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Sonnabend, den 2. Juli 1927.

Das Hauptstück des neuen Entwurses ist aber das,

aß die kleinen Parteien den Nachweis der Wahlberech⸗ tigung von 3000 Unterschreibern bringen müssen, wäh⸗ tend die„großen Parteien“ nur 30 nachgeprüfte Unter⸗ chriften vorzuweisen haben. Man stelle sich vor, daß

1 3000 Unterzeichner eines Wahlvorschlages zu einer der

Behörde genehmen Zeit— die nicht immer dem Staats—

1 b bürger genehm zu sein pflegt, der seine Arbeitszeiten im

N ie

ö herschaffen! Eine derartige Vorschrift ist ein kaum mehr 0

ampf um das tägliche Brot etwas anders einzuteilen hat, als die amtlichen Bureaustunden es zulassen— sich einzufinden haben, um sich eine Beglaubigung zu

verhülltes Ausnahmegesetz, das sich in der Hauptsache inmal gegen die Wähler von Mittelstandsparteien leinschl. Sparer und Gläubiger) richtet, das andere Mal gegen die unbequeme völkische Opposition. Auf diesem Wege wird aus einer verschleierten demokrati⸗

schen Diktatur eine offensichtliche, und es ist bitter nötig,

ie lüften.

einmal den Schleier über diese Art der Demokratie zu üften. Daß sie sich durch Einbringung eines solchen Ausnahmegesetzes selbst demaskiert, daß sie, gegen de—

nokratische Grundsätze verstoßend, den von Parteiekel

erfüllten Wählern Gewalt antut und ihnen damit die moralische Berechtigung zum schärfsten Kampf gegen

olche Scheindemokratie gibt, scheint ihr nicht in den

der Tradition, empfindet derartige Gesetze

Sinn zu kommen. Oder hält sie es an der Zeit, die aske fallen zu lassen?

Weist man in diesem Zusammenhange auf die ebung anderer Länder, insbesondere England hin, so muß festgestellt werden, daß ein solcher Vergleich hinkt. England, das Land des Parlamentarismus, das Land nicht als

gie KAusnahmegesetze. Drüben ist alles abgeschlossen; man hat drei Parteien, die sich im Regieren gegenseitig ab—

„ae wicklung, noch der Klärung bedürftig.

wechseln. Hier bei uns ist alles im Fluß, in der Ent⸗ Es handelt sich hei dem Entwurf zur Abänderung des Wahlgesetzes nicht nur um Wahlformalitäten, sondern praktisch um die Rechtlosmachung vieler Tausend Wähler, die künftig N icht mehr in den Parlamenten vertreten sein werden.

Es handelt sich darum, im Entstehen begriffene

10 Bewegungen einfach mundtot zu machen, ihre Führer

des parlamentarischen Schutzes zu berauben, während andere parlamentarische Führer, geschützt durch die Im⸗ munität nicht nur den Staat und seine Einrichtungen bekämpfen können, sondern unter ihrem Schutze mit Lüge, Verdrehungen, persönlicher Verunglimpfung ar⸗ beiten dürfen, ohne daß sie zur Rechenschaft gezogen werden.

g Kurzum, es entscheidet der Sitz oder Nichtsitz im

n zu lein ral, , soß ledig

Parlament gewissermaßen über die Legalität oder Il— siegalität einer Bewegung.

Man möchte gern einen solchen Entwurf als be— dingt von dem Willen zur Gesundung des parxlamenta⸗ ischen Lebens ansehen. Zugegeben, wie es schon ein— gangs geschehen ist, daß eine solche Gesundung bitter A ber ist, scheint es doch, daß der Parteiegoismus auch hier seine Hand im Spiele hat. Denn die Gesun— zung auf rein äußerlichem Wege wenn sie auf sol⸗ hem Wege überhaupt möglich wäre würde ohne zweifel besser durch Heraufsetzung des Wahlalters und urch Heraufsetzung der für eine Kandidatur notwendige

timmenzahl zu erreichen sein.

Vor solchen Maßnahmen schreckt unsere Regierungs⸗ lunst zurück und sie streicht ihre Flagge vor der zu er⸗ wartenden wilden Massenagitation. Mit einem die Wahlfreiheit einschränkenden Gesetz, das den Stempel der Rechtsungleichheit an der Stirne trägt, trifft man ondererseits nur eine Minderheit, die praktisch verge⸗ waltigt wird. Es fehlt die unbedingte Gerechtigkeit, nie allein die Grundpfeiler eines Staates bildet.

Klar ist jedenfalls das eine, daß trotz des unter⸗ tellten Willens zur Gesundung des Parlamentarismus ieser nicht auf formalem Wege, noch durch äußerliche hebärden gesundet, sondern, wenn überhaupt die Psyche les deutschen Volkes auf den Parlamentarismus einzu⸗

zellen ist, durch Erziehung auf lange Sicht hinaus.“

jemals aber wird die Erziehung durch Ausnahmege— tze gefördert, im Gegenteil, man zieht illegale Be—

nögensumstände. Was soll ich's Ihnen lang erzählen! Das Nädchen, der Kindskopf, spukte mir plötzlich durch alle meine bedanken. Aber— da kamen die Liedertafeln in die Mode!“

„Die Liedertafel?“ fragte ich verwundert, benutzte aber gleich die Pause, um das Glas meines Freundes wiederum zus dem belebenden Quell zu füllen, den ich vor uns über dem lauen Flämmchen glühend erhielt. Leider, die Liedertafeln!“ wiederholte er, indem er heftig en seiner Pfeife sog und große Dampfringe vor sich hinstieß Sie sind mir niemals recht gewesen, der ewige Männergesang! Es ist, als ob ich jahraus jahrein nur immer in den unteren dae spielen wollte! Auch war gar bald der Geruch der gierbank von ihnen unzertrennlich.— Gleichwohl konnte ich 15 umhin, die mir angetragene Direktion der neuen Lieder⸗ afel zu übernehmen. Es war eine bunte Gesellschaft: Hand⸗ berker, Kaufleute, Beamte; sogar ein Nachtwächter, der ein identlicher Mann und ein außerordentlicher Bassist war, wurde fgenommen. Und das mit Recht; denn die Kunst scheint mir

eilig, daß die Erdenunterschiede in ihr keine Geltung haben nnen. „Ich muß sagen, daß die Uebungen derzeit mit Ernst und Elfer vor sich gingen; während die eine Stimme geübt wurde, landen die anderen nicht zu schwatzen, sondern hatten hübsch us Buch vor der Nase und buchstabierten in Gedanken ihre imme mit. Solcherweise hatten wir denn auch schon zwei Aserer Winterkonzerte glücklich hinter uns; da, einige Tage zr dem dritten, erkrankte der Haupttenorsänger— ein weißer abe mit dem hohen b— ohne den mehrere mühsam eingeübte gummern ganz unmöglich wurden.

„Ich ging umher und sann, wie die Lücken auszufüllen

„Evangelische Warte“

wegungen groß, die früher oder später mit dem Recht der Unterdrückten in ungeahnter Stoßkraft alle For— meln durchbrechen. Das sollten sich die Befürworter solcher Ausnahmegesetze aus der Erfahrung heraus sagen. F. V. A.(Dem„Aufwärts“ entnommen.)

Auf der Warte.

In China leben die Kampfhandlungen wieder langsam auf. Man war zunächst auf beiden chinesischen Seiten etwas zurückhaltender geworden, als man die japanischen Truppenlandungen, besonders in Tsingtau, erfuhr. Es dürfte bei den ferneren Kämpfen sich schwer— lich ein Zusammenstoß mit den japanischen Streitkräf— ten vermeiden lassen, die unser früheres Schutzgebiet stark befestigen.— In Ungarn macht sich eine lebhafte Mißstimmung gegen den Völkerbund breit, da dieser zu einer Regelung der zwischen Rumänien und Ungarn hängenden Streitfragen noch nicht gekommen ist. Un⸗ garn sieht in dieser Verschleppung eine Benachteiligung seinerseits. Verständlich daher, wenn in dem ungari— schen Parlament harte Ausdrücke gegen den Völkerbund fielen, ja selbst mit dem Austritt gedroht wurde.— Der Balkankonflikt Albanien⸗Jugoslawien scheint nun durch einen energischen Schritt der Großmächte in den interessierten Hauptstädten beigelegt zu werden. Beide Länder werden in ihren Forderungen unter dem Groß— machtdruck nachzugeben haben.— Im deutschen Reichs⸗ tag gab der Reichsaußenminister Stresemann eine vor— zügliche Erwiderung auf die Luneviller Hetzrede Poin⸗ cares. In ihrer ganzen Art maßvoll, aber doch alles sagend, hatte sie wohl ihren Höhepunkt in der Frage: Frankreich, wohin gehst du? Frankreich steht am Scheidewege; entweder folgt es dem friedfertigen Briand oder dem kriegslustigen Poincaré. Daß die Poincaré- und Stresemannrede nicht ohne Einfluß ge— blieben sind, erhellt schon der neue Beschluß der sozia⸗ listischen Partei Frankreichs auf ihrem Parteitag, in der neuen Heeresvorlage dem Regierungsentwurf in wichtigen Punkten scharfen Widerstand entgegenzusetzen. Das Ausland hat sich fast überall nach dem Bekannt— werden der beiden Reden auf Seite Stresemanns ge— stellt. Ob allerdings ein sonstiger fühlbarer Gewinn dabei herausspringen wird, bleibt zweifelhaft. Poincaré „hält es angesichts der politischen Lage nicht für an— gängig“, auf die Rede Stresemanns zu antworten. Ein schlauer Fuchs zieht sich überall aus der Schlinge!— Paris erlebt zur gleichen Zeit sein Sensatiönchen. Durch einen kühnen Handstreich wurde der Royalistenführer Daudet aus dem Gefängnis entlassen. Anhänger von ihm besetzten alle Telephonleitungen zum Justizmini— sterium, der Gefängnisdirektor bekommt den energischen Befehl zur sofortigen Freilassung, angeblich aus dem Ministerium, er tut's und— Daudet ist verschwunden! Nun heißt es: Haut ihn! Wer ist der Schuldige? Wo sind die Missetäter! Das Organ Daudets hat einen Teil des Schlachtplans enthüllt, aber die Helfer verrät es nicht. Nach den letzten unbestätigten Meldungen soll Daudet in der Schweiz aufgetaucht sein. Wie dem auch sei, das Blatt Daudets findet rasenden Absatz! Und wenn's nur ein Geschäftstrick war!— Im deutschen Reichstag wurde weiter der italienisch⸗deutsche Vertrag genehmigt, der uns hoffentlich Rechte in die Hand gibt für unsere Stammesgenossen in Tirol mehr eintreten zu können.— Der hessische Landtag hatte sich mit einer Anzahl die Wahl betreffenden Anträgen zu befassen Der Antrag auf Schaffung von Einzelwahlkreisen wurde abgelehnt. Die Herabsetzung der Abgeordnetenziffer ebenso mit Stimmengleichheit. Sonderbarerweise stimmte selbst die Sozialdemokratie dagegen.— Die Wahlperiode wurde auf 4 Jahre erhöht.— Amerilani⸗ sche Journalisten bereisten in der letzen Woche den Rhein und statteten in Mainz und Darmstadt dem Hes— senland einen Besuch ab.

Verschiedenes. Zahlen, die uns erschrecken.

In Nr. 23 vom 5. 6. 27 finden wir in dem Wochen⸗ blatt„Der Hausarzt“ einen Hinweis darauf, wie der Wert der Reichsgoldmark seit der sogenannten„Stabi— lisierung“ der Währung von Jahr zu Jahr gefallen ist. Dort heißt es:„Wenn wir des Vergleiches halber die Mark am 1. Januar 1924 100 Festwert-Pfennige setzen, dann betrug ihr Wert:

am 1. Januar 1925 nur noch 87,7 Pfg.,

am 1. Januar 1926 nur noch 76,6 Pfg.,

am 1. Juli 1926 nur noch 75,5 Pfg., und seitdem geht es immer bergab.“ In Nr. 23 unserer „Evangelischen Warte haben wir in einem Mahnruf an den Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht auf das Sinken der Kaufkraft unserer Reichsmark schon einmal hinge— wiesen. Jedenfalls geben die obigen Zahlen zu ernsten Befürchtungen berechtigten Anlaß.

Die Zentrumsfiliale.

Da die Evangelische Volksgemeinschaft es ablehnte, in Verbindung mit dem Zentrum einen evangelischen Zweig zu bilden, drohte man, ohne sie ein evangelisches Zentrum zu gründen. Es hat sich jetzt ein Reichsbund deutscher Föderalisten aufgetan, der seinen harmlos und schön klingenden Aufruf an„die deutschen Brüder in allen Gauen Deutschlands“ versendet. Wes Geistes Kind die Neugründung ist, ersieht der Kundige sofort daraus, daß sie mit dem Reichs- und Heimatbund deut⸗ scher Katholiken(Köln, Sachsenring 26) zu der„Ar⸗ beitsgemeinschaft deutscher Föderalisten“ zusammenge— schlossen ist. Auch der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft spricht Bände. Er besteht aus den Herren: Alpers, M. d. R., Rauch-München, M. d. R. und Universitäts⸗ professor Dr. Schmittmann-Köln. Das gemeinsame Organ soll die„Deutsche föderalistische Korrespondenz“, Verlag G. Jakob⸗Hannover G. m. b. H. sein. Unter den Unterzeichnern des Aufrufes findent sich— der Kundige weiß Bescheid— die Namen: Universitäts— professor Dr. von Martin-München, Adam Rö⸗ der Karlsruhe, M. d. R., usw. Aber auch evange— lische Pfarrer, Lizentiaten, Kirchenräte, Schuldirekto— ren, Geh. Konsistorialräte, Missionsdirektoren werden als Unterzeichner aufgeführt, von denen es einem weh tut, sie in der Gesellschaft zu sehen, und bei denen man sich fragen muß, wissen sie wirklich, wozu sie ihren Na— men hergaben. Sitz des Reichsbundes deutscher Föde— ralisten scheint Hamburg und das Haupt Herr Alpers, M. d. R., ebendort, zu sein.

Der Spaltpilz im Zentrum.

Die„Märkische Volkszeitung“ vom 7. Juni 1927 schreibt:„In der sonst ganz katholischen westfälischen Stadt Rheine, dem Zentrum der Textilindustrie des Münsterlandes, hat man es jetzt erleben müssen, daß bei den Gemeindewahlen sieben verschiedene Zentrums— listen aufgestellt wurden und im Kampf miteinander lagen. Das Ergebnis sind folgende Stimmenzahlen: Kaufleute und Handwerker-Zentrumsliste 474, Allge— meine Zentrumsliste 282, Angestellten-Zentrumsliste 206, Arbeiter-Zentrumsliste rechts der Ems 1375, Be⸗ amten-Zentrumsliste 362, Frauen-Zentrumsliste 389. Wie ein Hohn mutet inmitten der Standeslisten die „Allgemeine-Zentrumsliste“ an, für die, mit Ausnahme einer Standesliste, die wenigsten Stimmen abgegeben wurden.“— Dazu bemerkt das Blatt an sich richtig: „Diese Art von Berufsegoismus bedeutet Kampf Aller gegen Alle, er ist geistloser dumpfer Materialismus allerschlimmster Art.“ Daß aber der Nährboden die— ses„geistlosen dumpfen Materialismus allerschlimm— ster Art“ gerade das Zentrum ist, wird man sich merken dürfen. 2 Wann soll das römische Konkordat kommen?

Auf einem Parteitag des sächsischen Zentrums in Dresden am 11. Juni 1927 teilte— laut„Bayerischem Kurier“ Nr. 169— Generalsekretär Dr. Bockel-Berlin in einem Referat über die politische Lage mit:„daß man mit dem Abschluß eines Konkordats in Preußen vielleicht noch in diesem Jahre rechnen könne.“

seien; aber Aennchen hatte längst für mich beschlossen: Lassen Sie Ihr Klavier in den Saal tragen und spielen Sie selber etwas! Was wollen Sie Ihre schöne Musik immer nur an mich dummes Ding und da droben an unsere alte Kunstfigur verschwenden!'

„Ich drohte ihr zwar mit dem Finger; aber es wurde den— noch so, wie sie es wollte.

„Zu meinem Vortrage hatte ich mir die Mozartsche Phan— tasie-Sonate gewählt, die damals noch nicht so von allen Musik— schülern abgeleiert war. Morgens vor und abends nach meinen Unterrichtsstunden saß ich eifrig übend am Klavier; und wenn ich so allein mich in das Werk vertiefte, war mir mitunter, als nickte mir der große Meister zu, und ich hörte ordentlich seine Stimme: Schon recht, schon recht, lieber Valentin! So hab' ich mir's gedacht, ganz gerade so!!—— Einmal, da ich eben das Adagio geschlossen hatte, stand plötzlich die Signore Kate— rina in der offenen Stubentür und lachte gläsern mit ihrer zerbrochenen Sopranstimme, was mir damals höchst abscheulich klang; aber sie behauptete, noch immer lachend, ich habe selber und gar laut und andachtsvoll jene ermutigenden Worte aus—⸗ gerufen. Dann wieder klopfte sie mir die Wangen mit ihrer vollberingten mageren Hand.„Nun, nun, caro amico, sagte sie, der große Meister selbst ist nicht mehr da; aber seine Schülerin ist zugegen gewesen, und die ruft: Bravo bravimissimo! Aber jetzt auch Da capo! Wir werden einiges zu bemerken haben!“

„Und jetzt, während ich das Adagio wiederholte, stand sie, leise Winke und Worte gebend, hinter meinem Stuhl; Sie glau— ben nicht, was für Musik in dieser alten Seele steckte!—— Und dennoch hatten fast alle Mühe, das Lachen zu verbeißen, wenn einmal in anderer Gegenwart die Wut des Gesanges sie

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befiel. Nur mich wandelte nie dergleichen an; mich erfüllte diese Wirkung, die sie mit all ihrer Kunst nur noch allein her— vorzubringen vermochte ich kann nicht sagen, mit Erbarmen

denn dessen bedurfte sie nicht als vielmehr mit einem unerklärlichen Gefühl des Schreckens; fast als sei ich selber, der dadurch preisgegeben wurde. Sie freilich ahnte nichts von alledem; stolz wie eine Königin, mit ihrer roten Kaschmirschale sich drapierend, stellte sie sich in die Mitte des Zimmers und schmetterte ihre großen Arien herunter. Ja, ich muß gestehen, wenn wir beide allein waren, so hörte auch ich, in meinem Trieb zu lernen, mehr ihre Seele als ihre Kehle singen; denn was sie ausdrücken wollte und was ich bald genug herauszu— hören verstand, schien mir fast immer das Rechte.

„Und so saß ich auch jetzt am Vorabend des Konzertes als ihr gehorsamer und aufmerkender Schüler am Klavier; es störte mich selbst nicht, als ich draußen kleine bekannte Tritte die Treppe heraufkommen hörte; ja, ich sah nur kaum die strenge Handbewegung der Signora, mit der das leise eintretende Aennchen an die Tür verwiesen wurde. Aber wie hergezogen war sie allmählich nähergekommen, und bald, beide Arme in ihr Schürzchen gewickelt, lehnte sie neben mir auf dem Klavier, und ich fühlte, wie sie mich mit ihren großen braunen Augen unverwandt betrachtete. Ich spielte voll Begeisterung weiter. Als ich zu Ende war, stieß Aennchen einen tiefen Seufzer aus. Das war schön!' sagte sie.„Mein Gott, Herr Valentin, was lönnen Sie doch spielen!' Die Signora legte wie segnend die beringte Hand auf meinen Kopf. ‚Mein Lieber, Sie wer den einen schönen Sukzeß erringen!' Und im selben Augen— blick fühlte ich auch eine Pfefferminzpastille zwischen meinen Zähnen. Fortsetzung folgt.