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Der Heimgang in Davos.
„Nein, Schwester, es kann ja nicht sein! Das kann doch nicht Gottes Wille sein, daß ich jetzt sterben soll, hier, wo ich hoffte gesund zu werden. Ich kann und will das nicht glauben; o Gott, meine arme, arme Braut!“
Stöhnend sank der Kranke auf das Kissen zurück. Seine Augen bedeckte er mit beiden Händen, und herzzerreißend war der Jammer, den die Schwester anhören mußte. Sie war tiefbe⸗ wegt, und ihre Augen standen voll Tränen. Sie wußte, hier konnte sie nicht mehr helfen, diese Wunde mußte Gott selber heilen.„Herr Doktor, alles dies wollen wir dem sagen, in dessen Hand Leben und Tod steht. Sie wissen sich von Ihm geliebt. Sollte Er es böse mit Ihnen meinen?“—„O Schwester, es ist so unendlich schwer!“— Leise nahm die Schwester das Losungs⸗ büchlein des Kranken und las ihm daraus vor. Allmählich wurde er ruhig und schlief endlich ein.
Es war Nacht. Die Schwester wachte weiter am Bette des Schlafenden und blieb bei ihm auch mit ihren Gedanken. Vor zwei Tagen war er angekommen, um hier oben in den herrlichen Schweizerbergen gesund zu werden. Man sah es ihm an, daß er sehr krant war, und zu seinem Lungenleiden hatte er sich von der Reise noch eine böse Grippe mitgebracht. Die Aerzte hatten einen sehr schlechten Befund festgestellt und das Herz war schwach. Am ersten Tage hatte der Kranke noch sehr hoffnungsvoll in die Zukunft gesehen und es immer wieder betont, daß er froh sei, in Davos zu sein, hier müsse er ja gesund werden. Der Schwester wurde bange bei solchen Worten, doch ein Blick auf die Taschen— bibel und das Losungsbüchlein auf seinem Nachttisch beruhigte sie. Sie nahm an, daß ihr Pflegebefohlener den kannte, von dem alles kommt, Tod und Leben. Der würde ihm auch inner⸗ lich durchhelfen.
Heute am Tage war er sehr unruhig gewesen. Sie hatte gemerkt, daß er innerlich litt. Mit stiller Liebe hatte sie versucht, ihm wohlzutun. Jetzt in der Nacht war all das Weh der armen gequälten Seele zum Durchbruch gekommen. Er hatte ihr gesagt, er spüre, daß er sterben müsse. Ein heißes Glücksverlangen und die innige Liebe zu seiner Braut bäumten sich gegen diese Gewißheit auf. Alles in ihm wehrte sich gegen den Tod, weil das Leben ihm noch so viel zu bieten hatte.
Nach kurzem Schlummer erwachte der Kranke, und das Bild seiner Seele schien verändert. War's nicht, wie wenn das wild— bewegte, stürmische Meer auf einmal stille wird?
Auch an den folgenden Tagen erinnerte in Wort und We— sen des Kranken nichts an jene leiderfüllten Nachtstunden. Doch merkte die Schwester, daß der Kampf in seiner Seele weiterging.
Eines Morgens bat er die Schwester, nachdem er eine Nacht fast wachend zugebracht, seinen letzten Willen und Grüße an sei— ne Lieben für ihn niederzuschreiben. Voll ehrfürchtigen Stau— nens spürte die Schwester beim Schreiben das große Werk, das Gott an dieser Menschenseele getan hatte. Da war nichts mehr von heißem Wünschen und Verlangen, Aufbegehren und Hadern. Vor ihr lag ein Menschenkind, mit dem Gotte in den stillen Stunden der letzten Tage und Nächte selbst geredet, das sich mit viel Schmerzen unter die gewaltige Hand Gottes gebeugt hatte und nun fröhlich sagen konnte:„Ja, Herr, Dein Wille geschehe.“
Als der Brief geschlossen war, schien es, als habe der Kranke alles, was ihn mit dieser Welt verband, hinter sich getan, als lebe er nur noch in froher Erwartung dessen, was vor ihm lag. Oft ließ er sich aus Bibel und Losungsbüchlein vorlesen, oft lag er mit gefalteten Händen und strahlenden Augen da, und wenn die furchtbaren Anfälle vonHerzschwäche und Atemnot kamen, rief er die Hilfe seines Gottes an und konnte, wenn es vorbei war, kindlich rühmen, loben und danken.
Eines Morgens, als die Schwester die Nachtwache ablöste, fand sie den Kranken zwar frisch und froh, sonst aber sehr ver⸗ ändert. Sein Pulsschlag war schwach, alle Kunst der Aerzte war zu Ende. 5 nie 5 der Kranke einen 1 schmerz- und be⸗
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schwerdelosen Tag gehabt, wie diesen. Seine Gedanken beschäf⸗ tigten sich mit Gottes Wort, und seine Seele stand in Verbin⸗ dung mit dem, den sie bald sehen durfte von Angesicht zu Angesicht.
Gegen Mittag bat er um einen Labetrunk. Die Schwester stützte den müden, kranken Oberkörper. Froh und dankbar trank der Sterbende und sprach mit strahlenden Augen von der Herr⸗ lichkeit, der er entgegeneilte, und von Gottes Gnade, die alle Sünde und Schwachheit hinwegnehmen werde. Als die Schwe⸗ ster das Glas noch einmal an seine Lippen führen wollte, er⸗ schrak sie vor dem plötzlich veränderten Ausdruck seiner Augen. Sie sahen eine andere Welt und schienen von ihrem Glanz wie geblendet.„O wie schön!“ Mit überwältigender Freude kamen diese Worte von seinen Lippen. Mit geschlossenen Augen ruhte der Sterbende auf ihrem Arm, und plötzlich kamen, wie aus einer anderen Welt im Jubelton gesprochen, die letzten Worte über seine Lippen:„Die hertliche Sonne!“ Seine Augen öff— neten sich, und nun war die Schwester wie geblendet von dem Glanz dieser Augen. Die Hände zitterten, die den Körper in seinen letzten Zuckungen festhielten. Das ganze Zimmer schien wie in Licht getaucht, und der Schwester Seele schaute andächtig, atemlos den Widerschein aus der ewigen Welt.
Als der letzte Atemzug des Sterbenden verhaucht war, da sank sie anbetend nieder:„Mein Herr und mein Gott!“
Wie lange sie so am Boden gelegen, wußte sie nachher nicht zu sagen, doch das wußte sie, sie hatte die Nähe und Gegenwart des heiligen Gottessohnes gespürt, der gekommen war, Seinen Jünger heimzuholen. Sie hatte Taborstunden durchlebt, und ihre Seele hatte am Sterbebett eitel Freuden ud Wonne fühlen dür⸗ fen. Was sie hier innerlich erfahren, wird ihr wie ein Angeld sein auf jene Zeit, wo auch ihre Seele schauen darf, was sie hier geglaubt, wo auch ihre sterbenden Lippen jubeln können:
Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ. Das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist.
(Aus dem anspruchslosen, aber ansprechenden Heft, Schwe— sterndienst, Bilder aus dem Diakonissenleben von Helene Glock, Dahlem, Burckhardthaus. 40 Pfg.)
Von der christlichen Vollkommenheit.
Der in den schwäbischen Gemeinschaftskreisen noch heute bekannte„Schulmeister Kolb“ hat darüber einst das folgende Wort gesagt:
„Als ich mich in meiner Jugend bekehrte und im Feuer der ersten Liebe stand, dachte ich: Wenn das so fortgeht, werde ich bald am Ziel meiner Vollendung stehen. Aber es ist beim Bekeheren wie beim Brunnengraben: Zuerst kommen die weichen, lockeren Erdschichten, dann stößt man auf Felsgestein, das nur dem Sprengen mit Pulver und dem Brecheisen weicht. Wir sind aber keine bloß„lackierten“, sondern wirkliche Sünder; die Sünde ist uns nicht bloß angeflogen oder anerzogen, son⸗ dern angeboren. Daraus ersehen wir, daß wir nie müde wer⸗ den dürfen und stets„nachjagen der Gerechtigkeit“ und„kämp⸗ fen den guten Kampf des Glaubens“ solange wir in diesem Leibe wallen.
* Selbstlosigkeit.
Damit dienst du Gott nicht, wenn du einem etwas zugut tust, daß er dir wieder dienen und du solcher Wohltat wieder genießen mögest, sondern dienest dir selbst damit. Wer aber Gott und seinem Nächsten recht will dienen, der sehe nicht auf seinen Nutzen, sondern nur auf die Not, so vorhanden ist, und daß es Gott haben will und also befohlen hat, daß man den Nächsten in der Not nicht soll stecken lassen, wenn man gleich nimmermehr einen Strohhalm, ja noch allen UAndank damit genießen. Dr. M. Luther.
Aufruf zur Hilfe.
Ein schweres Unglück hat drei Täler des östlichen Erzge⸗ birges betroffen, mehr als 300 Personen sind obdachlos und ihres Hausrats beraubt, andere sind schwer geschädigt. Ein Sach⸗ schaden von wenigstens 70 Millionen ist entstanden, Jahre wer⸗ den mit den Wiederherstellungsarbeiten vergehen.
Nun gilt es, helfen, großzügig helfen. Aber nicht planlos. Darum hat der Sächsische Landesverein für Innere Mission mit den Pfarrern aller betroffenen Gemeinden eine entsprechende Organisation(kirchliche Verteilungsstelle) eingerichtet, wo der Bedarf angemeldet und übersehen wird, und von wo das Not⸗ wendige angefordert und auf schnellstem Wege geliefert wird.
Die Hauptsammelstelle für Geldspenden ist die Missions⸗ nothilfe für die Liebeswerke der Innern Mission Sachsens, Dresden A 1, Ferdinandstraße 19 II, Postscheckkonto Dresden 18 369.
Die Hauptsammelstelle für sonstige Liebesgaben(Bett⸗ wäsche, Haus⸗ und Küchenwäsche, Dauerwaren an Nahrungs- mitteln, vollständigen Bettstellen usw.): Stadtverein für In⸗ nere Mission, Dresden-A 1, Zinsendorfstraße 17.
Der sächsische Bruderverein dankt schon jetzt für alle ihm zugedachten Geldspenden und Liebesgaben aufs herzlichste.
Hessischer Landesverein für Innere Mission. gez. Wagner, Pfarrer.
Noelle Blither.
Gros, Erwin. Den Leidtragenden. Oranien-Verlag, Her⸗ born. Fein kart. 2.— Rmk., Ganzleinwand 2,50 Rmk.— Ansere Leser werden sich noch an die Erzählung„Wer mich bekennet“ in unserer„Ev. Warte“ erinnern. Derselbe Verfasser hat uns ein Büchlein für traurige, leidtragende Menschen hinterlassen. Einer, der das Leid selbst erfahren hat, spricht voller Wärme aus diesem Buche. Was ihn getröstet und aufgerichtet hat, das gibt er den leidtragenden Brüdern und Schwestern weiter, Geben wir es unseren Angehörigen in Trübsalsfällen in die
Hand und wir werden ihnen helfen über das Leid hinwegzu— kommen. Möge das empfehlenswerte Trostbüchlein recht viel Segen stiften. Hr.
Der christliche Erzähler. Ein literarisches Unterhaltungs⸗ blatt für die christliche Familie. Unter Mitwirkung namhafter Schriftsteller und Schriftstellerinnen herausg. von Fr. A. Böhme, Fr. Pferdmenges und G. und W. Schlipköter. Mit Kunstbeilage. 4täg. Preis jeder Nummer 30 Pfg. Zuzüglich Porto.— Ein wenig Sonne in den grauen Alltrag bringen; kraftvoll und ge— mütstief erzählen; gut deutsch und gut christlich sein; für wenig Geld unseren christlichen Familien gediegene ene eee türe bieten— das ist das Ziel einer neuen Zeitschrift„Der christ— liche Erzähler“. Mutig führt er seinen Namen. Mutig haben sich in ihm die besten unserer ev. Schriftsteller und Dichter zusammen⸗ geschlossen. Namen wie Karl Hesselbacher, Max Jungnickel, Died— rich Speckmann, Gustav Schüler, Marie Feesche u. a. haben guten Klang. Ansre Zeit ruft nach christlicher Kunst, schreit nach Gott! So ruft der schristliche Erzähler im Hasten und Jagen des Alltags sein: Halt, du Menschenkind! Schau auf zu ewigen, reineren Hö— hen! Halt' ein am Brunnquell odler Dichtkunst! Laß deine Fa— milie die Freude teilen, an schönem Feierabend, in stiller Stunde! Das erste Heft enthält u. a. einen Lausbubenroman aus der Fe⸗ der Helene Christallers.(„Fortsetzung folgt“) Und eine wohl— gelungene farbige Wiedergabe von Meister Steinhausens Bild: „Jesus und der reiche Jüngling.“ Wir rufen dem Christlichen Er⸗ zähler zu: Ein fröhlich' Fahrt, mit Gott Glück-auf, für unsere
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