntag gepredigt werden. Man sieht das Großartige darin oft nicht mehr. Sind es aber nicht Wunder über Wunder, die wir uns da deutlich machen wollen? Denken wir nur daran, daß Gott, der große und gewaltige Gott, sich um jeden einzelnen Men schen kümmert. Wer die Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen ein mal durchdenkt, der kann doch nicht gleichgültig bleiben! Der Herr Himmels und der Erde, ja des ganzen unvorstellbaren Weltalls, hat ein Auge für uns kleine, arme Wesen. Der heilige, reine Gott, dem alle Sünde ein Greuel ist, hat ein Er⸗ barmen mit uns Sündern. Seinen Sohn hat er zur ewigen Erlösung von uns Menschen an das Kreuz gegeben. Diese bleibt, obgleich die Mehrzahl der Menschen gar nichts darnach fragt. Aus Jesu Tod läßt er unser Leben hervorgehen. Diese führt seine Gemeinde durch das Kreuz zum Sieg. Er will aus unserem Stückwerk etwas Vollkommenes machen. Wenn wir das Kleid der Sterblichkeit abgelegt haben, will er uns das Kleid der Ewigkeit anziehen. Sind das nicht herrliche Dinge, die wir da in unseren Gotteshäusern hören dürfen? Die Ju⸗ den waren begeistert von ihren herrlichen Gottesdiensten im Tempel. Laßt auch uns wieder das Großartige finden, das in unseren evangelischen Kirchen gepredigt wird. Nicht das Ge⸗ heimnisvolle wollen wir suchen, sondern Gott wollen wir im⸗ mer besser erkennen. Nicht mystische Stimmungen machen

geistert, daß in ihrem Tempel auf dem Zion herrliche Dinge gepredigt wurden.

In alter Zeit haben unsere Bauersleute draußen auf dem Felde ein Auge gehabt für die Wunder des Allmächtigen in

der Natur. Sie hatten die Schöpfermacht Gottes immer vor sich sahen die Naturgewalten, sahen das Wachsen und Ver gehen. Sie blickten hinein in die Pracht und Schönheit. Das alles ist heute zur Gewohnheit geworden Viele Augen sehen das alles nicht mehr. Wohl freut man sich über das erste Grün, die ersten Knospen. Aber bald ist man es gewohnt. Gerade

Sie

unsere Gottesdienste schön, sondern der immer neue Vorsatz, ein 0 1

Keine Kerzen können uns ersetzen das Wundern unseres großen Gottes.

Gotteskind zu werden.

Staunen vor den täglichen Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen

Des, der so große Wunder tut;

All dem hat,

ö Und bringe Lob mit frohem Mut!

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lobt und preist Geist!

Ihr Kinder Gottes ö Vater und 1 Hallelujah!

Sohn und heiliger

Amen

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