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0 1955 Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗ 10 8 Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Deut und 150 5 9 8 e am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., dib Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. dn 19 5 1 5 51 1555 be. 9 Ade 1 Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen 10 Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.) CVVVVVVVVVCCCC Vergünstigung.
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1 2. 7 5 % 2. Jahrgang. Sonnabend, den 10. Juli 1926. Nummer 28.
ö. ͤ ͤ v.—— 11221 F n e b nur N Fur 400 jährigen Eri den Reick Speier. Zur jährigen Erinnerung an den Reichstag zu Speier. N 0 1 tell. 25. Juni bis 26. August 1526. 0 51 15 5 Die kaiserlichen Kommissare bezeichneten als wich- bräuche. Man sieht, wie die Mehrheit der deutschen 0 9575 Am 25. Juni 1926 waren genau 400 Jahre ver- tigsten Punkt der Verhandlungen die Frage, wie der[Nation von der Notwendigkeit einer Kirchenreform 1
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Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag.
vangelische Warte
drgan der Evangelischen Volksgemeinschaft
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flossen, seitdem der in der Geschichte der deutschen Refor— mation ewig denkwürdige Reichstag zu Speyer durch den Erzherzog Ferdinand von Oesterreich, dem Bruder Kaiser Karls V., eröffnet wurde; denkwürdig vor allem deshalb, weil der Beschluß dieses Reichstages die Grund— lage zur Bildung evangelischer Landeskirchen geworden ist. Auch die hessische Landeskirche, deren Organisation in den Jahren 1526—28 erfolgte, verdankt jenem
Speyerer Reichstagsabschied ihre Entstehung.
Es verlohnt sich deshalb der Mühe, den Verlauf und das Ergebnis der Verhandlungen zu Speyer einer eingehenden Betrachtung zu unterziehen.
Mit der Bannbulle und dem Wormser Edikt, das über Luther und seine Anhänger die furchtbare Strafe der Reichsacht verhängte, glaubten die päpstliche Partei und der Kaiser das Todesurteil über die lutherische Bewegung gesprochen zu haben. Doch die ihr inne— wohnende göttliche Kraft ließ sich so wenig durch Men⸗ schensatzungen vernichten, wie einst 1400 Jahre früher das aufkeimende Christentum durch Edikte der römi⸗ schen Cäsaren. Kaiser Karl, infolge eines langwierigen Krieges mit Franz J. von Frankreich jahrelang von Deutschland abwesend, bemühte sich vergebens um die Durchführung des Wormser Ediktes. Zwei in seiner Abwesenheit zu Nürnberg abgehaltene Reichstage faß— ten Beschlüsse von lediglich aufschiebender Bedeutung. Da kam die Kunde von der glücklichen Beendigung des Krieges durch den glänzenden Sieg der Kaiserlichen bei Pavia. Nachdem der französische König zu dem durch einen Eid bekräftigten, demütigenden Frieden von Madrid gezwungen worden war, dachte der sieg— reiche Kaiser nunmehr daran, nach Deutschland zurück— zukehren und die Ketzerer auszurotten. In einem Schreiben an die katholischen Stände kündigte er diese Absicht an. Unter diesen, für die neue Lehre gefahr⸗ vollen Umständen fand die Eröffnung des Reichstags zu Speyer am 25. Juni 1526 statt.(Die Reichstage im alten„heiligen römischen Reich deutscher Nation“ setzten sich aus 3 Kollegien zusammen: dem kurfürst⸗ lichen, dem fürstlichen und dem städtischen.
Gerechligkeit.
Matthäus 5,20. Es sei denn eure Gerechtigkeit
besser, als die der Schriftgelehrten und Pharisäer,
so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Von der Gerechtigkeit wird eben viel geredet. Jeder Mensch
christliche Glaube und„die wohlhergebrachten guten christlichen Uebungen und Ordnungen“ der Kirche von allen Ständen gehandhabt, Uebertreter jedoch gestraft und zum Gehorsam gebracht werden könnten, um die Durchführung des Wormser Ediktes zu erzwingen. Zu⸗ erst berieten nun die fürstlichen Kollegien über die kaiserlichen Vorschläge. Man einigte sich schließlich da— hin, daß man zwar die„wohl hergebrachten“ christlichen Gebräuche beibehalten wolle, verlangte aber gleich— zeitig, daß auch die Abstellung der kirchlichen Miß⸗ bräuche zum Gegenstand der Verhandlungen gemacht werden sollten. Noch weit günstiger für die Sache der Kirchenreform war die Antwort der Städtekurie; hier merkte man deutlich den Einfluß der Gesandten von Nürnberg, Straßburg und Ulm, wo Luthers Lehre festen Fuß gefaßt hatte. Die Städte erklärten die Durch— führung des Wormser Ediktes, das, wie oben erwähnt, die Vernichtung der Reformation forderte, für unmög⸗ lich, traten also damit in direkten Gegensatz zu der kaiserlichen Proposition“. Bezüglich der„wohlherge— brachten christlichen Uebungen“ vertraten sie den Standpunkt, daß sie allerdings in Kraft bleiben müß⸗ ten, soweit sie sich auf Christus und sein Wort gründe⸗ ten; solche Gebräuche jedoch, die dem Glauben an Christus und seinem heiligen Worte zuwider seien und durch die die Christen von Gott weg und auf mensch⸗ lichen Witz geführt würden“, könne man nicht als „wohlhergebracht“ bezeichnen und deshalb nicht bei⸗ behalten, sondern man müsse über ihre Abstellung be— raten. Diese deutliche Sprache verfehlte ihre Wirkung nicht: trotz des Protestes der Geistlichen traten die bei⸗ den fürstlichen Kollegien dem Beschluß der Städtekurie bei. Darauf wurden drei Kommissionen gewählt, eine kurfürstliche, eine fürstliche und eine städtische, die über die abzustellenden Mißbräuche beraten sollten: die Ab⸗ sicht des Kaisers bei der Einberufung des Reichstags schien durch den Widerspruch der Stände den entgegen⸗ gesetzten Erfolg zu haben, anstatt die Vernichtung der „Ketzerei“ einzuleiten, verwandelte sich der Reichstag
gewissermaßen in einen Gerichtshof über kirchliche Miß⸗
Was für e tions-, der Inflations- und der Deflationszeit begangen worden. Wir sehen so wenig guten Willen, auch diese Ungerechtigkeit Unrecht zu nennen. Das liegt an einem einzigen. Wer die Ge⸗ walt hat, der bildet sich ein, ungerecht sein zu dürfen. Niemals ist Gewalt gerecht. Wie schwer ist es darum, gerecht sein!
7 der Nevolu⸗ 5
überzeugt war, nachdem Martin Luther das deutsche Gewissen geweckt hatte.
Die reformfreundliche Richtung des Reichstags wurde natürlich noch erheblich gestärkt, als die beiden Häupter der Evangelischen, Landgraf Philipp von Hes—⸗ sen und Kurfürst Johann von Sachsen in Speyer ein— trafen(am 12. bezw. 20. Juli). Beide waren entschlos— sen, dem Kaiser und Papst zum Trotz für das Evange— lium durch Wort und Tat einzutreten. Ueber ihren Wappen, die an den Toren ihrer Quartiere in Speyer angebracht waren, las man die Worte: Verbum dei manet in geternum(Gottes Wort bleibt in Ewigkeit). Da man ihren Predigern Spalatin, Agrirola und Adam Kraft den Zutritt zu den Kirchen der Stadt verbot, predigten sie unter großem Zulauf des Volkes täglich unter freiem Himmel. Fürsten, Adelige und zahlreiche Geistliche nahmen an diesen Gottesdiensten teil.
II.
Daß unter dem Einfluß der beiden genannten Für⸗ sten die Gutachten der drei Ausschüsse nicht im Sinne der kaiserlich-päpstlichen Richtung abgefaßt wurden, liegt auf der Hand. Die Vorschläge der fürstlichen Kommission, der u. a. die Bischöfe von Straßburg und Freising, sowie Landgraf Philipp und der Markgraf von Baden angehörten, waren in vermittelndem Sinne gehalten; Priesterehe und Laienkelch erklärte man für empfehlenswert;„man wollte es frei stellen, das Abend— mahl unter einer oder beiden Gestalten zu empfangen; man wollte dem Kaiser vorstellen, daß es für die Prie⸗ ster besser wäre, in ehelichem Stande zu leben, als mit übel berüchtigten Personen Haus zu halten.“ Fasten und Beichtzwang wollte man ermäßigen, die 7 Sakra⸗ mente und die lateinische Messe beibehalten, während die Schriftverlesung in deutscher Sprache für wünschens⸗ wert erklärt wurde. Gottes Wort solle„nach rechtem, wahren Verstand, nach Auslegung der von der christ⸗ lichen Kirche angenommenen Lehrer gepredigt werden“; dabei machte man den echt evangelischen Zusatz, daß eine Schrift immer durch Vergleich mit anderen Schriftstellen zu erklären sei! Man sieht, wie selbst der hohe katho⸗ gesammelt haben unter der Losung des Christentums, unter der Liebe, dann wird es anders werden in unserem Volke.
Dem Gerechten verheißt Jesus das Himmelreich. Je mehr wir auf Erden Gerechte haben, umso mehr werden wir ein Stück Himmelreich schon auf Erden erleben. Wer wollte nicht helfen, daß bald in unserem deutschen Volke das Verderben aufhört und
igle 1 will Gerechtigkeit haben. Aber das, was die Menschen darunter Es gibt nur ein Weg, der uns gerecht sein läßt. Das ist die die Erhöhung beginnt! 0 0 bverstehen, das ist nicht immer dasselbe. Hier macht Jesus einen Niels die Fesus Christns un⸗ e r Diese Nächsten⸗ Ist jemand ernstlich und bereit, aer i, AUnterschied zwischen der Gerechtigkeit der Pharisäer und der der liebe zwingt uns, mit der Lage unserer Mitmenschen zu fühlen. Das Böse abzuwenden, wirklichen Christen. Wer unter Gerechtigkeit das versteht, was Diese Nächstenliebe läßt uns einfühlen in den Kreis der Men⸗ e heil!“ die Pharisäer meinen, der hat keine Aussicht, von Gott belohnt schen, mit denen wir zusammenleben. Sie läßt uns nicht Sein eigen Herz in Händen. le 5 zu werden. Die Pharisäer hielten den für gerecht, welcher zu[nur an uns selbst denken, sondern auch an die anderen. Sie 0 nal 9 ihnen gehörte. Sie waren eine Partei. Zuerst eine politische[fragt nicht, was nützt mir, sondern, was ist recht? So schwer es 5 e e ee eee Partei. Damals, als die Juden um ihre Selbständigkeit kämpf für Weltmenschen ist, gerecht zu sein, so leicht ist es denen, die Aid niit gesalbten Trieben uhu, ten, waren sie entstanden. Als diese Selbständigkeit aufgehört 791 55 1 95 10 5 Denn. achten alle Menschen als Nach deiner wahren Jünger Pflicht 1 gen hatte und ihre Wiedergewinnung aussichtslos war, wandelten solche, die zu Ewigem erufen sind. f Einander herzlich lieben! Amen. Hr. band le sie sich um in eine religiöse Partei. Wer nun die Religion so Wieviel Anstrengungen sind schon gemacht worden, um die Bello auffaßte, wie sie es taten, den hielten sie für gerecht. Ihre Gerechtigkeit auf Erden zu verwirklichen. Man bildete sich ein, 5 2 5 n Frömmigleit bestand nun in der Hauptsache im Halten von einer] wenn wir anstelle der Monarchie eine Republik erhielten, dann Zum besseren Verstehen der in letzter Nummer auf der ersten Anmenge von Werken. Wer diese Werke tat, der war in ihren wäre die Gerechtigkeit da. Aber sie kam nicht. Wer wollte be-] Seite unterm Strich veröffentlichten Predigt ist nachstehend ab⸗ önnen, E. 0 Augen gerecht. Diese Pharisäerwerke aber haben niemand etwas haupten, daß es bei uns im Staate gerecht zuginge? Nirgends gedruckter Eingangstext notwendig, den dem Ganzen vorzu⸗ bun genützt. Dadurch unterscheiden sie sich von der Gerechtigkeit, die gilt ja mehr die Gewalt als im Staatsleben. Wir werden heute stellen der Setzer übersehen hatte.
Jesus allein schätzt. Der Pharisäer Gerechtigkeit können die Menschen mit ihren
auf allen Seiten unserer Parlamente solche haben, die in Ab— rede stellen, daß das„was die Mehrheit will, immer gerecht sei,
Glaube und Hofsen. Psalm 37,5:„Befiel dem Herrn deine Wege und
lüge, Augen sehen. Aber niemand weiß, wie es im Herzen eines selbst überzeugte Demokraten. Dabei hat man etwas in unserem hoffe auf ihn, er wird's wohl machen.“ deten solchen Gerechten aussieht. Jesus will eine Gerechtigkeit, die bei Staatsleben viel zu gering eingeschätzt. Glaube— was kann er nicht alles schaffen und wirken, wo
Gott gilt. Gott aber„sieht das Herz an“. Bei Jesus kommt es also darauf an, wie der Mensch in seinem Inneren gesinnt ist. Ein Werkgerechter nach Art der Pharisäer kann alle Satzungen halten, daneben aber seine Mitmenschen übervorteilen, betrügen, verhungern und verkommen lassen. Für Jesus ist nur der ge— recht, der sich für seine Mitmenschen verantwortlich fühlt.
Gerecht sein ist nicht leicht, sondern sehr schwer. Wir haben es ja erlebt in diesen Tagen. Man rechnete neulich den Fürsten alle nur mögliche u. unmögliche Ungerechtigkeiten nach, um Grund zu haben, gegen sie auch ungerecht verfahren zu können. Mögen früher manche Ungerechtigkeiten von den Fürsten begangen wor⸗ den sein. Haben aber solche Leute, die doch nach ihren Worten nach der Gerechtigkeit streben, ein Recht darauf, ungerecht zu sein? Damit schlagen sie ja ihrem eignen Streben in das Gesicht Wird man denn noch ihren Worten glauben, wenn sie anderes erstreben, als was sie reden? Gerechtigkeit erwarten kann nur der, der selber gerecht ist.„Was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch“.
Die Religion ist es allein, die Menschen gerecht werden läßt. Das lesen wir schon im Alten Testament in dem Worte:„Ge— rechtigkeit erhöhet ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Ver⸗ derben.“ Unter Sünde verstehen wir ein Vergehen gegen Gottes Gebote, Wer aber die Gebote Gottes achtet, der ist gerecht. Von da aus wird uns der Wag zur Gerechtigkeit offen. Solange Menschen nach der Gerechtigkeit suchen unter Mißachtung der Religion, die werden nicht an ihr Ziel kommen. Deswegen hat auch die Sozialdemokratie der Arbeiterschaft nicht zu der er— sehnten Gerechtigkeit verhelfen können. Sie hat die Religion zur Privatsache gemacht, d. h. sie hat sie verachtet. Gerade die christliche Religion hat sie hauptsächlich verfolgt. Ohne Jesus Christus werden wir nie zur Gerechtigkeit in unserem Volksleben kommen. Vielmehr werden wir von einer Ungerechtigkeit zur anderen tappen. Das aber ist das Verderben unseres Volkes Denn alle Ungerechtigkeit verbittert. In der Verbitterung tut man leicht wieder eine Ungerechtigkeit. So pflanzt sich das An⸗ recht fort. Erst dann, wenn wir alle unsere Bevölkerungsschichten
er recht ist und ernst genommen wird, wo er die Liebe im Ge— folge hat. Nichts anderes als der Glaube war es, der Jesus die Kraft zu seinen Wundertaten gab. Sein Glaube an seinen Gott und der Glaube der Menschen an ihn, den Gottessohn, die waren es, die Wunder wirkten an den Menschenherzen, die Tote wieder auferweckten und Kranke gesund machten. Dieser Glaube ist es, der uns auch heute immer wieder aufrichtet und uns stärkt. Ich glaube an Gott, d. h. ich gebe mich ganz ihm hin, ich vertraue ihm all meinen Kummer und Leid an— alle meine Sorgen werfe ich auf ihn, er wird es wohl machen— er führt mich durch alle Fährnisse und Drangsale hindurch und läßt sein Kind nicht verderben, zu ihm blicke ich auf, bei ihm finde ich immer Rat und Hilfe.
Es ist ein köstlich Ding um den Glauben. bei ihm um das, was kein Auge sieht und keine Hand greifen kann. Der Oberflächliche kann sprechen: Wo ist Dein Gott, zeig! ihn mir doch, der Leichtsinnige kann fragen: Warum soll ich denn das Gute tun, wo doch das andere um so viel leichter zu tun ist
Es handelt sich


