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Sonnabend, den 5. Februar 1927.
„Evangelische Warte“
Nr. 6.
War es wirklich nötig, daß Mahraun eine Selbß⸗ verständlichkeit wie die, daß ihm ein anständiger Reichs⸗ bannermann lieber sei, als ein unanständiger Stahl⸗ helmer, mit solchem Pathos proklamirte? Und ande⸗ rerseits: war das wirklich ein Grund, ihn um deswillen in der Rechtspresse als Apostaten der eigenen Idee und als brandroten Republikaner hinzustellen? Und wei⸗ ter: war es wirklich fein und fair gehandelt, wenn Mahraun in Hamburg den Grafen Goltz als eine Art von verkalktem Meergreis, der der neuen Zeit mit blödem Auge gegenübersteht, abtun zu können glaubte? Wenn wir recht unterrichtet sind, ist Goltz der Führer der Baltikum⸗ und Finnland⸗Befreier gewesen; dann hat Mahraun ihm schwerlich Gleichwertiges entgegen⸗ ustellen. Aber wenn er auch„nur“ General und Sol⸗ dat, wie mancher andere neben ihm, gewesen ist, gab es nicht ritterlichere, reinere Waffen, sich mit ihm aus⸗ einanderzusetzen? Dabei sind wir weit davon entfernt, die hinter Goltz stehenden vaterländischen Verbände vorbehaltlos in Schutz zu nehmen. Auch hier ist gar manches Verkehrte geschehen, was den Graben zwischen ihnen und dem Jungdo unnötig verbreitert hat, und manche Gelegenheit zum Brückenschlagen ist versäumt worden. Auch nehmen wir es Mahraun an sich nicht übel, wenn er dem vorwiegend aus Angehörigen der politischen Linksparteien sich rekrutierenden Reichsban⸗ ner gegenüber seine Brudergesinnung zum Ausdruck bringt, nur wirkt solche Geste peinlich zu einer Zeit, da das Tischtuch zwischen ihm und den vorwiegend in den Rechtsparteien beheimateten vaterländischen Ver⸗ bänden zerschnitten ist, und gewiß nicht ohne seine Schuld. Hier wiederholt sich jene„unparteiische“ Par⸗ teinahme, jene Zwiespältigkeit, die eben jetzt wieder in det Politik als Reichsregierung ein„Kabinett der Mitte mit hinlänglich verbindlicher Unterstützung der Sozialdemokratie“ haben wollte. Um seiner oben er⸗ wähnten Denkschrift willen hat man Mahraun hie und da zum Denunzianten stempeln wollen. Wir finden solchen Anwurf perfide. Wir glauben, daß ihm der Antrieb zu seiner Warnung aus ehrlichem, gutmeinen⸗ dem Herzen kam. Das schließt nicht aus, daß im Unter⸗ bewußtsein auch ein bißchen menschliche Schwachheit mit⸗ gespielt hat: wie schön, in der Stunde der Gefahr„Ret⸗ ter des Vaterlandes“ zu sein! Und man mag über die Denkschrift selbst denken, wie man will, ihre Erörterung in der Oeffentlichkeit des Parlaments und der Presse 1110 dem Jungdo und seinem Hochmeistet arg geschadet.
as gilt endlich mindestens ebenso oder noch mehr von dem Versuch Mahtauns und seiner Freunde, deutsche Außenpolitik(im Sinne der„Vossischen Zeitung“ nach Aussöhnung und Zusammengehen mit Frankreich hin) auf eigene Faust treiben zu wollen. Mag für den Jungdo dabei auch ein anerkennendes Wort Strese⸗ manns abgefallen sein, wir meinen, hier müßte es für den Orden heißen: Principiis oststa(widerstehe den An⸗ fängen!) Für außenpolitische Arbeit ist das Reichs⸗ ministerium des Auswärtigen da, und nur dieses ist für sie zuständig. Mögen andere sich„berufen“ fühlen, dabei mitzuhelfen— der Orden lasse um wichtigerer Aufgaben willen die Finger davon! Oder ob Mahraun sich wohl dabei fühlt, wenn ihn jetzt Leute und Blätter auf den Schild heben, im Blick, auf die wir zu ihm sagen möchten:„Es tut mir in der Seele weh', daß ich dich in dieser Gesellschaft seh!“!? Hier vor allem scheint uns die stärkste Ursache der Krise zu liegen, in der der Nia sich gegenwärtig befindet. Hier vor allem möge
ahraun das Messer ansetzen, auch wenn ihm der Schnitt selber wehe tun mag. Sonst wird ein Aus⸗ einanderfallen des Ordens nicht mehr aufzuhalten sein.
Es mag manches in den obigen Ausführungen här⸗ ter und schärfer klingen, als es sollte. Ans war es dennoch um nichts anderes zu tun, als darum den Jung⸗ deutschen Orden, den wir als Mitarbeiter an einer christlich⸗deutschen Volksgemeinschaft nicht verlieren möchten, auf die Spaltpilze aufmerksam zu machen, von denen ihm Vernichtung droht, wenn er sie nicht bei⸗ zeiten abtötet. Wie wir den Aufgabenkreis des Jungdo sehen, haben wir hinreichend deutlich gemacht. In Einzelheiten mag noch manches zu ergänzen sein, im wesentlichen aber glauben wit das, was der Orden ur⸗ sprünglich sein und treiben wollte, richtig gekennzeich⸗
Dornenweae. e
Roman von Clara Meller.
10. Fortsetzung.
„Später, Hert Hans, später, hüte is keen Dag dafür. Aber das sage ich Ihne, wenn Madame die Btauereien in den Höllengrund wünscht, zu unterst gehere de Klöster! Um kein Säufer zu sein, dazu gehött nut jett Selbstbeherrschung, aber vor so net Landplage ist kein ehrlicher Ehtistenmensch sicher.— Sehn Se, Herr Hans, ich hasse keinen Menschen ohne Grund, ich hatte eine hübsche Braut, enn Prachtmädel war es, so gut und fleißig, abet arm wat es. Na, ich kunn ja arbeiden für zehn, wir waren glücklich un wollten bald heitade. Ach Jotte doch,“ er strich sich aufseufzend über die Stirn, als übermanne ihn die Erinnerung.
„Da ging se zur Beichte un im Beichtstuhl hat ehr der Hal⸗ lunke, er es vergangenes Jahr an der Zuckerkrankheit zu Irunde jegangen, allerlei schlechte Anerbietungen jemaht, ehr vorgelogen, sonst würde er se nicht trauen und se mößte dann soviel Jeld bezahle, daß mer noch warde mößten, ehre Sünden würden ehr nicht vergeben und er wollte das Verhältnis lösen!
Wäre das leve, dumme Göhr nor gleich zu mir jekommen, dann wurde alles jut, ich hätte den Burschen heemjelücht't, aber so grämte se sich still und er stellte ehr immer mehr nach und eines Tages bekomme ich einen Breef: ich solle ehr vergäben. se habe gefündigt und finde sich auf Erden nicht mehr z'recht, ech sollte sie aus dem schwarzen Teich im Wald fischen und sie still eingraben.
Es war auch so, Herr Hans! Als ich sie im Arm habe, das Herz wollte mir fast breche vor Leid, kommt der Mariawalder
net zu haben. Ein Abweichen von dieser ursprünglichen Linie in der letzten Zeit ist unverkennbar. Wie jedes Reich und Volk in Zeiten der Krisis und des Zerfalls nur durch die Kräfte wieder hochkommen kann, die es einst groß gemacht haben— und das sind immer gei⸗ stige, sittliche Kräfte gewesen— so gilt das auch vom Jungdeutschen Orden. Dann, aber nur dann hat er auch heute noch eine große Zukunft und Verheißung, wenn er sich nicht bekümmert um das, was außerhalb seines Kreises vor sich geht, jede Stellungnahme zu po⸗ litischen Fragen und Parteien peinlichst vermeidet, da⸗ für aber um so angelegentlicher, unermüdlicher, unver⸗ drossener der Erziehung seiner Mitglieder zu aufrech⸗ ten Ehrtsten, zu treudeutschen Charakteren, zu geläu⸗ terten, sittlichen Persönlichkeiten, zu Wegbereitern wahrer Volksgemeinschaft und Trägern lebendiger, tätiger Brudergesinnung widmet. Nicht nach außen, sondern nach innen, nicht in die Breite, sondern in die Tiefe muß er wirken wollen.„Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft!“ Hic Rhodus, hic salta!
Evangelische Kirthe und Evangelische Volksgemeinschaft.
Weite Kreise der evangelischen Bevölkerung— nicht nur unsere Mitglieder und Freunde— hat es s. Zt. recht sonderbar berührt, daß es die Schriftleitung der evangelisch-kirchlichen Presse Nassaus für möglich fand, unsere evangelische Partei abzulehnen und da⸗ durch unserer Bewegung ganz offiziell entgegenzutreten. Eine evangelische Partei, so sagte man, sei so lange ein Ding der Unmöglichkeit, als wir nicht ein„Kultur⸗ Parlament“ hätten. Man war anscheinend auch mit der Wahrung der evangelischen Belange nicht ganz so unzufrieden wie wir, da man sich vertrauensvoll und wieder ganz offiziell unter die Fittiche der bestehenden Parteien begab, nachdem sich von rechts nach links, von den Deutschnationalen bis zu den— Sozialdemokra⸗ ten auf Befragen alle zur Wahrung der evangelischen Interessen bereit erklärt hatten.
Dabei waren die Antworten der Parteivorstä oe garnicht so einwandfreie und unzweideutige Zusagen, wie es die Sachlage eigentlich verlangt. So lautete z. B. die Antwort der Deutschen Volkspartei wörtlich:
„Es ist uns bekannt, daß innerhalb des Kommu⸗ nallandtages eine etwas sehr einseitige Politik von Seiten des Zentrums getrieben wurde. Wir ver⸗ urteilen das und find bestrebt, möglichst zu einem Ausgleich auf Grund des Zahlenverhältnisses der beiden Konfessionen zu kommen.“
Von dem Empfänger selbst wurde dem Artikel⸗ schreiber diese Antwort als sehr ausweichend und als negativ zu bewerten bezeichnet. Die D. V. P. hat auch den Vorwurf eines Mitgliedes, sie habe es gewisser⸗ maßen abgelehnt, sich um die evangelischen Interessen zu kümmern, widerspruchslos hingenommen. Den Wert der Fragen und Antworten beweist das zur Ge⸗ nüge.
Auf die Antworten kommt jetzt im„Kirchenboten für das Dekanat Cronberg“ die Kirchenbehörde zurück. Sie fordert, daß die offene Stelle des Landeshaupt⸗ mannes in Wiesbaden durch einen Evangelischen be— setzt wird. Als einer der aussichtsreichsten Kandidaten wurde in den Tageszeitungen nämlich vor langem schon ein Zentrumsmann genannt. Der Vorgänger war katholisch und, so schreibt der„Kirchenbote“,„man empfand in allen evangelischen Kreisen peinlich die rücksichtslose Art, mit der im vorausgegangenen Kom⸗ munallandtag die katholischen Interessen vertreten worden waren... daß dem Zentrum fortgesetzt Zu⸗ geständnisse gemacht wurden, bis es die wichtigsten Po⸗ sten in seiner Hand hatte.“
Wir fragen uns, wo waren denn damals die Ver⸗ treter der Parteien, die auf Anfrage hin selbstverständ⸗ lich gerne bestätigen, daß sie zur Wahrung der evan⸗ gelischen Interessen bereit sind? Etwa auf Urlaub, wähtend der Landeshauptmann Zugeständnisse machte? Oder haben nicht vielleicht diese Parteien selbft die Zugeständnisse gegeben?!
fene!—— Herr Hans, ich bin hinter im hergesaust wie ein Toller und wenn nicht die Bittgänger von der Kapelle des heiligen Antonius kamen, hätte ich ihn erdrosselt! Ich wurde polizeilich überwacht, abet einmal kommt die Stunde, das sage ich Ihne, da nehme ich Rache und wenn ich in die ewige Ver⸗ dammnis fahre. Wenn im Testament meines Herrn nicht ge⸗ standen hätte: Mein treuer Dammrat ist auf lebenslänglich an⸗ gestellt,— er ekelte mich hier heraus, so höhne ich ihn, wo ich kann in seine Gaunervisage.—— Gehen Se fort von hier, Hert Hans, fort aus dem Rheinland, wo die Hand der Brüder nicht hinreicht, erst dann könne Se jlücklich werde.“
Mein eigenes Leid war im Augenblick zurückgedrängt, sin⸗ nend trat ich durch das enge Gartenpförtchen, das die Wein⸗ reben fast übersponnen hatten mit ihrem wirren Netz. Das rostige Schloß kreischte bei der ungewohnten Benutzung, den Erd⸗ boden schabend, knickte die Tür die rotköpfige Disteln, die da⸗ vor Schildwache standen, und dann ging ich über die Brücke, die über den steinigen, ausgetrockneten Bach führte, dem Feld⸗ weg nach, auf Rheindorf zu.
Der alte Landrat hieß mich herzlich willkommen. Ob er mir beipflichtete, oder mein Betragen sein Mißfallen erregte, als ich ihm meine Lage schilderte, vermochte ich nicht zu ent⸗ rätseln, ein grimmiges Knurren war das einzige Zeichen, daß er meiner Erzählung mit Interesse folgte. Dann ließ er an⸗ spannen und wir fuhren zusammen nach Königsborn.
Untet seinem Einfluß gab meine Mutter, wenn auch wider⸗ willig ihre Zusage. Es war ja ein harter Kampf, den er aus⸗ focht, und er muß wohl bittere Worte gesagt haben, denn krit dem durfte sein Name nicht genannt werden oder sie fuhr wie von einer Vipper gestochen auf.
Seelenfischer vorbei, tritt heran und sagt: Auch eine Verwor⸗
Drei Monate darauf verließ ich mein Rheinland, ich stu⸗
Auf der Warle.
Die Spannung zwischen China und England hält unverändert an. Immer mehr Kriegsschiffe der ver⸗ schiedensten Mächte sammeln sich in den chinesischen Ge⸗ wässern zum Schutze ihrer in China lebenden Unter⸗ tanen an. Kein Mensch kann voraussagen, wie sich die Lage entwickeln wird, zumal durch den Bürgerkrieg in China unübersehbare Verhältnisse herrschen.— In Frankreich zeigen sich durch die eingetretene Arbeits⸗ losigkeit, die von Tag zu Tag zunimmt, n schwierige Verhältnisse. Allerdings hat man dort jeg den Vorteil, aus den deutschen und englischen Zustän⸗ den die entsprechenden Schlüsse ziehen zu können.— In Paris tobt der Kampf der deutschen und französischen Bevollmächtigten wegen unserer Ostfestungen, vor allem wegen Königsberg. Das auftrumpfende Polen verlangt kurzerhand Schleifung aller Befestigungen, eine Forderung, die selbst Frankreich nicht zu stellen wagte. Unsere Unterhändler stehen vor schwierigen Perganpfaz woraus sich auch die lange Zeitdauer det
erhandlungen erklärt.— Mit dem 31. 1. verließ nun die längst überflüssig gewordene Kontrollkommission den deutschen Boden, wodurch wir einen Schritt det Freiheit näher gekommen sind.— Alle diese Fragen traten aber in den letzten Tagen vor der Frage zurück Wie wird sich die neue deutsche Regierung gestalten? Wie ein Donnerschlag wirken mußten für uns in Hessen die Richtlinien, die im Punkt„Kulturpolitik“ aufge⸗ stellt wurden. Das Zentrum hat bei der neuen Regie⸗ rung eine Vormachtstellung erreicht, wenn es 1 1 zahlenmäßig weniger Minister ins Kabinett entsendet, als die Deutschnationalen. Das bringt für uns die düstersten Befürchtungen. Allmählich sehen das au eine ganze Reihe von Parteiblättern ein, die sonst fi nicht so rückhaltlos auf unseren evangel. Boden stellen. Das nächste Ziel, das von der neuen Regierung wohl in kulturpolitischer Beziehung angestrebt wird, wird die Herausgabe des Reichsschulgesetzes sein, das unsere be⸗ währte Simultanschule in Hessen zerschlägt, damit neue Steuerlasten bringend. Die nächste Aufgabe für das „schwarze“ Kabinett dürfte der Abschluß eines Konkor⸗ dats mit Rom bilden. Erheben wir, wo wir nur kön⸗ nen, unsere warnende Stimme! Bis zum Augenblick, wo diese Zeilen geschrieben werden, stehen die Minister der Deutschnationalen noch nicht fest. Gerade diesen Männern müssen wir wegen ihrer konfessionellen Ein⸗ stellung unsere ganze Aufmerksamkeit widmen. Unsere ganze Kraft aber sei aus den angeführten Gründen der schleunigsten Zusammenfassung aller Evangelischer in der„Evangelischen Volksgemeinschaft“ geweiht.
Die D. V. P. sagt,„wir verurteilen das“,„wir sind bestrebt, möglichst zu einem Ausgleich zu kommen.“ Diese Einschränkungen öffnen uns die Augen! Man muß mit dem Zentrum regieren und steht bei seinen schätzenswerten Bestrebungen manchmal, vielleicht auch oft, vielleicht sogar immer vor der Unmöglichkeit, un⸗ sere evangelischen Interessen gebührend zu berücksich⸗ tigen. Außerdem hat man katholische Wähler und geordnete; die muß man genügend, unsere Sache kann man deshalb nur möglichst berücksichtigen.
Die Geschichte mit den katholischen Wählern und Abgeordneten paßt bekanntlich auch genau auf die Deutschnationalen. Die Demokraten und Sozialdemo⸗ kraten aber möchten noch lieber als die D. V. P. mit dem Zentrum Koalitionen bilden. Das kostet immer „Zugeständnisse“, es entstehen dann die berüchtigten po⸗
litischen Kuhhändel— zum Schaden des Zentrums
wohl kaum.—
Doch das nur nebenbei.— Wit hören also, daß die
nassauisch⸗evangelische Presse die Parteien an ihre Vet⸗ sprechungen erinnert. Besonders bemerkenswert und für uns interessant ist der Schluß des Mementos. Wit lassen ihn wörtlich folgen: „Hoffen wir, daß die politischen Parteien bei der Wahl des neuen Landeshauptmanns sich auf die vor⸗ jährige Verpflichtung dem evang. Volksdienst gegen⸗ über besinnen, damit nicht eines Tages die Kirche gezwungen wird, um der Vertretung evangelischer
dierte in München, holte mir dort das Braumeisterdiplom und dann führte mich mein guter Stern nach Staffenhaufen, das für mich einen Edelstein, meine blonde Hexe, barg!“—
Er strich lächelnd über ihr Haar und schlang den Zopf um seine Hand:„Ich verdiente Strafe für meine lange Anterhal⸗ tung, aber wenn der Strom, der das Herz erleichtert, erst den Damm durchbrach, dann gibt es kein Aufhalten, ich schicke mich darum gleich selbst in die Verbannung und gehe heim!“
„Wenn morgen das Wetter angenehm, hole ich Sie alle drei zum Spaziergang nach dem Nonnenspring, gelt Frau Benning⸗ sen?“ fragte er beim Abschied; sie verabredeten noch die genaue Stunde, dann verhallten feine elastischen Schritte.
Wie eine warnende Fata Morgana tauchte das Bild des fremden Lebens in die Brust der drei Frauen. Zu spät! Arle liebte den schönen Rheinländer mit der ganzen Glut ihres heißen Natutells, da gab es für sie kein Erwägen und ihr Schicksal kettete sich weiter, Glied an Glied!——
Eine Tagesrunde, nein, eine Stunde schon, wie schüttelt sie oft einen festgefügten Plan in eine formlose Masse zusammen
und aufgeschreckt, werden wir in neue Bahnen gedrängt. Plötz⸗ lich, unvorhergesehen, griff auch das Schicksal in Johannes Wendtlands Leben, mitten in seinem sonnigen Liebestraum.
Verlangende Blicke waren dem schönen Rheinländer ge⸗ folgt und als alle Künste an ihm abglitten, da wurde Frau Petronella durch einen gehässigen Brief von der fündhaften Liebe ihres Jüngsten zu einer Ketzerin unterrichtet.
Da hieß es eingreifen auf frischer Tat. Auch in der Fa⸗ milie Frau Benningsens rief die heimliche Verlobung Em⸗ pörung und Streit hervor, einer nach dem andern suchte sich unberechtigt hineinzumischen und führte den Bruch herbei, trotz
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