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Sonnabend, den 5. März 1927.
das Konkordat gar keine grundsätzlichen Bedenken haben.“(0) Und endlich der Schlußsatz:
„Wir Deutschnationalen sind jedenfalls über— zeugt, daß ein Konkordat auf paritätischer Grund— lage nur eine Festigung des konfessionellen Frie⸗ dens sein würde und erst eine wirklich kraftvolle Front herstellen würde gegen alle jene Bestrebun— gen, die es auf die endgültige Zersetzung der reli— giösen und geistigen Grundlagen des Staates ab—
gesehen haben.“
Pilatus zuckt die Achsel:„Was ist Wahrheit?“ Das it für uns auch hier die erste Frage. Sodann lesen wir aus diesen Zeilen ganz bestimmt, daß die Deutsch⸗ nationalen keine Gegner eines Konkordats sind! Drit⸗ tens— bedecke deinen Himmel Zeus— lehrt uns die Pommersche Tagespost“ eine bodenlose Unwissenheit guf deutschnationaler Seite. Diese Herren sollen ein⸗ mal vormachen, wie ein Konkordat auf paritätischer Weise aufzubauen ist. Diese politisch geschulten Leute wissen also noch nicht, daß ein Konkordat ein Vertrag des politischen Oberhauptes, sagen wir einmal des Kirchenstaats, mit der politischen Regierung eines Lan— des ist. Wo ist das politische Oberhaupt der evangeli⸗ Das gibt es doch gar nicht. Also kann man mit der evangelischen Kirche nie ein Konkordat
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„Evangelische Warte“
schließen! Bei einem Konkordat erhält ein auswärtiger Herrscher Nechte im Deutschen Reiche. Ansere evange⸗ lische Kirche ist jedoch ein Glied im Deutschen Reiche und ordnet sich unter die deutsche Staarsgewalt. Der Papst jedoch ordnet sich über die deutsche Staatsgewult. So ist ein Konkordat auf„paritätischer Grundlage“ eine Unmöglichkeit, ja ein Unsinn. Wo noch solche schiefen Ansichten herrschen, da zeigt es sich, wie notwendig un⸗ sere Evangelische Volksgemeinschaft alle Evangelischen aufklären und in ihre Reihen ziehen muß. Evangelische! Laßt Euch von Zweckmäßigkeitspolitikern nichts weis⸗ machen!
Aus unserer Bewegung.
Weisenau. Am Mittwoch, den 2. Februar, hielt die hiesige Ortsgruppe der Evangelischen Volksgemein— schaft eine ihrer regelmäßigen Versammlungen. Am 9 Uhr konnte der Vorsitzende, Herr Lehrer Greb, die Versammlung eröffnen, wobei er besonders die anwesen— den Frauen, sowie die Laubenheimer Freunde begrüßte. Nach der Verlesung des Protokolls der letzten Versamm⸗ lung durch den Schriftführer, Herrn A. Reinig, er⸗ folgte der Vorschlag über Beibehaltung des Vorstandes und Festsetzung des Geschäftsjahres vom 1. Januar bis
31. Dezember. Die Vorschläge wurden gebilligt. Die
Nr. 10.
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Rechnungsablage durch den Kassierer, Herrn H. Leipold, zeigte, daß Einnahmen und Ausgaben sich die Wage gehalten haben. Größere Ausgaben waren durch die Herausgabe eines lokalen Flugblattes entstanden. Zum nächsten Punkt:„Hebammenangelegenheit“, zeigte der Vorsitzende, daß der Vorstand der Ortsgruppe bei der Besetzung einer dritten Hebammenstelle in der Gemeinde nichts unversucht gelassen hatte, um neben den beiden katholischen Hebammen auf die Anstellung einer evan⸗ gelischen zu dringen. Interessant waren die Einblicke in die Gemeinderatssitzungen und die Verhandlungen. Die Angelegenheit ist noch nicht abgeschlossen. Der Punkt rief eine rege Aussprache hervor, welche die Einmütig⸗ keit der Versammelten erwies. Es folgte ein kurzer Vortrag des Vorsitzenden über das Neueste aus der Po⸗ litik und über die Entwicklung unserer Bewegung. Die Versammlung beschloß, an die Reichsgeschäftsstelle eine Einladung zu einer Tagung in Weisenau zu richten. Sodann wurden die Mitgliedskarten ausgegeben. Um 11% Uhr konnte Herr Lehrer Greb mit Dankesworten die Versammlung schließen.
Gensingen. Der hiesige Kirchengesangverein beschloß in seiner letzten Generalversammlung, fünfzig Mark vom Rein⸗ erlös seiner Abendunterhaltung der Reichsgeschäftsstelle der evangelischen Volksgemeinschaft zu überweisen. Möchten viele evangelische Vereine diesem schönen Beispiele nachfolgen!
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Im Familienkreis
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Materialismus und christliche Feste. Auch eine zeitgemäße Betrachtung.
„Aber das fordere ich von euch, meine Freunde, daß ihr die Heuchlermaske niederreißt, wo ihr sie findet. Nicht Haß sollt ihr damit bekunden, sondern Liebe. P. Steinmüller.
Die ungeistige Einstellung der Menschen zu geistigen Din⸗ gen ist eine Erscheinung unserer Zeit, die jeden Feinfühligen aufs höchste befremden und abstoßen muß. Es ist nicht auszu⸗ agen, wie edle Geister unter dieser Zeiterscheinung zu leiden haben. Paul Steinmüller schreibt in seinen„Feuerrufen in
Deutschlands Nacht“(Welches Antlitz die Zeit zeigt):„Die
Menschheit hütet sich, sich zu erkennen aus Furcht, im Anblick
Ihres Selbst zu erstarren. Daß die Welt nicht vor ihr erstarre,
darum hält sie sich eine Maske vor das Geficht, und es ist die würdig⸗ernste, versöhnlich⸗lächelnde, die sie wählte. Die Phari⸗
ter trugen sie einst, und die Maske heißt Heuchelei. Ist es ein
Rest von Scham oder die Tiefe von Verderbtheit, daß sie die Maske trägt? Ich will an die Scham glauben, wenn mich auch ihre Falschheit bitter macht. Widerlich ist die Lüge, diese boppelzüngige Dirne mit den gläsernen Augen. Aber noch
widerlicher ist ihre Buhlschwester, die Heuchelei, eine gierige Kupplerin mit zweifacher Stirn. Am Schlimmes zu verdecken, eh die Menschheit von ihr das schlimmere Ebenbild.“
Der stärkste Beleg zu dem Kapitel dieser Heuchelei ist das Berhalten der heutigen Menschheit zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Da feiert diese Menschheit nun alljährlich diese n christlichen Feste— aber wie feiert fie sie? Daß einen unsagbar Ekel übermannt! Die meisten kennen nicht einmal mehr die Bedeutung dieser Fefte, oder tragen ihr wennigstens leine Rechnung. Weihnachten— das Fest des Lichtes, das Fest ber Geburt Christi; Ostern— das Fest der Auferstehung des herrn; Pfingsten— das Fest des heiligen Geistes— sollte man nicht meinen, daß die Menschen gerade zu diesen Festen ein ge⸗ isser Drang zur Sammlung, zur inneren Einkehr überkommen wüsse, follte man nicht annehmen, daß sie zu diesen Festzeiten einen erhöhten Drang verspüren müßten, edle geistige Veranftaltun⸗ gen zu pflegen, die sie einen Hauch vom Geiste Christi verspüren lassen?! Wie Darbietungen von Christus⸗Dramen um Weih⸗
achten und Ostern, Pfingstdichtungen, die das Wunder des schwerer, Hochwürden, hingehen, mit Geld und weltlichen Din⸗ 1 gen unsere Sünden ausgleichen und weiterleben in der Mei⸗ nung, nun müsse Gott auch zufrieden sein, oder selbst zu ihm gehen und mit ihm und unserem zur Strenge erzogenen Gewissen sertig werden, zu wissen, daß wir ihm nichts Irdisches bieten können, weil er über alles herrscht?“ „Sie irren, mein Kind. Wir werden in Enthaltsamteit aller unerlaubten Dinge schon durch die Fasten geübt; wir wissen, wer die Faften nicht hält, sündiget schwer.“ Erkennen Hochwürden als unantastbar wahr an, was Jesus sprach? Seine Worte find: Was zum Munde eingehet, das sündiget nicht, wohl aber, was zum Munde ausgehet, als da sind die bösen Reden.— Die Gebote der Fasten, wie sie juerst bei den jüdischen Völkern eingeführt waren, hatten den weck, durch diätes Leben Epidemien zu verhüten. Es war ein kluges Eingreifen der führenden Männer. Was gilt mir ein Mensch, der die Fasten von der Jugend bis zum Alter ohne zehler hält und weiß seine Begierden in anderer Weise nicht . 1 zügeln? Denn die Beweise bieten uns doch Menschen aus jeder Kaste, das ist erwiesen!“ Anlöschlicher Haß sah sie jetzt unverhohlen an. Pater RNarkus bebte vor Aufregung. Dies Kind wagte ihn— ihn, zen gefürchteten Gottesmann herauszufordern, zum ersten Mal ßullte er sich verrechnet haben? Jetzt verstand er, wie sie die Ihe hatten martern, erbarmungslos zu Tode quälen können. 115 er hätte seine mageren, langen Hände am liebsten um ihren als gekrallt und die Worte in ihrer Bruft erstickt. Seine sunatischen Loderaugen versagten an dieser unempfindlichen letzerin, sie duckte sich nicht wie ein scheues, verflogenes Vögel⸗ en, sie schien nur auf ein erneutes Wort zu warten, um nach derer Richtung ihm den felsenfesten Aufbau in ihrem Herzen u zeigen.— 15 „Nur in unserer Kirche lernt man beten!“ schrte er sie faft was Urle erst recht Ruhe und Selbstbeherrschung zurücgab. ochwürden, wenn hier ein Kindchen stände und fortwährend
Geistes und seiner Neugeburt darstellen wie z. B. Lienhards „Ahasver“, um Pfingsten herum jubelnd begrüßen müßte?!
Ach, der Arme, der sich solchem Glauben hingäbe und darauf bauen wollte. All diese Dinge hält man sich gerade in diesen Tagen am meisten fern; da läßt man nichts an sich herankommen als Dinge der materiellen Ebene— und alles Reingeistige ist auf Wochen hinaus erst recht aus dem Gesichtskreis dieser Menschheit verbannt, die nicht errötet sich christlich zu nennen und christliche Feste zu feiern. Um Weihnachten denkt diese Menschheit Tage, Wochen voraus nichts anderes als Kaufen, Kaufen, Kaufen— vor lauter Hetzen und Jagen in Kauf- und Warenhäusern kommt sie überhaupt nicht zur Befinnung— Ostern und Pfingsten wird nur an Ausflüge, neue Kleider und äußerliche Lustbarkeit gedacht. Es ist eine Groteske gottes⸗ lächerlichster Art!
Und diese Menschheit bedenkt gar nicht, daß sich die Lang⸗ mut Gottes auch einmal erschöpfen muß. Darf sie fich wundern, wenn— wer weiß, wie bald!— Gottes höhere Macht sie hinweg⸗ rafft und mit eisernem Besen wie faules Laub in die Grube fegt oder von den Wogen einer neuen Sündflut hinwegspülen läßt? Wahrlich, Gott hat eine unendliche Geduld mit der Menschheit dieses Erdballes bewiesen; aber wenn fie gänzlich im Materialismus erstarrt, so bleibt auch der Gnade Gottes kein anderer Ausweg mehr als— Vernichtung und Untergang. Man schaue sich um, was heute— jenseits der Menschen Macht — in der Welt vorgeht und erkenne die mahnenden Vorzeichen des kommenden Gottesgerichts! Guftav Hildebrant.
Deine Jugend.“)
Lieber junger Freund! Du kennst das Sprichwort: Morgen⸗ stund' hat Gold im Mund. Du kennst es nicht bloß vom Hören⸗ sagen, sondern du haft es auch in deinem eigenen Leben und Arbeiten schon erprobt. Du bist am Morgen frischer, munterer, spannkräftiger, unternehmender, vielleicht auch liebenswürdiger, als wenn die ersten Tagesstunden vorüber sind. Auch die Welt schaut dich anders an. Sie ist morgens wie in einem Sonntags⸗ gewand, während sie mit der fortschreitenden Tageszeit all⸗ mählich ihr gewöhnliches werktägliches Ansehen gewinnt. Das Seufzen der Kreatur, das dir den Tag über auf Schritt und
„) Aus: G. Weitbrecht,„Heilig ist die Jugendzeit“. Ein Buch für Jünglinge. 23. Aufl. Verlag von J. F. Steinkopf, Stuttgart. Hübsch geb. 3,50 Mk., Lwd. m. Goldschn. 5 Mk.
Tritt begegnet, ist in den Morgenstunden noch nicht aufgewacht; sie feiert noch wie in träumender Erinnerung an einstiges para⸗ diesisches Glück und rüstet in aller Stille ihre besten Kräfte für des Tages Arbeit. Wie wichtig ift es, daß du die Morgen⸗ stunden des Tages richtig verwendest! Verschlafe und verträume sie, so hast du das Edelste und Beste des Tages selber dir ge⸗ raubt, so trittst du hinein in die Arbeit und den Unfrieden des Weltlebens, ohne deine Seele eingetaucht zu haben in das Ele⸗ ment des Friedens, das in der Morgenstunde wie ein Odem Gottes dich umweht. Entweihe vollends gleich die ersten Mor⸗ genstunden durch Sünde, durch Streit, durch Verbitterung und Verunreinigung der Seele, so hast du den Wurm kommen lassen an die Wurzel deines Tageslebens. Du magst dann wohl im Verlauf des Tages dich wieder zurechtfinden; aber seine Blume, sein Duft, seine Weihe ist unwiederbringlich dahin.
Auch deine Jugendzeit ist eine Morgenstunde, von der es gilt: sie hat Gold im Munde. Was den Morgen schön macht, eben das ist auch die Schönheit der Jugendzeit: frische Kraft, froher Mut, klares Auge; eine Welt, die offen vor dir liegt, deren dunkle Abgründe bis jetzt vor deinem Auge freund⸗ lich verdeckt geblieben sind; eine reiche Zukunft, goldenes Licht und immer höher steigende Sonne. Wie wichtig ift, daß diese Morgenzeit des Lebens richtig angewendet werde! Verträume sie in Müßiggang und Nichtstun, in unmännlicher Tändelei, so haft du dich um deines Lebens edelste Stunden und beste Kraft selber gebracht, so trittst du nachher an die großen und ernften Aufgaben des Lebens heran, ohne deine Seele gesättigt und
geweiht zu haben mit den himmlischen Kräften, welche allein.
dem Tun und Wirken des Mannes seinen Wert, seinen Gehalt geben und allein ihn aufrecht erhalten in den mancherlei Ent⸗ täuschungen, welche seiner warten. Verträumte und vertändelte Jugendzeit— daraus erwachsen jene bedauernswürdigen Halb⸗ männer, welche nach kurzem Kampf mit dem Leben so bald die Waffe ins Korn werfen und entweder schwunglos mechanisch, ohne jedes höhere Streben, ihren Beruf als einen Kärrners⸗ und Taglöhnersdienst weiterführen, oder aber sich dem Welt⸗ schmerz in die Arme werfen und als verkannte„Uebermenschen“ unzufrieden mit Gott und Welt einsam ihren Weg dahinziehen. Und wenn du vollends deine Jugendzeit, deinen Lebensmorgen nicht bloß verträumft und vertändelst, sondern geradezu durch Jugendsünden befleckst und vergiftest,— was wird die Folge sein? Dann wird deine Lebenswurzel krank, dann„fiel ein,
sagte: bitte, gib mir ein Stück Zucker, bitte, gib mir ein Stück Zucker,— dann würden Sie sich abwenden und sagen: was für ein unerzogenes Kind; bis es gelernt hat, eine bescheidene Bitte genügen zu lassen, bekommt es keines. So muß auch unserem Gott bei dem Rosenkranzbeten sein,— ist meine Ansicht,— es heißt in der Bibel: Wenn du betest, so gehe in dein Kämmer⸗ lein und schließe die Tür hinter dir und bete zu deinem Vater im Verborgenen und dein——“
Pater Markus hob die Hand, als wollte er sie auf ihren Kopf niedersausen lassen— oder war es nur eine eifrige, pathe⸗ tische Bewegung? Die Eichentür vom Bibliothekzimmer wurde ganz aufgestoßen und im Rahmen stand Gerhard. Er gab sich keine Rechenschaft darüber, wer im Recht war; ihn entzückte nur die kühne Art, wie Urle vorging. Interessiert mufterte er beide Gegner.
Frau Wendtland hatte die Hände gefaltet und sah hilflos Gerhard an. Mußten nicht die starken Mauern des Klostergutes wanken?
„Hochwürden, ist es nicht geratener, wir lassen dem Schick⸗ sal seinen Lauf, die junge Seele erst langsam eindringen, nach ihrer Verheiratung, wenn die volle Größe unseres Glaubens auf sie eingewirkt hat?“
„Aber die Trauung, die katholische Trauung bleibt bestehen als unumstößliche Bedingung, oder ich enterbe ihn und er mag ohne meinen Segen, ohne meine Einwilligung seine Wege suchen!“
„Das versprach ich bereits und werde es halten“, antwortete Urle fest.—
Hans, der diese Unterredung schnellftens beendet wünschte, sah alles als erledigt an und verabschiedete sich mit Urle vom Pater, der ihnen Blicke tödlichen Hasses nachsandte. Die Nieder⸗ lage vergab er ihr nie
Hinter der Klostermauer erscholl eintöniges Gemurmel. Urle horchte auf.— Wieder knarrte das schmale Pförtchen.
Sie zwängte sich hindurch, um die Arsache zu erforschen; und
fiehe: da kamen fünf Bittgängerinnen betend vom nahen Well⸗ dorf, um auf den hohen Stufen der Rheindorfer Kirche, vor dem Kreuz, zu beten.— Sie drehten neugierig ihre Köpfe nach dem fremden Menschenkind; aber Urle sah sie nicht mehr. Sie starrte nur auf die beiden Sträußchen, die sie doch in die Vasen gestellt hatte und die nun, zertreten von den derben Bauernschuhen der eben Vorübergegangenen, auf dem Feldweg lagen.
„Wer hat das getan?“ fragte sie leise, mehr zu sich selbst; aber Dammrat, der eben Feierabend schloß, vernahm es.
Er steckte beide Hände in die Hosentaschen.„Frau Lud⸗ milla Wendtland expedierte sie auf allerhöchsten Befehl da hin⸗ über,“ er zeigte auf die breite Mauer,„denn das Prager Jesus⸗ kind soll von allen Blumen im Garten haben, da hat sie kunter⸗ bunte zusammengeliert.“—
Hans trat mit Gerhard aus dem Garten. Arle wendete ihre Blicke von den verschmähten Blumen.„Dore, wenn du alles wüßtest“, seufzte sie.
Drüben trieb der Hirt seine Schafherde zum Hof und blies seine Schalmei. Ein Karren Grünfutter schwankte hinterher; die schweren Pferde zogen spielend die Laft und der Knecht pfiff die Melodie eines Hirtenliedes. Ein idyllisches Bild abendlichen Friedens.
Ein langgezogener Jauchzer durchschrillte die Luft. Lud⸗ milla trat aus dem Tor, steckte einen Brief in ihren Gürtel und kam im Laufschritt näher:„Rudi schreibt, ich soll unver⸗ züglich nach Köln kommen; der gute Junge hat Sehnsucht. Morgen fahre ich!“
„Da wird das Haus schnell leer werden; denn unsere Ver—⸗ lobung soll noch zu Urles Geburtstag veröffentlicht werden.“
„Worauf verlobst du dich denn?“ fragte sie boshaft. Du darfst doch nicht bei deinem Beruf bleiben!“
„Und du gibft mir nichts; also ist es meine Sache, was ich beginne!“
(Fortsetzung folgt.)
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