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Sonnabend, den 18. Dezember 1926.

HymnusDies est laetitige zurückführen. Welches Ansehen die Hymnen genossen, und welche göttliche Kraft man ihrem Inhalt und Gebrauch beilegte, beweist eine auf uns überkommene, in

München aufbewahrte Handschrift der Lieder eines Benediktiner⸗ Mönches aus Salzburg, welcher von einem Hymnus rühmt:wer

den mit andacht pei der nacht spricht, den mag der tievel nit an⸗ geweigen(anfechten), noch kein swaerer traum zugewassen.

Als erstes Weihnachtslied mit Originaltext es liegt also keine Uebersetzung, Um- oder Nachdichtung vor bezeichnet Weinhold in seinenWeihnachtsspielen und ⸗liedern das Lied Spervogels:Er ist gewaltic und stark, dessen Entstehung mit⸗ hin ins 12. Jahrhundert verlegt werden muß. Interessant ist die Weihnachtsweise einer Handschrift des Frauenklosters zu Pfullin⸗ gen, deren Anfang lautet: Den liebsten herren, den ich han, der ist mir lieb gebunden. Offenbar handelt es sich hier um eine Umdichtung des bekannten Zechliedes:Den liebsten buolen, den ich han. Von einzigartiger Symbolik, dem 15. Jahrhundert angehörend, ist das wundervolle, auch heute noch zu den schönsten Weisen zählende:Es ist ein Ros' entsprungen, aus einer Wurzel zart. In seiner jetzigen Form hat es der 1621 in Wolfenbüttel gestorbene Musikgelehrte Michel Prätorius aufgeschrieben, den man früher lange Zeit irrtümlicherweise für den Dichter gehalten hatte. Die nun folgende Zeit der Reformation brachte, wie man wohl annehmen könnte, keine charakteristische Aenderung der Weihnachtsliederdichtung, da sich Luther meistens auf die Be⸗ arbeitung älterer Lieder beschränkte, von denen er manche sogar unverändert übernahm. Unter diesen befindet sich das noch jetzt gebräuchliche:Gelobet seist du Jesu Christ. Aber um eine wert⸗ volle Gabe hat er doch den Schatz unserer Weihnachtsdichtung be⸗ vreichert: Mit seinem berühmtenVom Himmel hoch da komm ich her, hat er uns durch die Paarung des naiv frommen Textes mit der wuchtigen Melodie einen weihevollen Festchoral von tiefinnerlicher Wirkung hinterlassen. Nächst Luther wäre des bekannten Kirchenlieddichters Kaul Gerhardt zu gedenken, der uns den schönen AdventsgesangWie soll ich dich empfangen, be⸗ scherte. Die nun folgende Zeit der Verherrlichung französischer

Evangelische Warte

Sprache und Kultur brachte naturgemäß auch eine Vernach⸗ lässigung der deutschen Weihnachtslieddichtung mit sich. Erst im 18. und 19. Jahrhundert plätscherte das Bächlein weihnachtlicher Weisen wieder munter. Das uns von Anschütz geschaffene natur⸗ froheO Tannenbaum, o Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter, hören wir auch jetzt noch gern aus frohem Kinder⸗ munde. Es wird selbst grün und unverwelklich bleiben, wie der strahlende Lichterbaum, den es besingt. Demselben Komponisten verdanken wir auch die Melodie zu Wilhelm Heys schlichtem Liedchen:Alle Jahre wieder, kommt das Christuskind. Den

rechten Herzenston, aus dem kindlich gläubiger Jubel strahlt,

trafen die Schöpfer der WeiseIhr Kinderlein kommet. Das ist auch leicht erklärlich; denn der bekannte Dichter und Jugend⸗ schriftsteller Christoph von Schmid war ein auserlesener Kenner der Kindesseele. Auch Abraham Schulz traf mit der dazu er⸗ sonnenen Melodie den rechten kindlichen Ton. Als schönste Perle im Kranz unserer Weihnachtsdichtung wird das schlichteStille Nacht, heilige Nacht immer seinen Platz behaupten. Im Jahre 1818 vom Vikar Joseph Mohr zu Oberndorf im Salzburgischen

Franz Gruber, vertont, erklang es von beiden Freunden gesun⸗

gen, damals in der Christmesse und hinterließ bei der Gemeinde einen tiefen Eindruck. Nachdem lange Zeit hindurch weder Dich⸗ ter noch Komponist des Liedes bekannt waren, und es unter der SezeichnungVolkslied Aufnahme in vielen Liederbü hern ge⸗ funden hatte, wurden endlich durch die Nachforschungen der

lang Taschengeld).

Königlichen Hofkapelle zu Berlin die Schöpfer mit Bestimmtheit

festgestellt. Auch fremde Nationen haben Melodien zu deutschen Weihnachtstexten gegeben. So ist die Melodie zu Joh. Daniel Falks Lied:O du fröhliche, o du selige... einem siziliani⸗ schen Fischerlied entlehnt und die Weise:Die Englein und die Hirten hat ihren Ursprung in Böhnen.

Fürwahr, es ist ein reicher Liederkranz, der uns den schlich⸗

ten Bericht der Bibel über das Wunder der Menschwerdung

Christi poetisch und deutsch gestaltet. Eine wunderbare Kraft und reine Gläubigkeit, die auch den sonst Gleichgültigen packt,

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