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Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft
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Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Edwin 1 in 0(Oberh.)
2. Jahrgang.
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Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M.
Sonnabend, den 16. dllober 1020.
Fümmungsbild von der Reichstagung der Evangelischen Volksgemeinschaft.
Zweite Reichstagung der Evangelischen Volksgemeinschaft! Welch eine Fülle von Eindrücken stürmt über den Teilnehmer daher, wenn er rückblickend die Tagung überschaut! Tief im Herzen hat er verspürt, welch treu evangelischer Geist über allem geschwebt hat, der Geist evangelischer Volksgemeinschaft.
Am Knotenpunkt zwischen Nord und Süd hat man sich ge— troffen, in der früheren Reichsstadt Frankfurt, die an Glanz, Schönheit und Charakteristik noch nichts eingebüßt hat. Hier trat man zusammen, um in knapp drei Tagen eine Unsumme von Ar— beit zu bewältigen. Evangelischer Arbeitsgeist, Geist der für die Tat eintritt, hat es geschafft, getragen von der Begeisterung für die Sache. Die Freunde waren aus Nah und Fern herbei— geeilt, die markantesten Führer der Bewegung hatten sich zu Vor— trägen zur Verfügung gestellt. Ein Blick in den Tagungssaal genügte, um die Bezeichnungen„Volksgemeinschaft“ und„Reichs- tagung“ zu rechtfertigen. Da waren der Beamte, der Angestellte, der Arbeiter, der Bauer, der Handwerker vertreten. Hier saß der stille Norddeutsche, dort der bewegliche Rheinländer; die Brü— der des besetzten und unbesetzten Gebietes reichten sich die Hände. Das war evangelische Volksgemeinschaft!
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Der Schriftleiter, Pfarrer Hamburger-Staden, spricht am Sonnabend: Die Bedeutung der Presse im öffentlichen Leben. Logisch aufbauend schält er den markanten Schlußsatz heraus: „Evangelische, schafft und lest evangelische Zeitungen!“
Der Sonntag wird mit dem Liede„Ach bleib' mit deiner Gnade“ eingeleitet. Wer fühlte den Wunsch des Liedes nicht in seinem Herzen? Unter Glockengeläute lauschen wir dem Worte Gottes. Nach kurzer Pause und einigen Begrüßungen ergreift Dr. Moegenburg⸗Frankfurt das Wort: Die Ziele der Evangelischen Volksgemeinschaft. Ruhig beginnt er, wird be⸗ lebter, bringt Argument auf Argument, begeistert und reißt mit. Man merkt bei seiner Rede, dort steht der Jurist, der Steinchen auf Steinchen zum Bau herbeiträgt.
Nach ihm spricht Reichsgeschäftsführer Weidner. Wie immer lebendig, geschäftig, unermüdlich. Seine Rede hart und stark, beweiskräftig.„Zwei Jahre evangelische Volksgemeinschaft“ ist sein Thema. Wer weiß es besser denn er, was zwei Jahre in die⸗ ser Arbeit bedeuten?
Der Mittag bringt die sachliche und hochbedeutsame Rede des Vorsitzenden der Evangelischen Gewerkschaft, Herrn K. Linke aus Barmen. Dann steht wieder der Reichsgeschäftsführer am Red⸗ nerpult.„Die Volksgemeinschaft und die Arbeiterschaft!“ Die Aussprache beginnt. Blitze zucken durch den Saal, Geister ringen. Dann ist der Haupttag vorbei, reich an neuen Eindrücken.
Am letzten Tag spricht Pfarrer Haupt⸗Gießen über den „Breslauer Katholikentag“. Wahrlich, der berufene Mann. Man kennt ihn als den rührigen Generalsekretär des Evang. Bundes. Temperamentvoll schöpft er aus dem reichen Schatz seiner Erfahrung.
Nach ihm Studienrat Proescher-Mainz. fahren des kommenden Reichsschulgesetzes.
Er erläutert die Ge⸗ Leicht über den Tisch
gebeugt bringt er seine markante Rede und findet die rückhalt⸗ lose Zustimmung der Versammlung.
Wachet auf! Epheser 5,14. Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.
Als ich neulich am Sonntag in der Morgenstunde mit der elektrischen Straßenbahn zu unserer Reichstagung in Frankfurt a. M. fuhr, stieß mich ein Freund an und machte mich auf die Heilsarmee aufmerksam, welche in einer Seitenstraße mit ihrer Musik stand und die zusammenströmende Menge zum Heiland rief. Ein Gedanke ist es, der diese Leute, die ich am Mittag noch⸗ mals in einem anderen Stadtteil traf, beseelt: Sie wollen die Schlafenden aufwecken. Wache auf, der du schläfst!
Als ich diese Leute sah, da ging es mir durch den Kopf, daß ich etwas ähnliches vorhatte. Auch wir wollen mit unserem Streben und Arbeiten schlafende Menschen aufwecken. Allerdings diese Heilsarmeeleute wollen solche wecken, die in ihrer Sünde und ihrer Gottlosigkeit eingeschlafen sind. Wir erwarten, daß die Leser dieser Zeilen in diesem Schlafe sich nicht befinden. Auch die, an denen die Leser arbeiten sollen, werden nicht solche sein, die Feinde des Christentums und des Evangeliums sind. Aber wieviele schlafen in ihrem Christentum. Das wurde mir klar bei unserer Reichstagung in Frankfurt a. M. Wach auf!
Ich denke heute zurück an meine Kinderzeit. Als wir bei meinem Vater, der Lehrer war, den ersten Choral lernten, war es das schöne Morgenlied:„Wach auf, mein Herz, und singe, dem Schöpfer aller Dinge, dem Geber aller Güter, dem treuen Menschenhüter“. Wie sind wir damals aufgewacht und haben unsere Kehlen angestrengt und haben gesungen. Was war das ein schönes Aufwachen der leuchtenden Kinderaugen. Wie gerne haben wir das Lied gesungen. Die Zeiten sind vorüber. Die Kindheit ist vergangen. Wir stehen in der Arbeit an unserem
Einmütig wird zuletzt der geschäftliche Teil erledigt. Der ruhige 2. Vorsitzende, Herr Bürgermeister Völker-Lich, schließt die Tagung mit dem Lutherliede.
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Die Tagung ist vorbei. Mit neuen Gedanken und Anregun— gen streben die Teilnehmer ihrer Heimat zu, den Geist der Tagung mit sich nehmend, den Geist der evang. Volksgemein— schaft. Der Mahnruf klingt in uns nach: Evangelische, wacht auf, wacht auf! Schließt euch enger zusammen, schließt euch politisch zusammen! Die Gefahren sind groß, die euch drohen. Anter— stützt die, welche sich in dem Kampfe für evangelisches Volkstum einsetzen! Unterstützt durch euren Eintritt die„Evangelische Volksgemeinschaft!“ W. Greb.
Goltesherrjchaft im öffentlichen Leben.
Von D. Jäger. (Schluß.)
8. Freiheit für Volk und Vaterland.
Die Durchführung der Gottesherrschaft, die Gel— tendmachung von Wahrheit in Kirche und Schule, von Gerechtigkeit in Volk und Staat, von Liebe in Gesell— schaft und Wirtschaft, von Freiheit und Verantwortung des Einzelnen, von Frieden zwischen Klassen und Völ— kern ist nur möglich in einem Volk und Land, das selbst unabhängig und selbständig ist. Sonst wird diese Durch— führung stets von innen oder außen durch widerstrebende Gewalten gehindert oder wenigstens gehemmt.
Bei uns handelt es sich im Inneren um die Unab⸗ hängigkeit von drei internationalen Mächten, von Rom, von Juda, von Moskau.
Unsere ganze Geschichte ist ein fast ununterbrochener Kampf mit Rom gewesen. Das Hermannsdenkmal im Teutoburger Walde erhält das Gedenken wach an den Kampf unserer Urahnen um ihre Unabhängigkeit. Als in jahrhundertelangem Streit die von dem römischen Weltreiche drohende äußere Gefahr gebannt war, da drang seit Bonifatius die innere römische Gefahr ein. Das ganze Mittelalter ist durchtobt von dem Kampf zwischen Kaisertum und Papsttum auf politischem und kirchenpolitischem Gebiete. Durch Luther wurde die Schlacht auf das religiöse Gebiet verlegt und die Selb⸗ ständigkeit des christlichen deutschen Gewissens erkämpft, abhängig allein unmittelbar von Gott. Aber sofort nach seinem Tode setzten wieder die Anstrengungen ein, die im 30jährigen Kriege gipfelten und unser Volk an den Rand des Verderbens brachten. Bis zu seinem Untergange hieß das Reich das heilige römische Reich deutscher Nation, in seinem Kaiser und in seinen geist⸗ lichen Fürsten abhängig vom Pasttum. Das preußis che Königtum und das protestantische Kaisertum war in dieser langen Geschichte nur eine kurze Zeitspanne, und
wieder steigt der Schatten des katholischen Siber:
Volke Das Volk aber schläft Wir möchten 55 1110 Evan⸗ gelischen in die Ohren schreien: Wache auf!
Es ist ein unheimliches Schlafen in unserem Volke. Es ist der Schlaf der Gleichgiltigkeit! Es kommt einem manchmal vor als ob die Herde samt ihren Hirten schlafen würde. Was war der Heiland für ein wacher Hirte. Wo sind die Hirten in un— serem evangelischen Volke? Die Wölfe gehen um Atheismus, Materialismus, Ultramontanismus. Wo sind die Hirten, die ihr Leben lassen für ihre Schafe? Sie haben allerlei Ausreden. Der eine will erst noch warten, der andere will auf den Ton noch hor⸗ chen, der dritte will noch zusehen. O über euch Mietlinge! Ist denn immer noch auf etwas zu warten, wenn die Gegenreformation in vollem Gange ist? Ist denn immer noch zu horchen, wenn das Heulen von 1300 Wölfen Loyolas uns in den Ohren gellt? Ist denn immer noch zuzusehen, wenn du 900 neue Klöster vor dir siehst. Wo sind die Hirten unseres evangelischen Volkes, die da keine Mietlinge sind, die da wachen und ihr Leben lassen für ihre Schafe? Wache auf, der du schläfst!
Wenn die Hirten schlafen, warum sollen die Schafe nicht auch schlafen? Der Wolf aber schleicht herbei, sucht die Schafe Nicht die Hirten, sondern die Schafe haben den Nachteil. Nicht die Hirten unseres evangelischen Volkes, sondern unser evange— lisches Volk hat die Folgen von diesem unheimlichen Schlafe zu tragen. Es werden eben auf den Kanzeln unserer Kirchen wie— der mehr denn früher Erweckungspredigten gehalten. Man hat es dabei abgesehen auf solche, die zum Glauben erst gerufen wer⸗ den müssen. Eine Umfrage in England hat ergeben, daß mehr Leute zur Kirche kommen als Gläubige es sind. Damit haben diese Erweckungspredigten eine Berechtigung. Aber wollen wir die, die zur Herde gewonnen sind, nicht bewahren vor denen, die
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oog 6 Ruümmer 42. CCC G VCC empor und droht die Fesselung Deutschlands durch ein neues Konkordat. Ein evangelischer Deutscher kann nicht anders, er muß die Selbständigkeit seines Volkes und Vaterlandes von Rom verfechten. Ein katholischer Deutscher ist hier oft in schwieriger Lage: als Deutscher stimmt er seinem evangelischen Volksgenossen bei, als Katholik fühlt er sich gebunden. Gottesherrschaft wol— len sie beide vielleicht ehrlich, aber Gottesherrschaft un— mittelbar durch die Kirche der Katholische. Hier gilt es wählen. Wir müssen durch einen neuen und schweren Geisteskampf hindurch.
Aber neben dem römischen stärker der jüdische empor. Wohl gibt es seit des großen Karls Zeiten Juden in Deutschland, wohl haben sie wieder und immer wieder großen und größten Einfluß auf den Geldmarkt gewonnen, aber zum bestimmenden Einfluß nicht nur in der Geld-, sondern auch in der Geisteswelt haben sie sich erst im 19. und besonders im 20. Jahrhundert emporgeschwungen. Nicht nur den Zinsfuß, sondern auch das Jeitungswesen⸗ nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Wissenschaft und Kunst be⸗ herrscht in steigendem Maße Juda. Wenn christliche Völker sich entchristlichen, verfallen sie 1 dene Das scheint ein unerbittliches Gesetz der Geschichte z sein. Wie es gegen Rom keit Schahchehr gibt als 5 Evangelium, so Judas gegenüber keinen Retter als den Christus.
Einfluß steigt immer
Jüdischer Scharfsinn und deutsche Gründlichkeit, russische Leidensfähigkeit und asiatische Grausamkeit
haben im Verein den Bolschewismus geschaffen. Er gipfelt im Proletkult, und er setzt sich durch in Christen⸗ verfolgungen. Nie hat das Antichristentum auf christ⸗ lichem Boden so unverhüllt sein Gesicht gezeigt wie in Moskau, denn der Mammonsgötze war fast immer ver⸗ schleiert wie das Bild von Sais. Der Kampf gegen dieses Widerchristentum kann durchgeführt werden nur im Zeichen des Kreuzes. Evangelisch, christlich, zum Martyrium bereit allein kann die Gottesherrschaft bei uns siegen, unserem Volk Selbständigkeit, unserem Va⸗ terland Unabhängigkeit schenken.
Gegenüber dieser Herrschaft fremder Mächte, die immer mehr Macht gewinnen, je mehr wir selbst uns unseren Nationalsünden versklaven, erscheint die äußere Unterdrückung durch Nachbarvölker, wie wir sie immer wieder durch Frankreich, hin und wieder durch Schwe⸗ den, durch Polen, durch Russen und Türken erlitten haben, fast als die geringere Gefahr. Ein innerl. frei ge⸗ wordenes Volk schüttelt die äußeren Bande ab wie Sim⸗ son die Stricke der Philister. Ihm wurden nicht die feindlichen Gewalten gefährlich, wohl aber die Buhl⸗ künste des Feindes. Die deutsche Freiheit gegenüber Menschen ist nur gesichert durch die christliche Gebunden⸗ heit an Gott. Je souveräner in uns und unter uns und über uns unser Gott herrscht, um so freier sind wir Menschen. Aauaddandmadamonanmddomamamdanmdanmacdonenmaddddandaadadundddanm
Werbt für oͤie„Evangelische Warte“!
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ihnen das evangelische Glaubensgut durch List oder Gewalt wie⸗ wieder nehmen wollen? Darum wachet auf!
Es gilt ein mächtiges Aufrütteln in unserem ganzen evan⸗ gelischen Deutschland. Es gilt eine evangelische Mobilmachung in allen evangelischen Kreisen vom evangelischen Tagelöhner bis zum evangelischen Kommerzienrat. Ueberall muß aufgerüttelt und wachgeschüttelt werden. Eines Sonntagsmorgen wurde in meinem Wohnort das Feuersignal geblasen. Wie waren da Leute auf den Beinen, die nie Zeit haben, wenn es sich um eine evan⸗ gelische Sache handelt. Es brennt aber auch um unsere evange⸗ lische Sache! Das Feuersignal ist schon lange geblasen worden. Stehe auf von den Toten! Evangelisches Volk werde lebendig!
Allerdings, wer andere wecken will, der muß erst selbst wach geworden sein. Darum wollen wir diesen Weckruf des Apostels Paulus auf uns beziehen, auf uns Leser der„Evangelischen Warte“. Wir wollen nicht diese Zeilen lesen und das Blatt hin⸗ legen mit den Worten:„Der Mann hat recht!“ Nein, damit hilsst du gar nichts. Wirken mußt du, werben mußt du! Frage dich beim Schluß jeder Woche:„Was habe ich für die evangelische Sache, was für die Erhaltung des teuren Erbes unseres Dr. Mar⸗ tin Luther getan?“ Lege jede Woche vor deinem Gewissen Rechnung ab, ob du wirklich wach bist, oder ob du auch noch schläfst? Nur wer wacht und aufsteht, den wird Christus er⸗ leuchten.
Auf, auf, mein Geist, ermüde nicht,
Dich durch die Macht der Finsternis zu reißen!
Was sorgest du, daß dirs an Kraft gebricht?
Bedenke, was für Kraft uns Gott verheißen.
Wie gut wird sich's noch nach der Arbeit ruhn!
Wie wohl wird's tun! Amen. Hr.


