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Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Nücksendung ungewünschter Manustripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Pfarrer Hamburger in Staden(Oberh.)

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Luthertum und Politik.

Es ist wohl manchem aufgefallen, daß sich in den letzten Jahren die christlichen Zeitungen wie derAuf⸗ wärts und christliche Zeitschriften wieLicht und Leben häufig mit der Frage beschäftigt haben, in wel⸗ chem Verhältnis Religion und Politik zu einander stehen. Dazu trat immer wieder die daraus folgende Frage auf; Ist eine evangelische Partei nötig? Auf der einen Seite sah man eine allgemeine Unzufrieden⸗ heit mit den bestehenden Parteien, deren Politik von bezahlten Berufspolitikern geführt wird, welche ängst⸗ lich darüber wachen, daß sie ihren Posten nicht verlieren. Auf der anderen Seite erlebte man das niederdrückende Schauspiel, daß idealistische und kulturelle Fragen als Kuhhandelsobjekte zur Erlangung von Ministerpöst⸗ chen und dergleichen benutzt wurden. Dazu kommt schließlich die Trennung von Staat und Kirche, welche die römische Kirche gerüstet, die deutsch-evangelische Kirche jedoch politisch vollständig machtlos traf. Bald tauchten in allen deutschen Landen von einander un⸗ abhängige Gruppen auf, die einerseits der Politik wie⸗ der den alten Idealismus zurückbringen, andererseits das Evangelium als Grundlage allen Lebens, also auch des öffentlichen Lebens im Volke, machen wollen. Aus dem Verhältnis von Religion und Politik in der Ge⸗ schichte ergibt sich die Berechtigung oder Nichtberech⸗ tigung vorgenannter Bewegungen in der Gegenwart.

Blicken wir in die allerältesten Zeiten unserer Ge⸗ schichte, so machen wir die Entdeckung, daß Politik und Religion eng miteinander verknüpft war. Denn die alten Religionen waren sämtlich nationale Religionen. Die Religion erstreckte sich nur bis zu den Grenzen eines Volkes. So finden wir eine römische, eine griechische, eine ägyptische, eine persische, eine babylonische, eine israelitische, phönizische usw. Religion. Das ganze reli⸗ giöse Denken wurde mit dem politischen Ergehen des Volkes eng verknüpft. Lesen wir die Propheten des Alten Testaments, so staunen wir über die vielen poli tischen Ratschläge, Drohungen, Strafpredigten u. a. m. Den Höhepunkt einer Verbindung von Politik und Re⸗ ligion haben wir im Kaiserkultus der römischen Kaiser⸗ zeit zu erblicken.

Erst das Christentum erhebt sich über alle nationa⸗ len Grenzen. Ein Paulus trägt das Evangelium nach Griechenland hinein, es dringt weiter vor nach Italien, nach Spanien, durch Frankreich hindurch bis nach Eng⸗ land. Von da gelangt es auch nach Germanien zu un⸗ seren Vorfahren. Das Christentum ist übernational, lehnt aber grundsätzlich die politischen Notwendigkeiten nicht ab. Jesus selbst sagt:Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Paulus mahnt zum Gehorsam gegenüber der politischen Obrig⸗ leit,denn es ist keine Obrigkeit, ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet.(Römer 13, 17.) Bald ereilt aber auch das Christentum sein Geschick. Es wird von Konstantin dem Großen zur

Staatsreligion erhoben, damit wieder mit dem politi⸗ schen Staate verknüpft. Das Christentum war bei die⸗ CC ˙ 1

Von Pfarrer Hamburger-⸗Staden.

sem Schritte unschuldig, denn er ging vom Kaiser, d. h. vom Staate aus.

Ein paar hundert Jahre später sehen wir nun, wie in dem Lande, in dem der Kaiserkultus als engste Verbin⸗ dung von Politik und Religion bestand, durch das ent⸗ sprechende Papsttum dieselbe Verbindung erstrebt wird. Diesmal allerdings von Seiten der Kirche. Dieses po⸗ litische Machtstreben des Papsttums, wobei die Kirche sich politisch über alle Staatshoheit zu stellen sucht, findet in Persönlichkeiten wie Innocenz III.(1198 bis 1216) seinen Höhepunkt. Diese innige Verbindung ist Grundsatz der römischen Kirche und wird heute noch festgehalten. So wird bei allen weltpolitischen Tagungen die Zuziehung eines Vertreters des päpst⸗ lichen Stuhles beansprucht. Auch das Fehlen eines päpstlichen Abgeordneten bei den Verhandlungen in Lo⸗ carno wird imMainzer Journal beklagt.

Erst die Reformation hat mit diesem politischen Streben der Kirche energisch gebrochen. Die Kirche an sich hat keine politische Macht zu erstreben, ist Grund⸗ satz für alle evangelischen Kirchen. Nicht herrschen will die Kirche der Reformation, sondern dienen. Wenn das Evangelium in das politische Leben hineingestellt wird, so kann dies nur so geschehen, daß damit dem Volke ein Dienst getan wird. Dadurch muß sich das Christentum nach unserer Auffassung einordnen in das Staatsganze. Damit werden aber sogleich neue Be⸗ ziehungen zwischen Religion und Politik geschaffen.

Von den Reformatoren zeigen Zwingli und Cal⸗ vin ein freundliches Verhältnis zur Politik, während Luther der Politik ablehnend gegenübersteht. Zwingli beabsichtigte, der Schweiz eine völlig neue politische Or⸗ ganisation zu geben, wodurch das Evangelium Grund⸗ lage der weltlichen Ordnung sein sollte. Dagegen lehn ten sich die katholischen Orte auf. Es kam zu einer po⸗ litischen Auseinandersetzung, die nach damaligem Brauche in einem Kriege ausgefochten wurde. Da tat Zwingli etwas, was bei Luther undenkbar wäre. Er machte den Krieg mit als Feldgeistlicher und fiel in der Schlacht bei Kappel.

Am meisten sehen wir die Durchdringung des Staatslebens mit christlichem Geiste bei Johann Cal⸗ vin. Sein Ziel war, die Theokratie aufzurichten. Das gesamte Volksleben wurde in seinerInstituti reli⸗ gionis christiange durch eine grausam strenge Kirchen⸗ zucht geordnet. In denOrdonnances ecclesiastiques von 1541 wurde die politische Gemeinde mit der kirch⸗ lichen Gemeinde vollständig gleichgesetzt. Wenn kirch⸗ liche Strafen erfolglos blieben, so lag es dem politischen Rate ob, weltliche Strafen über den Widerspenstigen zu verhängen.

Dr. M. Luther, welcher den Machtgedanken aus dem Christentum entfernt, stand auf dem Standpunkt, daß das Wort alles auszurichten habe. Er war deswegen grundsätzlich auch gegen ein enges Verhältnis zwischen Religion und Politik. Nur ungern sah er, daß die evangelischen Fürsten und Städte sich im Schmalkaldi⸗ schen Bunde zusammenschlossen gegen die politisch mäch⸗

Stark sein durch Christus.

Philipper 4, 13:Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus.

Wir rechnen Jahr auf Jahre, indessen wird die Bahre f uns vor die Tür gebracht; drauf müssen wir von hinnen . und, ehe wir uns besinnen, der Erde sagen gute Nacht.

N So ist es, wie A. Gryphius es in diesen Worten beschreibt. Ein Jahr nach dem anderem fließt dahin. Wir werden älter und älter. Wir schauen mit jedem Jahre immer tiefer hinein in die

Anmenge menschlicher Gebrechlichkeiten. Wir dürfen die Halb⸗ heiten alles Menschentums, die Vergänglichkeit aller Menschen⸗ größe sehen. Dann kommt das Jahr, in dem auch wir der Erde sagen gute Nacht. Wir vergehen, wie wir die Steine verwittern

sehen. Nun ließen wir wieder ein Jahr hinter uns. Es war ein Jahr voll Enttäuschungen, voll Halbheiten, voll Schwachheiten,

voll Neid und Streit. Was wird das neue wohl bringen? Wir wissen es heute schon. Es wird ein Jahr sein, wie die früheren auch waren. Was sollen wir uns da heute für Gedanken über kommende Zeit machen? Bitter mögen diese Worte klingen.

Sie klingen wie die Predigt der Unheilpropheten, die keine Hoff⸗

nung zu verkünden wissen. Ja haben sie denn nicht recht, diese

Pessimisten? Ist es denn nicht zum Verzweifeln auf dieser Erde?

Warum leben wir eigentlich? Hat unser Leben und Schaffen

denn überhaupt einen Zweck?

Was denkst du darüber, lieber Leser? Sicher gibt es viele, die bejahen obige Fragen. Wenn ich keinen Gott und keinen

nicht an Gott glaubt, muß die ganze Welt zwecklos vorkommen. Der sieht in der Welt ein stetes Werden und Vergehen, ein Auf⸗ steigen und Niederfallen, ein Geborenwerden und Sterben, ein Essen und wieder Hungern, ein Trinken und wieder Dürsten, alles ohne Rast und Ruhe, alles ohne Sinn und Zweck. Nur, wer an den Heiland glaubt, der erkennt, daß Gott der Welt doch einen Zweck gegeben hat. Ja durch Jesus hat alles ein Zweck erhalten. Gewiß werden wir nicht in die tiefsten Tiefen der Weltzwecke Einblicke haben. Dazu reicht trotz Erfinden und Erforschen kein menschlicher Geist aus. Aber durch Jesus wissen wir, daß wir einen ewigen Zweck haben. Dann können wir nicht vergeblich im Leben sein, dann kann dieses Leben auch keinem blinden Zufall überlassen sein. Dann sind wir nötig im Leben. Ist dies nicht eine Erkenntnis, die jedem Einzelnen eine gewal⸗ tige Bedeutung gibt? Denke dir nur aus, daß auch du nötig bist in dieser unermeßlichen großen Welt. Du bist ein Stein in die⸗ sem großen Weltbau unseres Gottes. Wenn ein Stein im Hause fehlt, dann ist ein Loch da. Jeder Stein ist nötig. Da fühlen wir, was Luther uns erkennnen lassen will, wenn er spricht:Ich glaube, daß mich Gott geschaffen hat. Wir sind Werkzeuge unseres Gottes. Darum erhält uns auch Gott.In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel ge⸗ breitet? Wie dankbar müssen wir unserem Herrn Jesus Christus sein, daß er uns dies gelehrt hat!

Wie ganz anders kommen uns dadurch auch unsere Arbeiten vor. Was wir vorher als zwecklos ansahen, das erhält eine hohe Bedeutung. Gerade deine Tätigkeit ist notwendig für dein Volk, für deine Gemeinde, für deine Familie, für diesen oder jenen

tige römische Gegenseite. Auf der anderen Seite näherte er doch Kirche und Staat dadurch, daß er die Fürsten zu Bischöfen der Landeskirchen machte. Ja schon durch die Schaffung der Landeskirchen machte er die politische Grenze zur kirchlichen. Es entwickelte sich ein Staats⸗ kirchentum, das die Kirchen in Deutschland unter die politischen Regierungen stellte. Bald mußten auch die religiösen Gegensätze zu politischen Auseinandersetzungen führen. Denn in der römischen Kirche ist nun einmal die Ausnützung der politischen Macht Grundsatz. Weil die evangelischen Fürsten sich weigerten, die Tridentiner Synode zu beschicken, beschloß der Kaiser im Todesjahr Luthers den Krieg gegen den Schmalkaldischen Bund. Die Aussichten standen für den Bund im Frühjahr 1547 nicht schlecht. Sie standen gerüstet in Süddeutschland, während die Römischen ziemlich schwach waren und Truppen aus Italien mühsam über die Alpen heran⸗ holen mußten. In dieser günstigen Zeit standen die Führer des evangelischen Heeres untätig an der Donau. Sie hatten äußerstwichtige theoretische Fragen zu lösen, ob sie den Kaiser angreifen oder sich nur vertei⸗ digen dürften. Der Kaiser jedoch nützte die Zeit, brachte die evangelischen Fürsten Moritz von Sachsen, Hans von Küstrin, Erich von Braunschweig-Kalenberg und Mark⸗ graf Albrecht von Brandenburg-Kulmbach zum Verrat an der evangelischen Sache, vergrößerte ständig seine Truppen, sodaß der Ausgang nicht zweifelhaft sein konnte. Schon damals sieht man auf Seiten der Röm⸗ linge praktisches Handeln, Ausnützen der Gelegenheiten, auf lutherischer Seite unsinniges Theoretisieren, Un⸗ einigkeit, Versäumen der günstigen Gelegenheiten. Das sind die Fehler des Luthertums bis auf den heutigen Tag. Aber noch etwas anderes zeigt der Schmalkal⸗ dische Krieg. Obgleich das Luthertum gegen ein enges Verhältnis von Religion und Politik war, so wurde es durch die Gegenseite zum politischen Handeln gezwungen. Dies geschah noch mehr in den späteren Religions- kriegen. Im 30jährigen Kriege haben wir den Weit⸗ blick des Schwedenkönigs Gustav Adolf hoch zu schätzen, der klar erkannte, daß das Luthertum politisch vernich⸗ tet wird, da es geistig nicht zu überwinden ist. Es mußte der weltlichen rohen Macht unterliegen, weil man ihm mit den Waffen des Geistes nicht beikommen konnte.

Nachdem sich dann im Laufe der Jahrhunderte die deutsch-evangelischen Kirchen Gleichberechtigung er kämpft hatten, fanden sie ihren Schutz im Staatskirchen⸗ tum. Das war auf der einen Seite gut. Die evange lische Weltanschauung war sicher. Auf der anderen Seite aber geriet die Kirche unter die Vormundschaft des Staates, während die römische Kirche sich frei ent⸗ wickeln konnte. Gewiß hatte das Evangelium Einfluß auf die Politik, wofür die Einführung der Sozialgesetz⸗ gebung im Reiche, die Bismarckpraktisches Christen⸗ tum nannte, ein Beispiel sei. Aber wenn von staat⸗ licher Seite unchristlich gehandelt wurde, mußte von der Staatskirche darauf schonende Rücksicht genommen werden.

Ehristus hätte, dann würde ich auch zustimmlen Nur dem, der wichtigen Zweck. Du bist von Gott an diese Stelle gestellt, wo

er dich brauchen kann. Das feuert uns an, treu in unserem Berufe zu arbeiten. Das gibt uns Kraft, ohne Furcht vor Hem⸗ mungen zu kämpfen und zu ringen. Der Gott, der uns haben will, der wird uns auch helfen.

So nur verstehen wir auch das obige Wort des Apostel Pau⸗ lus. Was hat dieser Mann für eine Arbeit geleistet. Keine modernen Hilfsmittel standen ihm zur Verfügung. Welche Ent⸗ täuschungen mußte er so häufig erfahren. Dabei war er selbst ein von Krankheit heimgesuchter Mensch. DerPfahl in seinem Fleische hinderte ihn oft. Dennoch fühlte er sich stark. Auch als er in Rom als Gefangener des Kaisers sich nicht frei be wegen durfte, fühlte er sich stark durch den, der ihn mächtig machte, Christus.

So wollen wir denn auch mit Christus in die Zukunft hin⸗ eingehen. Mag da kommen, was da will. Durch Christus kön⸗ nen auch wir stark sein. Durch Christus dürfen wir uns auf un⸗ seren lieben Vater im Himmel verlassen. Wir werden auch in Zukunft Gebrechlichkeiten sehen. Manches wird morsch zusam⸗ men stürzen, wir aber wissen:Ein' feste Burg ist unser Gott. Wir werden aufs neue gegen Unwahrheit und Halbheit zu kämpfen haben. Wir können stark sein, weil wir wissen: Ist Gott für mich, wer mag wider mich sein? Wir werden manche Unge⸗ rechtigkeiten über uns ergehen lassen müssen. Wir wissen, daß ein gerechter Richter im Himmel ist, dem wir unseren Schmerz klagen dürfen. Auch neue Sorgen fürchten wir nicht. Wir haben einen Gott, der da hilft. Darum:Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird's wohl machen! Amen.