Die Laufanner Weltkonferenz.
Balz,
Vortrag von Herrn Pastor Mosel-⸗Rohrberg.) Am Sonntag, den 21. August ds. Is. sprach in Frankfurt a. M. in einer Versammlung der Evangeli— schen Volksgemeinschaft Herr Pastor Mosel über die Lausanner Tagung. Der Reichsgeschäftsführer, Herr
Pfarrer Weidner, und der 1. Vorsitzende, Herr Dr.
Moegenburg, begrüßten ihn aufs herzlichste als treuen Anhänger und Wegbereiter unserer Sache in Nord— deutschland.
d Im Anfange seines Vortrages dankte zunächst Herr
Pastor Mosel für die Worte und erwähnte, daß es ihn
ih herzlich freue, unter den Freunden einen Abend ver— bringen zu können. Er habe vor Jahren in vorderster Linie einer ähnlichen Bewegung in der Uckermarck ge— standen, doch hätten die Verhältnisse in seiner Heimat damals keine Fortschritte zugelassen. Vom hessischen Aufbau verspreche er sich die deutsche Bewegung. ge Er wies darauf hin, daß es schwer für ihn sei, jetzt er de in diesem Augenblicke, wo er gerade von der Lausan— er Tagung als deutscher Teilnehmer komme und noch eng zicht die richtige Distanz habe, über das Verlaufene zu berichten. Trotzdem wolle er versuchen, einen kurzen Ueberblick zu geben. Zunächst müsse man betonen, daß ie Lausanner Tagung keine Fortsetzung von Stockholm ei, sondern, daß sie gesondert gehe und schon älter sei. die„Konferenz für Glauben und Verfassung der Kirche Christi“ trat erstmalig in Genf im Jahre 1920 zusam⸗ en. Zahlreiche Klagen, besonders der Missionare, hatten dazu geführt, eine Einigung der Kirchen herbei— zuführen, weshalb sich unter dem Bischof von West— NRewyork ein Ausschuß gebildet habe, dessen Arbeits- srucht die jetzige Lausanner Tagung gewesen sei. Schon die Genfer Konferenz war nur möglich durch die tat— räftige finanzielle Unterstützung amerikanischer Fi— sanzgrößen. 150 Christen aus allen Nationen und Erdteilen hatten sich 1920 versammelt, welche die Ge— egenheit des Einigungswillens nach dem Kriege be— lutzen wollten, der Zerrissenheit ein Ende zu machen. Die Basis des christlichen Glaubens scheint ja am ge— eignetsten dazu den völkerbindenden Gedanken zu för— ern. Die deutschen Kirchen waren damals nicht ver— teten, da sie sich auf den Standpunkt stellten, die ein⸗ adenden Kirchen hätten einmal gegen den Versailler Vertrag protestieren müssen. So kam es, daß inoffiziell fur 6 deutsche Vertreter teilnahmen. Damals wurde der Fortsetzungsausschuß gewählt, der die Lausanner N agung vorbereitete. Alle Kirchen waren vertreten, zur die römisch⸗katholische nicht, weder 1920 noch 1927; och konnte man unter den Galeriegästen eine Anzahl misch⸗katholischer Geistlicher beobachten. Am 31. Juli, 1. und 2. August fanden Ausschuß⸗ zungen statt. Am 2. August mittags erfolgte die offi⸗ elle Eröffnung der Konferenz, zu der sich dieses Mal 0 Teilnehmer eingefunden hatten, dazu zahlreiche
isident sver ind ha Fei hre By f tagh, r kaun einen ten i us den bessen, ionalgg lamen,
g. J. end aul
dertta e Noll
hbäste. Am stärksten vertreten war die anglikanische iche, dann kamen die Vertreter der protestantischen
alb de 15 die dritte Hauptgruppe nahmen die Griechisch⸗
ien l orthodoxen ein. Amerika, bei dem der Wunsch nach kinheit am stärksten infolge Zerrissenheit in zahlreiche Fekten ist, hatte bedeutende Delegierte entsandt. Das bersammlungslokal war die Aniversität der Stadt Jausanne, gleichzeitig des Kantons Waadt. Ein Haupt⸗ unterschied, der äußerlich auffiel, war die Schlichtheit n Ränder Lausanner Konferenz gegenüber dem Prunk der ad we ktockholmer Tagung. Während sich Stockholm mehr n nichl nit äußeren Dingen befaßte, beschäftigte sich Lausanne Stagußh 1 den inneren, dogmatischen Fragen. Als Höhepunkt Fliege er Tagung bezeichnete der Vortragende den Gottes⸗ galt senst, der die Einleitung zur Konferenz bildete. Er⸗
ebend seien die gemeinsamen Lieder und Gebete gewe— in, bei denen man gemerkt habe, wie trotz Sprachen⸗ ierschiedenheit alle eins waren in ihrem Herrn und Neister. Die Themen der Konferenz waren genau um—
grenzt: 5
1. Das Evangelium als die Botschaft Gottes an die ze Welt.
2. Das Glaubensbekenntnis.
3. Vom Amt der Kirche. 4. Die Sakramente.
5. Die Vielheit der Kirche gegenübergestellt der
Einheit. In der ersten Hälfte der Konferenz sprachen immer
atzung⸗ ind deß erziel it Reh
Mig
— Noch eine, Ines? Ich werde noch viel von dir zu bolten haben.“ 0 1 Sie sah ihn traurig an; nur eine Sekunde lang; dann flog hh ür Auge hastig wieder nach der Wiege.„Du weißt,“ sagte sie, t immer schwerer atmend,„es gibt kein Bild von mir! Du woll⸗ let immer, es solle nur von einem guten Meister gemalt werden —— wir können nicht mehr warten auf die Meisterhand.— könntest einen Photographen kommen lassen, Rudolf; es ist en wenig umständlich; aber— mein Kind, es wird mich nicht ö sahr kennen lernen; es muß doch wissen, wie die Mutter aus⸗ ehen.“ f „Warte noch ein wenig!“ sagte er und suchte einen mutigen Tin in seine Stimme zu legen.„Es würde dich jetzt zu sehr knegen; warte, bis deine Wangen wieder voller werden!“ Sie strich mit beiden Händen über ihr schwarzes Haar, da⸗ eng und glänzend auf dem Deckbett lag, indem sie einen fast 1 ben Blick im Zimmer umherwarf. 55 8 inen Spiegel!“ sagte sie, indem sie sich völlig in den Kis⸗ en aufrichtete.„Bringt mir einen Spiegel!“ Er wollte wehren; aber schon hatte die Alte einen Hand⸗ pegel herbeigeholt und auf das Bett gelegt. Die Kranke er⸗ 15 ihn hastig; aber als sie hineinblickte, malte sich ein heftiges Eshrecken in ihren Zügen; sie nahm ein Tuch und wischte an den Glase; doch es wurde nicht anders; nur immer fremder kürtte das kranke Leidensantlitz ihr entgegen. „Wer ist das?“ schrie sie plötzlich.„Das bin nicht ich!—
Wichtige Mitteilungen der Neichsgeschäftsstelle. ge Milteilungen der Neichsgeschäftsstelle.
0 Wie bereits bekannt ist, findet die 3. Reichstagung vom 22. bis 24. Oktober in Mainz statt. Wir er⸗ bitten Anmeldungen an Herrn C. Wolf in Mainz, Nichard Wagnerstraße 3, insbesondere von den Teilneh⸗
mern, die ein Freiquartier wünschen.
Anträge für die Reichstagung sind auf Grund des 8 9 unserer Satzungen spätestens einen Monat vor
der Tagung(mit kurzer Begründung) bei uns einzureichen. nisation und jedes Einzelmitglied der EW. berechtigt.
Zur Stellung von Anträgen ist jede Orga⸗
5 Sowohl die Mainzer Reichstagung als auch unsere Werbearbeit für die hessische Landtagswahl kosten viel Geld. Es ist darum unbedingt nötig, daß die noch rückständigen Beiträge für 1927 sofort— spätestens am 20. September— auf unser Konto Nr. 593 bei der Bezirkssparkasse Nidda(Postscheckkonto 8907 Frank⸗ furt a. M.) überwiesen werden. Diese Mahnung gilt ganz besonders den Ortsgruppen, die für 1927 noch leine Beiträge eingesandt haben. Unsere Arbeit ist doch nur möglich, wenn uns unsere Mitglieder nach Kräf⸗
en
ten unterstützen.
über jedes Thema zwei Redner je eine halbe Stunde, vier Redner konnten ihre Ansicht dazu eine Viertel— stunde lang darlegen. Hierbei bekamen alle Konfessio— nen schon Gelegenheit, sich zu äußern. Nach der ersten Hälfte wurde die Konferenz in drei Gruppen zu je ca— 150 Teilnehmern geteilt, diese bildeten wieder fünf Untersektionen, um nach und nach ihre Beschlüsse der Konferenz vorzutragen. Worin besteht nun das Er— gebnis der Konferenz? Es wurden eine Reihe von Entschließungen angenommen, in denen zunächst das Gemeinsame festgelegt wurde, dann das bis jetzt Unter⸗ scheidende. Man kann das Ergebnis als gut bezeichnen, wenn auch noch manche Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen sind, die beinahe unüberwindlich scheinen. Es wurde wiederum ein Fortsetzungsausschuß gewählt. Auf die dogmatischen Fragen konnte der Redner leider nicht weiter eingehen, da sie größerer Vorbereitung und eingehenderer Kenntnisse bedurft hätten. Obwohl die deutsche Kirche immer noch nicht vertreten war als offi— zieller Teilnehmer, waren doch 40 Deutsche auf beson— dere Einladung dem Rufe gefolgt und hatten an der Konferenz teilgenommen.
Der Redner dankte nach einstündigem Vortrage dann noch einmal für die Aufmerksamkeit seiner Zu— hörer. Reicher Beifall belohnte ihn. Der Vors., Herr Dr. Moegenburg, erwiderte den Dank, indem er beson— ders darauf hinwies, mit welcher Hingabe Herr Pastor Mosel zu uns gesprochen habe, nachdem er 10 Stunden Bahnfahrt hinter sich hatte und unmittelbar vom Zuge zur Versammlung kam. Er hoffte auf weitere ersprieß— liche Zusammenarbeit mit Herrn Pastor Mosel, was dieser auch gern zusagte.
Der Abend schloß mit einem regen Gedankenaus— tausch. Wir möchten nicht verfehlen, auch an dieser Stelle dem Referenten noch einmal unseren herzlichsten Dank auszusprechen und die Hoffnung daran zu knüp⸗ fen, daß es uns bald wieder einmal vergönnt sein möchte, den tüchtigen Redner zu hören.
Die wohlorganisierte oder die totorganisierte Gemeinde!
Mit diesem Schlußwort wollen wir die Aus— sprache über dieses Thema abschließen. D. Schriftltg.
In dem Artikel gegen die wohlorganisierte Ge— meinde(Warte Nr. 32) hat Herr Graf eine Reihe von Sachen so vollkommen übersehen, daß der Schreiber der wohlorganisierten Gemeinde(Warte Nr. 30) doch noch einmal darauf zurückkommen muß. Herr Graf spricht sofort von„zum Tode organisieren“. Sehr richtig, das kann man! Er wehrt sich mit allen Kräften gegen Or— ganisation. Schreibt aber gleich im nächsten Satze: das verdient nicht überall Nachahmung. Also nicht überall, aber doch an manchen Orten. Ist das nicht von vorn⸗ herein ein Widerspruch, Herr Graf? Sie meinen wei— ter, Herr Graf, daß sich in 50 Jahren alles totgeleiert habe, da darf ich Ihnen verraten, daß in einigen Jahren diverse 50jährige Jubiläen zu feiern wären, ohne daß man den„geistigen Tod“ entdecken könnte. Sie nehmen Ihre Gemeinde und wünschen sich, daß gar keine Organisation, kein Verein da wäre. Das glaube ich Ihnen. Sie haben aber auch nur eine„organisierte“ Gemeinde, ich spreche von der„wohl“organisierten Ge— meinde. In dem Wörtchen„wohl“ liegt der tiefste
O, mein Gott! Kein Bild, kein Schatten für mein Kind!“
Sie ließ den Spiegel fallen und schlug die mageren Hände vors Gesicht.
Da drang ein Weinen an ihr Ohr. Es war nicht ihr Kind, das ahnungslos in seiner Wiege lag und schlief; Nesi hatte sich unbemerkt hereingeschlichen; sie stand mitten im Zimmer und sah mit düsteren Augen auf die Stiefmutter, während sie schluch— zend in ihre Lippe biß.
Ines hatte sie bemerkt.„Du weinst, Nesi?“ fragte sie.
Aber das Kind antwortete nicht.
„Warum weinst du, Nesi?“ wiederholte sie heftig.
Die Züge des Kindes wurden noch finsterer.„Um meine Mutter!“ brach es fast trotzig aus dem kleinen Munde.
Die Kranke stutzte einen Augenblick; dann aber streckte sie die Arme aus dem Bett, und als das Kind, wie unwillkürlich, sich genähert hatte, riß sie es heftig an ihre Brust.„O Nesi, vergiß deine Mutter nicht!“
Da schlangen zwei kleine Arme sich um ihren Hals, und nur ihr verständlich, hauchte es:„Meine liebe, süße Mama!“
—„Bin ich deine liebe Mama, Nesi?“
Nesi antwortete nicht; sie nickte nur heftig in die Kissen.
„Dann, Nesi,“ und in traulich seligem Flüstern sprach es die Kranke,„vergiß auch mich nicht! O, ich will nicht gern vergessen werden!“
— NRubdolf hatte regungslos diesen Vorgängen zugesehen, die er nicht zu stören wagte; halb in tödlicher Angst, halb in
Weidner.
Sinn, was Sie anscheinend übersehen haben. Daß in der„schlecht“organisierten Gemeinde der Gottesdienst schlecht besucht ist, darf nicht Wunder nehmen, in der ⸗wohlorganisierten“ Gemeinde ist dies nicht der Fall. In der„wohl“ organisierten Gemeinde sind die Orga— nisationsmitglieder die„christliche Familie“. Aber recht naiv, Herr Graf, ist doch der Satz: macht die Chri— sten zu Christen..., dann braucht ihr keinen christlichen Verein, kein Gemeindeblatt. Wo machen Sie denn das in einer Gemeinde, in der niemand zur Kirche geht, in der nicht die geringste Organisation besteht, vielleicht gegen die evangelische Gemeinde scharfe Zertrümme— rungsangriffe erfolgen? Sehr richtig, macht Christen zu Christen, wenn sie aber nicht zur Kirche kommen. da laß sie laufen! Ist das evangelisch gedacht? Bitte nur einen Blick auf die Schwesterkirche! Nebenbei, wenn wir ja alle Menschen als die richtigen Christen hätten, da brauchten wir auch nicht die„Organisation“ Kirche, brauchten keinen Gustap-Adolf-Verein usw. Wenn, wenn, ja wenn! Es ist möglich, daß Sie nie in einer Gemeinde gewesen sind, die wohlorganisiert war, um beobachten zu können, daß man durch Organisation Menschen für das Evangelium zurückgewinnen kann, nicht äußerlich, nein innerlich! Was Sie über das Sonntagsblatt sagen, stimmt. Nur meine ich es noch ein wenig anders. Es sollte in Deutschland ein großes Sonntagsblatt geben und daneben in jeder größeren Gemeinde ein Gemeindeblatt. Eine Diskussion über ein Gemeindeblatt ist eine Sache für sich. Als Pfarrer sind Sie wohl über das Leben Ihrer Gemeinde unter— richtet, aber Ihre Gemeindeglieder? Als evangelischer Christ bin ich nämlich nicht die abgeschlossene Einheit, die Sie so als Ideal preisen, ich habe im Gegenteil ein sehr starkes Interesse an meinen Mitchristen, beson— ders an denen in meiner Gemeinde! Ich will auch etwas vom evangelischen Leben meiner Gemeinde wis— sen, weil mich das stark macht in meinem evangelischen Bewußtsein. Von mir aus kann ich es nicht übersehen Da kann mir mein Gemeindeblatt unendlich viel sein, wenn es der Pfarrer oder sonst eine berufene Persön— lichkeit richtig und„wohl“ leitet. Dann müssen Sie aber auch manches in meinem Artikel noch zwischen den Zeilen lesen. Wissen Sie vielleicht, daß es unendlich viele Gemeinden gibt, die sich beschweren, daß in ihrer Gemeinde kein evangelisches Zusammenleben und kein Zusammenschluß infolge des Widerstrebens des Pfar— rers möglich ist? Wissen Sie, daß dies nicht immer allein die Gründe sind, welche Sie gegen die Organi— sation anführen? Wissen Sie, daß es ganz andere sind, die man nicht gern nennt? Und noch eins, Herr Graf! Sie sind nach ihren Worten gegen jegliche Organisation, also auch gegen den Kirchenchor, der doch zu den ange— führten Organisationen gehört! Selbst wenn wir alle die in Ihrem Sinne gewünschen Idealchristen geworden wären, sollen wir deswegen unseren Schütz, unseren Bach usw. in die Ecke werfen und uns nur an den Ge⸗ meindegesang klammern? Ihr Gegenartikel ist sehr nett, aber er schwebt in höheren Regionen und übersieht vollkommen unsere tatsächlich vorhandene Christenheit. Zum Schlusse nichts für ungut, Herr Graf, in Ihrem Artikel steckt manches Wahre, aber ich vermisse den unermüdlichen Luthergeist, der andere, bessere Wege zeigt. Kritik ist leicht,„Bessermachen“, selbst nur Wege „zeigen unendlich schwer. Jedenfalls können Sie mit Ihren Worten den Glauben an die„wohl“organisierte Gemeinde nicht erschüttern. Ich könnte Ihnen ja noch
aber die Angst behielt die Oberhand. Ines war sie sprach nicht mehr; sie schlief
stillem Jubel; in ihre Kissen zurückgesunken; — plötzlich.
Nesi, die sich leise von dem Bett entfernt hatte, kniete vor der Wiege ihres Schwesterchens; voll Bewunderung betrachtete sie das winzige Händchen, das sich aus den Kissen aufreckte, und wenn das rote Gesichtlein sich verzog und der kleine unbeholfene Menschenlaut hervorbrach, dann leuchteten ihre Augen vor Ent⸗ zücken. Rudolf, der still herangetreten war, legte liebkosend die Hand auf ihren Kopf; sie wandte sich um und küßte die andere Hand des Vaters; dann schaute sie wieder auf ihr Schwesterchen.—
Die Stunden rückten weiter. Draußen leuchtete der Mittags- schein, und die Vorhänge an den Fenstern wurden fester zuge— zogen. Längst schon saß er wieder an dem Bette der geliebten Frau, in dumpfer Erwartung; Gedanken und Bilder kamen und gingen; er schaute sie nicht an, er ließ sie kommen und gehen. Schon einmal früher war es so wie jetzt gewesen; ein unheim⸗ liches Gefühl befiel ihn; ihm war als lebe er zum zweitenmal. Er sah wieder den schwarzen Totenbaum aufsteigen und mit den düsteren Zweigen sein ganzes Haus bedecken. Angstvoll sah er nach der Kranken; aber sie schlummerte sanft; in ruhigen Atem— zügen hob sich ihre Brust. Unter dem Fenster, in den blühenden Syringen sang ein kleiner Vogel immerzu; er hörte ihn nicht; er war bemüht, die trügerischen Hoffnungen fortzuscheuchen, die ihn jetzt umspinnen wollten.
(Fortsetzung folgt.)


