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Vorstandssicung in Frankfurt.

Am 26. Juni fand im HospizKronenhof in Frankfurt a. M.* sehr gut besuchte Sitzung des Vorstandes und der Leiter der Geschäftsstellen der 10 hessischen Werbebezirke statt. Der Vorsitzende Dr. jur. Moegenburg eröffnete und begrüßte die Versamm⸗ lung. Alsdann erstattete Pfarrer Veller⸗Bretzen⸗ heim Bericht über den Stand der Werbearbeit in Hes⸗ sen. Daran schloß sich eine lebhafte Aussprache an, über die weitere Gestaltung der Propaganda. An zweiter Stelle berichtete Reichsgeschäftsführer Weidner über die politische Lage in Hessen. Er ging aus von der Tagung des deutsch⸗evangelischen Kirchentages in Königsberg. Ganz unbegreiflich, sei es, daß man in Anbetrachtder politischen Lage von einer Entschlie zung über das Konkordat abgesehen habe. Die Ver⸗ sammelten sahen darin übereinstimmend ein klägliches Versagen des Kirchenbundestages aus Furcht vor dem Zentrum. Diese Führung der deutsch-evangelischen Kirchen macht durch solches Versagen keinen vertrauen erweckenden Eindruck. Der Redner sprach dann über die politischen Zustände in Hessen. Dort interessiert hauptsächlich das aus blasser Furcht von den Abgeord neten aller Parteien außer den Kommunisten verschlech⸗ terte Wahlgesetz. Um Splitterparteien zu verhindern, hätte die Forderung von 7000 Unterschriften genügt. Unmoralisch aber wirkt die weitere Forderung einer Kaution von 5000 Mark. Damit wird verlangt, daß eine neue Partei Anschluß an irgend ein Kapital hat. Daß so etwas die sozialdemokratische Partei hat gut heißen können, wirft ein eigenartiges Licht auf ihren Kampf gegen das Kapital. Nicht uninteressant ist auch der demokratische Antrag, die Zahl der Abgeordneten von 70 auf 50 herabzusetzen. Redner betont, daß dieser Antrag rein dem Agitationsbedürfnis der Demokraten entsprungen sei. Die demokratische Partei war vorher sicher, daß ihr Antrag abgelehnt wurde. In sehr offe- ner Weise hat ja der Abg. Kaul(Soz.) erklärt, daß dieser AntragSchaumschlägerei sei. Würde er an genommen, bekämen weder die Demokraten noch die Deutschnationalen noch einen Sitz im Landtag. Auch der Bauernbund hat den Antrag abgelehnt, der doch immer im Landtag für das Sparen eingetreten ist. Im Bauernbund hat es wieder einen Riß gegeben. Dr. Dehlinger ist bei ihm ausgetreten. Die Personal politik des Zentrums hat sich wieder gezeigt, als für den erkrankten Minister des Inneren Brentano ein Stellvertreter ernannt werden mußte. Der Beamte, der die nächste Anwartschaft hatte, wurde übergangen. Dafür wurde Herr Kirnberger als guter Zentrums mann natürlich vorgezogen. Auf einmal zetern auch die Sozialdemokraten und die Demokraten vergl. Hess. demokratische Wochenschrift Nr. 24 über die Personalpolitik des Zentrums, ihres Koalitionsgenos sen. Was wird also? Die hessische Politik ist verwor⸗ rener wie je. Auch auf diese Ausfführungen folgte eine ausführliche Ansprache. In den künftigen monatlichen Vorstandssitzungen sollen jedesmal bestimmte politische Tagesfragen besprochen werden. Als nächste Zusam⸗ menkunft wurde der 24. Juli vom Vorsitzenden bekannt gegeben.

Evangelische Warte

Aus unserer Bewegung.

Rixfeld. Am 12. Juni fand hier eine Versammlung der Evangelischen Volksgemeinschaft statt. Nach einleitenden Wor⸗ ten des Kreisvorsitzenden der Evangelischen Volksgemeinschaft, Herrn Schwarz-Rudlos, sprach der Reichsgeschäftsführer Pfarrer Weidner⸗Ober⸗Lais, über die Frage:Warum brauchen wir eine Evangelische Volksgemeinschaft? Der Red ner zeigte, gestützt auf gutes Beweismaterial, daß namentlich aus kulturellen und wirtschaftlichen Gründen der Zusammen schluß aller Evangelischen dringendes Gebot sei, da die evan⸗ gelischen Velange von den zur Zeit bestehenden Parteien nicht in rechter Weise, ja oft überhaupt nicht vertreten werden. Die Evangelische Volksgemeinschaft soll eine wirkliche Volksgemein schaft sein, in der sich Arbeiter, Bauern und Beamte die Hände reichen, um geschlossen gegen den Geist zu kämpfen, der unser Volk noch mehr zersplittert. Es heiße nicht: Hie Arbeiter, hie Bauer, hie Beamter, sondern: Hier Gemeinschaft der schaffenden Stände, die bereit ist, im Sinne des Evangeliums gegen den Atheismus und Materialismus zu wirken. In der Aussprache wurde noch besonders der Gedanke der Volksgemeinschaft unter strichen und ein Herr aus Lauterbach wies darauf hin, daß er trotz kleiner Bedenken fest glaubte, daß die Evangelische Volks gemeinschaft Zukunft habe, daß sie berufen sei, alle Evangeli schen ohne Standesunterschied zu sammeln.

Stockhausen. Am 12. Juni versammelten sich in der Gast wirtschaft Becker eine Anzahl hiesiger Bauern, Arbeiter und Handwerker, um von dem Kreistagsmitglied Bürgermeister Stock-Blitzenrod und dem Reichsgeschäftsführer der Evan gelischen Volksgemeinschaft in das Wesen und die Ziese dieser Partei eingeführt zu werden. In einem, von viel Fleiß und eingehendem Studium zeugenden Vortrage, zeigte Herr Stock den gewaltigen Einfluß, den das Zentrum und die römische Kirche auf unser gesamtes politisches Leben ausübte, ausübt und ausüben will. Sodann führte Herr Pfarrer Weidner aus, daß es aus diesen Gründen notwendig sei, nicht mehr läs sig zuzuschauen, sondern daß sich alle Evangelischen zusammen finden müssen. Auch die wirtschaftlichen Nöte müssen uns zu sammenführen. Denn auf der einen Seite geraten immer wei tere Volkskreise in Not und Armut, während man auf der an deren Seite die Nöte des Volkes nicht erkennt, nicht erkennen will. Gerade die Botschaft der Stockholmer Kirchenkonferenz gibt ihm als Pfarrer den Mut, evangelischen Geist ins politische Leben zu tragen, nicht nur Seel-, sondern auch Leibsorger zu sein. Die Evangelische Volksgemeinschaft, die nun schon zwei Jahre besteht, hat bis heute nicht nur in Hessen, sondern schon in ganz Deutschland begeisterte Anhänger. In Rheinhessen ar beiten schon eine ganze Anzahl Ortsgruppen, Vertreter der Evangelischen Volksgemeinschaft sind in den Kreistagen und eine eigene Zeitung(Evangelische Warte) trägt allwöchent lich die Gedanken der Evangelischen Volksgemeinschaft in wei tere Kreise. Voll Zuversicht blickt der Redner darum den kom⸗ menden Wahlen entgegen, da er sest davon überzeugt ist, daß gerade auch die Landbevölkerung in der Evangelischen Volks- gemeinschaft die Gemeinschaft erblicken muß, die ihre Interes sen am wirksamsten vertritt. Daß diese Annahme richtig ist, zeigte auch der lebhafte Beifall, den die Ausführungen des Redners fanden. An der lebhaften Aussprache beteiligten sich mehrere Landwirte, Arbeiter und Handwerker. Es wurde be sonders hervorgehoben, daß auch die Evangelische Volksgemein schaft vor allem für dasDeutsche in Politik und Leben ein

treten solle. In seinem Schlußworte dankte Herr Pfarrer Weid⸗ ner noch für die rege Beteiligung an der Aussprache und zeigte, daß die Bezeichnungevangelisch schon ein festes Programm verrät und daß auch das Wortdeutsch hier einbegriffen ist. Ortsgruppe Sindlingen der Evangelischen Volksgemeinschaft.

Am Sonnabend, den 18. Juni, fand hier eine Versamm⸗ lung der Ortsgruppe Sindlingen der Evangelischen Volksge meinschaft statt, die den Besuchern noch lange Zeit in Erinne⸗ rung bleiben wird. Herr Dr. jur. Moegen burg legte in treffenden Worten dar, wie notwendig gerade in unseren Tagen in der Zeit der Gefahr für die Kirche und evangelisches Le ben der Zusammenschluß der Evangelischen in einer politi⸗ schen Partei ist. Er gab den Versammelten in längerer Aus führung einen Ueberblick über die politische und kulturelle Lage Deutschlands auch in Bezug auf das Konkordat und wies auf die Stellung der Evangelischen Volksgemeinschaft hin, deren ablehnende Haltung er eingehend begründete. Darauf folgte eine sehr angeregte Debatte. Herr Pfarramtskandidat Bode der eigentümlicherweise in der Gründung einer evangelischen Partei die sich doch zur Aufgabe gemacht hat, Kirche und evangelische Belange zu vertreten und zu schützen eine Ge fahr für die Kirche sah, wurde von Herrn Dr. Moegenburg in glänzender Gegenbeweisführung abgeführt. In schon vorgerück ter Stunde wurde die Versammlung geschlossen. Der lang an haltende Beifall, den Herr Dr. Moegenburg erntete, bezeugte den Dank der Versammlung, die das Resultat hatte, daß sich die Mitgliederzahl wieder um einige neue Bekenner zur Evan gelischen Volksgemeinschaft vermehrte.

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