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Sonnabend, den 29. Mai 1926.

Evangelische Warte

Nr. 22.

Aus eigener Kraft könne sich

Der Staat dürfe die

Die durchaus berechtigte Beschwerde des hessischen

0 5 5 5 a 8 55 dern läßt. Alle Mühe aber sollten wir uns geben, das schen Landeskirchentages wurde einstimmig eine Ent⸗ Zentrum von innen her zu erneuern. de schließung angenommen, in der die äußerst schwierige Wir müssen Herrn Muckermann hier vollständig Finanzlage der evangelischen Landeskirche in Hessen be echt geben. Wir auf der evangelischen Seite haben tont wird. Die Kirchensteuern hätten eine kaum noch ja genügend die Nachteile einer überparteilichen Aktion tragbare Höhe erreicht. verspürt und deshalb die E. V. guündet. die Kirche nicht mehr helfen. Der Kirchentag erhebe vor aller Oeffentlichkeit erneut Beschwerde darüber, daß der Aus Politik und Parlament. hessische Staat seinen geschichtlich und rechtlich unbe⸗ streitbaren Verpflichtungen nicht genügend nachkomme, 1 Schund und Schmutz. wie es in anderen deutschen Ländern, z. B. im benach- ber d Der Bildungsausschuß des Reichstages hat 8 1 des barten Baden, geschehen sei. che J. Gesetzes gegen Schund und Schmutz mit allen gegen Dienste nicht vergessen, die die christlichen Kirchen, und ber, acht sozialdemottatische und kommunistische Stimmen nicht zuletzt die evangelische, auf sittlich-religibösem, igll angenommen. Dabei wurde nach einem Antrag Dr.] geistig⸗kulturellem und sozial⸗charitativem Gebiete dem 11 ö den n r Volksganzen und damit dem Staate von jeher geleistet 1 0Werden zwe ern einer periodischen Druck: haben, heute noch leisten und in Zukunft leisten müssen. ge 1 schrift. die innerhalb Jahresfrist erschienen sind, auf N 2 e e e e een Ohr die Liste gesetzt, so kann auch die periodische Druck- Landeskirche e ei , e ee ine auf die ie Asche V. lkspartei 5[Wenn die katholische Kirche an dem Staatszuschuß für ie unn Auf 1 25 ift schen olkspartei 1 beschlos'] die Kirchen in der Weise interessiert wäre wie die evan⸗ die, sen, e Schrif wegen ihrer politischen, sozialen, gelische Kirche, dann würde der Staat schon helfen, dann velsuh ethischen, religiösen oder weltanschaulichen Tendenz als] würde auch kein Gutachten der Gießener juristischen

den solche nicht auf die Liste gesetzt werden kann.

hilfe für die Reichszentralen der Religionsgesellschaften sudst

Genn 5 hatte mit 35 gegen 25 Stimmen von den 6 Millionen

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alis der Einnahmen in Höhe von 3 400 000 Mark. Nach⸗ auch! dem noch der Gesamthaushalt 1926/27 genehmigt und ich d ein Antrag angenommen worden war, 5 Pfg. Zuschlag lische auf 100 Mark Steuerwert des Grundbesitzes zu erheben, ine wurde die Tagung geschlossen.

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der 190 Ein Hilferuf der evangelischen Landeskirche.

15 17 Darmstadt. In der letzten Sitzung des Evangeli⸗ g 1

JDer Schuster stand wahrhaftig da wie der leibhaftige elde zu Satan. Der hätte weiß Gott geschossen und einen von uns kalt

we Lemadt.. nachm 0 Drinnen in der Stube aber ertönte ein fröhliches Gelächter, Vogelebes, und indem Sybille in dies Lachen einstimmte, wurde ihre Seele aden! 1 des Druckes ledig, der auf ihr gelastet hatte. nd die Hans Heeger wollte sein Pfeischen hinlegen, Sybille aber

e wehrte:Ich will euch doch nicht um euer Sonntagsvergnügen

ih bringen!

bHabt ihr das Rauchen gern, Jungfer Sybille? fragte gel% Hans. i 5 aeAch ja, das sieht so gemütlich aus, wenn die blauen Wölk⸗ von, B chen durch die Straße ziehen. da eAber selber rauchen tätet ihr doch nicht! ans hu* Sybille machte lachend eine Gebärde des Entsetzens. ben, 77%O, fuhr Hans fort,ich habe schon einmal ein Frauens⸗ chadel ü, bild gesehen, die konnte paffen wie ein Mann. ua Und er erzählte, wie ihm Mariuschka die Pfeife aus dem ah 7 Munde genommen hatte. Ganz harmlos war seine Rede, so weit h und tief wie in einem fernen Brunnen lag diese Begebenheit. 115 I Sybille aber bekam plötzlich einen roten Kopf; denn ein son⸗ ö 0 1 derbarer Gedanke war in ihr aufgestiegen:Wenn er jetzt die . 0 Pfeife aus dem Munde nähme und täte sie mir in den Mund

Wel 1 stecken, so täte ich mich freuen, und zum Spaß einmal ziehen. 15 505% Natürlich meinte sie, man müsse ihr diese Verwegenheit an

der hergestellt.

Eine Woche der Kulturdebatten. Im Etat für 1925 wurden vom Reichstag als Bei⸗ 1 Million Mark und als Unterstützung für die Jung⸗ lehrer 6 Millionen Mark ausgeworfen. Der Reichsrat

die Hälfte und die eine Million ganz gestrichen. In seiner Sitzung vom 8. Mai hat jedoch der Reichstag die Position mit der gesetzlichen Zweidrittelmehrheit wie Auch die Sozialdemokratie trat unbe schadet ihrer grundsätzlichen Einstellung für den Beschluß ein,um dem Willen des Reichstags Geltung zu ver

schaffen.

Ungeborenes Leben.

Der 8 218 des Strafgesetzbuches, dessen Beseitigung namentlich von sozialistischer Seite in leidenschaftlicher

Agitation gefordert worden war, hat in eingehenden

Beratungen im Rechtsausschuß und bewegter Aussprache

im Plenum des Reichstages die folgende Aenderung er

fahren:

Eine Frau, die ihre Frucht im Mutterleibe oder durch Abtreibung tötet oder die Tötung durch einen anderen zuläßt, wird mit Gefängnis bestraft.

Ebenso wird ein anderer bestraft, der eine Frucht im Mutterleibe oder durch Abtreibung tötet.

Der Versuch ist strafbar.

Wer die im Abf. 2 bezeichnete Tat ohne Einwil⸗ ligung der Schwangeren oder gewerbsmäßig begeht, wird mit Zuchthaus bestraft. Ebenso wird bestraft, wer einer Schwangeren ein Mittel oder Werkzeug zur Abtreibung der Frucht gewerbsmäßig verschafft. Sind mildernde Umstände vorhanden, so tritt Ge fängnisstrafe nicht unter drei Monaten ein.

Die Abänderung, die gegenüber den bisherigen Be stimmungen eine erhebliche Milderung bedeutet, ist aus⸗

drücklich als vorläufige beine Aus der hessischen Landeskirche.

Evangelischer Landeskirchentag. 1 Darmstadt. Unter dem Vorsitz des Präsidenten Freiherrn Heyl zu Herrnsheim trat hier der Evange lische Landeskirchentag zu seiner 14. Tagung zusammen. Der Voranschlag enthält infolge des Fehlens eines Fehlbetrag von Million Mark, der zum Teil durch ein Darlehen, zum Teil durch eine Sonderumlage der Kirchengemeinden gedeckt werden soll. In der heutigen Sitzung wurden die Ausgaben mit 4671 000 Mark be⸗ willigt, ebenso die Position Kirchensteuer in Höhe von 2% Millionen Mark, schließlich auch die Gesamtsumme

Fakultät eingefordert Darüber sind wir uns alle klar! Sorgen wir dafür, daß bei einer ev. Landtagsauflösung die Evangelische Volksgemeinschaft ein beachtenswerter Faltor im hessischen Landtag wird, das ist der schnellste Weg, auf dem der evangelischen Kirche in finanzieller Hinsicht und auch auf anderen Gebieten das wird, was sie mit gutem Recht beanspruchen kann.

Aus unserer Bewegung.

Höchst a. M. Die Ortsgruppe der Evangelischen Volksgemeinschaft Höchst a. M. hatte am 17. Mai eine öffentliche Versammlung einberufen, um weitere Kreise mit unserer Bewegung bekannt zu machen. Nach der ersten Versammlung im Januar dieses Jahres hatte die Evangelische Volksgemeinschaft Höchst günstigen Boden gefunden, und so war es erklärlich, daß diesmal der große Saal des evangelischen Vereinshauses fast bis auf den letzten Platz gefüllt war von mehreren hundert Per⸗ sonen aus allen Kreisen der Bevölkerung. Gewiß hatte auch die Persönlichkeit des Herrn Pfr. Weidner, der von der vorigen Versammlung her in bestem Andenken stand, eine starke Anziehungskraft ausgeübt. Nach Eröffnung der Versammlung dur kchden 1. Vorsitzenden der Orts⸗ gruppe, Herrn Pfarrer Ide, sprach als erster Redner Herr Studienrat Pröscher⸗Mainz über:Notwendigkeit der Evangelischen Volksgemeinschaft und zeigte aus persönlichen Erlebnissen, wie heutzutage die römische Kirche da, wo sie die Macht hat⸗ es versucht, evangelische Beamte in ihrer beruflichen Wirksamkeit zu beeinträch⸗ tigen, und wenn sie nicht nachgeben, sie aus ihrem Wir⸗ kungskreis zu verdrängen sucht. Bei Behörden und Vor⸗ gesetzten, selbst oft bei evangelischen Vorgesetzten findet der Beamte selten den ihm gebührenden Schutz, weil hinter den katholischen Ansprüchen eine Macht und hinter den evangelischen Ansprüchen keine Macht steht, die zu fürchten ist. Aus Notwehr und zum Schutz ihrer Belange müssen deshalb die Evangelischen sich eine Macht schaf⸗ fen, die den Kampf aufnehmen kann. Religibse Be⸗ denken lassen sich dagegen nicht geltend machen, sondern, wie der Redner ausführte, fordert unser evangelisch religiöses Bewußtsein uns dazu heraus, denn der Kampf der römischen Partei gilt nicht den evangelischen Per⸗ sonen, sondern dem evangelischen Glauben, der auf diese Weise in Deutschland zunächst zurügedrängt und schließ⸗ lich ausgerottet werden soll. Wem es nicht gleichgültig ist, ob seine Kinder oder Enkel evangelisch oder katholisch sind, wer nicht will, daß seine Enkel die evangelische geistige Freiheit mit römischem Knechtssinn eintauschen, muß die Evangelische Volksgemeinschaft mit Freuden be⸗ grüßen. Der 2. Redner, Herr Werkmeister Mensinger⸗ Mainz, sprach überEvangelische Volksgemeinschaft und Arbeiterschaft. Der Redner, selbst ein Mann aus dem Arbeiterstand, führte aus, daß der bewußte evangelische Arbeiter nie mit gutem Gewissen der religionslosen und religionsfeindlichen Sozialdemokratie habe folgen kön⸗ nen, daß ihm aber keine andere Wahl geblieben sei, da es eine Unmöglichkeit für einen bewußten Arbeiter sei, eine der andern egoistisch-wirtschaftlich⸗kapitalistisch ein⸗

Doch solcher feinen Kunst waren die zwei Männer nicht mächtig.

Ich will dir etwas himmelfeines zeigen, sagte Meister Vogelsberger; er ging in die Ecke der Stube, wo auf erhöhter Pritsche die Schusterwerkstatt aufgebaut war, und holte ein Paar Frauenschuhe hervor.

Hast du schon mal solche Arbeit gesehen? Die kriegt die Frau Amtmännin Stubenrauch. Den Hans hat mir der liebe Gott selöst zugesandt. Zegen ihn bin ich ein grober Dorfschaster Wenn aber mal bekannt wird, daß er gerade so gut arbeitet wie der Hofschuhmacher in Homburg, der den Prinzen und Prin⸗ zessinnen die Stiefel anmessen tut, dann sollst du mal sehen, was ich für einen Zuspruch kriege!

Sybille nahm die Schuhe in die Hand und betrachtete sie voll ehrlicher Bewunderung.

Wären sie doch mein!, das stand deutlich auf ihrem Ge sicht.(Fortsetzung folgt.)

Es gibt nur ein Oberreichenbach!

Was Heimatliebe ist, mag uns folgende rührende Geschichte erzählen. Das ehemals isenburgische Dörfchen Oberreichenbach am Südostabhang unsres Vogelsberges, wollte einen Gemeinde⸗ bau aufführen und sich hierzu von seinem Landesherrn, dem Fürsten Karl J. von Isenburg⸗Birstein, freies Holz aus dessen Waldungen erbitten und schickte zu dem Zweck einen Bauer K.

der Stirne ablesen können.

nach Paris, wo der Fürst als Vasall Napoleons J. damals grade

gestellten Parteien zu wählen. Auch religiöse Gründe hätten sie nicht zu den andern Parteien führen können, da für diese die evangelischen Belange belanglos waren. Jetzt sehe er in der Evangelischen Volksgemeinschaft die Möglichkeit, mit einer Partei zu gehen, für die im Leben der GrundsatzGerechtigkeit und soziale Liebe gelte, und deren Vertreter der Schutz evangelischer Interessen Herzenssache sei. So wie der erste Redner, der in formvollendeter Rede seine Gedanken aussprach, reichen Beifall erntete, so auch dieser zweite Redner, der in Ausdruck und Redeweise sich als schlichter Mann des schaffenden Volkes zeigte. Aber gerade dies, daß er nicht mehr scheinen wollte, als was er war, daß er frei und mutig sich zu einer Sache bekannte, die sein Herz erfaßt hatte, hat einen starken Eindruck bei den Hörern hervor⸗ gerufen. Sodann sprach Herr Pfarrer Weidner⸗Ober⸗ lais in ausführlicher Rede überWesen und Ziele der Evangelischen Volksgemeinschaft. Man merkte es an seinen Worten, daß er in den letzten Monaten Kämpfe mit den Gegnern der Evangelischen Volksgemeinschaft ausgefochten hatte, und deren Einwände zur genüge kannte. Und indem er diese Einwände, die sachlichen und die gesuchten, mit Sachlichkeit und rücksichtsloser Offen⸗ heit widerlegte, stellte er klar heraus das Wesen der Evangelischen Volksgemeinschaft, daß, was sie sein will: ein Schatz der evangelischen Belange und das christliche Gewissen im öffentlichen und wirtschaftlichen Leben; und das Ziel der Evangelischen Volksgemeinschaft, daß, was sie will. Einigung aller Evangelischen aller Stände zu einer Volksgemeinschaft, der ihre evangelische Glau⸗ bensüberzeugung über alles geht. Anhaltender Beifall bewies ihm die freudige Zustimmung der Versammlung. Zu der nachfolgenden Aussprache lagen soviele An⸗ meldung vor, daß die Redefrist für jeden Diskussions⸗ redner auf 10 Min beschränkt werden mußte. Es war zu erwarten, daß diesmal die Gegnerschaft der Parteien, die von der Evangelischen Volksgemeinschaft eine Min⸗ derung ihrer Stärke fürchten müssen, sich zeigen würde. Die Gründe, welche man gegen die Evangelische Volks⸗ gemeinschaft vorbrachte, waren die uns längst bekannten: Zersplitterung,Politik und Religion haben nichts miteinander zu tun,es fehlen der Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft die prominenten Persönlichkeiten,die Evangelische Volksgemeinschaft wird an Geldmangel sterben usw. Auch zwei Pfarrer aus der Umgebung von Höchst sprachen in sachlicher Weise ihre Bedenken aus und die persönlichen Gründe, die sie von Anschluß an die Evangelische Volksgemeinschaft abhielten. Der Beifall, der ihnen aus der Versammlung gezollt wurde, zeigte wieviel Verständnis die Mitglieder der Evangelischen Volksgemeinschaft für die persönliche Ueberzeugung eines Andersdenkenden haben. Aber der ungeteilte stürmische Beifall, der wiederholt die Schlußworte der Hauptledner des Abende unterbrach, zeigte deutlich hinter wem die Nersammelten standen, und daß sie das Gebot der Stunde erfaßt hatten, nämlich Zusammen⸗ schluß zu einer evangelischen Partei. Leider verlief die Versammlung nicht ungestört bis zum Schluß. Zwischenrufe, welche von einzelnen Gegnern bei den Ausführungen der Schlußredner gemacht wurden, nahm die Versammlung ruhig hin, bis leider einer der Pfarrer sich zu unbegründeten Zwischenrufen hinreißen ließ. Hatten zuvor, wie schon gesagt, die Anwesenden Ver⸗ ständnis für die sachlichen Ausführungen der beiden Pfarrer gezeigt, so mußte jetzt der Zwischenrufer erleben, daß seine Worte einen Sturm der Entrüstung hervor⸗ riefen, und daß es evangelische Männer und Frauen wohl verstehen können, wenn ein Pfarrer erklärt:ich kann nicht mitmachen, daß sie es aber nicht verstehen können, wenn er in offenem Protest gegen eine evange⸗ lische Bewegung tritt, in die sie ihre evangelische Ueber⸗ zeugung hineintreibt. Solche Handlungsweise ist mir angetan, der evangelischen Sache allgemein zu schaden. Der Evangelischen Volksgemeinschaft tut sie keinen Scha⸗ den; das zeigte deutlich der Ausgang der Versammlung. Die Ortsgruppe Höchst hat wesentlichen Zuwachs erfah⸗ ren und ist erst recht von der Notwendigkeit der Be⸗ wegung durchdrungen. Am nächsten Abend, den 18. Mai, war eine öffentliche Versammlung in Sossenheim, welche zur Gründung einer stattlichen Ortsgruppe dort führte. Darüber folgt Bericht an anderer Stelle. **

weilte. Es war etwa das Jahr 1810. Ruhig und sorglos auf Schusters Rappen wanderte dieser dahin, unbekümmert um die vielen Krieger, die in jener Zeiten die Landstraße bevölkerten, und um dies Raubgesindel, das Weg und Steg unsicher machte. Glücklich erreichte er nach vielen Tagen das Ziel seiner Wan⸗ derung und fand auch bald den Palast, den sein Fürst bewohnte, der freudigst seinen wackren Landsmann und treuen Untertan begrüßte und reichlich mit Speise und Trank versah. Nachdem der Fürst das Anliegen der Gemeinde bewilligt, sagte er zu ihm: Nun müssen Sie sich aber auch einmal Paris ansehen. Das tat er denn auch, wobei ihn ein fürstlicher Kammerdiener den Weg zeigte. Es ging durch all die langen endlosen Straßen, vorbei an prächtigen Palästen, hochragenden Denkmälern, herrlichen Lustgärten, vorbei an Tausenden und Abertausenden von frem⸗ den Menschen, die eine fremde Sprache sprachen, fremde Sitten zeigten und unsren Wandrer sofremd, so kalt und teilnahmslos anschauten, daß es ihm weh ums Herz wurde. Es ergreift ihn plötzlich eine heiße Sehnsucht nach seinem fernen Oberreichen bach, er hält es nicht mehr aus, will zum Schloß zurück, ergreift seinen Wanderstab, um die Rückreise anzutreten. Doch zuvor will er seinem Fürsten noch Lebewohl sagen. And als ihm dieser die Hand zum Abschied reicht und ihn zuletzt noch fragte:Nun, lieber K., wie hat Ihnen Paris gefallen? Da traten dem biederen Bauer die Tränen in die Augen und kurz und bestimmt lautet seine Antwort:Ja, Durchlaucht, Paris ist ganz schön, aber es gibt doch nur ein Oberreichenbach. Wolf⸗Ranstadt.