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Sonnabend, den 26. Juni 1926.
die Interessen der evangelischen Kirche mit allem Nach— druck in der Oeffentlichkeit vertreten will. Wenn trotz⸗ dein die E. V. für sich nichts anderes als Neutralität verlangt, so kann sie bei ihrer bewußt evangelischen Ein⸗
stellung zum mindesten eine wohlwollende Neutralität
der kirchlichen Behörden und der kirchlichen Presse er⸗ warten. Dieses Erwarten ist bisher in keinem deut⸗ schen Lande, wo die E. V. oder verwandte Parteien Als einzige Ausnahme tritt uns jetzt der„Evangelische Kirchenbote“(Nr. 2 vom Jahre 1926) für die Gemeinden des Kirchenkreises Tronberg(Schriftleiter: Pfr. Deitenbeck, Sossenheim) entgegen und glaubt, gestützt auf die Autorität der lirch⸗ lichen Behörden der Nassauischen Landeskirche, seine Leser vor der E. V. warnen zu müssen, und zwar aus der Sorge heraus, daß die Kirche durch die E. V. in die
Politik„hineingezerrt“ würde. Der Verfasser des Ar⸗
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tikels im„Evangelischen Kirchenboten“ will nicht ein⸗
sehen, daß die Kirche heute Politik treiben müßte, wenn nicht eine evangelische Partei ihr diese Pflicht abnähme.
Er gibt offen zu, daß die anderen Parteien bisher oft versagt haben bei der Vertretung der evangelischen Be⸗ lange; doch darf er es nicht ganz mit jenen Parteien verderben u. rühmt, daß sie auch hin u. wieder dafür ein⸗ getreten seien, und gibt dann der optimistischen Hoffnung Ausdruck, daß die Parteien bei etwas kirchlichem Nach⸗ druck(ohne daß die Kirche die Politik macht)„sich schon auf ihre Pflichten gegenüber der evangelischen Kirche besinnen werden“. Schließlich kommen noch die in der „Evangelischen Warte“ schon oft widerlegten Einwände, daß die E. V. kein evangelisch-wirtschaftliches Programm aufstellen könne.— Ein Freund der E. V. hat darauf⸗ hin dem Schriftleiter des„Evangelischen Kirchenboten“ einen Artikel vom Standpunkt der E. V. eingesandt. Ob⸗ wohl dieser Artikel streng sachlich war und sich jeden An⸗ griffs enthielt, fand er erst nach längerem Widerstreben Aufnahme mit Streichung des Schlusses des eingesandten Artikels, obwohl der Schriftleiter zugesagt hatte, ohne Wissen des Einsenders keine Aenderungen und Streichungen vorzunehmen. Schon diese Tatsache wirft ein eigenartiges Licht auf die Schriftleitung des„Evan⸗ gelischen Kirchenboten“. Sieht man sich die fortgelasse— nen Sätze an, so merkt man auch den Grund für die Streichung. Der Artikel schließt im Evangelischen Kirchenboten“ mitten im Satz des Einsenders:„Als ausgesprochen evangelische Partei glaubt die E. V. durch ihr Eintreten für die Kirche derselben mehr nützen zu können, als es bisher die Parteien taten, in deren Schutz sich die Kirche stellt.“ Soweit der„Evan⸗ gelische Kirchenbote“; er unterschlägt die folgenden Worte:„und wodurch die Kirche bei weiten politisch links gerichteten Kreisen den Boden verloren hat.“ Ohne diesen Schluß ist der Anfangssatz nur eine Be⸗ hauptung ohne Begründung. Warum hat der„Evan⸗ gelische Kirchenbote“ nicht den Mut, diese Begründung zu bringen? Will er seinen Lesern die Wahrheit, welche für uns ausschlaggebend ist, vorenthalten? Und daß dieses eine Wahrheit ist, gibt jeder ehrliche Evangelische offen zu. Sodann streicht der„Evangelische Kirchen⸗ bote“ den Schluß des eingesandten Artikels:„Die E. V. in Oberhessen und Nassau steht in engster Gemeinschaft mit gleichen Gruppen in Nord und Süd, in Ost und West Deutschlands. In den Osterwochen ist auch die Ar⸗ beitsgemeinschaft mit den schristlich-sozialen Gesinnungs⸗ gemeinschaften unter Führung von Pastor Jäger, Bethel, vollzogen. Der Kreis der Gesinnungsgenossen wächst in allen Gegenden beständig, und bei den nächsten Wah⸗ len werden die vereinigten Gruppen eigene Listen auf⸗ stellen.“ Wir glauben gern, daß das den Ohren unserer Gegner nicht angenehm klingt, zumal der Schriftleiter in der Vorbemerkung betont, daß alle kirchlichen In⸗
stanzen in Nassau Bedenken gegen die E. V. haben.
„Evangelische Warte“
Aber die Wahrhaftigkeit forderte von ihm, diesen Ab— schnitt nicht zu unterschlagen, der den Lesern zeigt, daß die E. V. eine Volksbewegung ist, die trotz behördlicher Bedenken und Widerstandes den Glauben an den Sieg der evangelischen Sache hochhält.„Ansachlichkeit“ ist für das Verhalten der Schriftleitung des„Evangelischen Kirchenboten“ eigentlich ein viel zu gelindes Wort. Aber Sachlichkeit ist das geringste, was wir in Zukunft von der kirchlichen Presse fordern müssen, Sachlichkeit auch gegenüber dem Gegner!
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Aus unserer Bewegung.
Alzey. Am 16. Juni fand hier in dem Gasthaus„Zur alten Post“ eine gutbesuchte Kreisversammlung statt. Nach⸗ dem Schriftleiter Hamburger die kulturellen Gründe für die Schaffung der E. V. dargelegt hatte, ergriff Reichsgeschäfts— führer Weidner das Wort, um die politischen Gründe dar— zulegen. Es folgte darauf eine Aussprache, welche die Zustim— mung aller Anwesenden ergab. Damit sind unsere Gedanken im Kreise Alzey in weitere Kreise gedrungen und es ist zu hof— fen, daß die politische Sammlung der Evangelischen in Rhein— hessen von jetzt an weitere Fortschritte macht.
Laubenheim. Am 8. Juni hielt die EV. hier ihre erste öffentliche Versammlung unter dem Vorsitz, von Studienrat Pröscher⸗Mainz. Pfarrer Weidner sprach ausführlich über die Gründe, die zur Gründung der EV. geführt haben. Der starke Beifall der zahlreich erschienenen Evangelischen— auch aus Weisenau und Bodenheim waren viele gekommen— bewies, daß der Redner den Zuhörern aus dem Herzen gesprochen hatte. Eine Ortsgruppe konnte noch am gleichen Abend gegründet werden. In der Aussprache ergriff Werkmeister Mensinger das Wort.
Mainz. Hier fand am 18. Juni unter dem Vorsitz des Herrn Studienrat Pröscher eine gutbesuchte Kreisversammlung im Taunushotel statt. Herr Reichsgeschäftsführer Weidner legte die Gründe dar, aus welchen die E. V. geschaffen worden ist. Auch zeigte er die große Ausbreitung unserer Ideen im ganzen Reiche. Es folgte eine ausgedehnte Aussprache, welche Gelegen— heit gab, über verschiedene Unklarheiten noch aufzuklären. Alle Anwesenden stimmten schließlich der Bewegung zu. Man for⸗ derte, daß durch weitere Versammlungen noch weitere Kreise mit den Gedanken der E. V., welche unser Volks- und Wirtschafts⸗ leben aus dem Sumpf des Materialismus befreien wollen, be⸗ kanntgemacht werden.
Sossenheim. Hier wurde nach Vorträgen von Pfarrer Ide⸗ Höchst und Reichsgeschäftsführer Weidner eine stattliche Orts⸗ gruppe der Evangelischen Volksgemeinschaft gegründet. Die Ver⸗ sammlung, die recht gut besucht war, wurde von Herrn Müller geleitet. Herr Müller ist auch Vorsitzender der Ortsgruppe.
Uffhofen. Während am 16. Juni aus besonderen Gründen die öffentliche Versammlung in Flonheim ausfiel, wurde die hier im Gasthof„Zum deutschen Haus“ angesagle öffentliche Versammlung abgehalten. Der Besuch war so stark, daß aus dem Gastzimmer in den Saal umgezogen werden mußte. Viele Besucher waren aus Flonheim herübergekommen. Herr Schrift⸗ leiter Hamburger legte in sachlicher Weise die Gründe dar, welche zur Bildung der E. V. geführt haben. Eine sehr lebhafte Aussprache schloß sich an, welche sich bis 12 Uhr hinzog. Wäh⸗ rend die sozialdemokratischen Redner sich in anständigen For⸗ men bewegten, wurde von jüdischen Essigindustriellen, welche sich sehr erregt zeigten über die Ausführungen des Vortragen— den über das Börsen- bezw. Industriekapital ein unfeiner, per⸗ sönlicher und gehässiger Ton hineingebracht. Diese Herren stehen, wie der eine von ihnen erklärte, auf dem Standpunkt, daß jeder das Recht habe, den höchstmöglichen Verdienst zu neh— men. Diese Ansicht steht natürlich in schroffem Gegensatz zu der Wirtschaftsanschauung der E. V., welche auf dem Grundsatz steht: Einer trage des andern Last. Daß ein Jude sich zu diesem christlichen Grundsatz nicht erheben kann, ist wohl verständlich. Die E. V. ist ja auch nur für christliche Kreise da. Ebenso un— geheuerlich war der Vorwurf, die E. V. würde den Kulturkampf neu beleben, im Munde eines Juden. Der Vortragende lehnte
mit hast du nicht ihn, sondern dich verschimpfiert. Daß er von
ordentlichen Leuten da ist und nur tüchtig ist, das kannst du doch mit Händen greifen. Und wenn du nicht glaubst, daß er auch wohlhabend ist, dann konntest du ja eine Wartezeit ausbe— dingen.“
In diesem Augenblick betrat Sybille die Stube.
„Denke dir, Sybille, dein Vater will dich mit Feuerbachs Aeltestem verheiraten! So, so— du meinst, meine Enkelkinder sollen mal römisch sein, und die Bibel soll aus dem Haus ver⸗ schwinden. Von wem stammt denn das Haus, von dir oder von mir? Was du bei uns zweien nicht fertig gebrachst hast, daß wir konvertieren, das soll jetzt so hintenherum gemacht werden. Das gerät dir nicht. Da habe ich auch noch ein Wörtchen mit⸗ zureden.“
Da trat der Schußtheiß mit voller Gewalt auf den Boden, daß es dröhnte:„Das Haus hier wird katholisch, und die ganze Gemeinde wird katholisch!“
Da erhob sich die Frau vom Stuhl und trat auf ihren Mann zu; die kleine, verkrümmte Gestalt reckte sich in die Höhe:„Bist du vielleicht katholisch, Peter? Nichts bist du! Einen ordent⸗ lichen katholischen Christen, der auf seinen Glauben etwas hält, lasse ich gelten. Du aber handelst nach dem abscheulichen Wort: „Weß Brot ich eß, deß Lied ich sing.“ Wird der Freiherr von Ingelheim morgen lutherisch, so wirst du's auch, und wird er übermorgen reformiert, so springst du mit. Deine Konfession ist dein Vorteil, und da willst du meinen Glauben und den Glauben meines Kindes antasten, wo uns der Glaube das Hei⸗ ligste und Höchste ist für Leben und für Sterben. Hier in dieses
Haus kommt, so lange ich atme, kein katholischer Eidam. Das sollst du ein für allemal wissen.“ „Und ich, Vater,“ sagte Sybille mit starker Betonung,
nehme den jungen Feuerbach nie und nimmer. Der Hans Heeger wird mein Ehemann und sonst keiner.“
„Das ist ja eine schöne Welt“, schrie der Schultheiß,„die Weibsleute ziehen die Hosen an, und unsereiner soll in den Weiberrock kriechen. Dann laßt euch doch auch gleich die Haare kurz schneiden nach Art der Mannsleute, damit euer Verstand länger wird.“
Sprach's und verließ die Stube, indem er dröhnend die Tü ins Schloß warf.
Die Mutter aber sagte zur Tochter:„Sybille, laß den Kopf nicht hängen, ich halte zu dir, und ich kriege den Vater schon noch herum, daß du deinen Hans heiraten darfst. Wenn er sein Werk in der Heimat verkauft hat, und man erfährt, daß er einen Scheffel voll Gulden hat,— dann sollst du einmal sehen, wie rasch der Wind aus einer besseren Ecke pfeift. Ich kenne doch deinen Vater.“
Und sie seufzte tief auf bei den letzten Worten.
Natürlich wußte bereits am Abend dieses Sonntags das ganze Dorf, daß Hans Heeger um die Schultheißen Tochter ange— halten, dieser aber dem Freier die Türe gewiesen habe. Die einen fanden das Verhalten des Schultheißen selbstverständlich, „einen Habenichts, und wenn er ein noch so tüchtiger Handwerks— mann ist, gibt ein Hofbeständer doch nicht die Tochter, zumal wenn es die einzige ist.“
Die andern aber meinten:„Der Heegerhans soll ja gar nicht arm sein, er ist doch nur vor den vermaledeiten Wälschen ausge— rückt. Er soll so viel Geld haben, daß er dem Michel seinen Hof zweimal kaufen kann.“
Darauf die Gegenseite:„Was Gewisses weiß man nicht, und Leutegeschwätz kann man leine Freierei aufbauen.“
Auch der Herr Amtmann Johann Nikolaus Stubenrauch erfuhr von dieser Begebenheit; die Magd brachte die Neuigkeit wie eine frische Semmel vom Brunnen heim, und die Frau Amtmännin zögerte nicht, ihren gestrengen Eheherrn zu benach— richtigen. Dieser hörte mit großer Aufmerksamkeit zu und stellte dann als Ergebnis fest:„Der Schultheiß ist ein ausgewachsener Esel; er muß einmal zitieret werden.“
„Was willst du denn mit ihm verhandeln? solle—“
Doch der Amtmann schnitt seiner Gattin die Rede mitten durch:„Wie oft muß ich dir sagen, daß Amtsgeheimnisse Amts⸗ geheimnisse sind.“
Darüber war die Frau sehr ungehalten:„Nun denn, wenn ich nur die Frau Stubenrauch und nicht die Frau Amtmännin
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Meinst du, er
Nr. 26.
es im Schlußwort ab, mit einem Juden über den Kulturkampf zu streiten, den die E. V. nicht neubelebt hat, sondern der durch die von Rom in den letzten Jahren ergriffene Gegenreformation bereits da ist. Daß viele Anwesende die ungezogene Redeweise dieser Diskussionsredner verurteilten, bewies die Zustimmung, als der Vortragende sie energisch rügte. Die sozialdemokratischen Diskussionsredner waren nur mit der Fürstenabfindung beschäf⸗ tigt, welche nicht zur Debatte stand. Jedenfalls war es trotz der Gegnerschaft gelungen, die Gedanken der Sammlung aller Evangelischen auch in Uffhofen zu propagieren. Hoffen wir, daß das begonnene Werk bald zur Ortsgruppengründung führt.
Alls hossen.
Die Jahresversammlung der Hessischen Missionskonserenz in Darmstadt am 14. Juni befriedigte die Teilnehmer in hohem Maße. Denn es wurden dort brennende religions- und missions⸗ wissenschaftliche Fragen tiefgehend behandelt.— Beginnend vor⸗ mittags 11 Uhr wurde die Tagung im Saale des Landes- kirchenamtes durch eine Ansprache von Herrn Pfarrer Knodt von Bad⸗Nauheim über 2 Kor. 4, 3 f. eingeleitet und dann mit einer Begrüßung durch den Vorsitzenden, Herrn Professor Werner von Friedberg, eröffnet. Hierbei gedachte er ehrend und dankbar zweier Männer, die auch für unser hessisches Missionsleben von Bedeutung geworden waren, des Herrn Geheimen Kirchenrates D. Schlosser, früher lange Pfarrer in Gießen, wo er auch in der gleichen Stunde beerdigt wurde,— und des Miss.-Insp. D. Würz von Basel, der als ein anerkannter Missionsführer vor 10 Tagen plötzlich in Heilbronn auf einem Bibelkursus gestorben ist. Geh. Rat D. Schlosser war der Begründer des Oberhessischen Vereins für die Baseler Mission und gehörte lange Zeit dem Vorstand der Hess. Missionskonferenz an. Das Andenken beider Männer wurde von der Versammlung in der üblichen Weise geehrt. Nach Verlesung des Jahresberichtes und der Rechnungsablage, die einen günstigen Stand aufwies, wurde das Wort dem Haupt- redner erteilt. Herr Prof. D. Dr. Heiler von Marburg sprach über„Die Mission des Christentums in Indien.“ Nach einer vorzüglichen Einführung in das philosophische und religiöse Geistesleben Indiens, dessen ungeheuere Literatur erst zu einem kleinen Teil erforscht sei, formuliert er das Verhältnis des Christentums zu den indischen(höchst vielgestaltigen) Religionen etwa so, daß die schristliche Religion als der klärende, vertiefende und vollendende Abschluß für die besten Elemente des Hinduis⸗ mus und Buddhismus aufgefaßt werden könnte. Dem entspre⸗ chend sei die christliche Missionstätigkeit zu gestalten.— Wie zu erwarten, erfolgte am Nachmittag in der Besprechung dieses Vortrages ein starker Widerspruch durch einen wissenschaftlich und praktisch erfahrenen Missionar, den Prof. D. Heiler, abzu⸗ schwächen oder zu berichtigen suchte. Auch beantwortete er zwei Fragen von Prof. D. Dr. Frick-Gießen, daß nämlich die indisch⸗ religibse Literatur das Alte Testament nicht verdrängen sollte, und daß das indische Christentum die Gläubigen zu einer persön⸗ lich⸗aktiven Entscheidung(statt zu einer bloßen Akkomodation) führen müsse.— Vor dieser Aussprache gab Herr Miss.-Insp. Steck einen fesselnden Bericht über die Gemeindemissionen unter den heidnischen Völkerstämmen seitens christlicher Gehilfen auf Neu- Guina, im ehemaligen Gebiet der Neuendettelsauer Mission. Herr Pfarrer Fischer von Groß-Bieberau sprach das Schlußwort
— Der hessische Pfarrverein nimmt in seiner Tagung vom 8. Juni ds. Is. nach einem Bericht des Herrn Oberkirchenrates Wagner Kenntnis von der schwierigen, den Bestand der evan⸗ gelischen Landeskirche und der Einzelgemeinden gefährdenden finanziellen Lage der Landeskirche und erkennt einen Haupt⸗ grund dieser Lage darin, daß der hessische Staat allein von allen anderen Ländern des Reiches seinen Verpflichtungen gegenüber der Landeskirche dauernd nicht nachkommt. Der hessische Pfarr⸗ verein spricht seine einmütige Zustimmung aus zu den Forderun⸗ gen, welche der hessische Landeskirchentag in seiner letzten Tagung an den Staat erhoben hat und erwartet vom hessischen Staat, daß er seinen Verpflichtungen gegenüber der Landeskirche rest⸗ los nachkommt, und er bittet die Kirchenregierung um energisch⸗ stes Vorgehen.
sein soll, so brauche ich dir ja nichts mehr aus dem Flecken zu er⸗ zählen; und dann erfährst du noch nicht die Hälfte von dem, war vorgeht, und was für dich wichtig ist.“
Der Amtmann wehrte voll Lebhaftigkeit ab:„Ich werde es dir später offenbaren.“
„So, so,“ fuhr die Frau erbost auf,„wenn's die Spatzen schon von den Dächern pfeifen!— Du meinst wohl, ich könnte nicht silence(Schweigen) bewahren. Hältst du mich vielleicht für eine Gassenläuferin oder Gemeindeklatschbase? So, das ist der Dank dafür, daß ich dem Obristleutnant Clemann Wiederstand geleistet habe, und habe so stark protestiert und ihm zugesetzt, daß er froh war, als er endlich aus dem Hause weichen konnte!“
Der Amtmann dachte, innerlich seufzend,„wäre ich doch auch draußen!“ N
„Liebe Frau, ich habe ja deine Tapferkeit bereits Seiner Exzellenz gemeldet, auch ist sie in allen amtlichen Berichten ge— bührend eleviert(erhoben) worden.“
Doch die Frau Amtmann ließ sich auch durch diesen wohl- riechenden Köder nicht von der Fährte abbringen:„Und willst du dich nicht gefälligst auch daran erinnern, daß du sehr oft übel beraten warst, wenn du allein entschieden hast, daß du aber nicht ein einziges Mal schlecht gefahren bist, wenn ich dir meinen Rat gegeben hatte.“
Amtmann Stubenrauch gab nach und weihte die Gattin endlich in seinen Plan ein. Natürlich behauptete sie sofort, daß er ihr damit gar nichts Neues sage, das habe sie von vernherein gewußt; den Weg aber, den er einschlagen wollte, hieß sie ver⸗ kehrt und undiplomatisch. Er, der Amtmann müsse alle Fäden in der Hand behalten und das Netz so fest spannen, daß es ein Entrinnen unter gar keinen Umständen gäbe. Lange wurde her und hin, und hin und her geredet, endlich trat der Amtmann der Meinung seiner Frau bei.
So wurde nun zunächst der Schultheiß in das Amtshaus entboten.—
„Warum habt ihr den Hans Heeger eigentlich so schroff ab⸗ gewiesen?“ fragte der Amtmann.
„Weil er ein Habenichts ist!“
(Fortsetzung folgt.)
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