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Sonnabend, den 3. September 1927.
„Evangelische Warte“
wirtschaftlicher Schäden ist mit einer Gesamtsumme zu rechnen, die wirklich ausreichen würde, um ein großes Stück Arbeit zum Schutze gegen Ueberschwemmungen zu leisten. Dieses Programm ist daher unter allen Umständen der größten Bevorzugung durch die tüchtig⸗ sten Wirtschaftsführer wert. Die deutsche Landwirt⸗ schaft hat jedenfalls das Recht, eine tatkräftige Behand— lung des Hochwasserschutzes zu verlangen und die Pflicht, darauf bedacht zu sein, daß die Behandlung dieser An— gelegenheit zu praktischen Ergebnissen führt, und nicht etwa durch„wohlwollende Erwägungen“ der in Frage kommenden Behörden in den Akten ein unrühmliches Ende finden, womit nicht nur die deutsche Landwirt⸗ schaft, sondern die gesamte deutsche Wirtschaft in einer geradezu ungeheuerlichen Weise geschädigt würde. Nicht Notstandsarbeiten, die beinahe zum geflügelten Wort geworden sind und unter deren Firma alles mögliche und unmögliche unternommen wird, sondern der denk— bar größte Schutz gegen Naturgewalten ist das, was unbedingt verlangt werden muß.
Nathwort zur Verfassungsfeier.
Der Schriftleiter des in Korntal-Stuttgart er⸗ scheinenden Wochenblattes„Christl. Volksdienst“, W. Simpfendörfer, widmet der Verfas— sungsfeier ein beherzigenswertes Nachwort. Er schreibt:
„Die Verfassungsfeiern liegen hinter uns, der Streit um diese Feiern wird weiter gehen. Wie lange noch? Wir sind der Meinung, daß man erst das wahr⸗ haft Gute der Weimarer Verfassung zur Auswirkung bringen sollte, dann würde sich die Lust zur Verfas— sungsfeier ganz von selbst einstellen. Man hat immer wieder den Eindruck, die Verfassung habe nur zwei Ar⸗ tikel, nämlich 1.:„Das Deutsche Reich ist eine Republik“ und Artikel 3: Die Reichsfarben sind Schwarz⸗Rot⸗ Gold“. Im Kampfe um diese Artikel werden im⸗ mer wieder die besten politischen Kräfte verpufft. Wir kennen aber noch viel wichtigere Artikel der Ver— fassung und weil wir wissen, daß sich auch unsere Freunde gerne für die Durchsetzung dieser Arbeit einsetzen wer— den, bringen wir als Nachtrag zur Verfassungsfeier im Wortlaut:
Artikel 119: Die Ehe steht als Grundlage des Fami— lienlebens und der Erhaltung und Vermehrung der Nation unter dem besonderen Schutze der Ver⸗ fassung. Sie beruht auf der Gleichberechtigung der beiden Geschlechter.
Die Reinerhaltung, Gesundung und soziale Förderung der Familie ist Aufgabe des Staates und der Gemeinden. Kinderreiche Familien haben Anspruch auf ausgleichende Fürsorge.
Die Mutterschaft hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge des Staates.
Artikel 120. Die Erziehung des Nachwuchses zur leib⸗ lichen, seelischen und gesellschaftlichen Tüchtigkeit ist oberste Pflicht und natürliches Recht der Eltern, über deren Betätigung die staatliche Gemeinschaft wacht.
Artikel 151. Die Ordnung des Wirtschaftslebens muß den Grundsätzen der Gerechtigkeit mit dem Ziele der Gewährleistung eines menschenwürdigen Da⸗ seins für alle entsprechen. In diesen Grenzen ist die wirtschaftliche Freiheit des Einzelnen zu sichern.
Artikel 152. Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich Dienst sein für das gemeine Beste.
Artikel 155. Die Verteilung und Nutzung des Bodens wird von Staats wegen in einer Weise überwacht, die Mißbrauch verhütet und dem Ziel zustrebt, jedem Deutschen eine gesunde Wohnung und allen deutschen Familien, besonders den kinderreichen, eine ihren Bedürfnissen entsprechende Wohn- und Wirtschaftsheimstätte zu sichern.
Artikel 163. Jeder Deutsche hat, unbeschadet seiner persönlichen Freiheit, die sittliche Pflicht, seine geistigen und körperlichen Kräfte so zu betätigen, wie es das Wohl der Gesamtheit erfordert.
Jedem Deutschen soll die Möglichkeit gegeben
werden, durch wirtschaftliche Arbeit seinen Unter⸗ halt zu erwerben. Soweit ihm angemessene Ar⸗ beitsgelegenheit nicht nachgewiesen werden kann, wird für seinen notwendigen Unterhalt gesorgt Das Nähere wird durch besondere Reichsgesetze bestimmt.
Viola Tritolor. Von Theodor Storm. 4. Fortsetzung.
Die Zeit ging weiter, aber die dunklen Gewalten waren noch nicht besiegt. Nur mit Widerstreben fügte Ides die noch aus Nesis Wiegenzeit vorhandenen Dinge der kleinen Ausxrüstung ein, und manche Träne fiel in die kleinen Mützen und Jäckchen, an welchen sie jetzt stumm und eifrig nähte.
— Auch Nesi war es nicht entgangen, daß etwas Unge— wöhnliches sich vorbereite. Im Oberhause, nach dem großen Gar⸗ ten hinaus, stand plötzlich eine Stube fest verschlossen, in der sonst ihre Spielsachen aufbewahrt gewesen waren; sie hatte durchs Schlüsselloch hineingeguckt; eine Dämmerung, eine feier⸗ liche Stille schien darin zu walten. Und als sie ihre Puppen⸗ küche, die man auf den Korridor hinausgesetzt hatte, mit Hilfe der alten Anne auf den Hausboden trug, suchte sie dort ver⸗ gebens nach der Wiege mit dem grünen Taffetschirme, welche so lange sie denken konnte, hier unter dem schrägen Dachfenster gestanden hatte. Neugierig spähte sie in alle Winkel.
„Was gehst du herum wie ein Kontrolleur?“ sagte die Alte.
—„Ja. Anne, wo ist aber meine Wiege geblieben?“
Die Alte blickte sie mit schlauem Lächeln an.„Was meinst,“
sagte sie,„wenn dir der Storch noch so ein Brüderchen brächte?“ Nesi sah betroffen auf; aber sie fühlte sich durch diese An—
Artikel 164. wirtschaft, Gewerbe und Handel ist Ueberlastung und Aufsaugung zu schützen.
Artikel 165. Die Arbeiter und Angestellten
dazu berufen, gleichberechtigt in Gemeinschaft mit den Unternehmern an der Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, sowie an der gesamten wirtschaftl. Entwicklung der produktiven Kräfte Die beiderseitigen Organisationen
mitzuwirken. und ihre Vereinbarungen werden anerkannt.
Wir geben den Rat, diese Verfassungsbestimmungen mit rücksichtsloser Energie durchzuführen, dann wird der Streit um die Verfassungsfeier hinfällig werden,
weil das Volk dann aus innerstem Antrieb seine fassung ehren und feiern wird.“
Aus dem Frankfurter Stadtparlament.
Bericht über die Verhandlungen der Stadtverordneten⸗ Versamlung der Stadt Frankfurt a. M. für das Jahr
1926. (Nach stenographischer Aufnahme.) Aus demselben ersehen wir, legenheiten unser Stadtverordneter Küm per
Sinne unserer EV. Stellung genommen hat und welche
Anträge gestellt worden sind. Anträge:
Arbeitszeit der im städtischen Verkehrsdienst stehen—
den Arbeiter, Angestellten und Beamten.
Gewährung der Bezüge der Gruppe 7 an alle im Jahre 1920 zehn Jahre im städtischen Dienst stehenden
Büro⸗ und Kassenbeamten.
Zuweisung eines anderen Wirkungskreises an die
Hortleiterin im Kinderhort Nr. 17.
Lohnerhöhung für die Putzfrauen in den Kinder-
horten. 8
Nebenverdienst von städtischen Arbeitnehmern, so⸗ wie Beschäftigung von Heilgehilfen bei der Allgemei⸗
nen Ortskrankenkasse. 5 Rödelheimer Friedhof.
Gewährung freier Straßenbahn-Benutzung an die
Feuerwehrleute im Dienstanzug.
Umrangieren der elektrischen Straßenbahn Rödelheimer Bahnhof.
Durchbruch der Winter⸗ und Rat⸗Hoffmannstraße.
Mitwirkung der Betriebsvertretung der Arb
zentrale für Erwerbsbeschränkte bei Arbeiterangelegen—
heit.*
Einsetzung eines Untersuchungs-Ausschusses für die Unterschlagungen im Falle„Dresde“ beim Jugend⸗ Amt, sowie Handhabung der Gewährung der Weih⸗
nachtsbeihilfe an Erwerbslose.
Leiterin der weiblichen Abteilung des Arbeits—⸗
Amtes. 2 Schaffung eines Arbeitsnachweis⸗Gesetzes.
Verhältnisse bei der Arbeitszentrale für Erwerbs⸗
beschränkte. 8
Gewährung einer Beihilfe an den Touristenver⸗
ein.* Ausbau der Bismarck-Allee nach Rödelheim.
Grundstücks⸗Austausch mit meinde für Friedhofszwecke.
der israelischen
Stellenvermittlung für Angestellte.
Der selbständige Mittelstand in Land⸗ in Gesetz⸗ gebung und Verwaltung zu fördern und gegen
zu welchen Ange⸗
Auf der Warte.
f zeigt plötzlich die letzte Woche überall starke Bewegun sind In China ist es, wie wir voraussahen, den Nordtruppe geglückt, die südchinesische Uneinigkeit auszunutzen un den Jangtse zu überschreiten, dadurch Nanking i Rücken bedrohend. Die Sacco⸗Vanzetti⸗Affäre beweg immer noch die Länder.
führt. In Bosten kam es schon zu starken Kundgebun⸗ gen, in Newyork befürchtet man mehr. Leider hat der Tod der beiden durch Attentate, Kundgebungen usw. wieder eine ganze Reihe Opfer gefordert, so auch in Deutschland, wo in Hamburg ein unbeteiligter Polizei⸗ offizier sein Leben lassen mußte. Aus Frankreich reisen beunruhigte Amerikaner schleunigst ab. Fast in allen europäischen Ländern bedürfen die amerikanischen Bot⸗ schaften und Konsulate starken Schutzes.— In Aegyp⸗ ten starb einer der glühendsten Verteidiger der Eigen— rechte Aegyptens, Zaglul Pascha.
Ver⸗
schung seines Landes anerkennen wollte, der die Eng⸗ länder als Räuber hinstellte. Er hatte sehr darunter im zu leiden, wurde deportiert, begnadigt, riß sofort immer wieder alle Gewalt an sich, wurde Ministerpräsident,
Englands war, dem aber selbst die Engländer ihre Be—
die Minderheitenkonferenz, die auch jetzt wieder kaum ersprießliche Arbeit geleistet hat, ja sogar mit einem Mißklang endete. Die fremden Minderheiten in Deutschland traten aus einer nichtigen Ursache aus dem Kongreß aus.— Eine Pressekonferenz zeitigte bessere Erfolge, die aber nicht von größerer internationaler Bedeutung sind. In Paris trat die interparlamen⸗ tarische Friedensunion zusammen mit Vertretern aus nahezu allen europäischen Ländern. Die Parlamen⸗ tarier wollen sich untereinander verständigen. Aber mit welchem Erfolge? Die Gegensätze zwischen den ab⸗ gerüsteten, den Friedensvertrag von Versailles befol⸗ genden Deutschen und kriegslüsternen, Frankreich bis zu den Frauen und Kindern mobilisierenden, franzosi⸗ schen Kriegs- und Sanktionshetzern treten immer wie⸗ der hervor. Die Siegerstaaten pfeifen auf die ver⸗
daß nun Lord Cecil, einer der bekanntesten Minister Englands, das Kabinett verließ. Er traut dem Völker⸗ bund nichts mehr zu. Der englische Ministerpräsident Baldwin suchte durch einen Brief den schlechten Ein⸗ druck zu verwischen, was ihm aber nicht gelang. Im Gegenteil steht die Mehrzahl der Presse anscheinend auf Cecils Seite. Anfang an England im Völkerbund England vertrat, bei der kommenden Ratstagung keine offizielle Rolle spielen. Nach seiner Aussage will er außerhalb des Kabinetts dem Abrüstungsgedanken besser dienen kön nen.— So langsam scheint nun wegen der Besatzung verminderung im Rheinland zwischen England und de
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eits⸗
muß man an dieser Zahl schärfste Kritik üben. chen des Stresemannschen Silberstreifens.
gleich wieder in Genf bei der kommenden Ratstagung gegen uns ausspielt!— Wieder haben zwei Flieger von Amerika aus den Ozean überquert. Sie fahren den Stolz von Detroit“ und wollen die Welt umfliegen. In gutem Flug starteten sie über London, München nach Konstantinopel.— Ein tollkühnes Stückchen hat sich der in Frankreich festsitzende Levine erlaubt, der mit dem Flugzeug seinem Mitflieger Drouhine kurzerhand durchging und ohne einen Fliegerschein zu besitzen noch die Fähigkeiten besaß, nach London fuhr, da er seinem
Ge⸗
Nach Wochen ruhigen Dahingleitens der Politik
die Länder. Die Asche der beiden Ver⸗ brannten wird in feierlichem Zuge nach Italien über
5 5 Er war einer der Patrioten, der nie das Recht Englands zur Beherr⸗
mußte demissionieren, wurde Präsident der Volksver⸗ 5 tretung nach einem überwältigenden Wahlsieg und hat nun sein Leben beschlossen als einer, der stets der Feind“
wunderung nicht versagen können.— In Genf tagte
sprochene Abrüstung.— Dies war auch der Hauptgrund,
So wird dieses Mal der Lord, der von
halsstarrigen Frankreich ein Uebereinkommen erzielt worden zu sein. Man spricht von 10 000. Mit 701 Eusam
as uns da geboten wird, ist wieder einmal nur ein Ränd⸗ tt Lal Und wer Fachol
weiß, ob man dieses geringe Entgegenkommen nicht
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lein?— würd's dich freuen, Neschen?“
Nesi stand vor der Alten, die sich auf einen Reisekoffer nie⸗ dergelassen hatte; ein Lächeln verklärte ihr ernstes Gesichtchen, dann aber schien sie nachzusinnen.
„Nun, Neschen,“ forschte wieder die Alte. freuen, Neschen?“
„Ja, Anne,“ sagte sie endlich,„ich möchte wohl eine kleine
„Würd's dich
Schwester haben, und Vater würde sich gewiß auch freuen; aber..“
„Nun, Neschen! was hast du noch zu abern?“
Jubiläumsgabe an die Aniversiät Marburg. Kompagnon nicht mehr traute und sich mit n den 2 7 Haaren lag. Amerika hat eine neue Sensation!— 3 Zum Nachdenken: Hessen, in Groß-Gerau, hatte der hessische Staatspräse 5 Der Voretat 1927 schloß im Ordinarium einschl.] dent einen leichten Autounfall, der ohne nennenswerten der Betriebe in Einnahme und Ausgabe mit je Schaden verlief.* 167 310 800 Reichsmark ab. 1. N TFEEPFPFPFÄͤ˖ͤͥ EXE ˙ A 8 e ee. 2 K 1 rede in ihrer elffährigen Würde gekränkt.„Der Storch?“ sagte„Aber,“ wiederholte Nesi und hielt dann wieder einen Au⸗— sie verächtlich. genblick wie grübelnd inne;—„das Kind würde ja dann doch* 5 „Nun freilich, Nesi.“ keine Mutter haben!“ en hal —„Du mußt nicht so was zu mir sprechen, Anne. Das glau⸗„Was?“ rief die Alte ganz erschrocken und strebte mühsam. 0 ben die kleinen Kinder; aber ich weiß wohl, daß es dummes von ihrem Koffer auf;„das Kind keine Mutter? Du bist mit in ige Zeug ist“ zu gelehrt, Nesi; komm, laß uns hinabgehen!— Hörst du? Da ir sc „So? 1 es besser weißt, Mamsell Naseweis, woher schlägt's zwei! Nun mach, daß du in die Schule kommt!“ imme kommen denn die Kinderchen, wenn nicht der Storch sie bringt, g Uli 1 5„ vi der es doch schon die Tausende von Jahren her besorgt hat?“ die i ee eee Ban me .„Sie kommen vom lieben Gott,“ sagte Nesi pathetisch.„Sie„Wenn ichs nicht überlebte,“ dachte Ines,„ob er auch ds 1 0* 8 5 meiner dann gedenken würde?“ 5 her 120 „Bewahr' uns, in Gnaden!“ rief die Alte.„Was doch die 3 5 5 f n. Guckindiewelte heuzutage klug sind! Aber du hast recht, Nesi;. Mit scheuen Augen ging sie an der Tür des Zimmers vor⸗ an wenn du's gewiß weißt, daß der liebe Gott den Storch vom über, welches e fie And ihr künftiges Geschir— in se Amte gesetzt hat— ich glaub's selber, er wird es schon allein tete leise trat sie auf, als sei drinnen etwas, was sie zu wecken den; besorgen können.— Nun aber— wenn's denn so auf einmal da e 5 3 ef wär', das Brüderchen— oder wolltest du lieber ein Schwester⸗ Und endlich war dem Hause ein Kind, ein zweites Töch⸗ ind
terchen geboren. Von außen pochten die lichtgrünen Zweige den g an die Fenster; aber drinnen in dem Zimmer lag die junge Mutter bleich und entstellt; das warme Sonnenbraun der Wan⸗ gen war verschwunden; aber in ihren Augen brannte ein Feuet, Et 00
das den Leib verzehrte. Rudolf saß an dem Bett und hielt ihre del her schmale Hand in der seinen. Fön Jetzt wandte sie mühsam den Kopf nach der Wiege, die un: hreten
ter der Hut der alten Anne an der andern Seite des Zimmers Glase stand.„Rudolf,“ sagte sie matt;„ich habe noch eine Bitte!“ la t


