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a Sonnabend, den 10. April 1926.

Evangelische Warte

Nr. 15.

Aus Polstik und Parlament.

Vom Reichstag.

Der Reichstag ist am 27. März, nachdem er noch eine elfstündige Sitzung hinter sich gebracht hatte, bis zum 27. April in die Ferien gegangen. Die letzte Sitzung brachte die Annahme der Steuermilderungs⸗ gesetze und die Erledigung des Reichshaushalts in drit ker Lesung, der damit zum erstenmal seit 1911 recht⸗

hieß zeitig vor dem 1. April unter Dach und Fach gebracht werden konnte. Sämtliche Parteien, außer Kommu

6 nisten und Völkischen, stimmten ihm zu.

un Die Abstimmungen hatten im einzelnen folgendes

Jah Ergebnis: Der deutschnationale Antrag auf Senkung

il die der Hauszinssteuer um 6 Prozent der Friedensmiete taueßs wurde mit 251 gegen 98 Stimmen der Deutschnationa edaß, len und der Wirtschaftl. Vereinigung abgelehnt. Den teil. Ausschußvorschlägen entsprechend wird dann beschlossen,

9 f daß die Miete von 100 Prozent der Friedensmiete bis

mug zum 31. März 1927 nicht überschritten werden darf. In u El, namentlicher Abstimmung wurde dann über einen kom⸗ lei. munistischen Antrag auf völlige Aufhebung der Um⸗ bill, saatzsteuer abgestimmt. Der Antrag wurde mit 140 5 bie gegen 33 Stimmen bei 176 Enthaltungen der Deutsch⸗ lich, nationalen und Sozialdemokraten abgelehnt. Mi Die Luxussteuer wurde aufgehoben. 9 Die Umsatzsteuer wurde nach dem Kompromiß auf achten 9,75 Prozent festgesetzt. Auch die Kassen der politischen aon Parteien werden von der Umsatzsteuer befreit. Die Be⸗ an 10 stimmungen über die Fusions- und Vermögenssteuer er fl werden gebilligt. 05 10 Auch der Rest der Steuermilderungsvorlage wurde len Dann in zweiter Lesung unverändert nach den Ausschuß ft. 1 beschlüssen angenommen. Die ganze Vorlage gelangte len darauf in dritter Lesung zur endgültigen Verabschie⸗ liebe dung, und zwar in der Schlußabstimmung gegen Völ⸗ lle lische und Kommunisten bei Stimmenthaltung der 10 Deutschnationalen. Reichsfinanzminister Dr. Reinhold e bi wurde von den Vertretern der Regierungsparteien be 10 glückwünscht. 9 85 55 e Der Beschluß des Haushaltsausschusses, 20 Millio⸗ nen für Notstandskredite für die Winzer zu bewilligen, wurde bestätigt. Verabschiedet wurde auch der Gesetz⸗ entwurf zur Aufhebung des Staatsgerichtshofs zum nurige Schutze der Republik. Gleichfalls angenommen wurde Eva, der Gesetzentwurf über die Aussetzung der Verfahren An iber die Auseinandersetzung mit ehemals regierenden 10% Fürstenhäusern. Weiter verabschiedete das Haus den Mic Hesetzentwurf über die Wirtschaftsenquete. Genehmigt hart wurden die Beschlüsse des Ausschusses für die besetzten es B. Gebiete über Hilfsmaßnahmen für die Gemeinden mit ls n Heilbädern und privaten Heilanstalten im besetzten Ge⸗ hen biet. 4 der al Dinge Rückgang der Erwerbslosenziffer. ie Van Die Entwicklung des Arbeitsmarktes in der ersten 10 Märzhälfte zeigt eine mäßige, aber noch keineswegs 1 entscheidende Besserung. Die Zahl der Hauptunter⸗ lathe⸗ stützungsempfänger ist von 2 056 000 auf 2017 000 d. gend h. um noch nicht ganz 2 v. H. zurückgegangen. Im ein⸗ ah. zelnen haben sich die männlichen Hauptunterstützungs⸗ ene empfänger stärter, nämlich 1750 000 auf 1703 000 1 vermindert, während bei weiblichen Hauptunterstütz⸗ nes ll ungsempfängern noch eine Zunahme, nämlich von 306 er Pu. Tausend auf 315 000 eingetreten ist. Die Zahl der Zu⸗ on eine schlagsempfänger unterstützungsberechtigter Angehöri⸗ gen 0 gen von Hauptunterstützungsempfängern ist von 2 279 1115 Tausend auf 2 204 Tausend zurückgegangen. Soweit ein vird nl Rückgang eingetreten ist, beruht er zum wesentlichen 1 Mitt. keile auf den Außenberufen(Landwirtschaft, Bauge⸗

tträglü werbe usw.).

de e.

gehen sollen, beträgt 130000. Die 50 000 Mann stellen

den ersten Transport dar, der Rest folgt später.

Angesichts dieser Zahlen ist jedes Wort überflüssig.

Was hier aufs Empfindlichste offenkundig notleidet, ist

sowohl das deutsche als auch das evangelische Interesse! *

Die Gewerkschaften.

DieSozial. Monatshefte(1926, 3) veröffent lichen eine Uebersicht über den gegenwärtigen Bestand der Gewerkschaften, die nach Jahren der Schwächung und des Niederganges von starkem Optimismus getra gen ist. Zwar Neuland gibt es nicht mehr zu bear beiten,mit weiterem Massenzustrom ist nicht zu rech nen, das Reservoir ist erschöpft. Aber der erworbene Bestand steht fest.Nachdem sie im Jahr 1923 nahezu zusammengebrochen waren, haben sich die Verbände sehr schnell erholt und sind heute in sich selbst konsolidiert und gefestigt. Ihre Bureaus haben sich sozusagen zu Großbetrieben entwickelt, und nichts geschieht in der deutschen Wirtschaft wie in der Wirtschafts- und So⸗ zialpolitik, wozu nicht die Gewerkschaften in irgendeiner Weise Stellung nehmen. Die Gewerkschaften sind heute ein Element der Wirtschaft selbst geworden. Eine deutsche Wirtschaft ohne Gewerkschaften ist undenkbar. Die Entwicklung arbeitet zwingend darauf hin, daß die Gewerkschaften an der Wirtschaftsführung teilneh⸗ men. Schon heute kann man die Bestrebungen deut scher Arbeitgeberverbände, die Tarifgemeinschaft zu be seitigen und die Gewerkschaften zu ignorieren, als ver⸗ fehlt betrachten. Die Gewerkschaften als Repräsen anten der Arbeiter gehören zur Wirtschaft und können nicht ausgeschaltet werden. Die Zeit der Autokratie ist vorüber. Die Zukunft liegtin der Richtung zur Wirtschaftsdemokratie.Der Kapitalismus wird es nicht fertigbringen, die im Schoß der Zukunft schlum⸗ mernden Krisen ohne die organisierte Arbeiterklasse zu überwinden. Die sich immer schärfer aufdrängende Frage der Rationalisierung ist nur mit den Gewerkschaften lösbar. Nur bei inniger Teilnahme des Arbeiters am Innenleben des Betriebs läßt sich bei uns größere Pro⸗ duktivität der Arbeit mit stärkerer Rationalisierung er zielen.

Allerlei.

Faschismus und italienischer Protestantismus.

Aus Rom wird derTägl. Rundschau' geschrieben:

Der Protestantismus in Italien durchlebt Zeiten der Bedrückung. Faschistische Regierungs- und Polizei⸗ organe suchen seine Betätigung auf alle mögliche Weise zu unterbinden. Seit Bestehen des neuen italienischen Staates galt für die protestantischen wie für die katho⸗ lischen Kirchen die Befreiung von der Steuer für die an den Kirchtüren angebrachten Anzeigen der kirchlichen Handlungen, die sogenannten apvisi sacri. Nach der neuesten Auffassung der römischen Polizeiorgane gelten die protestantischen Anzeigen nicht mehr als apvisi sacri, sondern nur noch die katholischen. Die Beschlagnahmung der protestant. Kirchenblätter wiederholt sich in zuneh⸗ mendem Maße. Die Wochenschrift der WaldenserLa Luce ist in kurzer Zeit dreimal beschlagnahmt worden. Die Direktion bittet in Nr. 9 vom 3. März 1926 ihre Mitarbeiter, in ihren Zusendungen ernstlich jede poli⸗ tische Meinungsäußerung, jegliches Urteil über die Leh⸗ ren und Gebräuche, selbst über die Geschichte der römisch⸗ katholischen Kirche und ihre heutige Betätigung zu mei⸗ den. Unterdessen dürfen die Blätter des Vatikans un⸗ gehemmt die protestantischen Missionen, die Weltkonfe⸗ renz in Stockholm, den Protestantismus in Geschichte und Gegenwart schmähen und lästern. Trotz aller Theaterwolken sind Mussolini und Vatikan sich einig. Die Kosten zahlt der Protestantismus.

*

Ein kirchliches Sozialfest.

P öffentlich Gehorsam und Ergebenheit zu bezeugen, wenn sie auf die Unversehrtheit ihrer Macht, den Fort⸗ schritt und das Gedeihen ihres Vaterlandes Wert legen. Die Fürsten und rechtmäßig gewählten Regierungen müssen sich von der Ueberzeugung durchdringen, daß sie nicht aus eigenem Recht, sondern im Auftrage des gött lichen Königs regieren. Die Feier dieses Festes werde die Nationen auch an ihre Pflicht mahnen, Christus öffentlich zu verehren, und ihm nicht nur durch Privat⸗ personen, sondern auch durch die Beamten und Regie rungen Gehorsam zu erweisen. Die erste Anregung zur Einsetzung des Festes wurde auf dem französischen eucharistischen Landeskongreß in Parayle-Monial im Jahre 1921 gegeben. Danach hätte der Titel des Festes sein sollen:Fest der sozialen Herrschaft des Heiligsten Herzens Jesu. Der Papst hat diesen Titel abgekürzt in Festum Jesu Christi Regis: Königsfest Jesu Christi. *

13 288 Selbstmorde jährlich.

Das Statistische Reichsamt hat soeben eine Auf stellung abgeschlossen, nach der im Jahre 1923 in Deutsch land 13288 Menschen Selbstmord begangen haben. 13 288 Menschen bilden zusammen eine Stadt oon an sehnlicher Größe. Eine ganze solche Stadt vernichtet sich freiwillig im Deutschen Reiche innerhalb eines Jahres. Jeder fünftausendste Mensch in Deutschland legt resig niert sein Leben beiseite. Das wirft einen tiefen Beick in die sozialen und religiösen Zustände unserer Zeit.

Um die Weihnachtszeit haben die Selbstuen de immer zugenommen, alles bisherige aber übertrifft die Ziffer, die innerhalb sieben Tagen, nämlich vom 13. bis 19. Dezember, von Berlin gemeldet ist: 74 Selbstmorde und Selbstmordversuche! Und wieviele mögen nicht zur Kenntnis des Polizeipräsidiums gelangt sein, weil die Opfer nicht gleich gestorben sind. Unheilbare Krank⸗ heiten, Liebeskummer, Arbeitslosigkeit, finanzielle Be drängnis, Trunksucht, Familienstreitigkeiten werden als Gründe angegeben.

Aus Nah und Fern.

Kommunistischer Terror!

In Höchst a. M. spielten sich am Palmsonntag Nach⸗ mittag vor der evangelischen Kirche stkandalöse Vorgänge ab. Im festlich geschmückten Gotteshaus war die Ge⸗ meinde zur Prüfung der Konfirmanden versammelt. Zu gleicher Zeit war auf dem benachbarten Marktplatz eine kommunistische Kundgebung mit Musik. Als zu Beginn des Gottesdienstes die Glocken läuteten, drangen einige jugendliche Kommunisten in das Innere der Kirche ein, um das Läuten zu verhindern, und um Auf⸗ rufe an die Kirchenbesucher zu verteilen. Von Polizisten wurden sie aus der Kirche entfernt. Dann versuchten Zettelverteiler in den Zug der Konfirmanden, der von den Geistlichen und den Kirchenvorstehern geleitet wurde, einzudringen; andere begleiteten den Eintritt der Konfirmanden in die Kirche mit höhnenden Zu⸗ rufen; einige gaben ihrer Verachtung sogar durch Aus⸗ spucken Ausdruck. Dieser unerhörte Vorfall ist wieder ein Beweis, daß gerade diejenigen, welche für sich die Freiheit der Ueberzeugung fordern, nicht so viel Anstand haben, die Ueberzeugung anderer zu achten. And es drängt sich uns die ernste Frage auf: Sollten wir im christlichen Deutschland schon so weit sein, daß die christ⸗ lichen Gemeinden ihre Gottesdienste nicht ungestört ab⸗ halten lönnen, und daß die Kirchenglocken schweigen müssen vor dem Gesang der Internationale? Dieser Vorgang in Höchst a. M. wird gewiß manchem die Augen öffnen, zu erkennen, wohin wir kommen, wenn dem kommunistischen Terror nicht Einhalt geboten wird. Denen, die es von Amts wegen angeht, sei die Mah⸗ nung zugerufen:videant consules, ne quid detrimen tum res publica capiat..(Die Machthaber mögen zu⸗

bu MAE 2 Ein Weihnachtsrundschreiben des Papste 0 kt sehe ß das Gemei 0 icht S i 5 ischehe. 2 15 s Papstes beschenkt[sehen, daß das Gemeinwesen nicht Schaden leidet.) Ge 19 0 1530 000 polnische Landarbeiter für Deutschland. die ibo ene mit einem ellen Fest, das wiß wird auch die kirchliche Behörde die Sache nicht auf a DieSchlesische Volkszeitung vom 17. März 1926 unter dem NamenChristus König jedes Jahr am sich beruhen lassen. Unsere Konfirmanden aber werden unge meldet aus Warschau: In den nächsten Tagen begibt letzten Sonntag des Oktober gefeiert werden soll. Die[gerade im Gedenken an dieses unliebsame Erlebnis am ur en sich ein Transport von 50 000 polnischen Arbeitern zu Enzyklika betont eindringlich den Grundsatz der Souve-[Konfirmationstag freudig bekennen:Wir schämen uns Lell landwirtschaftlichen Arbeiten nach Deutschland. Die ränität der Kirche und der Vormacht Jesu Christi über des Evangeliums von Christo nicht, denn es. ist eine Dig ßesamtzahl der polnischen Landarbeiter, die sogenann⸗ jedes Staatsrecht. Die Regierungshäupter sollten sich Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran

in eus, senSachsengänger, die dieses Jahr nach Deutschland daher nicht dagegen sträuben, dem Reiche Christi glauben. Paradies ist nur ein Uebergangszustand. So liegt über der ganzen schlechtern. Darum muß jeder viele männliche Nachkommen

Neues aus dem japaauschen eben 1 und der Japan⸗Mission.

Von Missionsdirektor D. Dr. Witte.

get: Et 1 5. Fortsetzung.

2. Sie sind fromm, aber ohne lebendige Hoffnung.

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Phantheismus gibt keine Hoffnung für das Jenseits. Das Letzte 12 ird sein, so seine Meinung, daß alles, was jetzt lebt, einmal Zia d persinkt in dem unendlichen, unbewußten Göttlichen:das Licht

en Gil brennt nicht mehr, der Quell rinnt nicht mehr. Es ist kein

Richtsein, aber auch kein Sein, dasIch hört auf. Wie im

gen fuß Schlummer löst sich das Bewußtsein. Das ist das Nirvana.

1 Unsere Seele aber will nicht so versinken und ewig ent⸗ wenn fl Ichlummern, sondern alles in uns schreit nach Leben, nach ewigem 5 el 1 Leben, nach Erhaltung und Verklärung unseres Ich in der Ge

weinschaft mit Gott. In allen Menschen lebt dies Verlangen. In China und Japan hat es besonders klare Gestalt gewonnen an it einer Form des Buddhismus, der Amidalehre. Da weiß man

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Leule 10 5 reden von dem Paradies des Westens, in das man eintritt nach ine Pi em Tode. Das ist Amidas seliges Reich, in dem Freuden herr⸗ b wei, gen in Fülle. Man weiß nicht, ob diese Hoffnung dorthin aus 5 d55 al em Christentum kam, sie findet sich erst in nachchristtlicher Zeit, loft wih ind zwar erst in der Zeit, in der dort durch die Nestorianer das

67 christentum schon betannt war. Aber, auch in dieser Form des len d. zuddhismus ist das Schließliche doch das Nirvana, das Sein im

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dem wir erlöst werden müssen.

japanischen Welt diese müde Stimmung der Verneinung alles

Lebens. Dem Buddhismus ist ja alles das, was wir Leben nicht ein Gut oder Glück, sondern vielmehr das große Uebel, von Alles Elend der Menschen liegt

haben. Denn sein eigenes Los nach dem Tode hängt von deren Gaben ab. Darum ehrt man die Alten, die bald Geister wer⸗

nennen, auch in seiner feinsten und frommsten Vergeistigung, den. Wenn sie alt sind, ehrt man sogar die Frauen. Denn wer⸗

den sie baldkami, Götter wenn auch ins Dunkel verbannt

und können, tut man ihnen nicht gut, sich rächen durch Unglück,

geradezu darin, daß wir nach Leben begehren, nach Lebensfreude

abgetötet werden.

hier und Lebensseligkeit im Jenseits. Dieser Lebenstrieb muß Das geschieht in ungezählten Wiederver⸗ körperungen, daß man immer und immer wieder in der Welt geboren werden muß, als Tier oder als Mensch, bis man ganz reif ist für das erlösende Nichtmehr-Geborenwerden-Müssen, das Nirvana, wo alles Leben endet. In den Zwischenzeiten aber zwischen den einzelnen Verkörperungen müssen die Seelen durch Fegefeuer und Höllen hindurch mit furchtbaren Qualen, zur Abbüßung ihrer Sünden. Das ist das Reich des Gottes Emma, des Königs der Unterwelt. Um ihnen diese Pein zu er⸗

leichtern, betet man für die Seele zu den Buddhas und zu

Djisso, läßt auch Totenmessen von den Priestern lesen und stellt Holzplättchen, auf denen diese Fürbitten von den Priestern quittiert sind, auf die Gräber.

wandten aus dem Jenseits ins

das sie verhängen.

Einmal im Jahre, vom 13. bis 16. Juli, beim großen Toten⸗ fest(Bon⸗Matsuri) kommen alle Seelen der entschlafenen Ver⸗ Diesseits, in das Haus ihrer

Hinterbliebenen. Da richtet man ihnen in einem besonderen

Zimmer ein festliches Essen her, während die Lebenden sehr

Neben dieser trostl. buddh. Jenseitsvorstellung geht unaus⸗

geglichen im Volke nebenher die andere, schon erwähnte Vor⸗ stellung vom Versinken der Toten in einer freudlosen, dunklen Unterwelt, in der man, soll das Schicksal dort auch nur erträglich sein, Opfer und Gaben braucht von den hinterbliebenen Ge

kärglich sich behelfen. Vor Sonnenaufgang begrüßt man die Seelen am Tor, wo sie schon warten, und geleitet sie in das Festgemach. Dort läßt man sie allein, während ein Priester vor den Totentafeln Gebete liest. Abends begleitet man sie wieder hinaus, bittet um ihre Gunst und ihren Schutz und zieht hinab zum Fluß. Da nimmt man kleine Papierschiffchen, stellt bren⸗ nende Kerzen hinein und setzt sie auf das Wasser. Nun ladet man die Seelen ein, in den Schiffchen Platz zu nehmen, zur Rückkehr ins Jenseits, So müssen sie dann wieder zurück in das grausige Dunkel.

Dagegen halte man die christliche Jenseitshoffnung! Welch ein Unterschied. Die armen Menschen, die nichts wissen vom Jenseits, als was Schintoimus und Buddhismus sagen!

(Fortsetzung folgt.)