Sonnabend, den 23. Januar 1926.
killstandes zu entmilitarisieren. In einem Brief an General Drain, den Leiter der amerikanischen Legion iner nationalistischen Organisation der Frontkämpfer im Weltkrieg, sagte der Präsident, daß der Waffenstill— tandstag durch 50 000 amerikanische Gefallenen dem Weltfrieden geweiht sei. Die Kirchen werden aufge— sordert, am Waffenstillstandstag in den Gottesdiensten die Maßnahmen für die Erreichung des Weltfriedens zum Gegenstand eindringlicher Betrachtung zu machen. Der Präsident soll durch eine starke öffentliche Meinung
unterstützt werden, wenn er die alten Methoden, mit
andern Ländern durch Gewalt sich auseinanderzusetzen, unterdrücken will.
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L Zeitgedanken.
Der Frühling zog in's Land mit Prangen, Der Sommer folgte schnell ihm nach; Dann kam der Herbst dahergegangen
Und leise sah ich allgemach
In ihm der Erde Schmuck verfallen;
Dann wandt auch er zum Geh'n den Blick Und von den Jahreszeiten allen
Blieb nur der Winter noch zurück.
Den Blätterschmuck, den noch vor Wochen Im Wald mein Herz so hoch erfreut! Hat nun der Sturmwind abgebrochen, In Wald und Feld umher gestreut.
Nun ragen kahl zur Luft die Aeste
Vom Winde hin und her gebeugt;
Kein Vöglein singet mehr vom Neste Sein Lied, der Winter hat's verscheucht.
Doch, daß die Erd' nicht öde bliebe.
Ich sehe nur des Winters Graun!
Läßt Gott in seiner Vaterliebe
Mich auch des Winters Freuden schau'n. Nach einer Nacht dann mit Entzücken Sieht froh mein Aug' ein herrlich Bild. Soweit dasselbe nur kann blicken,
Hat Gott die Welt in Schnee gehüllt.
So traut! umglänzt von Gottesfrieden Winkt mir die Mutter Erde zu:
„Zu deiner Freud hat Gott beschieden, Mir dieses Kleid, zur Winterruh; Darunter kann die Saat still keimen.
Er hat sie warm mit Schnee bedeckt.
Und kann nun schlafen, ruh'n und träumen Bis Gott sie neu zum Leben weckt.
Das rührt mich tief! In ernsten Sinnen Wend' ist den Blick nun himmelwärts. Aus meiner Brust, so tief da drinnen, Ruft mich zur Andacht leis mein Herz. Ich dankte Gott für seine Güte,
Die immerdar und ewig währt.
Und bitte ihn:„Wär solcher Friede, Der hier ruht, meinem Volk beschert.“
O, daß es den doch lieben würde;
In ihm sich wolle doch verein'n.
Und, daß des Vaterlands Verirrte
Doch kehrten wieder um und heim. Daß es nach Kampf doch endlich fände Den Frieden nun zur Winterszeit.
Und einst durch ihn versöhnt erstände Zum Volk der Kraft und Einigkeit.
Philipp Trautmann, Landw. Reichenbach i/Odw.
Neue Bücher.
Ein neues Hauschoralbuch. Universitätsmusikdirektor Prof. knst Schmidt⸗Erlangen hat im Verlage der J. P. Peterchen Muckerei in Rothenburg o. Tbr. ein Choralbuch„210 Melodien wangelischer Kirchenlieder“ in vierstimmiger, leicht spielbarer gearbeitung für Klavier, Harmonium oder Orgel mit zahlreichen donsätzen von 1 Prof. Dr. J. G. Herzog herausgegeben. Es will er Vereinheitlichung im deutschen evangelischen Kirchengesange enen und enthält fast alle Melodien des deutschen evangelischen hesangbuches, sowie
eit mit dem Holländer. enn ich mich darin irren sollte, so ist loch soviel gewiß, daß sein Charakter in unserer Gegend ganz soliert dasteht. In einigen wenigen Wetterauer Dörfern, die gleich die wohlstehendsten dieses Distrikts sind, wie z. B. in en Reichsdorfe Melbach und dem Gräflich Solms-Rödelheimi— chen Dorfe Niederwöllstadt, hat der Bauer zwar die Butzbacher fehler, aber nicht seine Tugenden. Im ganzen kann man das teil fällen, daß der Staat wohl gedeihen würde, der viel eiche Bürger hätte wie dieses Städtchen. Uebrigens gereicht en Butzbachern nichts so sehr zum Vorwurf als der auffallend hlechte Zustand ihrer Schulen. Er steht zu den vielen Hilfs⸗ hellen, welche der allgemeine Wohlstand und noch so manches ipdere daselbst darbieten, in lauten, ja, ich möchte sagen, schrei— dem Widerspruch, und die Schuld liegt keineswegs an den hortigen Lehrern mit ihrem Taglöhnergehalt. Schon ist es so mit gediehen, daß, mit seltener Ausnahme, ein Butzbacher Aabe und ein böser Bube kaum mit dem Vergrößerungsglase söchten zu unterscheiden sein. Wie ein altes Sprichwort dazu nmt, zu sagen:„Butzbach, wo die Spötter wohnen“, weiß ich icht zu erklären. Jetzt sehen, soviel ist doch gewiß, die Leute isegends weniger satyrisch aus als hier. (Fortsetzung folgt.)
Ein Heer der Liebe. Nach einer der altpreußischen Generalsynode vorgelegten . des Kaiserswerther Verbandes Deutscher Diakonissen⸗ utterhäuser stehen zurzeit auf 8304 Arbeitsfeldern 21728
g ͤhwestern und 2170 Hilfskräfte.
Bestreben zu unterstützen, den Gedenktag des Waffen⸗
den vom Deutschen Evangelischen Kirchen—
„Evangelische Warte“
Die E. V. will alle diejenigen sammeln, die bewußt auf dem Boden der evangelischen Weltanschauung stehen und von dieser Plattform aus auch zu den Fragen des öfsentlichen Lebens Stellung nehmen wollen. Sie er⸗ blickt in der Erhaltung, Pflege und Fruchtbarmachung der religiösen und sittlichen Kräfte des Christentums für unser Volksleben ihre vornehmste Aufgabe. Von dem Mutterboden evangelischen Christentums aus will sie unserem Volk die innere Kraft zuführen, die es zur Wiedergesundung braucht. In Fragen der Weltan— schauung gilt darum ihr Kampf dem Atheismus und Materialismus— nicht minder dem Ultramon⸗ tanismus—, der im neuzeitlichen Staat weit mehr als früher in der Macht sitzend das Evangelium und das deutsche Volkstum bedroht.
Auf wirtschaftlichem Gebiet fordert die E. V. rück⸗ sichtsloses Vorgehen gegen Ultrakapitalismus, Börsen⸗ spekulation und Schiebertum, Wuchertum und Ausbeu— tung. Verteilung der Steuerlast nach der Leistungsfähig⸗ keit. Wirksamen Schutz des Mittelstandes, der Hand— werker und Gewerbetreibenden. Erhaltung und För— derung eines leistungsfähigen und leistungsfreudigen Bauernstandes. Erhaltung eines unabhängigen, in seiner Lebenshaltung und Lebensstellung gesicherten Berufsbeamtentums. Tatkräftiges Eintreten für die berechtigten wirtschaftlichen und sozialen Forde— rungen der Arbeiterschaft, für Wahrung der Koalitions⸗ freiheit, gerechten Arbeitslohn, Fürsorge für die Er⸗ werbslosen und Notleidenden, Schutz der Arbeitswilli—
des Siedlungswesens. Die mancherlei Interessenver—
durchorganisiert ist, tragen die Gefahr in sich, einen
lich ist.— Ueberall muß das Wohl der Allgemeinheit den Privatinteressen voranstehen!
Auf kulturellem Gebiet tritt die E. V. ein für die Erhaltung der christlichen Schule und des bekenntnis— mäßigen Religionsunterrichts; für den Ausbau des Elternrechts inbezug auf die Schule, für eine zeitgemäße und zweckentsprechende Reform der Lehrerbildung, für freie Bahn zum Aufstieg der Tüchtigen aus allen Stän⸗ den, für die Freiheit und Unabhängigkeit der Kirchen, für das kirchliche Mitbestimmungsrecht bei Besetzung der theologischen Fakultäten, für die moralische und rechtliche Verpflichtung des Staates zur Unterstützung und Förderung der Kirchengesellschaften. Der Staat muß Eigentum und Rechte der Kirche gewährleisten, Feiertage, Gottesdienste und Sonntagsruhe schützen. Das gegenseitige Verständnis der Konfessionen zu för⸗ dern, liegt im Wesen des Evangeliums. Der Einfluß der evangelischen Kirche auf das Volksbildungswesen, Kunst und Literatur ist zu wahren, ebenso bei der Ju— gendpflege.
Auf staatlichem Gebiet fordert die E. V. die Festi⸗ gung der staatlichen Autorität. Sie achtet die Verfas— sung und lehnt jede gewaltsame Aenderung ab. Sie würdigt das Vergangene in Ehrfurcht und achtet das Bestehende verständnisvoll. Sie wünscht Erziehung zur Staatsgesinnung und Volksgemeinschaft, zur Hei— mat⸗ und Vaterlandsliebe. Sie verwirft den Kasten⸗ geist, die Klassenbevorzugung und den Klassenkampf, fordert gleichberechtigte Teilnahme aller Volksschichten an den öffentlichen Angelegenheiten und will durch Pflege und Betätigung christlicher Bruderliebe und wahrhaft sozialer Gesinnung die innervölkischen Gegen sätze überbrücken und alles Trennende beseitigen helfen.
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gen. Förderung der Wohnungs- und Bodenreform und bände, von denen unser Volk bis in den letzten Winkel
Gruppenegoismus zu erzeugen, der dem Ganzen schäd⸗
Nr. 4.
Den Gedanken der deutschen Reichseinheit obenan stel— lend, wünscht die E. V. zugleich Berücksichtigung berech— tigter einzelstaatlicher und stämmischer Belange. Sie fordert eine durchgreifende Revision des Versailler Vertrages im Geiste der Wahrheit und Gerechtigkeit und einen den Eintritt Deutschlands ermöglichenden trag— fähigen Umbau des Völkerbundes. Ohne die Bedeu— tung zwischenvölkischer Verständigung und Befriedigung außer Acht zu lassen, fordert die E. V. zuerst für Deutsch⸗ land die uneingeschränkte Wiederherstellung seiner staatlichen Freiheit und Souveränität, wirtschaftliche Entwicklungsfreiheit und volle Gleichberechtigung im Kreise der Nationen.
Die Reichstagung der Evangelischen Volksgemein— schaft in Gießen beschloß von der Fertigstellung eines ausführlichen Programmes abzusehen. Sie war der Meinung, daß die kommende Machtverteilung im Reichstag und in den Landtagen sich weniger bestimmt nach Programmsätzen, die von den Wellen des Zeit— stromes überflutet werden, als vielmehr nach der Hal— tung der Parteien zu den Tagesfragen. Diese treten unabhängig von Programmen auf. Deshalb verzichtet die Evangelische Volksgemeinschaft auf ein ausführliches Programm und wird von ihrer Grundeinstellung aus zu den jeweiligen die Lage beherrschenden Einzel— problemen Stellung nehmen.
Die E. V. ist eine Weltanschauungspartei. Sie ist der Meinung, daß das wichtige Gebiet der Politik dem Einflusse des Christentums nicht entzogen werden darf.
Wer mit uns will, daß im politischen Leben christ⸗ licher Geist voll zur Geltung komme und Einfluß ge⸗ winne, daß das Evangelium auch im politischen Leben zu der entscheidenden Macht wird(so Stockholm!), wer mit uns ber Ueberzeugung ist, daß allein durch eine
innese religiöse und sittliche Erneuerung unseres Volkes ein Wiederaufstieg Deutschlands zu Glück und Größe
möglich ist, wer mit uns kämpfen will gegen Materia⸗ lismus, Ultramontanismus und Mammonismus, gegen den Geist krasser Selbstsucht und schnöder Geldsucht, wer mit uns eintreten will für die christlichen Ideale der WMahrheit, Gerechtigkeit und Nächstenliebe, der melde sch 1 als Mitglied der Evangelischen Volksgemein⸗ schaft!
Um Weitergabe dieser Richtlinien wird herzlich ge— beten. Abdruck erwünscht. Beitrittsanmeldungen zur E. V.(Mitgliedsbeitrag: vierteljährlich 75 Pfg.) nimmt entgegen die Reichsgeschäftsstelle in Ober⸗Lais (Oberhessen). Die Beiträge sind einzusenden auf das Konto der E. V.(593) bei der Bezirkssparkasse in Nidda (Postscheckkonto 8907 Frankfurt a. M.)
Hier abschneiden u. als Drucksache einsenden! Deutlich schreiben!
Hierdurch erkläre ich meinen Beitritt zur Evan— gelischen Volksgemeinschaft und meine Bereitwilligkeit zur Entrichtung eines Mitgliedsbeitrages von
. Auch bestelle ich die„Evangelische Warte“, das Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft(Be— zugspreis monatlich 50 Pfg.).
Wohnort und Datum. Name und Stand.
ausschusse empfohlenen„Stamm einheitlicher Melodien für Kir⸗ chenlieder“, Professor E. Schmidt war selbst Mitglied jener Kom⸗ mission, die im Auftrage des Kirchenausschusses die Vorarbei⸗ ten zur Vereinheitlichung des deutschen Kirchengesanges besorgte. Das Buch ist sehr gut ausgestattet und eignet sich auch zu Ge⸗ schenkzwecken für Weihnachten, Konfirmation und Trauung. Wer Choräle auf dem Klavier oder Harmonium spielen will, findet hier das längst ersehnte Choralbuch für das christliche Haus.
6. November 1925.
und Musikalienhandlung zum Preise von 1 12.— bezogen werden. Rechtsgefühl und Rechtsbewußtsein von Dr. Max Rüme⸗ lin. Rede gehalten bei der akademischen Preisverteilung am Verlag J. C. B. Mohr(Paul Siebeck) Tübingen. In dieser Kanzlerrede wird der Sinn bestimmt, der dem Ausdruck Rechtsgefühl und Rechtsbewußtsein beigelegt wird. Dem Rechtsgefühl voranzugehen hat jedoch das Rechts⸗ bewußtsein, das stets Gemeinschaftsbewußtsein ist.
Das Choralbuch kann direkt vom Verlage und durch jede Buch— 1————— Arbeitsfeldern Schwestern Davon in der Gemeinde auf 3799 5378 in der Kinderpflege und Erziehung 1992 302⁵ in der Jugendpflege, Jugenderziehung und Jugendbildung 528 852 Heime, Herbergen, Hospize 203 466 Siechenhäuser 115 984 Krankenhäuser 750 5890 Kreisfürsorge leinschl. Lungenfürsorge und Wohlfahrtspflege) 98 116 Pflege Annormaler 102 837 Kampf gegen sittliche Volksschäden 90 117 Apotheken, Laboratorien, Dispensier⸗ anstalten 52 80 Paramentik, Hostienbäckerei 7 11 Heidenmission 12 30 Sonstige Arbeitsfelder 235 1625 Feierabendhaus 21 1094 Krank und beurlaubt 923 8304 21728
Allein die Gemeindeschwestern haben auf ihren 3799 Ar— beitsfeldern über zwei Millionen Kranke pflegend versorgt. Da⸗ bei ist neben der Krankenpflege die gesamte Wohlfahrt geübt worden: Armenflege, Versorgung des Haushalts bei Erkran- kung der Mutter, soziale Betätigung, Ueberführung der Leiden⸗ den in karitative Anstalten, Pflege der weiblichen Jugend,
Versorgung der Kinder und Alten.
—.— 8—— 1
Leider reichen die zur Verfügung stehenden Schwestern bei weitem nicht aus, um alle Rufe nach Hilfe erfüllen zu können. Deshalb wenden sich die Mutterhäuser jetzt mit der Bitte an die betreffenden Stellen, mehr als bisher für die Wichtigkeit der Diakonie einzutreten.
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Worauf es ankommt. Wirft mancher sich zum Pädagogen auf, Der nie weder sich noch andere erzogen; Stets fand ich: die größesten Aussprüche tat, Wer die geringste Erfahrung hat; Großartig schreitet der Grundsatz einher, Aber die Praxis hinkt um so mehr. Spricht niemand schöner von Autorität— Aber jetzt dich dein Kind um den Finger dreht; Warnt niemand mehr vor dem großen Haufen— Aber gestern bist du selbst mitgelaufen; Als schlimmster Feind brandmarkst du Inkonsequenz— Und zeigst sie täglich! O Freund bekenn's: Leicht ist es, mit Worten Probleme zu lösen, Beim Handeln zeigen sich unsere Blößen. Komm, pack die großartigen Grundsätze ein Und laß uns bescheidene Täter sein! Prälat Planck (Aus dem Buch der Erfahrung.) *


