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Sonnabend, den 30. Oktober 1926.
Gottes feststellen sollte, was in allen hessischen Gemein⸗ den reformiert werden müsse.“ Das Resultat dieser Beratungen war die hauptsächlich von Lambert ver⸗ faßte„Homberger Kirchenordnung“.
Nachdem noch verschiedene Beschlüsse betreffs einer im nächsten Jahre vorzunehmenden Kirchenvisitation, sowie die Gründung einer Universität in Marburg ge⸗ faßt worden waren, wurde die Versammlung am 23. Ok⸗ tober geschlossen.(Schluß folgt.)
Von der Jwösten Neichskngung der Evangellschen Bolksgemeinschaft.
Vortrag des Herrn Studienrat Proescher-Mainz.
Nachdem wir ein Stimmungsbild, sowie je einen Vortrag des ersten und zweiten Tages gebracht haben, wollen wir heute einen Vortrag des dritten Tages ver⸗ öffentlichen. Herr Studienrat Proescher⸗ Mainz sprach über„Das kommende Reichsschulgesetz“. Wir stellen dabei gleich voraus, daß die Ausführungen des Vortragenden nicht etwa für das ganze Reichsgebiet Geltung haben sollen. In Norddeutschland wird man das warme Eintreten für die Simultanschule nicht ver⸗ stehen. Die Tagung war eben, wie Herr Studienrat Proescher wohl auch annahm, meistens von Freunden aus Hessen und Hessen-Nassau besucht. Für deren Schulverhältnisse war der Vortrag bestimmt.
In seinen Ausführungen ging der Redner aus von den Paragraphen der Reichsverfassung, welche über die Schule handeln. Dabei ist den Eltern ein Einfluß auf die Schule zugesagt. Aus seinen reichen Erfahrungen und Erlebnissen wies der Vortragende nun nach, daß in den höheren Schulen kein Interesse der Eltern an der Schule bestehe. Ist dies bei höheren Schulen der Fall, so trifft dies noch viel mehr bei der Volksschule zu. So sucht man nun dieses Heranziehen der Eltern, über die Schule der Kinder zu entscheiden, nicht zu erzieherischen, sondern zu politischen Zwecken auszunutzen. Man stellt demnach die Schule hinein in den Kampf, um politische Ziele zu erreichen. Auch durch die Schule will man zur Herrschaft gelangen. Nun soll man nicht schon in Kin⸗ der die Gegensätze pflanzen, die die Erwachsenen tren— nen. Man darf dann auch nicht schon die Kinder kon— fessionell trennen. Durch die Trennung der Bekennt⸗ nisse in der Schule wird das Zusammengehörigkeitsge⸗ fühl der Kinder zerrissen. Das Zentrum fordert die konfessionelle Schule. Der Redner spricht sich für die Simultanschule aus, weil diese den inneren Frieden förden hilft.
Gegen eine Aenderung des deutschen Schulsystems tritt der Vortragende entschieden auf. Er ist dafür, daß da alles gelassen wird, wie es war. Die deutsche Schule stand immer in gutem Ansehen im Auslande. Andere Völker haben uns gerade wegen unserer Schulen be⸗ neidet. Aenderungen sind gar nicht dringend. Wenn das Zentrum die konfessionelle Schule erreicht haben wird, dann wird es sofort die geistliche Schulaufsicht fordern. Dann kommt das Konkordat nach bayerischem Muster. Der Redner meint, daß die katholische Kirche wohl imstande sei, ihre Ziele in Bezug auf die Schule zu erreichen. Dies zu verhindern, müsse die Evan⸗ gelische Volksgemeinschaft auf dem Posten sein.
Wenn nun der Vortragende die Simultanschule fordert, so meint er die christliche Simultanschule. Sie muß als Ziel haben die Erziehung zu christlichen Per⸗ sönlichkeiten. Deshalb gehört auch ein guter Religions⸗ unterricht in die Volksschulen sowohl, wie auch in die höheren Schulen.
Sucht die katholische Kirche ihren Anhängern das rechte Glaubensleben beizubringen, dann arbeiten wir mit ihr zusammen. Sobald sie sich aber weltpolitisch betätigt und dabei sich sogar der Schule bedienen will, dann hat sie uns zu ihren schärfsten Gegnern
Daz sozinle Zeltalter.
Von Paul Rüffer, Vorsitzender des Verbandes ev. Arbeiter- und Volksvereine Groß-Berlin. 6. Fortsetzung.
Vom Standpunkte der evangelischen Arbeitervereinsbewe— gung aus gesehen ist die sittlich-religiöse Seite des sozialen Problems in unseren Tagen die allerwichtigste, denn erst was in der Seele des einzelnen und der Gesamtheit zur sittlichen Macht geworden ist, das erst drängt zur sozialen und nationalen Tat nach außen. In weiten Kreisen der marxistischen Arbeiter—⸗ welt hat sich eine geistige Wandlung vollzogen. Die Erkenntnis, daß der„historische Materialismus“ auf die Dauer die Arbeiter⸗ seele nicht befriedigen kann, und ferner die Ueberzeugung, daß der Mensch nicht von Brot allein, d. h. von dem gesteigerten Er— trage seiner Arbeit lebt, sondern daß zum innerlich befriedigten Leben in erster Linie geistige und seelische Werte gehören, ist heute in der Arbeiterwelt weit verbreitet. Es ist deshalb anzu- erkennen, daß die evangelische Kirche durch ihre soziale Botschaft und ihre sonstigen Beschlüsse ein warmes Vekenntnis zur sozialen Tat abgelegt hat. In der Betheler Botschaft des evangelischen Kirchenbundes vom 17. Juni 1924 heißt es u. a.:„solcher Man⸗ gel an christlichem Geist und Brudersinn ist es auch, der zu der Uitheilvollen Vergiftung des wirtschaftlichen Lebens und zu der en Verschärfung der sozialen Gegensätze geführt hat, welche unsere ganze Zukunft und Gesittung bedrohen... „Wahrhaft soziale Gesinnung stammt aus dem christlichen Glau— ben, mit dem die Ueberzeugung von den unvergleichlichen Werten der Menschenseele die Pflicht zur Brüderlichkeit und zum opfer⸗ willigen Dienen“, auferlegt.
Im Juli 1925 erfolgte eine Kundgebung des deutsch-evange⸗ lischen Kirchenausschusses zur Wohnungsnot, in der besonders guf die gefährlichen seelischen Wirkungen aufmerksam gemacht
„Evangelische Warte“
Der mit allgemeinem Beifall aufgenommene Vor⸗ trag hatte eine lebhafte Aussprache zur Folge, ein Zei⸗ chen, daß das Interesse für die Schule sehr lebendig in den Kreisen unserer Freunde ist. Herr Greb stimmte dem Vortrag zu und machte noch vom Standpunkt des Volksschullehrers ergänzende Ausführungen. Beson⸗ ders verbreitete er sich über das geplante Reichsschul⸗ gesetz.
Reichsgeschäftsführer Weidner beleuchtete dann noch ausführlich die hessischen Schulverhältnisse. Schriftleiter Hamburger spricht dann noch über die Lehrerausbildung in Hessen, welche nicht die Erfüllung der Lehrerwünsche sein kann. Er spricht seine Verwun⸗ derung darüber aus, daß soviel Lehrer noch zur Wei⸗ marer Koalition, die in Hessen regiert, halten, die ihnen das Universitätsstudium nicht beschert habe. Die Volksschullehrer sind durch die pädagogischen Akademien immer noch in eine besondere Kategorie eingestuft und man will sie nicht bis zur Stufe eines Vollakademikers steigen lassen. Dann hätte man auch die Lehrersemi⸗ nare bestehen lassen können mit ihrem Einpauken von viel unverdautem Wissensstoff, wenn man nicht ganze Arbeit hat schaffen wollen. Die Lehrer seien keiner der gegenwärtig in Hessen regierenden Parteien Dank schuldig.
Als letzter Redner ergreift Generalsekretär Haupt das Wort und lenkt die Aufmerksamkeit auf die in Hes⸗ sen eingeführten Lehrbücher. Er erwähnt besonders das in den Gymnasien eingeführte Lateinbuch, das sehr den Wünschen der doch bei uns in der Minderheit stehen⸗ den römischen Kirche entgegenkommt.
Der Vorstand der Evangelischen Volksgemeinschaft.
Auf der zweiten Reichstagung in Frankfurt a. M. wurde auch der Vorstand neu gewählt. Herr Professor Niemann⸗Gelsenkirchen hatte eine Wiederwahl abge⸗ lehnt. Auch mußte der Vorstand in Anbetracht der erweiterten Bewegung vergrößert werden. Man wählte schließlich den folgenden Vorstand: Erster Vorsitzender: Dr. jur. MWoegenburg⸗Frankfurt a. M., zweiter Vorsitzender: Hans Weddig Mosel-Rohrberg, Kreis Salzwedel, dritter Vorsitzender: W. Schädler⸗Neu⸗ münster; vierter Vorsitzender: Generalsekret. Rödder⸗ Königsberg; Reichsgeschäftsführer: Ernst Weidner. Zu Stellvertreter wurden folgende Herren gewählt: Bürgermstr. Völker⸗Lich, Superintendent Brandt⸗ Eime, Gerichtsassesor Gitzen-Glogau, Stadtverord⸗ neter Schreiner Kümper-⸗ Frankfurt a. M. Zum stellvertretenden Reichsgeschäftsführer wurde Kaufmann E. W. Müller ⸗ Frankfurt a. M. gewählt. Zum Ort der nächsten Reichstagung wurde Hildesheim vorge⸗
sehen. Slalistit über Kirchenaustritte und Abertritte
nach dem kirchlichen Jahrbuch für die evangelischen Landeskirchen Deutschlands. Aus den Jahren 1921—1924 gibt die Statistik fol⸗ gende Zahlen:
Austritte: 576 218 zum Atheismus, 308 zum Judentum, 35 067 zu Sekten und Freikirchen, 29 413 zum Katholizismus. Aebertritte: 82 948 vom Atheismus, 1344 vom Judentum, 5 522 von Sekten und Freikirchen, 42 065 vom Katholizismus. Danach hat die evangelische Kirche in diesen vier Jahren 509 127 Mitglieder verloren, und zwar, wie aus obigen Zahlen hervorgeht, fast ausschließlich an den
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wurde. Von besonderer sozialer Bedeutung war es deshalb auch, daß die Generalsynode im Dezember 1925 den ersten Arbeiter⸗ vertreter in der Person des Arbeitersekretärs und Reichstags⸗ abgeordneten Hartwig in den Kirchensenat wählte. Weitere Entschließungen zur sozialen Arbeit der Kirche faßte die preu— ßische Generalsynode in ihrer Dezembertagung von 1925. Von großer Bedeutung ist auch die Botschaft der Weltkonferenz für praktisches Christentum vom 29. August 1925 in Stockholm, in der es u. g. heißt:„Wir richten diese Botschaft namens des Men⸗ schensohnes, des Zimmermanns von Nazareth auch an die Ar— beiterschaft der ganzen Welt. Wir erkennen dabei dankbar, daß viele jetzt schon in den schwierigsten Verhältnissen und in den verschiedensten Ländern nach den hier aufgestellten Grundsätzen handeln. Wir beklagen die Mißverständnisse und die Arsachen, die so viele der Kirche entfremdet haben und sind entschlossen, das Unsrige zu tun, um sie zu beseitigen. Wir begrüßen die Be— strebungen, die auf Herstellung einer gerechten und brüderlichen sozialen Ordnung gerichtet sind, an der ein jeder nach Gottes Pillen seine freie und volle Entwicklung finden kann, und setzen uns voll ein für die Erreichung dieses Zieles.“ Zu bedouern ist es dagegen, daß der Gedanke der Zentralar⸗ aft heute im Erlöschen ist, und daß sich im Arbeit⸗ r wieder unsoziale Strömungen zu zeigen begin- die auf einen Abbau der Sozialpolitik hindeuten. Es soll natürlich nicht geleugnet werden, daß die sozialen-politischen ten in Verbindung mit den Reparationsverpflichtungen und gußerordentlich hohen Steuern drückend empfunden werden. Im Jahre 1913 betrugen die Ausgaben für die Kranken-, Un⸗ fall⸗, Invaliditäts-, Angestellten- und Knappschaftsversicherung in Summa 1429,5— 1925 dagegen 2 358,1 Millionen. Man darf dabei aber nicht übersehen, daß trotz des verkleinerten Reichsgebietes die Zahl der Krankenversicherten von 16 916 000 im Jahre 1914 auf 19 086 000 und in der Angestelltenversicherung die Zahl der Versicherten von 1535 000 im Jahre 1914 auf 2 325
Nr. 44. am Atheismus. Die Herde der Austrittsbewegung der ö bah vergangenen Jahre sind natürlich die Industriezentren, 0 während das platte Land nahezu unbeteiligt ist. Daß 100 ö diese Austrittsbewegung nicht rein und ehrlich und ige religiös war, sondern von politischen und sozialen, ja 5 500 von rein parteipolitischen Motiven durchzogen gewesen* ich ist, ist allgemein bekannt. Die Zahlen der Statistik lle beweisen, daß die Revolution die Austrittsbewegung 15 zu einem lodernden Feuer angeblasen hat, das aber b bei Beruhigung der Gemüter immer kleiner wurde und a bald zu einem Aschenhäuflein zusammengebrannt sein 15. wird. Das beweist ein Vergleich der Verlustziffern in 1 5 den letzten Jahren. Der Verlust betrug im Jahre 1921 l noch 221 874 im Jahre 1923 nur noch 94 630, und nach 0 der letzten Statistik von 1924 nur noch 46 123. n Für die Evangelische Volksgemeinschaft ind von besonderem Interesse die Zahlen und Ausführungen, Aung die Professor Schneider in dem kirchlichen Jahrbuch von int 1926 macht über den Konfessionstausch mit dem 11 Katholizismus. Danach betrugen: a 1 b 60 1920 1921 1922 1923 1924 0 Uebertritt von Katholiken zur 1 0 evangelischen Kirche 11927 11402 10176 9547 10880 fl AUebertritte von der evangel. füt zur kath. Kirche 8570 8030 7185 7245 6953 1 Evangelischer Ueberschuß 3367 3432 2991 2302 3927 115 Angesichts dieses rechnerischen Ergebnisses wird die ble, ultramontane Presse es doch endlich müde werden, ihren n un Gläubigen weiter zu verkünden, die katholische Kirche al, de habe durch Uebertritte ungeheure Gewinne in Deutsch⸗ ele vo land aufzuweisen. Es darf auch nicht vergessen wer⸗ iht ve den, daß der katholische Volksteil nur die Hälfte des du w evangelischen ausmacht, aber dennoch mehr Konvertiten cher stellt, als der evangelische. Ein deutliches Bild von gleich dem viel größeren Verlust der katholischen Kirche gegen⸗ dan über der evangelischen Kirche ergibt sich bei der Be⸗ ig u rechnung der Uebertritte auf je 100 000 des betreffenden it Volksteils: anf 1920 1921 1922 1923 1924 fe i Von 100 000 Katholiken treten I offen zur evangelischen Kirche über: 57,02 59,28 52,67 49,41 56,31 10 10 Von 100 000 Evangelischen tre⸗ All n ten zur kathol. Kirche über: 22,47 21,07 18,85 19,01 18,24 lic Statistisch gesagt ist demnach die Neigung der de Katholiken, evangelisch zu werden, etwas mehr als drei⸗ lla mal so stark, als die Neigung der Evangelischen, kathos⸗ ur lisch zu werden. Deshalb wollen wir uns durch ultra- ed montane Prahlereien nicht einschüchtern lassen, aber aa wir wollen uns auch nicht schläfrig zeigen gegenüber Jese der neu aufgepeitschten Propaganda Roms in Deutsch⸗ iche land. Die evangelische Kirche ist noch lange nicht die! sturmreif, wie Nom behauptet. Aber es heißt für uns- dine Ihr Wächter auf den Zinnen, schlaft nicht! E. J. greif 1 8 Brief aus Gachsen. 35 (Schluß.) hte n Wie schon früher angedeutet, ist der 1. Oktober le ds. Is. ein Tag von größerer geschichtlicher Bedeutung für unsere sächsische Landeskirche gewesen. An diesem e Tage ist die neue Kirchenverfassung, die schon seit 1922 fertig beschlossen dalag, endlich in Kraft getreten. Die— ser Tag bringt jedoch nicht nur in verfassungsmäßiger Hinsicht etwas völlig Neues, sondern wie sich auch jetzt schon deutlich zeigt, führt er auch eine weitgehende um gestaltung in den höheren Verwaltungsstellen der Kirche herbei. Ein wichtiges neues kirchliches Amt ist geschaf fen: das des Kirchenrats. Fünf solcher neuen Kirchen- Ihn amtsräte sind einstweilen berufen worden, die sämtlich daf aus Juristen bestehen. Die betr. Persönlichkeiten sind de größtenteils aus dem juristischen Personal des Landes⸗ de lonsistoriums genommen worden. Dadurch, daß für diese den, Männer Ersatz geschaffen werden muß, werden auh due neue Persönlichkeiten in das Landeskonsistorium hinein⸗ Leu Tausend im Jahre 1924 gestiegen ist. Wenn von Arbeitgeber⸗ seite behauptet wird, daß auf den Kopf berechnet vor dem Kriege 68 Mark pro Jahr, 1925 aber 150 Mark an Soziallasten kommen, ed so steckt in dieser Summe nicht bloß die Soziallast der Versicher⸗ ung, sondern auch der Soziallohn, d. h. die Familienzulage, so⸗ 1 wie die hohen Summen für die Erwerbslosenfürsorge. Es kommt e noch hinzu, daß die Verwaltungskosten infolge des gesunkenen uf Geldwertes naturgemäß höher sind als vor dem Kriege. Das 1 alles erhöht die Ausgabe für soziale Zwecke ganz außerordentlich. ef Wenn wir also zugeben, daß unter den gegenwärtigen Ver⸗ ill hältnissen die äußerste Belastungsgrenze erreicht ist, dann muß ld de aber auf der anderen Seite betont werden, daß der Ausgleich auf den der Arbeitgeberseite in der Lohnpolitik gesucht wird. Die deut⸗ schen Löhne sind erheblich niedriger als die Löhne in England, 0 w besonders aber in Amerika. Dazu kommt, daß der innere Wert 1 des Geldes heute ein Drittel niedriger zu bewerten ist, als in 6 der Vorkriegszeit. Wenn also behauptet wird, die Nominal⸗ löhne hätten entweder die Höhe der Vorkriegszeit erreicht oder gar überschritten, so entspricht diese Behauptung— soweit der Realwert des Lohnes in Betracht kommt— nicht den Tatsachen. 185 Es muß aber ferner betont werden, daß die Soziallasten durch c Tausende von Kanälen wieder in die Volkswirtschaft zurück⸗ lh strömen und sie befruchten. Die segensvolle Auswirkung der 8
Sozialpolitik für die Arbeiterschaft und die Volkswirtschaft be⸗ steht darin, daß die Lebensdauer der Arbeiterschaft sich ver⸗ längert, daß die Arbeitskraft gesund erhalten bleibt und daß die Leistungsfähigkeit sich steigert. Das alles ist in der Vorkriegs⸗ zeit statistisch nachgewiesen worden und das trifft auch für die Nachkriegszeit in vollem Umfange zu. Man sollte deshalb im Arbeitgeberlager nicht die Forderung nach Abbau der Sozial⸗ politik erheben, sondern sich mit der Arbeitnehmerschoft vereini⸗ gen in der Forderung: Revision des Vertrages von Versailles und Aenderung der Reparationskosten auf Grund des Dawes⸗ planes.(Fortsetzung folgt.)


