0
Evangelische
en Volksgemeinschaft
zetti(Linz a. d. Donau).
drgan der Evangelisch
Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Pfarrer Hamburger in Staden(Oberh.)
2. Jahrgang.
Abonnements- u. Anzeigen-Annahmestelle,
Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362. Postscheckkonto 8437 Frankfurt⸗M.
Sonnabend, den 23. Januar 19206.
Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg.,
am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg.,
Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Vergünstigung.
Wiederholungen
Nummer 4.
Die Bruchstelle.
Im Museum einer technischen Hochschule liegt ein Knäuel verbogener Eisenbahnschienen, die vom Einsturz einer Brücke herrühren. Ein rotes Kreuz bezeichnet die Stelle, welche den Einsturz verursacht hat, weil hier sich die Techniker verrechnet haben. Auch die Techniker des sozialistischen Programms haben sich an verschiede— nen Stellen sehr verrechnet.
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit verkünden sie uns im gleichen Atemzug, predigen sie den Materialis— mus. Aber eins schließt das andere aus, man kann nicht von Gleichheit und Brüderlichkeit reden und dabei Materialist sein. Hier ist eine Bruchstelle des sozialisti— schen Programms, hier gehört ein Kreuz hin. Der Ma— terialismus steht auf dem Standpunkt, daß die christliche Lehre von der Menschenseele falsch ist, daß Menschen nichts weiter sind, als Maschinen aus Fleisch und Blut. Mensch-Maschine, so verkündet die französische Auf— klärung. Es ist aber lächerlich, bei Maschinen von Gleichheit und Brüderlichkeit zu reden. Wenn wir Menschen bloß Maschinen sind, dann sind wir sehr un⸗ gleich, gibt es große Unterschiede. Die besser konstruierte Maschine ist wertvoller als die schlechter konstruierte. Der Gelehrte ist wertvoller, als der weniger Gebildete, sein Gehirn ist ja besser konstruiert. Zwischen einer Näh— maschine und einem Schubkarren ist doch ein Unterschied! Wer von Gleichheit redet, muß den Materialismus auf— geben. Gleichheit und Brüderlichkeit gibt es nur vom Standpunkt des christlichen Seelenglaubens. Weil Men— schen Seelen sind, Wanderer zwischen zwei Welten, sind sie im letzten Grunde gleich, und nur Seele darf zur Seele sagen: Brüder, nicht Maschine zu Maschine. Tatsächlich beruht das Reden von Gleichheit und Brü⸗ derlichkeit, wie das ganze soziale Problem, auf dem christlichen Glauben. Ohne diesen fehlt ihm das Funda— ment, sodaß der ganze Bau zusammenstürzen muß. Es mutet daher recht komisch an, wenn der Sozialismus mit solcher Dreistigkeit den Materialismus verteidigt, wie es z. B. in der Beilage„Volk und Zeit“ zur„Ober⸗ hessischen Volkszeitung“ in Nr. 50 geschieht:„Seele ist ein Produkt des Gehirns, so gut wie die Muskeltätig— keit ein Produkt der Muskelentwicklung ist.“ F. H.
„Sthönere zukunft“?
„Schönere Zukunft“ betitelt sich eine„kulturelle Wochenschrift mit ständiger Weltrundschau'“, deren erste Nummer am 1. Oktober 1925 in Wien unter dem Herausgeber Dr. Joseph Eberle erschienen ist. Unter den in dieser Nummer abgedruckten Empfehlungen der Zeitschrift seitens bekannter Persönlichkeiten finden sich neben Fürstbischöfen, Bischöfen und Universitäts— professoren auch die Namen des Oberbürgermeisters von Regensburg, des Schriftstellers Hermann Bahr(Mün⸗ chen) und der bekannten Schriftstellerin Handel-Maz⸗ In einem wohl programm⸗ mäßig gedachten Abschnitt der ersten Nummer,„Kultur⸗
9 politische Exkurse“, gibt Dr. Richard v. Kralik u. a. auch
Antwort auf die Frage: Was ist katholisch? und
9 kommt hierbei zu folgenden Ergebnissen:
3. Sonntag nach Eniphanien.
Johannes 3,36. Wer an den Sohn glaubet, der hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubet, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm. Im Blatt der sozialistischen Jugend schreibt in einem Auf— satz„Religion und Konfession“ Lilli Nölting, daß sich die in
der Sozialdemokratie üblige atheistische Formel„wir brauchen
keinen Gott mehr“, und die Erklärung der Religion zur Privat— sache sich überlebt haben. Sie stellt fest, daß eine Ernüchterung gekommen ist, die kommen mußte.„Sein religiöses Bewußtsein und seine religiöse Sehnsucht“ wollen berücksichtigt werden. Das sind Umstellungen, welche wert sind, hervorgehoben zu werden. Sie zeigen uns deutlich, es geht auf die Dauer nicht ohne Glau— ben. Selbst wo der Glaube systematisch bekämpft worden ist, da wird es einmal Tag. Menschen ohne Glauben lönnen auf die Dauer gar nicht leben. Oder doch sie können leben. Die
Tiere leben ja auch ohne Glauben und ohne Religion. Der Mensch ohne Glaube sinkt demnach unaufhaltsam auf die Stufe des Tieres herab.
Aber immer wird ein solcher Mensch sich unbefriedigt füh—
len. Denn die Seele regt sich und will gepflegt sein. Es ist so
ähnlich wie bei einer Wanderung durch die dürre Wüste. Hat man noch so sehr zu essen, so plagt der Durst und verlangt Stillung. Deshalb redet man vom Durst der Seele. Was ist nicht alles
5„Wenn s es nur einen Gott gibt undeine Wahr— heit, so kann es außer einem katholischen Gott keinen protestantischen, keinen islamitischen, leinen brahmaui
schen, buddhistischen, jüdischen Gott geben... Bereits Angelus Silesius hat ganz richtig erkannt, daß die Sek ten gar nicht zum wahren Gott beten, sondern zu einem willkürlich geschaffenen Götzen. Ich habe mit dieser unwiderleglichen Auffassung ernst gemacht in meiner „Weltliteratur im Lichte der Weltkirche“. In diesem Lichte ist alles Nichtkatholische nur ein Abglanz oder ein Schatten des Katholischen. Diese Auffassung ist nicht grausam ausschließend, im Gegenteil, sie erkennt die Ahnung des Wahren in allem, in der ganzen Welt, die ja ganz und gar dem einen wahren Gott gehört, der sie geschaffen hat, mag sie sich auch in noch so vielerlei Kulten dem einzig Wahren verschließen. Man hat ein⸗ mal in kleinlichem Mißverständnis der großen, einen, allgemeinen Wahrheit den Katholiken vorgeworfen, sie verschlössen sich in einem Turm, in einem Ghetto. O nein, im Gegenteil! Sie nehmen die ganze Welt, alle Zeiten, alle Wissenschaft, alle Kunst, alle nationalen Entwicklungen für sich in Anspruch. Sie allein haben eine Welt anschauung, alle anderen haben nur eine Winke hanschauung. Gute Leute, schlechte Logiker! und daher auch schlechte Musikanten, wie Shakespeare sagt; das heißt, sie haben nur eine Winkelkultur, sie zählen nicht als führende Kulturträger, mögen ihnen auch manche andere beschränkten Geister in ihrer Ver— kehrtheit eine Zeitlang nachlaufen.“
Nimmt man zu diesem noch manche ähnlich klingende Aussprüche in anderen Aufsätzen hinzu, so kann einem protestantischen Leser nicht verdacht werden, wenn sich für ihn ein großes Fragezeichen hinter dem Titel der Zeitschrift einstellt: Schönere Zukunft??
Die sleuerliche Belastung des deulschen Volles.
Die Hamburger Zeitschrift„Der Kaufmann in Wirtschaft und Recht: veröffentlicht aus der Feder des Berliner Volkswirtschaftlers Dr. Jahn einer übersicht— liche Darstellung über die Belastung der breiten Volks— schichten durch Einkommensteuern, Zölle und indirekte Steuern in Deutschland und den Siegerstaaten. Mit Erlaubnis der Schriftleitung entnehmen wir diesem Aufsatz folgende bemerkenswerte Angaben:
In England sind von vornherein steuerfrei; für den unverheirateten Steuerzahler 135 Pfd. Sterl. jähr⸗ lich; für den verheirateten Steuerzahler 225 Pfd. Sterl. jährlich; für das 1. Kind ein Zuschlag von 36 Pfd. Sterl. jährlich und für die folgenden 27 Pfd. Sterl. jährlich. Das bedeutet, daß ein unverheirateter Arbeiter nur sein Einkommen über 3060„ zu versteuern braucht, daß aber ein verheirateter Arbeiter mit zwei Kindern erst über 5760 f verdienen muß, ehe er steuerpflichtig wird.
In Frankreich ist ein Betrag von 6000 Franken steuerfrei, für Verheiratete erhöht sich die Grenze auf
9000 Franken und für jedes Kind auf je 3000 Franken.
Ein verheirateter Arbeiter mit zwei Kindern versteuert also nur sein Einkommen über 15000 Franken oder
schon versucht worden, diesen Seelendurst zu stillen. Alles, alles war kein Ersatz für die einzige Seelenspeise, die es überhaupt gibt, den Glauben an den Sohn. Zufriedene Menschen werden wir nur bei denen finden, die diesen Glauben besitzen.
Die Stunden des Leidens sind für unseren Glauben die rech— ten Prüfungsstunden. Wer keinen Glauben hat, der hat im Leide keinen Trost. An wen soll er sich wenden, der ihm helfen kann? Auf wen soll er sich verlassen, daß er mächtig genug ist, das Leid wieder fortzunehmen? Und wenn es in den Tod geht, dann spricht die Verwesung das letzte Wort. Wie trostlos ist der Mensch, der keinen Glauben hat!
Dazu hat niemand für seinen Unglauben eine Entschuldi— gung. Denn jeder hat Gelegenheit, Jesus kennen zu lernen. Wer ihn aber dennoch ablehnt, der begeht die größte Sünde. Er gehört zu denen, die den Herrn heute noch ans Kreuz schlagen. Von denen sagt Johannes:„Der Zorn Gottes bleibt aber über ihm.“ Er hat nichts zu hoffen. Er wird zwar nicht ewig tot sein, sondern in ewige Verdammnis wird er hinabgestoßen.
Wieviele haben schon durch allerlei Erlebnisse, die sie mach ten, ihren Unglauben bereut. Ich denke immer noch an jenen Mann, der in seinem Heimatdorfe bekannt war durch sein Wort, das er beim Schnaps im Wirtshaus sprach:„Ich brauche keine Kirche und keinen Herrgott.“ Ich denke aber auch noch an jenen Brief, den er an seine Frau aus dem Felde nach Hause schrieb, als eine Granate in einen Stall flog, in dem er sich gerade befand. Sie platzte, schlug alles kurz und klein, nur ihm war nichts geschehen. Das war für ihn die Stunde der Be⸗ kehrung, da er zum Glauben kam. Da schrieb er seiner Frau:
3375, sodaß die große Mehrzahl der Arbeiter steuer frei ist.
In den Vereinigten Staaten beträgt der steuerfreie Abzug für den Verheirateten 2500 Dollar und für jedes Kind 400 Dollar. Der verheiratete Ar beiter mit zwei Kindern ist also bis zu 3300 Dollar, gleich 13 860, steuerfrei. Selbst unter Berücksichtigung der höheren Löhne in den Vereinigten Staaten ist dort auch nur der größte Teil der gewerblichen Arbeiter steuerfrei.
In Deutschlhand beträgt das steuerfreie Ein kommen nur 720 ,. Wenn auch dann der Steuersatz von 10 v. H. je nach Familienstand für Verheiratete auf 9 v. H. und für jedes Kind um ein weiteres Prozent nach unten gestaffelt wird, so kommt trotz dieser Maß nahmen eine starke Belastung der kleinen und mittleren Lohneinkommen heraus, die in den angezogenen Län dern steuerfrei sind.
Legen wir, um wegen der verschiedenen Lohnhöhen in den einzelnen Ländern einen Vergleich zu ermöglichen: für einen englischen Arbeiter ein Jahreseinkommen von: 240 Pfd. 4800 4(Stundenlohn von 2 Schilling
2 0, für einen französischen Arbeiter ein Jahresein— kommen von: 14 400 Franken 3240(Stundenlohn von 5 Franken 1,13%, für einen amerikanischen Ar beiter ein Jahreseinkommen von: 2400 Dollar
10 080 0(Stundenlohn 1 Dollar 4,20%) und für einen deutschen Arbeiter ein Jahreseinkommen ven: 2400„(Stundenlohn 1%) zugrunde, dann ergibt sich bei einem verheirateten Arbeiter mit zwei Kindern fol gendes Bild der Einkommensteuerbelastung:
in Frankreich: nichts,
in England: nichts,
in den Vereinigten Staaten: nichts,
in Deutschland: 117,60 4,9 v. H. des Einkommens.
Selbst unter Berücksichtigung der Verbrauchssteuern und Zölle, deren Auswirkung auf die Lebenshaltung des Arbeiters in den einzelnen Ländern verschieden ist, kommt die angezogene Untersuchung auf eine Gesamt besteuerung der Arbeiterbevölkerung mit Einkommen steuern, indirekten Steuern und Zöllen je nach Fa
milienstand: in Amerika von 0,4 v. H. bis 2 v. H. in England von 3 v. H. bis 10 v. H. in Frankreich von 8 v. H. bis 12 v. H.
in Deutschland von 10 v. H. bis 20 v. H.
Das ist ein für den deutschen Arbeiter sehr ungün stiges Bild. Es ist wohl keine Frage, daß jene Länder andere Steuerquellen haben, aus denen der Bedarf des Staates gedeckt werden kann. Eine Statistik dieser Steuerarten wäre ebenso interessant als die hier mit geteilte.
Kirthensteuern.
In Verfolg der Ergebnisse der Finanzreferenten besprechung vom 20. November v. Is., über die kürz lich berichtet wurde, hat der Präsident des D. Evang. Kirchenausschusses den Reichsfinanzminister namens der deutschen evangelischen Landeskirchen erneut und
„Es gibt doch ein Gott!“ Wie leid haben ihm nun die ver geudeten Jahre getan, da er keinen Glauben haben wollte.
Aber nicht jedem sind solche Stunden der Gnade gegeben. Deshalb ist es besser rechtzeitig zum Heiland zu kommen. Denn dann fühlt er die treue Vaterhand über sich, die ihm helfen kann und will. Wenn er in verzweifelter Lage ist, so hat er etwas, was die Verzweiflung überwindet. Wer glaubt, der kennt noch andere Kräfte, als die von Menschen berechnet werden. In allen Begebenheiten seines Lebens vertraut er diesen Kräften sein Schicksal an. Darum kann ein solcher Mensch schwere und harte Sachen vollbringen. Er fürchtet sich nicht. Er kennt kein Grauen. Das ewige Leben ist ihm ja gewiß.
In unserem deutschen Volke herrscht eine böse Seuche, die Leidensscheu. Es gibt gegen sie nur eine Medizin, der Glaube. O daß unser Volk wieder bergeversetzenden Glaube hätte, dann würde nicht mehr jeder darnach trachten, auf die für ihn schonenste Weise zu einem schönen Leben zu gelangen! Amen.
Hr.
Wilhelm Buth, Blicke in die Hessen-Darmstädtischen Lande.
Aus den hessischen Vollksbüchern. 3. Abschnitt.
Der Wolterauer.
Jetzt komme ich zu dem bedächtlichen Wetterauer, Indessen ist der Name Wetterau eine der unbestimmtesten Benennungen


