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Sonnabend, den 2. April 1927.

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Mitteilung der Reichsgeschäftsste

Einzelbestellung unseres Organs, der„Evangelischen Warte“, ist in Zukunft nur noch durch die Post möglich. Die Bestellung bei der Post kann zu jeder Zeit erfolgen. Nur bei Bezug von 5 Exemplaren ab in einem Sammelpaket erfolgt die Zustellung durch den Verlag.

Als selbstverständlich nehmen wir an, daß von jeder Ortsgruppe spätestens am 10. jeden Monats die

Bezugsgebühren an den Verlag abgeführt sind.

sie benannt. Der Name sagt schon, wovon das Schrift⸗ chen handelt. N 3

Im ersten Abschnitt führt uns der Verfasser hinein in den Bauplan des Staates. Wir lernen, daß der Staat ein naturnotwendiges Gefüge ist und seine ganz bestimmte ihn aufbauende Ordnung besitzt. Der Staat ist aufgebaut durch eine Menge von Menschen, welche nicht allein für sich leben und arbeiten, sondern in ihrer Tätigkeit Ketten bilden, wobei ein Glied dem anderen in die Hände arbeitet. Eine solche Kette bilden die Erzeugnungsorgane. Vom Acker, wo die Lebensmittel wachsen bis hin zum Dorfe, wo sie als Nahrung dienen. verläuft eine Kette von Menschen, welche den Stoff be⸗ arbeiten und formen. Bildlich stellt der Verfasser den Weg dar, den die Kornähre ehmen muß, um vom Felde zur Dreschmaschine zu gelangen, den weiter die Körner zur Mühle nehmen, das Mehl zum Bäcker gelangt und dann als Backwerk in die Häuser des Dorfes kommt. Die Naturnotwendigkeit, mit der diese Tätigkeit vor sich geht und bestimmten Regeln folgt, drückt die exakte Biologie mit der Bezeichnung„Funktion“ aus.

Was nun alles zu den Funktionen der Staats- organe gehört, merkt man, wenn man sich klar macht, wie jedes Mitglied eines Volkes sowohl Mitarbeiter als auch Genießer der Früchte des Staates ist. Der Verfasser weist darauf hin, daß die Arbeitsleistung des einzelnen für den Staat in keinem Verhältnis steht zu dem Reichtum der Gegengaben durch den Staat. Ein näheres Eingehen müssen wir uns aus Raummangel versagen und es bei diesem Hinweis beruhen lassen.

Wir gehen weiter und finden als zweites Staats⸗ organ das Tauschmittelorgan. Bei primitiven Staaten findet dar Austausch der Gegenstände unmittelbar statt. Der Nahrungserzeuger tauscht die Nahrung gegen die Kleidung des Kleidererzeugers ein. Bei weiter ausge⸗ bildeten Staatsorganen ist ein allgemein anerkanntes Tauschmittel eingeführt, das jedem die Möglichkeit bietet, sein Erzeugnis gegen dieses Tauschmittel umzu⸗ setzen, oder einen notwendigen Gegenstand einzutau⸗ schen. Dabei besteht zwischen Leistung und Gegen- leistung ein festes Verhältnis. Für die Innehaltung dieses Verhältnisses sorgt der durch das Tauschmittel ausgedrückte Preis. Der Peis wieder regelt sich nach der Menge der Erzeugung. Tritt eine Aebererzeugung eines Gegenstandes ein, dann sinkt dieser Preis, tritt eine Untererzeugung ein, so steigt er.

Dieses Tauschmittel durchflutet nun ein ganzes Staatswesen bis in die feinsten Teilchen. Haben wir oben von einer Kette der Erzeugungsorgane gesprochen, welche sich in einer bestimmten Richtung bewegt, so fließt das Tauschmittel in umgekehrter Richtung. um das Tauschmittel in Fluß zu halten und für den not⸗ wendigen Ausgleich zu sorgen, sind hier und da Sam⸗ melstellen eingeschaltet, die den Umlauf erleichtern, die kleinen und groen Banken.

Dem Verfasser gelingt es, durch die graphische Darstellung der Staatsorgane und der Tauschmittel⸗ adern ein Bild vom Staatskörker zu entwerfen. Die⸗ ser Staatskörper verlangt allerdings seine Ordnung, d. h. es muß wiederum ein Organ da sein, welches da⸗ für sorgt, daß alle Organe ihre Funktionen verrichten. Professor von Uexküll nennt sie Ordnungsorgane. In

Weidner.

Tätigkeit dieser Organe vor. Der Stationschef einer Eisenbahnstation hat nicht dafür zu sorgen, daß die Züge sich bewegen, sondern er hat nur dafür zu sorgen, wie sie sich nach einer bestimmten zeitlichen Regel be⸗ wegen. Er bringt also in das scheinbar wirre Ein- und Ausfahren der Jüge nach einer ihm wieder vorgeschrie— benen Zeiteinteilung Ordnung hinein. Da jedoch dieser Stationschef nur über einen beschränkten Kreis seine ordnende Macht ausüben kann, an sein Macht- bereich andere Machtbereiche seiner Amtsgenossen gren— zen, muß dafür gesorgt werden, daß an den Grenzstellen keine Unordnung eintritt. Deshalb sind für größere Bezirke Mittelpunkte eingerichtet, denen die Ueber⸗ wachung mehrerer Teilbezirke obliegt. Schließlich gip⸗ feln sämtliche Eisenbahnbezirke in einer Zentralstelle, dem Eisenbahnminister.

Genau so ist auch das Ordnungsorgan eines Staa— tes eingerichtet. Auch bei dem Staate gipfeln alle, die Funktionen ordnenden Organe, in einem Zentrum. Dieses Staatsoberhaupt kann den Namen eines Kai— sers, Königs oder Präsidenten tragen. Für den Staatsorganismus ist der Name ganz gleichgültig.. Wie der Körper eines Lebewesens Nerven besitzt, die im Nervenzentrum, dem Gehirne, endigen, so hat jeder Staat Fühlfäden— ebenfalls Menschenketten— wel- che ihn mit Nachbarstaaten verbinden und im Staats⸗ zentrum endigen. Wir erkennen demnach auch im Staatsorganismus eine Analogie mit den bewegenden und den fühlenden Nerven eines Lebewesens. Das Be—⸗ amtentum des Staates ist als Ordnunasorgan dem Nervensystem eines Tieres zu vergleichen. Die Obrig— keit gewährleistet die Ordnung im Staate. Ein Staat ohne Obrigkeit ist so unmöglich wie ein Tier ohne Ner— vensystem.

Damit seien die Gedanken des Verfassers über die Anatomie des Staates kurz dargestellt. Im Folgenden wenden wir uns der Betriebslehre oder der Physiologie des Staates zu.

Fortsetzung folgt.

Vom drohenden Reithskonkordat. Was steht im bayerischen Konkordat?

Seine wichtigste Bestimmung ist die folgende(Art. 1 S 2): Der bayerische Staat„anerkennt das Recht der Kirche, im Rahmen ihrer Zuständigkeit Gesetze zu er— lassen und Anordnungen zu treffen, die ihre Mitglieder binden. Er wird die Ausübung dieses Rechtes weder hindern noch erschweren.“

Ferner sichert es(Art. 2) die völlige Freiheit der Orden und Kongregationen, auch in bezug auf Erwerb und Besitz, regelt die kirchliche Oberhoheit über die theologischen Fakultäten und bestimmt wenigstens je einen kirchlich approbierten Professor für Philosophie und Geschichte an den philosophischen Fakultäten von München und Würzburg(Art. 3 und 4), setzt starke kirchliche Rechte über das Volksschulwesen und die Leh— rerbildung fest, räumt auch dem privaten Ordensschul— wesen völlige Bewegungsfreiheit ein(Art. 5. 6, 7, 9), legt nicht nur die Beaufsichtigung des Religionsunter⸗

(Fortsetzung auf Seite 3.)

Auf der Warle.

Nachdem die Kantonarmee Schanghai eingenom⸗ men hat, will sie weiter ihren Vormarsch auf Peking fortsetzen, um die dortige Regierung entweder zu zwin⸗ gen, sich ihren Zielen anzupassen oder sie zu stürzen. In Schanghai selbst geht es drunter und drüber. Bei einem ernstlichen Angriff der Chinesen wären die aus⸗ ländischen Niederlassungen kaum zu halten. Man sucht nun mit Hilfe zahlreicher Flugzeuge, die im Falle eines Kampfes mit Luftbombardement drohen, die Chinesen zu erschrecken. Die Kantonregierung hat erklären las— sen, daß sie nicht beabsichtige, gegen die Fremdennieder⸗ lassungen vorzugehen, im Gegenteil bedauere sie die Zwischenfälle in Nanking, bei denen die Nordtruppen die Ursache seien.— Der Konflikt Italien und Jugo⸗ slawien zieht sich in die Länge. Obwohl die europäischen Mächte bald einmal in Rom, dann wieder in Belgrad intervenieren, scheinen beide Staaten ihre eigenen Wege gehen zu wollen. Der Krieg liegt dort sozusagen in der Luft; die kriegerische Stimmung ist durch den Zankapfel Albanien hervorgerufen, schon vor dem Welt⸗ kriege ein Schmerzenskind Europas. Damals versuchte man mit einem deutschen Fürsten das Experiment der Kultivierung der kriegerischen albanischen Gebirgs- stämme, das gründlich mißlang. Heute ist es kaum anders. Der wichtige Küstenstreifen ist ein begehrens⸗ wertes Objekt sowohl für Italien wie für Jugoslawien. Italien konnte außerdem die Gelegenheit benützen. seine kriegslustigen Untertanen von inneren Verwick⸗ lungen abzulenken.— Zwischen Holland und Belgien ist ebenfalls eine tiefe Verstimmung eingetreten. Man wollte die Scheldemündung so halb internationalisie⸗ ren. Belgien, das den größeren Vorteil davon hätte. hat schon im vergangenen Jahre dem Vertragsentwurf zugestimmt, die holländische Kammer hat ihn aber mit einer starken Mehrheit abgelehnt, da es im Falle kriegerischer Verwicklungen, bei denen nach dem Ver⸗ trag die Schelde von belgischen Kriegsschiffen benützt werden könnte, für seine Neutralität fürchtete.— In der Genfer Abrüstungsdebatte hat Graf Bernstoff, der Vertreter Deutschlands,mannhafte Worte gefunden, in denen er den Staaten zeigte, wie sie die im Versailler Vertrag gegebenen Grundlagen einer Abrüstung zu ihren Gunsten verdrehten. Das bat natürlich schiefe Gesichter und schwere Wortkämpfe gegeben.— Der Reichskanzler Dr. Marx hat in der Besatzungsfrage ernste Worte gesprochen. Gegenüber 26 deutschen Gar⸗ nisonen vor dem Kriege gibt es noch immer heute, 1, Jahre nach Locarno, 115 Garnisonen der alliierten Truppen. 9364 Wohnungen sind beschlagnahmt, von denen in der zweiten Hälfte 1926 600 zurügegeben wur⸗ den. Für die Besatzung wurden insgesamt 7786 Woh⸗ nungen errichtet, für die deutsche Bevölkerung nur 4084. Die Zahlen reden eine deutliche Sprache. Es wäre tatsächlich an der Zeit, daß endlich einmal ein⸗ schneidende Aenderungen mit dem Endziel völliger Frei⸗ heit, einträten.— In Wien fand eine glanzvolle Kund⸗ gebung anläßlich des 100jährigen Todestages des gro⸗ ßen deutschen Komponisten Ludwig van Beethoven statt Die vorbereitenden Arbeiten eines Verwaltunasreform⸗ gesetzes in Hessen sind soweit gediehen, daß Teile daraus in Kürze dem Landtag zugehen.— Eine Werbewoche für das Deutschtum im Auslande wird in Hessen im Monat Mai veranstaltet.— In Mainz fand am 26. 3. eine große öffentliche Pestalozzifeier in der überfüllten Stadthalle, die ca. 7000 Personen faßt, statt, bei der der badische Staatspräsident a. D., Prof. Hellpach, die Fest⸗ rede hielt.— Am 1. April wird in Berlin ein groß⸗ zügig angelegter Hessenabend veranstaltet, bei dem der Oberbürgermeister von Mainz. Dr. Külb, die Grüße des besetzten Hessen überbringen wird.

Dornenwege.

Roman von Clara Meller. 18. Fortsetzung.

Ein Mann in weitem Mantel und Schlapphut trat ihr entgegen und schob seine Gestalt unverzüglich neben ihr vorbei durch den Türspalt. Sie erbebte, o Gott, sie war allein! Naemi schlief drinnen, was wollte der Fremde?

„Ich bin es, Urle, Dein Schwager, schließe die Tür, nie⸗ mand darf mich sehen!“

„Was ist geschehen, wo ist Hans, Hans!“

„Sei still, um Gotteswillen still, Hans weiß nichts von meinem Hiersein, niemand weiß es, nur Du,— ich komme als Flüchtling!“

Jetzt begriff UArle, daß etwas Furchtbares geschehen sein müsse, sie verschloß die Korridortür und bat ihn in das Zimmer.

„Bist Du allein, Urle?“

„Ja,“ sagte sie bebend,„was haft Du getan und wodurch soll ich Dir nützen?“

Er warf seinen Schlapphut herunter, nahm den Bart ab und zog seinen Mantel aus. Dann sah er sie an, lange, wort⸗ los, als wollte er prüfen, ob er sich auf die Ketzerin verlassen konnte, jetzt lag es ja in ihrer Hand, sich furchtbar zu rächen durch Verrat an ihm.

Sie stand vor ihm, hoheitsvoll wie immer, und doch flöste ihm ein weicher Zug in dem marmorblassen Gesicht Vertrauen ein. Sie brach zuerst das Schweigen, denn eigentlich standen sie sich troz der nahen Verwandtschaft fremd gegenüber, sie fühlte ihm nach, daß es ihm schwer wurde, zu sprechen:„Sage es mir, ich helfe Dir, wenn ich es vermag.“

„Ich habe Anterschlagungen gemacht, falsche Wechsel aus⸗ gestellt und dergl.—,“ sagte er stockend und ließ dabei kein Auge von ihr, um in ihrem Gesicht zu lesen, ob sie sich auch in Abscheu von ihm wenden würde, wie vor Stunden sein Weib.

„Was gedenkst Du nun zu tun?“ fragte sie, kein Zug ver⸗ änderte sich in ihrem Gesicht.

„Nach Hamburg und mit dem Schiff fort, das heißt, wenn

Du mir hilfst— ich kann nicht zur Mutter, denn man wird vermuten, daß ich mich dorthin wende und aufpassen. Einen Paß habe ich, doch ich bin fast mittellos, ich verlor im Spiel.— Du darfst aber vor drei Monaten nicht sagen, daß ich hier war, selbst Mutter, Hans, Gerhard, niemand, niemand darf es wis⸗ sen, damit sie mit gutem Gewissen schwören können, daß ihnen mein Aufenthalt unbekannt ist!“

„Ich helfe Dir!— Zuerst iß etwas, ich werde Dir Eßwaren für die Reise zurechtpacken.“—— Sie schüttete Tee auf, ent⸗ nahm dem Büffet einen kalten Imbiß und bereitete ihm die Brote vor, wie sie es bei ihrem verwöhnten Hans tat:„Wenn Du nicht ißt, helfe ich dir nicht,“ sagte sie bestimmt. Dann holte sie ihr schwererarbeitetes Geld und zählte es ihm auf:„Viel⸗ leicht kann ich Dir etwas dabei tun, wenn Dore kommt.“

Er neigte sich, nahm ihre Hand von dem Gelde fort und küßte sie:„Wie glücklich ist Hans, daß er Dich hat, er wird nicht untergehen! Vielleicht kann ich es Dir einst vergelten!“ „Das verlange ich nicht, es ist ehrlich erarbeitetes Geld, das soll Segen bringen, möge es sich bei Dir bewahrheiten!“— Da hörte sie schließen, Mutter und Dore kamen heim,„bleibe still hier, ich muß mit ihnen sprechen.“

„Vergiß nicht, daß es besser ist, niemand ahnt mein Hier⸗ sein.“

„Sorge Dich nicht,“ flüsterte sie beim Hinausgehen, dann hörte er, wie drüben die Lampenglocke klirrte, Licht angezündet wurde, dann wurde es still.

Eine Ewigkeit dünkten ihm die Minuten!„Papa,“ hörte er Naemi im Schlaf rufen, wundersam griff es an sein Herz. er dachte an seinen Buben daheim, was würde aus ihm wer⸗ den? Würde Ludmilla aus ihm einen lebenstüchtigen Men⸗ schen erziehen? Er seufzte, Hans würde sein Leben besser ein⸗ richten mit der geliebten Frau, wie er mit seiner reichen Lud⸗ milla! Wie im Taumel, im Freudenrausch lebten sie dahin und nun,— die schreckliche Vergeltung!

Da hörte er den schwebenden Gang Arles, er wischte schnell das Naß aus seinen Augen, er neidete Hans die Liebe, die ihn mit diesem Weib verband, die schlichte, gemütliche Häuslichkeit. Das war Glück, wenn es auch Kampf kostete.

Still legte sie noch 115 Mark vor ihm hin:„Mehr kann ich Dir nicht geben, leider!“

„Ist auch nicht nötig, wenn es erreichbar, arbeite ich mich hinüber,“ sagte er, dann schlug er zum ersten Male in seinem

Leben schamvoll die Hände vor das Gesicht, er selbst war mit Schuld, daß Hans das Geld zu seiner Rettung verweigert

wurde, und nun stand er als Bettler hier,„ich schäme mich vor Dir, Urle, vergib mir, ich werde ein guter Mensch!“ „Helfe Dir Gott“, kam es einfach von ihren Lippen,„hast

Du Wäsche, Kleidung, es ist Frauenart, alles zu bedenken“

setzte sie wie entschuldigend hinzu.

„Nichts, gar nichts, ich hatte Eile.“

Sie holte von Hans Sachen, packte sie in ihren Lederkoffer, — wie die Zeit dabei verging— ängstlich sah sie nach der Uhr: „Schon elf Uhr,“ seufzte sie. Er wollte mit dem D. Zug fahren, es war hohe Zeit, zur Bahn zu gehen, ach, nun kam das Schwerste, Urle mußte für ihn das Billet lösen, damit er ohne Verdacht in den Zug kam. Wenn er entdeckt wurde und sie,— was dann? Nächstenpflicht— ich kann nicht anders handeln, Gott verläßt mich nicht, dachte sie zuversichtlich und band ihren Reiseschleier über den Hut, um bei der Billetausgabe keinen Argwohn zu erregen.

„Komm, es ist Zeit,“ sagte sie dann, und noch einmal maß er den Raum mit verzehrendem Blick, ehe die Tür der Heimat zufiel, er kämpfen mußte dort draußen,— ihm das Schickfal mit der Geißel in der Hand lehrte, was an ihm bei der Er⸗

ziehung versäumt war, und er selbst nicht verstanden hatte, sich

anzueignen.—

Er blieb im dunkeln Korridor stehen und hörte, wie Arle Dore bat, sie möchte ihr bis zur Post entgegen kommen, Mut⸗ ter solle bei Naemi warten, dann griff sie zum Hausschlüssel und trat heraus. Er faßte noch einmal nach Urles Hand:„Ver⸗ gib mir, ich habe auch mit gehetzt gegen Dich bei Mutter und nun— wie das Leben uns so seltsam packt,— verzeihe.“——

„Still, still,“ sie entzog ihm ihre Hand,„Du wirst es da

draußen lernen, daß die Menschen anders bewertet werden müs⸗

sen, wie Euer enger Gesichtskteis es gewohnt ist und wie die Ortodoxen es tun, die nach dem Schein urteilen!“ CForts. folgt.)

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