vangelische Warte
drgan der Evangelischen Volksg
10 Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag.
ht an Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. gung Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.)
— 2. Jahrgang.
5 Co gte, b.
inte 9 gnahy 0 stah Schwer drückt die Not die deutschen Herzen nieder. lang Es ist eine Zeit tiefster Erniedrigung und Schmach, eine n äuße Zeit der Anfechtung in des Wortes wahrster Bedeu⸗ ade u. fung. Denn, um was geht es eigentlich jetzt? Doch Ausf um nichts anderes als planmäßig dem deutschen Volk ständ die Seele, den Glauben, das teure Evangelium, sein gefüb köstlichstes Gut, das einst Dr. Martin Luther uns ge⸗ licht schenkt, zu rauben. Planmäßig gehen die Feinde des ches 9 Glaubens vor, planmäßig die Feinde des Christentums er J überhaupt, und nicht nur sie, sondern die Feinde der beit evangelischen Kirche. Die Arbeit und die Anstrengungen unkt h dieser feindlichen Mächte verspürt man nirgends wohl rtteth so stark wie im evangelischen Sachsenland, das ohnehin ialpa von der tschechischen, der Slavenwelle, bedroht ist. Und übrig kennzeichnend für den uns Deutschen eigenen Charakter ingelih ist, daß ausgerechnet in dieser traurigen Zeit deutscher län Not auf so vulkanischem, heiß umkämpftem Boden, wie im industriereichen Sachsen, die Bewegung derer zu— nimmt, die sich von der Landeskirche absondern und l. ihre ohnehin durch Austritte und Anfeindungen ge— schwächte Kraft noch mehr zu schwächen drohen, anstatt
lings, zum starken Zusammenhalt aller Evangelischen beizu— Hein ragen. Warum diese Absonderungen und Absplitte— 1% U zungen, dieses Sektentum in einer Zeit, wo es um das zeige Ganze, um den Bestand unserer teuren evangelischen
Eutn Kirche geht. Das„Warum“ muß man besonders an jene Splittergruppen richten, die ihrem Wesen nach gut evangelisch sind und sich noch im Rahmen der Landes— kirche halten. Ja, warum sondern sie sich denn da ab? 5 en Ja, wir stehen in einer ernsten Zeit deutscher Not. ft 1 da tut es gut, die Gedanken bekümmerten Herzens frage einmal zu Bismarck zurückschweifen zu lassen, zu dem „ 0 Mann, der nicht der von den Feinden, inneren und kein u. äußeren, geschmähte Mann von Blut und Eisen war, e sch te sondern ein Evangelischer, ein treuer Luthersohn, ein
Mann lauteren Herzens, reiner Seele, voll tiefer, inni⸗ — ger Frömmigkeit, dessen ganzes Wesen die Kraft des Glaubens erfüllte, der das Herz eines Kindes besaß. Er gilt uns geradezu als Sinnbild deutschen Glaubens, ftirch deutscher Frömmigkeit. Wo ist das Geheimnis der nan Persönlichkeit Bismarcks? Will man die Lösung zu 1 e finden suchen, muß man den Mann in seiner Seele ver⸗ he, 4 stehen lernen. Den rechten Weg dazu hat kürzlich einer lat der führenden sächsischen Politiker, ein kerndeutscher 11 Mann, der Landtagsabgeordnete Eberle, in einem ben“ siefschürfenden, die deutsche Seele im Innersten packen⸗
ielt.! 5 9055 1* den, lichtvollen Vortrag gewiesen.
5 Volkstrauertag. 25
7 Dies Wort ist entnommen einem Trauerlied nach verlorener 1 U Schlacht des israelitischen Heeres. Die Philister waren siegreich I gewesen, der König Israels hatte sich selbst erstochen. Ein trau⸗ Bohn iges Ereignis für das ganze Land. Auch wir wollen heute trauern nach einem verlorenen Kriege. David, der Dichter jenes
se, unmis Trauergesangs, denkt an die Gefallenen auf den Bergen Gil⸗ ⁵ 1 boas. Auch wir denken heute der Gefallenen des großen Welt⸗ 8 krieges. Aber wir können nicht so kurz es sagen, wo sie alle ge— al. sallen sind. Ueberall, wo deutsche Waffen kämpften, in Frank⸗ 147 del leich, in Rußland, auf dem Balkan, in Palästina überall hat is deutsche Gefallene gegeben. Heute wollen wir uns mit allen
I Kriegshinterbliebenen zusammenfinden und wollen trauern um den Verlust. Es ist nicht ein Verlust Einzelner, es ist ein Ver⸗ lust des ganzen Vaterlandes. Deutsche Männer sind es alle ge⸗ wesen, die da die Erde mit ihrem Blute röteten. Wollen wir fel lange darüber nachdenken, daß es soviele der Besten Männer in iind, die heute unser Vaterland so nötig brauchen könnte?
2. Samuelis 1,27. Wie sind die Helden gefallen
und die Streitbaren umgekommen!
131 Venn ich allein im Kreise meiner Verwandten und Bekannten Umschau halte, dann stimmt es. Wer zu Hause tüchtig war, der lat auch draußen im Felde seinen Mann gestanden. Wer in der 15 Blalle⸗ Heimat ein ganzer Kerl war, der hat auch draußen diese Heimat ungen e furchtlos verteidigt.„Wie sind die Helden gefallen und die b 0 Streitbaren umgekommen!“ Bottle 10 Wenn wir heute um sie trauern, dann ist es nicht so, als 0 ab wir alle unsere Helden verloren gäben. Ja manchmal kann 4 5 nem der Gedanke kommen, daß große Opfer, das die vielen ondere. nit Einsatz ihres Lebens brachten, war vergebens. Pott“,
—
emeinschaft
Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362. Postscheckkonto 8437 Frankfurt⸗M.
Von Th. Baare, Freital.
Drei Bismarckworte bieten uns den Schlüssel zur Lösung des tiefsten Geheimnisses der Persönlichkeit die— ses größten Sohnes unseres Volkes:„Im Dienste des Vaterlandes zehre ich mich auf.“„Wir Deutsche fürch⸗ ten Gott, aber sonst nichts in der Welt“, und seine selbst verfaßte Grabschrift:„Ein treuer deutscher Diener Kai⸗ ser Wilhelms J.“ Man kann diese drei Worte zusam⸗ menfassen in einem Wort der heiligen Schrift im Altar⸗ raum der Gruftkapelle im stillen Sachsenwald, wo Bis⸗ marck schläft, das sein Konfirmationsspruch war:„Alles, was ihr tut, tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen!“ Bismarck fühlte als innerste Berufung die Aufgabe der Einigung des deutschen Volkes und hielt an diesem Ziel im Glauben an Gott und im Ver⸗ trauen auf ihn unverbrüchlich fest mit unwandelbarer Treue. Nie gab es einen Schritt des Schwankens in seinem Leben, und nie ließ er sich etwas von dem ab⸗ handeln, für das er von Gott die Verantwortung trug. Das ist das Geheimnis der keichbegabten, der ganzen Persönlichkeit des einheitlichen deutschen Mannes. Furchtlosigkeit nach außen und der Wille zu dienen seinem Gott und seinem Vaterland! Daraus erwuchs ihm die Kraft, die Linie seines Lebens in einheitlicher Klarheit zu führen und eine reine klare, geradlinige Politik gegenüber der Politik der Epigonen nach ihm, denen die Politik als die große Kunst des Lügens gilt. Darum war auch Bismarcks Abgang das Ende jener klaren, einheitlichen, sittlichen Führung, der Führung überhaupt des deutschen Volkes, das er liebte mit der Kraft der Mutterliebe.
Nach Bismarcks Abgang trat an die Stelle der Bismarck-Politik der Verantwortlichkeit vor Gott und dem Herrscher, der des Führers, die der Verantwort⸗ lichkeit gegenüber Menschen, Parteien und Wirtschafts⸗ organisationen. Der Bismarcks⸗Aera der Tat folgte die Nachbismarcks⸗Aera des Redens, deren Signum die Halbheit und die daraus entspringende Schwäche ist. Nicht, wie werde ich vor Gott bestehen, hieß es nun, son⸗ dern, wie rede ich mich heraus! und, wie einst Luther, als er einer ganzen Welt von Feinden gegenüberstehend, „hier stehe ich, ich kann nicht anders“, sagte, sprach auch Bismarck jene Epigonen aber:„Hier stehe ich, ich kann aber auch anders!“ 5
Ueberall Scheu vor den Menschen und vor der Ver⸗ antwortung und den Mächten zeigt sich in der Nachbis⸗ marcks⸗Aera. So auch nach der Marneschlacht. Man hätte dem deutschen Volke die volle Wahrheit und ihm sagen sollen, daß es jetzt ums Ganze ging. Was uns
wenigstens sagen könnten, es ist etwas erreicht mit ihrem Tode. So müssen wir sagen:„Sie sind gestorben und wir sind unfrei.“ Für ihr Vaterland sind sie in Kampf und Sturm gezogen. Wie arm steht es um dieses Vaterland! Aber was ist denn Vater⸗ land? Wer hat an das große ganze Vaterland gedacht? Sind sie nicht hinausgezogen, um von den alten Eltern, von Frau und Kind die furchtbare Kriegsfurie fernzuhalten? Gewiß wer⸗ den die Meisten an das Nächste gedacht haben. Weil sie eine Mauer bildeten um die heimatliche Flur, blieb sie verschont von Krieg und Kriegslärm. Sie haben ihr Leben dahinge⸗ geben, damit anderer Leben erhalten werden konnte. Sie haben sich selbst zum Opfer gebracht, damit andere gerettet wur⸗ den. Da erscheint uns ihr Opfer in heller Verklärung. Denn ist es nicht eine Christentat, wer sein Leben hingibt für andere. Hat nicht unser Heiland selber gesagt:„Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde? Ja sie haben ihr Leben gelassen für viele. Wenn auch unser Vaterland nicht mehr so groß und herrlich ist wie vordem. Es war doch nicht umsonst, daß diese Braven alle gestorben sind. Wir haben allen Grund, an sie zu denken, ihr Andenken in Ehren zu halten. Es ist keine Verherrlichung des Krieges, wenn wir unseren Gefallenen Denkmäler bauen. Es ist unsere Pflicht, die wir gerne erfüllen wollen, dieser Toten ehrend zu gedenken. Wir können ja den Einzelnen keinen Denkstein setzen, so wollen wir ihrer alle zusammen eines errichten. Heute wird man in vielen Orten an diesen Denkmälern stehen, wird Kränze niederlegen und wird weinen, wie David weinte um den Tod seines Freundes Jonathan:„Wie sind die Helden gefallen und die Streitbaren umgekommen!“
Als der erste Napoleon aus deutschem Lande gejagt war in den Befreiungskriegen, da hat man den Totensonntag einge— führt. Es ist der eigentliche Gedenktag für Kriegsopfer. Schade,
Wenn wir daß man diesen Tag nicht auch für das Gedächtnis an die
Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg.,
am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 90 Pfg.,
Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung.
9 5 Deutseher Glaube.
schließlich niedergeworfen hat, war das Gedeihen der Schiebergesellschaft, der Geschäftemacher. Der Geist war es, der siegte, und dem letzten Endes die schmähliche Tatsache zu verdanken ist, daß man die Proberevolution 1917, von der kürzlich soviel die Rede war infolge der schmachvollen Enthüllungen und der Entlarvung eines Dittmann, ungestraft vor sich gehen ließ. Die Schmachkette von Versailles über Rapallo und London nach Locarno ist das deutlichste Zeichen da⸗ für, daß wir auch den allerletzten Schatten Bismarckscher Verantwortung und Ehre fortgeworfen haben. Im Gegensatz zu Bismarck, der nur auf Gott baute, haben wir auf das Fleisch gebaut, auf materielles Interesse und materiellen Intellektualismus und auf unser Wis⸗ sen. Wir sind eitel geworden, wissensstolz. Die Grund⸗ lage der Kraft Bismarcks haben wir verloren, den Glauben, und damit unsere Seele. Unser Wissensstolz hat uns glaubens- und seelenarm gemacht. Der Glaube aber ist etwas unendlich Starkes und Reales, schöpfte doch der größte Realpolitiker, Bismarck, seine Kraft allein aus dem Glauben, der die gottgesandte Kraft unserer Seele ist. Ohne den Glauben kann man keinen Willen haben, und am Ende alles Wissens steht der Zweifel, am Ende alles Zweifelns aber die Verweiflung. Dahin ist's gekommen mit unserem armen deutschen Volk.
Bismarcks gewaltiger Glaube allein gab ihm die ihm eigene gewaltige Kraft, das Bewußtsein, daß Gott mit ihm war. So sind wir, da wir den Glauben ver⸗ loren, ein Volk des Skeptizismus, der Verworrenheit und Zerrissenheit geworden. Und nun sehen wir die große Sehnsucht nach einem Mann. Er wird kommen, kann aber nur kommen, wenn er in führenden Schichten Vertrauen und Unterstützung findet. Wenn wir an des deutschen Volkes Zukunft glauben, müssen wir bei uns selbst Einkehr halten. Die Wiedergeburt unser aller tut not. Fort mit aller Halbheit! Jeder von uns muß an seinem Platze, wohin Gott in gestellt, Bismarck⸗ sches Leben führen, in seinem Geist das gute Beispiel geben. Nur die innere Erneuerung des ganzen Volkes kann die Besserung bringen. Zurück zur eisernen Pflichterfüllung, zur Verantwortung vor Gott, muß die Losung sein. Wieder muß uns die Arbeit keine Last werden, sondern uns wahre Genugtuung in treuer Pflichterfüllung bringen. Ansere Arbeitslosigkeit wird eine dauernde sein, wenn man nicht dem Volk den rech⸗ ten Weg zur ernährenden Scholle weist. Wesentliche Hülfe kann uns nimmer vom Ausland oder von außen
Gefallenen im letzten Kriege genommen hat. Es steht fast so aus, ols wolle man die Gefallenen eines verlorenen Krieges nicht zusammen ehren mit den Gefallenen des Befreiungskrie⸗ ges. Wir wissen doch genau, daß die Gefallenen nicht am Ver⸗ luste des Krieges schuld sind. Auch stehen wir ja als Christen ihrem Tode gegenüber und denken christlich auch über ihr Ster⸗ ben. Ueber ihrem Grabe klingt die herrliche Verheißung:„Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.“ Sie waren getreu, sie haben ihr Leben nicht als der Güter höchstes geachtet. Sie mußten ja alle damit rechnen, daß eines Tages ihre Stunde kommen werde. Was find doch das für Helden, die den Tod nicht fürchten! Nur der kann dem Tode furchtlos ins Auge sehen, der ein Leben nach diesem Tode glaubt. Nur der kann diesen todverachtenden Mut aufbringen, der seiner unsterblichen Seele gewiß ist. Nur der ist zum größ⸗ ten Opfer bereit, der nach Gott strebt im Leben und im Sterben. Nur der Glaubenlose ist feige und furchtsam. Nur dem Gott⸗ losen graut es, wenn er an den Tod denkt. Wir aber glauben unsere Helden in der Ewigkeit. Auch wenn mancher vielleicht in Zeiten vor dem Kriege keiner der Edelsten war. Was hat er doch durch sein uneigennütziges Opfer eine so große Tat ge⸗ tan! Denn er war getreu bis in den Tod.
Das Wort„treu sein“ klingt hinein in eine Zeit der Treu⸗ losigteit. Wer noch nicht einmal in irdischen Dingen treu sein kann, wie kann ein solcher an Treue bis in den Tod denken? Gerade im Vergleiche mit unseren Gefallenen erkennen wir, wieweit unser Volk heruntergekommen ist. Deshalb wollen wir sie heute auch als Vorbilder für unsere jetzige Generation an⸗ sehen. Wollen unsere Jugend anfeuern, daß auch sie einmal werden wie diese Helden, um die wir heute klagen:„Wie sind die Helden gefallen und die Streitbaren umgekommen!“ Amen.
Hr.
**


