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Evangelische Wa

N 0 e N 0 Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft

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Nicht Demokrallfterung, sondern Nepublikanifierung.

2. Jahrgang. Sonnabend, den 10.

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ist nach den Worten des preußischen Innenministers Se bering, die er anläßlich einer Reichsbannerkundgebung in Bielefeld sagte, die wichtigste Aufgabe. Er meinte so⸗

gar, daß die Selbstverwaltung zum Teil schon zu weit

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sortgeschritten wäre und dadurch in manchen Fällen die Republikaner in den Verwaltungsstellen zu wenig be⸗ rücksichtigt seien. Wir wollen nicht näher auf Einzel⸗ heiten eingehen, auch nicht diese Verwaltungsfragen näher besprechen, sondern auf etwas eingehen, das unse⸗ res Erachtens mit dieserNicht-Demokratisierung zu⸗ sammenhängt. Demokratie heißt Volksherrschaft. Das Volk gibt durch Wahlen seine Meinung kund, und seine Vertreter üben aus, was das Volk wünscht. Ist es heute so in Deutschland? Sind die Wahlen der Ausdruck des Volkes? And sind die Vertreter wirklich die Ver treter des Volkes? Gewiß geben die Wahlen immerhin noch ein Bild der Volksmeinung. Aber was zeigen die Wahlen? 50 Prozent, 80 Prozent, ja 89 Prozent gehen nicht mehr zur Wahlurne. And das ist eine vielsagende Absage, dem heutigen Parteisystem gegenüber, eine Absage an den Parlamentarismus in der heutigen Form. Und was geschieht nun mit den Wählern? Auch die werden nicht einmal ernst genommen; sondern es scheint so, als ob in pielen Kreisen die Ansicht herrscht: die Volksmeinung vertreten nur die großen Parteien, darum muß man die lleinen unterdrücken. Und das wird planmäßig getan. Ein jeder aufmerksame Zeitungsleser wird beobach⸗ tet haben, daß in den letzten Monaten viel von einer Umänderung des Wahlrechtes die Rede war. Ein neues Wahlgesetz liegt schon vor, nämlich das Wahlgesetz für die Provinziallandtage und Kreistage vom 7. Oktober 1925. Jetzt hören wir von Entwürfen eines neuen Wahlgesetzes für den Reichstag. Beide tragen be⸗ wu ß t und deutlich den Charakter, die kleinen Parteien ju unterdrücken.(Die großen Parteien sagen immer: Splittergruppen.) Man kann aber genau so gut sagen:

Unterdrückung der Minderheiten von Volksgenossen, von Brüdern und Zwang, eine der großen, bestehenden Par⸗

teien zu wählen.

Wie ungerecht die praktische Auswirkung eines sol⸗ chen Gesetzes ist, soll an einem Beispiel der letzten Pro⸗ binziallandtagswahlen gezeigt werden. In Westfalen hatte die Wahl folgendes Ergebnis: Zentrum 496 910,

Sozialdemokraten 330 002, Deutsche Volkspartei 169329, Deutschnationale Volkspartei 155 126, Kommunisten

135 505, Demokraten 39 555, U. S. P. D. 5378, Polen

1620, Christlich⸗soziale Gesinnungsgemeinschaft(evgl.)

14345, Ehristlich⸗soziale Partei 15 944, Völkische 6644,

partei 10519, Partei für Menschenrecht und Frieden 996, Sparerbund 12 909, Wirtschaftliche Wählerver⸗ einigung 2031, Wirtschaftspartei 30 529 Stimmen.

Glaube und zweifel.

Wenn wir uns ein geschichtliches Beispiel für einen Zweifler

juchen wollen, dann kommt uns immer das Bild des zweifelnden Thomas in die Erinnerung. Thomas möchte ja gerne glauben. Sein Zweifel beruht nicht auf Oberflächlichkeit, wie man solches so häufig bei Menschen antrifft. Sie haben gar nicht sich die

Mühe gegeben, einmal tief über den Glauben nach zu denken, sondern schwatzen irgend etwas nach, was sie einmal gehört oder zelesen, aber nicht verstanden haben. Thomas ist durchaus nicht ein solch oberflächlicher Mensch. Seine Zweifel entspringen dem edürfnis nach einer Gewißheit. Er will gern seinem Herrn ienen, aber er muß die Gewißheit haben, daß dieser auch wirk⸗ lich auferstanden ist. Er gibt sich nicht mit einer Stimmung ufrieden, sondern muß in seinem Innersten überzeugt sein von em, was er öffentlich lehren und verkündigen will. Solch ein Zweifel aus suchender aufrichtiger Seele dürfen wir nicht gering achten. 2 1 142 Auch Jesus hat ja den Zweifel des Thomas nicht gering geachtet. Vielmehr hat ihn Jesus vollständig überzeugt. Thomas durfte schauen und sich überzeugen. Die Frage ist nur die, ob uns die Augen und die Ohren wirklich mmer vollständig überzeugen können? Denn wir stehen heute a nicht mehr auf demselben Standpunkt wie vor 50 Jahren, da nan nur das glauben wollte, was man sehen und hören kann. Dieser Standpunkt ist ja heute überwunden und nur noch im Wissen zurückgebliebene Menschen vertreten diesen Standpunkt. Wir haben heute so viele Beispiele von Sinnestäuschungen, so⸗ uns eine sinnliche Wahrnehmung nie ganz überzeugen wird. Diese Zweifler, die aus wissenschaftlicher Genauigkeit zu hren Zweifeln gekommen sind, müssen sich demnach heute esigniert eingestehen, daß sie nie die Sicherheit erlangen können, bie sie suchen. Das ist aber ein Eingeständnis, das entweder vom Zweifel abführt oder aber zur Verzweiflung bringt. Ein ganzes

Partei für Wahrheit und Recht 315, Landwirtschafts⸗

Nach dem alten Wahlgesetz vom 3. Dezember 1920 wäre die Mandatsverteilung wie folgt vor sich ge gangen:(In Klammern ist die Mandatsverteilung nach dem neuen Wahlgesetz vollzogen.) Zentrum 48(50), Sozialdemokraten 32(32), Deutsche Volkspartei 16(17), Deutschnationale 15(16), Kommunisten 13(14), Demo⸗ kraten 4(05), Polen 1(), Christlich-soziale Gesinnungs gemeinschaft(evgl.) 2(), Christlich-⸗soziale Partei 2 (), Landwirtschaftspartei 1(), Sparerbund 1() Wirtschaftspartei 3(4). Wie ist dieser Unterschied zu erklären? Das neue Wahlgesetz hat einen Paragraphen, (13, Abs. 3) der lautet:Bei der Verteilung sind jedoch nur solche Gruppen zu berücksichtigen, die entweder an abgegebenen gültigen Stimmen in einem Wahlbezirke mindestens die Verteilungszahl oder insgesamt minde⸗ stens die doppelte Verteilungszahl erhalten haben. In der Ausführungsanweisung zum Gesetz heißt es:Hier bei ist jedoch, um eine zu starke Zersplitterung der Par⸗ teien im Provinziallandtage zu verhindern, die neue Vorschrift getroffen worden.... Wie ungerecht die neue Mandatsverteilung ist, wird uns auch am folgenden klar: Die Kommunisten bekommen ihren 14. Sitz auf 84 Reststimmen und die sog. Splittergruppen bekommen auf 14, 15 000 Stimmen noch nicht einmal einen Sitz. Von einer anderen Seite betrachtet, ist es so: die wirk liche Verteilungszahl, auf die ein Mandat kommt, ist 10 417; aber die Wirtschaftspartei bekommt im Durch⸗ schnitt auf 7621 Stimmen einen Sitz. Es sind 138 Sitze auf Grund des Gesetzes(§ 3, 1) zu verteilen, und da die kleinen Gruppen nicht berückhsichtigt werden sollen, be kommen eben Parteien Sitze geschenkt, obwohl ihnen auf Grund ihrer Stimmenzahl kein Sitz mehr zu steht.

Die gewählten Vertreter sind Vertreter der großen

Parteien, aber nicht Vertreter des ganzen Volkes; denn zum Volke gehören auch die kleinen Gruppen und die Nichtwähler. Eins überrascht noch, diese Bestimmung betr. Aus⸗ schaltung der kleinen Gruppen wird nicht auf die Kreistage angewandt. Hat man es vielleicht darum ge⸗ tan,damit unter keinen Amständen die großen Parteien unter dieser Bestimmung leiden? Denn das wäre ein⸗ getreten, wofür wir Beispiele anführen könnten.

In Südtirol werden deutsche Minderheiten unter drückt, und mit Recht protestieren wir dagegen. Der Diktator Mussolini sagt aber, das ist keine Unter⸗ drückungspolitik, sondern nur eine Politik der Italiani⸗ tät. In Deutschland werden bei Wahlen Minder⸗ heiten deutscher Volksgenossen unterdrückt. Die Dikta⸗ tur der großen Parteien nennt es: Ausschaltung von Splitterparteien und die Erzielung möglichst klarer Mehrheitsverhältnisse. In beiden Fällen ist es und bleibt es Unterdrückung, bewußte Bekämpfung, weil in

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Leben kann durch solche Zweifel verdorben werden. Darum warnt Jesus den Thomas vor solchem Zweifel. Was hat er sich schon an Freude u. Seligkeit genommen, die die anderen Apostel haben konnten.Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Selig sind die Menschen, welche zu einem großen Glauben durchdringen und an ihm festhalten auch dann, wenn sie nicht sehen und hören. Gewiß ist jeder Glaube ein Wagnis. Wir dürfen den Glauben nehmen, welchen wir wollen. Auch der Glaube an unser deutsches Volk war in den Jahren 191418 ein Wagnis. Allerdings war dieser Glaube ein Irrtum ge wesen. Der Gottesglaube aber ist das Vertrauen zu dem Höchsten, das wir überhaupt kennen. Wenn wir auf Gott nichts mehr wagen wollten, dann gäbe es ja für uns keine Hoffnung, kein Vertrauen, keine Hilfe, nichts, was fest steht in der Welt. Darum ist also Jesus nicht mit Thomas zufrieden, weil er nicht auf Gott seinen Glauben wagen wollte. Selig waren darum ihm gegenüber jene anderen Jünger, welche gegenüber einer ganzen Welt bekannten: Jesus ist nicht tot, Jesus lebt!

Wie kommt man wohl zu einem so großen Vertrauen, zu glauben, ohn zu sehen? Man muß sich viel mit Jesus beschäf⸗ tigt haben. Jesus selbst besaß ja ein vorbildliches Gottver⸗ trauen. Sodann muß man sein eigenes Leben beobachtet haben mit der steten Frage: Wo hat sich mir mein Gott gezeigt? Dann wird man ein viel besseres Verständnis vom eigenen Leben be⸗ kommen. Was früher als Zufall erschien, versteht man als Fügung unseres Gottes. Dann kommt aus dem Inneren des Menschen, aus den Tiefen der Seele heraus die Ueberzeugung, Gott hat Jesus auch uns zu Liebe aus dem Tode auferweckt und ihn zum Leben erhöht.

Dazu kommt aber noch das, was Jesus für dich ist. Ist er für dich nur ein Mensch gewesen, wie andere Menschen, dann ist er auch für dich tot, wie andere Menschen. Stehst du aber auf dem Bekenntnis des Apostels Petrus: Wir haben geglaubt

und erkannt, daß du bist Christus, der Sohn des lebendigen

beiden Fällen die Minderheiten dem Herrschaftsstreben, der Diktatur sehr gefährlich werden könnten.

Wir sehen, nicht nur in den Verwaltungen wünscht man die Nicht-Demokratisierung, sondern auch bei den Wahlen will man nicht Demokratie Volksherrschaft, sondern Parteiherrschaft. In den Parlamenten herr⸗ schen die Parteien, beeinflussen die Regierungen und diese ihre Macht will man festigen, ausbauen schon bei den Wahlen! Wahrlich eine Diktatur der Parteien, aber keine Demokratie. L. Rese.(ImAufwärts.)

Der Völkerbund.

Die Genfer Vorgänge, die jetzt den Mittelpunkt der Welterörterung bilden, wirken wie ein nachträglicher Kommentar zu den Erwartungen, mit denen das christ⸗ liche Ausland auf der Stockholmer Weltkonferenz die große Mehrheit der Deutschen verhielt sich bekanntlich in dieser Frage zurückhaltend den Völkerbund begrüßte. ImTag(1926, 67) schreibt dazu Generalsup. Dr. Di⸗ belius:

An dem Fehlschlag von Genf ist, vom Standpunkt des Ehristentums betrachtet, nicht das Entscheidende, daß ein einziger ehrgeiziger südamerikanischer Politiker die Staatsmänner der größten politischen Weltmächte hat zwingen können, nach vierzehntägiger Hochspannung aller Kräfte mit langen Gesichtern nach Hause zu fahren. Das Entscheidende ist, daß der Völkerbund sich, für jeder⸗ mann sichtbar,als politisches Instrument erwiesen hat, mit politischen Mitteln und zu politischen Zwecken benutzt, wie jede andere politische Einrichtung auch. Es mag für die einzelnen politischen Mächte zweckmäßig sein oder nicht, sich des Völkerbundes zu bedienen. Es geht aber nicht an, den Völkerbund mit einem Heiligen⸗ schein zu umgeben, als sei er die Verwirklichung einer großen sittlichen Idee!

Es wird uns als evangelischen Christen nicht leicht, das auszusprechen. Auch wir empfinden die Verpflich⸗ tung, für den Sieg Jesu Christi zu kämpfen nicht nur im Leben des einzelnen, sondern ebenso innerhalb der großen internationalen Politik. Wo immer politische Bildungen sich zeigen, wollen wir versuchen, sie mit dem Geist Jesu Christi zu durchdringen. Nur dagegen weh⸗ ren wir uns, daß der Völkerbund auf einer anderen Ebene liegen soll als die sonstigen politischen Organi⸗ sationen. Für die Kirche Jesu Christi ist der Völkerbund nicht mehr und nicht weniger Missionsobjekt, als alle übrigen politischen Lebensformen auch. Wir überlassen die Entscheidungen, die mit ihm zusammenhängen, den Staatsmännern, die für das politische Leben die Ver⸗ antwortung tragen. Sobald Deutschland dem Völker bund angehören wird, werden auch die evangelischen Kirchen Deutschlands an ihm mitarbeiten schon um

Gottes, dann ist er für dich lebendig, dann kann er nicht tot

sein. Dann haben erst jene Bilder von ihm Wert, die ihr in euren Stuben hängen habt und euch an ihn erinnern sollen. Hälst du ihn für deinen Seligmacher, für den einzigen ewigen Seelsorger der Menschen, dann kann es jedem gleich sein, ob er den Jesus körperlich auferstanden gesehen hat, wie Thomas, oder nicht. Was haben denn wir noch von einem körperlichen Christus? Wir bedürfen den lebendigen Christus, sitzend zur Rechten Gottes, welcher lebet und regieret in Ewigkeit. Wir brauchen einen Christus, der uns stark und froh macht und uns hilft in Kreuz und Sorge, in Not und Tod.

Darum ist selig der, der sich durch die Zweifel hindurchge⸗ rungen und gekämpft hat. Sicher ist der glücklicher daran, dem die Zweifel erspart werden. Wer sich aber durch die Zweifel hat hindurchkämpfen müssen, der gelangt oft zu einem unverlier⸗ baren großen Glauben. Für den gilt dann durch das ganze Leben hindurch die Gewißheit, die Chr. F. Gellert in den Worten ausdrückt:

Jesus lebt,

Mit ihm auch ich;

Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt

Und wird auch mich

Von den Toten auferwecken.

Er verklärt mich in sein Licht; Dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt,

Nun ist der Tod

Mir der Eingang in das Leben. Welchen Trost

In Todesnot

Wird er meiner Seele geben, Wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr meine Zuversicht! Amen.