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täten bisher Unerhörte und Unglaubliche! Der Herr Kultusminister schreibt kurzerhand, daß Herr Wittig seines Amtes entsetzt und daraus entlassen sei. Das bereits empfangene Aprilgehalt habe er sofort wieder zurüclzuzaß en! Ein glatter und brutaler Hinauswurf!

Wahrlich, ein Stück moderner Kulturgeschichte aus dem freisten Staat der Welt! Niemals bisher hatte man es erlebt, daß ein unbescholtener, ein hervorragen der ordentlicher Universitätsprofessor, ein ungewöhn licher Gelehrter ohne jeden Grund, ohne Disziplinar verfahren von seinem Minister aus eigener angemaßter Machtvollkommenheit in so roher Weise auf die Straße geworfen worden ist.

Aber erfreulicherweise und zum großen Leidwesen des Herrn Staatssekretär Lammers und der anderen zentrümlich treibenden Kräfte im Kultusministerium konnte der demokratische Herr Becker diese gesetzwidrige, fristlose Entlassung nicht aufrecht erhalten, da sie den bestehenden Gesetzen in geradezu skandalöser Weise ins Gesicht schlug. Herr Kultusminister Becker sah sich ge⸗ zwungen, die gesetzwidrige Entlassung Wittigs nach 14 Tagen wieder zurückzunehmen und den gehaßten Professor inseinem Amte zu belassen.

Wohl ist dieser empörende Streich des Herrn Becker zurückgeschlagen! Wohl stehen die preußischen Hochschulen aufs neue bereit, weitere Angriffe Beckers und seiner Staatssekretäre auf ihre Rechte abzuwehren. Aber es erhebt sich die ernste Frage, ob die Universi- täten, die Hochschulen, die Kunstinstitute usw. gedeihen können, wenn ein jeder noch so hervorragende Lehrer und Gelehrte, der sich bei den derzeitig regierenden Mi nistern, Staatssekretären, Parlamentariern usw. miß liebig macht, kurzerhand unter Nichtachtung der be stehenden Gesetze aus seinem Amte gejagt werden kann. Herr Professor Becker als Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ist ein außerordentlich trübes Kapitel der preußischen Kulturgeschichte, umso mehr, als er gar kein Empfinden für seine grenzenlose Hörig keit gegenüber klerikalen Einflüssen zu haben scheint. DieserFall Wittig rückt erst dann in die richtige Beleuchtung, wenn man sich vergegenwärtigt, wie ganz anders derselbe Minister Becker den Fall des jüdischen Dozenten Theodor Lessing in Hannover behandelte!

Was heute in Deuljchland möglith it!

Das Schwurgericht in Halberstadt hat soeben wegen ver⸗ suchten Totschlags und unerlaubten Waffenbesitzes einen polni schen Landarbeiter zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Anlaß der Tat war Eifersucht auf eine Frauens⸗ person, von der der Angeklagte, was als mildernder Umstand in Betracht kam, von seinem Standpunkt aus glauben konnte, daß er mit ihr verheiratet sei. Es stellte sich nämlich bei der Verhandlung heraus, daß der Pole in Halberstadt von einem Franziskanermönch kirchlich getraut worden war, ohne vorherige Mitwirkung des Standesamtes. Seine Angetraute hatte ihn freilich längst wieder verlassen. Zu dieser Trauung des Mönchs schreibt dieHalberstädter Zeitung und Intelligenzblatt vom 23. Juni 1926:Dieser letzte Prozeß des jetzigen Schwurgerichts abschnittes hatte nicht nur kriminelle Bedeutung, sondern er hob sich für den aufmerksamen Zuhörer deutlich von einem staats⸗ politischen und moraltheologischen Hintergrund ab. Durch ihn wurde offenkundig, daß anscheinend katholische Mönche die Ge⸗ setze mißachten. Nach der Aussage des Angeklagten und der Zeugin K. waren sie in der Andreaskirche in Halberstadt von einem Franziskaner kirchlich getraut worden, ohne daß die unbe dingt erforderliche standesamtliche Trauung vorausgegangen war. Ein Zeuge erzählte außerhalb des Gerichtssaales, daß auch er ebenfalls nur kirchlich und zwar in Egeln, getraut war Diese Eheschließung hätte 15 Mark gekostet, Bei den polnischen Landarbeitern soll bekannt sein, daß derartige Eheschließungen bei den Franziskanern in Halberstadt und Egeln gang und gäbe find. Die Pfarrer selbst wüßten von nichts(2). Leider scheinen

auch die ländlichen Ortsbehörden nichts zu merken. Wer das Zusammenleben der polnischen Landarbeiter in den Arbeiter kasernen überschaut, kommt zu dem Ergebnis, daß durch derartige nicht erlaubten, dem Anschein nach aber frommen Handlungen die Sittlichkeit nicht gehoben wird. Die Polen verschwinden häufig und lassen die Mädchen sitzen. Infolge der gewissenlosen ungültigen Eheschließungen sind sie in der Lage, an anderen Orten von neuem zuheiraten und, wie glaubhaft erzählt wurde, machen sie davon Gebrauch. Die für diese gesetzwidrigen Fälle in Frage kommenden Vertreter der katholischen Kirche, die doch stets die Heiligkeit und nach ihrer Auffassung Unlösbarkeit der Ehe betonen, ermöglichen durch den Wegfall staatlicher Kontrolle Ehen auf Zeit und fördern in Wirklichkeit das, was das Gesetz und der Protestant, der das Gesetz achtet, mit Ehe bruch oder Doppelehe bezeichnet.

g Vom Kampf um die Weltanschauung.

Konkordatsgewißheit.

DasBraunschweiger Wochenblatt vom 13. Juni 1926, Organ der Katholiken in Stadt und Land Braunschweig, befaßt sich mit einem in Leipzig erschienenen Flugblatt einerDeutschen Erneuerungsgemeinde, das, garnicht unrichtig, im bayerischen Konkordat Knechtung des Schulwesens durch die Kirche, Kultur rückschritt, Aufhebung der Geistes- und Gewissensfreiheit, Hem⸗ mung der freien Forschung und ihrer Verbreitung, Rückgang des Bildungswesens usw. findet und in genanntem Konkordat ein geistiges Versailles und eine nationale Gefahr erblickt. Ver⸗ antwortlich dafür wird natürlichkein anderer als der Evange lische Bund und der Evangelische Schulverein gemacht.Diese sind es, die behaupten, daß durch die diplomatische Kunst der klerikalen Partei und deren geschichtsunkundige Bundesgenossen: Bayerische Volkspartei, Bauernbund, Deutschnationale das Kon⸗ kordat angenommen sei.(Ist das etwa nicht geschichtliche Tat sache??) Dann fährt die Zeitung selbstsicher und bezeichnend fort::Aus diesem Blatte spricht nur die Angst vor der konfes sionellen Schule, die durch das bayerische Konkordat fest ver⸗ ankert ist. Da können auch wir die Versicherung geben, daß im Reichskonkordat dies der Hauptpunkt sein wird, weshalb die Kirche mit dem deutschen Reiche ein Konkordat abschließen wird (möglichst vor Erlaß des berühmten Reichsschulgesetzes natür⸗ lich.) Das Konkordat kommt, ob noch so viele schreiend ihre Stimme dagegen erheben. Und jeder gerecht und billig denkende Mensch wird darin nicht Machtgelüste der Kirche sehen, sondern die Wahrung ihrer berechtigten Interessen.

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St. Canasius⸗Bund zur Bekehrung der niederländischen Protestanten.

DieSchönere Zukunft vom 6. Juni 1926 weiß zu berich ten, daß in Holland unter Gutheißung des Bischofs von Haar lem, ein Bund zur Bekehrung der niederländischen Protestanten unter dem NamenSt. Canisius-Bund geschaffen werden soll. Nach derselben Quelle können Mitglieder dieses Bundes nur Konvertiten aus dem Protestantismus werden.

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Wie sich die römische Kirche ausbreitet.

Am 12. Mai brachte derReichsbote die Nachricht, daß einige höhere Beamte der Eisenbahndirektion Altona, die katholisch sind, bei der Eisenbahndirektion um die kostenlose Ueberlassung eines Bauplatzes für eine katholische Kirche in der Siedlung Eidelstedt bei Hamburg nachgesucht hätten. Der Prä⸗ sident der Direktion, ein früherer Jude, solle das Gesuch befür wortet haben. Nach den angestellten Nachforschungen stimmt die Nachricht. In Eidelstedt baut die Reichseisenbahn Siedlungen für Eisenbahnbeamte. Selbstverständlich müssen nach dem ganz evangelischen Orte katholische Beamte versetzt werden, die ebenso selbstverständlich eine katholische Kirche haben müssen, die am billigsten natürlich auf kostenlosem Baugrunde zustande kommt, den die Reichseisenbahn liefert. Das entwickelt sich alles ganz zwangsläufig! 5

Die Groß⸗Berliner

Bei

Elternbeiratswahlen. den Groß-Berliner Elternbeiratswahlen erhielt die christlich-unpolitische Liste 3919 Sitze, die sozialistische Liste Schulaufbau 1145 Sitze, die kommunistische ListeKind in Not 355 Sitze, die unter verschiedenen Namen auftretenden Listen, hinter denen linksgerichtete Berliner Lehrerkreise standen, 16 Sitze. Zu den Sitzen der Linken sind noch rund 350 Sitze an den weltlichen Schulen zuzurechnen, die also zusammen etwa 1866 Sitze erlangten. Vor 2 Jahren war das Wahlergebnis: 197 christlich-unpolitische Sitze gegen 1050 Sitze der Linken und zwar 884 sozialistische und 166 kommunistische. Trotz ihrer Majorität hat die christliche Elternschaft Grund zum Nachdenken.

Allerlei.

Leider nicht bei uns!

Ein Hauseigentümer Zacharias Huntley hat an seinem Hause folgende Bekanntmachung angebracht:Mein Haus um⸗ faßt zehn Wohnungen, die ich 10 Familien zur Verfügung stelle Ich nehme aber nur Familien mit mindestens fünf Kindern auf. Manche Hausbesitzer ziehen Hunde den Kindern vor. Ich dulde keinen Hund in meinem Hause, dagegen macht es mir nur Freude, Kinder darin zu sehen. Mit jedem weiteren Kinde setze ich die Miete herab. Leider nicht irgendwo in Berlin oder Hamburg oder Frankfurt, sondern in New-Vork. Solche unbe grenzte Möglichkeiten kann man auch einmal mit Genugtuung und Neid zur Kenntnis nehmen.

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5 Vom Bühnenvolksbund.

Im Bühnenvolksbund, dieser angeblich interkonfessionellen Vereinigung zur Verbreitung christlicher Theaterinteressenten, die wie die Erfahrung und ihre Veröffentlichungen zeigen, in Belange vertritt, sind schwere Unstimmigkeiten ausgebrochen. Aus der Leitung sind zwei Mitglieder ausgetreten. Der Stein des Anstoßes ist der Generalsekretär des Bundes, Gerst, der ur⸗ sprünglich Bauführer, später Redakteur, schließlich nachdem aus einer von ihm geplanten Friedhofsunternehmung nichts wurde, über den Theaterkulturverband hinweg im Bühnen volksbund landete. Sehr eigenwillige Geschäftsführung trug schwere Beunruhigung in die Reihen des Bühnenvolksbundes. Vor kurzem beschäftigte sich der Ausschuß des Bühnenvolksbundes in Köln in langer Sitzung mit den unerfreulichen Zuständen Herausgekommen scheint nicht allzuviel zu sein. Im Wesentlichen vertagte man offenbar die letzten Entscheidungen auf die kom⸗ mende Mitgliederversammlung, die im Herbste des Jahres in Mainz statfinden soll, und schränkte die Betätigungsmöglichleiten für Herrn Gerst ein, indem man ihm zwei Mitarbeiter an die Seit stellte. Wie es heißt, sind auch Statutenänderungen beab⸗ sichtigt. Man wird auf evangelischer Seite gut tun, wenn mon sich der nötigen Vorsicht befleißigt, um nicht unversehens Zwek ken zum Vorspann zu dienen, die keinem Evangelischen erfreu lich sein können.

* Die Quellen deutscher Bildung.

Der bekannte Jenenser Philosoph Max Wundt(in einem Aufsatz derNeuen Pädagogik) über wahre Bildung:

Das tiefste Unglück der Deutschen ist der Verlust ihrer Bil⸗ dung. Denn nie hätten sie so tief sinken können, wenn sie noch wirklich einen Besitz ihr eigen genannt hätten, der ihnen inner⸗ lich und im Geiste einen unverlierbaren Halt gegeben hätte. Die furchtbare innere Leere, über die man sich durch den Lärm des äußeren Getriebes hinwegzutäuschen sucht, dieses Hauptkenn⸗ zeichen unserer Zeit, wie wäre sie möglich, wenn die Deutschen noch über eine wirkliche Bildung verfügten? Die Religion, die sicherste Grundlage jeder echten und tieferen Bildung, ist einem großen Teil unserer Volksgenossen geraubt, und die sonstigen Bildungsgüter, deutsche Dichtung und deutsche Lebensdeutung, deutsche Kunst und deutsche Musik wie viele unter unseren Zeitgenossen gibt es denn, die wirklich von und an diesen Geistes⸗ mächten gebildet sind?

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Im Biedermannston sprach der Schultheiß seine Genug tuung aus, daß Hans Heeger gekommen sei; er, der Schultheiß, hätte nicht so recht daran geglaubt. Wenn Hans aber ihnen zu Willen wäre, so wäre alles in Ordnung, und man hieße ihn mit Freuden willkommen.

Da stieg zum ersten Male der Gedanke in Hansens Seele auf, welche Stellung Sybill wohl in dieser Sache einnehmen werde.

Darum fragte er den Schultheiß:Was werden denn eure Frau und eure Tochter sagen? Sie sind doch im lutherischen Glauben geblieben. Werden sie nicht dagegen stemmen, wenn ich wirklich werden würde wie ihr?

Der Schultheiß Peter Michel brach in ein Lachen aus, das herzlich klingen sollte, leider aber nicht recht geriet:Was meine Frau Margarete angeht, so ist das ja einerlei, was sie meint. Denn warum? Ihr wollt die Sybille heiraten und nicht meine Frau. Die Sybille aber, die Augen hat sie sich all die Tage aus dem Kopf gegreint; ei, das Mädchen wird mir vor Freude ganz närrisch, wenn ich ihr sage, du kannst deinen Schatz heira ten, wann du willst.

Der Amtmann und seine Frau beteiligten sich nur wenig am Gespräch, sie waren etwas zerstreut und horchten zuweilen nach dem Nebenzimmer. Plötzlich tat sich dessen Türe auf, und im Rahmen erschien seine Exzellenz, der Freiherr Franz Adolf Diet rich von Ingelheim, Präsident vom Kammergericht des heiligen römischen Reiches deutscher Nation.

ße Er war, von einem Reitknecht begleitet, von Wetzlar ge e kommen, um mit eigenen Augen zu sehen, wie man die von ihm l geplante Kirche zerstört habe. Er weilte also gewissermaßen 1 fincognito im Amtshause, wollte noch am Sonntagsnachmittage 10 wieder zurückkehren.

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Der Amtmann und seine Frau samt dem Schultheißen be grüßten Seine Exzellenz mit großer Demut. Auch Hans ver⸗ neigte sich tief; ihm wurde immer beklommener zumute. Nun holte man noch den hohen Herrn zu Hilfe; was konnte er da n machen!

Der Freiherr nickte nach auen Seiten, nahm in einem be⸗

reitstehenden Prunksessel Platz und wandte sich alsdann an Hans

Heeger:Er ist wohl der Schuhmachergeselle, der der Eidam des Schultheißen werden will?

Hans Heeger bejahte durch eine stumme Verneigung.

Habe von seinen Meriten(Verdiensten) gehört, bin mit ihm wohlzufrieden. Nun, was sagt er denn dazu, daß man mich hindern will, hier in Holzhausen ein katholisches Gottes⸗ haus zu errichten?

Hans Heeger riß sich innerlich empor und antwortete mit fester Stimme:Da Exzellenz mich um meine geringe Meinung befragen, so bin ich der Ansicht, in Religionssachen soll man nicht Gewalt anwenden, auch keine weltlichen Machtmittel gebrauchen, weil es sich um das Herz und das Gewissen handelt.

Dem Freiherrn von Ingelheim gefiel die Antwort, weil sie sich auf seine Seite stellte, und sie gefiel ihm wieder nicht, weil sie zu protestantisch war.

Nun fragte er den Gesellen ganz geradeaus:Also er will, wie ich mit großer Pläsir vernommen habe, zur römisch katholischen Kirche konvertieren und die lutherische Ketzerei ab schwören?

Jetzt, wo die entscheidende Antwort fallen mußte, gewann Herr Hans Heeger seine ganze Fassung wieder. Eine Weile überlegte er, dann gab er die Antwort:Ew. Exzellenz wollen gütigst verzeihen, so weit bin ich noch nicht; der Sprung ist zu groß und zu schwer, da heißt es sich vorsehen, daß man nicht nach her zerbrochen am Boden liegt. Darum will ich mich noch drei Tage bedenken. Ich möchte auch den Herrn Schultheißen ge ziemend bitten, daß ich morgen mit seiner Tochter Sybille nicht einmal bereden darf.

Der Freiherr warf dem Amtmann einen befremdeten, fra genden Blick zu, worauf dieser bedauernd mit den Achseln zuckte. Dann aber erwiderte jener mit vollendeter Höflichkeit:Das gefällt mir von ihm extra ordinairement, daß er mit Vorbedacht diesen Schritt unternehmen will. Denn, daß er ihn wirklich tut, dessen bin ich gewiß. War er schon einmal in einem katholischen Gottesdienst? Nein? Nun, so ersuche ich ihn, morgen um zehn Uhr der heiligen Messe im Rathaus beizuwohnen. Ob es auch nur ein ärmlicher Raum ist, so wird er doch merken, daß Gott gegenwärtig ist. Was will da das Geplärre eines prote stantischen Prädikanten besagen! Also, er wird kommen!

Hans verneigte sich zustimmend, ärgerte sich aber sofort über sich selbst, daß er hier nachgegeben. Zugleich auch verabschiedete sich der Schultheiß mit vielen unterwürfigen Kratzfüßen

Als sie durch die abendstille Dorfstraße gingen raunte der Schultheiß dem Gesellen zu:Daß du kein Einzugsgeld zu be zahlen brauchst, das ist selbstverständlich. Aber ich will dir noch etwas anderes anvertrauen: Wenn du mein Eidam witst, rücke ich in die Stelle des Stubenrauch, der nach Franken geht, und werde Amtmann. Du aber wirst Schultheiß. Darauf hat mir der Amtmann Stubenrauch Wort und Handschlag gegeben. Also besinne dich nicht lange! Was sollen da allerhand dumme Be denken, da greift man zu!

Das Fuchsgesicht Peter Michels war dicht neben dem Ant- litz Hans Heegers. Anwillkürlich dachte dieser:Man begreift es nicht, daß Sybille von diesem Schleier abstammen soll. Es ist gut, daß sie nur ihrer Mutter ähnlich sieht!

In der Nacht aber träumte ihm ein merkwürdiger Traum Es klopfte an seiner Kammer an, und der Schultheiß kam herein. Aber welch merkwürdige Gewandung und Vermummung hatte er angelegt! Auf dem Haupt hatte er ein spitzes, schwarzes Hütchen mit einer roten Hahnenfeder. Das spöttische Angesicht grinste über einer großen weißen Halskrause. Was er weiter anhatte, das war nicht zu erkennen. Nur das Haupt war von grellem Schein umleuchtet, sonst alles von cabenschwarzer Nacht umhüllt. Und das unheimliche Haupt öffnete den Mund und sprach:Dies alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest! Und auf einmal war es nicht mehr das Gesicht des Schultheißen, sondern das hämische Antlitz des Satans. Da wurde Hans von einem tödlichen Schrecken befallen. Er wollte fliehen, er konnte kein Glied regen, er wollte eine Abwehrformel sprechen, doch die Stimme versagte. Endlich brachte er mit letzter Anstrengung hervor:Weiche von mir, Satan, in Jesu Namen weiche! Da gab es einen gewaltigen Donnerschlag. Der Satan verschwand. Hans aber saß im Bett aufrecht; und auf der Schwelle zwischen Traum und Wachen hörte er noch ganz nahe ein höhnisches Gelächter, dem aus weiter Ferne eine feierliche Stimme antwortete:Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater.

(Fortsetzung folgt.)